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TobiasB

... eher im Gegenteil ...

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Hallo:

 

Irgendwie blicke ich da nicht durch:

 

"Nein, ich wollte dich nie verlassen. Eher im Gegenteil: Dich zu heiraten, war mein Wunsch!"

 

Vom Ding her stimmt es ja. Die Logik des täglich verwendeten Sprachgebrauchs lässt einen diese Aussage verstehen.

 

Aber ist es nicht so, dass das Gegenteil des "nie verlassens" eben das "Verlassen" ist, und nicht die Heiratsabsicht? Zumindest ist einer meiner Testleser dieser Ansicht, und verwirrt mich dadurch vollkommen.

 

Oder steh ich nur auf dem Schlauch?

 

Gegenteilige Grüße

Tobias

"Kein Buch oder Gedicht ist je fertig. Es wurde lediglich aufgegeben." (Sprichwort, unbek. Verf.)

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Das Gegenteil von "nie" ist "immer", von "verlassen" ist es "bleiben".

 

 

Ich wollte dich nie verlassen, im Gegenteil, ich wollte immer (bei dir) bleiben (und dich heiraten).

 

So vielleicht?

 

Anna

Neu: Das Gold der Raben. Bald: Doppelband Die Spionin im Kurbad und Pantoufle

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Hallo:

 

Irgendwie blicke ich da nicht durch:

 

"Nein, ich wollte dich nie verlassen. Eher im Gegenteil: Dich zu heiraten, war mein Wunsch!"

 

Aus dem war würde ich aber ein ist machen, sonst WAR es ja nur der Wunsch und ist es jetzt aktuell nicht mehr.

Außer natürlich, die Hochzeit ist bereits geschehen. ;)

 

Liebe Grüße

Maren

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Das ist eigentlich etwas aus dem Kapitel Pragmatik, die sieht Negation, Affirmation und doppelte Negation aus ihrem Blickwinkel. Etwa so:

 

"Lass dich mal NICHT verwirren, Tobias!" - Was sagst du drauf? Ja oder nein?

Wahrscheinlich so was:

"Nein, nein, keine Sorge..."

 

Das "Nein" in der Antwort gibt der in der Frage negativ formulierten Aufforderung Recht.

Oder um mit Weinrich zu sprechen:

 

Ist die in einer Frage, einer Aufforderung oder einer Feststellung ausgedrückte Vorinformation selber bereits mit einer Negation versehen, so bestätigt das Morphem 'nein' die voraufgehende Negation. Weinrich, Textgrammatik p. 865

 

Anna hat es schon schön lexikalisch aufgelöst. Wenn man hier nur bei der +/-Logik bleiben wollte, wird es, glaub ich, sehr schwierig - andere Sprachen lösen so ein Problem auch oft anders.

 

Angelika

Laudatio auf eine kaukasische Kuh. Eichborn 2021. 

Alicia jagt eine Mandarinente. dtv premium März 2018. Die Grammatik der Rennpferde. dtv premium Mai 2016

www.angelika-jodl.de

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Das Problem, oder vielleicht auch nur ein Problem, liegt darin, dass jeder unter 'Gegenteil' etwas anderes versteht. Deshalb lässt man sich so leicht verwirren, weil ja eine andere Logik auch logisch klingt - und in sich auch ist.

 

Rein mathematisch ist das Gegenteil von 'Ich wollte dich nie verlassen.' die Aussage 'Ich wollte dich mindestens einmal verlassen.'

 

Rein sprachlich denke ich nicht, dass du einen Fehler gemacht hast. 'Ich wollte dich nie verlassen. Im Gegenteil: Ich wollte dich sogar heiraten.' oder, falls die Absicht noch besteht, 'Ich will dich sogar heiraten.' klingt mir vollkommen korrekt.

 

Liebe Grüße,

 

Inken

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Vom Ding her stimmt es ja. Die Logik des täglich verwendeten Sprachgebrauchs lässt einen diese Aussage verstehen.

 

Aber ist es nicht so, dass das Gegenteil des "nie verlassens" eben das "Verlassen" ist, und nicht die Heiratsabsicht? Zumindest ist einer meiner Testleser dieser Ansicht, und verwirrt mich dadurch vollkommen.

Nicht du, aber dein Testleser steht auf den Schlauch.

Du schreibst kein Sachbuch, sondern einen Roman, noch dazu einen Dialog in einem Roman. Gesprochene Sprache ist selten mathematisch korrekt. Sie ist unscharf, voller Missverständnisse, sie ist übereifrig, holprig. Sie ist natürlich. Und insbesondere in einer emotionalen Situation, wie in einer solchen, wie du sie beschreibst.

Wenn du die Figuren so sprechen lässt, wie sie in dieser Situation tatsächlich klingen würden, nur dann werden sie lebendig, authentisch, und dann ist es richtig, egal, ob es mathmatisch logisch ist.

 

Gruß,

 

Andreas

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Das Gegenteil von "nie" ist "immer"' date=' von "verlassen" ist es "bleiben".[/quote']

 

So ist es.

 

'Gegenteil' und 'Negation' sind unterschiedliche Dinge. Beispiel:

 

gut <-> schlecht

Das Gegenteil von 'schlecht' lautet nicht 'nicht schlecht' (=Negation), sondern 'gut'.

Wenn ich sage: "Das hast du nicht schlecht gemacht", bedeutet es nicht, dass etwas gut gemacht wurde.

 

weiß <-> schwarz:

Wenn ich sage: "Das ist nicht weiß", bedeutet es nicht, dass es schwarz ist.

Die Negation 'nicht weiß' ist keinesfalls gleichbedeutend mit dem Gegenteil 'schwarz'.

 

So verhält es sich auch mit "verlassen". Das Gegenteil ist nicht "nicht (oder nie) verlassen", sondern "bleiben".

 

Wenn ich sage: "Ich wollte dich nie verlassen", bedeutet es nicht unbedingt, dass jemand bleibt. Es kann genauso gut bedeuten: "Ich verlasse dich nicht (im Sinne von "Schluss machen"), sondern ich bleibe mit dir zusammen, aber jetzt verreise ich erst mal für 20 Jahre." Also: er verlässt nicht, aber er bleibt auch nicht.

Es kann aber genauso gut bedeuten: "Ich wollte dich nie verlassen, aber leider waren die Umstände anders und ich musste ich dich verlassen, obwohl ich nicht wollte."

 

Man kann folglich das 'Gegenteil' nicht bilden, indem man einfach die Negation weglässt, oder umgekehrt: indem man eine Negation bildet.

Genau diesen Denkfehler macht aber dein Testleser, Tobias: er setzt Negation = Gegenteil.

Die Negation von 'verlassen' ist: 'nicht/nie verlassen'.

Das Gegenteil von 'verlassen' ist 'bleiben'. (In diesem Fall ersetzt durch: heiraten.)

 

--------------------

 

Nachtrag:

 

Das 'Gegenteil' bezieht sich, im Kontext gesehen, auf die Frage im Hintergrund, die da lautet (und im Eingangsposing weggelassen ist):

 

Frage: "Willst/wolltest du mich verlassen?"

Antwort: "Nein, ich wollte dich nie verlassen.

Eher im Gegenteil: Dich zu heiraten, war mein Wunsch!"

 

Die Antwort besteht aus zwei Sätzen, die sich beide auf die Frage beziehen und beide die Frage beantworten.

Der erste Teil der Antwort: "Nein, ich wollte dich nie verlassen" drückt eine Negation der Frage aus; der zweite Teil der Antwort: "Eher im Gegenteil: Dich zu heiraten, war mein Wunsch!" beantwortet die Frage mit einer genaueren Aussage und drückt das Gegenteil (in Bezug auf die Frage) aus.

 

Der zweite Teil der Antwort drückt nicht das Gegenteil des ersten Teils der Antwort aus, sondern beide Teile der Antwort beziehen sich auf die Ausgangsfrage.

 

Also alles völlig richtig.

 

LG - Barbara

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Ok. Na, wenn das so ist, dann belasse ich den Satz erst mal.

 

Ich danke Euch.

 

Faszinierend finde ich mal wieder, wie unterschiedlich bei solchen Sachen immer die Wahrnehmung der Leser ist. Andererseits wäre es ja schlimm, wenn dem nicht so wäre.

"Kein Buch oder Gedicht ist je fertig. Es wurde lediglich aufgegeben." (Sprichwort, unbek. Verf.)

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