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(Wulf D.)

Euer(e) Leseerlebnis(se) des Jahres

Empfohlene Beiträge

Danke für alle bisherigen "Erlebnisse", die ja auch immer Tipps sind. Hier möchte ich meine "Lese-Lieblinge" des Jahres vorstellen:

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Kerstin Cahtz' Hebamme ist ein mit feiner Spannung durchzogener Roman, der für mich alles enthielt: Einfühlung u. Nachvollziebarkeit der Personen (es sind eigentlich 2 Hebammen) Information über das Thema (Machtübernahme der "männlichen" Medizin in der Hebammendomäne) - sehr gelungener Stil!

 

Dann ein Buch, welches seit Jahren auf dem Markt ist, meiner Meinung nach zu Recht:

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Für Fans des 18. Jhd. wärmstens zu empfehlen:

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Casanova ist ja durch so manche literarische Gasse getrieben worden, aber selten so rührend, mit feiner Ironie und Melancholie durchsetzt.

 

Schließlich noch (auch wenn ich es wohl letzten Jahr schon las) aber es bleibt eines der schönsten Leseerlebnisse für mich:

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Der Film, den ich kürzlich sah, mag seine eigene Qualität haben. Das Buch ist grandios. Danke Kai Meyer.

 

Liebe Grüße und schöne Feiertage an alle!

Bea

"Wer nicht weiß, in welchen Hafen er will, für den ist kein Wind der richtige." Seneca

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Tolle Idee, Wulf!

Da zwei meiner absoluten Leseerlebnisse`08 schon von Heiko ("Ruf mich bei deinem Namen") und Jueb ("Demokratie") genannt wurden, bleiben mir noch vier. Zwei skandinavische Autorinnen und zwei deutsche Autoren.

 

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Die junge Amerikanerin Eddie de Wire ertrinkt in der Sumpflandschaft an der finnischen Küste. Ein Tod, der schon bald zum Mythos wird, weil er unerklärlich ist und geheimnisvoll. Doch wer war schuld am Tod des „amerikanischen Mädchens“? Wieso hat ihr Freund Björn sich am nächsten Tag erhängt? Und was hat Bengt, der ebenfalls in Eddie verliebt war, mit all dem zu tun? Vor allem Sandra und Doris, zwei durch ihre Einsamkeit verbündete Mädchen, umkreisen das Rätsel der beiden mysteriösen Tode in ihren Geschichten und Träumen – bis das Spiel Ernst zu werden und die Wirklichkeit die Phantasie einzuholen droht.

 

Ein Buch, das ich in meine persönliche "Top-Ten-Liste" aufgenommen habe. Selten habe ich beim Lesen so viel "Handwerkliches" gelernt, wie bei dieser Autorin, die Form und Inhalt perfekt aufeinander abstimmt (besonders interessant im Bezug auf die Möglichkeiten, die man beim Einsatz der Erzählperspektive hat). Ähnlich wie Joan Didion setzt auch Fagerholm Wiederholungen (sprachlich und szenisch) als literarisches Stilmittel ein, wenn auch wesentlich verspielter als Didion. Und dann erzählt dieses literarische Schwergewicht auch noch eine Geschichte, die mich ungemein gefesselt und berührt hat.

 

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Sverker Sundin, Chef einer Werbeagentur, liegt schwer verletzt auf der Straße. Nach einem Besuch bei einer minderjährigen Prostituierten wurde er aus dem Fenster gestoßen. Seine Ehefrau Mary sitzt kurze Zeit später nachts an seinem Krankenhausbett. Sverker ist an eine Beatmungsmaschine angeschlossen und sie erfährt, dass er vom Kopf an gelähmt bleiben wird. Mary ist wie erstarrt und sieht ihr Leben an einem Wendepunkt: Ist sie durch diesen Vorfall für immer an ihren pflegebedürftigen Mann gekettet? Oder gibt es gerade jetzt eine Chance, sich aus der längst zerrütteten, lieblosen Ehe mit Sverker zu befreien?

Die Wirklichkeit spaltet sich für Mary auf: Sie beginnt ein zweites Leben vor sich zu sehen, in dem sie Marie heißt. Marie gehorcht ihrer Wut und schaltet das Beatmungsgerät ihres Mannes ab. Sie erträgt die Konsequenzen, wird als Mörderin zu einer Haftstrafe von sieben Jahren verurteilt. Doch danach kann sie als freier Mensch ihren eigenen Weg gehen, kann einen echten Neuanfang wagen.

Doch ihr anderes Ich, Mary, fügt sich den moralischen und gesellschaftlichen Erwartungen: Mary vertuscht die Umstände des Unfalls, pflegt ihren Mann und macht gleichzeitig eine steile politische Karriere als Ministerin für Entwicklungshilfe. Als sie bei einer Konferenz ausgerechnet über Zwangsprostitution in Osteuropa sprechen soll, kann sie dem Selbstbetrug nicht länger standhalten: Ihr verschlägt es wortwörtlich die Sprache. Eine Freundin steht ihr bei, kümmert sich um sie. Doch der politische Druck wächst, denn Journalisten haben längst Details über den Unfall ihres Mannes herausgefunden, und der Ministerpräsident verlangt umgehend eine lückenlose Aufklärung.

 

Diese beiden Ichs von MaryMarie erzählt die Autorin sprachlich, aber auch handlungstechnisch so präzise, dass ich immer wusste, welche der beiden jetzt gerade erzählt. Dieser Roman ist für mich von der dramaturgischen Gesamtkomposition her ein brillantes Beispiel - und auch hier habe ich bei der Lektüre sehr viel "Handwerkliches" gelernt. Und spannend und berührend ist die Geschichte noch dazu!

 

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"Irgendwie waren wir missraten. Wir schwänzten Schule und HJ-Dienst, nachts lauschten wir unter Wolldecken verborgen den Feindsendern, wo Benny Goodman, Duke Ellington und Glenn Miller spielten, kurz wir taugten nichts, jedenfalls nicht zu Helden…"

 

Sommer 1944, irgendwo im Schwäbischen: Knuffke, Bubu, Zungen-Kuss, Rosenacher („Hosenmacher“) und der Erzähler sind fünfzehn, und ihnen steht der Sinn nach allem mehr als nach Nationalismus. Sie wollen wissen, wie das mit den Mädels ist, wie man die Penne hinter sich bringt und um die SS-Werber herumkommt. Aber sie ahnen, dass es, trotz ihrer gut trainierten Lässigkeit, ums Überleben geht. Als sie dann im April 45 doch noch zum Volkssturm müssen, sind sie bald nur noch zu dritt; Rosenacher geht verschütt, Zungen-Kuss hatte es zuvor auf einem Maisfeld am Westwall erwischt. Als die drei übrigen unter Lebensgefahr türmen, haben sie keine Ahnung, was ihnen zu Hause blüht, vielleicht ist die US-Army ja auch schon da… Und acht Wochen später, als die Schule wieder los geht und man wieder auf den alten Bänken sitzt, kommt der stotternde Studienrat herein und fragt: „Wo wa-waren wir stehen geblieben?

 

Ein Buch, das mich restlos begeistert hat, und das ich mittlerweile dreimal gelesen habe - darüber hinaus ist dieser Autor auch noch ein Meister des "szenischen Präsens".

 

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Ein Familienroman der anderen Art:

Ich habe schon lange keine Familiengeschichte mehr gelesen, die mit so vielen originellen und "lebensechten" Details erzählt worden ist. Auch der Humor kommt trotz der Tragik -  die Mutter Angela stürzt zu Beginn des Romans im Flur und stirbt an den Folgen dieses Sturzes, in der Familiengeschichte von Simons Freundin Miriam gibt es einen toten Bruder, usw. - nicht zu kurz. Kloeble erzählt mit viel Wort- und Szenenwitz und sehr oft habe ich schallend gelacht. Allein die Idee, dass eine Wollmaus die im Flur liegende, bewegungsunfähige Angela mit letzten, unliebsamen Wahrheiten konfrontiert, war für mich ein absolutes Lesehighlight in diesem Jahr.

 

Liebe Grüße und ein frohes Fest!

Lisa

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Kurz vor Ende des Jahres gab es noch ein weiteres Lese-Highlight:

 

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Überall nennt man sie die „schwarze Frau“, denn sie trägt nie Farben. Das Schwarz ihrer Kleidung ist das Schwarz der Klippen im Dämmerlicht nasskalter, unbehaglicher Tage. Manche sagen, man sehe sie seit über hundert Jahren über die Mole gehen, täglich einem nur ihr vertrauten Ritual folgend, schweigsam, menschenscheu, ohne die ersehnte Ruhe zu finden.

Die faszinierende Geschichte einer Frau im Cornwall des späten 19. Jahrhunderts.

Pseudonyme: Anna Jonas, Nora Elias

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Hallo zusammen,

mein Leseerlebnis in diesem Jahr habe ich soeben tief beeindruckt abgeschlossen:

"Eine Messe für die Stadt Arras" von Andrzej Szczypiorski

 

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Der Roman, der 1971 entstanden ist, reflektiert aus der Sicht des Ich-Erzählers Jean die grausamen Geschehnisse des Jahres 1461, bei denen es in der Stadt Arras zu einer geradezu hysterischen Juden-, Hexen- und Patrizierverfolgung kam. Szczypiorski breitet eine niederschmetternde - zugleich brillant erzählte - Parabel auf die Entstehung von Totalitarismus, Terror und Pogromstimmung aus, bei der die Parallelen zur Gegenwart unübersehbar sind.

Ein kenntnisreicher historischer Roman mit Tiefgang, Kraft und basierend auf schriftstellerischer Kunstfertigkeit.

 

Viele Grüße Günter

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Da ich in den letzten Tagen ein wenig Zeit hatte, muss ich meine Liste noch ergänzen und zwar um Der weße Tiger (Link ungültig) (Link ungültig), den hpr bereits genannt und hier vorgestellt hat, um Drachenbrut von Naomi Novik ...

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Ein Fantasyroman, der wirklich mal anders ist, in dem Drachen im Militärdienst beladen werden wie Schiffe und englisch-steife Gentleman Schlachten gegen Napoleons Armeen schlagen.

 

... und um Klimakriege von Harald Welzer, der sich den Problemen von morgen endlich aus kulturwissenschaftlicher Sicht nähert, anstatt aus rein naturwissenschaftlicher. Herausgekommen ist ein tief deprimierendes Werk, dass einem mehr Angst einjagt als die Hochrechnungen der Naturwissenschaftler (die schon erschreckend genug sind!).

Übrigens gibt es das Buch auch in einer sehr viel günstigeren Ausgabe über die Bundeszentrale für politische Bildung (für Sachbuch-Vielleser mit eher geringem Einkommen sehr zu empfehlen)

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Die Prüffristen bei Agenturen und Verlagen sind nicht lang. Ein Autor erfährt lediglich eine Zeitdilatation, je weiter er sich von seinem Manuskript entfernt!

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