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Martina

Aus dem Autorenwortschatz zu streichen

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Hallo,

 

es gibt ein paar Worte und Umschreibungen, die sollten Autoren vermeiden.

 

Für mich das klassische Beispiel: unbeschreiblich.

 

Ein Autor, der dieses Wort benutzt, stellt sich ein Armutszeugnis aus - oder seht ihr das anders?

 

Dann habe ich gerade bei Bearbeitung eines grauenvollen Manuskriptes einen Satz gefunden, den ich der Liste der zu streichenden Formulierungen hinzufügen würde:

 

"Mit einem Wort: der Aufenthalt an Deck während der reinen Seetage war nicht besonders ereignisreich."

 

Wo ist das eine Wort? >:( Es sind zwölf, die ich zähle! :s11 Warum kündigt die Autorin Knappheit an, wenn sie sich nicht an ihre eigene Vorgabe hält? :s16

 

Habt ihr auch Wörter oder Formulierungen, die ihr nie benutzen würdet oder die euch stören, wenn ihr sie lesen müsst?

 

Gruß,

 

Tin

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(Peter_Dobrovka)

Ich bemühe mich, das Wort "blasphemisch" zu vermeiden. Als alter Lovecraft-Fan ist man da leider oft in Versuchung ...  :s21

 

"Unbeschreiblich" könnte ich mir schon vorstellen. In einem ironischen Kontext.

 

Peter

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Hey, gibt's denn hier Männer mit wunderschönen Körpern? Oder nur Texte über Männer mit wunderschönen Körpern? :-X

 

fragt sich

Ellen

*zu viel gearbeitet heute, deswegen ein bißchen albern*

 

Und doch noch was zum Thema ;)

Was ich gern aus dem Wortschatz von Autoren gestrichen sehen würde, sind Formulierungen wie "da plötzlich" passierte das und das oder "als plötzlich" ... Also gut, EINMAL ertrage ich das, aber öfter nicht.

Als sie plötzlich diese unsägliche Formulierung zum zweiten Mal las, klappte sie das Buch zu und verschenkte es ;D

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Ah, schön.

 

Und plötzlich sah sie einfach so den wunderschönen Körper irgendwie - mit einem Wort: dieses unbeschreiblich sinnliche Ereignis, wo ihr wie Blasphemie erschien - perfekt vor sich.

 

Nähern wir uns gemeinsam dem wahren Horror ;)

 

Gruß,

 

Tin

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Hallo zusammen,

 

die schlimmsten Wendungen/ Worte:

wie im falschen Film

das konnte gar nicht sein

wie hatte ausgerechnet ihm dies passieren können

so etwas passierte eigentlich nie

 

unbeschreiblich

unglaublich

unvorstellbar

undefinierbar

 

sie sah in seine meerblauen/ tiefblauen/ waldgrünen...

Es kam, wie es kommen musste

ein Schrei aus seinem Inneren

zufällig

tobender Lustwurz (für das männliche Geschlechtsteil)

durchfeuchtete Moosgrotte (für das weibliche)

auffällige xy

sein Herz pochte

mächtige Erektion/ erigierte Nippel

Leichen pflasterten seinen Weg

....

 

Gruss

 

Thomas

"Als meine Augen alles // gesehen hatten // kehrten sie zurück // zur weißen Chrysantheme". Matsuo Basho

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Lovecraft war ein der ganz großen Künstler darin, leere Worte zu verwenden, um das Unbeschreibliche zu beschreiben, das Namenlose zu benennen, das unsagbare zu Sagen, es wimmelt vom nicht-euklidischen Winkeln, von ausserirdischen Farben und unirdischen Flötenklängen. Alles ist ein unfassbares Grauen, nichts ist vom Verstand zu begreifen. Nicht nur die Protagonisten, auch die Leser sollen auf der Stelle wahnsinnig werden ;)

Schriebe man es heute in dieser Form, es wäre von ganz allein eine grandiose Parodie.

 

Sagt einer, der Lovecraft trotzdem mag ;)

 

Andreas

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Liebe Leute,

 

Ihr macht's Euch ein bißchen zu einfach.

 

MyISAMHabt ihr auch Wörter oder Formulierungen, die ihr nie benutzen würdet oder die euch stören, wenn ihr sie lesen müsst?

fragt Tin.

 

Aber sicher! Ich wette, jeder von uns könnte Formulierungen aufzählen, die er /sie nie benutzen würde und die man beim lesen als grausig empfindet.

 

Mit Blick auf die Überschrift des threads würde ich allerdings sagen - Nein, es gibt keine Wörter, die man aus dem Autorenwortschatz streichen muß.

 

Nicht einmal Roys grandioses Beispiel mit den "wo-Nebensätzen" ;D, auch nicht Bluomos Liste.

 

Jemand, der z. B. Groschenromane schreibt, bzw. die modernere, etwas erotisch angehauchte Variante der "Taschenhefte" *braucht* sogar solche Worte wie ... na ja, nicht gerade Lustwurz (ich bin sicher, das hat Thomas aus dem Stehgreif erfunden ;D), aber Moosgrotte und ähnliche Varianten, die Nippel sind dort Alltag (meist in schlechten Übersetzungen), und was sich dort sonst noch für Wortkombinationen finden, ist manchmal atemberaubend.

 

Aber ein Wort, ein Ausdruck, der in einem Horror-Roman lachhaft wirkt, ist in einem Liebesroman vielleicht genau richtig; ein Ausdruck, der in einem literarischen Roman als unpassend aufstößt, ist möglicherweise exakt der treffende in einem Jugendroman und so weiter - es ist also immer abhängig vom Genre, von den Protagonisten, vom Alter der Helden, vom Milieu, in dem die Geschichte spielt und und und und und

 

Gruß

Jan

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Hallo, Jan :)

 

Die allermeisten der Wendungen, die hier aufgezählt wurden, würde ich in jedem Genre streichen - Ausnahme vielleicht die meergrünen Augen in einem Groschenheft. Ganz bestimmt sollte kein Autor oder Lektor einen Lustwurz tobend eine Moosgrotte durchfeuchten lassen ;D, und Bluomos aufgelistete Redewendungen gehören auch in jedem Genre zu den besonders abgedroschenen.

 

Liebe Grüße,

 

Tin :)

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(Steffi (Ronya))

Also für mich ist es ganz klar das "irgendwie" in Zusammenhang mit einer Eklärung. Wunderbar nachzulesen bei Hohlbein, der es wirklich in einem Buch geschafft hat, dass drei oder vier erklärende Sätze mit "Irgendwie schaffte er es..." Das fand ich sowas von grausam! Da hätt ich eigentlich mehr von ihm erwartet! :s08

Gruß Ronya

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Ihr macht's Euch ein bißchen zu einfach.

You made my day, Jan!

Ich sammle Wörter in einer riesigen Wörterschatzkiste. Wörter aus meinem Wortschatz zu verbannen, das wäre wie Bücher verbrennen.

Wortreiche Grüße,

Petra

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Was ich so überhaupt nciht abkann ist das Wort "neutral".

Schon allein, weil ich als autor nie neutral zu etwas stehe. Und in Geschichtne verwende ich dieses ekelhafte Wort schon gar nicht.

Man kann unbeteiligt tun, aber man ist NIE neutral. In dem moment, in dem man etwas zum Geschehen denkt oder fühlt, ist man nciht mehr neutral! Igitt, das ist ein ekelhaftes Wort! Und ich habs so oft benutzt eben... *mund auswaschen geht*

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Hallo ihr Lieben,

 

interessanter Thread! Nein, verbannen tue ich nichts, man weiß ja nie ob und wie man es mal brauchen kann. ;)

Aber vermeiden schon! Alles abgedroschene, alles unklare, vage, wie: einfach, plötzlich, ziemlich, reichlich, recht, eigentlich (welches schon fast an Verbannung grenzt), irgendwie, usw., ihr wisst schon. Das gilt auch für gewohnte und immer wieder gern benutzte Redewendungen. Ich versuche die Alteingesessenen alle zu killenn und durch neuere, bessere, lustigere, zu ersetzen.

 

Jan, fast hätte ich dir zugestimmt, aber dann kam Tin mit der Erinnerung, dass gutes Schreiben genreunabhängig ist. Sinnfreie und abgedroschene Worte brauchts nicht, in KEINEM Genre.

 

Der "Lustwurz" hat meine Tastatur mit Kaffee gesprayt! LOL Den würd ich gern mal "toben" sehen, bwahaha. Ich finde dieses Wort einfallsreich und könnte es mir in einer Satire sehr gut vorstellen, Erotic-Comedy, oder sowas.*g*

 

LG

Joy

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(Peter_Dobrovka)

Also den Ausdruck "es sah irgendwie unbeschreiblich scheiße aus" könnte ich mir in einem Roman durchaus vorstellen ;D

 

Eigentlich kann ich mir alles hier Aufgezählte in einem Roman vorstellen, ohne daß es mich sonderlich stören würde. Es kommt halt auf den Kontext an. Ihr meckert doch letztlich fast alle nur darüber, daß das "Show, don't Tell" Prinzip verletzt wird.

 

Er kam in eine Halle von unbeschreiblichen Ausmaßen.

Da frage ich mich allerdings, ob riesig/ungeheuerlich/zyklopisch besser ist. Ob überhaupt ein Adjektiv eine Beschreibung ersetzen kann.

(Erwähnte ich übrigens, daß ich auch versuche, "zyklopisch" zu vermeiden?)

 

Irgendwie schaffte er es, sich zu befreien.

Wird durch die Streichung des "irgendwie" irgendwie auch nicht besser.

 

Der Auftrag sah ziemlich gefährlich aus.

Auch, wenn er vielleicht sogar "verdammt" gefährlich aussah, kann ich mir darunter nicht viel vorstellen.

 

Peter

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Also ich beharre auf "unbeschreiblich" (freilich auch auf den Lustwurz, aber das ist eine andere Geschichte). Denn unser Handwerk als Autoren ist doch das Be-schreiben. Was wir nicht beschreiben können, sollten wir nicht erwähnen, damit keiner merkt, dass wir an die Grenze unseres Talents gestoßen sind. ;)

 

Gruß,

 

Tin

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Was wir nicht beschreiben können' date=' sollten wir nicht erwähnen, damit keiner merkt, dass wir an die Grenze unseres Talents gestoßen sind.  ;)[/quote']

 

Sehe ich ebenso! Deshalb schlagen für mich unbeschreiblich, Irgendwie und Einfach so in die gleiche Kerbe: Es sind alles Surrogaten (Mein Lieblings'fremdwort' zurzeit) dafür, dass man nicht fähig oder nicht willens ist, etwas zu beschreiben.

 

Deshalb habe ich mit 'irgendwie schaffte er es, sich zu befreien' auch solche Probleme. Da findet ein 'Zeitsprung' statt: erst ist er gefangen, dann nicht mehr, und keiner sagt mir, wie!?

 

Mein Horrorsatz daher: "Irgendwie geriet er (oder sie) einfach so in eine unbeschreibliche Situation!"

 

Eigentlich beschreibt das ziemlich genau jedes einzelne Buch, das ich jemals gelesen hab...  ;D

 

beschreibbare Grüsse,

Marco!  :s17

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Also auf das "irgendwie" verzichte ICH ganz sicher nicht.

 

Mir ist jedoch aufgefallen (worden), daß ich das Wort "plötzlich" zu häufig benutze.

 

Peter

 

Irgendwie krieg ich plötzlich Lust, Dein Buch weiterzulesen. :s22 :s22 :s22

 

Heute Frei-habende Grüße,

Marco! :s17

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Ich würde nie Wörter aus der Gassen-Sprache verwenden,

auch wenn diese, bei machem Erwachsenen schon zum Alltag gehören,

oder in die Filmsprache einzug genommen haben.

Ich finde diese Entwicklung des Sprachsgebrauch schlimm   :(

Bei Jungendlichen kann ich sie noch verstehen, aber dass Erwachse, sprachlich, der Jungen nach zieht finde ich erschreckend.

Sollten nicht wir Schreibenden, unsere Bücher versuchen, vor der Slang-Sprache,  zu verschonen ?

Ich denke Schreibende haben es in der Hand, die Sprache zu pflegen oder zu versauen.

Deutsch ist doch eine schöne, blumige Sprache, in ihrer vielfältigen Ausdrucksweise.

 

Äs Grüezi us dä Schwiizer Bergä   Heidi         :s17

"Das Haus der schönen Dinge" - Knaur TB Mai 2017 - Die Geschichte einer (fiktiven) jüdischen Kaufhausdynastie in München zwischen Prinzregentenzeit und 1938

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