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Charlie

Mögen männliche Leser keine weiblichen Autoren?

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Aber gegen eine Wertung wehre ich mich. Schreiben Frauen schlechter als Männer? Wer beurteilt das? Ist Pastell schlechter als Grell? Welche Bücher sind "relevant"?

 

Es ging um persoenliche Vorlieben, beobachtet bei Maennern und Frauen. Keineswegs um den Versuch einer generalisierenden Wertung, wirklich nicht.

 

Wenn ich mich bei diesem Thema hinreissen lasse, dann vor allem, weil ich so gern moechte, dass mich einer total aus den Angeln hebt.

 

Deine Kritik an meinem Ausdruck "relevant" (ohne "m.E.") ist voellig berechtigt. "Archaisch" war viel besser. Oder "unmittelbar". Dafuer entscheide ich mich jetzt.

Ich moechte gern Buecher von Frauen lesen, in denen Dinge geschehen und Figuren auch mal sprachlos sind.

Wenn ich "relevant" schreibe, will ich nur mein ewiges "Geschichten vom Leben und Sterben", das mich inzwischen selbst langweilt, umschreiben.

Aber das meine ich. Unmittelbar.

 

Herzliche Gruesse von Charlie.

"Der soll was anderes kaufen. Kann der nicht Paris kaufen? Ach nein, in Paris regnet's ja jetzt auch."

Ararat - "Und sie sollen nicht vergessen sein" Knaur, 1. März 2016. www.charlotte-lyne.com

 

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Danke, jueb.

Eins und Zwei probiere ich aus.

 

Mit der Drei (trau's mich kaum noch zu sagen) kann ich schon wieder nicht. Dafuer mit dem Paul ... (ausser "Timbuktu").

Bin ich ein hoffnungsloser Fall?

 

[...]

 

Herzliche Gruesse von Charlie

 

Des Postings diese Hälfte hierher verschoben. (pd)

"Der soll was anderes kaufen. Kann der nicht Paris kaufen? Ach nein, in Paris regnet's ja jetzt auch."

Ararat - "Und sie sollen nicht vergessen sein" Knaur, 1. März 2016. www.charlotte-lyne.com

 

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Hm, also entweder bin ich halt keine Frau, oder manche Dinge haben mehr mit Prägung als mit dem Geschlecht zu tun (ich tendiere mal zu letzterem  ;D). Für mich ist das Archaische, die Gänsehaut-Pose nämlich auch wichtig. Das ist doch, was die Faszination eines Films wie Herr der Ringe ausmacht (das Buch funktioniert weniger in diese Richtung). Und da ich mich über jeden Western freue, der es endlich mal wieder in die Kinos schafft, kann ich offenbar auch da dem Pathos viel abgewinnen. Allerdings (und das mag jetzt wieder die Grenze zwischen Mann und Frau sein oder nicht) gefallen mir diese Filme (als Bücher lese ich Western oder Actiongeschichten nicht) nicht mehr, wenn es nur noch um Rache und Gewalt geht. Eine gute Portion Psychologie/Tiefgang oder ein hehreres Anliegen als stumpfe Racheorgien muss schon dabei sein.

Fazit: Das Geschlecht ist ein Indiz, dass tendenziell so oder so geschrieben wird, aber im Einzelfall nicht ausreichend, um ein (Vor-)Urteil zu rechtfertigen.

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Mir ist es schon oft passiert, dass Männer die Bücher, die ich liebe, ganz furchtbar finden und seltsam gucken. In meinem Bekanntenkreis gibt es keinen Mann, der "Feuer und Stein" mag, die, die es angelesen haben, legten es rasch wieder weg. Genauso bei "Die Nebel von Avalon", kaum einer hat es gelesen, keiner konnte damit etwas anfangen.

"Die Säulen der Erde" und "Sakrileg" dagegen waren sehr beliebt und wurden auch von denen, die sonst kaum lesen, gerne gelesen.

 

Ich selbst lese lieber von Frauen geschriebene Romane, damit ich ein Buch von einem Mann kaufe, muss mich das Buch schon sehr interessieren oder der Autor mir durch ein anderes Werk positiv im Gedächtnis geblieben sein.

 

Aber ich bin auch neugierig auf das Warum, was genau ist es, das viele Männer zögern läßt einen von einer Autorin geschriebenen Roman zu lesen? Die Männerdarstellung darin vielleicht?

Umgekehrt ist das nämlich ein Punkt, der mich davon abhält, von Männern verfasste Liebesromane zu lesen; ich will gar nicht wissen, wie sie Frauen darin darstellen und mache einen großen Bogen um solche Werke.

 

LG

Maren

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(Peter_Dobrovka)

Ich bin definitiv ein Mann, deren Werk von Frauen und Männern gleichermaßen geschätzt wird, womit ich offenbar das Klassenziel erreicht habe, meine Zielgruppe nicht geschlechtsspezifisch zu halten.

Ich bilde mir ein, daß die Männer vorwiegend harte Action und Technikkram mögen, während bei Frauen soziale, ethische und emotionale Gesichtspunkte wichtig sind. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel; das ist nur so eine intuitiv-statistische Beobachtung.

 

Ich lese sehr viele Bücher von Frauen und es gibt einige Namen wie z.B. Rebecca Gablé wo ich blind zuschlage, wenn ich was Neues von denen in der Auslage sehe. Daß auch ich überwiegend "Männerromane" lese, liegt vorwiegend daran, daß es in meinen bevorzugten Genres Fantasy und Horror einfach mehr Männer gibt. Aber ich habe - natürlich wieder nur rein statistisch und durchschnittlich gesehen - eine ähnliche Beobachtung gemacht wie Marco. Die weiblichen Autoren neigen zu etwas, das ich am liebsten als "rosa Gefühle" bezeichnen würde; zugleich scheuen sie Gewalt und Konfrontation. Besonders die männlichen Figuren denken und verhalten sich für meine Begriffe irgendwie sonderbar. Nicht authentisch. Sie denken auch nicht "weiblich", nein, ich habe eher das Gefühl, die Männer sind so, wie sich die Autorinnen Männer vorstellen.

Eine bizarre Erklärung wäre vielleicht die, daß immer sehr viel Energie darauf verwendet wurde, Frauen zu verstehen, und Männer als simpel funktionierend abgetan wurden, weshalb man sich mit ihrer Erforschung weniger befaßte. Das rächt sich nun. :s22

 

Aber wenn ich ehrlich bin: Ich glaube es eigentlich nicht, daß umgekehrt die Frauen Männerromane mögen. Nach dem, was ich so in Leserunden und hier im Forum verfolge, tun sie das nicht. Beziehungsweise tun es nur wenige. Und interessanterweise sind das, wenn sie zugleich selber Bücher schreiben, die Frauen, deren Bücher dann auch die Männer mögen.

 

Peter

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Ein regelmässiger Blick auf die wöchentlich erscheinende Harenberg-Liste zeigt übrigens, dass Autorinnen und Autoren sich in etwa die Waage bei den Bestsellern halten. Würden Frauen stets nur von Frauen gelesen, Männer aber von beiderlei Geschlecht, könnte das gar nicht funktionieren.

 

Liebe Grüße,

Natalja

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Aber ich habe - natürlich wieder nur rein statistisch und durchschnittlich gesehen - eine ähnliche Beobachtung gemacht wie Marco. Die weiblichen Autoren neigen zu etwas, das ich am liebsten als "rosa Gefühle" bezeichnen würde; zugleich scheuen sie Gewalt und Konfrontation. Besonders die männlichen Figuren denken und verhalten sich für meine Begriffe irgendwie sonderbar. Nicht authentisch. Sie denken auch nicht "weiblich", nein, ich habe eher das Gefühl, die Männer sind so, wie sich die Autorinnen Männer vorstellen.

 

Ich schreibe zwar in einem Frauengenre, aber das, was Du da ansprichst, stimmt bei mir. Ich erschaffe die Männer so, wie ich sie mir passend für die Geschichte vorstelle, bzw. teilweise, wie ich sie gerne hätte ;D

Ab und zu werde ich dann korrigiert mit "sowas fällt keinem Mann auf" oder "so denkt kein Mann", "das würde ein Mann nicht tun".

Anfangs fiel dem Prota an einer Stelle auf, wie muskulös und gut aussehend die bloßen Oberkörper der Arbeiter sind. Ich brauchte das als Szenenbeschreibung und bekam dann zu hören, dass ein Mann andere Männer nicht auf diese Art anguckt. Und ich mir mehr Gedanken um den Helden machen soll.

Denn das hatte ich wirklich nicht getan, er war halt da, erfüllte seine Aufgabe, fertig.

 

LG

Maren

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...Warum lesen Frauen gern von Maennern verfasste Buecher' date=' aber Maenner nicht gern von Frauen verfasste? [/quote']

 

Ups :s18

 

Gehöre ich zu einer Minderheit?

 

Ich schau mal rüber ins Bücherregal: Karin Slaughter, Tess Gerritsen, Ulrike Renk, Petra Hammesfahr, Iny Lorentz, Petra Durst-Benning und und und...

 

Alles Pseudonyme? Stecken etwa Männer dahinter? :s21

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Ein regelmässiger Blick auf die wöchentlich erscheinende Harenberg-Liste zeigt übrigens, dass Autorinnen und Autoren sich in etwa die Waage bei den Bestsellern halten. Würden Frauen stets nur von Frauen gelesen, Männer aber von beiderlei Geschlecht, könnte das gar nicht funktionieren.

 

Liebe Grüße,

Natalja

 

Hallo Natalja,

 

ich glaube, ein Stückchen weit funktioniert es tatsächlich so, weil der Anteil der Frauen unter den Belletristik-Lesern etwas höher ist.  :)

 

LG,

eva v.

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In virtuellen und örtlichen Schreibwerkstätten bekommt man hautnah Rückmeldung über das Verfasste. Mir fiel Folgendes auf:

 

1. Männer scheinen Angst vor Pathos zu haben. Immer dann, wenn ein Text (meist weiblicher Teilnehmer) in die Gefühlsebene abwandert, wird dies bemängelt. Die Kritiker sind hauptsächlich Männer, seltener mal junge Frauen.

 

2. Texte über Gewalt an Frauen und Kindern werden - fast - nur von Frauen kommentiert. Bei einem eigenen Text wurde mir von Männern vorgehalten, dass ich einen prügelnden Ehemann zu böse beschrieben hätte, sie schlugen vor, seine Taten abzuschwächen. Hätten gerne dargestellt gehabt, dass die Frau ihren Anteil an der Situation hatte.

 

Vielleicht sind das ja zwei aus einer größeren Zahl von Gründen, weshalb viele Männer keine Autorinnen mögen.

 

 

Gertraude

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Zwei meiner Lieblingsautoren sind Frauen: Adrienne Rich und Annie Proulx. Beide haben mich maßgeblich beeinflusst.

 

Warum es allgemein so sein könnte? Vielleicht haftet schreibenden Frauen zu sehr der (sorry für das Wort) Ruch an, doch nur einen Frauenschicksalsroman zu verfassen, der möglicherweise als Historienroman oder Fantasydingens getarnt ist. In Frauenromanen sind vielleicht oft Frauen die Helden, die sich gegen alle Unbillen durchkämpfen. Aus Männersicht soll die Frau vielleicht nicht kämpfen sondern kochen und um Hilfe schreien, damit er sich stark fühlen kann.

 

Frauen schreiben mitunter sehr gute Schwulenbücher im Manga Stil und sind da bei Gewalt- und Sexszenen wesentlich weniger pingelig als ihre schwulen Gegenspieler.

 

In der Qualität des Erzählens erkenne ich keine Unterschiede, wohl aber bei der Auswahl der Themen und bei der Herangehensweise. Generalisieren mag ich aber nicht. Und so nehme ich meine Proulx und Rich Bücher unter den Arm und verkriech mich wieder in meine Ecke :-)

 

lg/Peter

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... hey da geblieben..! bitte ein paar worte zu adrienne rich für den, der sie nicht kennt ich zum beispiel..

 

herzlichst:

jueb

"Dem von zwei Künstlern geschaffenen Werk wohnt ein Prinzip der Täuschung und Simulation inne."&&&&Projekt MD&&"Erdbeeren & Bananen"

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Hallo Charlie,

 

so pauschal kann ich Deine These nicht bestätigen. Ich habe historische Romane von Autorinnen und Autoren gleichermaßen gelesen. Vielleicht stellen Autorinnen die Liebesbeziehungen häufiger in den Vordergrund ihrer Geschichten, wodurch vielleicht männliche Leser abgeschreckt werden, die meist keine Liebesromane/-filme lesen/sehen wollen.

 

Mfg Steffen

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1. Männer scheinen Angst vor Pathos zu haben. Immer dann' date=' wenn ein Text (meist weiblicher Teilnehmer) in die Gefühlsebene abwandert, wird dies bemängelt. Die Kritiker sind hauptsächlich Männer, seltener mal junge Frauen.[/quote']

Ich halte das für eine absolute Fehleinschätzung. Ich behaupte, Männer mögen gefühle und gefühlvolle Szenen in Buch und Film genau so gerne wie frauen - sie mögen nur ANDERE gefühle.

Nicht so sehr diese "Buhu, ich werde dich mmer lieben auch wenn wir uns nie mehr wiedersehen"-gefühle, aber vielleicht eher die Gefühle, die damit einhergehen, einen Elternlosen Jungen vor bösen Drogenbaronen zu beschützen, die ihn töten wollen. Beschützerinstinkte, Vaterschaftsgefühle, Familiäre- und Ehrgefühle sind vermutlich eher das, was Männer anspricht. Und natürlich: Dicke Freundschaft, Kumpelhaftgkeit, Buddytum!

Es sind auch Gefühle, und Männer mögen das für gewöhnlich. Nur "heult" man bei sowas natürlich nicht so.

Und solche Gefühle werden in manchen Büchern von Frauen einfach weniger bedient.

 

2. Texte über Gewalt an Frauen und Kindern werden - fast - nur von Frauen kommentiert. Bei einem eigenen Text wurde mir von Männern vorgehalten, dass ich einen prügelnden Ehemann zu böse beschrieben hätte, sie schlugen vor, seine Taten abzuschwächen. Hätten gerne dargestellt gehabt, dass die Frau ihren Anteil an der Situation hatte.

Den ganzen Punkt verstehe ich irgendwie nicht. Gewalt an Frauen kommentieren nur Frauen, aber Männer haben dir etwas dazu gesagt??? :-/

 

Gruß,

Marco!

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Hallo allerseits,

 

und die Diskussion geht mit zunehmend erhitzten Gemütern immer weiter.

 

Mir scheint, dass hier alle Mitglieder in erster Linie ihre eigenen Vorlieben schildern: lieber männliche oder weibliche Autoren oder beides usw. Das ist auch völlig in Ordnung. Charlie mag männliche Autoren und will auch gerne von Männern gelesen werden, was ihr gutes Recht ist (obwohl ich als Anglistik-Studentin von Bronte etc keineswegs gelangweilt wurde, sondern diese Frauentexte sehr, sehr gern las. Bitte Vorsicht bei abfälligen Urteilen!). Marco mag keine Texte von Frauen, worüber manch eine Frau sich aufregen mag, aber ich finde nichts Schlimmes dran.

Offen gesagt lese ich selbst lieber Texte von Frauen, nur dürfen sie nicht zu kitschig oder zu langatmig sein. Gewalt kommt in Texten von Frauen durchaus vor, man nehme nur die ganzen Thriller-Autorinnen, doch scheint mir, dass es den SchreiberInnen eher um die psychologische Dimension von Gewalt geht als um pure Action und detaillierte Beschreibung blutrünstiger Szenen. Das entspricht ganz meinem Geschmack. Bei meinen seltenen Versuchen, mir in Ermangelung einer anderen Beschäftigung einen James Bond im Fernsehen anzuschauen, lag ich jedesmal nach spätestens zwanzig Minuten schnarchend auf dem Sofa.  Was Hemingway betrifft, so stellt er für mich neben D.H. Lawrence und auch Milan Kundera einen typisch männlichen Autor dar. Ich respektiere das große Talent dieser Autoren, aber wirkliches Vergnügen habe ich an ihren Texten nicht.

Es gibt männliche Autoren, die ich mag, doch gehen diese wohl eher in die Softie und Sensibelchen-Richtung wie etwa Henning Mankell mit seinem Wallander.

 

Noch eine kleine Anekdote: eine Kollegin von mir steht total auf Diana Gabaldon (im Gegensatz zu mir). Als sie ihren derzeitigen Freund kennen lernte, rümpfte er darüber die Nase. Irgendwann überredete sie ihn, in so einen Roman hineinzulesen. Er hat ihn dann begeistert verschlungen (angeblich wegen der heißen Sex-Szenen).

Doch gegenüber seinen Kumpels aus dem Fußballverein würde er das natürlich niemals zugeben. Ich habe den stillen Verdacht, er ist kein Einzelfall. Soviel zum Thema: Männer mögen keine Frauenliteratur.

 

Was meine Texte betrifft, von denen zwei demnächst veröffentlicht werden dürfen, so sind sie wohl eher was für ein weibliches Zielpublikum und damit kann ich gut leben, nachdem Frauen ja mehr Bücher kaufen. Wenn auch Männer an ihnen Gefallen finden, ist das schön, aber für mich nicht essentiell. Hauptsache, es finden sich Leser. Ist das nicht das Wichtigste?

 

Viele Grüße

 

Tereza

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@jueb

 

Adrienne Rich ist eine radikalfeministische Autorin, die einige amerikanische Preise ausgeschlagen hat und vor allem in ihrem Gedicht: Diving to the wreck eine nüchterne Gegenüberstellung materiell begreifbarer Bilder der selbstbestimmten Weiblichkeit gegenüberzustellen.

 

Ich würde sagen, dass sie eine der Mütter des Gender Mainstreaming. Mir gefällt ihr Ton, die Bildgewalt ihrer Gedichte sehr gut.

 

lg/Peter

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Hallo zusammen,

 

das ist ja eine sehr interessante Diskussion! Wobei obige Frage ein wenig unglücklich formuliert ist, da sie impliziert, daß männliche Leser generell keine Bücher, die von Frauen geschrieben sind, mögen; dem ist natürlich nicht grundsätzlich so, weshalb ich den Thread-Titel in meinem eigenen Posting ein wenig unverfänglicher gestaltet habe.

[Edit: Schön, daß jemand den Thread-Titel angepaßt hat! Die Anmerkung erübrigt sich daher, aber ich laß sie mal stehen.]

 

Unter dieser Prämisse (also: "Mögen männliche Leser keine weiblichen Autoren?") möchte ich meine eigene folgende Argumentation gestellt wissen. Ich muß nämlich zugeben, daß auch ich einer der "Betroffenen" bin, soll heißen, auch ich besitze weitaus mehr Bücher von männlichen Autoren und kann vermutlich mehr Beispiele weiblicher Autoren nennen, deren Bücher mir nicht gefallen, als von männlichen (oder wenigstens sind mir die Kritikpunkte bei den weiblichen Autoren sehr viel deutlicher in der Erinnerung, mitunter auch Jahre nach der - lediglich einmal erfolgten - Lektüre).

 

Meine Vorbehalte decken sich hierbei ziemlich genau mit dem, was Marco, Peter D. und andere schon umrissen haben. Nochmal in Kürze:

- nicht nachvollziehbare Aspekte zwischenmenschlichen Handelns,

- nicht nachvollziehbares Aufeinanderfolgen von Taten bzw. Schlußfolgerungen

und - kam auch schon zur Sprache, ich sage es nur nochmal in meinen eigenen Worten:

- ungenügende Entsprechung zwischen männlichen Charaktere bzw. Typen und dem, was einen echten Mann ausmacht, man könnte auch böse sagen: Männerfiguren in Büchern weiblicher Autoren sind oftmals unglaubwürdig.

 

Ich werde versuchen, das, was ich meine, an ein paar Beispielen zu verdeutlichen. Vor ein paar Monaten las ich Die Drachen von Julia Conrad, ein Fantasyroman aus derselben Reihe wie auch Christophs Trolle. Für mein Gefühl wirkten alle Männerfiguren im Drachenbuch androgyn bis verweiblicht. Das fängt damit an, daß die Kerle bei der kleinsten Überraschung aufschreien. Immer schreien sie, selbst wenn bloß irgendwo eine Tür aufspringt (das ist kaum übertrieben!). Männer funktionieren (in der Regel) anders, äußern ihre Gefühle nicht so unbeherrscht wie in diesem Buch.

Oder eben die mangelnde Tatkraft, dieser Hang zum Diskutieren. Den ich zwar selbst auch habe, aber ich erwarte ihn eben in einem Fantasyroman eher weniger, und schon gar nicht bei den männlichen (!) Hauptfiguren. Zu guter Letzt gibt es in den Drachen eine große Zahl tatsächlich androgyner bis geschlechtsloser Wesen, was, wie ich behaupten möchte, der Zielgruppe nicht unbedingt gelegen kommt (?).

 

Kraftlos-untätige, körperlich eingeschränkte (man verzeihe die Zweideutigkeit) oder übertrieben reflexionsfreudige Männer findet man auch in vielen historischen Romanen, mangels allzu überschwenglichen Interesses am Genre kann ich mich aber nur an einen erinnern, wo es mir besonders (lies: negativ) aufgefallen ist, nämlich in Die Rechenkünstlerin von Helga Glaesener, wobei es hier auch von besonders widerlichen Kerlen wimmelt. Eine positiv konnotierte, überzeugende (!) Männerfigur ohne Einschränkungen und mit maskuliner Wirkung ist mir dagegen bei diesem Buch nicht im Gedächtnis geblieben.

 

Angesichts dieser Beobachtungen bezweifle ich die These, daß weibliche Autoren Männerfiguren nach ihren Wunschvorstellungen erschaffen. Ihr Frauen, lest bitte mal die beiden genannten Bücher, und achtet besonders auf die männlichen Charaktere. Solche Kerle könnt Ihr doch nicht wirklich wollen. :s12

 

Ein weiterer Aspekt, der bisher vielleicht ein wenig zu kurz kam, ist die Sprache. Es gibt meines Erachtens durchaus stilistische Unterschiede in den Texten von Männern und Frauen, die - wie ich gleich relativierend hinzufügen möchte, damit niemand in Wut gerät - freilich nicht immer und überall, aber nach meiner eigenen Leseerfahrung durchaus tendentiell festzustellen sind. Beispiel gefällig: Käthe Recheis, ja, ich weiß, ist eigentlich eine Jugendbuchautorin und damit nicht unbedingt beispielhaft (in der Diskussion bisher ist dieses Genre bzw. diese Zielgruppe außen vor geblieben, vielleicht aus gutem Grund!). Aber vielleicht doch? Man vergleiche einmal ihren Stil mit dem von, sagen wir, Astrid Lindgren oder Diana Wynne Jones.

Letztere beiden haben eine einfachere, knappere und mir persönlich angenehmere Sprache als Recheis. Selbige nämlich formuliert blumig und ausschweifend und kreiert mitunter neue Worte, die - Gott sei's geklagt! - meinem (männlichen?) Sprachgefühl widerstreiten, für mich einfach nicht funktionieren; egal ob es sich nun um "geschlägerte" (= gerodete) Baumgruppen, "verstrüppte" Landschaften (= Landschaften mit Gestrüpp) oder "wiefende" (= fiepende) Wolfswelpen handelt.

Ich erinnere mich zudem mit einem Schmunzeln an die Oberstufe, als wir im Zuge der Vorbereitungen auf das Deutsch-Abitur Gestern war Heute - Hundert Jahre Gegenwart von Ingeborg Drewitz lasen: Selbst die Lehrerin stöhnte ob der "weiblichen Schreibweise" der Autorin. Ihre Kommentare dazu waren teilweise rasend komisch, allerdings habe ich sie nicht mehr zitierbar im Gedächtnis parat.

 

Im Zusammenhang mit der Sprache sollte ich vielleicht auch noch Joanne K. Rowling erwähnen. Sie hat eine einfache, klare Sprache. Die vielleicht mit ihren Erfolg ausmacht; und ich danke ihr sehr dafür, daß ihre männlichen (allerdings jugendlichen) Figuren eben männlich wirken und nicht wie Mädchen. Entsprechend plakativ und unreflektiert veräußern sie ihre Gefühle (siehe Harrys Wutausbruch am Ende des fünften Bandes oder seinen Streit mit Ron im vierten). Zum Glück!

 

Ganz schlimm finde ich es übrigens - im Gegensatz wohl zu Peter (Natschläger), der sich weiter oben lobend ausgesprochen hat -, wenn Frauen über Schwule schreiben. Mir ist nur eine einzige Ausnahme bekannt, wo es wirklich geglückt ist, wo die Figuren überzeugend wirken und ihre Beziehung nicht in idealisierten Pastellfarben geschildert wird. (Und wo auch die Sprache stimmt, nebenbei bemerkt.) Es ist wieder ein historischer Roman, nämlich Die Kunst der Bestimmung von Christine Wunnicke.

 

Letztlich geht es wohl nicht darum, ob wir Autor(inn)en Männer oder Frauen sind. Es geht darum, ob wir gute Bücher schreiben oder nicht. (Sorry, aber ein pastorales Schlußwort konnte ich mir nicht verkneifen.) :s01

 

Schöne Grüße,

-Manuel

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(Peter_Dobrovka)

Um noch mal auf das Eingangsposting zurückzukommen:

Warum gelingt es Frauen, selbst wenn sie reichlich Sex, Drugs and Rock'n'Roll, Schlachten, Morde, Blut und Computerausdrucke in die Seiten packen, nicht, von Maennern gelesen zu werden?

Ist das denn der Fall? Denn eigentlich ist das Aufgezählte ja "männertauglich" und die meisten Kritikpunkte gehen in Richtung Themenwahl und unerwünschter Softheit.

 

Peter

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Hoi allerseits!

 

Also ich hab den Thread bisher nicht verfolgt und beziehe mich nur auf Charlies Beitrag:

 

Mir persönlich ist es vollkommen egal, ob ein Buch aus einer "männlichen" oder "weiblichen" Feder geflossen ist. Ich hab recht wenige Bücher daheim, die von Frauen geschrieben wurden, das stimmt schon, liegt aber daran, dass in meinem bevorzugten Genre-Revier (Phantastik) eher weniger Frauen schreiben. Wenn sich ein Thema interessant anhört, lese ich es, fertig.

 

Rowling, J.V. Jones, Robin Hobb, oder die Lord John Grey Spin-Offs von Diana Gabaldon fallen mir da erstmal spontan ein.

 

So, mein Sermon zum Dienstag.

 

Ciao!

Alf.

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Auf die Gefahr hin, für immer und ewig als Forums-Emanze verschrien zu bleiben, möchte ich noch eine andere Deutung des genannten Phänomens anbieten. ;)

 

In der Schule habe ich fast ausschließlich Bücher von Männern gelesen. Im Literaturstudium wurde das noch schlimmer. Wer heutzutage literarisch lesen lernt, lernt Männerliteratur lesen.

 

Ich bringe mal als Beispiel: Günter Grass, Katz und Maus. Was soll dieses Buch um alles in der Welt einem heranwachsenen Mädchen sagen? Wir Mädels fanden es damals abstoßend, bestenfalls löste es eine Art angewiderte Faszination aus. Trotzdem mussten wir es lesen. Dann noch Goethe, Schiller, Kafka und Bernhard hinterher. Erst im Englisch-LK kam ich zumindest kurz mit Virginia Woolf in Berührung.

 

Offenbar sind Frauen nach wie vor die eifrigeren Leser. Und darum fangen sie irgendwann an, sich Literatur von Frauen zu beschaffen. Männer tun das eher nicht. Die Hürde, sich die Sprech- und Denkweise des anderen Geschlechts anzueignen, ist zu hoch, wenn man nicht gelernt hat, damit umzugehen.

 

Ich habe weit mehr Bücher von weiblichen als von männlichen Autoren. Die Kronauer mag ich allerdings auch nicht. ::)

 

Viele Grüße

Julia

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Hallo zusammen,

 

wenn ich mal durch meine Bücherschränke schaue, dann habe ich insgesamt deutlich mehr Bücher von männlichen Autoren. Das liegt daran, dass ich sehr viele Bücher für mein Studium habe, und da überwiegen männliche Autoren ziemlich deutlich.

 

Bei meinen Lieblingsautoren ist das Verhältnis aber eher umgedreht. Ich habe leider nicht alle Bücher gekauft, aber Toni Morrison, Rebecca Gable, Joan Aiken, Astrid Lindgren, Elizabeth George, Sylvia Plath, den Bröntes, Mirjam Pressler, Virginia Woolf, E. von Arnim, Undine Grünther, Francoise Sagan, Ingeborg Bachmann haben alle eine besondere Position in meinem Bücherschrank. (Und bestimmt habe ich jede Menge Autorinnen vergessen....)

Genau wie Hemingway, Steinbeck, Michael Ende, Martin Millar, Otfried Preußler, Mark Twain, Tolstoi, Stefan Zweig, Andreas Steinhöfel, P.J. Farmer, George R.R.Martin, Neil Gaiman, Oscar Wilde, Gottfried Benn, Kafka. (Und auch hier fehlen sicherlich einige...)

 

Und ich habe noch gut 250-400 Bücher anderer Autorinnen im Schrank. Von Erica Jong, Anais Nin, Pearl S. Buck, Anita Shreve, über L.K. Hamilton, Christa Wolf, Monica Maron, Ilse Eichinger, Jane Austen, Roswitha Haring, Juli Zeh, Anna Seghers, Judith Hermann, Rita May Brown, Marlene Strelewitz,....

 

Insgesamt ist die Quote wohl 30% incl. der Sachbücher.

 

Insgesamt ist es mir völlig egal, ob ein Buch von einer Frau, oder einem Mann geschrieben wurde. Und ja, es gibt durchaus Unterschiede. Aber gerade das finde ich reizvoll. Denn so sehr ich Hemingway schätze, dieser Stil nutzt sich mit der Zeit sehr ab, und wie bei fast allen Autoren gibt es ein paar grandiose Werke, und viele eher mittelmäßige. Da freue ich mich dann auf Ingeborg Bachmann, dann auf Toni Morrison, und verschlinge dann Orhan Pamuk, um dann wieder über etwas leichtere Kost wie L.K.Hamilton dann wieder an andere Sachen heranarbeite.

 

Gruss

 

Thomas

"Als meine Augen alles // gesehen hatten // kehrten sie zurück // zur weißen Chrysantheme". Matsuo Basho

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Moin Charlie,

 

 

Warum lesen Frauen gern von Maennern verfasste Buecher, aber Maenner nicht gern von Frauen verfasste?

 

 

Weil Frauen immer alles verallgemeinern :s22

 

 

Das interessiert mich: Warum gelingt es Frauen, selbst wenn sie reichlich Sex, Drugs and Rock'n'Roll, Schlachten, Morde, Blut und Computerausdrucke in die Seiten packen, nicht, von Maennern gelesen zu werden?

 

 

Um nur für mich zu schreiben: Sowas lese ich weder von Männern noch von Frauen.

 

Wenn es aber einer Autorin gelingt, wirkliche Gefühle auszudrücken, dann lese ich sie gern. Mein Lieblingsbeispiel: Marguerite Duras, dafür lasse ich alles andere liegen, egal ob von einem Mann oder einer Frau geschrieben.

 

Andererseits würde ich lieber das Telefonbuch lesen, als einen Historischen von R. Gablé (um mein Lieblingsbeispiel zu nennen ;) )

 

Gruß

 

HW

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