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Prämisse - was ist das?

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Weil es in der Plotgruppe 1 gerade diskutiert wurde, aber allgemein interessant ist, wollte ich die Frage auch allgemein stellen: Was ist eine Prämisse? Und arbeitet ihr damit?

 

Zuerst zur Definition: Prämisse wird in Deutschland oft in der Definition von James Frey (Wie schreibe ich einen verdammt guten Roman?) verwendet, anders als in den USA, in der offenbar nicht alle es wie Frey benutzen.

 

Für Frey wäre die Prämisse von Romeo und Julia: Verbotene Liebe führt in Unglück. Die Prämisse verbindet bei ihm Anfang und Ende und zieht daraus eine Lehre, wenn ich ihn richtig verstanden habe (Ich gebe zu, mit Freys Prämisse hatte ich immer Probleme).

 

Der Drehbuchautor Syd Field verwendet Prämisse viel mehr in dem Sinne wie auch das deutsche WOrt gebraucht wird: Voraussetzung. Was sind die Voraussetzungen meiner Geschichte. Prämisse von Chinatown: Gittes ist ein Privatdetektiv, der auf "diskrete Ermittlungen" spezialisiert ist. Er tut alles um einen guten Eindruck zu machen. Dann legt ihn eine Klientin herein und sein Eindruck ist im Eimer ...

 

Bei Field ist Prämisse offenbar viel mehr das, was zB in Fernsehvorschauen steht, um einen Film mit zwei, drei Sätzen zu charakterisieren. Und diese Art der Prämisse halte ich persönlich für viel sinnvoller.

 

Benutzt ihr Prämissen? Und falls ja, welche Sorte davon?

 

Hans Peter

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Übrigens, noch eine Ergänzung: Robert Towne, der Drehbuchautor von "CHinatown" hat mal auf die Frage, wie er seine Figuren entwickelt, geantwortet: Er würde sich als erstes fragen, wovor die Figur Angst hat.

 

Der Privatdetektiv Gittes in Chinatown betreibt ein Geschäft, das wenig angesehen ist. Umso mehr Wert legt er auf Ansehen und Ruf. Er ist auch in der größten Hitze picobello gekleidet. Und als ihn eine Klientin hereinlegt und Gittes als schmieriger Dreckfink dasteht, der davon lebt, andere bloßzustellen, was folgt daraus? Richtig, er wird alles daransetzen, aufzuklären, wer ihn und warum hereingelegt hat. Daraus entwickelt sich die Story.

 

Wäre Gittes nur am Geld interessiert, würde ihn die Bloßstellung wenig jucken. Im Gegenteil, er hat zwar seinen "guten" Ruf verloren, ist aber jetzt bekannt wie ein bunter Hund, als einer, dem man auch schmierige Aufträge übergeben kann. Beste Werbung wäre das für so jemand, aber leider, leider: Keine Geschichte.

 

Hans Peter

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Lieber Hans-Peter,

 

beide Definitionen bereiten mir Schwierigkeiten.

 

Die platte Prämisse, die Romeo und Julia reduziert auf "Verbotene Liebe lohnt sich nicht", ist völlig ungeeignet, den roten Faden darzustellen, an dem entlang sich eine Geschichte entwickelt. Mag sein, dass Klischee-Heftchen-Storys gerade noch so eben damit auskommen, ein komplexes Werk gewiss nicht.

 

Die etwas vollständigere Voraussetzung: "Held erlebt Pleite und entwickelt daraus einen abgründigen Hass auf dreibeinige Hunde, weshalb er im Tierschutzverein auffällig wird ..." funktioniert auch nur, wenn es EINEN Protagonisten gibt, an dem sich die gesamte Geschichte entlanghangelt. Aber auch hier gilt: meist sind es komplexere Voraussetzungen, die man verarbeitet.

 

Mich erinnert diese Art von Prämisse an Pitching oder den verkürzten Klappentext.

Auf Außenwirkung bedacht, aber kein Arbeitsmittel für einen ernsthaften Autor.

 

Ich bin übrigens bisher prima ohne Prämisse ausgekommen.

 

Gruß

Anna

Neu: Das Gold der Raben. Bald: Doppelband Die Spionin im Kurbad und Pantoufle

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Bisher kannte ich die Prämisse nur in der Frey-Version. Die finde ich für mich persönlich wenig aussagekräftig und auch auf ein Buchprojekt bezogen nicht hilfreich. So allgemeine Sätze wie "Verbotene Liebe führt ins Unglück" erinnern mich eher an die Sprüche, die man früher von Eltern und Lehrern zu hören bekam.

 

Die Field-Variante, die du angesprochen hast, hpr, ist mir neu. Wenn ich einen Prota entwickle, überlege ich mir allerdings auch genau, was für ihn das Schlimmste wäre, oder warum er etwas Bestimmtes tut. Und oft finden sich dann in meinen Notizen solche kleinen Zusammenfassungen, ganz ähnlich der Prämisse von Chinatown. Aber das ist wohl eher ein Zufallsprodukt - und es ist nur ein kleiner Teil, von dem, was letztlich beim Plotting (ich nenn es so, auch wenn viele den Begriff nicht leiden können) heraus kommt.

 

Was helfen mir zwei hübsch zusammengefasste Sätze, wenn der Rest der Handlung und der Charaktere unglaubwürdig, unlogisch, oder schlicht langweilig ist?

 

Kurz und gut: Ich pfeif auf die Prämisse und plotte lieber ausgiebig.

 

LG

Brigitte

Dämonenblut - Wesen der Nacht Band 2 - Urban Fantasy - cbt März 2014
 

www.brigitte-melzer.de

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Hallo Hans Peter,

 

oh ja, mit James Freys Prämisse hatte ich auch immer Schwierigkeiten. Ich habe ehrlich gesagt bis heute nicht verstanden, was er damit sagen will und inwieweit mir seine Prämisse bei der Entwicklung einer Geschichte helfen soll.  8-)

 

Ich arbeite lieber mit dem offensichtlichen Ziel der Hauptfigur und ihrem inneren Bedürfnis.

Bei deinem Beispiel wäre das offensichtliche Ziel des Privatdetektivs: Den guten äußeren Schein zu wahren.

Sein inneres Bedürfnis aber ist der eigentliche Motor, der ihm selbst gar nicht bewusst ist. Es erklärt die Frage, warum er so darauf erpicht ist, nicht als der Dreckfink dazustehen, als den ihn die Klientin bloßstellt. Es erklärt, warum er unbedingt herausfinden will, wer ihn hereingelegt hat.

 

Diese beiden Elemente, also das oberflächliche und das vesteckte Ziel der Hauptfigur, bilden den der Motor, der die Hauptfigur antreibt und somit auch die Geschichte.

 

Wie gesagt, so mache ich das oder sagen wir besser, so hab ich's gelernt und es hilft mir sehr, Struktur in meine Geschichten zu bringen.

 

Grüße von Susann

Eat the frog in the morning (Mark Twain)

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Mir geht es auch so.

Ich kann mit der formulierten Voraussetzung etwas anfangen, mit dem untergelegten Lehrsatz nicht. Der scheint mir einen Roman in einen aufgeblaehten Hirtenbrief, der eine Mission erfuellt, wandeln zu wollen. Die Gefahr ist mir zu gross.

Ich moecht' keine Romane schreiben, die kluge Antworten geben, sondern lieber welche, die dumme Fragen stellen.

 

Dass man sich die Voraussetzung, den Boden, den Ausgangspunkt einer Geschichte ausformuliert, ehe man an ihre Planung geht, dass man sich diesen Ausgangspunkt als den Boden, auf den man die Figuren gestellt, in dem man sie verwurzelt und aus dem man sie hochgezuechtet hat, haeufig in Erinnerung ruft, dass man Ausgangspunkt und Entwicklungsstufe vergleicht, dass man den Boden abklopft und sich fragt: Was steckt noch drunter?, das alles erscheint mir sinnvoll.

 

Dass ich einen Roman schreibe, der zwar sechshundert Seiten umfasst, sich aber auf ein Poesiealbumsspruechlein reduzieren liesse, nicht.

 

Aber das ist subjektiv und polemisch, ohne Frage. Ich mag die ueberhaupt nicht. Die "Lehren", weisen Antworten, Lehrsaetze, Missionsbefehle etc. Als Textkonsument nicht und als Textproduzent auch nicht.

 

Alles Liebe von Charlie

"Der soll was anderes kaufen. Kann der nicht Paris kaufen? Ach nein, in Paris regnet's ja jetzt auch."

Ararat - "Und sie sollen nicht vergessen sein" Knaur, 1. März 2016. www.charlotte-lyne.com

 

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Okay – ich oute mich!

Ich arbeite mit Prämissen. Sie geben mir Orientierung und erweisen sich immer in den Momenten als hilfreich, in denen die Figuren die Handlung an sich reißen wollen. Und das wollen sie immer, irgendwann, sogar bei geplanter Handlung.

 

Für mich ist die Prämisse der rote Faden, der sich durch die Geschichte zieht, die ich erzählen will. Von mir aus auch die „Botschaft“, die mein Text transportieren soll.

 

Dabei war für mich James N. Freys Definition bei meinem Erstling sehr hilfreich. Ich habe seine stark vereinfachten Formulierungen, die er in seinem Buch beispielhaft vorstellt, als Zielmarken gesehen. Wo will ich hin? Worauf läuft das hinaus? Wenn ich sie im Auge behalte, weiche ich nicht vom Kurs ab und wenn eine Figur sich anders entwickeln will, dann prüfe ich mit der Prämisse, ob das geht oder nicht.

 

So, nun dürft ihr euch auf mich stürzen.  ;)

 

LG

Inge

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Hallo Inge, hallo Hans-Peter!

Ich reihe mich hier mit ein - auch ich arbeite (neuerdings) mit einer Prämisse im James N. Frey-Stil. Hängt damit zusammen, dass ich wenig plotte und mich ziemlich atemlos von meinen Figuren durch die Handlung führen lasse. Da ist es hilfreich, eine Art "roten Faden" zu haben und nicht aus den Augen zu lassen. Da mich persönlich die Gefühle meiner Figuren am meisten interessieren, insbesondere Angst, sowie die Strategien die sie entwickeln, um die ihnen begegnenden Probleme zu bewältigen, findet sich also mindestens ein Gefühl in der Prämisse. Bei Romeo und Julia könnte es z.B. sein: Ohne Rückhalt und Zugehörigkeit kann verbotene Liebe zur Verzweiflung führen.

Und siehe da: Seit ich solche Prämissen verwende, finden meine Geschichten Leser und neuerdings sogar Verlage. Für mich war dieser Ratschlag wirklich viel wert und ich werde James Frey wohl ewig dafür danken!

Kreative Grüße

 

Sylvia

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Seit ich solche Prämissen verwende' date=' finden meine Geschichten Leser und neuerdings sogar Verlage.[/quote']

Zumindest stehst Du mit dieser Wahrnehmung nicht allein. Ich habe auch einmal einen Autor sagen hören, diejenigen seiner Romane, die eine klare Prämisse hatten, seien erfolgreicher gewesen als die anderen.

 

Liebe Grüße

Uschi

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Hallo zusammen,

 

ich sehe bei Frey als auch bei Fields das Problem, dass in beiden Fällen für die Prämisse komplexe Figuren und Handlungen zu sehr vereinfacht und "heruntergebrochen" werden.

So wird bei Frey eine Geschichte auf ein Grundmuster herunter gebrochen, dass dann auf Hundert Geschichten passt, und nun selber einen Wert für die Geschichte bekommen soll. Es ist sozusagen der rote Faden in dem Tau: Aber gleichzeitig hilft es mir beim Schreiben nicht, weil ich in innere und äußere Motive der Figuren unterscheide, in verschiedene äußere Handlungen, sowie widersprechende und ergänzende Motive und Handlungen.

Bei Fields komme ich zwar zu einer Ausgangssituation für die Handlung, aber danach finde ich eine Motivkette zu klar und zu deutlich, als dass sie für meinen Plotbau geeignet wäre.

 

Somit finde ich beides interessant, und Frey hat mir sehr am Anfang geholfen, und Fields ist nahezu ideal um mit einem Text anzufangen. Danach komme ich aber besser ohne sie zurecht.

 

Gruss

 

Thomas

"Als meine Augen alles // gesehen hatten // kehrten sie zurück // zur weißen Chrysantheme". Matsuo Basho

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Vielleicht hilft allen, die noch Fragen zur Prämisse haben, folgende Erklärung weiter:

Thema und Prämisse: nach Susan J. Letham

(Link ungültig)

 

Danach braucht eine Geschichte:

Ein Thema,

den Blickwinkel des Autors darauf,

daraus folgert die Moral von der Geschicht', die Prämisse.

 

Beispiel

Thema: Die Entwicklung einer alleinstehenden Mutter mit Kind

Blickwinkel: die finanziellen und sozialen Probleme

Prämisse könnte lauten: Erhalten Mütter in dieser Situation keine Unterstützung, brechen sie zusammen. oder: Mit Tatkraft und Mut beweist die Mutter ihrer Umwelt, dass sie trotz der Situation "ihren Mann steht."

 

Mit Freys Prämisse hatte ich auch große Schwierigkeiten, deshalb habe ich das Thema gemeinsam mit bekannten Autoren intensiv bearbeitet. Unser Fazit: Ohne Prämisse geht es nicht. Egal, welche ich wähle, ich muss sie bis zum Schluss der Geschichte im Auge behalten.

 

Gertraude

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Hallo ihr,

 

ich habe auch nochmal ein bisschen herumgeschmökert und zwar in Ron Kellermann, Fiktionales Schreiben.

Er erklärt auf Seite 42 die Prämisse als ein Werkzeug der Ideenfindung und sagt, es sei wichtig, den elementaren Kern einer Idee zu erkennen. Dabei würde die Prämisse helfen. Zudem gebe sie einen Zielkorridor vor, in dem sich die Geschichte bewegt.

 

Die Prämisse von Romeo und Julia ist: Verbotene Liebe führt zu Unglück.

 

Also eine ganz grobe Vereinfachung und das ist auch das, was mir nicht so sehr hilft. Ich glaube zwar, dass jede gute Geschichte sich auf eine Prämisse reduzieren lässt, aber um damit zu arbeiten ist es mir zu allgemein. Ich brauche auch für die Anfangsidee schon eine tiefere Stufe, in der ich die Figur und ihr Ziel auslote. Mache ich das konsequent, ergibt sich meiner Ansicht nach auch automatisch eine Prämisse.

 

Gruß Susann

Eat the frog in the morning (Mark Twain)

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Für mich ist die Prämisse NICHT der erste Schritt zum Roman.

 

Zuerst habe ich eine Idee. Dann entwickle ich die Figuren. Erst wenn ich die gut kenne plane ich die Handlung. Wobei das jetzt sehr abgegrenzt klingt aber eigentlich ein fließender Prozess ist. Spätestens wenn ich die Handlung plane, stelle ich mir die Frage nach der Prämisse. Aber nie vor der eigentlichen Idee und auch nie, bevor ich meinen Protagonisten gut kennen gelernt habe.

 

Die Prämisse ist an die Figuren gebunden, sie tragen sie in sich.

Worauf läuft das hinaus? Was will ich EIGENTLICH mit der Geschichte erzählen. Denn die Handlung ist ja immer nur der sichtbare Teil, sozusagen ein Transportmittel für den Kern der Geschichte, für die Botschaft oder wie auch immer man das nennen will.

 

LG

Inge

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Mich verwirrt diese Diskussion, wahrscheinlich weil "Prämisse" in der Literatur nicht deckungsgleich ist mit "Prämisse" in der Logik.

 

"Prämisse (v. lat.: praemissum = das Vorausgeschickte) heißt in der Logik eine Voraussetzung oder Annahme. Sie ist eine Aussage, aus der eine logische Schlussfolgerung gezogen wird" ((Link ungültig))

 

In der Literatur ist Prämisse aber eher die "Moral von der Geschicht" (die Geschichte soll zum Beispiel zeigen, dass "ein Umweg lohnend sein kann", dass "alles möglich ist, wenn man nur daran glaubt", etc.). Die obige Wiki-Definition verwendend, würde ich meinen, dass die Moral von der Geschicht schon eine (mehr oder weniger logische!) Schlussfolgerung ist - also weit mehr als nur eine Annahme.

 

Was beim Entwickeln einer Geschichte zuerst kommt - die Protagonisten, der Plot, die Prämisse - ist aber sicherlich Geschmacksache, und dafür sollte es keine "Regeln" geben. Häufig werden diese Elemente ohnedies gleichzeitig entwickelt, da sie unentrinnbar miteinander verwoben sind...

 

Gibt es eine Prämisse ohne Plot und einen Plot ohne Prämisse? Und ist der Protagonist nur das Personal, das man anheuert, um einen bestimmten Job zu erledigen (EI), oder entspringt die Prämisse dem Gehirn und Wesen des bereits entwickelten Protagonisten (HENNE)?

 

Werner

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Hallo Werner,

 

Mich verwirrt diese Diskussion, wahrscheinlich weil "Prämisse" in der Literatur nicht deckungsgleich ist mit "Prämisse" in der Logik.

 

"Prämisse (v. lat.: praemissum = das Vorausgeschickte) heißt in der Logik eine Voraussetzung oder Annahme. Sie ist eine Aussage, aus der eine logische Schlussfolgerung gezogen wird" ((Link ungültig))

 

In der Literatur ist Prämisse aber eher die "Moral von der Geschicht" (die Geschichte soll zum Beispiel zeigen, dass "ein Umweg lohnend sein kann", dass "alles möglich ist, wenn man nur daran glaubt", etc.).

Da hast du gut den Begriffswirrwarr geschildert. Offenbar wird auch in der Literatur der Begriff - zumindest in Deutschland - in doppeltem Sinne gebraucht. Als Voraussetzung der Geschichte bei Field, als "Moral von der Geschichte" bzw. Zusammenfassung bei Frey. Ein weiterer Fall, wo ein Fachbegriff unterschiedliche Bedeutung haben kann und damit lustig zur Verwirrung beiträgt ;-).

 

Ich habe nie mit der Prämisse von Frey arbeiten können, für mich war sie zu statisch, zu moralisch, viel zu allgemein. Mich hat das immer gebremst. Aber offenbar gibt es etliche, denen diese Methode sehr hilft.

 

Hans Peter

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Gibt es eine Prämisse ohne Plot und einen Plot ohne Prämisse?  

 

Eine Prämisse ohne Plot gibt es sicher. Sie ist dann eine Behauptung /Annahme, die es zu beweisen gilt. Und, um sie beweisen zu können, brauchen wir die Handlung und für die Handlung brauchen wir die Figuren. Ich wollte ja nicht oberlehrerhaft sagen, dass es unmöglich ist so zu beginnen. Nur ich mache es anders.

 

Plots ohne Prämissen gibt es sicher, das sind dann meiner subjektiven Meinung nach Bücher mit unbefriedigendem Ende.

 

Eine spannende Frage wäre eigentlich die, ob die Autoren, die behaupten ohne Prämisse zu schreiben und dabei gute Bücher hervorbringen, nicht doch auch eine Prämisse haben, ohne sich dessen bewusst zu sein?

 

LG

Inge

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Die Prämisse ist die Grundfrage und zugleich die Antwort hierauf, vermittelt durch die Veränderung der Entwicklung mit der Auflösung des Konflikts. "Das Glück liegt oft so nahe" ist eine Prämisse, und der Mann, der verzweifelt nach der Frau fürs Leben sucht, aber lange Zeit übersieht, dass die nette und fürsorgliche Nachbarin genau die richtige für ihn ist, bestätigt sie durch die schließlich erfolgende Hinwendung zur Nachbarin, nachdem er sich durch halb Westeuropa gevögelt hat (oder so). Oft macht man sich überhaupt nicht bewusst, dass man auf diese Art arbeitet oder dass es sowas überhaupt gibt, und es ist meines Erachtens auch nicht erforderlich, weil das quasi von selbst geschieht, bereits in der Skizzierung des Plots. Jede Konfliktauflösung nimmt Stellung, und das ist letztlich die Prämisse. Ob man den Terminus nun gebraucht oder einen anderen oder überhaupt keinen, spielt dabei keine Rolle.

 

Meine erste lange - und sehr heftige - Online-Diskussion mit anderen Autoren habe ich zu diesem Thema geführt, da waren die Traktate der Schreibgurus noch neu und hatten für einige Autoren die Qualität heiliger Schriften. Nach meinem Eindruck geht/ging es diesen Schreibgurus darum, ein eigenes, erkennbares Konzept zu verkaufen, und die zwingend notwendige Formulierung einer "Prämisse" gehörte zu diesen schreiberkenntnisphilosophischen Konzepten. Es ist aber nur die Beschreibung eines Umstands, der zumeist ohnehin intuitiv vorhanden ist. Man muss sich nicht den Kopf zerbrechen, ob man mit derlei arbeitet oder nicht - und wie. Manchmal entsteht es auch erst im Verlauf der Entwicklung.

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Hallo Tom,

 

da haben sich unsere Posts überschnitten und du beschreibst wunderbar, was ich meinte, mit der Frage nach der unbewussten Prämisse.

 

Wenn man als Autor am Anfang steht, dann ist es allerdings hilfreich mit einer Prämisse zu arbeiten, sie als roten Faden zu benutzen, um sich nicht in die Irre führen zu lassen, um auf Kurs zu bleiben, um den Helden am Ende wirklich in die Arme der Nachbarin zu bugsieren und nicht auf einer einsamen Alm als Sinnsucher vermodern zu lassen.

 

LG

Inge

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Ich versuche derzeit mit den Begriffen "want" und "need" zu arbeiten, das geht ein wenig in die Richtung. Es hilft mir dabei, meine Hauptfigur besser zu verstehen und auch die Handlungen, die sie auslöst und auf die sie reagiert. Eigentlich kommen die Begriffe aus der Filmdramaturgie, was man nicht vergessen sollte, taugen aber auch für Romane - scheint mir.

"Want":  das Ziel, welches die Hauptfigur offensichtlich ansteuert, ja unbedingt  erreichen möchte.

"Need". ihr unbewusstes Bedürfnis, das was ihr wirklich fehlt.

Bin allerdings in der Verwendung eines  solchen dramaturgischen Bestecks blutiger Anfänger...

 

Mit dem "Prämisse" als dramaturgische Kategorie kann ich nix anfangen, weil der Begriff so allgemein ist, alles hat seine Prämisse, sogar der Tod, nein der besonders :-)

 

Herzlichst:

jueb

"Dem von zwei Künstlern geschaffenen Werk wohnt ein Prinzip der Täuschung und Simulation inne."&&&&Projekt MD&&"Erdbeeren & Bananen"

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Eine spannende Frage wäre eigentlich die' date=' ob die Autoren, die behaupten ohne Prämisse zu schreiben und dabei gute Bücher hervorbringen, nicht doch auch eine Prämisse haben, ohne sich dessen bewusst zu sein?[/quote']

Sicher haben sie sie. Nachträglich kann man immer alles in alles hineininterpretieren ;-). Und eine Prämisse findet sich immer, egal ob im Sinne von Frey oder in dem von Field. Ob sie befriedigend ist, ist eine andere Frage.

 

Die viel interessantere Frage ist die, ob es nützt, die Prämisse vorher zu kennen. Und wenn ich die Antworten hier mir ansehe, möchte ich sagen: Für manche ja, für andere nein.

 

Hans Peter

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Eine spannende Frage wäre eigentlich die' date=' ob die Autoren, die behaupten ohne Prämisse zu schreiben und dabei gute Bücher hervorbringen, nicht doch auch eine Prämisse haben, ohne sich dessen bewusst zu sein?[/quote']

Sicher haben sie sie. Nachträglich kann man immer alles in alles hineininterpretieren ;-). Und eine Prämisse findet sich immer, egal ob im Sinne von Frey oder in dem von Field. Ob sie befriedigend ist, ist eine andere Frage.

 

Die viel interessantere Frage ist die, ob es nützt, die Prämisse vorher zu kennen. Und wenn ich die Antworten hier mir ansehe, möchte ich sagen: Für manche ja, für andere nein.

 

Hans Peter

 

Also, mir gelingt es, halbwegs ordentliche Bücher zu schreiben, ohne mir jemals Gedanken über eine Prämisse zu machen. Man kann, mit viel Geschick, meinen Romanen, deren Handlungsstränge und Handlungsebenen sehr komplex sind, sicher eine platte Prämisse zuordnen, wie beispielsweise "Schokolade macht dick und glücklich", aber das finde ich als abwertend.

 

Ich arbeite mit Thema und roten Faden. Was möglicherweise entfernte Ähnlichkeit mit der Fieldschen Prämisse haben könnte, wäre die Motivation der einzelen Protagonisten.

 

Prämisse - wie ausgeprägt auch immer, kann helfen, muss aber nicht. Ich schließe mich Hans-Peter an - das ist wohl eine Frage der persönlichen Arbeitsweise, keine allgemeingültige Regel.

 

Gruß

Anna

Neu: Das Gold der Raben. Bald: Doppelband Die Spionin im Kurbad und Pantoufle

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Die viel interessantere Frage ist die' date=' ob es nützt, die Prämisse vorher zu kennen. Und wenn ich die Antworten hier mir ansehe, möchte ich sagen: Für manche ja, für andere nein.[/quote']

 

Beim Lesen dieses Threads bin ich überhaupt erst darauf gekommen, darüber nachzudenken, wie ich es handhabe. Bei mir ist es eine Frage der Entwicklung.

Als blutige Anfängerin (nachdem ich gerade frisch den Frey gelesen hatte)habe ich folgende Prämissen oder eher Fragen in ein einseitiges Exposé geschrieben und an ein paar Verlage geschickt:

 

"Kann der Mensch das werden, was er ist, was in ihm angelegt ist als Möglichkeit? Kann er die Gratwanderung zwischen sich selbst und anderen, zwischen Individuum und Gesellschaft schaffen? Lassen sich zwei Passionen – die Liebe und das Schreiben, vereinbaren?"

Aufgrund dieses Exposés hat der Verleger den Roman genommen, wie er mir später sagte.

 

Seitdem habe ich keine Fragen, Prämissen oder Hypothesen mehr formuliert, sondern stelle im Exposé schon Fragen für mich und frage mich während des

Schreibens immer wieder, was eigentlich mein eigentliches Thema war.

 

Grüße

 

Christa

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Wie seht ihr das mit einer Prämisse bei Thrillern?

 

Nachdem ich parallel zum Schreiben meines ersten Thrillers Frey gelesen habe, dachte ich, ich müsste unbedingt eine Prämisse haben. Außer etwas an den Haaren herbeigezogenes habe ich aber nichts hinbekommen. Dann habe ich mir gesagt: Konzentrier dich darauf es spannend zu machen. Das ist wichtiger.

 

Inzwischen denke ich mir, dass Thriller sich von "verdammt guten Romanen" dadurch unterscheiden, dass es dabei um eine andere Art von Krise oder Konflikt geht - und deshalb die Prämissen-Frage nicht passt.

 

Seht ihr das auch so?

 

lg

Klaus

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Liebe Christa,

 

was du da zitierst, gefällt mir sehr gut und leuchtet mir ein als der "Kern" eines Romans. Es ist quasi die große existentielle Frage, der anhand einer oder mehrerer Lebensgeschichten nachgegangen wird. Für mich ist das allerdings eher eine Hypothese, die du ja auch offen lässt.

 

Herzlichst

jueb

"Dem von zwei Künstlern geschaffenen Werk wohnt ein Prinzip der Täuschung und Simulation inne."&&&&Projekt MD&&"Erdbeeren & Bananen"

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Es ist ja nun auch nicht so, dass die Romane von James N. Frey so die Überhämmer wären, dass man sagt, oh wow, das also kriegt man hin, wenn man mit Prämissen anfängt, das will ich auch...

 

:s22

 

Auch ein Aspekt, oder? Ich fand alles an den JNF-Büchern einsichtig, bloß das mit der Prämisse, das hab ich irgendwie nie zu greifen gekriegt. Mittlerweile denke ich, das geht so ungefähr in die Richtung Thema/Zentrum der Geschichte/was will ich eigentlich sagen? und ist einfach JNFs Versuch, irgendwie das zu packen zu kriegen, was eine gute Geschichte ausmacht.

 

Bloß kriegt man diesen Kern, glaube ich, nie zu packen. Man kann sich ihm allenfalls nähern. Tastend. Behutsam. Immer in Gefahr, sich zu verlaufen.

 

Heute denke ich, es ist eher verheerend, wenn man als Autor beim Schreiben schon mitdenkt, wie man es mal interpretiert haben will. Hier möchte ich mal den besten Satz zitieren, den Kollege Walser je gesagt hat: "Wer immer weiß, was er tut, bleibt unter seinen Möglichkeiten."

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