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Prämisse - was ist das?

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Ich erinnere mich noch daran, als ich vor vielen Jahren meinem Agenten mein Ms gesandt hatte und er mich dann nach einer Woche anrief und mich zu dem Werk befragte. Eine seiner abschließenden Fragen war: „Und welche Botschaft wollen Sie damit transportieren?“

Ich war ein paar Sekunden lang sprachlos, dann stammelte ich „Ähm – keine. Ich will die Leser unterhalten.“

„Dann ist ja gut“, war seine Antwort, und ich hatte den Agenturvertrag.

 

Anna :s22

Neu: Das Gold der Raben. Bald: Doppelband Die Spionin im Kurbad und Pantoufle

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„Und welche Botschaft wollen Sie damit transportieren?“

Ich war ein paar Sekunden lang sprachlos, dann stammelte ich „Ähm – keine. Ich will die Leser unterhalten.“

„Dann ist ja gut“

 

Liebe Anna,

 

du kannst dir nicht vorstellen, wie ich mich darüber eben gefreut habe :D,

 

Christine

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Ich bekenne: ich mag Bücher mit Botschaften, wenn sie gut gemacht sind und mich die Botschaft interessiert, wie z.B. "Momo" und "Die unendliche Geschichte". Es muß nicht jedes Buch eine habe, das ich lese, aber so ab und zu...

 

Liebe Grüße

Beate

Man gräbt keine goldenen Halsbänder aus dem Boden. (John Vorhaus "Handwerk Humor")

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Liebe Beate,

 

weißt du, was mich an den Botschaften so stört? Dass sie - wenn sie als solche klar erkennbar sind - so stur singulär sind. Wie auch bei Momo. Der Ende, der so wunderbar schreiben konnte - da habe ich nicht mehr mitgehen wollen. Ja, man soll nicht immer so geschäftig sein (als hätten die meisten Leute da überhaupt eine Wahl!), sondern lieber die Phantasie befreien (gähn, da haben wir sie mal wieder, die wohlfeile Formel für geistesorientierte Idealisten).

 

Umgekehrt ist es aber wohl durchaus so, dass in jedem guten Buch eine Menge Botschaften stecken. Wenn ich mich an Endes "Jim Knopf" erinnere - wie viele Weisheiten waren da drin! Und keine einzige hat aufdringlich geschrien: "Hier! Ich bin die Botschaft! Lern was, Kind!"

 

Es gibt Geschichten, aus denen geht man nicht nur erheitert, sondern irgendwie gekräftigt hervor, finde ich. Und es gibt solche, die bestätigen einem einen einzelnen, dünnen Gedanken, den meist gerade die ganze Umwelt auch so denkt. Letztere sind die mit der Botschaft. Sage ich jetzt mal so,

 

Angelika

Laudatio auf eine kaukasische Kuh. Eichborn 2021. 

Alicia jagt eine Mandarinente. dtv premium März 2018. Die Grammatik der Rennpferde. dtv premium Mai 2016

www.angelika-jodl.de

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aber man muss nicht wissen' date=' was man damit sagen will. Wenn man seine Prämisse auf halbem Weg findet, ist immer noch Gelegenheit, das Manuskript durchzugehen und sich zu fragen, "passt das dazu"?[/quote']

 

Nachdem ich das Jesus Video gelesen hatte, wusste ich, was du sagen wolltest, und es passte! :s20

 

Christa

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Es gibt Geschichten' date=' aus denen geht man nicht nur erheitert, sondern irgendwie gekräftigt hervor, finde ich.[/quote']

 

Das sind die mit der guten Prämisse, nicht die mit der Botschaft. Das empfinde ich genauso. Nach dem Lesen solcher Bücher gehe ich mit wacheren Augen und neuer Energie in den Tag.

 

Herzlichst

Christa

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Das ist so eine "Deutschlehrer-Theorie": Dass der Autor was sagen will und sich dann hinsetzt und das trickreich in eine Geschichte verpackt. Damit Schüler was zu interpretieren haben.

 

Genau. Ich empfehle da ein altes Büchlein, vermutlich (leider) schon lange vergriffen, von der Lyrikerin Hilde Domin, das hieß treffend "Doppelinterpretationen". Darin sagen einerseits die Autoren, andererseits bedeutungsschwangere Feuilletonisten, was die jeweiligen Texte "sagen" wollten. Ich hab selten so gelacht.

Das neue Jugendbuch: "Der Reiter des Königs"&&Homepage Burkhard P. Bierschenck

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Hallo zusammen,

 

ich finde es sehr spannend, wenn man vergleicht was ein Autor sagen wollte, und was ein Leser darin gelesen hat- und dabei lässt sich oft nachweisen, dass der Autor oft etwas gesagt hat, was ihm nicht bewusst war, bzw. gerade durch eine subjektive Sicht ein Werk viel mehr Facetten erhält, als eingeplant war.

Das ist übrigens m.M.n. einer der Gründe, was Kunst so bedeutsam macht und warum manche Werke immer wieder neu interpretiert und verstanden werden können.

 

Gruss

 

Thomas

"Als meine Augen alles // gesehen hatten // kehrten sie zurück // zur weißen Chrysantheme". Matsuo Basho

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Angelika, wir sollten hier keine Ich-auch-Jubelpostings mehr reinsetzen, aber dieses kann ich mir nicht verkneifen: Genau das, was Du beschreibst, loest in mir den Bitte-verschon-mich-Reflex aus, wenn ich das Wort "Praemisse" hoere (und ich lieb auch Jim Knopf und finde Momo langweilig!).

 

Wenn die Praemisse Humor haben duerfte,

wenn sie gemein sein duerfte,

wenn sie mehrdeutig,

wenn sie zumindest ueberraschend sein duerfte -

 

dann koennt' ich sie sicher ertragen.

 

Ich moecht' nicht, dass mir einer, der moralisch wertvoller ist als ich, eine Predigt haelt.

Ich moecht', dass einer, der mehr vom Leben versteht als ich, mir eine Geschichte erzaehlt.

 

Alles Liebe von Charlie

"Der soll was anderes kaufen. Kann der nicht Paris kaufen? Ach nein, in Paris regnet's ja jetzt auch."

Ararat - "Und sie sollen nicht vergessen sein" Knaur, 1. März 2016. www.charlotte-lyne.com

 

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Das Wort zum Sonntag - und damit verabschiede ich mich aus diesem Thread:

 

Meine beiden fertigen Romane folgen Prämissen.

Meine Agentin findet sie spannend.

Mein Verlag liebt sie.

Ebenso die Verlagsvertreter.

Die Vorbestellzahlen des Handels für meinen Erstling sind fünfstellig, dort scheint man ihn also auch zu mögen.

In der Mail einer Buchhändlerin, die das Vorabexemplar verschlungen hat, steht nichts als Begeisterung.

 

Wenn meine Hirtenbriefe und Moralpredigten solchen Anklang finden, dann werde ich weiter welche schreiben, denn ganz verkehrt kann das ja nicht sein.

 

LG

Inge

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(Um weitere Missverstaendnisse auszuschliessen, weise ich darauf hin:

Wie beinahe jeder in diesem Thread rede ich von mir, nicht von anderen. Ich moechte keine Romane mit einer zuvor von mir beschlossenen Botschaft schreiben, da ich eine solche Botschaft nicht zu geben habe. Ich fuehle mich durch Formulierungen wie: "Ohne Praemisse geht es nicht", die wir ja hier nicht zum ersten Mal hoeren, zuweilen in eine Ecke gedraengt, wie vermutlich die Gegenseite von mir ebenso. Tatsaechlich moechte ich aber - ueberspitzten und womoeglich von Erregung gepraegten Formulierungen zum Trotz - genausowenig jemanden zum Arbeiten ohne Praemisse missionieren, wie ich zum Arbeiten mit Praemisse missioniert werden moechte.

 

Wie der Thread und seine Beispiele lebhaft beweisen, ist offenbar beides sehr gut moeglich und die Anhaenger der jeweiligen Front sind mit der gewaehlten Methode zufrieden.

 

Gruesse von Charlie)

"Der soll was anderes kaufen. Kann der nicht Paris kaufen? Ach nein, in Paris regnet's ja jetzt auch."

Ararat - "Und sie sollen nicht vergessen sein" Knaur, 1. März 2016. www.charlotte-lyne.com

 

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Ich dachte, ich hätte es schon deutlich gesagt, für alle Fälle noch einmal:

 

Meine Abneigung gegen klar erkennbare Botschaften, denen man ansieht, dass die Geschichte nur mühsam um sie herum erdacht wurde (das ist jetzt sehr überspitzt gesagt wegen Klarstellunsbedürfnis und trifft in dieser Härte auf Endes "Unendliche Geschichte" natürlich nicht zu) hat mit der Frage, ob die Verwendung von Prämissen der Geschichte gut tun, NICHTS ZU TUN.

 

Der ganze Seitenzweig dieses threads über die Kategorie der Botschaft (der eine eigene Diskussion verdiente) hat mit dem eigentlichen Thema nur insoweit zu tun, als ich meine, man könne in Frey's eigenwilligem Begriff "Prämisse" AUCH DIE AUFFORDERUNG DRIN SEHEN, UNBEDINGT BOTSCHAFTEN ZU BASTELN.

 

Im übrigen sind Krimis und Thriller von Haus aus meist recht botschaftsfrei und - so nicht nur geballert wird - für mich auch eine angenehme Lektüre. Jedenfalls lese ich lieber was von Mr. Marlow als vom "Kleinen Prinzen".

 

Angelika

Laudatio auf eine kaukasische Kuh. Eichborn 2021. 

Alicia jagt eine Mandarinente. dtv premium März 2018. Die Grammatik der Rennpferde. dtv premium Mai 2016

www.angelika-jodl.de

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Auch auf die Gefahr hin diesen Thread unnötig zu verlängern: Thriller folgen meist einfach nur der Prämisse "Gut gegen Böse, ratet mal wer gewinnt". Das kann man aber auch nicht verallgemeinern, denn manchmal sind interessante Figuren enthalten, die ihren eigenen inneren Kampf führen, aus dem man auch eine Prämisse formulieren könnte. Das ist dann keine "Botschaft" für den Leser, sondern (eine Entwicklung) für die Figur.

Ich denke nach wie vor, wenn die Prämisse eine Botschaft bastelt, läuft da was falsch, das ist nicht das Ziel einer Prämisse. Sondern das Ziel ist, die Prämisse (nur für diesen Roman) zu beweisen, sprich, nicht das logische Ende des Geschehens für die Figuren aus dem Auge zu verlieren und plötzlich eine ganz andere Geschichte zu erzählen. Ich wünschte ich dürfte Beispiele zitieren von eingesandten MS, die würden das Ganze klarer stellen.

 

Meiner Ansicht nach sind Botschaft (oder Moralpredigt) und Prämisse zwei verschiedene Dinge, aber meine Begründung wäre wohl seitenfüllend, deshalb lasse ich es lieber.

Im Grunde wurde das alles auch schon gesagt ...

 

LG

Joy

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Probier's doch bitte, Joy!

Ich hab's offenbar noch immer nicht verstanden.

Fuer mich sind solche Saetze wie "Wer die Vergangenheit nicht ueberwindet, verstellt sich die Zukunft" oder "Wahre Liebe kennt keine Grenzen" oder "Unrecht zahlt sich nicht aus" Botschaften.

Wo genau liegt denn der Unterschied?

Die Praemisse nach Fields, die Hans-Peter beschrieben hat, fand ich ja auch voellig unproblematisch, genau wie das Beispiel von Kathleen, das mir eher wie eine Inhaltsangabe erscheint.

Probleme hab ich mit dieser "Moral von der Geschicht'", nicht mit dem anderen.

 

Danke im Voraus,

Charlie

"Der soll was anderes kaufen. Kann der nicht Paris kaufen? Ach nein, in Paris regnet's ja jetzt auch."

Ararat - "Und sie sollen nicht vergessen sein" Knaur, 1. März 2016. www.charlotte-lyne.com

 

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Also soweit ich mich jetzt, ohne nachzuschlagen, an Fields Beispiele erinnere, sagte der unter anderem: "Formulieren Sie eine Prämisse, die Ihnen spontan einfällt. Ist sie platt, profan und uninteressant, zu allgemeingültig (wie diese Moraldinger), verwerfen Sie sie und lassen sich was besseres einfallen."

Das ist mir nie gelungen, weshalb ich das Ganze schnell aufgab.

Die Prämisse ist eben keine platte Botschaft an den Leser, keine Moral von der Geschicht, sondern soll den roten Faden des Konfliktes des Protagonisten spiegeln. Und möglichst auch beweisen. Also nach dem Motto: Was er gesät hat wird er auch ernten. Nicht: Siehste, das haste nun davon!

Ich denke wenn man die Prämisse als die Moral von der Geschicht ausformuliert, handelt man nicht im Sinne dieser Schreibratgeber-Autoren. Das ist damit nicht gemeint.

Wenn ich den Konflikt meiner Figur als Grundlage nehme, müsste es möglich sein einen Satz zu formulieren, der mehr ist, als eine platte Lebensweisheit.

Ich persönlich habe aber diesen Konflikt sowieso immer im Hinterkopf beim Schreiben, verliere ihn nie aus den Augen, weshalb ich mir die Prämisse und deren Beweis sparen kann. Sie kann aber hilfreich sein, wenn man sich verzettelt und der Protagonist anfängt "out-of-character" zu handeln. Nur, meine Protas tun das nicht, die benehmen sich. ;) Oder die Story geht abwegige Wege und der Protagonist hat auf einmal seinen schlimmen Konflikt gar nicht mehr, alles fällt auseinander, das Buch hat keinen tieferen Sinn mehr. Oder noch schlimmer, gleich am Anfang: Der ausgedachte Konflikt ist im Grunde gar keiner. Das Problem könnte im wahren Leben mit einem Telefonanruf aus der Welt geschafft werden. (Das erlebe ich hier oft!)

Sowas fällt einem sofort auf, wenn man eine Prämisse formuliert hat. Deshalb bezeichne ich sie gerne als Tool. Man kann mit ihr arbeiten, muss aber nicht. Das geht natürlich aus den Ratgebern nicht hervor, dort wird sie als "Muss" bezeichnet, was mir nicht gefällt.

 

Joy

leider im Umzugsstress zwischen Kisten hockend, deshalb etwas kurz angebunden

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Vielen Dank, Joy.

Eine Nachfrage: Ist das jetzt wirklich die von Hans-Peter beschriebene Praemisse nach Fields, die Du beschreibst? Oder war das ein Tippfehler und Du meinst doch die nach Frey?

 

Gute Nerven im Umzug wuenscht

Charlie

"Der soll was anderes kaufen. Kann der nicht Paris kaufen? Ach nein, in Paris regnet's ja jetzt auch."

Ararat - "Und sie sollen nicht vergessen sein" Knaur, 1. März 2016. www.charlotte-lyne.com

 

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Mir war der Gedanke, mit einer Prämisse zu arbeiten, zunächst auch sehr fremd, und ich weiß auch nicht, ob ich es in Zukunft tun werde. Vielleicht komme ich darauf zurück, wenn ich feststelle, dass die Geschichten "mit" besser funktionieren.

 

Die Kosakenbraut hatte eine Prämisse, und ich fand, es hat sich bewährt, damit zu arbeiten.

In dem Fall lautete sie (so sinngemäß): Deine Liebe kann sich nicht erfüllen, bevor du dem anderen nicht an den Ort seiner dunkelsten Ängste gefolgt bist.

Ich habe sie x-mal umgebaut, damit sie nicht zu allgemein war, sondern genau zur Geschichte passte.

 

Liebe Grüße

Uschi

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Nochmal was zur "Botschaft" oder der "Moral von der Geschicht": Prämissen können auch ganz und gar amoralisch sein. "Verbrechen zahlt sich aus" könnte ebenfalls eine Prämisse sein, die es in der Geschichte zu beweisen gilt.

 

Liebe Grüße

Uschi (schon halb auf dem Weg zu den Südwestlern)

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Mich lässt das Thema auch nicht mehr los. Ich fange schon an, Bücher auf Prämissen hin abzuklopfen, etwa Kehlmanns "Vermessung der Welt":

Man kann die Welt vermesssen, indem man sie im Kopf berechnet oder indem man sie umrundet.

Frey schreibt:

 

"Lagos Egri nennt diesen Sylogismus "Prämisse" oder Absicht", was, wie er sagt, nur andere Namen sind für "Thema, zugundeliegende Idee, zentrale Idee, Ziel, Absicht, treibende Kraft, Gegenstand, Plot oder Grundemotion. Egri entscheidet sich dafür, es "Prämisse" zu nennen, weil das "alle Elemente einschließt, die die anderen Wörter auszudrücken versuchen und weil es weniger als diese Gefahr läuft, missverstanden zu werden."

 

(Wie man einen verdammt guten Roman schreibt,S.72)

 

Wenn ich meine eigenen Romane anschaue, haben sie so was. Für mein laufendes Projekt habe ich es sogar formuliert: "Ein Roman über (...) und darüber, dass manchmal ein leidenschaftliches Ziel aufgegeben werden muss, der Liebe wegen."

Bei der "Nonne und der Hure" war es im Hinterkopf:

"Warum scheitert der eine, warum der andere nicht, unter gleichen oder ähnlichen Bedingungen?"

 

Für mich selbst ziehe ich das Fazit aus dem allen, dass ich am Besten damit arbeite, wenn ich mit bestimmten Fragen an meinen Roman herangehe.

 

Herzlichst

Christa

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Auch auf die Gefahr hin diesen Thread unnötig zu verlängern: Thriller folgen meist einfach nur der Prämisse "Gut gegen Böse, ratet mal wer gewinnt". Das kann man aber auch nicht verallgemeinern, denn manchmal sind interessante Figuren enthalten, die ihren eigenen inneren Kampf führen, aus dem man auch eine Prämisse formulieren könnte.

Joy

 

Liebe Joy,

 

was du über Thriller sagst, kitzelt mich als Thriller-Autor natürlich und motiviert mich zu einer Antwort.

Die Prämisse "Gut gegen Böse, ratet mal wer gewinnt" ist echt platt - wobei ich dir in vielen Fällen zustimmen muss. Sie ist genauso sinnvoll, wie bei einem Krimi "Am Ende wird der Mörder gefasst."

ABER: In beiden Fällen können trotzdem rasend spannende Bücher herauskommen. Das hängt also wenig an der Prämisse sondern an unzähligen anderen Sachen.

 

Dann schreibst du: "manchmal sind interessante Figuren enthalten, die ihren eigenen inneren Kampf führen".

Es ist sicher schön, wenn man von interessanten Figuren gepackt wird. In vielen Fällen ist das auch unerlässlich, weil das Thema im Prinzip auswechselbar ist.

Aber - obwohl es immer behauptet wird - möchte ich die provokante Frage stellen: "MUSS eine interessante Figurenentwicklung wirklich sein?"

 

Wenn ich von Eschbach den Thriller "Ausgebrannt" gelesen habe oder von Olsberg "Das System", dann fand ich sie mitreissend, weil das THEMA und die Darstellung mich gepackt hat. Die Protagonisten sind nettes und notwendiges Beiwerk gewesen, die ganz selbstverständlich handwerklich gut gemacht sein müssen. Aber wegen denen hätte ich die Bücher niemals gelesen.

 

Viele Grüße

Klaus

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Hallo zusammen,

 

was ich wieder mal nicht verstehe: Warum eine solche Diskussion über Prämisse nach Frey oder Fields immer wieder so geführt werden muss. Denn eine Prämisse ist letztlich eine Grundidee des Romans, nicht mehr und nicht weniger.

 

Eine "Prämisse" ist eine besonders abstrakte Form, indem eine Grundidee entworfen wird, die Basis der (späteren) Kurzzusammenfassung und des (noch späteren) Exposé ist, wobei diese beiden Formen letztlich die Grundidee ausgestalten, mit Figuren und Handlungen ausbauen und zusätzliche Motive ergänzen.

Dabei ist eine "Prämisse" durch seine Form viel offener für eine Ausgestaltung, weil hier zu einer "Prämisse" hunderte Geschichte passen, während durch jeden Konkretisierungsschritt die eigentliche Romanhandlung mehr Form gewinnt. Dementsprechend kann man gerade durch die abstrakte Form sehr gezielt ein Exposé oder eine Kurzzusammenfassung anhand der Grundidee entwickeln.

 

In der Umsetzung ist eben oft nicht zu erkennen, womit der Autor angefangen hat, weil man die meisten Geschichten auf eine "Prämisse" zurückführen kann- wenn ein Handlungsstrang deutlich im Mittelpunkt steht. Nur wenn dieser starke Handlungsstrang fehlt, kann man manchmal feststellen, dass es dem Autor nicht gelungen ist eine klare Linie in die Geschichte zu bringen. (Wobei ich hier von Geschichten spreche, die eine solch klare Linie benötigen. Viele Geschichten basieren auf einem anderen Handlungskonzept, wo dann entweder für kürzere Abschnitt eine Prämisse aufgebaut werden müsste, oder mehrere Prämissen sich ergänzen müssten).

 

Dementsprechend ist der Begriff "Moral" für die Prämisse auch falsch: Es handelt sich um eine Grundidee oder Grundkonzept. Denn Moral würde voraussetzen, dass die "Prämisse" eine Botschaft an den Leser ist- und einen Anspruch über die Geschichte hinaus hätte.

Aber die meisten Romane sind nicht symbolisch und nicht verallgemeinernd, so dass es sich wirklich nur um eine Grundidee handelt. Sie erzählen die Geschichte von bestimmten Personen in einer bestimmten Situation. Und diese Situation ist individuell- und somit ist die Prämisse genau auf die Situation der Geschichte bezogen, für die sie geschaffen wurde.

Somit verwenden Autoren oft sich widersprechende Prämissen bei unterschiedlichen Geschichten, weil die Prämisse zur individuellen Geschichten passen muss und nur in Ausnahmen eine Moral oder Botschaft ist.

 

Die "Prämisse" ist aber nicht notwendig, um eine Geschichte zu schreiben: Genau wie eine Kurzzusammenfassung oder ein Exposé ist sie ein Mittel, um eine Ordnung in die Geschichte hineinzubekommen.

Viele Autoren beginnen direkt mit Kurzzusammenfassung oder Exposé, andere Autoren entwickeln Grundkonzepte aus den Figuren oder den Handlungen (plot- oder figurenorientierte Geschichten), manche Autoren haben einen Plot, der sich erst nach und nach aus einer anderen Form der Grundidee beim Schreiben entwickelt. Vielleicht beginnen sie mit einer interessanten Szene, oder einer Figur.

Letztlich sind alle diese Vorgehensweisen nur Handwerkszeug, das je nach Typ des Autoren oder seiner Vorgehensweise und des Romantyps ausgewählt werden sollten, um besser seine Geschichten zu schreiben. Wer gut mit einer "Prämisse" arbeitet, sollte das auch. Wer anders arbeitet und damit zurechtkommt, muss die "Prämisse" nicht ausprobieren.

 

Da Autoren ein recht unterschiedliches Völkchen im Bereich Handwerk sind, wird immer wieder der einen oder der anderen Vorgehensweise ihre Berechtigung abgesprochen oder die Vorteile der einen oder anderen Vorgehensweise betont.

Letztlich ist das aber im Trüben fischen: Weil es viele Wege gibt, um zu einem guten Ergebnis zu kommen, und jeder seine eigene Wege braucht.

 

Gruss

 

Thomas

"Als meine Augen alles // gesehen hatten // kehrten sie zurück // zur weißen Chrysantheme". Matsuo Basho

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Benutzt ihr Prämissen? Und falls ja, welche Sorte davon?

 

Das war die Ausgangsfrage von Hans-Peter. Und einige habe sie mit ja, andere mit nein beantwortet.

 

Woraus, wie Thomas es so eloquent formuliert hat, man eben schließen kann, dass die einen diese Hilfsmittel verwenden, andere ein anderes.

 

Was aber auch wieder nur bedeutet, dass Frey oder Field nicht im Besitz der alleingültigen Wahrheit sind.

 

Die zu ihm passende Vorgehensweise muss letztlich jeder Autor für sich selbst herausfinden.

 

Anna

Neu: Das Gold der Raben. Bald: Doppelband Die Spionin im Kurbad und Pantoufle

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@Charlie

Frey, Fields, Stein - das sind die, die ich gelesen habe, und ich glaube mich erinnern zu können, dass sie alle ungefähr dasselbe über die Prämisse sagen.

 

@KlausS

die Diskussion ob Thriller-Figuren eine interessante Entwicklung haben müssen oder innere Konflikte, ist wieder ein ganz anderes Thema und gehört nicht in diesen Thread. ;) Ich glaube nicht, dass das unbedingt sein MUSS, lese aber lieber Thriller MIT Figurentiefe als mit Pappkameraden wie Dan Browns. Obwohl die auch spannend waren, keine Frage. Aber wenn du darüber sprechen willst, mach doch einen neuen Thread auf.

 

LG

Joy

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Entschuldigt, dass ich den Threat nochmal hoch hole, aber ich habe ihn gerade erst entdeckt.

 

Hier ist schon viel gesagt worden und ich schließe deshalb nur an.

 

Ich benutze bisher keine Prämissen, zumindest nicht bewusst, weil ich sie bie jetzt, ähnlich vielleicht wie Joy, nicht gebraucht habe. Wenigstens glaube ich das. Das liegt aber vermutlich daran, dass mir prämissenähnliche Zusammenfassungen irgendwo unbewusst in meinem Kopf rumschwirren und dafür sorgen, dass ich mich nicht verzettele.

Fakt scheint mir aber zu sein, dass je nach Autor eine ausformulierte Prämisse nicht der einzige, möglicherweise nicht einmal immer der beste Weg sein muss, um ans Ziel zu kommen.

 

Ich halte aber die Arbeit mit Prämissen insgesamt für durchaus brauchbar und empfehle sie auch hin und wieder, wenn ich der Meinung bin, sie könnte (eben diesem Autor) helfen.

 

Was mir in Diskussionen zu dem Begriff immer wieder auffällt, dass gerade diejenigen, die die Prämisse als nicht besonders brauchbar kennzeichnen, mit aller Macht am Verständnis des Begriffs als moralische Kategorie festhalten, die nur den Sinn hat, elitäre Botschaften in die Welt hinauszuschreien.

 

Mehrfach wurde nun in diesem Threat darauf hingewiesen, dass diejenigen, die mit der Prämisse arbeiten, diesen Begriff eben nicht so verstehen. Und bei Frey (die anderen habe ich nicht gelesen) wird das deutlich sogar als Voraussetzung angegeben, dass man sich von jeder moralischen Vorstellung lösen muss, um die Prämisse richtig zu verstehen. Trotzdem wird ihm gerade diese moralische Sichtweise immer wieder unterstellt.

 

Ich kann mir nur vorstellen, dass das daran liegt, dass ein Satz wie "Verbotene Liebe führt in den Tod", von der Form her eben wie eine Moralpredigt mit allgemeinem Geltungsanspruch aussieht. Da kann man offenbar noch so oft betonen, dass sie als Hilfsmittel für den Autoren nicht als solches gemeint ist, es scheinen da irgendwelche Mauern hochzufahren, die es manchen nicht mehr möglich machen, den Satz anders als moralisch zu interpretieren. Und sofort ist die Abneigung da.

 

Selbst wenn man eine als Moral äußerst fragwürdige Prämisse auffährt wie: "Ständige Verbrechen führen ins absolute Glück", reicht das nicht, um die moralische Unabhängigkeit der Prämisse zu beweisen, man wird dann eher einfach ein bisschen schief angeguckt.

 

Erst wenn man den zweiten Schritt von der allgemein formulierten zur konkreteren Prämisse geht, können sich auch die "Gegner" langsam von dem Moralbegriff lösen: "Hans und Gretel stammen aus verfeindeten Gangs, kämpfen aber für ihre (verbotene) Liebe und werden dafür ermordet." (Verbotene Liebe führt in den Tod)

 

Ob nun allgemein oder konkret, ob ausformuliert oder irgendwo im Hinterkopf, ob sie einem hilft oder nicht, es bleibt eine Prämisse nach dem Verständnis von Frey, sie ist frei von allgemeingültiger Moral und versteht sich nicht als Botschaft an den Leser, sondern als mögliches Hilfsmittel für den werkelnden Autor.

 

Den Begriff des Themas sehe ich übrigens weniger konkret auf die Geschichte bezogen. Das (Ober-) Thema des Romans mit einer solchen Prämisse könnte z.B. lauten: "Das Leben in den Jugendgangs in ..."

Die Prämisse würde dann dafür sorgen, dass ich mich in diesem interessanten Thema nicht verliere, sondern immer noch meine konkrete Geschichte erzähle, für die das Thema nur der Rahmen ist.

Und natürlich hat so ein Thema auch Unterthemen und benachberte Themen, die gestreift werden usw. (Liebe, Eltern-Kind-Beziehungen, Erziehung, Diskriminierung...).

 

Aber nochmal: Ich glaube nicht, dass es notwendig ist, hier in Begrifflichkeiten zu denken, oder dass jeder Autor sich solche Dinge vor Augen führen muss, um einen verdammt guten Roman zu schreiben. Ich wehre mich nur gegen die unbauslösliche Verknüpfung mit dem Moralbegriff.

 

Liebe Grüße

Philipp

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