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Andrea S.

Infodropping

Empfohlene Beiträge

Alles eine Frage der Verpackung. Bestimmt kennt ihr diese Dialoge zwischen zwei Pathologen, die sich gegenseitig erklären, was Leukozyten sind? Ich liebe das! Einerseits ist es total hirnrissig, eben weil es Pathologen sind, die im Studium hoffentlich nicht bloß geschlafen haben. Andererseit braucht der Zuschauer die Info aber, um dem Gang der Dinge folgen zu können. Das wird dann aufgemotzt, indem sich die Figuren gegenseitig das Wort aus dem Mund nehmen und sich anstarren, als hätten sie eben das Ei des Kolumbus entdeckt. Und am Ende rennt einer mit flatternden Rockschößen zum nächsten Termin. Eigentlich banal, aber es funktioniert immer wieder.

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5. bedeutet ja: Ich muss es dem Leser nicht explizit sagen. Ich muss nicht sagen: Hey, Leser, das ist eins von den verdammten Elfensicherheitsschlössern, die nur mit Magie und Spucke zu knacken sind, wenn man den elften Grad Schlossermeister getrunken hat.

 

@Petra: Da regt sich mein Widerspruchsgeist - ich ging in meinem Beispiel davon aus, dass die TECHNIK des Schlosses handlungsrelevant ist.

Das hier ist zwar traumhaft formuliert  :) :), entspricht aber meiner Meinung nach der Lösung 2,

 

Ich lass den Protagonisten vergeblich herumfummeln, schwitzen, den Meißel abbrechen, womöglich noch Schlossermeister trinken...

 

die bei der ich den Protagonisten fluchend an dem Dings herumwerkeln und dabei - unter Verwendung nicht zitierbarer Ausdrücke  - die Funktion des Schlosses beschreiben lasse.

 

Ansonsten ist Deine kleine Szene ein erheiternde Fundgrube an Informationen, die überhaupt nicht aufdringlich rüberkommen.

 

Gruß

Anna

Neu: Das Gold der Raben. Bald: Doppelband Die Spionin im Kurbad und Pantoufle

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(Peter_Dobrovka)

vermutlich ist eines der Probleme beim Info-Dropping die Tatsache, dass wir eine komplexe Welt erschaffen, die außer uns kein Schwein kennt. Und das wollen wir natürlich ändern! Und wenn wir uns nun ausgedacht haben, dass Fredi seit drei Jahren eine Frauenarztpraxis in der Kaiserstraße hat, dann fragen wir uns: wie kriegen wir das jetzt unter?

Das unterschreibe ich sofort.

 

Tatsache ist aber, dass das vermutlich keiner wissen muss. Wie im echten Leben.

Dem wiederum widerspreche ich. Ich merke es immer wieder, daß der Durst von Lesern nach Details wie ein Faß ohne Boden ist.

Ich widerspreche dem nicht völlig, denn in der Tat gibt es tatsächlich Dinge, die der Autor für relevant oder interessant hält, der Leser aber nicht. Aber oft genug ist es wirklich rein die Art der Vermittlung und der richtige Zeitpunkt im Text, die darüber entscheiden. Wer diese Kunst beherrscht, schafft es auch, den Leser mit Banalitäten zu fesseln.

Und siehe da, was du selbst nur wenige Zeilen weiter schreibst:

(Mich würde die Kloform übrigens schon interessieren, liebe Charlie, aber vielleicht tatsächlich eher per PN als in Buchform...)

Ich sage: Wenn dich sowas interessiert und du liest es im Buch, wo dein Interesse sogleich nach dem Wecken (Erwähnung) befriedigt wird, ist das sehr gut so.

 

Das ist vielleicht ein Trick: die Textwelt so behandeln, als wären alle Leser Nachbarn. Der Mensch ist eine "sense-making machine", das können wir als Autor gnadenlos in Anspruch nehmen!

Das hab ich jetzt nicht verstanden. Wie behandelst du denn deine Nachbarn? Und, äh ... WAS können wir in Anspruch nehmen?

 

Ich glaube, manchmal kann diese selbst erschaffene Welt unsere Mitteilsamkeit noch stärker anstacheln als eine gut recherchierte. Obwohl das natürlich auch eine klassische Falle ist. Die ganze Mühe soll ja nicht umsonst gewesen sein!

Wie gesagt, treffen sich hier der Wunsch des Autors und des Lesers in der Regel.

 

Ideal für Informationsvermittlung ist eine Figurenkonstellation, wo einer den gleichen Wissensstand wie der Leser hat! Klassisches Beispiel: Grade eingeführter Ich-Erzähler trifft im Café eine aufregende Frau, der er sein Leben erzählen kann.

Zweifellos.

 

Bei auktorialen Einschüben stellen sich bei mir persönlich nicht die Nackenhaare hoch, neulich hab ich allerding eine Textstelle gelesen, wo dann die Figur auf solch einen Einschub reagiert hat.  :o Also ungefähr: Er hatte schon jahrelang nicht mehr an sie gedacht. "Tatsächlich", murmelte er "wieso eigentlich nicht?"

 

Das ist jetzt natürlich übertrieben, aber die Stelle zeugte schon irgendwie davon, dass der Autor den Überblick über seine Techniken verloren hatte.

Inwiefern jetzt?

 

Ansonsten denke ich auch, dass es sehr genreabhängig ist, wie man Infos unterbringt bzw. über welche Welt man schreibt. Welche Supermacht nun welche Zauberkräfte zur Verfügung hat, will man vielleicht wirklich lieber mal erwähnen, als es zu zeigen, weil dann kein Mensch (oder kein Elf, Android, Cyborg und wat nich all jibt) überleben würde.  :s22

Und für den Atomkrieg, vor dem wir uns alle jahrzehntelang fürchteten, gilt das nicht?

 

Peter

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Peter,

 

meine Nachbarn behandle ich als Menschen mit einer ähnlichen Ortkenntnis wie meine eigene.

 

Deine letzten beiden Fragen verstehe ich nicht.

 

Wenn eine Figur auf einen Kommentar des Autors direkt reagiert gibt es schon ein technisches Problem, oder? (außer bei meinen Texten, ich mache sowas nämlich mit Absicht, aber das ist was anderes...)

 

Und der Atomkrieg? Hä?

 

Willst du wissen, ob es interessant sein kann, wenn alle tot sind? Ja, sicher, aber ich schätze die meisten Fantasy-Romane so ein, dass sie nicht darauf hinaus wollen und eben deswegen die Superkräfte nur erwähnt werden.

 

Oder reden wir jetzt aneinander vorbei?!

 

leicht verwirrt

 

Ruth

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(Peter_Dobrovka)
Hm, also während ich bei der Frauenarztpraxis in der Kaiserstraße ganz klar die schlichte Infoverpackung im Erzähltext besser fand, gefällt mir bei dem Drachenreiterbeispiel die Dialoglösung viel besser. Der Erzähltext ist zu trocken und könnte fast aus einem Geschichtsbuch sein - so was langweilt mich in Romanen; da bin ich lieber live dabei  ;)

Also DEN Einwand find ich jetzt sehr interessant. Ich weiß gar nicht, was ich darauf antworten soll. Auf jeden Fall muß ich der Versuchung widerstehen, mit neunundneunzig Argumenten belegen zu wollen, warum du unrecht hast, denn wenn du das so empfindest, dann ist das eben so.

 

Peter

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@PeterD.:

Genau  :)

Mir ist natürlich klar, dass der Dialog ein wenig aufgesetzt wirkt (sorry Ruth, ist nicht böse gemeint, ist aber doch das Thema hier, oder?), aber das ließe sich durch etwas Bearbeitung noch verbessern. Der Erzähltext hat mich dagegen an eine äußerst langweilige Schlachtbeschreibung erinnert, die mir mal untergekommen ist. Anstatt, dass mir da die Kanonenkugeln beängstigend um die Ohren gepfiffen wären, wurde mir dröge erklärt, welcher Heeresteil gerade welches Manöver durchführt *schnarch* Seitdem reagiere ich auf solche trockenen Stellen allergisch.

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(Peter_Dobrovka)

meine Nachbarn behandle ich als Menschen mit einer ähnlichen Ortkenntnis wie meine eigene.

Also so tun, als wüßten sie dieses und jenes schon, und es deshalb nicht erwähnen, und sie die Lücken mit ihrer Phantasie füllen lassen?

 

Deine letzten beiden Fragen verstehe ich nicht.

 

Wenn eine Figur auf einen Kommentar des Autors direkt reagiert gibt es schon ein technisches Problem, oder? (außer bei meinen Texten, ich mache sowas nämlich mit Absicht, aber das ist was anderes...)

Ich sehe dein Beispiel gar nicht als einen auktorialen Einschub, sondern als einen Gedanken der Figur, der sich halt im Erzähltext manifestiert. Schließlich weiß er ja, daß er seit Jahren nicht an sie gedacht hat.

Aber das führt jetzt vom Thema weg.

 

Und der Atomkrieg? Hä?

 

Willst du wissen, ob es interessant sein kann, wenn alle tot sind? Ja, sicher, aber ich schätze die meisten Fantasy-Romane so ein, dass sie nicht darauf hinaus wollen und eben deswegen die Superkräfte nur erwähnt werden.

Mir ging es um die von dir postulierte Genreabhängigkeit, die ich damit nicht so recht belegt sehe.

Das wäre mal einen neuen Thread wert ...

 

Peter

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Hm, also während ich bei der Frauenarztpraxis in der Kaiserstraße ganz klar die schlichte Infoverpackung im Erzähltext besser fand, gefällt mir bei dem Drachenreiterbeispiel die Dialoglösung viel besser. Der Erzähltext ist zu trocken und könnte fast aus einem Geschichtsbuch sein - so was langweilt mich in Romanen; da bin ich lieber live dabei ;)

Also DEN Einwand find ich jetzt sehr interessant. Ich weiß gar nicht, was ich darauf antworten soll. Auf jeden Fall muß ich der Versuchung widerstehen, mit neunundneunzig Argumenten belegen zu wollen, warum du unrecht hast, denn wenn du das so empfindest, dann ist das eben so.

 

Peter

 

Bitte liste doch wenigstens zwei auf oder so, denn ich empfinde es genauso.

 

Außerdem, und das ist sicher auch eine Genre-Frage, behandel ich die Leser tatsächlich wie meine Nachbarn. Ich muss keine Welt erklären, was aber daran liegt, dass ich kein Fantasy schreibe sondern Krimis, die in der Stadt spielen, in der meine Nachbarn wohnen.

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Live dabei zu sein kann man sich in Romanen einfach nicht leisten, weil Platz in der Regel ein rares Gut ist.

Wenn man alle relevate Information in Handlungen verpacken möchte, sprengt man möglicherweise recht schnell den veröffentlichbaren Rahmen.

 

Beschreibende Einschübe sind auch nicht grundsätzlich langweilig. Es kommt immer darauf an, wie fesselnd man sie schreibt.

Peters erzählendes Beispiel ist da vielleicht nicht gerade der Hit, aber der Dialog wirkt noch viel gequälter, weil weder Mensch noch Drache noch wasweißich für ein Wesen sich so unterhalten würde.

 

Genau dieser Infodropping-Dialog war der Auslöser, warum ich die Diskussion begonnen habe (danke D.).

 

Gruß

Anna

Neu: Das Gold der Raben. Bald: Doppelband Die Spionin im Kurbad und Pantoufle

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(Peter_Dobrovka)

Mir ist natürlich klar, dass der Dialog ein wenig aufgesetzt wirkt

Ok.

 

aber das ließe sich durch etwas Bearbeitung noch verbessern.

Wahrscheinlich. Z.B., indem man einen Streit oder sowas konstruiert. Aber dann würde er wahrscheinlich auch um ein Vielfaches länger. Und ich wollte an dieser Stelle nicht mehr Worte um diese Sache serviert bekommen.

 

Auch eine Gefahr, wenn man kleine narrative Passagen immer und um jeden Preis auflösen möchte: Man bläht den Text auf. (Siehe Diskussionen Narrativ vs. Szenisch der letzten Wochen)

 

Der Erzähltext hat mich dagegen an eine äußerst langweilige Schlachtbeschreibung erinnert, die mir mal untergekommen ist. Anstatt, dass mir da die Kanonenkugeln beängstigend um die Ohren gepfiffen wären, wurde mir dröge erklärt, welcher Heeresteil gerade welches Manöver durchführt *schnarch* Seitdem reagiere ich auf solche trockenen Stellen allergisch.

Ja, aber das sind hier doch nur sechs Zeilen!

Und sie handeln auch im Dialog nicht von etwas, das gerade stattfindet. was stattfindet, ist der Ritt durch die Nacht.

Es wird off topic. Wir kommen da - wie gesagt - an die Frage narrativ vs. szenisch. Dieses ganze Inquisitions- und Kreuzzug-Geschehen bräuchte für die Show don't Tell-Variante sicher mindestens 50 Seiten. Und darin müßten auch weder Dinge erwähnt werden, die man entweder narrativ erwähnt oder ...

Verdammt, jetzt muß ich an Clive Barker denken: Nichts beginnt jemals.

 

Peter

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Mit freundlicher Genehmigung des Autors hier ein echtes Beispiel für einen Infodrop-Dialog.

Das ist ganz am Anfang des Buches, es wurde gerade eine nächtliche Szenerie mit Vollmond beschrieben, Drachenreiter fliegen vorbei, einer davon wurde näher beschrieben, und dann:

  >Graf Adolar,> erklangen Worte im Kopf des Mannes, >seid ihr sicher, dass Waldstadt als Treffpunkt geheim genug ist?<

  Auf Graf Adolars bleiches Gesicht legte sich ein Lächeln als er in den Wind antwortete.

  „Ylinnx, Waldstadt ist ein kleines und unbedeutendes Dorf. Ich wüsste nicht, was der dunkle Imperator und seine Inquisition dort suchen sollten. Seine Kreuzzüge im Süden Windorans halten seine Aufmerksamkeit gefesselt.“ sagte er. Der Kopf des Drachens wog sich bedächtig, als er antwortete.

  >Ich weiß nicht. Ich traue der Inquisition nicht. Und wenn das Treffen nun eine Falle ist?<

  „Dann wird das ein verdammt kurzes Treffen.“

So, und nun das ganze in den Erzähltext gepackt:

Graf Adolar und seine Truppe waren unterwegs nach Waldstadt, einem kleinen Dorf, das unbedeutend genug war, um als geheimer Treffpunkt in Frage zu kommen. Der Imperator und seine Inquisition hatten nicht die Mittel, sich um kleinere Ortschaften zu kümmern, die Kreuzzüge im Süden Windorans hielten ihre Aufmerksamkeit gefesselt.

Natürlich bestand immer noch die Möglichkeit, daß das Treffen eine Falle war, aber dieses Risiko mußte Adolar eingehen.

 

Stört das jemanden?

 

Nein, weil da die Infos nicht so aufgesetzt wirken wie im Dialog. Sind zwar auch reichlich viele auf einmal, aber das ist ja nur ein Beispiel; in einem richtigen Text würde man das ja entsprechend ausarbeiten.

Und wenn diese Erklärungen während einer interessanten Handlung stattfinden, sind sie auch nicht trocken.

 

LG

Maren

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Mal abgesehen von den Feinheiten des Textes (beider Szenen) ... ich bin immer noch für den Dialog und ich versteh eure Argumente nicht.

 

Vielleicht liest Du Dir mal den Beginn dieses Threads durch. Da haben ich das Problem Infodropping in Dialogen an einem anderen Beispiel gezeigt.

 

Klammert Euch bitte jetzt nicht an dem Drachenreiter-Beispiel fest. Um das geht es nämlich nicht.

 

Gruß

Anna

Neu: Das Gold der Raben. Bald: Doppelband Die Spionin im Kurbad und Pantoufle

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(Peter_Dobrovka)

Bitte liste doch wenigstens zwei auf oder so, denn ich empfinde es genauso.

Nur für's Protokoll:

- Beide Texte (Dialogform und Erzähltext) sind gleich lang.

- Beide Texte transportieren dieselben Informationen.

- Beim Dialog ist man genauso wenig live dabei.

- Der Erzähltext ist zu kurz, um zu langweilen.

 

Außerdem, und das ist sicher auch eine Genre-Frage, behandel ich die Leser tatsächlich wie meine Nachbarn. Ich muss keine Welt erklären, was aber daran liegt, dass ich kein Fantasy schreibe sondern Krimis, die in der Stadt spielen, in der meine Nachbarn wohnen.

Na gut, und wenn es eine Stadt wäre, in der sie nicht wohnen, wäre es immer noch eine deutsche Stadt, und die sehen bekanntlich alle gleich aus. :s22

 

Die Fantasy-Welt muß man allerdings auch nicht unbedingt erklären, da inzwischen das Kino viele Bilder vorgefertigt hat und die Vorstellungen sehr tief prägt.

 

Was ich gerade übrigens mache: Ich schreibe einen Roman über Zwerge, die unterirdisch hausen. Obgleich sowohl die als auch deren Welt einigermaßen anders aussehen als ... sagen wir mal Köln (hehe), tue ich beim Schreiben so, als schriebe ich über ganz normale Menschen in einer ganz gewöhnlichen Stadt, bzw. ich tue so, als sei ich selbst ein Zwerg und meine Leser auch Zwerge, und so entfallen sehr viele Erklärungen und Beschreibungen einfach, der Leser muß sich das nach und nach zusammenreimen. Ich lasse ihn damit keinesfalls im Dunkeln tappen, aber bis er sich das erste Mal ein wirklich konkretes Bild vom Aussehen eines Zwerges machen kann, dauert es bis Seite 160, denn erst ab da kommt ein Nicht-Zwerg ins Spiel und indem ich dann DEN durch die Augen eines Zwerges beschreibe, kann man rückschließen, wie er selbst wohl aussehen mag.

 

Peter

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(Peter_Dobrovka)
Mal abgesehen von den Feinheiten des Textes (beider Szenen) ... ich bin immer noch für den Dialog und ich versteh eure Argumente nicht.

 

Vielleicht liest Du Dir mal den Beginn dieses Threads durch. Da haben ich das Problem Infodropping in Dialogen an einem anderen Beispiel gezeigt.

 

Klammert Euch bitte jetzt nicht an dem Drachenreiter-Beispiel fest. Um das geht es nämlich nicht.

 

Gruß

Anna

Da muß ich jetzt was einwerfen.

Ich meine, ich hätte heute schon mal irgendwo was darüber geschrieben, daß die menschliche Denkweise von Beispielen lebt, deswegen ist es kein Wunder, daß das bisher einzige Beispiel, wo Infodrop-Dialog und Alternative verglichen werden, begierig aufgesogen wird.

Wobei ich jetzt erst checke, daß Ulli Danielas Ansicht teilt und nicht meine.  :s03

 

Okay ihr zwei, ich greife dann jetzt mal Annas Urbeispiel auf:

 

 

 

„Guten Morgen, Irene. Wir gehen jetzt in den Supermarkt, der drei Starßen rechts von hier liegt und in dem gestern der Kassierer überfallen wurde.“

„Hallo Igor. Ja, das machen wir, obwohl die Polizei ja noch keine heißen Spuren hat, wie es heute morgen in der Zeiung hieß, die mir die Nachbarin, deren Neffe einen äußerst verdächtigen Eindruck macht, unter der Tür durchgeschoben hat.“

 

Umwandlung des Infodrops in Erzähltext:

„Guten Morgen, Irene."

„Hallo Igor."

"Wir gehen jetzt in den Supermarkt."

Irene überlegte einen Moment. Igor meinte mit Sicherheit den Supermarkt drei Straßen weiter rechts, da ging er immer hin. Gestern war dort der Kassierer überfallen worden. In der Zeitung, die ihre Nachbarin ihr komischerweise unter der Tür durchgeschoben hatte, stand, daß die Polizei noch keine heiße Spur hatte. Warum hatte die Nachbarin das gemacht? Ihr Neffe machte einen verdächtigen Eindruck.

"Ja, das machen wir", sagte Irene schließlich.

 

Mal abgesehen davon, daß das inhaltlich ein Graus in Reinkultur ist (hehe), gehe ich mal davon aus, daß euch auch hier der Dialog besser gefällt ...?

 

Peter

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Alles eine Frage der Verpackung. Bestimmt kennt ihr diese Dialoge zwischen zwei Pathologen, die sich gegenseitig erklären, was Leukozyten sind? Ich liebe das! Einerseits ist es total hirnrissig, eben weil es Pathologen sind, die im Studium hoffentlich nicht bloß geschlafen haben. Andererseit braucht der Zuschauer die Info aber, um dem Gang der Dinge folgen zu können. Das wird dann aufgemotzt, indem sich die Figuren gegenseitig das Wort aus dem Mund nehmen und sich anstarren, als hätten sie eben das Ei des Kolumbus entdeckt. Und am Ende rennt einer mit flatternden Rockschößen zum nächsten Termin. Eigentlich banal, aber es funktioniert immer wieder.

Ja, daran muss ich auch immer denken, wenn von gestellten Dialoge die Rede ist. Die legendären CSI-Dialoge im Labor ("Was machst du denn da mit dem fluoreszierenden Licht?" - "Das zeigt alle Blutspuren!" - "Ich dachte schon, du wolltest Disco-Atmosphäre schaffen." - "Tote tanzen nicht!", er setzt seine Sonnenbrille ab, die Titelmusik haut rein). Es ist wirklich komplett hirnrissig und sollte nicht als Vorbild dienen, sondern eher als abschreckendes Beispiel.

Da ist die Flüchtigkeit des Mediums Film aber auch ein Vorteil. Die Dialoge sind dort ja in schicke Bilder verpackt, die von schönen Menschen gesprochen werden und im Bilderwust nicht sonderlich herausstechen. Dem Zuschauer fällt das gar nicht so auf.

Während die nackten Worte in einem Text (Dialoge nehmen ja auch viel Platz ein und damit Lesezeit) in ihrer Hirnrissigkeit viel eher ins Auge stechen. Dort übersetzt der Leser die Buchstaben ja in gesprochene Worte und fragt sich dann viel leichter: "Würde der Typ das wirklich fragen?", während das Fernsehen darauf die einfache Antwort bereithält: "Du siehst doch gerade, dass er es gefragt hat, oder?"

 

Gruß

Peter

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Mal abgesehen von den Feinheiten des Textes (beider Szenen) ... ich bin immer noch für den Dialog und ich versteh eure Argumente nicht.

 

Vielleicht liest Du Dir mal den Beginn dieses Threads durch. Da haben ich das Problem Infodropping in Dialogen an einem anderen Beispiel gezeigt.

 

Klammert Euch bitte jetzt nicht an dem Drachenreiter-Beispiel fest. Um das geht es nämlich nicht.

 

Gruß

Anna

 

Mir ging es aber in meinem Post darum. Seis drum. Mir ging es darum, dass man es nicht GRUNDSÄTZLICH sagen kann. Es kommt (auch) auf das Genre, den Verfasser, den Text und weiß der Teufel noch was an. Und bei dem Drachenbeispiel gefiel MIR der Dialog besser.

Weil ich ihn NUR als Leser gelesen habe (beide Beispiele). Und ich auf Dialoge und schnelle Szenen stehe. Isso.

Vielleicht sieht es ja mein Nachbar anders.  ;D

 

Da muß ich jetzt was einwerfen.

Ich meine, ich hätte heute schon mal irgendwo was darüber geschrieben, daß die menschliche Denkweise von Beispielen lebt, deswegen ist es kein Wunder, daß das bisher einzige Beispiel, wo Infodrop-Dialog und Alternative verglichen werden, begierig aufgesogen wird.

Wobei ich jetzt erst checke, daß Ulli Danielas Ansicht teilt und nicht meine.  :s03

 

Okay ihr zwei, ich greife dann jetzt mal Annas Urbeispiel auf:

 

 

 

„Guten Morgen, Irene. Wir gehen jetzt in den Supermarkt, der drei Starßen rechts von hier liegt und in dem gestern der Kassierer überfallen wurde.“

„Hallo Igor. Ja, das machen wir, obwohl die Polizei ja noch keine heißen Spuren hat, wie es heute morgen in der Zeiung hieß, die mir die Nachbarin, deren Neffe einen äußerst verdächtigen Eindruck macht, unter der Tür durchgeschoben hat.“

 

Umwandlung des Infodrops in Erzähltext:

„Guten Morgen, Irene."

„Hallo Igor."

"Wir gehen jetzt in den Supermarkt."

Irene überlegte einen Moment. Igor meinte mit Sicherheit den Supermarkt drei Straßen weiter rechts, da ging er immer hin. Gestern war dort der Kassierer überfallen worden. In der Zeitung, die ihre Nachbarin ihr komischerweise unter der Tür durchgeschoben hatte, stand, daß die Polizei noch keine heiße Spur hatte. Warum hatte die Nachbarin das gemacht? Ihr Neffe machte einen verdächtigen Eindruck.

"Ja, das machen wir", sagte Irene schließlich.

 

Mal abgesehen davon, daß das inhaltlich ein Graus in Reinkultur ist (hehe), gehe ich mal davon aus, daß euch auch hier der Dialog besser gefällt ...?

 

Peter

 

Ne, Peter, der erste Dialog war ein Graus, hatte ich aber irgendwo erwähnt. Aber das liegt am WIE und nicht am ÜBERHAUPT. Vielleicht steh ich auf dem Schlauch, aber ich hatte die Frage so verstanden: wie mach ich Info-Dropping? Dialog kann sehr trist, blöd, schwachsinig sein. Was dann? Erzähler? Und wie mach ich den Erzähler wenn ich in der ersten Person schreibe?

So hatte ich das verstanden. Mag sein, dass ich noch zu neu hier bin oder plötzlich blond oder grundsätzlich was missverstehe.  

 

 

 

Habe deine Frage per PN beantwortet und für dich die QUOTEs korrigiert (pd)

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Du hast durchaus alles richtig verstanden, Ulli, du hast halt nur eine andere Meinung.

Wie würdest du es denn machen?

Bring dich ein!

 

Peter

 

 

Na, hab ich ja schon gesagt.

Es kommt auf die Szenen an. Am Anfang meiner Laufbahn als Autorin (Oh Gott, wie das klingt .. gräßlich ... sagen wir einfach .. öh .. früher, unerfahrener) hab ich den schrecklichen Fehler Info-Dropping per Dialog verbrochen. Ziemlich exessiv. Und furchtbar betriebsblind.

Ich hab ja schon im dem "Geseiere oder Gelabbere" Thread gelesen, dass man alte Themen nicht wiederholen soll und tu mich hier als Neuling doch etwas schwer damit wie was sagen was nicht schon tausendmal vorher gesagt wurde. Mit zwei Abgabedaten im Nacken tu ich mich noch schwerer damit alles im Archiv zu durchforsten.

Ich schätze mal, man muss irgendwann tatsächlich lernen welche Methode für die jeweilige Szene richtig ist. Mal Dialog (aber dann nicht hölzern "Wie geht es dir?" "Gut! Und dir?" "Auch gut. Nur ..." .. sondern: "Himmel, siehst du Scheiße aus. Ist was passiert?" "Du siehst dafür aber Klasse aus. Trotz gestern Abend ... ich hab noch Kopfschmerzen. War wohl ein Chateau Migräne." "Ja. Klasse? Naja, was Zähneputzen so ausmacht ..")

Mal Erzähler: Peter musterte sein Gegenüber. Der Abend war heftig, irgendwie. Nach der Lesung hatte der Winzer sie noch in sein Büro zu einer privaten Weinlese eingeladen. Beide langten kräftig zu. Peter hatte im Gegensatz zu Ulli aber das fettige Essen vorher nicht verschmäht und somit eine gute Grundlage. Das machte sich jetzt bezahlt.

 

Ich seh immer noch nicht, wie ich das richtig mache hier, aber ich bin durchaus lernfähig .. und vielleicht eine eifachere Handhabe aus meinem Forum gewöhnt.

 

LG

 

Ulli

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Ich schätze mal, man muss irgendwann tatsächlich lernen welche Methode für die jeweilige Szene richtig ist.

 

So ist es natürlich. Es kommt ja auch auf die Relevanz und die zeitliche Notwendigkeit an, die die Information hat.

Und wie man sieht, kann man bei der Vermittlung von Fakten nicht nur im Dialog, sondern auch in der szenischen oder in der erzählenden Form nerven.

 

Das Problem liegt überwiegend darin, dass der Autor detailverliebt ist oder kein Gespür fürs timing hat, vermute ich.

 

Und wie mach ich den Erzähler wenn ich in der ersten Person schreibe?

 

Das hier ist allerdings ein ganz spezielles Thema, das man vielleicht auch noch mal beleuchten sollte. Denn dem (personalen) Ich-Erzähler stehen nun mal auktoriale Einschübe nicht wirklich zur Verfügung.

 

Irgendwer Vorschläge?

 

Gruß

Anna

Neu: Das Gold der Raben. Bald: Doppelband Die Spionin im Kurbad und Pantoufle

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Auch beim Ich-Erzähler könnte man auf Dialoge / Telefonate zurückgreifen, aber die Balance zwischen der Infomenge und der Glaubwürdigkeit des Dialogs muss gegeben sein.

Wie wäre es mit Zeitung, TV, Nachrichten im Radio? Heutzutage kann man auch wunderbar im Internet recherchieren. Wenn der Roman heute spielt, bei den historischen Romanen ist es ungleich schwieriger (weiße Brieftauben? ;))

 

Des TVs habe ich mich bedient in meinem Zukunftsroman, in dem er zur vollen Stunde Schlagzeilen und Werbung durch die Gegend plärrt, die wunderbar kurz, knapp, aber eindeutig die Gesellschaft, die ich mir ausgedacht habe, charakterisieren.

Liebe Grüße, Susanne

 

"Books! The best weapons in the world!" (The Doctor)

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Das hat sich jetzt mit Susannes Beitrag überschnitten.

 

Bei den Ich-Erzählern ist das auch kein allzu großes Problem. Ein Beispiel:

 

Er belauscht ein Gespräch, versteht nicht so recht, um was es geht. Aber da war doch was ... Da fällt ihm ein, daß er vor einem Monat einen bestimmten Zeitungsartikel darüber gelesen hat.

Er überlegt, was da drin stand, er sucht sich den Artikel im Internet oder verschafft sich anderweitig das Wissen, das er dringend braucht ... Und schon kann man, noch während die Person unterwegs ist, häppchenweise Informationen einbauen.

Obendrein könnte er sich noch mit anderen Leuten darüber austauschen, oder er reflektiert (hoffentlich nicht seitenlang!) ;D

 

Helene

Helene Luise Köppel LESEN hält wach - garantiert! Aktuelle Romane: "Töchter des Teufels" (6 Katharerromane), Neu: "Knotenstricker" (Thriller)

                                         

                                 

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Beim Ich-Erzähler stellt sich das Problem doch so gar nicht. Der Ich-Erzähler ist ja meistens ein wirklicher Erzähler, d.h., alles, was er für wichtig, interessant oder irgendwie zur Sache gehörig befindet, kann er dem Leser mitteilen, ohne irgendeinen Aufhänger dafür zu brauchen. Er bedindet sich ja sozusagen in einem dauerhaften (wenn auch etwas einseitigem) Dialog mit dem Leser. Wichtig ist dabei, wo die Erzählgegenwart des Ich-Erzählers liegt und ob die Information ihm da zur Verfügung steht.

 

Ich habe den Thread gerade erst gefunden, deshalb nur ganz kurz:

Der Drachenreiter-Dialog ist deswegen besser und riecht weniger nach Infodropping, weil die beteiligten Personen einen Grund haben, sich über das Thema zu unterhalten. Bei dem Supermarkt-Gespräch aus dem Anfangsbeispiel ist der Grund eher an den Haaren herbeigezogen. Ich plädiere darum dafür, Informationen dann einzuführen, wenn sie für die handelnden Personen (vor allem Perspektiventräger) im Buch wichtig und interessant sind. Dann werden sie dem Leser auch nicht als überflüssig oder aus dem Rahmen fallend auffallen. Ob das dann in Form eines Dialogs, im Kopf eines Perspektiventrägers oder auktorial durch den Erzähler passiert, ist eher Geschmacksache und hat was mit dem Erzählstil des Textes zu tun.

 

Gruß,

Capella

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Und wie man sieht, kann man bei der Vermittlung von Fakten nicht nur im Dialog, sondern auch in der szenischen oder in der erzählenden Form nerven.

 

Das Problem liegt überwiegend darin, dass der Autor detailverliebt ist oder kein Gespür fürs timing hat, vermute ich.

 

 

Auch wenn's ja schon mehrmals gesagt worden ist, kann ich diese Zusammenfassung von Anna gar nicht dick genug herausstreichen.

Informationen, die ueberfluessig sind, die dem Leser keinen Platz lassen, nerven, gleichgueltig, ob sie in Dialog, Erzaehltext, Schlagzeileneinschub, Gedankenblase oder oder oder praesentiert werden.

 

Zweifellos sind wir hier schon bei Geschmacksfragen - trotzdem: Die Loesung in meiner Frauenarztfrage, die Peter beispielsweise elegant findet, erlebe ich als so unelegant wie meine Trampelfuesse in Pumps. Zum einen weil sie zwar krampfig versucht, das Handwerkzeug zu verstecken, aber dennoch lautstark damit klappert (deshalb hatte ich das uebertriebene Jahrhundertanfang-Beispiel gebracht, das zumindest zu der Klapperei steht). Zum anderen, weil dieses eigene Zusammensetzen von Hinweisen, das mehrere hier im Thread schoen vorgefuehrt haben, ein so viel reizvolleres Erlebnis bietet, das ich als muendiger Leser vom Autor verlange. Wenn da in einer ganz anderen Szene (siehe Annas Gespuer fuers Timing) eine Frau auf dem gynaekologischen Stuhl sitzt und von ihren Schmerzen an den Eierstoecken berichtet, werde ich schon merken, dass Fredi nicht Zahnarzt ist.

 

Hier geht es auch um ein Ernstnehmen des Lesers, finde ich. Darum, den Leser auswaehlen zu lassen. Meine Frauenarztpraxis in der Kaiserstrasse ist in meinen Augen keineswegs eine elegante, sondern eine einfache, billige Loesung. Etwa wie ein Tafelbild in Klassenstufe Eins: Ich schreib euch die Liste der Waldvoegel an, ihr schreibt die ab, und dann koennt ihr die.

Natuerlich wird von der Vogelliste niemand sonderlich beeindruckt sein, und vermutlich sind's die wenigsten, die sich ein bis zwei Namen merken.

Das Risiko einzugehen, stattdessen samt Erstklaesslern durch den Wald zu marschieren und den einen Vogel, der zufaellig auftaucht, zu einem unvergesslichen Erlebnis zu machen (sowie in Kauf zu nehmen, dass Kinder im siebenten Lebensjahr dann eben vorlaeufig ohne den Rest der Vogelnamen auskommen muessen), halte ich fuer klueger, fairer und deutlich eleganter.

 

Gruesse von Charlie.

"Der soll was anderes kaufen. Kann der nicht Paris kaufen? Ach nein, in Paris regnet's ja jetzt auch."

Ararat - "Und sie sollen nicht vergessen sein" Knaur, 1. März 2016. www.charlotte-lyne.com

 

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