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(krimimann)

In diesem Augenblick

Empfohlene Beiträge

ich gebe Dir völlig recht' date=' dass man bei seinen Lieblingswörtern Vorsicht walten lassen soll, sich auch selber immer mal wieder überprüfen, was man zu oft verwendet.[/quote']

Das mit den Lieblingswörtern ist eine andere Sache, darauf muß man meist von außen aufmerksam gemacht werden. Bei mir waren es die zahllosen Komposita vom Wortstamm "merk" ("bemerken", "aufmerken", "aufmerksam", "merklich"). Die Ausbesserungsarbeiten waren verdammt mühsam, weil ich schließlich nicht vom Regen in die Traufe fallen wollte.

 

Es darf doch beim Gebrauch der deutschen Sprache - und diese ist nun mal mein Handwerk - keinen Index oder eine schwarze Liste geben!

Wer sagt das? Wo? ;)

 

Die ersten Postings waren sicher etwas plakativ, aber wenn du oft genug Texte vor dir hattest, prall gefüllt mit Unmengen dieser Wörtchen, dann wächst der Wunsch, schon mal auf den Tisch zu hauen. Auch wenn solch (politisch) inkorrektes Verhalten sofort auf Protest stößt.

 

Auch in meinen Romanen kommen selbstverständlich solche Ausdrücke (nebst Varianten) vor und ich werde den Teufel tun, Selbstbeschneidung in meinen Ausdrucksmöglichkeiten zu betreiben.

 

Aber daß massive Häufung und inflationärer Gebrauch bestimmter Wörter zu ungunsten eines großen Wortschatzes und zulasten des Textverständnisses geht, sollte eigentlich klar sein. Deshalb ist es wichtig, sehr salzige Finger auf diese Stellen zu legen.

 

Politisch inkorrekte Grüße,

Iris :s17

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Ich habe ein kleines Problem mit den Wörtern und Floskeln, die hier als Ersatz für plötzlich vorgeschlagen wurden.

Unvermittelt, unverhofft, auf einmal, unerwartet, in diesem Augenblick: das klingt alles schwach, behäbig, zu erzählerisch, einfach nicht so plötzlich, wie ich es mit dem verschmähten P-Wort eigentlich hätte ausdrücken wollen.

Eine Explosion passiert plötzlich, nicht in diesem Augenblick. Zumindest sagt mein Gefühl mir das.

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Ich habe ein kleines Problem mit den Wörtern und Floskeln, die hier als Ersatz für plötzlich vorgeschlagen wurden.

 

Meine Meinung dazu:

Wenn du das Wort an der Stelle weder ersetzen noch weglassen kannst, dann gehoert es da wohl hin. Und wenn du's nicht schon drei Seiten vorher verwendet hast, dann darf es dort auch stehen bleiben.

(Im Fall der von mir gestrichenen fuenf "In diesem Augenblick" waren die saemtlich sogar falsch.

Zu "ploetzlich" neige ich nicht. Ich kranke stattdessen an "jaeh".)

 

Gruesse von Charlie.

"Der soll was anderes kaufen. Kann der nicht Paris kaufen? Ach nein, in Paris regnet's ja jetzt auch."

Ararat - "Und sie sollen nicht vergessen sein" Knaur, 1. März 2016. www.charlotte-lyne.com

 

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Reines Hochdeutsch hole ich aus Büchern, Fernsehen, Radio. Wie wir alle wissen, ist das nicht "die" Sprache...

 

Wie bitte ???? Petra bei aller Wertschätzung :p deiner Beiträge :s20

Hier hört die Freundschaft auf :s23

Guck mal wo ich herkomme

 

Gerd

der sich auf den nächsten Elsaß-Urlaub freut :p,

mit viel Wein und so. Wo finde ich deine Förster :s17

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am Heute um 15:08 Uhr, schrieb Julia :Nur halte ich es für einen absoluten Schwachsinn, bestimmte Wörter einfach mal zu "verbieten" bzw. die Regel aufzustellen, dass deren Verwendung einen als unfähigen Schreiberling outet!

Tut mir leid, ich finde in diesem Thread niemanden, der das behauptet hat...

Das mußte auch keiner aussprechen. krimimann hat es mit dem Zitat des arroganten Jurymenschen aufs Tapet gebracht, und gleich darauf gehen alle schnell ihre "plötzlich" und "in diesem Augenblick" killen. Eindeutiger geht's nimmer. Und ich finde das sch***** :s08

 

Peter

 

PS: Charlie, soll ich dir zuliebe meine neue Signatur wieder aufgeben? Ich wollte dich damit auch ein wenig ehren, aber wenn es dich irritiert ...

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Das mußte auch keiner aussprechen. krimimann hat es mit dem Zitat des arroganten Jurymenschen aufs Tapet gebracht, und gleich darauf gehen alle schnell ihre "plötzlich" und "in diesem Augenblick" killen. Eindeutiger geht's nimmer. Und ich finde das sch*****  :s08

 

:-/

Ja, gut. Naja, das find ich nicht so schlimm...

 

Ich zum Beispiel hab das Problem, dass meine Texte immer vor 'so' 'Also' 'Sowieso' 'Naja' und 'Ebenso' strotzen, was mich wahnsinnig macht, aber ich nicht mehr verlernen tue. Ich vergess das meist, dann werd ich dran erinnert, und gehe los, und lösche sie endlich.

 

Plötzlich und 'in diesem Augenblick' werden bei manchen Leuten vielleicht auch schnell zur Floskel, (auch da muss ich ziemlich aufpassen) die sie schlicht nicht mehr bermerken, da kann es dem Text nur gut tun, wenn die dann verschwinden.

 

Ausserdem muss doch jeder selbst wissen, ob er plötzlich den Augenblick in seinem Text haben will. Manche störts, und wenn sie dann dran erinnert werden, und sie löschen gehen...

Ich reich gern das Ratschefummel...

::)

 

Gruß,

Marco!

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PS: Charlie, soll ich dir zuliebe meine neue Signatur wieder aufgeben? Ich wollte dich damit auch ein wenig ehren, aber wenn es dich irritiert ...

 

Tu's mir, Dir und unseren Romanen zuliebe und schreib' Dir eine eigene.

(Sollte ich mir noch mal irgendwann eine machen, schreib' ich dran: "Copyright by", ja? Diese war so persoenlich fuer meinen Roman gedacht, wie der Ehering fuer meinen Mann.)

 

Wenn jemand sein "ploetzlich" oder sonstwas loescht, weil das irgendein - weder namentlich noch seiner Funktion nach benannter - Juryhans gesagt hat, finde ich das auch schade.

 

Ich freu' mich trotzdem, wenn mich einer auf die vielen Dinge aufmerksam macht, die ich an Stellen benutze, wo ich die nicht haben will, weil die da nicht hingehoeren.

 

Ich habe uebrigens gegen das Wort ueberhaupt nichts, weshalb ich hier irgendwo die Faustzeile zwischen meine Weinereien ueber meine Signatur reingeschmissen habe. Die Worte "Augenblick" und "Herzschlag" sind mir in einem Roman, in dem ich "Sekunde" nicht verwenden durfte, von grossem Nutzen gewesen.

"In diesem Augenblick" moechte ich allerdings nur verwenden, wenn tatsaechlich eine Gleichzeitigkeit (gleich auf die Sekunde bzw. den Augenblick) vorliegt und diese wichtig ist. Das war bei den von mir verwendeten fuenf "in diesem Augenblick" kein einziges Mal der Fall.

 

Ploetzlich mag ich nicht.

Jaeh schon. Zu meinem Leidwesen...

 

Viel schlimmer ist aber bei mir das Wort "schoen", das ich inflationaer einsetze, kaum je ersetzt bekomme und immer erst im dritten oder vierten Durchgang widerwillig rausstreiche.

 

Viele Gruesse von Charlie.

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Ararat - "Und sie sollen nicht vergessen sein" Knaur, 1. März 2016. www.charlotte-lyne.com

 

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krimimann hat es mit dem Zitat des arroganten Jurymenschen aufs Tapet gebracht' date=' und gleich darauf gehen alle schnell ihre "plötzlich" und "in diesem Augenblick" killen.[/quote']

Vorauseilender Gehorsam fällt aber in die Verantwortung der Gehorsamen, nicht in die der zitierten Person.

 

Nichtsdestotrotz finde ich den Denkanstoß wichtig -- und der darf auch provozierend formuliert werden. Was man letztendlich daraus macht, bleibt doch jedem selbst überlassen. Grundsätzlich geht es um Aufmerksamkeit gegenüber dem eigenen Text, diesen aus Sprache gewebten Bildteppichen, die wir wirken wollen. :)

 

Und wenn jemand das umgangssprachliche "plötzlich" grundsätzlich allen anderen Varianten vorzieht und es in seinen Texten deshalb gehäuft vorkommt, ist auch das nur auf individuelles Sprachgefühl zurückzuführen, das den individuellen Stil prägt. Allgemeingültige Regeln lassen sich daraus nicht ziehen.

 

Fröhliche Grüße,

Iris :s17

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Petra, kannste bitte noch mal erklaeren, wat mit deinem Kaffee nu' passiert ist?

Milch reingefallen?

Das waere fuer mich allerdings auch ein Grund, die Bruehe wegzuschuetten.

(Nee, im Ernst - ich hab das nicht kapiert. Ich nehme an, es ist so etwas aehnliches, wie wenn man ueberall per Suchen/Ersetzen "er" in "sie" aendern wuerde. Und statt "Berlin" haette man dann "Bsielin"?)

 

So ähnlich, Charlie. In Frankreich macht man, auch kannenweise, den stinknormalen Kaffee ähnlich wie die Italiener - Espresso. Und dann gibt's den doppelten Espresso mit heißer Milch - Café au lait. Da mein Roman in Frankreich spielt, lasse ich einzelne Wörter in der Originalsprache... dachte aber, nee, mit Café kannst du das nicht machen. Kaffee ist aber nicht der Ersatz. Also tauschte ich um: Espresso. Kam die Nachfrage aus Deutschland, wieso die das kannenweise brauen und auch noch kalt werden lassen ;-)

 

Ein Roman kann an so vielen Kleinigkeiten scheitern :s06

 

Rotweingrüße,

Petra

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Guck mal wo ich herkomme

 

Ähm... da wir noch keinen zusammen getrunken haben, darf ich frech-dumm-dreist fragen: Du lebst jenseits des Genießeräquators, gut, aber was hat das damit zu tun, dass die Medien nicht DIE Sprache 1:1 abbilden?

 

Schöne Grüße,

Petra

 

Wo finde ich deine Förster :s17

Im Wald! :-X

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Ich bin einfach zu doof.

Also welchen Kaffee (ESPRESSO MIT MILCH? Und das nennst Du ne Kleinigkeit? Ich nenne das ein Verbrechen) hast Du jetzt in "Suchen" und welchen in "Ersetzen" eingegeben?

Espresso ist doch kein Synonym fuer Cafe?

 

Stehe immer noch auf dem Schlauch.

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<Flüstermodus mit Moderatorenfliegenklatsche>

Suchen: Café

Ersetzen durch: Espresso (französisch: Expresse (Schreibweise?))

Zubereitung: Franzose nimmt echt italienischen Espresso (oder auch französischen) und füllt ihn in kleine Tassen. Kann man aber kannenweise machen.

Café au lait: Man nehme einen Bol (Schale), fülle zwei Espresso ein und gieße mit heißer, leicht angeschäumter Milch auf.

Andere Länder, andere Geschmäcker, andere Wörter ;-)

<Moderatorenfliegenklatsche wegleg> *pfiffel*

Genauere Rezepte nur per PN ::)

 

Schöne Grüße,

Petra

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Also, zuerst einmal: Seinen Text mit suchen/ersetzen durchzugehen und dann die gefundenen Wörter mit Synonymen zu ersetzen ist so ziemlich der sicherste Weg, einen funktionierenden Text kaputtzuredigieren.

 

Synonyme sind immer gut, und man sollte durchaus versuchen, einen breiten Wortschatz zum Einsatz zu bringen - der es einem erlaubt, zu variieren und immer den besten Ausdruck zu wählen.

Ferner gibt es gewiss Worte, die zu unbedachtem Gebrauch verleiten und häufig ersatzlos gestrichen werden können. Da entpuppt sich so manches "plötzlich" als überflüssiges Füllwort :)

 

Aber: wenn man seinen Text redigieren will, sollte man sich zumindest die Mühe machen, ihn zu lesen - und nicht nur mit dem Computer zu durchforsten. Wenn man mit einer Formulierung nicht zufrieden ist, kann man was besseres suchen. Wenn man beim Lesen eine bessere Formulierung findet, obwohl man mit dem, was vorher da stand, nicht dezidiert unzufrieden ist - auch gut.

Aber wenn einem beim Lesen nichts auffällt, und auch nicht auffällt, dass ein Wort zu oft vorkommt - dann kommt es vermutlich auch nicht zu oft vor und sollte stehen bleiben.

 

Nicht jedes Synonym ist gleichwertig. Wenn bestimmte Begriffe in der deutschen Sprache häufig vorkommen, hat das meist einen ganz einfachen Grund: Es sind schlichtweg die besten Worte, mit denen man gewisse häufige Sachverhalte beschreiben kann. Und will sich etwa jemand in seinem Roman mit den zweitbesten Worten zufrieden geben? :s22

Wenn ein geläufiges Wort x-mal in einem Roman vorkommt, aber nicht geballt an einer Stelle, sondern ausgewogen und so, dass es bei jedem Vorkommen Sinn macht, wird vermutlich kein Leser drüber stolpern. Wenn man dieses Wort nur drei Mal durch ein ungewöhnliches Synonym ersetzt, findet man sich als Autor vielleicht toll - aber der Leser empfindet das tolle neue Wort schon beim zweiten Vorkommen als manieriert und als "Lieblingswort" des Autors.

Häufigkeit ist auch subjektiv.

 

Und man sollte sich stets vor Augen halten, dass ein gängiger Stil auch leichter zu lesen ist. Wenn man es dem Leser schwerer macht, sollte auch ein Sinn dahinterstecken, und kein Selbstzweck.

Aber ich denke ja, ich habe schon anderswo gesagt, dass ich von solchen Diskussionen um Unworte nichts halte. Ich weiß, jeder Autor, jeder Lektor, überhaupt jeder Schriftschaffende hat so seine Marotten; wie auch jedes Jurymitglied. Auch ich habe meine Hass- und meine Lieblingsworte. Die wechseln auch gelegentlich. Manchmal passiert es mir, dass ich ein Buch redigiere und habe danach ein neues Hasswort :s22

Manchmal finde ich auf diese Weise auch Lieblingsworte. Einmal ist mir bei der Suche nach Synonymen für Übersetzungen aufgefallen, dass ich "seltsam", "merkwürdig", "eigenartig" verwende, aber nie das Wort "sonderbar"; das wurde dann eine Zeitlang ein Lieblingswort. Genau wie "lachhaft", das ich in einem von mir lektorierten Roman las und sogleich in den Rang eines Lieblingswortes erhob. Es hat einen schönen Klang und gleitet angenehm über die Zunge, nicht wahr? :) Aber vor allem passte es in der Szene, in der ich es gelesen hatte; und das ist die Art, wie Lieblings- und Hassworte bei Autoren, Lektoren und Jurymitgliedern entstehen.

 

Aber all diese Dinge, so sehr sie auch als Regeln formuliert werden und versuchen, als Meme zu überleben, indem sie Eingang in die Stilistik finden - letztendlich bleiben sie doch stets das, als was sie angefangen haben: Marotten. Sie entstehen erratisch und haben kaum einen messbaren Einfluss auf die Textqualität. Zumindest dann nicht, wenn sie mehr postulieren wollen, als ohnehin schon klar ist: Aus einem breiten Wortschatz schöpfen; den treffenden Ausdruck wählen; nicht stereotyp schreiben.

Sinn ist keine Eigenschaft der Welt, sondern ein menschliches Bedürfnis (Richard David Precht)

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"Ich muß weg hier", sagte Mike plötzlich.

 

"Ich muss weg hier!",schrie Mike, ohne das er bisher etwas gesagt hatte. Erschrocken schauten wir zu ihm. Seine Worte waren noch nicht verhallt, als er aufsprang und davonrannte.

 

Ich muss mich bei Dietmar bedanken. Endlich liefert mir mal jemand ein griffiges Beispiel für das, was ich an anderer Stelle schon gesagt habe: Was nämlich schiefgehen kann, wenn man einen Text mechanisch nach Regeln bearbeitet und irgendwas ändert, nur weil "man da" was tun sollte.

Ich betrachte es mal als Beispiel, was passieren kann, wenn man mit "suchen/ersetzen" nach "plötzlich" fahndet und mit der Prämisse herangeht, dass man es als "Unwort" grundsätzlich durch Inhalt ersetzen kann. Und zugleich zeigt das Beispiel auch, was man sich alles einhandeln kann, wenn man "Show, don't tell" als "Ersetzungsregel: tell -> show" anwendet, ohne dass es der Szene wirklich angemessen ist.

Denn wenn ich den den ersten Satz und den zweiten vergleiche, fällt mir zuerst auf: Der zweite Satz mag ja so manches ausdrücken - aber ganz gewiss keine Plötzlichkeit mehr! Es wird viel beschrieben und mit Nebensätzen, sogar einer umständlichen "ohne dass"-Konstruktion, mit Inversionen und Hilfverben das Tempo aus der Szene herausgesogen. Ich sehe da förmlich die "Erzähltempo-Vampire" am Weg. :s22

 

Nun mag es sein, dass es bessere, flüssigere Wege gibt, die Szene auszuführen. Es mag auch und eher sein, dass man das "plötzlich" ebenso gut einfach weglassen kann.

Aber das kann man beides nicht entscheiden, wenn man nur mit "suchen/ersetzen" auf das plötzlich gehüpft ist und sich dann etwas aus den Fingern saugt, weil man das Wort an sich ja ersetzen zu müssen glaubt (äh, verhaspel ??? ;) ).

Und, was "show, don't tell" betrifft, zeigt das Beispiel auch: In manchen, banalen Worten kann ein kurzes, "tellendes" "plötzlich" den Charakter einer Szene sehr viel besser "showen", als wenn man lange beschreibt, in der Hoffnung, dass der Leser sich dasselbe dann auch erschließen kann.

Sinn ist keine Eigenschaft der Welt, sondern ein menschliches Bedürfnis (Richard David Precht)

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"Ich muß weg hier", sagte Mike plötzlich.

"Ich muss weg hier!",schrie Mike, ohne das er bisher etwas gesagt hatte.

So hätte ich diese Stelle überarbeitet.

Argh! Raah!  :s05

Wir sind ja eh selten einer Meinung, Dietmar, aber diesmal hast du den Vogel abgeschossen. Ich habe mich wirklich für einen Moment gefragt, ob du diese orthopädische Verschlimmbesserung vielleicht ironisch gemeint hast.

Nee, ne?

 

Kann es sein, dass es schwierig ist Handlung zu schreiben, die schneller abläuft, als man sie lesen kann und sie deshalb auf die Worte "plötzlich", "im Augenblick".... reduziert?

Ersteres ja, aber das macht nichts, denn der Leser ist eine gewisse Actionzeitlupe (ganz wie auch im Film) gewohnt. Monstrocity z.B. beginnt mit einer Szene, die auf zwei Seiten den Vorgang des Erschießens eines Buchhändlers schildert, vom Abfeuern der Pistole bis zum Austritt der Kugel am Hinterkopf.

Im Allgemeinen ist es üblich, kurze Sätze während des Spannungsaufbaus zu verwenden, aber die Satzlänge korreliert nur schwach mit der Geschwindigkeit des Handlungsablaufes.

 

Reagieren Lektoren darauf allergisch, weil sie vermuten, der Autor hat sich an dieser Stelle wenig Gedanken über die Handlung gemacht?

Reagieren sie denn wirklich allergisch? Ich glaub, so entstehen Gerüchte.

Die letzten beiden Posts von Spinner (der auch ein Lektor ist) unterschreibe ich hundertprozentig. Vor allem der Satz mit den besten und zweitbesten Wörtern gefällt mir.

Es geht auch Lektoren nicht um Unworte, sondern um

a) die Häufung von Wörtern

b) die passende Wortwahl

Fall a) besagt, wenn der Autor ein auffälliges Wort zu oft verwendet, fällt es dem Leser auf, daß dieses Wort ein Lieblingswort des Autors zu sein scheint, und in dem Augenblick, wo er darüber nachdenkt, ist er nicht mehr im Geschehen drin.

Fall b) ist, wenn Wörter wie "plötzlich" auch in Sätzen gebraucht werden, wo sie überflüssig sind, weil entweder gar keine Plötzlichkeit vorliegt ("plötzlich ging die Sonne auf"), oder es Unfug ist, sie zu betonen (z.B. "plötzlich wechselte die Ampel von Grün nach Gelb")

 

Ich wurde übrigens mal von einer Testleserin darauf aufmerksam gemacht, daß ich alle Vergleiche mit "erinnerte entfernt an" formulierte. Ca. 20 mal pro Roman. Ich habe sie mir unter die Lupe genommen, und am Ende waren in einem Roman alle 20 Vorkommen eliminiert, und in einem anderen waren nur 2-3 übrig. Weil dieses entfernte Erinnern oft gar nicht paßte.

 

Peter

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Au weia, was habe ich denn hier losgetreten?

 

Also, da ich die Jury-Arbeit ein bißchen kenne, weiß ich, dass es den notorisch in solchen Gremien vorkommenden Personen in erster Linie um einen Filter geht. Der muß nicht gerecht sein (der numerus clausus hat auch nicht zu besseren Medizinern geführt), er muß die Arbeit erleichtern, und ist deshalb selbt eine plakative sache, die möglichst viele Bücher aussieben soll. Noch dazu passt noch der literarische Anspruch, wir wollen ja alle, dass der deutsche Roman endlich international auf Augenhöhe kommt. Wobei dann nur noch die Medien und Random house ..... egal.

 

Mein Problem ist eher die Hollywood-Verkleisterung meiner Vorstellungswelt. Ich stelle mir eine Szene oft als Filmschnipsel vor, und manchmal schreibe ich das auch so. Stellt sich dann die Frage, ob der Leser das wieder zurückübersetzen kann.

 

Ach, und hier die Quelle:

(Link ungültig)

 

unter 24.November nachsehen. Einige andere Juroren haben ihm in anderen Foren laustark Beifall gespendet, insofern sind in den nächsten zwei Jahren eingereichte Werke mit den bösen Worten mausetot.

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Hi,

 

ich klinke mich spät in die Diskussion ein, wollt euch meine Zählung aber nicht vorenthalten  :)

 

Pratchett, Terry - Die Farben der Magie

- plötzlich     41 mal

- Augenblick 19 mal

 

Steven King - Shining

- plötzlich    141 mal

- Augenblick 116 mal

 

Ich selbst vermeide die Worte bewusst. Wenn mein Gespühr mir beim Drüberlesen aber  immer wieder zu diesen Worten rät, dann benutze ich es. Sparsam eben.

 

Gruß Janka

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Hi Janka!

 

ich klinke mich spät in die Diskussion ein, wollt euch meine Zählung aber nicht vorenthalten  :)

 

Pratchett, Terry - Die Farben der Magie

- plötzlich     41 mal

- Augenblick 19 mal

 

Steven King - Shining

- plötzlich    141 mal

- Augenblick 116 mal

 

Hier muss der Kommunikationswissenschaftler in mir meckern -

Deine Zählung ist schön, aber was hilft es?

Beides sind englische Bücher, und weder Pratchett noch King werden das Wort 'Plötzlich' genutzt haben, es geht also auf das Schaffen des Übersetzers zurück, und verliert dadurch gewaltig an Aussagekraft. (Selbst wenn ich die Zählung 1x1 auf suddenly und moment (Was ich für das englische Äquvalent für Augenblick halte) übertrage, sagt das nichts aus, da im englischen ganz andere Verhältnisse herrschen. Ganz zu schweigen davon, dass Shining ein gutes Stück länger ist als das Licht der Phantasie.)

 

Ausserdem nennst du zwar Zahlen, stellst sie aber in kein Verhältnis. 41 zu 141 - ist das gut? Ist das schlecht? Ist das viel? Wenig?

Benutzt Pratchetts Übersetzer andere Wörter für Plötzliche Momente?

Oder wie, oder was?

 

Eine Statistik bringt erst etwas, wenn sie aus relevanten Quellen kommt, und wenn man sie auch auswertet, bzw. in ein verhältnis setzt.

Beides müsstest du noch nachschieben.

 

Statistische Grüße,

Marco! :s17

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Was ich an diesem Thread, jetzt mal ein wenig ab vom Thema, besonders interessant fand, war der damit zutage geförderte Mechanismus. Da wird nur mal eben in den Raum gestellt, dass jemand gehört hat, dass ein anderer gesagt hat - in welchem Kontext und in welcher Konnotation ist unbekannt - eine gewisse Formulierung wäre I-Bäh. Und schon fangen verschiedene Autoren an, diese Formulierung mit "suchen/ersetzen" aus ihren Texten zu verbannen.

Damit nicht genug, als nächstes werden, aus welcher Quelle auch immer, weitere I-Bäh-Formulierungen gesammelt und diskutiert, und die "Suchen"-Funktion läuft erst so richtig heiß. Da entsteht doch bei mir der Eindruck: Autoren hängen ihr Mäntelchen nicht nur nach dem Wind, sondern schon nach der Windvorhersage von Oma Müllers Rheuma :s22

 

Und dabei dachte ich an einige andere Threads, in denen sinngemäß vom souveränen Autor die Rede war, mit seinem eigenen Stil und der Sprache, die ihm so am Herzen lag; von Autoren, die sich "nicht verbiegen" lassen wollen; die auf ihr Primat als Verfasser bestehen; und von den bösen Lektoren, die rücksichtslos in den ausgefeilten Stil des Autors eingreifen und alles nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner zurechtstutzen wollen.

Und wenn ich dann obige Praxis mit den zuletzt genannten Theorien vergleiche, muss ich schon unwillkürlich ein wenig schmunzeln.

 

Zugegeben, es gab hier auch viele distanziertere Stimmen. Die Frage ist halt, wie sich das Verhältnis von Autor zur Textarbeit in der Realität zwischen den beiden Polen des "eigenen Stils" und "es allen Recht machen wollen" verteilt.

Als Advocatus Diaboli gesprochen wäre mein Fazit aus der Diskussion hier: Bevor ein Lektor allzu zurückhaltend agiert und den Autor als sprachlichen Partner auf Augenhöhe anspricht, sollte er sein Gegenüber erst mal genau kennen lernen und prüfen, ob er es damit nicht überfordert. Denn für viele Autoren ist es offenbar hilfreich, einen "starken" Lektor zu haben, der Pfähle in den Boden rammt, Sicherheit vermittelt und nicht jedem Windhauch aus irgendeiner Richtung nachgibt. Denn damit verbiegt er weniger den Stil des Autors, sondern hilft eher dabei, die ganzen, wirren Fremdeinflüsse im jeweiligen Werk auch wieder herauszufiltern und "auf Linie" zu bringen, damit der Autor überhaupt "eine eigene Stimme" entwickeln bzw. diese wieder hörbar gemacht werden kann. :s23:s22

Sinn ist keine Eigenschaft der Welt, sondern ein menschliches Bedürfnis (Richard David Precht)

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Ich habe mich in diesem Thread ebenfalls zurückgehalten, da ich noch nie davon gehört habe, dass das Wort "plötzlich" makelbehaftet wäre.

Dann habe ich versuchsweise mein Manuskript durchsucht und um die 80 Plötzlichs auf 500 Normseiten gefunden.

Ich habe mir die Formulierungen genau angesehen: klar, an einigen Stellen hätte man auch "mit einem Mal" oder "unvermittelt" oder etwas anderes schreiben können. Aber das passt auch nicht immer, klingt oftmals zu geschraubt oder zu "lang" für etwas so kurzes. Und da auch weder mein Agent noch meine Lektorin ein einziges diese Plötzlichs beanstandet haben, ist es mir auch ehrlich gesagt nicht wichtig genug.

Mit ausreichend Energie lässt sich jede beliebige Formulierung durch eine Alternative ersetzen. Aber warum, wenn es doch bereits flüssig lesbar, spannend und interessant ist?

 

Bei aller Sprachverliebtheit: mir geht es um eine Geschichte nicht um eine Zurschaustellung größtmöglicher Eloquenz; ich bin sicher, dass Leser sich eher daran erfreuen, wenn Zusammenhänge, Gefühle, Dialoge, Ideen, Gerüche und vieles mehr anschaulich und nachvollziehbar beschrieben sind, hierin zeigt sich ein erfolgreiches Buch - der erfolgreichste Autor versucht nicht, ein größtmögliches Vokubular unterzubringen, sondern das passende. Wenn jemand mein Buch weglegt, weil ihn ein Plötzlich stört, dann ist es nicht mein Lesepublikum, und ich denke, es bleiben noch ausreichend Leser übrig . Wenn ein Roman scheitert, dann sicher nicht an den Plötzlichs.

 

Völlig unbeeindruckte Grüße,

 

Andreas

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Da wird nur mal eben in den Raum gestellt, dass jemand gehört hat, dass ein anderer gesagt hat - in welchem Kontext und in welcher Konnotation ist unbekannt - eine gewisse Formulierung wäre I-Bäh. Und schon fangen verschiedene Autoren an, diese Formulierung mit "suchen/ersetzen" aus ihren Texten zu verbannen.

Damit nicht genug, als nächstes werden, aus welcher Quelle auch immer, weitere I-Bäh-Formulierungen gesammelt und diskutiert, und die "Suchen"-Funktion läuft erst so richtig heiß. Da entsteht doch bei mir der Eindruck: Autoren hängen ihr Mäntelchen nicht nur nach dem Wind, sondern schon nach der Windvorhersage von Oma Müllers Rheuma :s22

Das klingt ziemlich nach selektivem Lesen, lieber Spinner.

 

Zunächst einmal ging es um ein Zitat, daß sich auf Wettbewerbstexte bezieht. Der Großteil solcher Texte zeichnet sich erfahrungsgemäß durch eine eklatant laienhafte sprachliche Umsetzung aus (ich bin, wie du vielleicht gemerkt hast, bei den 42erAutoren, und wir richten auch einen Kurzgeschichten-Preis aus, den sogenannten Putlitzer Preis (Link ungültig) (Link ungültig). Einige der Juroren sind Vereinsmitglieder, einige von ihnen sind auch Juroren für andere Preise. Auffallend ist, daß überall hunderte von weitgehend identischen Texte eingereicht werden, ohne Rücksicht auf das Thema des Wettbewerbs (manchmal wird krampfhaft in einem Satz auf das jeweilige Thema rekurriert). Auffallend ist auch, daß Jahr für Jahr dieselben Geschichten eingereicht werde (manchmal wird krampfhaft in einem Satz auf das jeweilige Thema rekurriert).

Also Juror entwickelt man ein Frühwarnsystem, um diese Texte auszusortieren -- zumal sie samt und sonders grausam schlecht sind.

 

Was die Lektoratsarbeit angeht: Ich bezweifle nicht, daß du für dich der Weisheit letzten Schluß gefunden hast. Ich nicht. Ich will es auch gar nicht. Die Folgerung, Autoren wollten ans Gängelband genommen, bevormundet werden, liegt mir fern. Ein Erzieher, der ein Kleinkind, das das Laufen lernt, am Gängelband hält, weil es ohne sowieso nur stolpert, hat m.A.n. schlichtweg seinen Beruf verfehlt. :s22

 

Als Advocatus Diaboli gesprochen wäre mein Fazit aus der Diskussion hier: Bevor ein Lektor allzu zurückhaltend agiert und den Autor als sprachlichen Partner auf Augenhöhe anspricht, sollte er sein Gegenüber erst mal genau kennen lernen und prüfen, ob er es damit nicht überfordert. Denn für viele Autoren ist es offenbar hilfreich, einen "starken" Lektor zu haben, der Pfähle in den Boden rammt, Sicherheit vermittelt und nicht jedem Windhauch aus irgendeiner Richtung nachgibt. Denn damit verbiegt er weniger den Stil des Autors, sondern hilft eher dabei, die ganzen, wirren Fremdeinflüsse im jeweiligen Werk auch wieder herauszufiltern und "auf Linie" zu bringen, damit der Autor überhaupt "eine eigene Stimme" entwickeln bzw. diese wieder hörbar gemacht werden kann. :s23:s22

Wenn es denn so wäre. ;D

Viel wahrscheinlicher ist, daß der redigierende Lektor dadurch etwas, was nur er selbst für die Stimme des Autors hält, zum Klingen bringt bzw. seine eigene Stimme. Die Unterscheidung zwischen der tatsächlichen Stimme dieses Autors, der vermeintlich vom redigierenden Lektor hineingelesenen, der vom Verlagsprogramm oktroyierten und der des redigierenden Lektors selbst halte ich angesichts der heutigen Arbeitsbedingungen für extrem schwierig. :s22

 

Fröhliche Grüße,

Iris :s17

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Ich habe mich in diesem Thread ebenfalls zurückgehalten' date=' da ich noch nie davon gehört habe, dass das Wort "plötzlich" makelbehaftet wäre.[/quote']

Ich werfe doch noch mal die Gebetsmühle an ::):

Es gibt eine Unmenge an Wörtchen, die der Anfänger überstrapaziert, weil er glaubt, sie zu brauchen. Letztendlich liegt es daran, daß er seine sprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten noch nicht ausgebildet hat.

 

Grundsätzlich hat jedes Wort seinen Platz in der Sprache (sonst gäbe es das jeweilige Wort nicht). Was in der Schriftsprache entnervend wirken kann, ist das gehäufte Auftreten von Wörtern, in denen sich diese Hilflossigkeit ausdrückt.

Als da wären:

  • Füllwörter (speziell Partikel) wie "etwa", "so", "einmal"/"mal", "nun", "nur", "vielleicht", "noch", "doch", "aber", "da", "sowieso", "ohnehin" usw.
  • spezielle Adverbien (lokal, temporal) wie "hier", "dort", "nun", "jetzt", "augenblicklich" (= "in diesem Augenblick"), "plötzlich" (auch "unverhofft" etc.), "früher", "später" etc.
  • besitzanzeigende Pronomen ("sein", "ihr")
  • unbestimmte Fürwörter und Adverbien (alle mit "irgend" zusammengesetzten Wörter)

Derlei Wörter müssen überall gestrichen werden, wo sie nicht unbedingt notwendig sind -- sonst verlieren sie an den Stellen, wo sie unbedingt notwendig sind, ihr Gewicht und ihre Bedeutung.

 

Der Satz, ein Text sei dann perfekt, wenn man nichts mehr wegnehmen könne, bezieht sich vor allem auf diese Phänomene.

 

Es geht nicht um die grundsätzliche Diskriminierung einzelner Wörter, sondern darum, Vertrauen in die eigenen Ausdrucksmöglichkeiten zu gewinnen, indem man lernt, auf scheinbare Verstärker zu verzichten.

 

Fröhliche Grüße,

Iris :s17

(die es nicht für nötig befindet, die MSWord-Suchfunktion anzuschmeißen)

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Tja, es ist schon seltsam, wie sich Texte auf "Stille Post" Art und Weise von posting zu posting verändern. Gar Abenteuerliches kommt heraus, wie bei Spinner.

 

Etwas anderes als das, was Iris so hilfreich re-posted hat, habe auch ich nie gesagt. Und dass ich mit der Suchfunktion meine Wiederholungen AUFSPÜRE heisst noch lange nicht, dass ich sie ungeprüft automatisch durch irgendwas ersetzen lasse. Wie nur, kam dieser Trugschluss in die Diskussion???

 

 

Entsetzte Grüße

Joy

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