(Petra) Geschrieben 26. Juli 2005 Teilen Geschrieben 26. Juli 2005 Liebe Leute, woanders klang das mal wieder an, dass es alle Erstlingsautoren in Publikumsverlage drängt.. Iris meinte dazu sinngemäß, da müsse noch mehr die Klischeekiste bedient werden. Nun frage ich mich, woher dieser Ruf kommt, nur Publikumsverlage seien der Gradmesser zum Erfolg... oder was auch immer. Ja, sie bringen Masse, wenn man es denn schafft, gegen die schon vorhandene Masse anzukommen! Oder strebt man dorthin, weil man nur deren Namen kennt, aber nicht die der kleineren, literarischen vielleicht, der Spartenverlage? Ich habe es in einen Publikumsverlag geschafft und weiß, dass ich mit einigen Projekten schon wieder draußen stehe. Und wenn mir am Projekt liegt, das weiß ich, würde ich auch an einen kleineren verkaufen lassen, wenn es dem Projekt dient. Ich bin heilfroh, dass ich in einem literarischeren Imprint gelandet bin und nicht im allgemeinen Programm, wo ich wahrscheinlich wie eine Nummer verheizt würde... nach zwei Monaten das Buch wieder vergessen. Alleine die Kataloge erschlagen einen... Was ist so erstrebenswert an den riesigen Massenverlagen? Die Honorare sind teilweise schlechter als bei kleineren Verlagen. Die Klischeekiste, der Massenzwang, der Abverkaufszwang, der Erfolgszwang: alles ungleich größer. Die persönliche Freiheit kleiner. Gegen die internationale Bestsellerkonkurrenz auch für beste deutschsprachige Autoren kein Durchkommen. Autorenbetreuung, Investment, Presse- und Werbearbeit... öhem... Und in manchen Genres werden die Autoren schlichtweg verheizt. Jaja, ich habe gut reden, aber aus meiner bisherigen Erfahrung bin ich heilfroh, dass ich erst nach einigen Büchern und mit viel Erfahrung in einem PV gelandet bin! Als Anfänger wäre ich sang- und klanglos untergegangen. Und auch heute habe ich ständig die Angst, unterzugehen.... weil ich gegen die großen Autoren des Verlags schlicht eine Nullnummer bin. Ich hatte Glück als Anfänger. Ich bin damals in einen sehr persönlich geführten Kleinen unter den mittelgroßen Verlagen gekommen. Ich wurde eingeladen, durfte alle Leute bis zum Verleger kennenlernen und ihnen über meine Pläne erzählen. Da war es so gemütlich und persönlich, dass ich eng mit dem Programmleiter zusammen arbeiten konnte. Und der hat echt noch Entwicklungsarbeit gemacht und mich jede Menge gelehrt, Dinge, die mir noch heute helfen und mich prägen. Wenn ich dran denke... wir gingen sogar zusammen auf Reise an den Ort meines Buches, einen Bus voller Journalisten dabei. So kam das Thema bis ins Fernsehen. Ich bin froh, dass ich am Anfang meines Bücherschreibens in so einem persönlichen Verlag untergekommen war und nicht in einem größeren. Der Verlag hatte sein eigenes treues Stammpublikum und die Autoren kannten sich zum Großteil noch gegenseitig. Damals gab es Sachen wie dieses Forum nicht, aber es gab live Thementreffen mit Lesungen der Kollegen, Diskussion und Party. Dort habe ich als Anfängerin Mut gefasst, mich in Ruhe entwickeln können, zu meinen Themen finden. (Den Verlag gibt's leider nicht mehr, er wurde durch Fusionen geschluckt und das Imprint hat nur noch den Namen gemeinsam) Jetzt erklärt mir mal bitte, was am Publikumsverlag so viel besser sein soll für Anfänger! ? Schöne Grüße, Petra Link zu diesem Kommentar Auf anderen Seiten teilen More sharing options...
Quidam Geschrieben 26. Juli 2005 Teilen Geschrieben 26. Juli 2005 Hallo Petra, naja.. man würde sich sicher gerne mit dem Namen eines Publikumsverlages schmücken. Das macht doch was her, wenn man sagen kan: Rowohlt bringt meinen Roman nächstes Jahr. Allerdings muss ich sagen, dass ich von einem mittleren Verlag träume - nur gibt es scheinbar nur Kleinverlage, mit drei Büchern im programm, oder große. Eldur würde mir zusagen, weil Peter ein engagierter Verleger ist, aber ansonsten? Kann nicht mal jemand mittlere Verlage benennen, mit engagierten Verlegern? Warum es die Leute in Publikumsverlage zieht? Naja.. scheinbar erliegt man da einem irrglauben. Oder aber ein 'untergehen' in so einem Verlag bedeutet mehr Image, als ein gefeierter Autor eines Kleinverlages je erreichen kann. Grüße Quidam Bibliographie &&Filmographie Link zu diesem Kommentar Auf anderen Seiten teilen More sharing options...
(Huutini) Geschrieben 26. Juli 2005 Teilen Geschrieben 26. Juli 2005 Liebe Petra! Prinzipiell hätte ich nichts gegen einen Klein- oder Mittelverlag einzuwenden! Obwohl ich mir halt schon wünschen würde, dass meine Bücher, wenn schon, auch in anderen Läden als in 'Hilda's Büchereck' in Presberg im Taunus rumliegen. Irgendwie schlummert in meinem Hinterkopf immer die, natürlich irrationale, Rechnung: Kleiner Verlag = Kleiner Verbreitungsradius. Desweiteren habe ich immer das Gefühl, kleine Verlage sind sehr spezialisiert! So gern ich Peter mit Mansukripten zuschmeissen würde, ich hab nix, was in sein Programm passt, das geht mir irgendwie öfter so! Der wahre Grund, der einzige, weshalb ich wirklich, wirklich unbedingt zu einem großen Publikumsverlag möchte, ist allerdings ein ganz profaner! Wenn ich die absolut freie Auswahl hätte, dann würde ich gerne zu Diogenes! Und das einfach nur wegen der Cover! Ja, ich gebs zu, ich bin eine Coversau! Ich würde gerne zu einem großen Verlag, weil ich deren Cover immer am tollsten finde, und ich gerne mal meinen Namen und meinen Titel in Diogenes' Elfenbeinfarbenem Coverdesign samt seltsamem Barockbildchen sehen würde! Und dann noch dieses herrlich weiche, und doch stabile Coverpapier... *schmacht* Also, sollte ein Diogenes-Verleger hier mal reinlesen: Wieviel nehmt ihr, wenn ich euer Coverdesign im Selbstverlag rausbringen darf? (nur Spaß, bitte nicht melden, lieber einen Vertrag anbieten!) Tja, Petra, so einfach kann es sein... 8) Profane Grüße, Marco! Link zu diesem Kommentar Auf anderen Seiten teilen More sharing options...
Siegfried Geschrieben 26. Juli 2005 Teilen Geschrieben 26. Juli 2005 Ich verspreche mir von einem Publikumsverlag eine größere Präsenz im Buchhandel und eine professionellere Vermarktung. => mehr Leser / Käufer Roy (Siegfried Langer - Homepage) - (Siegfried Langer - Blog) Link zu diesem Kommentar Auf anderen Seiten teilen More sharing options...
(Petra) Geschrieben 26. Juli 2005 Teilen Geschrieben 26. Juli 2005 Also' date=' sollte ein Diogenes-Verleger hier mal reinlesen: Wieviel nehmt ihr, wenn ich euer Coverdesign im Selbstverlag rausbringen darf[/quote'] Wenn du einen Kontakt zum Zeichner Tomi Ungerer willst... der wohnt, wenn er grad nicht in Irland weilt, bei mir ums Eck. Aber vielleicht verrate ich dir vorher auch, was er für eine kleine Handzeichnung nimmt... Schöne Grüße, Petra -off topic Ende- Link zu diesem Kommentar Auf anderen Seiten teilen More sharing options...
Ursula Geschrieben 26. Juli 2005 Teilen Geschrieben 26. Juli 2005 Hallo Petra! Ich glaube, da spielen mehrere Faktoren eine Rolle: 1) Wie Marco schon schreibt: Ein großer Verlag sorgt für große Verbreitung der Bücher. Hat gute Infrastruktur, also ausreichend Aussendienst. Hat Geld für Werbung. Und viele Debütanten träumen den Traum vom großen Bestseller auf Anhieb! 2) Die wenigsten rechnen anfangs damit, dass sie in einem großen Verlag nur eine kleine Rolle spielen können. 3) Renomée. Wenn ich in einem großen Verlag veröffentlicht werde, muss ich gut sein, denn dort veröffentlichen auch A, X, J und B. Ö hat genau da mit seinem Erstling einen Hit gelandet! Alles in allem ist da viel Fehleinschätzung dabei. Ich bin auch der Meinung, dass die Autorenbetreuung in einem großen Verlag nie so gut und persönlich sein kann wie in einem mittleren oder kleinen. Überhaupt dann, wenn er von engagierten Leuten betrieben wird! Alles Liebe Ursula https://www.facebook.com/UrsulaPoznanski Link zu diesem Kommentar Auf anderen Seiten teilen More sharing options...
(Petra) Geschrieben 26. Juli 2005 Teilen Geschrieben 26. Juli 2005 1) Wie Marco schon schreibt: Ein großer Verlag sorgt für große Verbreitung der Bücher. Hat gute Infrastruktur, also ausreichend Aussendienst. Hat Geld für Werbung. Nun, die Wahrheit sieht so aus: Werbegelder gibt es auch für Schon-Profis nicht. Null. Nada. Werbegelder werden in das investiert, was ohnehin schon berühmt ist. Und die Sache mit dem Außendienst ist so eine Sache. Der muss schon persönlich sehr überzeugt sein, für ein Buch zu sprechen, wenn im nächsten Monat schon wieder mindestens vier andere erscheinen... Und der Buchhandel macht Druck: der will die Bestseller im Laden, nicht die Nonames. Es geht eher so: Wir versuchen das mal. Wenn sich der Autor zufällig von ganz alleine durchsetzt (und am besten dabei kräftig selbst mithilft), dann ist es gut. Wenn es nicht so gut läuft, kann er gehen. Ich fürchte, da werden wirklich jede Menge unrealistische Träume geträumt. Das ist knallhartes Business... Übrigens hab ich unter "Ankündigung" ein paar Links zu Verlagslisten eingetragen. Schöne Grüße, Petra Link zu diesem Kommentar Auf anderen Seiten teilen More sharing options...
(Iris) Geschrieben 26. Juli 2005 Teilen Geschrieben 26. Juli 2005 Ich fürchte' date=' da werden wirklich jede Menge unrealistische Träume geträumt. Das ist knallhartes Business...[/quote'] Das kann ich nur unterschreiben. Desillusionierte Grüße, Iris Link zu diesem Kommentar Auf anderen Seiten teilen More sharing options...
Quidam Geschrieben 26. Juli 2005 Teilen Geschrieben 26. Juli 2005 Dann frage ich mich, Petra, wieso du bei einem Publikumsverlag veröffentlicht hast? Wärst du mit einem mittleren Verlag nicht besser gefahren? Grüße Quidam Bibliographie &&Filmographie Link zu diesem Kommentar Auf anderen Seiten teilen More sharing options...
Spinner Geschrieben 26. Juli 2005 Teilen Geschrieben 26. Juli 2005 Ich würde sagen, mit Träumen, "schmücken" und Renomee hat das wenig zu tun. Als Grund reicht allein schon, dass die Honorare schlichtweg eben doch fetter sind als bei kleinen Verlagen - selbst wenn die Konditionen letztlich anderswo wirklich besser sein sollten. Prozente interessieren doch letztlich weniger als der Gesamtbetrag in Euro. Ich würde es immer zuerst bei den größeren versuchen und von da an nach unten gehen, schon allein weil ich weiß, dass beispielsweise der Verlag, für den ich sonst so arbeite für seine Bücher schon mal mit einer Mindestauflage an den Start geht, unter der er gar nicht erst anfängt - und die weit über dem liegt, was Kleinverlage des entsprechenden Genres selbst bei relativem Erfolgsfall zu verkaufen hoffen dürfen. Da sind die Garantiehonorare für einen späteren Flopp im Zweifel schnell schon mal höher als die Zahlungen für die erfolgreiche Kleinverlagsveröffentlichung. Die Crux liegt in der Präsenz im Buchhandel, und die habe ich nun mal nur bei einem Publikumsverlag, konkurrenzlos, breit und flächendeckend. Alles andere, was ein Verlag bieten kann, würde ich im Vergleich zu diesem Totschlagargument nur noch als "nettes Zusatzfeature" ansehen, denn von einem Verlag will ich als Autor in erster Linie, dass er verkauft. Also, wenn ein Projekt für einen Publikumsverlag uninteressant ist, dann mag es immer noch gute Gründe geben, warum es für einen kleinen Verlag interessant ist. Und für Special-Interest-Titel, spezielle Zielgruppen, regionalen Bezug etc. mag es sehr gute Gründe geben, gerade für die Vermarktung auch direkt auf kleinere Nischenverlage zu setzen. Aber im Großen und Ganzen sollte man nicht fragen, warum alle zu einem Publikumsverlag wollen. Man sollte eher fragen: Warum sollte man zuerst versuchen, an die Geschäftspartner heranzutreten, die einem weniger bieten können? Das wäre doch widersinnig. Nun, vielleicht denke ich zu kaufmännisch. Aber ich sage mir: Wenn es nicht ums Geschäft ginge, sondern nur um die reine Kunst, dann könnte man auf Verlage auch gleich ganz verzichten. Sinn ist keine Eigenschaft der Welt, sondern ein menschliches Bedürfnis (Richard David Precht) Link zu diesem Kommentar Auf anderen Seiten teilen More sharing options...
(Iris) Geschrieben 26. Juli 2005 Teilen Geschrieben 26. Juli 2005 Quidam, es gibt nicht nur 0 und 1 oder schwarz und weiß. Ein Publikumsverlag kann für das eine Projekt goldrichtig sein, für das andere total falsch, für ein drittes mäßig geeignet usw. Meine Trilogie erscheint auch in einem Publikumsverlag -- dabei hatte ich nie damit gerechnet bei einem solchen zu landen. Die Zusammenarbeit hat Vor- und Nachteile. Z.B. müssen die Lektoren dort sehr viele Projekte parallel betreuen, und ich bewundere es wirklich, wie sie das hinbekommen. Mir ist das ein Rätsel. Fröhliche Grüße, Iris Link zu diesem Kommentar Auf anderen Seiten teilen More sharing options...
(Petra) Geschrieben 26. Juli 2005 Teilen Geschrieben 26. Juli 2005 Hallo Quidam, die wollten mich unbedingt ich bin kein Newbie mehr... und ganz zufrieden mit meinem Vertrag. Sagen wir mal so... das Glück, das ich auch intern habe, hat man nicht alle Tage. Und knallhartes Business kann ich auch Außerdem: Ich bin in einer Agentur unter Vertrag. Also an der Kandarre. Ich *muss* mich groß verkaufen, warum sollte sich sonst mein Agent krumm legen? Was nicht heißt, dass ich mal zwischendurch ganz andere Texte in spezialisierten Verlagen veröffenlichen würde. Was auch nicht heißt, dass ich morgen floppe und ganz schnell weg vom Fenster bin... Ich sehe das wie Iris: Man sollte vom Jubel und den unrealistischen Träumen wegkommen. Ganz klar sehen, was Sache ist. Und dann einfach auch das Projekt genau betrachten, ob es überhaupt für einen PV tauglich ist oder woanders besser rauskommt. Die vielen Formabsagen von PVen kommen ja meist daher, dass einfach schon das MS gar nicht in diese Sparte passt! @Spinner: Du vergisst, dass es auch tatsächlich noch Literaten gibt. Und wer literarisch schreibt, ist bei einem PV schlichtweg fehl am Platze! Natürlich arbeitet man sich da dann auch vom Verlag Nr. 1 nach unten mit der Bewerbung. Schöne Grüße, Petra Link zu diesem Kommentar Auf anderen Seiten teilen More sharing options...
Spinner Geschrieben 26. Juli 2005 Teilen Geschrieben 26. Juli 2005 Du vergisst, dass es auch tatsächlich noch Literaten gibt. Und wer literarisch schreibt, ist bei einem PV schlichtweg fehl am Platze! Das fiel in meinem Posting unter "Special Interest" Nein, im Ernst: Auch für "literarische" Bücher gibt es Häuser mit einer sehr hohen Buchhandelspräsenz. Kann man zwar gewiss nicht als Publikumsverlage sehen, würde ich in dem Falle aber für gleichwertig halten. Wobei für "literarische" Bücher sicher auch die Präsenz im öffentlichen Diskurs relativ gesehen bedeutsam ist, nicht nur die Laufkundschaft im Buchhandel. Denn letztlich sind literarische Titel eben doch "Special Interest"-Bücher, die eine ganz spezielle und recht eng umgrenzte Zielgruppe ansprechen - wenn auch eine, die in hohem Maße über institutionelle Mittel gebietet Sinn ist keine Eigenschaft der Welt, sondern ein menschliches Bedürfnis (Richard David Precht) Link zu diesem Kommentar Auf anderen Seiten teilen More sharing options...