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HenningS

Ich-Perspektive und Zeiten

Empfohlene Beiträge

Liebe Montis,

eben habe ich Kreatives Schreiben unterrichtet.

Ich umriss kurz das Thema und bat die Teilnehmerinnen eine Szene zu schreiben. In der Ich-Perspektive und im Präteritum. Daraufhin erklärten einige der TN, sie würden eine Ich-Perspektive normalerweise im Präsens schreiben. Zwei von ihnen sagten sogar, beim Lesen von Ich-Erzählungen in der Vergangenheitsform würde es ihnen schwerfallen, in die Geschichte reinzukommen. Wie sind dazu eure Erfahrungen bzw Meinungen?

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Ich bin da befangen. Ich schreibe gern in der Ich-Perspektive und und im Präsens. Oft beides zusammen. Letztens musste ich eine Buch im Präteritum schreiben und hatte damit Schwierigkeiten. Irgendwie rutschte immer das Präsens wieder rein. ) Was meine Leser angeht (die, die sich dazu geäußert haben), finden beides gut. Ab und zu sagt eine, sie müsse sich gewöhnen, aber nach ein paar Seiten ist es nicht mehr fremd.

Die Montalban-Reihe, Die Normannen-Saga, Die Wikinger-Trilogie, Bucht der Schmuggler, Land im Sturm, Der Attentäter, Die Kinder von Nebra, Die Mission des Kreuzritters, Der Eiserne Herzog, www.ulfschiewe.de

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vor einer Stunde schrieb HenningS:

Ich umriss kurz das Thema und bat die Teilnehmerinnen eine Szene zu schreiben. In der Ich-Perspektive und im Präteritum. Daraufhin erklärten einige der TN, sie würden eine Ich-Perspektive normalerweise im Präsens schreiben. Zwei von ihnen sagten sogar, beim Lesen von Ich-Erzählungen in der Vergangenheitsform würde es ihnen schwerfallen, in die Geschichte reinzukommen. Wie sind dazu eure Erfahrungen bzw Meinungen?

Normalerweise schreibe ich in der 3. Person Präteritum und lese diese Perspektive auch am liebsten. Bei zwei Romanen hatte ich je eine Vergangenheitsperspektive, einmal in der 3. Person Präsens, einmal in der Ich-Form Präsens. Beim ersten haben die Leser es wohl gern gelesen, beim zweiten Buch beschwerte sich jemand in einer Rezension über diesen "kindlichen Stil". Sicher werde ich hauptsächlich bei der 3. Person Präteritum bleiben.

Übrigens, eines der wenigen Bücher mit durchgängiger Ich-Perspektive, die ich wirklich gern gelesen habe, war "Der Name der Rose" von Umberto Eco. Da stockte ich am Anfang wie immer, aber dann ging es los. Und das nicht nur einmal und auch mehrmals als Film

Bearbeitet von Christa
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Ich habe bisher die meisten meiner Projekte in der Ich-Perspektive im Präsens geschrieben. Aber im New Adult Genre ist das auch eine übliche Form, manche AutorInnen nutzen aber auch die Vergangenheitsform. Wenn es nah an der Figur geschrieben ist, liest sich beides gut, finde ich :-)

Ab 01.01.2021 Lovelyscript-Lektorat Liebe im Mittelpunkt

Am 23.08.2023 erscheint mein Debüt - "The Sky above us"

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Im Selfpublishing ist für die Ich-Perspektive sowohl Präsens als auch Präteritum vertreten und wird beides gut angenommen.

~~~ Carina alias C. R. Scott ~~~

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Die gängigen Kombis (zumindest in Spannungsromanen) sind m.E. 3. Person im Präteritum und 1. Person im Präsens.

3. Person im Präsens und 1. Person im Präteritum sehe ich sehr selten.

Ein Beispiel für sehr gute Ich-Perspektive im Präteritum sind für mich die Psychothriller von Linwood Barclay.

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Ich glaube, das ist a) vom Genre abhängig und b) von der Sozialisierung. Ich bin zu einer Zeit groß geworden, in der die meisten Bücher 3. person Präteritum waren. Ich lese das sehr gern und schreibe es auch sehr gern. Habe auch schon 1. Person Präteritum geschrieben, schlicht und ergreifend, weil ich ein bisschen Foreshadowing haben wollte, und im Präsens kann man halt keine Sätze schreiben wie "Hätte ich da schon gewusst, was kommt ...". Der Unterschied zwischen 1. Person Präsens oder Präteritum würde mir beim Lesen vermutlich nicht mal auffallen.
Im englischen Sprachraum scheint mir derzeit 3. Person Präteritum im Kommen zu sein. Das finde ich seltsam, aber selbst da liest man sich rein.

Letzten Endes ist es doch der Job, dem jeweiligen Buch die Perspektive mitzugeben, die es braucht bzw die man als Schreiber*in als richtig empfindet.
Gerade schreibe ich eins, in dem gibt es 1. Person Präsens, 1. Person Präteritum, 3. Person Präteritum und ... tatata ... 2. Person Präsens. (Und ich behaupte, sie sind alle gut nachzuempfinden.)

Wie nah man an die Figur rangeht, hat wenig mit dem Personalpronomen zu tun.

Meine 2 Cent.

Bearbeitet von JuliaD
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Ich habe bisher meist in der 3. Person im Präteritum geschrieben und diese Perspektive auch am liebsten gelesen. Mit der Ich-Perspektive habe ich insbesondere dann Schwierigkeiten, wenn mir der Protagonist zu fremd ist. Seit ich zwei Romane in der Ich-Perspektive (im Präteritum) verfasst habe, muss ich sagen, dass mir diese Perspektive am leichtesten fällt, weil sie mich direkt in meine Geschichte zieht.

Für die 1. Person im Präsens konnte ich mich nicht erwärmen, bis ich das Manuskript einer Kollegin gelesen hab. Nach einem holprigen Start – was nicht an ihrem Schreibstil, sondern an meinen Lesegewohnheiten lag – habe ich mich damit angefreundet. Es hängt wohl wirklich von Genre ab und ich war bislang eher eine klassische Leserin mit einem Faible für E. Wenn ich die Wahl habe, greife ich immer noch zu Romanen in der 3. Person im Präteritum. Aber ganz so festgefahren bin ich nicht mehr.

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vor 2 Stunden schrieb VeronikaB:

 was nicht an ihrem Schreibstil, sondern an meinen Lesegewohnheiten lag

Ich behaupte mal, "Lesegewohnheiten" ist das Schlüsselwort bei @HenningS' Ausgangsfrage. Gerade sehr junge Leserinnen kennen ja manchmal kaum was anderes als 1. Person Präsens. Ich habe für Northern Love extrem oft gehört "Anfangs hatte ich Schwierigkeiten mit der Erzählerperspektive, aber dann ging es".
(Meine sämtlichen Versuche zu vermitteln, dass ALLE Perspektiven "Erzählerperspektiven" sind, scheiterten.)
Und ich dachte jedes Mal, dass 3. Person Präteritum eigentlich außerhalb von NA nicht ungewöhnlich ist.

Bearbeitet von JuliaD
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Als ich meinen ersten Roman schrieb, war eine grobe Verlagsvorgabe, dass es eine Lebensgeschichte sein sollte. Zusammengesetzt aus 15 Kurzgeschichten. Die einzelnen Geschichten spielten im Abstand von mehreren Jahren. Um die Geschichten stärker untereinander abzuheben, habe ich alle 6 Möglichkeiten von Perspektiven (Ich, PE, AE) kombinert mit Präsens oder Präteritum genutzt. Sogar eine kurze "Briefgeschichte" war dabei.

Als daraus dann meine Todsündenreihe wurde, habe ich als wiederkehrendes Stilmittel diese wechselnden Perspektive und Zeiten beibehalten. Darüber hat sich nie jemand beschwert. Interessanterweise gab es sogar Leser, denen das gar nicht aufgefallen war. Dabei ist mir natürlich bewusst, wie unterschiedlich bei den verschiedenen Perspektiven und Zeiten das Lesegefühl ist.

Ich war nur so erstaunt, wie vehement einige meiner Kursteilnehmerinnen Ich + Präteritum ablehnten.

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vor 7 Minuten schrieb HenningS:

Ich war nur so erstaunt, wie vehement einige meiner Kursteilnehmerinnen Ich + Präteritum ablehnten.

Dabei ist diese Perspektive im Alltag die natürlichste, wenn man etwas tatsächlich Erlebtes erzählt. Gut, im Gespräch tendieren Menschen aus dem süddeutschen Sprachraum eher zum Perfekt. Dennoch ist Ich + Präteritum/Perfekt die übliche Erzählperspektive, abseits vom Autorendasein.

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vor 14 Minuten schrieb HenningS:

Ich war nur so erstaunt, wie vehement einige meiner Kursteilnehmerinnen Ich + Präteritum ablehnten.

Gib ihnen „Alibi“ von Agatha Christie zu lesen. :-) 

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vor 16 Minuten schrieb JuliaD:

(Meine sämtlichen Versuche zu vermitteln, dass ALLE Perspektiven "Erzählerperspektiven" sind, scheiterten.)

Bedeutet im Wort "Erzählerperspektiven" das Wort "Erzähler" die/der Autorin/Autor des Romans? Oder ist damit die Reflektorfigur gemeint, durch die wir das Geschehen wahrnehmen? Beim Allwissenden Erzähler und beim Ich empfinden wir beim Lesen immer eine Figur, die sich zwischen Leser und Geschehen schiebt. Das ist aber bei einer gut gemachten Personalen Erzählweise nicht der Fall. Hier sind wir direkt im Geschehen -- ohne dass die Wahrnehmung des Geschehens durch Gefühle oder Wertungen gefärbt wird.

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vor 12 Minuten schrieb VeronikaB:

Dabei ist diese Perspektive im Alltag die natürlichste, wenn man etwas tatsächlich Erlebtes erzählt.

Romansprache und Alltagssprache unterscheiden sich aber dadurch, dass Romansprache etwas "Künstliches" ist. Wenn dir jmd eine Begebenheit erzählt und du dabei eine Tonaufnahme machst  -- wenn du das Aufgenommene dann abschreiben würdest, wäre es in den meisten Fällen fast unlesbar. In die Länge gezogen, hin und her springend, mit Wiederholungen.

Selbst Perspektiv"fehler" sind ja in der Alltagssprache häufig: "An der Ampel -- der Typ im Auto neben mir dachte, er wäre schneller als ich. Aber dem hab ich's gezeigt ..." In einer Roman-Ich-Erzählung würde jede Lektorin sofort anmerken: Woher wusste die Ich-Figur, was der Typ im Auto daneben denkt?  

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vor 2 Stunden schrieb VeronikaB:

Dabei ist diese Perspektive im Alltag die natürlichste, wenn man etwas tatsächlich Erlebtes erzählt. Gut, im Gespräch tendieren Menschen aus dem süddeutschen Sprachraum eher zum Perfekt. Dennoch ist Ich + Präteritum/Perfekt die übliche Erzählperspektive, abseits vom Autorendasein.

Das ist lustig.
Ich (ausm Norden) nutze im Alltag so gut wie nur Perfekt, habe aber schon oft bei süddutschen Freund*innen das Präteritum bemerkt.

 

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vor 2 Stunden schrieb HenningS:

Bedeutet im Wort "Erzählerperspektiven" das Wort "Erzähler" die/der Autorin/Autor des Romans? Oder ist damit die Reflektorfigur gemeint, durch die wir das Geschehen wahrnehmen? Beim Allwissenden Erzähler und beim Ich empfinden wir beim Lesen immer eine Figur, die sich zwischen Leser und Geschehen schiebt. Das ist aber bei einer gut gemachten Personalen Erzählweise nicht der Fall. Hier sind wir direkt im Geschehen -- ohne dass die Wahrnehmung des Geschehens durch Gefühle oder Wertungen gefärbt wird.

Keine Ahnung, was die Leute damit meinen. "Erzählerperspektive" ist in der Blogosphäre ein sehr gebräuchliches Wort. Ich nehme an, es soll einfach bedeuten, dass die geschichte in der 3. Person erzählt ist, völlig egal, wie nah die Erzählstimme an den Figuren ist, oder ob es ein personaler oder auktorialer Erzähler ist.

(Ich schreibe, egal in welcher Person, beinahe ausschließlich Deep Point of View. Ich habe nie einen Erzähler außerhalb der Figur. Dennoch bleibt ja jede Figur eine "erzählte" Figur.)

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Ich habe früher um Romane mit Ich-Perspektive einen großen Bogen gemacht, bis ich in ein Buch mit Ich-Perspektive gefallen bin, das mich durch die extreme Figurennähe auf den Geschmack gebracht hat. Seitdem liebe ich Ich-Perspektive. Zum Glück sind inzwischen die meisten Psychothriller in Ich-Perspektive geschrieben. Ob Präsens oder Präteritum ist mir dabei egal, das fällt mir nicht mal auf. 
Ich glaube, dass es Gewohnheit ist, welche Perspektive man bevorzugt und man muss vielleicht erst wie ich auf den Geschmack kommen.

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vor 1 Stunde schrieb Sabine:

Zum Glück sind inzwischen die meisten Psychothriller in Ich-Perspektive geschrieben. Ob Präsens oder Präteritum ist mir dabei egal, das fällt mir nicht mal auf. 
Ich glaube, dass es Gewohnheit ist, welche Perspektive man bevorzugt und man muss vielleicht erst wie ich auf den Geschmack kommen.

Beim Stichwort "Psychothriller" ist mir ein Buch eingefallen, das ich extrem spannend fand: "Die Falle", der erste Roman von Melanie Raabe. Musste grad noch mal gucken, in welcher Perspektive er denn geschrieben war, und tatsächlich: Ich-Perspektive Präsens! Ich glaube, bei den Romanen mit Ich-Perspektive, die ich toll fand, erinnere ich mich gar nicht mehr an die Perspektive, weil sie einfach so gut passte. jetzt könnte man überlegen, ob alle Perspektiven zu allen Genres und genrefreier Literatur passen, oder zu einigen besonders gut. Juli Zehs "Über Menschen" ist in 3. Person Präsens geschrieben, zum Beispiel, und ebenso ein historischer Krimi von Cay Rademacher, den ich gerade gelesen habe. (Der Fälscher).

Das mit den Nord-und Süddeutschen will mir noch nicht ganz reingehen. Ich bin Nordlicht und wohne schon ewig in Baden-Württemberg. Ich höre in meinem Ohr zwar so Satzfetzen wie "Da hen i", da haeb er"-aber ob ich wirklich im Präteritum spreche oder früher gesprochen habe?:-?

Bearbeitet von Christa
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vor 22 Minuten schrieb Christa:

Beim Stichwort "Psychothriller" ist mir ein Buch eingefallen, das ich extrem spannend fand: "Die Falle", der erste Roman von Melanie Raabe. Musste grad noch mal gucken, in welcher Perspektive er denn geschrieben war, und tatsächlich: Ich-Perspektive Präsens! Ich glaube, bei den Romanen mit Ich-Perspektive, die ich toll fand, erinnere ich mich gar nicht mehr an die Perspektive, weil sie einfach so gut passte. jetzt könnte man überlegen, ob alle Perspektiven zu allen Genres und genrefreier Literatur passen, oder zu einigen besonders gut. Juli Zehs "Über Menschen" ist in 3. Person Präsens geschrieben, zum Beispiel, und ebenso ein historischer Krimi von Cay Rademacher, den ich gerade gelesen habe. (Der Fälscher).

Das mit den Nord-und Süddeutschen will mir noch nicht ganz reingehen. Ich bin Nordlicht und wohne schon ewig in Baden-Württemberg. Ich höre in meinem Ohr zwar so Satzfetzen wie "Da hen i", da haeb er"-aber ob ich wirklich im Präteritum spreche oder früher gesprochen habe?:-?

„Die Falle“ habe ich auch gelesen. Die Geschichte hat mich leider überhaupt nicht überzeugt. Mir fehlte die Raffinesse. Aber der Schreibstil war großartig. 
 
Im Bayerischen sprechen wir ausschließlich im Perfekt, aber mein Freund kommt aus Hessen und spricht ebenfalls im Perfekt, weswegen ich in Dialogen meine Figuren grundsätzlich im Perfekt sprechen lasse. Denn offenbar wird deutschlandweit so gesprochen. Nur im erzählerischen Text verwende ich meistens das Präteritum, bis auf ein paar Stellen, wo das Perfekt  melodischer klingt.

Bearbeitet von Sabine
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Meiner Meinungs nach ist es völlig egal. Alles hängt davon ab, was der Autor erreichen möchte, wobei die Perspektive wichtiger ist als die Zeit.

Dass mittlerweile so oft im Präsens geschrieben wird, ist eine Entwicklung der letzten Jahre (15-20?), und ich bekomme das beim Lesen kaum mit. Ich lese Präteritum, auch wenn dort Präsens steht. Das mag daran liegen, dass viele Autoren eine Erzählweise im Präsens bevorzugen, die eigentlich besser zum Präteritum passt.

Das mit der Perspektive ist hingegen ein ganz anderes Kaliber. Auch wenn immer wieder behauptet wird, dass es in Punkto Nähe keinen grundsätzlichen Unterschied zwischen Ich und persönlichem Er gibt, kann ich diese Meinung nicht teilen. Ich habe einmal eine Geschichte geschrieben, bei der ich die Nähe in der Sie-Perspektive gesucht habe und mir das letzte Quäntchen nicht gelang. Ich habe die Geschichte dann in der Ich-Perspektive geschrieben und, nachdem der Text fertig war, ihn wieder in die Sie-Perspektive übetragen. Das war ein ganz anderer Text, was dabei herauskam.
Selbstverständlich gibt es noch weitere Unterschiede zwischen den beiden Perspektiven als nur die Nähe. Ich liebe die Ich-Perspektive, kann sie aber in meinen Romanen nicht gebrauchen, weil sich dort zu viele gleichberechtigte Protagonisten tummeln. Aber einen habe ich immerhin geschrieben, und er hat mir sehr viel Freude bereitet.

In meinen Augen verstehen nur ganz wenige Autoren wirklich die feinen Unterschiede zwischen den Zeiten und den beiden Perspektiven. Ich selber zähle mich auch zu denen, die da noch Nachholbedarf haben. Ich merke das immer, wenn ich auf jemanden treffe, der das wirklich beherrscht. Es war auch einmal eine Hobby-Autorin darunter, die leider ihren Erstling nicht unterbekam und mit dem Schreiben aufgehört hat. Ihren Roman durfte ich damals im Präsens und im Präteritum lesen. Sie hatte in beiden Versionen geschrieben, weil sie sich nicht sicher war, welche sie wahlen sollte. Das war mein Augenöffner - ist aber auch schon mehr als zehn Jahre her.

Da gibt es handwerklich noch jede Menge Nachholbedarf.

Soweit meine Meinung.
Liebe Grüße
Wolf

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Normalerweise mache ich mir vor dem Schreiben gar keine Gedanken über die Perspektive. Die ist mir irgendwie klar und ich schreibe einfach los. - Meist in der 3. P. Prät. Bei meinem neuen Roman war ich mir sicher, es müsste jetzt die 1. Pers. Prät. sein. Nach drei Kapiteln habe ich abgebrochen, weil ich gemerkt habe, das funktioniert so nicht und habe alles in die 3. P. Prät. umgeschrieben. Das scheint also meine bevorzugte Perspektive zu sein. Übrigens auch beim Lesen. Ich nehme nur, wenn mich der Roman wirklich sehr interessiert, Bücher in die Hand, die in der 1. Pers. Präsens geschrieben sind. Warum?  Keine Ahnung. Ich mags einfach nicht.

LG Cornelia

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vor einer Stunde schrieb Wolf:

In meinen Augen verstehen nur ganz wenige Autoren wirklich die feinen Unterschiede zwischen den Zeiten und den beiden Perspektiven. Ich selber zähle mich auch zu denen, die da noch Nachholbedarf haben. Ich merke das immer, wenn ich auf jemanden treffe, der das wirklich beherrscht. Es war auch einmal eine Hobby-Autorin darunter, die leider ihren Erstling nicht unterbekam und mit dem Schreiben aufgehört hat. Ihren Roman durfte ich damals im Präsens und im Präteritum lesen. Sie hatte in beiden Versionen geschrieben, weil sie sich nicht sicher war, welche sie wahlen sollte. Das war mein Augenöffner - ist aber auch schon mehr als zehn Jahre her.

 

Du hattest schon in unserer Text-AG das Thema angesprochen. Mich würde sehr interessieren, was für dich den Unterschied zwischen einem gelungenen Ich-Präsens und Ich-Präteritum ausmacht. Hast du da vielleicht Textbeispiele, die verdeutlichen, was du meinst?

 

Bearbeitet von Sabine
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vor 10 Stunden schrieb Christa:

Das mit den Nord-und Süddeutschen will mir noch nicht ganz reingehen.

Ich möchte auch nicht behaupten, dass das in Stein gemeißelt ist. Sprache ist ja ständig im Wandel. Dunkel erinnere ich mich an eine Vorlesung, in der die Professorin angemerkt hat, dass im Oberdeutschen in der gesprochenen Sprache schon seit Jahrhunderten das Perfekt verwendet wird, während im Niederdeutschen sowie im Mitteldeutschen das Präteritum nach wie vor in Verwendung ist.

Gerade habe ich dazu auf Wikipedia (nicht die beste Quelle, ich weiß) gelesen, dass im Schweizerdeutschen das Präteritum überhaupt nicht mehr verwendet wird. Ich nehme an, damit ist die gesprochene Sprache gemeint. 

Ein Bekannter (aus Hannover) sagt zum Beispiel Sätze wie: Da hatte ich keine Lust drauf. Da hatte ich keine Zeit dafür. Bei uns ist es üblich, hier das Perfekt zu verwenden. Bei Kindern und Jugendlichen höre ich allerdings oft das Präteritum und habe das Gefühl, dass sie das in Serien und Filmen aufgeschnappt haben.

Das geht nun ein bisschen an eurer Diskussion über die Ich-Perspektive vorbei, daher schlage ich wieder einen Bogen zum Thema: Mir ist aufgefallen, dass ich anfangs auf die Kombination ICH + Präsens allergisch reagiert habe und diese Bücher gar nicht erst lesen wollte, bis mir besagte Freundin ihr Manuskript gegeben hat. Ich habe mir dann Gedanken gemacht, warum ich erst eine so ablehnende Haltung gegenüber dieser Erzählweise hatte. Zum Teil mag es am Schreibstil und eventuell auch am Genre gelegen haben, denn in ihrem Text hat es mir gefallen. 

Auch wenn Prosa und die Alltagssprache zwei ganz unterschiedliche Dinge sind, prüfe ich im Geiste oft, wann und ob ich so reden würde. Eine Situation, die mir zu ICH + Präsens eingefallen ist, ist ein Telefonat während ich in der Stadt unterwegs bin. Da würde ich meinem Gesprächspartner Dinge sagen wie: Ich komme gerade an einem verfallenen Haus vorbei. Sieht aus, als wäre es unbewohnt. Nur sitzt da eine Perserkatze hinter dem Fenster im ersten Stock. Denkst du, ich soll klingeln?

Vielleicht ist ja der Vorteil dieser Perspektive, den Leser direkt auf die Reise mitzunehmen zu können, wie in einem Video oder in einem Gespräch am Handy.

 

 

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vor 36 Minuten schrieb VeronikaB:

Ein Bekannter (aus Hannover) sagt zum Beispiel Sätze wie: Da hatte ich keine Lust drauf. Da hatte ich keine Zeit dafür. Bei uns ist es üblich, hier das Perfekt zu verwenden. Bei Kindern und Jugendlichen höre ich allerdings oft das Präteritum und habe das Gefühl, dass sie das in Serien und Filmen aufgeschnappt haben.

Das finde ich (Nähe Hannover) spannend. Sagst du also: Darauf habe ich keine Lust gehabt? oder Dafür habe ich keine Zeit gehabt? Beides wäre Perfekt.

Pi mal Daumen ist es eigentlich so, dass man im Deutschen (für Österreich und Schweiz weiß ich es allerdings nicht) für die gesprochene Sprache das Perfekt bevorzugt, für die geschriebene (also akademischere) Sprache das Präteritum. Ausnahmen vom gesprochenen Perfekt sind das Verb sein - also: Ich war gestern in Hannover, weniger: Ich bin gestern in Hannover gewesen (Da gibt es ganz feine Unterschiede, die diese Wahl bestimmen), außerdem haben: Ich hatte Hunger, weniger: Ich habe Hunger gehabt. Und die Modalverben. Also können, dürfen, müssen usw.: Ich musste das tun, nicht: Ich habe das tun müssen (bzw. die zweite Version mit leicht geänderter Konnotation) oder Ich durfte nicht zum Konzert, nicht: Ich habe nicht zum Konzert gedurft, bzw. Ich durfte leider nicht zum Konzert kommen, nicht: Ich habe leider nicht zum Konzert kommen dürfen (wieder: Ausnahmen bzw. geänderte Intentionen bestätigen die Regel).

Deinen Zusatz, dass ein stärkeres sprachliches Abgleiten ins Präteritum mit aus dem Englischen synchronisierten Filmen und Serien zu tun haben könnte oder auch mit dem Schauen der Originalversion, halte ich für eine gute Erklärung, weil die Zeiten dort ja tatsächlich anders verwendet werden als im Deutschen (Stichwort abgeschlossene vs. bis in die Gegenwart andauernde Handlung) . 

Bearbeitet von KerstinH
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