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(krimimann)

In diesem Augenblick

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Zitat eines viel beschäftigten Jury-Mitgliedes:

 

Wenn zum ersten Mal in einem Roman die Floskel "In diesem Augenblick" fällt, klappe ich das Buch normalerweise zu.

Geheimtip aus der Juryarbeit, der sich immer wieder

auszahlt

 

Ohne werten zu wollen, auf welche Weise sich Jurys die Arbeit einfacher machen, scheint es doch so zu sein, dass gewisse Redewendungen als als Amateur-Outings empfunden werden. Unglücklicherweise verwende ich dieses "In diesem Augenblick" auch gelegentlich, wenn nämlich drei Dinge gleichzeitig passieren. :s16

Ich finde es schlicht für den leser zu schwierig, in einer schwierigen Szene, die über acht oder zwölf Seiten läuft, zusätzlich noch die profane Gleichzeitigkeit literarisch verschlüsselt rüberzubringen. Oder denke ich zu kompliziert? Gibt es womöglich einfache Kniffe, Jury und Leser gleichermaßen zu erfreuen, die ich nicht kenne?

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Wenn zum ersten Mal in einem Roman die Floskel "In diesem Augenblick" fällt' date=' klappe ich das Buch normalerweise zu.[/quote']

 

Ginge mir vermutlich ähnlich. Ich mag das auch nicht lesen.

Schlimmer finde ich nur noch: In diesem Moment.

 

Versuche grundsätzlich, solche Szenen zu meiden, wenns dann doch hochkommt, habe ich zwei Methoden, das anzugehen:

Entweder ich lasse es schlicht und ergreifend weg. Manchmal funktioniert eine Szene auch dann. Einen ganzen Absatz sieht man Susi vorm Mörder wegrennen, im nächsten Absatz sitzt Ullrich dann in Marokko im Cafe.

Wenn ich hier den Absatz klein halte und nach einigen Zeilen erstmal wieder zu Susi hüpfe, und dann wieder zu Ullrich, merkt der Leser auch, dass beide Szenen parallel spielen...

 

Wenn ich meine, dass ich UNBEDINGT ein Wort der Gleichzeitigkeit brauche, mühe ich mich, meiner Vorliebe für etwas ins Abseits geratene Wörter, Ausdruck zu verleihen, indem ich 'derweil', oder wenn ich das schon hatte, 'gleichzeitig' sage.

 

Obacht,

Marco! :s17

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Herzlichen Dank, krimimann und Marco.

 

Ich finde "in diesem Augenblick/Moment/dieser Sekunde" in diesem wie in jedem anderen Augenblick auch grauslig.

Rief nach Lesen dieses Threads angstbebend meine Textdatei auf... und fand... FUENF MAL "IN DIESEM AUGENBLICK".

 

Peinlich, peinlich.

 

Sind aber alle schon weg.

 

Dankend und sich sehr amateurhaft fuehlend gruesst

Charlie.

"Der soll was anderes kaufen. Kann der nicht Paris kaufen? Ach nein, in Paris regnet's ja jetzt auch."

Ararat - "Und sie sollen nicht vergessen sein" Knaur, 1. März 2016. www.charlotte-lyne.com

 

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Es gibt noch ein Wörtchen, das mich die Augen rollen läßt ::): "plötzlich"!

 

Ich selbst versuche es zu meiden, weiß aber, daß jedes Wörtchen seinen Platz hat. Also kommt es in jedem Roman trotzdem einige wenige Male vor.

 

Allerdings hatte ich schon Manuskripte in den Fingern, wo es vor Plötzlichs nur so wimmelte, bis ich nur noch wimmerte!!! ;(

 

Pingelige Grüße,

Iris :s17

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Ja, ploetzlich habe ich auch bewusst vermieden, mir aber drei bis vier mal gestattet. "In diesem Augenblick" ist jetzt aber ganz weg.

"Der soll was anderes kaufen. Kann der nicht Paris kaufen? Ach nein, in Paris regnet's ja jetzt auch."

Ararat - "Und sie sollen nicht vergessen sein" Knaur, 1. März 2016. www.charlotte-lyne.com

 

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Nun ist es so, dass ich einen actiongeladenen Roman schreibe, da passiert immer etwas plötzlich oder just in diesem Moment. Um deutlich zu machen, dass es tatsächlich Rambamm zugeht, muss ich doch solche Wörter oder Floskeln verwenden. Genau dafür sind sie doch in der deutschen Sprache vorgesehen. Okay, stören tut's mich auch, aber nur ein bisschen.

 

Und die Wirkung abzuschwächen, nur um mich mit meiner Schriftsprache vom normalen deutsch abzuheben, sehe ich auch nicht ein. Ich würde dadurch die Geschichte verwässern. Und die Geschichte ist mir wichtiger als der Stil, der Inhalt wichtiger als die Verpackung.

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Das ist eine Regel, mit der ich nun wirklich nicht einverstanden bin, weil ich ihr den Sinn abspreche.

Jedoch gestehe ich zu, daß man diese Wendungen nicht zu verschwenderisch einsetzen soll.

 

Hab mal mein eigenes aktuelles Werk darauf abgeklopft (Roman, 733.000 Zeichen, noch nicht fertig, noch nicht überarbeitet) und hätte geschätzt, vielleicht zehnmal "plötzlich" und dreimal "Augenblick" verwendet zu haben.

Ich war dann doch sehr überrascht, als ich nachzählte:

- 52 x "plötzlich"

- 1 x "urplötzlich"

- 42 x "Augenblick"

- 5 x "augenblicklich"

Hier muß unbedingt ausgedünnt werden, das grenzt schon an Wortwiederholung, hehe.

Wobei ich "in diesem Augenblick" nur zweimal drin habe. Die anderen Augenblicke verteilen sich auf teils ähnliche, teils ganz andersartige Konstruktionen:

- in jenem Augenblick

- in dem Augenblick

- in demselben Augenblick

- im gleichen Augenblick

- in demselben Augenblick, als ...

- im selben Augenblick, da/als ...

- im Augenblick

- in dem Augenblick, als

- wenn er in diesem Augenblick ... hätte

- blickte einen Augenblick (aargh)

- für einen Augenblick

- für einen kurzen Augenblick

- als ob er jeden Augenblick

 

So, wenn man das aber nun vermeiden soll, wie vermeidet man es?

Nehmen wir an, ich habe eine Situation, in der jemand die ganze Zeit über schweigt, und dann PLÖTZLICH etwas sagt, wenn es keiner erwartet.

"Ich muß weg hier", sagte Mike plötzlich.

Der Satz funktioniert mittels Kontext zwar auch ohne "plötzlich", d.h. der Leser weiß auch ohne das "plötzlich", daß Mike zuvor nichts gesagt hat und jetzt etwas sagt, aber mit "plötzlich" ist es einfach runder.

Und ich habe solch eine Situation vielleicht nicht 52mal, aber mit Sicherheit 30mal. D.h. 22 "plötzlich"s kann ich mir schenken, aber sonst ...

 

Der "Augenblick" ist einfacher zu killen, da hab ich viele andere Möglichkeiten.

 

Was mir selbst aber aufgefallen ist: Ich habe sehr oft den Fall, daß jemand "einen Moment lang" verblüfft dasteht, über etwas nachdenkt, zum Verstehen benötigt, sich Zeit für die Antwort nimmt. Es geht mir nicht um die Formulierung, von denen ich ein Dutzend verschiedene habe, sondern den Sachverhalt an sich. Einerseits empfinde ich ihn in seiner Häufung als störend, andererseits kann ich keinen einzigen von ihnen guten Gewissens killen. Habt ihr manchmal auch solche Zwickmühlen?

 

Peter

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Also sorry, aber ich kann mit dieser Diskussion gar nichts anfangen.

Natürlich gibt es Details, die einen Roman fragwürdig werden lassen und ihn als typioschen anfängerroman erkennbar machen - aber das kann doch kein einziges Wort oder eine einzige Redewendung sein!

Es kommt doch immer auf das Genre, die Art des Erzählens, den Spannungsaufbau, die Dramaturige, die Personencharakteristik an!

Ich habe keine Ahnung, wie oft die das Wort "plötzlich" oder "in diesem Augenblick" verwende - kann sein, so gut wie gar nicht. Aber selbst wenn sie auf jeder Seite vorkämen, würde ich immer noch von mir behaupten, das Schreibhandwerk halbwegs drauf zu haben, vielleicht nicht Bücher für jederman, aber doch auf dem Buchmarkt annehmbare zu schreiben.

Von daher finde ich die Aussage des Jury-Mitglieds im höchsten Maße elitär und arrogant!

Julia

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Verweile noch, du bist so schoen...

"Der soll was anderes kaufen. Kann der nicht Paris kaufen? Ach nein, in Paris regnet's ja jetzt auch."

Ararat - "Und sie sollen nicht vergessen sein" Knaur, 1. März 2016. www.charlotte-lyne.com

 

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Oioioi...

da habt ihr mein Makro getroffen ;-) Ich hab eine Ausmerzmaschine für sowas...

Aber mal ganz naiv, dumm von der anderen Seite her gefragt... ich schreibe im Präsens, das ist ja eh schon "unvermittelt" als Zeit. Wenn jetzt wirklich etwas zackbommpeng passiert  :s22 - wie mach ich das deutlich, wenn ich die Pfuiwörter nicht verwenden darf?

Ab und zu passiert tatsächlich etwas plötzlich, in genau dem Moment, in dem...

Helft mir, ich sitze grade über der Endkorrektur! *bettelsmiley*

 

Schöne Grüße,

Petra

 

PS: Ich mag das Wort "plötzlich"... es klingt, wie es ist und sieht aus wie ein flinker Fisch *undwech*

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In diesem Augenblick fiel mir ganz plötzlich auf, dass ich diese Art der Beschreibung wegen Banalität schon lange aufgegeben habe. In diesem Moment aber, fühle ich mich veranlasst augenblicklich nachzuschauen, ob ich mir selbst treu geblieben bin, und werde sofort meine Dateien auf plötzlich auftauchende Störenfriede überprüfen. Den Kollegen sei Dank für die plötzliche Erinnerung, die mich zu augenblicklichem Handeln zwingt.

 

LG

Joy

 

Aktuelles MS überprüft: 1 Mal "in diesem Augenblick" gefunden und zerstört! :s21

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@Julia,

 

also mir sind schon oft sogenannte Schätzchen, Lieblingsworte des Autors, in Büchern aufgefallen, die auf jeder Seite vorkommen. Das ist schon eine Schwäche, die man vermeiden kann. Ich überprüfe mich selbst öfter mal in diese Richtung. Wenn mir beim Schreiben selbst auffällt, dass ich schon wieder dieses eine Worte schreibe, dann gehe ich mit der Suchfunktion ran und schaue nach, ob ich es echt in jedem zweiten Satz wiederfinde. Die deutsche Sprache ist wundervoll vielfältig, man muss sich nicht ständig selbst wiederholen, tut es aber unbewußt oft, weil wir beim Sprechen nur einen Bruchteil von ihr gebrauchen. Beim Schreiben wäre ich schon gern kreativer.

 

LG

Joy

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Hey Petra!

 

Ich mag plötzlich auch nicht!

 

Wenn dann mal ganz plötzlich was passiert, geschieht es bei mir meist unerwartet oder unvermittelt.

 

"Ganz unvermittelt stand Ullrich in der Tür."

 

So in etwa. :)

 

Gruß,

Marco!

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Hallo Marco,

ich mag "ganz" nicht ;-)

Was ist an unvermittelt / unerwartet besser, schöner?

 

Ich frage wirklich so dumm, weil ich diese "Regel" einfach verstehen will, obwohl auch ich mit der Suchfunktion wie Joy meine Texte durchforste. Derzeit habe ich die Pfuiwörter (verschiedene) noch drei bis vier mal im Roman - und die bleiben auch!

 

Schöne Grüße,

Petra

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Hallo Petra,

 

drei bis vier Mal, das ist doch nicht schädlich. Mich nerven sie nur, wenn sie andauernd vorkommen, und ich glaube Lektoren sehen das ähnlich.

 

Das mit dem "plötzlich" verstehe ich auch nicht. Ist ein Unwort, auf das auch Schreibratgeber hinweisen. Dabei sagt es doch so viel auf so passend kurze Weise. Ich benutze es manchmal, wenn ich finde, dass es auch wirklich passt. Ansonsten versuche ich das Geschehen einfach geschehen zu lassen, ohne auf das Plötzliche daran extra hinzuweisen. Meist kommt es plötzlich genug um verstanden zu werden. ;)

 

LG

Joy

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HAllo Petra!

 

"ganz" kann man streichen.

 

unvermittelt unerwartet ist nicht besser, n ur mag ich es nciht, dass immer alles plötzlich passiert. Das Wort geht mir auf den Zeiger wie "Last Christmas" im Radio um diese Jahreszeit. Da wäre es auch nett, endlich mal was neues zu haben, womit man nicht rechnet.

Augenblick, Moment, plötzlich, sind Worte, die ich von der Literatur für totgedudelt halte.

 

Man könnte sagen: das wortsuchende Äquivalent eines Klischees - es gibt andere, frischere Möglichkeiten, Augenblick und Moment und plötzlich zu sagen.

 

Mit "regel" hat das nichts zu tun.

 

Gruß,

Marco!

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hallo,

 

warum soll an "plötzlich" irgendwas pfui sein? es ist ein wort, das angemessen einen bestimmten umstand beschreibt. wenn es passend verwendet wird, ist es nicht schlimmer als andere wörter. dasselbe gilt für "unvermittelt" oder "in diesem augenblick". beides kann durchaus passen, und ein satz, in dem es schlicht gestrichen wird, kann durch diese streichung seiner angestrebten bedeutung entkleidet werden.

 

entbehrliche füllwörter sind das nach meinem sprachverständnis nicht.

 

lg,

eva v.

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Mit "regel" hat das nichts zu tun.

 

Da hast du etwas Wahres gesagt. Ich höre so oft "warum sollte ich dieses oder jenes nicht schreiben dürfen? Wer macht denn all diese Regeln?" Dabei handelt es sich doch um nichts weiter als das: Etwas anders, frischer zu umschreiben als mit dem allzu Gewöhnlichen, das jeder überliest. Wie macht man diesen "Grundsatz" einem Anfänger klar? Das ist glatt einen Thread in den FAQ's wert. Ich habe es nämlich satt mich dauernd verteidigen zu müssen, wenn ich "Gewöhnliches" anmeckere. Was dieses Gewöhnliche bedeutet und was es einem Buch antut, sollte einmal an die ganz große Glocke gehängt werden (auch ein abgegriffener Vergleich, aber weil Weihnachten ist ;D.)

 

LG

Joy

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Hallo, Petra und Marco!

 

unvermittelt unerwartet ist nicht besser, n ur mag ich es nciht, dass immer alles plötzlich passiert.

Das ist des Pudels Kern.

So genannte Lieblingswörter des Autors und die extensive Verwendung immer gleicher Formulierungen sind es, die bah-pfui sind.

Wer seinen Text akribisch nach JEDEM "plötzlich" und nach JEDEM "in diesem Augenblick" abklopft, um sie zu eliminieren, der hat bereits eine Wörterneurose. Tut mir leid, wenn ich damit jemandem auf den Schlips trete, aber das halte ich für groben Unfug. Es läuft auf genau die Art "Malen nach Zahlen" hinaus, wie hier schon ein paarmal angesprochen wurde.

 

Das Wort geht mir auf den Zeiger wie "Last Christmas" im Radio um diese Jahreszeit.

Guter Vergleich. SEHR guter Vergleich!

Das Lied ist ja eigentlich ein geniales Meisterwerk, aber so allmählich nervt es. (Immerhin, es hat ca. 20 Jahre gebraucht, bis es zu nerven begann, aber jetzt nervt es ganz entschieden)

 

Augenblick, Moment, plötzlich, sind Worte, die ich von der Literatur für totgedudelt halte.

Grober Unfug! Da müßten "ich", "und", "hatte", "war" und "sagte" viel totgenudelter sein.

Mit Grauen denke ich daran, daß Literatur die deutsche Sprache aufbrauchen könnte; daß man am Ende nichts mehr schreiben kann, was nicht "totgenudelt" ist, neue Wörter erfinden muß, weil sie in millionen Büchern schon vorkamen und jetzt nicht mehr en vogue sind.

Wie der Kurzfilm vom Eiffelturm, der so oft fotografiert wird, daß sein Bild sich abnutzt und er schließlich verschwindet.

Argh, gut, daß das nur ein Alptraum ist.

 

Es gibt keine "totgenudelten" Wörter!!! Ich verwehre mich gegen solche Ideen schon im Ansatz!

 

Man könnte sagen: das wortsuchende Äquivalent eines Klischees - es gibt andere, frischere Möglichkeiten, Augenblick und Moment und plötzlich zu sagen.

Soviele nun auch wieder nicht. Und selbst wenn man sich darauf einläßt: Die sind dann auch bald "totgenudelt". Und dann?

 

Nein, nein nein!

 

Peter

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Da hast du etwas Wahres gesagt. Ich höre so oft "warum sollte ich dieses oder jenes nicht schreiben dürfen? Wer macht denn all diese Regeln?" Dabei handelt es sich doch um nichts weiter als das: Etwas anders, frischer zu umschreiben als mit dem allzu Gewöhnlichen, das jeder überliest.

Selbstverständlich ist das auch eine Regel.

Noch dazu eine, mit der ICH ganz und gar nicht konform gehe, denn es ist zwar ganz angenehm, wenn der Autor den Leser mit frischen Formulierungen und Ideen beschenkt, aber ihn unter Druck zu setzen, es zu tun, halte ich für den Holzweg.

 

Wie macht man diesen "Grundsatz" einem Anfänger klar? Das ist glatt einen Thread in den FAQ's wert. Ich habe es nämlich satt mich dauernd verteidigen zu müssen, wenn ich "Gewöhnliches" anmeckere.

Du brauchst dich nicht zu verteidigen, aber ich würde das unter persönlichen Geschmack einordnen. Ich habe nicht das geringste Problem mit dem Gewöhnlichen.

Allein schon deshalb nicht, weil es das Gewöhnliche geben muß, damit es das Ungewöhnliche geben kann.

 

Peter

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Liebe Leute,

der Grund, warum ich bei solchen Sachen seltsam frage und linguistisch interessiert bin, ist der, dass ich mir die lebende deutsche Sprache ständig neu erarbeiten muss. Ich spreche außer mit zwei von meinen Hunden den ganzen Tag nur Französisch und kenne auch manche Bücher, über die ihr diskutiert (Dan Brown zB) nur in der französischen Fassung. Wenn ich Deutsch höre, sind es alemannische Dialekte - auch bei Besuchen drüben in Deutschland. Reines Hochdeutsch hole ich aus Büchern, Fernsehen, Radio. Wie wir alle wissen, ist das nicht "die" Sprache...

 

Verzeiht mir deshalb, wenn ich diesen Mechanismus ganz genau verstehen und erfassen will:

 

- Hier wird gesagt, Wörter wie "plötzlich" seien schon zu gewöhnlich, Klischee, von der Literatur totgedudelt. Da sie in meiner Bibliothek aber kaum dudeln: Welche Art von Literatur? Der Hinweis auf Schreibratgeber gibt mir einen Verdacht....

 

- Angenommen, man verwendet die Pfuiwörter, welcher Art von Literatur macht man sich dann verdächtig?

 

- Wenn ich abgeschnitten bin von lebendig gesprochener Sprache... wo kann ich am besten erfühlen, was in einem Land schon abgenudelt klingt und was neu und frisch? Was muss ich lesen, sehen, hören?

 

Freu mich über Nachhilfe,

Schöne Grüße,

Petra,

in der deutschen Sprache ab und zu wieder blutige Anfängerin :s10

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Mit Grauen denke ich daran, daß Literatur die deutsche Sprache aufbrauchen könnte.

Dafür ein  :-*

Unsere Postings haben sich überschnitten... ich kann das Argument mit Frische versus Gewöhnlichkeit auch nicht nachvollziehen. Es gibt Texte, da darf ich die Leute mit Frische gar nicht aufschrecken, weil es sie sonst aus dem Lesefluss reißt.

 

Zur Wortneurose beim Ausmerzen: Bei mir ist eher die Verwendung exzessiver Lieblingsfloskeln krankhaft  :s06

 

Schöne Grüße,

Petra

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Ich bekenne mich schuldig, Begriffe wie "plötzlich" und "in diesem Augenblick" zu verwenden.

 

Na und? ;D

 

Wenn sie in den Satz passen, haben sie ein Recht, dazusein, und ich werde mich hüten, sie zu löschen. Im gekonnten Spannungs-, Grusel- oder Horroraufbau sind sie wahrscheinlich fehl am Platz, da Angst nicht auf Knopfdruck entsteht, sondern sich nach und nach einschleicht. Aber da muß ich eh noch üben.

 

Schlimmer finde ich die gnadenlose Fremdwortisierung der Literatur. Ich habe meinen Wortschatz schon ganz schön erweitert, indem ich auf 2000 Seiten Text jedes deutlich erkennbare und durch deutsche Wörter ersetzbare bzw. besser darstellbare Fremdwort entsprechend ausgetauscht habe. Da mache ich auch weder vor "Interesse" noch vor "Intelligenz" oder "Zynismus" halt, auch wenn die Suche da öfter mal etwas länger dauert. Jedenfalls macht mir diese Art der Sprachgrundreinigung mehr Spaß als die Jagd auf arme, unschuldige Plötzlichs, die doch immer nur ihr Bestes geben wollen.

 

P.S. Die Idee mit dem Eiffelturm, der sich im Blitzlichtgewitter auflöst, gefällt mir! Erinnert mich an den alten Glauben, daß Fotografie die Seele stiehlt.

Meine Homepage

 

Rabenzeit 1 gibt's als E-book und gedruckt bei Amazon. :)

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