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KarinKoch

Die Amis könnens einfach

Empfohlene Beiträge

Man sollte in einem Satz sagen können, worum es in einer Geschichte geht, nachdem man die Geschichte geschrieben hat. Aber nicht unbedingt vorher. Denn da habe ich noch nicht alle Knochen des Skeletts aiusgegraben. Ausnahmen sind für mich nur kurze Geschichten.

 

Und @ Lisa

Wenn ein Roman umfangreich und mehrschichtig ist, dann braucht jede Schicht einen eigenen Satz. Da stehe ich ganz bei Dir. Aber auch nur einen. Der sollte genügen.

 

Liebe Grüße

Wolf

(schreibt vorwiegend dreibändig)

Bearbeitet von Wolf
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Dass amerikanische Autoren hier so hochgehalten werden liegt an der Art zu lesen, an die man gewöhnt ist. Vor einigen Jahren las ich Tausend und eine Nacht (neue deutsche Übersetzung) und war überrascht, auf was für ungewöhnliche Arten man Geschichten erzählen kann. Was die moderne US-amerikanische Literatur ausmacht, ist die Perfektionierung dessen, was wir gewohnt sind. Es ist – wie so vieles, was aus den USA kommt – immer dasselbe, nur mit anderen Farbstoffen aufbereitet. Es ist einfach, das gut zu finden, denn man kennt es bereits. Um es absichtlich provozierend darzustellen: Hemingways Nachfolger sind das, was MacDonalds für ein T-Bone-Steak ist. 

Bearbeitet von DirkH

Sagt Abraham zu Bebraham: Kann ich mal dein Cebraham?

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Auch finde ich es ehrlich gesagt ziemlich platt, ein gutes und erfolgreiches Buch auf denn (Erfolgs-) Nenner runterzubrechen: Das lässt sich in wenigen Sätzen zusammenfassen. Da fallen gleich mal die Größten der Großen weg, die uns auch noch in diesem Jahrhundert beschäftigen...

Es werden nun zwei Dinge verwechselt. Das eine ist der Pitch oder wie man eine Ultrakurzzusammenfassung auch nennen will, die den Protagonisten, sein Ziel und seinen Konflikt in ein paar Sätzen zusammenfasst. Das kann bei komplexen Büchern zum Problem werden.

Das andere nennt man manchmal auch Pitch oder ganz simpel das Thema, im deutschen nennt man das auch Stoff. 

 

Ich habe nicht gesagt, dass deutsche (oder Bücher aus anderen Ländern) kein Thema oder keinen Stoff haben. Das wäre schlichtweg eine  unhaltbare Unterstellung.

 

Durch jahrelange Exposéarbeit mit (vor allem angehenden) Autoren stelle ich nur fest, dass sich viele (=heißt nicht alle) Autoren sich des Thema/Stoffes ihres Buchs nicht bewusst sind, wenn man sie fragt. In USA setzen viele Lehren aber das Ausformulieren des Themas vor dem Vorgang des Konzipierens voraus: Worüber willst du schreiben? Da kann die Antwort sein: Wie Eifersucht tötet. Oder: Wie sich subtiler Rassismus auf das Leben der Betroffenen auswirkt.  Oder einfach: Wie können zwei sich lieben, die aus unterschiedlicher Gesellschaftsordnung kommen? Sie setzen diesen Schritt vor dem Outside in oder inside out. Oder von mir aus (wie ich es mache) dem Outside in and Inside Out. 

 

Wenn man sich der Grundidee, die zu dem Roman geführt hat, bewusst wird,  hat man die Antwort auf die Frage "Um was geht es eigentlich?" schon parat. 

 

Gerade die Großen der Großen haben ein Thema. Bei diesen Romanen geht es um etwas und zwar meistens - aber nicht immer - um Gesellschaftsprobleme oder um Reflexionen über das Leben an sich. 

Bearbeitet von IlonaS

Krimis, Liebe und Mehr.

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Translations, Lektorat & Exposé Coaching

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"Wie würdest du damit umgehen, wenn deine der Blutrache verpflichtete Familie dich dazu verurteilt, den Nachbarn zu killen?"

 

"Wie würdest du damit umgehen, wenn dich die verkitschte Neuverfilmung eines in deinem Land sehr geliebten Klassikers aus finanziellen Nöten befreien würde?"

 

"Wie würdest du damit umgehen, wenn du dich in deinem von Islamisten regierten Heimatdorf in einen dort verwurzelten Mann verliebtest?"

 

 

Also, die Fragen kann ich an viele Bücher stellen und für sehr unwahrscheinlich halte ich es nicht, dass ihre Autoren das auch hingekriegt hätten. Trotzdem ist es unwahrscheinlich, dass sie weltweit eine große Leserschaft hinter sich bekommen. Sie kommen alles aus "kleinen Sprachen", die Autoren aus Albanien, Griechenland und Daghestan. Dass man mit einem englischsprachigen Buch einen riesigen Markt findet – jemand hat das schon gesagt – ist halt eine andere Ausgangsposition, um dann auch gleich noch eine riesige Filmindustrie draufzusatteln, für all diese Bereiche Lehrinstitute zu schaffen mit Creative Writing Seminaren und Think Tanks. Die von Dirk beschriebenen Lesegewohnheiten tun ein Übriges dazu, würde ich sagen. 

Laudatio auf eine kaukasische Kuh. Eichborn 2021. 

Alicia jagt eine Mandarinente. dtv premium März 2018. Die Grammatik der Rennpferde. dtv premium Mai 2016

www.angelika-jodl.de

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In USA setzen viele Lehren aber das Ausformulieren des Themas vor dem Vorgang des Konzipierens voraus: Worüber willst du schreiben? Da kann die Antwort sein: Wie Eifersucht tötet. Oder: Wie sich subtiler Rassismus auf das Leben der Betroffenen auswirkt.  Oder einfach: Wie können zwei sich lieben, die aus unterschiedlicher Gesellschaftsordnung kommen? Sie setzen diesen Schritt vor dem Outside in oder inside out. Oder von mir aus (wie ich es mache) dem Outside in and Inside Out. 

 

Wenn man sich der Grundidee, die zu dem Roman geführt hat, bewusst wird,  hat man die Antwort auf die Frage "Um was geht es eigentlich?" schon parat. 

 

 

Liebe Ilona,

noch mal: Inside Out oder Outside In oder all die anderen Modelle werden verwendet, um aus einem Ideensplitter sowohl das Thema einer möglichen Geschichte als auch die mögliche Geschichte selbst herauszuarbeiten. Auch wissen viele DozentInnen/LehrerInnen - besonders in den USA, dort zum Beispiel beim renommierten Iowa Writer's Workshop - dass sich das Thema eines Romans oft auch erst durchs Schreiben selbst finden lässt. 

 

Liebe Grüße

Lisa

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Vielleicht sind wir deutschen Autoren einfach unbegabt und sollten es aufgeben und lieber mehr amerikanische Bücher importieren, dann wäre Trump auch zufrieden ;-)

 

Spaß beiseite - ich denke, das Thema ist viel zu vielschichtig, um es kurz zu beantworten.

 

Es hängt zum einen natürlich mit dem zusammen, was Dirk sagt - dieser Stil ist gerade modern und wird erwartet. Manches wiederum ist für den deutschen Markt aber auch nicht verkäuflich, weil es zu kitschig ist - ja, amerikanische Autoren haben weniger Angst vor Kitsch und melodramatischen Gefühlen - und sie haben auch keine Hemmungen, Liebesgeschichten im KZ spielen zu lassen - ein NoGo für deutsche Autoren. Es gibt viel mehr Freiheiten dort - aber auch viel mehr Konkurrenz. Und deshalb sehen wir hier natürlich - Punkt von Ramona - nur die wirklich herausragenden, die sich schon auf einem Markt durchgesetzt haben, der wegen der Sprache der größte der Welt ist. 

 

Außerdem haben Amerikanische Verlage weniger Interesse an deutschen oder europäischen Lizenzen, weil sie selbst genügend Autoren haben. Lizenzen von nicht-englischsprachigen Büchern werden deutlich seltener gekauft als umgekehrt. 

 

Fakt ist, dass amerikanische Serien oft innovativer sind, was m.E. daran liegt, dass deutsche Autoren oft schon im vorhinein von Verlagen oder Filmproduktionen ausgebremst werden. Vorauseilender Gehorsam, weniger Mut, etwas zu versuchen. Ich kann ein Lied davon singen - ich habe ja erlebt, wie ängstlich sämtliche deutschen Publikumsverlage waren und ein Buch von mir allesamt ablehnten, dass bei Amazon Publishing ein Bestseller wurde - inkl. engl. Übersetzung.

Bearbeitet von MelanieM
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Ausgehend von dem, was Melanie und Dirk angesprochen haben, nämlich das Leseverhalten, frage ich mich, ob sich das 'Die Amis könnens einfach' auf die Amerikanischen Leser ebenso bezieht wie auf die Autoren. Das Amerikanische Publikum scheint weniger Erwartungen an Konventionen zu haben, die sich dann in Deutschland in der Form von übervorsichtigen Verlagen äußern. Wie oben angesprochen, scheinen Deutsche Verlage oft nur dann an ausgefalleneren Büchern interessiert, wenn die sich bereits im Ausland verkauft haben. Ohne jetzt mit dem Finger nur auf Verlage zu zeigen: Vielleicht liegt das Problem beim Deutschen Leser. 

Der größte Feind des Herzens ist die Vernunft.
-Giacomo Casanova

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Gut zusammengefasst, Melanie, vielen Dank.

 

Was mir als erstes aufgefallen ist, als ich mir vor langer Zeit die Frage gestellt habe, was ich so an der amerikanischen Literatur mag, war, dass sie es schafft, unmittelbar Gefühle zu erzeugen. Sie spricht mehr den Bauch als den Kopf an. Sie unterhält gnadenlos und unverfroren. Und sie kann natürlich aus einem viel größeren Pool schöpfen als das in Daghestan möglich ist.

Dennoch möchte ich nicht auf deutsche Literatur verzichten, auf gar keinen Fall. Denn die Feinheiten der deutschen Sprache einerseits, und andererseits die wichtigen "deutschen" Themen lassen sich halt dann doch nur bei deutschen AutorInnen finden. 

Bearbeitet von KarinKoch
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Fakt ist, dass amerikanische Serien oft innovativer sind, was m.E. daran liegt, dass deutsche Autoren oft schon im vorhinein von Verlagen oder Filmproduktionen ausgebremst werden. Vorauseilender Gehorsam, weniger Mut, etwas zu versuchen. Ich kann ein Lied davon singen - ich habe ja erlebt, wie ängstlich sämtliche deutschen Publikumsverlage waren und ein Buch von mir allesamt ablehnten, dass bei Amazon Publishing ein Bestseller wurde - inkl. engl. Übersetzung.

Die Enstehungsprozesse solcher Werke werden ja auch manchmal von Dingen beeinflusst, mit denen die Autoren überhaupt nichts zu tun haben.

 

Über die Entstehung der wunderbaren dänischen Serie "Borgen" habe ich mal gelesen, dass der Sender, der sie später ausstrahlte, total am Ende war. Darum ließen Programmverantwortlichen allen Kleinmut fallen, und die Macher hatten völlig freie Hand.

 

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"Wie würdest du damit umgehen, wenn deine der Blutrache verpflichtete Familie dich dazu verurteilt, den Nachbarn zu killen?"

 

"Wie würdest du damit umgehen, wenn dich die verkitschte Neuverfilmung eines in deinem Land sehr geliebten Klassikers aus finanziellen Nöten befreien würde?"

 

"Wie würdest du damit umgehen, wenn du dich in deinem von Islamisten regierten Heimatdorf in einen dort verwurzelten Mann verliebtest?"

 

 

Also, die Fragen kann ich an viele Bücher stellen und für sehr unwahrscheinlich halte ich es nicht, dass ihre Autoren das auch hingekriegt hätten. Trotzdem ist es unwahrscheinlich, dass sie weltweit eine große Leserschaft hinter sich bekommen. Sie kommen alles aus "kleinen Sprachen", die Autoren aus Albanien, Griechenland und Daghestan. Dass man mit einem englischsprachigen Buch einen riesigen Markt findet – jemand hat das schon gesagt – ist halt eine andere Ausgangsposition, um dann auch gleich noch eine riesige Filmindustrie draufzusatteln, für all diese Bereiche Lehrinstitute zu schaffen mit Creative Writing Seminaren und Think Tanks. Die von Dirk beschriebenen Lesegewohnheiten tun ein Übriges dazu, würde ich sagen. 

 

Ein großer Markt bedeutet ja auch eine unglaublich große Anzahl von Konkurrenten. Das sollte man auch nicht vergessen. Sich da durchzusetzen, ist bestimmt nicht so einfach. Aber gerade das trägt bestimmt auch dazu bei, dass Großes entstehen kann.

Die Montalban-Reihe, Die Normannen-Saga, Die Wikinger-Trilogie, Bucht der Schmuggler, Land im Sturm, Der Attentäter, Die Kinder von Nebra, www.ulfschiewe.de

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Danke, Melanie. So einen bissigen Kommentar hatte ich angesichts dieses öffentlichen Kollegen- und Selbstbashings auch schon auf den Lippen ...

 

In der Sache schließe ich mich Dirk an, dass vieles Prägungssache ist. In meinem Bücherregal sind jedenfalls sehr viel mehr europäische Autoren als US-amerikanische vertreten, und ich halte neben europäischen (inkl. russischen) auch südamerikanische, afrikanische oder asiatische Autoren für interessanter als US-Amerikaner. Mit dem allseits beliebten Stephen King konnte ich z.B. noch nie etwas anfangen, weil mich seine Themen nicht ansprechen. Dafür finde ich Philip K. Dick durchaus faszinierend, bin also nicht grundsätzlich gegenüber amerikanischen Werken abgeneigt.

 

Dass deutsche Autoren mit ungewöhnlichen Romanen abblitzen, weil die lieber in Form bewährter Bestseller aus dem Ausland eingekauft werden, haben wir hier im Forum schon öfter festgestellt. Bezeichnend, dass auch eine herausragende TV-Serie wie Borgen offenbar ein Produkt der Verzweiflung war ;-) Ob das Problem auch oder gar nur beim deutschen Leser liegt, ist eine gute Frage. Wenn es so wäre, müssten die innovativen Lizenzen auf dem deutschen Markt eigentlich floppen. Ich sehe da eher eine Zweiteilung: Es gibt Leser, die wollen nur gewohnte Kost und meckern, wenn man ihnen etwas anderes vorsetzt, während andere beim ewig Gleichen gähnen und die mangelnden neuen Ideen kritisieren. Sich in diesem Minenfeld zu bewegen, ist für Autoren wie für Verlage nicht leicht.

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Ich traue mich nur, das Genre Fantasy und einen guten Teil von SF zu beurteilen. Was mir auffiel, war die Kraft der Ideen und der Mut, wie sie umgesetzt wurden. Das fehlt mir von den deutschen Autoren (gilt nicht für alle, aber die Vielzahl)

Ob es bei Fantasy auch die Prägung ist, lasse ich mal offen. Es gibt viel beachtete Autoren aus Osteuropa und auch Afrika.

Für ganz wesentlich halte ich aber die enorme Breite der Talente. Wenn bei uns nur 1% sich durchsetzen wüde, wäre das eine Handvoll Figuren (etwas übertrieben), in den USA aber bereits ein Massenansturm. Gehen wir auf 0.1% wird es noch deutlicher.

 

Wir können nur ändern, was sich ändern lässt. Mehr Mut könnte eine gute Empfehlung sein.

 

Liebe Grüße

Wolf

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Ich bin mal irgendwo der Theorie begegnet, dass es damit zu hat, dass die USA dieser "melting pot" sind: Wenn du dich dort (mit einem Roman) mitteilen willst, dann musst du imstande sein, die Leser auf jenem ganz tiefen Level anzusprechen, das allen Menschen gemein ist und das tiefer liegt als die jeweiligen nationalen Mentalitäten und Eigenheiten. (Das stand da besser und einleuchtender, aber ich habe die Stelle leider nicht wiedergefunden.) Deshalb funktionieren amerikanische Romane (und auch Filme, auch die Popmusik usw.) auf der ganzen Welt, während viele Romane, Filme, Musikstücke aus anderen Ländern sozusagen nur "Insiderveranstaltungen" bleiben.

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Irgendetwas, das innerhalb dieses "tiefen Levels" liegt, muss auch Cornelia Funke in Indien ansprechen. Denn erstaunlicherweise hat sie dort eine sehr große Leserschaft, wie sie in diesem schönen Interview erzählt. Ob es daran liegt, dass sie inzwischen so lange in den USA lebt?

https://www.spiegel.de/kultur/literatur/spitzentitel-cornelia-funke-ueber-den-neuen-restless-roman-a-3e388f29-058c-4126-b58b-afbb2147b74c

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Ein großer Markt bedeutet ja auch eine unglaublich große Anzahl von Konkurrenten. Das sollte man auch nicht vergessen. Sich da durchzusetzen, ist bestimmt nicht so einfach. Aber gerade das trägt bestimmt auch dazu bei, dass Großes entstehen kann.

Das sehe ich auch so. Wenn ich schon alleine die Anzahl von Agenten und Agenturen bedenke, die es In USA gibt.

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Ich bin mal irgendwo der Theorie begegnet, dass es damit zu hat, dass die USA dieser "melting pot" sind: Wenn du dich dort (mit einem Roman) mitteilen willst, dann musst du imstande sein, die Leser auf jenem ganz tiefen Level anzusprechen, das allen Menschen gemein ist und das tiefer liegt als die jeweiligen nationalen Mentalitäten und Eigenheiten. (Das stand da besser und einleuchtender, aber ich habe die Stelle leider nicht wiedergefunden.) Deshalb funktionieren amerikanische Romane (und auch Filme, auch die Popmusik usw.) auf der ganzen Welt, während viele Romane, Filme, Musikstücke aus anderen Ländern sozusagen nur "Insiderveranstaltungen" bleiben.

Danke, Andreas, das ist, worauf ich hinaus will. Auf die universelle Ebene, dort, wo Hautfarbe und Religion im ersten Schritt keine Rolle spielt.

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Irgendetwas, das innerhalb dieses "tiefen Levels" liegt, muss auch Cornelia Funke in Indien ansprechen. Denn erstaunlicherweise hat sie dort eine sehr große Leserschaft, wie sie in diesem schönen Interview erzählt. Ob es daran liegt, dass sie inzwischen so lange in den USA lebt?

https://www.spiegel.de/kultur/literatur/spitzentitel-cornelia-funke-ueber-den-neuen-restless-roman-a-3e388f29-058c-4126-b58b-afbb2147b74c

 

Danke für den Link, Karin, das ist wirklich ein schönes Interview! Und jetzt habe ich neben der sehens- und hörenswerten Cornelia Funkte, auch den Volker Weidermann mal gesehen. Der hat vor drei Jahren ein richtig gutes Buch zur Münchener Räterevolution geschrieben.

Laudatio auf eine kaukasische Kuh. Eichborn 2021. 

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Irgendetwas, das innerhalb dieses "tiefen Levels" liegt, muss auch Cornelia Funke in Indien ansprechen. Denn erstaunlicherweise hat sie dort eine sehr große Leserschaft, wie sie in diesem schönen Interview erzählt. Ob es daran liegt, dass sie inzwischen so lange in den USA lebt?

https://www.spiegel.de/kultur/literatur/spitzentitel-cornelia-funke-ueber-den-neuen-restless-roman-a-3e388f29-058c-4126-b58b-afbb2147b74c

 

Das ist schön für sie, aber nicht genau dasselbe. Das gibt es so selten nicht, dass ein Autor in einem weit entfernten Land einen ganz überraschenden Erfolg hat, womöglich mehr als im eigenen. 

 

Aber egal, wohin man auf der Welt kommt, wenn es dort so etwas einen Bahnhofskiosk gibt, in dem auch Bücher verkauft werden, wird man höchstwahrscheinlich ein Taschenbuch von Mary Higgins Clark oder Harlan Coben oder Stephen King usw. dort finden, in der jeweiligen Landessprache. Das funktioniert nur bei amerikanischen und, mit Abstrichen, britischen Autoren.

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Also, die Fragen kann ich an viele Bücher stellen und für sehr unwahrscheinlich halte ich es nicht, dass ihre Autoren das auch hingekriegt hätten. Trotzdem ist es unwahrscheinlich, dass sie weltweit eine große Leserschaft hinter sich bekommen. Sie kommen alles aus "kleinen Sprachen", die Autoren aus Albanien, Griechenland und Daghestan. Dass man mit einem englischsprachigen Buch einen riesigen Markt findet – jemand hat das schon gesagt – ist halt eine andere Ausgangsposition, um dann auch gleich noch eine riesige Filmindustrie draufzusatteln, für all diese Bereiche Lehrinstitute zu schaffen mit Creative Writing Seminaren und Think Tanks. Die von Dirk beschriebenen Lesegewohnheiten tun ein Übriges dazu, würde ich sagen.

 

Und das genau ist für mich ein Grund oder der Grund, warum ich bei "die Amis könnens einfach" nicht unbedingt zustimmen möchte. Mir geht es wie Daniela (die ich hier nicht zitiere, das ist Angelika :)) Ich hab nix gegen amerikanische Literatur, natürlich nicht, ich lese zb Jonathan Franzen, Siri Hustvedt, Willy Vlautin mit Bewunderung und fühle mich dabei exzellent unterhalten und und und  - lese auch jüngere amerikanische AutorInnen - und finde es dennoch interessant oder oft interessanter, auch andere Welten und Erzählweisen kennenzulernen, und ja, die können es auch. Es kann ja sein, dass es mit dem "tiefen Level des allgemein Menschlichen" so sein sollte und der Melting Pot ein Grund dafür ist - wobei mir dann sofort der Jazz einfällt. Und Jazz, insbesondere freiere, wildere oder komplexere Formen, wird nicht weltweit konsumiert, und nein, Free Jazz (nur zum Beispiel, es genügt auch komplexer Jazz) ist keine deutsche oder europäische verkopfte Erfindung, sondern eine amerikanische. Und ja, "die Amis" sind auch verflucht gute Musiker, was eben an der erwähnten Menge der Akteure und damit der ungeheuren Konkurrenz und, so traurig es ist, auch an mangelnden Subventionen, liegt. Das habe ich von amerikanischen klassischen Musikern sehr sehr oft gehört , die es liebten, in Deutschland an einer Hochschule unterrichten zu können, und von deutschen Jazz oder Popmusikern wiederum, dass man "mal in New York gelebt" haben müsse und zwar so wie die Vorbilder, arm, einen anderen Job als den des Musikers ausübend, dabei wie verrückt übend, weil die Konkurrenz eben riesig ist (ganz zu schweigen von den Kakerlaken). Es ist oder war, zumindest was diesen Aspekt betrifft, auch ein sozialromantisches Paradigma ...

 

Bearbeitet von ClaudiaB

Baronsky&Brendler: Liebe würde helfen  Ein Staffelroman 
Februar 21, Kampa

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Also, die Fragen kann ich an viele Bücher stellen und für sehr unwahrscheinlich halte ich es nicht, dass ihre Autoren das auch hingekriegt hätten. Trotzdem ist es unwahrscheinlich, dass sie weltweit eine große Leserschaft hinter sich bekommen. Sie kommen alles aus "kleinen Sprachen", die Autoren aus Albanien, Griechenland und Daghestan. Dass man mit einem englischsprachigen Buch einen riesigen Markt findet – jemand hat das schon gesagt – ist halt eine andere Ausgangsposition, um dann auch gleich noch eine riesige Filmindustrie draufzusatteln, für all diese Bereiche Lehrinstitute zu schaffen mit Creative Writing Seminaren und Think Tanks. Die von Dirk beschriebenen Lesegewohnheiten tun ein Übriges dazu, würde ich sagen.

 

Und das genau ist für mich ein Grund oder der Grund, warum ich bei "die Amis könnens einfach" nicht unbedingt zustimmen möchte. Mir geht es wie Daniela (die ich hier nicht zitiere, das ist Angelika :)) Ich hab nix gegen amerikanische Literatur, natürlich nicht, ich lese zb Jonathan Franzen, Siri Hustvedt, Willy Vlautin mit Bewunderung und fühle mich dabei exzellent unterhalten und und und  - lese auch jüngere amerikanische AutorInnen - und finde es dennoch interessant oder oft interessanter, auch andere Welten und Erzählweisen kennenzulernen, und ja, die können es auch.

 

Genau das ist für mich der Punkt: Was erwarte ich von meiner Lektüre? Will ich die gewohnte "westliche" Perspektive, die üblichen Erzählmuster, möglichst eingängige Unterhaltung, eine Bestätigung der eingeübten Weltsicht? Oder will ich mich an der kulturellen Vielfalt, die es (noch) auf der Welt gibt, erfreuen? Meinen Horizont erweitern, mich überraschen und auch mal herausfordern lassen? Ich liebe es, neue Sichtweisen auf die Welt zu entdecken. Wenn ich das nach der Lektüre sagen kann, bin ich von dem Autor/der Autorin begeistert und finde sie oder ihn genial ;-) Das hat aber weniger mit formalen handwerklichen Kriterien oder weltweitem Erfolg zu tun, sondern eben mit meinem persönlichen Anspruch und Geschmack. Wenn es danach geht, mir die Welt auf eine neue Art zu zeigen, können's die Amis eben eher nicht oder zumindest deutlich seltener. 

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Aus dem Gedächtnis zitiert:

In deutschen Filmen fliegt ein Fluzeug in Szene 1, Szene 2 zeigt wolken, Szene 3 ein Flugzeug in der Luft, Szene 4 Das Flugzeug explodiert.

In amerikanischen Filmen fliegt ein Flugzeug in Szene 1, in Szene 2 explodiert das Flugzeug.

 

Das habe ich entweder im Cunningham (wahrscheinlich) oder in MaKee (weniger wahrscheinlich) irgendwo gelesen.

Ich fand damals, dass da etwas dran war.

 

Liebe Grüße

Wolf

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Vielen Dank für den Tipp, Karin.

 

Deiner Reihe von überragenden US-Autoren möchte ich noch das (vor einer kurzen Weile noch als solches gefeierte) amerikanische Dreigestirn Jonathan Safran Foer (Alles ist erleuchtet), Jonathan Franzen (Korrekturen) und Jeffrey Eugenides (Die Selbstmordschwestern) hinzufügen.

 

Woher diese Superiorität kommt, kann ich noch nicht mal raten: Land der unbegrenzten usw.? Melting Pot aus Europa, Afrika, China mit all ihren großen Erzähltraditionen?

 

An dem Meeting Point ist bestimmt was dran.

Ich würde auch nicht sagen: Die Amerikaner können es einfach am Besten. Was am Besten? Darunter versteht jeder hier etwas anderes. Mir ist wie gesagt an der Liste amerikanischer Literatur aus dem 20. und 21. Jahrhundert aufgefallen, dass ich die meisten Bücher oder Verfilmungen kenne und auch mochte. Das heißt nicht, dass ich die Briten, Franzosen, Deutschen, Italiener, Iren, Spanier

usw. nicht ebenso schätze, gelesen und in meinem Regal stehen habe. Es kommt immer darauf an, welche Stimme mich anspricht, in welcher Lebenslage und in welcher Lebensphase. Eugenides habe ich übrigens auch gern gelesen.

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Also, die Fragen kann ich an viele Bücher stellen und für sehr unwahrscheinlich halte ich es nicht, dass ihre Autoren das auch hingekriegt hätten. Trotzdem ist es unwahrscheinlich, dass sie weltweit eine große Leserschaft hinter sich bekommen. Sie kommen alles aus "kleinen Sprachen", die Autoren aus Albanien, Griechenland und Daghestan. Dass man mit einem englischsprachigen Buch einen riesigen Markt findet – jemand hat das schon gesagt – ist halt eine andere Ausgangsposition, um dann auch gleich noch eine riesige Filmindustrie draufzusatteln, für all diese Bereiche Lehrinstitute zu schaffen mit Creative Writing Seminaren und Think Tanks. Die von Dirk beschriebenen Lesegewohnheiten tun ein Übriges dazu, würde ich sagen.

 

Und das genau ist für mich ein Grund oder der Grund, warum ich bei "die Amis könnens einfach" nicht unbedingt zustimmen möchte. Mir geht es wie Daniela (die ich hier nicht zitiere, das ist Angelika :)) Ich hab nix gegen amerikanische Literatur, natürlich nicht, ich lese zb Jonathan Franzen, Siri Hustvedt, Willy Vlautin mit Bewunderung und fühle mich dabei exzellent unterhalten und und und  - lese auch jüngere amerikanische AutorInnen - und finde es dennoch interessant oder oft interessanter, auch andere Welten und Erzählweisen kennenzulernen, und ja, die können es auch.

 

Genau das ist für mich der Punkt: Was erwarte ich von meiner Lektüre? Will ich die gewohnte "westliche" Perspektive, die üblichen Erzählmuster, möglichst eingängige Unterhaltung, eine Bestätigung der eingeübten Weltsicht? Oder will ich mich an der kulturellen Vielfalt, die es (noch) auf der Welt gibt, erfreuen? Meinen Horizont erweitern, mich überraschen und auch mal herausfordern lassen? Ich liebe es, neue Sichtweisen auf die Welt zu entdecken. Wenn ich das nach der Lektüre sagen kann, bin ich von dem Autor/der Autorin begeistert und finde sie oder ihn genial ;-) Das hat aber weniger mit formalen handwerklichen Kriterien oder weltweitem Erfolg zu tun, sondern eben mit meinem persönlichen Anspruch und Geschmack. Wenn es danach geht, mir die Welt auf eine neue Art zu zeigen, können's die Amis eben eher nicht oder zumindest deutlich seltener. 

 

 

 

Die Amerikanischen AutorInnen bedienen beileibe nicht nur die gewohnten Weltsichten. John Irvings Garp, und wie er die Welt sah hat mich beispielsweise gerade durch seine originellen Perspektiven umgehauen und mir neue Blickwinkel hinzugefügt.

 

Es geht hier ja auch nicht um ein Entweder-Oder und um ein Gegeneinander von gewohnter Weltsicht versus kultureller Vielfalt. Beides ist elementar, beides soll und muss erhalten und wertgeschätzt bleiben.

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Niemand hat hier gesagt, man solle nur amerikanische Autoren lesen (oder nur amerikanische Filme gucken und nur amerikanische Musik hören). Im Gegenteil, die Welt ist vielfältig (noch zumindest), und man wäre schön blöd, das nicht nach Kräften zu genießen. Aber man kann trotzdem anerkennen, dass es die Amerikaner am besten "drauf haben".

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Aus dem Gedächtnis zitiert:

In deutschen Filmen fliegt ein Fluzeug in Szene 1, Szene 2 zeigt wolken, Szene 3 ein Flugzeug in der Luft, Szene 4 Das Flugzeug explodiert.

In amerikanischen Filmen fliegt ein Flugzeug in Szene 1, in Szene 2 explodiert das Flugzeug.

 

Ich habe einige Zeit mit einem US-Amerikaner zusammengewohnt. Er kaufte sich eine Spülmaschine. Da Jim kaum Deutsch konnte, las ich die Bedienungsanleitung vor und übersetzte sie für ihn: "Dieser Knopf ist dafür und dafür. Wenn man an diesem Rädchen dreht, kann man jenes verringern oder erhöhen. Und mit dieser Taste stellt man die Ökospülung ein." Weiter kam ich nicht. Jim nahm mir die Bedienungsanleitung aus der Hand und fragte: "What's hottest and fastest?"

 

Das gilt für vieles im Leben der US-Amerikaner. Kann man mögen. Muss man aber nicht.

Sagt Abraham zu Bebraham: Kann ich mal dein Cebraham?

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