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KarinKoch

Die Amis könnens einfach

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Niemand hat hier gesagt, man solle nur amerikanische Autoren lesen (oder nur amerikanische Filme gucken und nur amerikanische Musik hören). Im Gegenteil, die Welt ist vielfältig (noch zumindest), und man wäre schön blöd, das nicht nach Kräften zu genießen. Aber man kann trotzdem anerkennen, dass es die Amerikaner am besten "drauf haben".

Warum soll ich eine solche Pauschalisierung anerkennen, wenn ich sie nicht für gerechtfertigt halte? Du fällst hier ein Urteil nach Deinen persönlichen Maßstäben, und das ist legitim. Aber man muss dieses Urteil nicht teilen, wenn man andere Messlatten an Bücher anlegt. Wobei hier nicht einmal klar definiert wurde, was denn die Maßstäbe sind. Erfolg? Das kann man auch mit gewachsener Marktmacht und der weiten Verbreitung der englischen Sprache erklären. Und ich sage auch gar nicht, dass es keine sehr guten amerikanischen Autoren gäbe. Ich kann nur nicht unterschreiben, dass sie eine Art Weltelite der Autoren darstellen, an die sonst niemand (qualitativ!) herankommt.

Bearbeitet von Daniela
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Und das genau ist für mich ein Grund oder der Grund, warum ich bei "die Amis könnens einfach" nicht unbedingt zustimmen möchte. Mir geht es wie Daniela (die ich hier nicht zitiere, das ist Angelika :)) Ich hab nix gegen amerikanische Literatur, natürlich nicht, ich lese zb Jonathan Franzen, Siri Hustvedt, Willy Vlautin mit Bewunderung und fühle mich dabei exzellent unterhalten und und und  - lese auch jüngere amerikanische AutorInnen - und finde es dennoch interessant oder oft interessanter, auch andere Welten und Erzählweisen kennenzulernen, und ja, die können es auch.

 

Genau das ist für mich der Punkt: Was erwarte ich von meiner Lektüre? Will ich die gewohnte "westliche" Perspektive, die üblichen Erzählmuster, möglichst eingängige Unterhaltung, eine Bestätigung der eingeübten Weltsicht? Oder will ich mich an der kulturellen Vielfalt, die es (noch) auf der Welt gibt, erfreuen? Meinen Horizont erweitern, mich überraschen und auch mal herausfordern lassen? Ich liebe es, neue Sichtweisen auf die Welt zu entdecken. Wenn ich das nach der Lektüre sagen kann, bin ich von dem Autor/der Autorin begeistert und finde sie oder ihn genial ;-) Das hat aber weniger mit formalen handwerklichen Kriterien oder weltweitem Erfolg zu tun, sondern eben mit meinem persönlichen Anspruch und Geschmack. Wenn es danach geht, mir die Welt auf eine neue Art zu zeigen, können's die Amis eben eher nicht oder zumindest deutlich seltener. 

 

 

 

Die Amerikanischen AutorInnen bedienen beileibe nicht nur die gewohnten Weltsichten. John Irvings Garp, und wie er die Welt sah hat mich beispielsweise gerade durch seine originellen Perspektiven umgehauen und mir neue Blickwinkel hinzugefügt.

 

Deshalb habe ich auch "zumindest seltener" geschrieben. Natürlich haben mich auch schon amerikanische Autoren um neue Einsichten bereichert. Zum Beispiel Alice Walker damals mit "Die Farbe Lila". Aber das lag weder daran, dass sich das Buch handwerklich auf irgendeinem "übereuropäischen" Niveau befindet, noch daran, dass sie Amerikanerin ist, sondern an ihrer speziellen Sicht als feministische, schwarze Autorin.

Bearbeitet von Daniela
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Niemand hat hier gesagt, man solle nur amerikanische Autoren lesen (oder nur amerikanische Filme gucken und nur amerikanische Musik hören). Im Gegenteil, die Welt ist vielfältig (noch zumindest), und man wäre schön blöd, das nicht nach Kräften zu genießen. Aber man kann trotzdem anerkennen, dass es die Amerikaner am besten "drauf haben".

Warum soll ich eine solche Pauschalisierung anerkennen, wenn ich sie nicht für gerechtfertigt halte? Du fällst hier ein Urteil nach Deinen persönlichen Maßstäben, und das ist legitim. Aber man muss dieses Urteil nicht teilen, wenn man andere Messlatten an Bücher anlegt. Wobei hier nicht einmal klar definiert wurde, was denn die Maßstäbe sind. Erfolg? Das kann man auch mit gewachsener Marktmacht und der weiten Verbreitung der englischen Sprache erklären. Und ich sage auch gar nicht, dass es keine sehr guten amerikanischen Autoren gäbe. Ich kann nur nicht unterschreiben, dass sie eine Art Weltelite der Autoren darstellen, an die sonst niemand (qualitativ!) herankommt.

 

Was bringt dich zu der Annahme, dass Andreas ein Urteil fällt? Er tut seine Meinung kund, genau wie du und ich. Dieser Ausdruck bringt eine Härte in die Diskussion, die nicht notwendig ist.

 

Mir ging es im Ausgangspost auch gar nicht um Erfolg, der sich an Verkaufszahlen messen lässt oder gar darum, wer "die Besten" sind.

Ich wiederhole mich gern, wenn ich sage, dass ich finde, dass die Amis (yeah, Pauschalisierung ;)) einfach ziemlich gut darin sind, spannende und überraschende Geschichten zu erzählen.

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Irgendetwas, das innerhalb dieses "tiefen Levels" liegt, muss auch Cornelia Funke in Indien ansprechen. Denn erstaunlicherweise hat sie dort eine sehr große Leserschaft, wie sie in diesem schönen Interview erzählt. Ob es daran liegt, dass sie inzwischen so lange in den USA lebt?

https://www.spiegel.de/kultur/literatur/spitzentitel-cornelia-funke-ueber-den-neuen-restless-roman-a-3e388f29-058c-4126-b58b-afbb2147b74c

 

Das ist schön für sie, aber nicht genau dasselbe. Das gibt es so selten nicht, dass ein Autor in einem weit entfernten Land einen ganz überraschenden Erfolg hat, womöglich mehr als im eigenen. 

 

Aber egal, wohin man auf der Welt kommt, wenn es dort so etwas einen Bahnhofskiosk gibt, in dem auch Bücher verkauft werden, wird man höchstwahrscheinlich ein Taschenbuch von Mary Higgins Clark oder Harlan Coben oder Stephen King usw. dort finden, in der jeweiligen Landessprache. Das funktioniert nur bei amerikanischen und, mit Abstrichen, britischen Autoren.

 

 Ich muss zugeben, dass ich keines ihrer Bücher bisher gelesen habe. Aber anscheinend ist es Frau Funke gelungen, universelle Themen und Interessen anzusprechen.

Ich habe mich jedenfalls gewundert, dass ihre Geschichten in einem dem unseren so verschiedenen Kulturkreis so erfolgreich sind.

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Niemand hat hier gesagt, man solle nur amerikanische Autoren lesen (oder nur amerikanische Filme gucken und nur amerikanische Musik hören). Im Gegenteil, die Welt ist vielfältig (noch zumindest), und man wäre schön blöd, das nicht nach Kräften zu genießen. Aber man kann trotzdem anerkennen, dass es die Amerikaner am besten "drauf haben".

Warum soll ich eine solche Pauschalisierung anerkennen, wenn ich sie nicht für gerechtfertigt halte? Du fällst hier ein Urteil nach Deinen persönlichen Maßstäben, und das ist legitim. Aber man muss dieses Urteil nicht teilen, wenn man andere Messlatten an Bücher anlegt. Wobei hier nicht einmal klar definiert wurde, was denn die Maßstäbe sind. Erfolg? Das kann man auch mit gewachsener Marktmacht und der weiten Verbreitung der englischen Sprache erklären. Und ich sage auch gar nicht, dass es keine sehr guten amerikanischen Autoren gäbe. Ich kann nur nicht unterschreiben, dass sie eine Art Weltelite der Autoren darstellen, an die sonst niemand (qualitativ!) herankommt.

 

 

Ich bin da ganz bei dir. Pauschalisierungen bringen einen nie weiter. Interessanter sind da m.E. die Analysen, ob es tatsächlich kulturell bedingte Unterschiede gibt, die zu einem weitläufigeren Erfolg führen.

 

Ich denke, die englische Sprache und die angloamerikanische Dominanz nach dem 2. Weltkrieg trug viel dazu bei. Und natürlich davor bereits das Kolonialreich der Briten, die ihre eigene Literatur in die ganze Welt exportierten. Vor dem Hintergrund ist es übrigens spannend, dass die Deutsche Literatur in der Zeit - obwohl es als die Briten schon ein Empire hatten, noch nicht mal ein Deutsches Reich gab, sondern nur so viele kleine Fürsten- und Königtümer - ebenfalls als Weltliteratur galt. 

 

Heute neigen Deutsche oft genug dazu, sich klein zu machen. Gilt für Autoren ebenso wie für andere Gruppen und "Eigenlob stinkt" ist ein klassisches deutsches Sprichwort. Es ist einfach schick in Deutschland, sein Licht unter den Scheffel zu stellen und sich dann zu wundern, wenn andere das glauben.

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Stimmt absolut, Melanie. Wenn man sein Licht unter den Scheffel stellt, darf man sich nicht darüber beklagen, dass es dunkel wird.

 

Etwas, das viele Deutsche von vielen Amerikanern (Pauschalisierungsfalle erfolgreich umschifft) unterscheidet, ist ja deren unverschämtes Selbstbewusstsein. Ein wenig Annäherung von hier nach da wäre für beide Seiten kein Nachteil.

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Wenn es darum geht, interessante, überraschende, herzerwärmende und immer wieder neu erzählte Geschichten zu präsentieren, dann stehen die Amerikanischen AutorInnen für meine Begriffe ganz vorne.

Seien es so saftig schreibende Autoren wie John Irving (der zugegebenermaßen sehr langatmig geworden ist) und TC Boyle, Exzentriker wie Truman Capote und Charles Bukowski oder die völlig gegensätzlich schreibenden Frauen Siri Hustvedt und Anne Tyler: sie alle erschaffen mitreißende Literatur.

 

Nicht viel anders im Bereich Film. Was hier inzwischen vorgelegt wurde an Filmen und Serien ist noch bunter und vielfältiger als in der Literatur, wobei der Bereich zwischen Trash und Kunst sehr, sehr breit ist.

 

Eine absolute Perle möchte ich hier gerne empfehlen, und meines Wissens ist es gleichzeitig die erste Serie, die sich mit dem Lockdown befasst. Schaut euch Social Distance auf Netflix an. Besser geht nicht.

Was mich interessieren würde ist, was du/ihr konkret an amerikanischer Literatur so gut findet. Ich habe John Irving gelesen und mich hat dieses mäandernde Verzetteln nur genervt. Von Siri Hustvedt kenne ich 'Was ich liebte'. Das Buch habe ich sogar komplett geschafft, aber diese permanente Opferhaltung der Protagonisten fand ich wenig ansprechend. Ich habe mich noch an Ken Follets 'Die Säulen der Erde' versucht und bin nicht weit gekommen, weil er für jedes Kapitel denselben Aufbau gewählt hat, was für mich so durchschaubar war, dass ich sehr bald zu Kapitelbeginn bereits wusste, wie es enden wird, und das war mir zu langweilig. Irgendeinen amerikanischen Autor (Name ist mir entfallen) habe ich als Hörbuch probiert und erinnere mich nur noch an den exzessiven Gebrauch des Wortes 'Toast' bzw. 'Toaster' in einer nicht enden wollenden Frühstückszenerie. Bei TC Boyle hab ich auch mal reingeschaut. Und Bukowski war mir, wenn ich das jetzt nicht verwechsle, zu vulgär.

Das sind so die hervorstechenden Beispiele an die ich mich erinnere. Es muss aber noch mehr gegeben haben, denn irgendwann habe ich beschlossen, dass amerikanische Literatur wohl nichts für mich ist. Ich kann mich auch erinnern, dass es mir oft zu plakativ, zu 'laut' war - das ist allerdings nur so ein genereller Eindruck, ohne dass ich konkrete Beispiele nennen kann.

 

Was fasziniert euch so sehr an amerikanischen Romanen?

Eat the frog in the morning (Mark Twain)

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Mich fasziniert an den Romanen, die ich gelesen und geliebt habe:

 

Dass sie so scheinbar mühelos und fast skrupellos Gefühle hervorrufen können. (Alle)

Dass ihre Geschichten einen unmittelbaren Sog entwickeln, dem ich mich schon nach kurzer Zeit nicht entziehen kann. (TC Boyle: Drop City)

Dass sie das "Show instead of Tell" spielend beherrschen. (Die meisten)

Dass sie lebendige und greifbare Figuren erschaffen. (Anne Tyler)

Dass sie das Anspruchsvolle unterhaltsam darbieten. (John Irving: Die frühen Werke wie Garp und Owen Meany. Er ist tatsächlich schrecklich ausführlich geworden)

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Da sieht man, wie unterschiedlich die Wahrnehmungen sind. TC Boyle ist z.B. niemand, der für mich einen Sog entwickelt. Ich habe bislang alles, was ich von ihm versucht habe, irgendwann gelangweilt abgebrochen.

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Ich finde diese unterschiedliche Wirkung auch gerade sehr spannend. Habe eben mal in TC Boyle 'Drop City' reingelesen. An TC Boyle war ich ja auch mal gescheitert, wusste aber nicht mehr warum. Jetzt weiß ich es wieder. Mich schreckt dieser über-selbstbewusste Erzählton ab. Bei mir entsteht dabei das Gefühl, dass er sich und seine Art zu erzählen mehr liebt als seine Figur und ich finde nicht, dass er sonderlich dicht an ihr dran ist. Aber vielleicht kann ich das von der Leseprobe her auch nicht beurteilen.

Eat the frog in the morning (Mark Twain)

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Versuchen wir hier gerade wirklich, ein Bild von der Literatur eines Landes zu zeichnen, indem wir einige Werke einiger weniger Autoren in drei Sätzen beschreiben?

Sagt Abraham zu Bebraham: Kann ich mal dein Cebraham?

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Niemand hat hier gesagt, man solle nur amerikanische Autoren lesen (oder nur amerikanische Filme gucken und nur amerikanische Musik hören). Im Gegenteil, die Welt ist vielfältig (noch zumindest), und man wäre schön blöd, das nicht nach Kräften zu genießen. Aber man kann trotzdem anerkennen, dass es die Amerikaner am besten "drauf haben".

Warum soll ich eine solche Pauschalisierung anerkennen, wenn ich sie nicht für gerechtfertigt halte? Du fällst hier ein Urteil nach Deinen persönlichen Maßstäben, und das ist legitim. Aber man muss dieses Urteil nicht teilen, wenn man andere Messlatten an Bücher anlegt. Wobei hier nicht einmal klar definiert wurde, was denn die Maßstäbe sind. Erfolg? Das kann man auch mit gewachsener Marktmacht und der weiten Verbreitung der englischen Sprache erklären. Und ich sage auch gar nicht, dass es keine sehr guten amerikanischen Autoren gäbe. Ich kann nur nicht unterschreiben, dass sie eine Art Weltelite der Autoren darstellen, an die sonst niemand (qualitativ!) herankommt.

 

Das war eher allgemein gedacht. Ich hätte irgendwie schreiben sollen, "ich kann das anerkennen (oder: finden?), ohne damit zu sagen, man (oder ich) solle nur noch amerikanische Autoren lesen". Was ich ja auch nicht tue.

 

Wir sehen mal wieder: Gute Texte brauchen Überarbeitung, und Überarbeitung braucht Feedback …  ;)

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Versuchen wir hier gerade wirklich, ein Bild von der Literatur eines Landes zu zeichnen, indem wir einige Werke einiger weniger Autoren in drei Sätzen beschreiben?

Ja, genau das habe ich versucht. Ist es so sehr misslungen?  :D 

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Versuchen wir hier gerade wirklich, ein Bild von der Literatur eines Landes zu zeichnen, indem wir einige Werke einiger weniger Autoren in drei Sätzen beschreiben?

 

Ja, das wäre ein reichlich vermessenes Unterfangen, das seh ich genauso (schon gleich, wenn jetzt noch jeder mit Erklärungen zu einzelnen Autoren anfangen wollte, die ihm aus irgendeinem Grund nicht gefallen haben).

 

Mit dem "gefällt mir/nicht"-Hammer kommt man ja eh nie weiter, wenns eine allgemeine Aussage werden soll. Das ist bei "Erfolg" was anderes. Warum sich amerikanische Literatur weltweit gut verbreiten konnte, dafür wurden die wichtigsten Argumente bereits gesagt, meine ich (Riesenmarkt, harte Konkurrenz, Schulung etc.) und dass Erfolg so derart in der Masse nicht ganz ohne das Kriterium der Qualität aus kommen wird, dürfte auch klar sein. 

 

Wo man vielleicht eher Land sieht, das wäre die Frage zu einem speziellen Autor, der universell gefällt, da wurde Cornelia Funke ja schon genannt. Indien ist dabei – das geht aus dem Interview mit ihr hervor – nur das Land, das sie am meisten erstaunt hat, ansonsten verkauft sie sich wohl wirklich überallhin und wird überall geschätzt und geliebt. Was ich wirklich erstaunlich finde, weil sich die Geschmäcker in den verschiedenen Kulturen ja oft genug erheblich unterscheiden: Was der eine als frivolen Spaß genießt, erschreckt den anderen, worüber der eine lacht, findet der andere unverständlich. Leider kenne ich aus Funkes Werk nur das "Tintenherz", dazu könnte ich mir allerdings vorstellen, dass es das Märchenhafte ist, das viele anzieht. Weil Kinder halt wohl in allerWelt Märchen erzählt bekommen und diese "Bausteine" kennen: jemanden verzaubern; ein Schatz; Räuber; eine verschwundene Mutter ... Die opulente Sprache, die sie benützt, passt dazu und für die Älteren ist es natürlich auch noch mal ein Genuss, die verschiedenen Spuren zu entdecken, die sie in dem Buch hin zu anderen Werken der Weltliteratur legt. 

 

Wie ist das bei ihren "Hühnern"? Das kennt doch sicher jemand hier! Ich (bis jetzt noch) nicht.

 

Karin,von dir kam die Empfehlung zur Netflix-Serie? Vielen Dank, schau ich heute Abend mal.

Laudatio auf eine kaukasische Kuh. Eichborn 2021. 

Alicia jagt eine Mandarinente. dtv premium März 2018. Die Grammatik der Rennpferde. dtv premium Mai 2016

www.angelika-jodl.de

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Niemand hat hier gesagt, man solle nur amerikanische Autoren lesen (oder nur amerikanische Filme gucken und nur amerikanische Musik hören). Im Gegenteil, die Welt ist vielfältig (noch zumindest), und man wäre schön blöd, das nicht nach Kräften zu genießen. Aber man kann trotzdem anerkennen, dass es die Amerikaner am besten "drauf haben".

Warum soll ich eine solche Pauschalisierung anerkennen, wenn ich sie nicht für gerechtfertigt halte? Du fällst hier ein Urteil nach Deinen persönlichen Maßstäben, und das ist legitim. Aber man muss dieses Urteil nicht teilen, wenn man andere Messlatten an Bücher anlegt. Wobei hier nicht einmal klar definiert wurde, was denn die Maßstäbe sind. Erfolg? Das kann man auch mit gewachsener Marktmacht und der weiten Verbreitung der englischen Sprache erklären. Und ich sage auch gar nicht, dass es keine sehr guten amerikanischen Autoren gäbe. Ich kann nur nicht unterschreiben, dass sie eine Art Weltelite der Autoren darstellen, an die sonst niemand (qualitativ!) herankommt.

 

Das war eher allgemein gedacht. Ich hätte irgendwie schreiben sollen, "ich kann das anerkennen (oder: finden?), ohne damit zu sagen, man (oder ich) solle nur noch amerikanische Autoren lesen". Was ich ja auch nicht tue.

 

Wir sehen mal wieder: Gute Texte brauchen Überarbeitung, und Überarbeitung braucht Feedback …  ;)

 

Darauf eine Runde Friedenspfeife ;-)

Es ist wirklich schwierig, in Foren ohne Missverständnisse zu kommunizieren. Dass Karin das Wort "Urteil" unnötig hart fand, hat mich auch überrascht. Wäre mir nicht in den Sinn gekommen, dass man das als hart empfinden könnte. Und schon sind wir wieder mitten drin, in der unterschiedlichen Wirkung desselben Texts auf unterschiedliche Leser ...

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Versuchen wir hier gerade wirklich, ein Bild von der Literatur eines Landes zu zeichnen, indem wir einige Werke einiger weniger Autoren in drei Sätzen beschreiben?

 

Ja, das wäre ein reichlich vermessenes Unterfangen, das seh ich genauso (schon gleich, wenn jetzt noch jeder mit Erklärungen zu einzelnen Autoren anfangen wollte, die ihm aus irgendeinem Grund nicht gefallen haben).

 

Mit dem "gefällt mir/nicht"-Hammer kommt man ja eh nie weiter, wenns eine allgemeine Aussage werden soll. Das ist bei "Erfolg" was anderes. Warum sich amerikanische Literatur weltweit gut verbreiten konnte, dafür wurden die wichtigsten Argumente bereits gesagt, meine ich (Riesenmarkt, harte Konkurrenz, Schulung etc.) und dass Erfolg so derart in der Masse nicht ganz ohne das Kriterium der Qualität aus kommen wird, dürfte auch klar sein. 

 

 

Ich finde aber gerade die allgemeinen Aussagen wenig aussagekräftig, besonders, wenn es um Literatur geht, die jeder anders wahrnimmt. Und Erfolg bedeutet nicht zwangsläufig, dass es tatsächlich jedem gefallen muss. Ich verbinde mit den unterschiedlichen Ländern tatsächlich so ganz intuitiv und unterschwellig eine unterschiedliche Art zu erzählen. Dass die amerikanische Art da so gegenüber anderen positiv herausragen soll, das hat mich gewundert, weil ich aus meinem persönlichen Leseerleben zu einem ganz anderen Schluss gekommen bin in den letzten Jahren. Das aber kann ich nur auf persönliche Art begründen, so wie andere hier ihr Erleben völlig anders schildern. Für mich ist das spannend, weil ich es verstehen möchte. Es ist letzlich auch der Weg zum eigenen Schreiben, oder nicht? - Ich meine, sich die Frage zu stellen, wie denn ein und derselbe Text so ganz unterschiedlich auf Leser wirken kann.

Eat the frog in the morning (Mark Twain)

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Verallgemeinerungen sind immer problematisch. Eine interessante Diskussion ist, warum amerikanische Autoren weltweit erfolgreich sind. Dafür gibt es verschiedene Gründe, die schon aufgezählt wurden.

 

Was ich persönlich in solchen Diskussionen immer schade finde, ist, wenn sich deutsche Autoren im Gegenzug selbst entwerten und als schlechter ansehen. Warum sollte dann jemand deutsche Autoren lesen, wenn die sich nicht mal selbst mögen, sondern ihre eigenen Leistungen entwerten?  

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Was ich persönlich in solchen Diskussionen immer schade finde, ist, wenn sich deutsche Autoren im Gegenzug selbst entwerten und als schlechter ansehen. Warum sollte dann jemand deutsche Autoren lesen, wenn die sich nicht mal selbst mögen, sondern ihre eigenen Leistungen entwerten?  

Das sehe ich ganz ähnlich. Und außerdem hat mich an einigen derartigen Aussagen zu Beginn dieses Threads gestört, dass die Betreffenden ja nicht nur von sich selbst gesprochen haben, sondern von deutschen Autoren im Allgemeinen, was ich - nicht nur, aber vor allem - gegenüber Kollegen, die nicht Mitglieder dieses Forums sind und sich daher nicht zu diesen Wertungen und Vorwürfen äußern können, als äußerst unfair empfand.

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Wo genau wurden denn in diesem Thread deutsche AutorInnen entwertet?

Ich habe noch einmal nachgelesen und nichts gefunden.

Der Gesamttenor und die Konnotation, wie deutsche Autoren in Relation zu amerikanischen gesetzt werden, hatte für mich ein Geschmäckle. Wenn jemand sagt, er lese überwiegend amerikanische Autoren, weil deutsche da nicht mithalten können und das dann von mehreren bestätigt wird - deutsche Autoren können nicht mithalten, die Amerikaner sind einfach besser - dann ist das eine Wertung. Es genügt nicht, zu sagen "amerikanische Autoren sind gut" - nein, es muss klar gemacht werden, dass sie besser als deutsche Autoren sind, was explizit bedeutet, dass deutsche Autoren in der Verallgemeinerung schlechter sind. 

 

Diese vergleichende Wertung beeinhaltet die Entwertung, die nicht nur mir übel aufgestoßen ist. Die eleganteste Form der Entwertung ist ja nicht, dass man jemandem sagt, er ist schlecht, sondern dass man ihm sagt: "XY ist besser - und du kannst nix dagegen machen, XY ist einfach deshalb besser, weil er aus dem Land kommt, wo die besseren Autoren wohnen" - überspitzt gesagt. 

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Ich sag mal so:

 

Es gibt Bücher, die lese ich und denke plötzlich: Oh, wow, wie hat er oder sie das gemacht?

 

Und es gibt Bücher, die lese ich und denke: Hmm, das hätte man besser machen können.

 

Und die Nationalitäten der Autoren dieser Bücher sind nicht gleichmäßig über den Erdball verstreut …  :-X

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Ich sag mal so:

 

Es gibt Bücher, die lese ich und denke plötzlich: Oh, wow, wie hat er oder sie das gemacht?

 

Und es gibt Bücher, die lese ich und denke: Hmm, das hätte man besser machen können.

 

Und die Nationalitäten der Autoren dieser Bücher sind nicht gleichmäßig über den Erdball verstreut …  :-X

 

 

Wobei wir wieder bei dem Kriterium der Auswahl sind. Wenn ein Buch über die Landesgrenzen hinaus bekannt oder gar übersetzt wird, hat es schon sehr viele Leser überzeugt. Es fand also bereits eine Selektion statt. In Deutschland als Deutscher hat man viel mehr Auswahl auch unter der Mittelmäßigkeit, während das, was es bis hierher als Auslandslizenz schafft, deutlich besser als Mittelmaß ist. Hat aber weniger etwas mit der Nationalität zu tun, sondern mit dem Selektionsdruck. Und da es auch deutlich mehr Amerikaner als Deutsche gibt, gibt es eben im Verhältnis auch mehr Autoren und von denen eben auch mehr, die den Sprung über den Teich schaffen. 

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Um mal für Filme zu sprechen: Es hat schon auch mit Rezeptionsgewohnheiten und Erzähltraditionen zu tun. Und da hat Hollywood für die westliche Rezeption eben die Nase vorn und eine Menge Gewohnheiten vorinstalliert. Die paar Bollywoodmovies, die es hierher geschafft haben, sind nicht der Rede wert, aber es gibt trotzdem eine Menge unglaublich gute indische Filme (Monsoon Wedding, Slumdog Millionaire usw.). Und von der äquivalenten arabischen Filmindustrie (Ägypten und Syrien) kriegt man hier (fast) gar nichts mit.

 

Das Gleiche, denke ich, gilt auch für Bücher. Nagib Machfuss ist hier vielleicht noch bekannt, Salman Rushdie oder Arundhati Roy, aber wenn man das zu den Bevölkerungszahlen ins Verhältnis setzt, sieht es schon ziemlich mau aus.

Bearbeitet von KerstinH
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Der Gesamttenor und die Konnotation, wie deutsche Autoren in Relation zu amerikanischen gesetzt werden, hatte für mich ein Geschmäckle. Wenn jemand sagt, er lese überwiegend amerikanische Autoren, weil deutsche da nicht mithalten können (...) dann ist das eine Wertung. (...)

 

Ich habe jetzt tatsächlich eine solche Aussage am Anfang des Threads gefunden. Allerdings ist diese durch die Wortwahl eindeutig als subjektiv aus der Sicht eines Lesers zu erkennen. Solange solche Bewertungen nicht als allgemeingültig dargestellt werden, kann ich persönlich sie gut akzeptieren und stehen lassen.

 

Mein abschließendes Fazit für diesen Thread: Die amerikanische Literatur wird in diesem Forum bei nicht wenigen Mitgliedern hoch geschätzt. Anderen ist es wichtig, andere Welten und Erzählweisen als die gewohnten kennenzulernen. Für mich selbst ist beides wichtig, aber wenn ich in mein Bücherregal gucke, sind es mehrheitlich deutsche und amerikanische Literaten, die da rumliegen und stehen. Vielleicht wäre es ja interessant, einen eigenen Thread zu eröffnen, in dem wir uns gegenseitig Literatur empfehlen, die weder aus dem angelsächsischen noch aus dem deutschen Sprachraum kommen.

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Wo genau wurden denn in diesem Thread deutsche AutorInnen entwertet?

Ich habe noch einmal nachgelesen und nichts gefunden.

Der Gesamttenor und die Konnotation, wie deutsche Autoren in Relation zu amerikanischen gesetzt werden, hatte für mich ein Geschmäckle. Wenn jemand sagt, er lese überwiegend amerikanische Autoren, weil deutsche da nicht mithalten können und das dann von mehreren bestätigt wird - deutsche Autoren können nicht mithalten, die Amerikaner sind einfach besser - dann ist das eine Wertung. Es genügt nicht, zu sagen "amerikanische Autoren sind gut" - nein, es muss klar gemacht werden, dass sie besser als deutsche Autoren sind, was explizit bedeutet, dass deutsche Autoren in der Verallgemeinerung schlechter sind. 

 

Diese vergleichende Wertung beeinhaltet die Entwertung, die nicht nur mir übel aufgestoßen ist. Die eleganteste Form der Entwertung ist ja nicht, dass man jemandem sagt, er ist schlecht, sondern dass man ihm sagt: "XY ist besser - und du kannst nix dagegen machen, XY ist einfach deshalb besser, weil er aus dem Land kommt, wo die besseren Autoren wohnen" - überspitzt gesagt. 

 

Ich glaube nicht, dass alle amerikanische Autoren per se besser sind, sie sind ganz einfach prozentual mehr und daher ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass man mehrere gute Autoren trifft. Das wurde ja schon gesagt. 

 

Was mich mehr beschäftigt ist die Frage, warum es nur so wenige deutsche Autoren nach USA schaffen. Dass das Thema des Buchs auch amerikanische Interessen - oder die universelle Ebene - ansprechen muss, setze ich voraus. Es mag manchmal an einer ungeschmeidigen Übersetzung liegen oder auch an der Unkenntnis des Vorgehens. Ich arbeite zurzeit mit einem amerikanischen Agenten, der mit schon Material eines deutschen Verlags nach USA gebracht hat. Es geht, nur zu selten finde ich. 

Krimis, Liebe und Mehr.

www.ilonaschmidt.com

Translations, Lektorat & Exposé Coaching

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