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Quidam

Das Elfchen

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Hallo Leute,

 

ich hab ja so ein komisches Elfchen in meinem Roman. Und ich hab mit einer Sache ziemliche Schwierigkeiten.

 

Normalerweise schreibt man ja 'es', wenn man das Elfchen meint. Das liest sich aber ziemlich verquer, daher schreib ich überwiegend 'sie'. Ist das überhaupt in Ordnung?

 

Ein Beispiel:

 

Er schleuderte den Stein nach dem Elfchen und streifte ihre Stirn. Sie fiel mit Entsetzen im Blick zurück und Goncko konnte sie bald weinen hören. Sie krümmte sich und heulte unangenehm laut, worauf der Zwerg ein schlechtes Gewissen bekam und es ihm fürchterlich Leid tat, den Stein nach ihr geworfen zu haben. „Hey! Du wirst es überleben.“

Sie heulte nur noch lauter.

„Elfchen? Nicht jammern.“

„Du Scheißehaufen!“, heulte sie.

 

 

Oder:

 

Er schleuderte den Stein nach dem Elfchen und streifte ihre Stirn. Es fiel mit Entsetzen im Blick zurück und Goncko konnte es bald weinen hören. Es krümmte sich und heulte unangenehm laut, worauf der Zwerg ein schlechtes Gewissen bekam und es ihm fürchterlich Leid tat, den Stein nach ihr geworfen zu haben. „Hey! Du wirst es überleben.“

Es heulte nur noch lauter.

„Elfchen? Nicht jammern.“

„Du Scheißehaufen!“, heulte es.

 

Das zweite klingt doch fürchterlich.-(

 

Was sagt ihr zu diesem Problem?

 

Grüße

Quidam

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Hi Quiddy,

 

ich bin da ganz bei Dir, für mich klingen solche Teile auch katastrofürchterbar. :s03

 

Ich versuche so etwas darum tunlichst zu vermeiden, oder wenn nicht anders möglich, kurz zu halten. Irgendwo hier hatten wir schon mal einen Thread (den Jan sicher schon angepinnt hätte, wäre er noch hier), der genau dieses Thema behandelt, und die sprachliche und grammatikalische Richtigkeit des Unsäglichen bestätigt.

 

Fazit: Du darfst es machen wie Du willst, auch wenn es Dir mitunter dabei die Zehennägel aufrollt.

 

Liebe Grüße,

Ed

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Ja, das hatten wir hier schon mehrfach, ich hatte auch vor urewigen Zeiten mal einen Thread zu dem Thema angefangen.

Man darf das auf alle Fälle, es wurde nur drüber diskutiert, ab wann, ob noch im gleichen Satz oder erst im nächsten, und teilweise ab welchem Alter der Person.

Wenn Dein Elfchen schon ein relativ ausgewachsenes solches ist, dann sowieso. Dann ist es eben kein "es" mehr, sondern eine "sie" (und genaugenommen ist sie das ja auch unabhängig vom Alter).

Und, falls Du noch "höhere Weihen" brauchst: bei mir hat das die Verlagslektorin durchgängig so gehalten, selbst da, wo ich mir unsicher war. Sie hat ein Mädchen auch im gleichen Satz "gesieselt", unabhängig vom Alter.

 

Liebe Grüße

Uschi

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Hi Quidam,

 

du darfst. "Sieseln" meine ich. Bei allen "Mädchen", "Fräulein", "Mütterchen", "Büblein" "Weibchen", wo grammatikalisches Genus und biologischer Sexus voneinander abweichen, wird bei der sogenannten Nah-Kongruenz noch grammatikalisch gedacht, also Neutrum verwendet:

 

Das Mädchen, in das ich verschossen bin...

Das Weib, mit dem er sich täglich zankte...

 

Bei der so genannten Fern-Kongruenz, wenn also Pronomen und nominales Bezugswort schon einen (Haupt)Satz weit auseinander gedriftet sind, macht man biologisch weiter:

 

Ich kenne dieses Mädchen recht gut, sie heißt irgendwie Elfi oder so...?

 

Falls dir ein Lektor was anderes sagt, kannst du ja mal mit selbstverständlicher Miene das mit der Nah- und Fern-Kongruenz in den Raum werfen. Bei hartnäckigen Fällen schwereres Geschütz, z.B. die DUDEN Textgrammatik von Weinrich. § 4.2.1.2. Oder ich borge dir meinen Zeigestab...

 

Angelika

Laudatio auf eine kaukasische Kuh. Eichborn 2021. 

Alicia jagt eine Mandarinente. dtv premium März 2018. Die Grammatik der Rennpferde. dtv premium Mai 2016

www.angelika-jodl.de

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katastrofürchterbar. ;D ;D

 

passendes Wort für dieses Problem.

 

Lieber Ed und liebe Uschi,

 

vielen herzlichen Dank! Mich erleichtert das ungemein, zumal ich ja denke, dass, wenn das 'es' richtig wäre, die Leser es als falsch ansehen würden, weil es sich so komisch liest. Und das mag daran liegen, sovwohl bei Mädchen als auch bei Elfchen, dass man da ein weibliches Wesen vor Augen hat!

 

Ich drück euch!

 

Grüße

Quiddy

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Liebe Angelika,

 

ich bin ja bislang in meinem Hauptberuf Koch und ich finde es faszinierend, wie und was du da erklärst. :s05 Aber .. ich versteh es nicht. :s02

Deine Beispiele hätte ich auch so geschrieben, also denke ich, dass mein Sprachgefühl nicht so schlecht sein kann. Also gut. Nur könnte ich es mit solchen Worten nicht erklären, da ich die größtenteils nie gelesen hab.

 

Grüße

Quidam - der schwer beeindruckt ist, mit welchem Fachwissen du da ausgestattet bist!

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Hi Quidam,

 

es ist ganz einfach:

 

Und das mag daran liegen, sovwohl bei Mädchen als auch bei Elfchen, dass man da ein weibliches Wesen vor Augen hat!

 

Genau das ist mit "biologischem Sexus" gemeint: Mädchen, Elfchen = SIE, DIE

 

Aber das -chen hinten dran besteht in seiner grammatikalischen Verstocktheit darauf, dass jetzt ein Neutrum vorliegt: ES, DAS

 

Wenn Pronomen (SIE, ES) gleich hinterherkommen oder als Artikel (DIE, DAS) direkt vor dem Wort stehen, muss man sich der strengen Dame Grammatik fügen:

 

*DIE Elfchen geht genauso wenig wie *Das Elfchen, DIE ich kenne

 

Aber wenn sie weiter auseinander stehen, dann reicht die Sehschärfe von Madame Grammatik nicht mehr aus und man kann sich daran erfreuen, dass hier ein weibliches Wesen durch den Text springt:

 

Das Elfchen gähnte. SIE hatte hervorragend geschlafen.

                           ES hatte...

 

ginge zur Not auch, wirkt aber heutzutage seltsam. (Ein Teilsieg der Naturwissenschaften über die Grammatik  :p)

 

Mit dem Fachwissen verdiene ich sonst mein Geld. Wenn ich es nicht hätte, wäre das so, als solltest du ein Pichelsteiner ohne Topf, Wasser, Feuer und Salz zubereiten.

 

Was kochen wir heut?

 

Angelika

Laudatio auf eine kaukasische Kuh. Eichborn 2021. 

Alicia jagt eine Mandarinente. dtv premium März 2018. Die Grammatik der Rennpferde. dtv premium Mai 2016

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Was es theoretisch dazu zu sagen gibt, wurde gesagt. Ich will das allerdings dann doch noch mal konkret aufs Beispiel beziehen, weil man aus dem Allgemeinen m.E. nach nicht ableiten kann, dass du bei dem Beispiel freie Hand hast. Denn ...

... und streifte ihre Stirn.
... ist meiner Einschätzung nach eindeutig eine "Nahkongruenz", weil gerade mal drei Worte vom Bezugswort entfernt. Da hier ein "seine" missverständlich ist, sollte zumindest ein "dessen" stehen, wenn man den Satz nicht ganz anders formulieren kann. Das "ihre" geht hier jedenfalls nicht.

 

Für eine saubere "Fernkongruenz" reicht ein einfacher Punkt auch nicht aus. Bezüge auf den Vorgängersatz bewegen sich noch in einer Grauzone, und gerade wenn der Bezug trotz des Punktes noch sehr nah ist, klingt das Abweichen vom grammatischen Geschlecht krumm. Optimalerweise sollte also ein ganzer Satz dazwischenstehen, bevor der Bezug mit Umschwenkung auf das natürliche Geschlecht wieder aufgenommen wird. Das betrifft deine Formulierung ...

Sie fiel mit Entsetzen im Blick zurück ...
Denn wenn du den Bezug im Vorgängersatz korrekt auf "dessen" gesetzt hast, steht das "Sie" trotz Beginn eines neuen Hauptsatzes gerade mal zwei Worte vom letzten Bezug entfernt, der dem Gegenstand ein anderes Geschlecht zuweist. Auch diese Kongruenz würde ich als nah wie nur irgendwas bezeichnen, und es als Lektor jederzeit anstreichen ;)

 

Also, wenn man vom grammatischen aufs natürliche Geschlecht wechseln willst, dann bitte eine eindeutige Stelle wählen und dafür sorgen, dass zumindest ein anständiger Teilsatz zwischen dem veränderten Bezug und dem letzten Vorkommen des Bezugswortes steht. Und es wird auch nicht besser, wenn man "Das Mädchen" schreibt, dann immer "es" - und nach zwei Sätzen plötzlich auf "sie" umschwenkt, obwohl das letzte "es" nur zwei Worte entfernt ist. Es reicht nämlich nicht, wenn das ursprüngliche Bezugswort weit genug entfernt steht, sondern es liegt auch eine Kongruenz zu dem letzten Pronomen vor, das ja nur als "Platzhalter" für das Bezugswort steht.

Sinn ist keine Eigenschaft der Welt, sondern ein menschliches Bedürfnis (Richard David Precht)

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@Rabe, ich hab nicht absichtlich den Weg falsch beschrieben. Also wirklich nicht. :s22

 

@Spinner, eine supertolle Aufschlüßelung! Das ist eine Regel, die ich gut verinnerlichen kann. Hoffentlich denke ich dran, wenn ich wieder solche Passagen schreiben muss. Wobei ich grad sehe, dass du Angelika widersprochen hast.

 

Und wenn ich die Regel nun befolge, kommt aber sowas bei raus:

 

Er schleuderte den Stein nach dem Elfchen und streifte dessen Stirn. Es fiel mit Entsetzen im Blick zurück und Goncko konnte es bald weinen hören. Es krümmte sich und heulte unangenehm laut, worauf der Zwerg ein schlechtes Gewissen bekam und es ihm fürchterlich Leid tat, den Stein nach ihr (Fernkongruenz?) geworfen zu haben. „Hey! Du wirst es überleben.“

Sie heulte nur noch lauter.

„Elfchen? Nicht jammern.“

„Du Scheißehaufen!“, heulte sie.

 

Hm.. Irgendwie befriedigt das nicht. Ist da dann die Empfehlung einen Zwischensatz einzuflechten, um aus der Nahkongruenz eine Fernkongruenz herzustellen?

Quiddy

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Hi Quidam!

 

Zuerst mal eine rein theoretische Antwort, bezogen auf das hier behandelte Problem der Nah- und Fernkongruenz:

 

Ist da dann die Empfehlung einen Zwischensatz einzuflechten' date=' um aus der Nahkongruenz eine Fernkongruenz herzustellen?[/quote']

Nein. Da ist nichts einzuflechten. Eher zu streichen, nämlich die beiden rot markierten Wörter:

 

(...) und es ihm fürchterlich Leid tat, den Stein nach ihr geworfen zu haben. „Hey! Du wirst es überleben.“

Sie heulte nur noch lauter.

Damit hättest Du Dir eine wohlschmeckende Fernkongruenz gebacken. :s12

 

Und jetzt noch eine eher pragmatische Antwort: Mach aus dem "Elfchen" bittebitte eine "Elfe". Damit würde nicht zuletzt die gesamte hier diskutierte Problematik in Deinem Projekt hinfällig.

 

Schöne Grüße,

-Manuel

 

PS: Und noch eine letzte Bitte: "Schlüssel", "aufschlüsseln" etc. schreibt sich nicht mit "ß", sondern mit Doppel-S. Wie übrigens fast ausnahmslos alle Wörter mit intervokalischem stimmlosem S und kurzem erstem Vokal ("lassen", "hassen", "fassen", "Gosse", "Busse", "müssen" ...). Nimm's als Rat eines Sprachpedanten, gültig sowohl für alte wie auch neue Rechtschreibung. ;) So, und damit genug meiner Belehrungen. :-X

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Super, Manuel! Da hast du mich jetzt vor einer Menge Kopfschmerzen bewahrt. :)

Elfchen deshalb, damit sofort klar wird, dass es sich um ein kleines Ding handelt. Aber das kann ich ja auch anders darstellen.

 

Und noch eine letzte Bitte: "Schlüssel", "aufschlüsseln" etc. schreibt sich nicht mit "ß", sondern mit Doppel-S. Wie übrigens fast ausnahmslos alle Wörter mit intervokalischem stimmlosem S und kurzem erstem Vokal ("lassen", "hassen", "fassen", "Gosse", "Busse", "müssen" ...). Nimm's als Rat eines Sprachpedanten, gültig sowohl für alte wie auch neue Rechtschreibung. Zwinkernd So, und damit genug meiner Belehrungen.

 

Ich werde versuchen, mir das jetzt mal zu verinnerlichen. In meinen Geschichten bin ich so nachlässig, weil es Wort kringelt, aber in den Kommentaren überseh ich das leicht.

 

Danke für den Hinweis. Ich lasse mich gerne belehren!

 

Grüße

Quiddy

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Er schleuderte den Stein nach dem Elfchen und streifte dessen Stirn.

 

Ich hab zwar behauptet, ich würde nix mehr sagen, wenn schon eine AngelikaJo was gesagt hat, aber wenn es darum geht, ihre Erklärungen anzuwenden, mach ich eine Ausnahme... ;D

 

Für mich ist das obige Beispiel kein Fall von Nahkongruenz, weil nicht die Anzahl der Wörter dafür entscheidend ist, sondern das grammatische Konstrukt, in das sie sich einfügen.

 

Will heißen: Im obigen Fall ist der Satzbezug der zweiten Hälfte "und (er) streifte dessen Stirn" nicht mehr unmittelbar an das Elfchen geknüpft. Du könntest hier also (meiner Meinung nach) schon getrost "ihre Stirn" schreiben. Und entsprechend ab da mit "sie" weitermachen. Außer an Stellen, wo es eben wieder unmittelbar wird. (z.B. das Elfchen, dessen Nasenflügel bibberten..., s.o.)

 

Ansonsten bin auch ich unbedingt für "die Elfe", die sind doch eh schon klein, verniedlicht wird es kaum besser ;D.

 

Lieben Gruß

 

Ruth

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Ist da dann die Empfehlung einen Zwischensatz einzuflechten' date=' um aus der Nahkongruenz eine Fernkongruenz herzustellen?[/quote']Wenn es geht, sieh zu, dass ein Satz dazwischenliegt. Aber Manuels Vorschlag finde ich bei dem gegebenen Beispiel sehr gut.

 

Das Problem bei dieser Angelegenheit ist grundsätzlicher Natur und nie vollständig aufzulösen, weil die Grenzen fließend sind. Du wirst es nie jedem Recht machen können - alle Ratschläge beziehen sich also nur darauf, wie man möglichst wenigen Leser auf die Füße tritt, oder zumindest denen nicht, die am ehesten darauf achten und sich beschweren ;)

 Ich würde es im Zweifel immer vorziehen, wenn man so einen Fall ganz vermeiden kann - also, bevorzugt Bezüge setzen, bei denen sich grammatisches und natürliches Geschlecht nicht beißen.

 Ein zweites Problem ist, dass es dann auch noch einen Unterschied macht, wie "präsent" der Sexus des Objekts ist. Bei "Mädchen" erlebt man es sehr oft, dass Leser sich schon beschweren, wenn im selben Satz ein "es" vorkommt - weil viele eben gar kein Gespür für grammatische Bezüge haben und automatisch nur ein "sie" im Kopf behalten, sobald sie "Mädchen" lesen. Bei einem eher abstrakten Begriff wie "Elfchen", wo man als Leser schon mal nachdenken muss, um das natürliche Geschlecht wieder im Kopf zu haben, könnten Leser allerdings vermehrt auch bei längeren Bezügen über das "sie" stolpern und sich fragen, "welche sie?".

 Ich würde also beim "Elfchen" auf jeden Fall höhere Ansprüche an die Fernkongruenz stellen und länger beim grammatischen Geschlecht bleiben als bei einem "Mädchen". Aber das hat dann schon weniger mit Grammatik zu tun, als vielmehr mit konkreten Erfahrungen mit Leserreaktionen aus dem redaktionellen Alltag.

 

Als Lektor würde mir ein "Elfchen" mit vielen Bezügen darauf vermutlich ziemlich auf die Nerven gehen, weil man in jedem Fall umständlich rechnen und gucken und abwägen muss ;) Und sich dann auch noch überlegen, ob die Zielgruppe des Buches eher Bildzeitungsleser oder Deutschlehrer sind, denn da ist die Wahrnehmung des Phänomens auch noch mal eine ganz andere ...

Sinn ist keine Eigenschaft der Welt, sondern ein menschliches Bedürfnis (Richard David Precht)

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DAS Fräulein stand am Meere und seufzte, ach so bang -

Es rührte SIE so sehre, der Sonnenuntergang!

 

Ist das jetzt fern oder nah?

Da hab ich ja einen schönen Streit losgetreten mit meinem Kongruenzgefasel.

 

Und jetzt gehts mir eigentlich nur darum, dass nicht noch der Quidam in völlige Verwirrnis gestürzt wird, denn dein Sprachgefühl hat dich natürlich NICHT getrogen. Heißt in knappen Worten:

 

Ruth und Manuel - euch gebe ich beiden Recht: Da muss man keinen Zwischensatz einflechten, weil man syntaktische Bezüge sowieso nicht mit dem Meterstab nachmessen geht. Der "unmittelbare" Anschluss, wie Ruth sagt, ist da viel näher dran. Auch so was Äußerliches wie ein Punkt, den Spinner als Schnittstelle für das Fernere wünscht entscheidet nicht viel - guckt mal hier:

 

Es gab eine Zeit, in der ich Tag um Tag in eine Kirche ging, denn EIN Mädchen, in DAS ich mich verliebt hatte, betete dort kniend eine halbe Stunde am Abend, unterdessen ich SIE in Ruhe betrachten konnte." (Franz Kafka)

 

War Punkt? Ne. Äußerlich gesehen, sind es Artikel und Relativpronomen, die derart "nahe" am Bezugswort stehen, dass sie halt nun mal neutral bleiben. So ziemlich alles andere wird in moderneren Texten dem biologischen Sexus angepasst. Das hat nichts mit mangelndem Sprachgefühl zu tun, sondern eher mit gesellschaftlichen Veränderungen, die den Unterton - asexuelles Wesen ("'du liebes kleines Ding', lächelte er zu ihr hinunter") inzwischen hinter sich gebracht haben.

 

Von daher kann man es bewusst als Stilmittel einsetzen, um den Anschein des Antiquierten/Archaischen herzustellen. Grimms Märchen, Johanna Spyri, Gottfried Keller - da liefen die Schneewittchens, Heidis und Vrenelis seitenlang als ES durch die Texte. Schon bei Kafka - siehe oben - ist das wieder anders.

 

Aber auch dazu gibt es natürlich wieder Gegenbeispiele: Raabe hat es so gemacht, Fontane wieder anders... Ich denke, zum guten Teil wird damit tatsächlich ein bisschen der Ort gekennzeichnet, an den der Schreiber sich in jener gesellschaftlichen Frauen-/Frollein-/Frauchen-/Weibchen-Frage stellen will.

 

Zuguterletzt noch ein ganz anderer Gesichtspunkt: Quidam, dein Elfchen ist ja nicht nur eine kleine Elfe, sondern heißt auch so, nicht wahr? Das NAME verlangt nun aber wirklich kein neutrales ES. Die Mariechens und Dorles dürfen - außer vielleicht in einem abgelegenen Schweizer Bergdorf - schließlich auch alle als SIE durch die Welt gehen.

 

Grüße von Angelika (auch in unverheirateten Tagen nie ein "Fräulein" gewesen)

Laudatio auf eine kaukasische Kuh. Eichborn 2021. 

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Hallo Leute,

 

ich bin superbegeistert von euren Beiträgen und eurer Streitkultur! Obwohl da verschiedene Standpunkte sind, liest sich das alles sehr harmonisch und zu dieser Sache habt ihr mich alles andere als verwirrt. Im Gegenteil! Alles sehr einleuchtend und nachvollziehbar und jetzt muss ich einfach nur mein Gespür für diesen Bereich fein entwickeln.

 

Überdies kam mir natürlich auch der Gedanke, dass ich das Elfchen, pardon, die Elfe taufen könnte. Wobei es mir trotzdem darum geht, dem Problem nicht auszuweichen, sondern eben zu lösen. Wobei anscheinend die perfekte Lösung wohl das Ausweichen wäre. :)

 

Grüße

Quiddy

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Also um es mal ganz simpel zu hinterfragen...

 

Was ist das für ein Elfchen?

 

In meinen Augen gibt es nämlich männliche und weibliche Elfen. Du mußt nur wissen, was dein Elfchen ist. Dann kannst du von "ihr" oder von "ihm" schreiben. So würde ich das jedenfalls tun. Sie/Er hat doch sicher auch einen Namen, oder heißt sie/er den ganzen Roman lang nur Elfchen??

 

Herzlichst

Tanja

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Zuguterletzt noch ein ganz anderer Gesichtspunkt: Quidam' date=' dein Elfchen ist ja nicht nur eine kleine Elfe, sondern heißt auch so, nicht wahr? Das NAME verlangt nun aber wirklich kein neutrales ES. Die Mariechens und Dorles dürfen - außer vielleicht in einem abgelegenen Schweizer Bergdorf - schließlich auch alle als SIE durch die Welt gehen.[/quote']

 

Liebes Quidamchen :s22,

diese Lesart würde ich sehr unterstützen; genau der gleiche Gedanke ist mir auch gekommen. Elfchen heißt Elfchen wie Gretchen Gretchen heißt.

Liebe Grüße

Maaja

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Auch so was Äußerliches wie ein Punkt' date=' den Spinner als Schnittstelle für das Fernere wünscht[/quote']Ähm - entschuldigung ... Mein Zitat zu dem Punkt lautete:

Für eine saubere "Fernkongruenz" reicht ein einfacher Punkt auch nicht aus.
Und damit hatte ich Quidams "Sie fiel ... zurück" verworfen, obwohl ein Punkt dazwischenstand, weil der Bezug zwei Worte davor trotzdem zu nah war.

 Ich hatte ganz im Gegenteil das Gefühl, dass dein Verweis auf den "(Haupt-)satz" zu viel Augenmerk auf auf formale Marker lenkt. ;)

 

Im übrigen ist das ein Fall, wo man auch mit einem Verweis auf den Duden vorsichtig sein sollte. Denn da greift fürs Lektorat die Regel, "was ein großer Teil der Leser für falsch halten wird, ist auch falsch". Und das bedeutet im Zweifel, dass man die Grenzen der Regel nicht auslotet. Denn dem Leser ist im Zweifel egal, ob er nach langem Studium feststellen kann, dass man eine Schreibweise doch irgendwie begründen kann - wenn er es für falsch hält, wird er den Autor trotzdem für doof halten, den Verlag für schlampig und das bei seiner nächsten Kaufentscheidung berücksichtigen.

 Der erste Unterschied zwischen Uni und Praxis, den man mir als Schlussredakteur eingedrillt hat ;D

Sinn ist keine Eigenschaft der Welt, sondern ein menschliches Bedürfnis (Richard David Precht)

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Stimmt, Spinner:

 

Zitat von Angelika Jo am Heute um 20:50:

Auch so was Äußerliches wie ein Punkt, den Spinner als Schnittstelle für das Fernere wünscht

Ähm - entschuldigung ... Mein Zitat zu dem Punkt lautete:

Zitat:

Für eine saubere "Fernkongruenz" reicht ein einfacher Punkt auch nicht aus.

Und damit hatte ich Quidams "Sie fiel ... zurück" verworfen, obwohl ein Punkt dazwischenstand, weil der Bezug zwei Worte davor trotzdem zu nah war.

 Ich hatte ganz im Gegenteil das Gefühl, dass dein Verweis auf den "(Haupt-)satz" zu viel Augenmerk auf auf formale Marker lenkt.

 

Da hatt ich dich falsch gelesen - nehm ich gleich zurück.

 

Mit der Mehrzahl der Leser und dem Duden - ist das so? Dann werde ich nichts dran ändern können. Dir aber trotzdem den Weinrich sehr empfehlen wollen. Anders als die gewohnten Dudenbände ist die "Textgrammatik" weniger das klassische Nachschlagewerk, sondern geht viel begrifflicher vor. Dies in recht praktischer Orientierung an Texten aus der geschriebenen und gesprochenen Sprache.

 

Aber wahrscheinlich hast du sie eh auf dem Schreibtisch liegen.

 

Diminuitive Grüße

Angelika

Laudatio auf eine kaukasische Kuh. Eichborn 2021. 

Alicia jagt eine Mandarinente. dtv premium März 2018. Die Grammatik der Rennpferde. dtv premium Mai 2016

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