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Wolf

Aufgeben - ist es wirklich schon so schlimm?

Empfohlene Beiträge

vor 3 Minuten schrieb Christa:

Genau, das hatte ich vergessen hinzuzufügen: Das war, trotz aller Widrigkeiten, die sogenannte gute alte Zeit des Schreibens.

Um mal ein Beispiel aus der Autorenseite zu nennen: Noch bis Ende der Neunziger/Anfang des neuen Jahrtausend hieß es in Interviews mit Verlagslektoren, Publikumsverlage erhielten im Schnitt 2.000 unverlangt zugesandte Manuskripte im Jahr. Vor etwa drei, vier Jahren hatten wir dann hier im Forum ein Interview mit je einem Programmleiter von Knaur und Lübbe (oder Heyne?) gepostet, in dem der eine Lektor von 5.000 unverlangt eingesandten Manuskripten pro Jahr sprach, der andere sogar von jährlich 6.000! Einer der Lektoren erklärte des Weiteren, dass davon maximal alle zwei Jahre mal ein Manuskript unter Vertrag genommen würde. (Jedenfalls war der Buchmarkt zwischen 2.000 und 2010 mit seinen Mega-Bestsellern, den daraus resultierenden Mega-Trends und Me-too-Produktionen auf einem unglaublichen Aufwärtskurs.)

Inspiration exists, but it has to find us working! (Pablo Picasso)

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vor 5 Minuten schrieb Ramona:

Um mal ein Beispiel aus der Autorenseite zu nennen: Noch bis Ende der Neunziger/Anfang des neuen Jahrtausend hieß es in Interviews mit Verlagslektoren, Publikumsverlage erhielten im Schnitt 2.000 unverlangt zugesandte Manuskripte im Jahr. Vor etwa drei, vier Jahren hatten wir dann hier im Forum ein Interview mit je einem Programmleiter von Knaur und Lübbe (oder Heyne?) gepostet, in dem der eine Lektor von 5.000 unverlangt eingesandten Manuskripten pro Jahr sprach, der andere sogar von jährlich 6.000! Einer der Lektoren erklärte des Weiteren, dass davon maximal alle zwei Jahre mal ein Manuskript unter Vertrag genommen würde. (Jedenfalls war der Buchmarkt zwischen 2.000 und 2010 mit seinen Mega-Bestsellern, den daraus resultierenden Mega-Trends und Me-too-Produktionen auf einem unglaublichen Aufwärtskurs.)

Danke für die Zahlen, Ramona, ich hatte die nicht mehr so auf dem Schirm. Das zeigt die Entwicklung deutlich: Alle zwei Jahre wurde/wird ein unverlangtes Manuskript verlegt. Das Durchhaltevermögen von Autoren wird also immer mehr auf die Probe gestellt.

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vor 49 Minuten schrieb Christa:

Sondern dass die Chance, veröffentlicht und sichtbar zu werden, für Neuautoren dadurch drastisch sinkt.

Dafür gibt es jetzt die Möglichkeiten des Self-Publishing. Es entstehen neue Marktsegmente, alte verschwinden. Wie immer eigentlich.

Man gräbt keine goldenen Halsbänder aus dem Boden. (John Vorhaus "Handwerk Humor")

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vor 2 Stunden schrieb Beate K.:

Dafür gibt es jetzt die Möglichkeiten des Self-Publishing. Es entstehen neue Marktsegmente, alte verschwinden. Wie immer eigentlich.

Klar kann jede/r nun auch selbst veröffentlichen, das alleine produziert aber noch lange keine Sichtbarkeit. Auch das will gekonnt sein.

Bearbeitet von Ramona

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vor 6 Stunden schrieb Ramona:

Publikumsverlage erhielten im Schnitt 2.000 unverlangt zugesandte Manuskripte im Jahr. Vor etwa drei, vier Jahren hatten wir dann hier Lektor von 5.000 unverlangt eingesandten Manuskripten pro Jahr sprach, der andere sogar von jährlich 6.000!

Ich hab jetzt mal nur die Zahlen "markiert" ... (Ich weiß aber, dass es 2018 alleine über 80.000 Neuveröffentlichungen waren ... da war alles dabei ... SP und Verlag)

Ich glaube ja, dass *KDP" (Ironie) an allem die Schuld trägt. Die Möglichkeit sein eigenes Werk zu veröffentlichen und dies so einfach, wie auf diesem Portal, hat eine Welle der Veröffentlichungen breit getreten, die einer Evolutionsstufe gleichkommt. Und genau da liegt das Problem der Verlage. Vieles von dem, was sie über ihre Portale bekommen, hat weder das Thema, das sie verlegen, noch die Qualität überhaupt von einem Lektor*In bearbeitet zu werden, damit es je veröffentlicht werden kann. Auf KDP reguliert sich das von selbst ... Denn die, die glauben, sie könnten einen Stift halten und schreiben können, werden von den Lesern und der selbstgewählten Marketingstrategie aussortiert.  (Gut, es gibt auch da immer noch die Beratungsresistenten, die immer weiter machen, aber auch nicht lernen wollen )
Sich durch diesen ... *ichsagsjetztnicht* und dann auch noch die wenigen Perlen herauszufiltern, macht mittlerweile die Hauptarbeit der Verlagslektorate aus ....Uuhuuuuuund ... die meisten der *Jungautoren* sind auch kaum in der Lage ein Exposé zu liefern, das ihr Manuskript über die Masse der Einsendungen hinaus hinweg retten kann... Da kommen Agenturen auch kaum noch gegen an. 

Wenn sich also jetzt noch jemand dazu veranlasst sieht, Marketingmaßnahmen zu ergreifen, die eigentlich, also in früheren Zeiten, von Verlagen übernommen wurden, können diese Autoren schon mal überfordert sein... Und dann  ... wird gemeckert o.O ... Es ist also ein Spiel zwischen Eigenverantwortung, Eigeninitiative und Eigenvermögen. 

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Ja, das Selbstmarketing. Schwierig. Mir ist bis heute völlig unklar, was etwas bringt und was nicht.

Gibt es hier im Forum eigentlich irgendwo einen Thread, in dem irgendwer mal haarklein erklärt, wie gutes SP-Marketing funktioniert? Ich wäre ein begeisterter Leser eines solchen.

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vor 21 Minuten schrieb FlorianV:

Gibt es hier im Forum eigentlich irgendwo einen Thread, in dem irgendwer mal haarklein erklärt, wie gutes SP-Marketing funktioniert? Ich wäre ein begeisterter Leser eines solchen.

Gibt es. Guckst du zum Beispiel hier oder hier. Und ansonsten mal selbst die Suchfunktion bemühen ... ;-) 

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vor 1 Stunde schrieb Frau Klein:

Ich hab jetzt mal nur die Zahlen "markiert" ... (Ich weiß aber, dass es 2018 alleine über 80.000 Neuveröffentlichungen waren ... da war alles dabei ... SP und Verlag)

Ich glaube ja, dass *KDP" (Ironie) an allem die Schuld trägt. Die Möglichkeit sein eigenes Werk zu veröffentlichen und dies so einfach, wie auf diesem Portal, hat eine Welle der Veröffentlichungen breit getreten, die einer Evolutionsstufe gleichkommt. Und genau da liegt das Problem der Verlage. Vieles von dem, was sie über ihre Portale bekommen, hat weder das Thema, das sie verlegen, noch die Qualität überhaupt von einem Lektor*In bearbeitet zu werden, damit es je veröffentlicht werden kann. Auf KDP reguliert sich das von selbst ... Denn die, die glauben, sie könnten einen Stift halten und schreiben können, werden von den Lesern und der selbstgewählten Marketingstrategie aussortiert.  (Gut, es gibt auch da immer noch die Beratungsresistenten, die immer weiter machen, aber auch nicht lernen wollen )
Sich durch diesen ... *ichsagsjetztnicht* und dann auch noch die wenigen Perlen herauszufiltern, macht mittlerweile die Hauptarbeit der Verlagslektorate aus ....Uuhuuuuuund ... die meisten der *Jungautoren* sind auch kaum in der Lage ein Exposé zu liefern, das ihr Manuskript über die Masse der Einsendungen hinaus hinweg retten kann... Da kommen Agenturen auch kaum noch gegen an. 

Wenn sich also jetzt noch jemand dazu veranlasst sieht, Marketingmaßnahmen zu ergreifen, die eigentlich, also in früheren Zeiten, von Verlagen übernommen wurden, können diese Autoren schon mal überfordert sein... Und dann  ... wird gemeckert o.O ... Es ist also ein Spiel zwischen Eigenverantwortung, Eigeninitiative und Eigenvermögen. 

Wolfs Eröffnungspost (auf den ich mich beziehe) verweist doch auf den Verlagsbuchmarkt (Situation im Jahr 2019!) Es meldeten sich Autorinnen zu Wort, die zuvor über mehrere Jahre hinweg Bücher bei Verlagen veröffentlicht hatten und nun aufgrund der Entwicklung nicht mehr vom Schreiben leben können. Dazu wurde neben den Betroffenen auch ein Literaturagent interviewt. (Und dieser Verlagsbuchmarkt hatte 2019 rund 80.000 Neuerscheinungen; wenn ich mich halbwegs recht erinnere waren es 78.800.) 

Wie Untersuchungen des Marktes gezeigt haben, nimmt der SP-Buchmarkt dem Verlagsbuchmarkt ja nichts weg (im Gegensatz zu Gebrauchtbuchmärkten etc.), denn das sind zwei Parallelmärkte mit unterschiedlicher Leserschaft, die sich in seltenen Fällen überschneiden. (Wie es aussieht, wird Tolino nun verstärkt mit neuer Plattform in den Profi-SP-Markt einsteigen, sozusagen als Amazon-Konkurrent.)


 

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vor 13 Stunden schrieb Frau Klein:

Sich durch diesen ... *ichsagsjetztnicht* und dann auch noch die wenigen Perlen herauszufiltern, macht mittlerweile die Hauptarbeit der Verlagslektorate aus ...

Diese Vorauswahl treffen bereits Literaturagenturen, weswegen 99,9999999999999... % der in mittleren und großen Verlagen veröffentlichten Titel via Agentur vermittelt wurden. (Von wegen Outsourcing.) 

Bearbeitet von Ramona

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vor 12 Stunden schrieb Ramona:

Diese Vorauswahl treffen bereits Literaturagenturen, weswegen 99,9999999999999... % der in mittleren und großen Verlagen veröffentlichten Titel via Agentur vermittelt wurden. (Von wegen Outsourcing.) 

Wow, sind es anteilig echt so viele Manuskripte, die von Agenturen kommen? Das war mir noch nicht bewusst.

~~~ Carina alias C. R. Scott ~~~

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vor 32 Minuten schrieb CarinaR:

Wow, sind es anteilig echt so viele Manuskripte, die von Agenturen kommen? Das war mir noch nicht bewusst.

In Interviews mit Verlagsmitarbeitern wird jedenfalls erklärt, dass so gut wie keines der unverlangt (an die Verlage) eingesandten Manuskripte angenommen wird. Durch die Vorauswahl und Absprache mit den Agenturen lassen sich sicher auch die Verlagsprogramme (mit einem Vorlauf zwischen zwei und drei Jahren) besser planen. 

Bearbeitet von Ramona

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Die Literatur ist ja bei weitem nicht der einzige Bereich, in dem man sich nach den guten alten Zeiten sehnt. Wann hat zuletzt eine Rockband oder ein Songwriter den massentauglichen Durchbruch geschafft, wann wurde der letzte Film gedreht, der originell ist und zugleich viel Geld einspielt? Die Zeiten, in denen Bob Dylan und Nirvana den Durchbruch geschafft hätten, sind vorbei. Dafür gibt es hochpolierte, massentaugliche Popmusik. Filmklassiker wie 'der Pate' entstehen keine mehr, dafür unzählige Abklatscher, Fortsetzungen und Überarbeitungen nach dem Muster 'Superman vs. Avengers Teil 10'. Natürlich kann man den Studios und den Musikproduzenten vorwerfen, dass sie vermehrt auf massentaugliche und leicht verdauliche Inhalte setzen und Kulturbetrieb durch Kulturindustrie ersetzt haben. Aber die haben auch nur erkannt, dass Qualität und Vermarktbarkeit in der heutigen Zeit oft nicht zu vereinbaren sind und sich oft sogar gegenseitig ausschließen. Damit muss man auch auf das Publikum blicken, das mit dem Geldbeutel entscheidet, was geliefert wird und was nicht. Und warum sollte es in der Literatur anders sein?

Als Autor sollte man sich im klaren sein, dass Hemingway heute ebensowenig den Durchbruch schaffen würde wie Bob Dylan und Nirvana. Inhalte zu schaffen ist eines, massentaugliches Marketing etwas anderes, und Letzteres ist heute das Ausschlaggebende. Das ist weder gut noch schlecht, es ist halt so. Schreiben ist für mich ein Hobby, das im besten Fall bezahlt wird, und wenn ich erwarten würde, vom Schreiben leben zu können, wäre das für mich persönlich ein bisschen viel erwartet. Die Zeit, in der man Schriftsteller sein als Beruf bezeichnen kann, ist eine absolute Ausnahme, wenn man zurückblickt und sieht, dass die Autoren der meisten Klassiker mit ihren Büchern kaum etwas verdient haben.
Und relativ gesehen hat man heute ja mit SP wenigstens die Möglichkeit, billig selbst zu verlegen. Auch wenn es heute schwieriger ist als noch vor zehn Jahren, finde ich dennoch, dass man heute immer noch relativ gesehen eine gute Chance hat, über Umwege vom Publikum bzw. Verlagen entdeckt zu werden und die Reaktionen der Leser zu erfahren. Vielleicht ist man so gut wie Hemingway, vielleicht so schlecht wie L. Ron Hubbard. Wobei ich sagen muss, dass letzterer heute weitaus bessere Chancen hätte, einen Publikumsverlag zu finden.

Bearbeitet von AlexanderW
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vor einer Stunde schrieb CarinaR:

Wow, sind es anteilig echt so viele Manuskripte, die von Agenturen kommen? Das war mir noch nicht bewusst.

Einer meiner Lektoren hat mir erzählt, er habe in 16 Jahren Berufspraxis 1 unverlangt eingesandtes Manuskript zur Veröffentlichung angenommen. In Worten: eins.

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vor 3 Stunden schrieb AlexanderW:

Die Literatur ist ja bei weitem nicht der einzige Bereich, in dem man sich nach den guten alten Zeiten sehnt. Wann hat zuletzt eine Rockband oder ein Songwriter den massentauglichen Durchbruch geschafft, wann wurde der letzte Film gedreht, der originell ist zugleich viel Geld einspielt? Die Zeiten, in denen Bob Dylan und Nirvana den Durchbruch geschafft hätten, sind vorbei. Dafür gibt es hochpolierte, massentaugliche Popmusik. Filmklassiker wie 'der Pate' entstehen keine mehr, dafür unzählige Abklatscher, Fortsetzungen und Überarbeitungen nach dem Muster 'Superman vs. Avengers Teil 10'. Natürlich kann man den Studios und den Musikproduzenten vorwerfen, dass sie vermehrt auf massentaugliche und leicht verdauliche Inhalte setzen und Kulturbetrieb durch Kulturindustrie ersetzt haben. Aber die haben auch nur erkannt, dass Qualität und Vermarktbarkeit in der heutigen Zeit oft nicht zu vereinbaren sind und sich sogar gegenseitig ausschließen. Damit muss man auch auf das Publikum blicken, das mit dem Geldbeutel entscheidet, was geliefert wird und was nicht. Und warum sollte es in der Literatur anders sein?

Als Autor sollte man sich im klaren sein, dass Hemingway heute ebensowenig den Durchbruch schaffen würde wie Bob Dylan und Nirvana. Inhalte zu schaffen ist eines, massentaugliches Marketing etwas anderes, und Letzteres ist heute das Ausschlaggebende. Das ist weder gut noch schlecht, es ist halt so. Schreiben ist für mich ein Hobby, das im besten Fall bezahlt wird, und wenn ich erwarten würde, vom Schreiben leben zu können, wäre das für mich persönlich ein bisschen viel erwartet. Die Zeit, in der man Schriftsteller sein als Beruf bezeichnen kann, ist eine absolute Ausnahme, wenn man zurückblickt und sieht, dass die Autoren der meisten Klassiker mit ihren Büchern kaum etwas verdient haben.

Wir hatten hier im Forum mal vor einigen Jahren einen Post, der auf einen Artikel in einer angesehenen Zeitung aus den 20ern Jahren des vorigen Jahrhunderts verwies. In diesem Artikel beklagte der Verfasser genau das, was du oben anführst. Kurzum: Das alte Lied. Es ist wie es ist … seit es Menschen gibt. Jede Generation hat nun mal ihre eigenen Helden. (Wie heißt es so schön, fast alles was ein Mensch bis etwa Anfang/Mitte Dreißig erlebt/aufnimmt, wird als Bereicherung empfunden, fast alles was danach kommt eher als eine Art Bedrohung.)

Es ist müßig darüber zu spekulieren, ob ein Hemingway oder Bob Dylan heute noch den Durchbruch schaffen würde. Wären sie später geboren, wären sie natürlich auch Männer/Autoren der heutigen Zeit. Und eines ist mal sicher, zur richtigen Zeit geboren worden zu sein, ist ein Punkt, der für eine Autorenkarriere/Charakter mehr als wichtig sein kann. Nur sehr wenige schreiben wirklich zeitlos.

Bearbeitet von Ramona

Inspiration exists, but it has to find us working! (Pablo Picasso)

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Also, ich gehöre zu denen, die aufgegeben haben. Eigentlich schon, ehe ich richtig angefangen habe. 2014 hatte ich Glück, ein SP-Titel hat sich supergut verkauft und wurde sogar von einem namhaften Verlag übernommen. Ich dachte, jetzt habe ich es geschafft. Das ist der "Durchbruch". War aber nicht so. Die Bücher, die ich danach geschrieben habe, waren zum Teil ein ziemlicher Quälkram. Weil ich mich nicht von der Frage freimachen konnte, ob das wohl "dem Markt" gefällt. Weil ich keinen festen Verlag hatte. Weil ich hier im Forum Einblicke erhalten habe, wie es so zugehen kann in der Branche. Weil ich selbst bereits ein paar frustrierende Erfahrungen gemacht habe.
Da ich weiß, was für ein Sensibelchen ich sein kann, war mir schnell klar: Das ist nichts für mich. Ich brauche das Gefühl, für meine Arbeit wertgeschätzt zu werden. Als Übersetzerin (und inzwischen auch Lektorin) bekomme ich das.

Natürlich spielen auch noch andere Faktoren eine Rolle. Was mir zum Beruf der Autorin zum Beispiel fehlt, ist die Disziplin. Ich bin grottenschlecht im Marketing. Ich bin nicht vernetzt. Die Unsicherheit, ob ich für das, was ich gerade tue, jemals auch nur einen Cent sehen werde . Und immer wieder die Frage, was ich eigentlich Schreiben will - eher Unterhaltung wie bisher oder doch eher literarisch?
Das Schreiben wurde streckenweise zu einer einzigen Quälerei. Die letzten Versuche habe ich nur noch erfolglos und frustriert abgebrochen.

Es fiel mir nicht leicht, zu sagen "ich schreibe nicht mehr", ohne dabei innerlich zusammenzuzucken. Es war auch kein klarer Moment, eher ein längerer Prozess. Es war immer mein Traum gewesen, zu Schreiben und davon leben zu können. Dann wurde der Traum auf einmal Wirklichkeit  ... und ist wie eine Seifenblase zerplatzt. Klar habe ich immer noch im Hinterkopf, dass ich zwar nicht mehr anstrebe, vom Schreiben zu leben, aber ja sehr wohl Schreiben könnte. Mal sehen, vielleicht passiert das ja nochmal. Irgendwann. Oder auch nicht.

Inzwischen bin ich darüber hinweg. Ich habe etwas ausprobiert und festgestellt: Ach nee, lieber doch nicht. Eigentlich kann ich froh sein, dass ich es so schnell gemerkt habe. Einen Vorteil hat mein Ausflug in die Welt des Schreibens auf jeden Fall: Ich bin ich gerade sehr glücklich als Übersetzerin und entdecke diesen Beruf noch einmal ganz neu für mich.

Komm wir essen Opa.

SATZZEICHEN können Leben retten.

www.mcpoets.de

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vor 7 Stunden schrieb AndreasE:

Einer meiner Lektoren hat mir erzählt, er habe in 16 Jahren Berufspraxis 1 unverlangt eingesandtes Manuskript zur Veröffentlichung angenommen. In Worten: eins.

Es ist mir echt ein Rätsel, warum Verlage sich selbst und den Autorinnen und Autoren nicht ganz viel Zeit und Nerven ersparen, indem sie auf ihrer Homepage darauf hinweisen, dass sie nur Manuskripte von Agenturen wünschen. Klare Ansage - und allen wäre geholfen.

Bearbeitet von SabineB
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vor 1 Stunde schrieb MariaP:

Also, ich gehöre zu denen, die aufgegeben haben. Eigentlich schon, ehe ich richtig angefangen habe. 2014 hatte ich Glück, ein SP-Titel hat sich supergut verkauft und wurde sogar von einem namhaften Verlag übernommen. Ich dachte, jetzt habe ich es geschafft. Das ist der "Durchbruch". War aber nicht so. Die Bücher, die ich danach geschrieben habe, waren zum Teil ein ziemlicher Quälkram. Weil ich mich nicht von der Frage freimachen konnte, ob das wohl "dem Markt" gefällt. Weil ich keinen festen Verlag hatte. Weil ich hier im Forum Einblicke erhalten habe, wie es so zugehen kann in der Branche. Weil ich selbst bereits ein paar frustrierende Erfahrungen gemacht habe.
Da ich weiß, was für ein Sensibelchen ich sein kann, war mir schnell klar: Das ist nichts für mich. Ich brauche das Gefühl, für meine Arbeit wertgeschätzt zu werden. Als Übersetzerin (und inzwischen auch Lektorin) bekomme ich das.

Natürlich spielen auch noch andere Faktoren eine Rolle. Was mir zum Beruf der Autorin zum Beispiel fehlt, ist die Disziplin. Ich bin grottenschlecht im Marketing. Ich bin nicht vernetzt. Die Unsicherheit, ob ich für das, was ich gerade tue, jemals auch nur einen Cent sehen werde . Und immer wieder die Frage, was ich eigentlich Schreiben will - eher Unterhaltung wie bisher oder doch eher literarisch?
Das Schreiben wurde streckenweise zu einer einzigen Quälerei. Die letzten Versuche habe ich nur noch erfolglos und frustriert abgebrochen.

Es fiel mir nicht leicht, zu sagen "ich schreibe nicht mehr", ohne dabei innerlich zusammenzuzucken. Es war auch kein klarer Moment, eher ein längerer Prozess. Es war immer mein Traum gewesen, zu Schreiben und davon leben zu können. Dann wurde der Traum auf einmal Wirklichkeit  ... und ist wie eine Seifenblase zerplatzt. Klar habe ich immer noch im Hinterkopf, dass ich zwar nicht mehr anstrebe, vom Schreiben zu leben, aber ja sehr wohl Schreiben könnte. Mal sehen, vielleicht passiert das ja nochmal. Irgendwann. Oder auch nicht.

Inzwischen bin ich darüber hinweg. Ich habe etwas ausprobiert und festgestellt: Ach nee, lieber doch nicht. Eigentlich kann ich froh sein, dass ich es so schnell gemerkt habe. Einen Vorteil hat mein Ausflug in die Welt des Schreibens auf jeden Fall: Ich bin ich gerade sehr glücklich als Übersetzerin und entdecke diesen Beruf noch einmal ganz neu für mich.

Das finde ich sehr schade. Ich habe "Traum. Wald. Tod." total gerne gelesen.

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vor einer Stunde schrieb SabineB:

Es ist mir echt ein Rätsel, warum Verlage sich selbst und den Autorinnen und Autoren nicht ganz viel Zeit und Nerven ersparen, indem sie auf ihrer Homepage darauf hinweisen, dass sie nur Manuskripte von Agenturen wünschen. Klare Ansage - und allen wäre geholfen.

Ich schätze mal, weil DIE Perle dann vielleicht doch an ihnen vorübergehen könnte. Überstrapaziertes Beispiel: Harry Potter. Und die meisten Manuskripte müssen sie ja wirklich nur kurz anlesen, da muss nicht viel Zeit investiert werden. Wenn sie sich damit wirklich helfen würden, würden sie es auf die Homepage setzen. Aber ganz im Gegenteil kann man über die Homepage sogar oft elektronisch was einreichen (zumindest Exposés).

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Ich gelte wohl als das, was man ein "One-Hit-Wonder" nennt (also im Musikbereich) ... Ein einigermaßen Hit und dann in der Versenkung verschwunden. Mein Erstling ist in meinem Bereich zum *Hust* Klassiker avanciert und der Rest von dem, was ich geschrieben und auch veröffentlicht habe, wurde wohlwollend angenommen, aber mehr auch nicht. An den Erfolg der Ersten bin ich nie wieder rangekommen. Zum einen lag es an den Verlagen, zum anderen auch an meiner Unfähigkeit mich im SP so zu produzieren, dass ich an den Ersten hätte anknüpfen können. 

Höre ich auf? Nö, ich schreibe für mich und wenn ich glaube, könnte was werden (was es nicht tut, aber da bin ich stur genug, um es dennoch zu tun) veröffentliche ich es. 

Früher, also ganz früher, als ich noch nicht in Verlagen zu lesen war, habe ich in Foren gepostet, und mir da die Zustimmung geholt, dass ich gut schreiben kann ... Reicht mir das heute? Manchmal, eher nein ... weil es eine andere Ebene ist ... aber auch zu hören ... hey ... du kannst das ... ist schon was wert ... hilft das jetzt in diesem Thread weiter? Eher nicht :-) ... aber so halte ich es und halte meine Psyche damit über Wasser :-) 

 

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vor 4 Stunden schrieb SabineB:

Es ist mir echt ein Rätsel, warum Verlage sich selbst und den Autorinnen und Autoren nicht ganz viel Zeit und Nerven ersparen, indem sie auf ihrer Homepage darauf hinweisen, dass sie nur Manuskripte von Agenturen wünschen. Klare Ansage - und allen wäre geholfen.

Das hat mich jetzt neugierig gemacht. Und ich habe mir mal stichpunktartig Homepages von Verlagen angesehen -große Publikums-und Literaturverlage, mittlere Krimiverlage und Kleinverlage. Da gibt es -im Gegensatz zu früher-keinerlei Hinweise auf Manuskripteinreichungen oder aber Kontaktdaten von Lektoraten. Nur bei einem Imprintverlag und vielleicht einigen kleineren Verlagen, die ich nicht auf dem Schirm hatte. In der guten alten Zeit konnte ich mein erstes MS noch in Papierform an einen großen Verlag in Stuttgart schicken und bekam eine hilfreiche Antwort (wenn auch keinen Vertrag), Die Lektorin eines anderen großen Verlages schrieb damals, ich solle das ganz MS schicken, weil sie gehalten seien, alles zu prüfen. Das ist heute wohl nicht mehr nötig und auch nicht gewünscht.

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Ich habe das mit einem Manuskript für ein Kinderbuch vor ein paar Monaten mehrfach direkt über die Webseite gemacht, da gab es eine Eingabemaske. Zweimal habe ich sogar eine wirklich nette Antwort erhalten, per Brief (leider Absage ;-) ). Und ich habe auch mal ein Exposé für einen LR auf diese Weise eingereicht.

Bearbeitet von KerstinH
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vor einer Stunde schrieb Frau Klein:

Ich gelte wohl als das, was man ein "One-Hit-Wonder" nennt (also im Musikbereich) ... Ein einigermaßen Hit und dann in der Versenkung verschwunden. Mein Erstling ist in meinem Bereich zum *Hust* Klassiker avanciert und der Rest von dem, was ich geschrieben und auch veröffentlicht habe, wurde wohlwollend angenommen, aber mehr auch nicht. An den Erfolg der Ersten bin ich nie wieder rangekommen. Zum einen lag es an den Verlagen, zum anderen auch an meiner Unfähigkeit mich im SP so zu produzieren, dass ich an den Ersten hätte anknüpfen können. 

Höre ich auf? Nö, ich schreibe für mich und wenn ich glaube, könnte was werden (was es nicht tut, aber da bin ich stur genug, um es dennoch zu tun) veröffentliche ich es. 

Früher, also ganz früher, als ich noch nicht in Verlagen zu lesen war, habe ich in Foren gepostet, und mir da die Zustimmung geholt, dass ich gut schreiben kann ... Reicht mir das heute? Manchmal, eher nein ... weil es eine andere Ebene ist ... aber auch zu hören ... hey ... du kannst das ... ist schon was wert ... hilft das jetzt in diesem Thread weiter? Eher nicht :-) ... aber so halte ich es und halte meine Psyche damit über Wasser :-) 

 

Danke für dieses ehrliche Statement, Frau Klein (auch danke an MariaP!) Aufgeben oder irgendwie weitermachen? MariaP, ich freue mich, dass du als Übersetzerin mit Freude weitermachen kannst. Und du, Frau Klein, machst ebenso weiter -weil es uns ja "im But liegt", wie es eine Journalistin mal über mich notierte. Die Zustimmung, die ich wie du in Foren bekam, war ein guter Anfang, aber mit jedem Schritt weiter zu Verlagen hat das nicht mehr ausgereicht. Meine Karriere ist ja auch einigermaßen überschaubar (10 Verlagsbücher, 3 SPler). Ich freue mich zum Beispiel, wenn ältere Bücher immer wieder gelesen werden. Seit ein paar Monaten habe ich nichts mehr geschrieben, habe noch ein MS im Keller und traue mich nicht so recht an meine neue Idee heran.

Ich kenne übrigens nur sehr wenige Autoren, die wirklich aufgehört haben. Die haben dann etwas Schreibähnliches gemacht oder sind in den alten Beruf zurück. Viele pausieren in Krisenzeiten und machen dann doch irgendwie weiter.

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vor 1 Minute schrieb KerstinH:

Ich habe das mit einem Manuskript für ein Kinderbuch vor ein paar Monaten mehrfach direkt über die Webseite gemacht, da gab es eine Eingabemaske. Zweimal habe ich sogar eine wirklich nette Antwort erhalten, per Brief (leider Absage ;-) ).

Das denke ich auch, dass es noch viele Verlage gibt, die so eine Eingabemaske haben. Meine drei letzten Romane sind auch auf diese Weise zum Lektorat gekommen.

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