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Andrea S.

Sind Rückblenden zu verdammen?

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Gerade habe ich gelernt - und ich lerne in diesem Forum verflixt viel dazu - dass Rückblenden mit gerümpfter Nase betrachtet werden.

Ich habe bisher weder Berührungsängste dazu gehabt, noch hätten sie mich jemals in einer Geschichte gestört. Außerdem hat mir weder Agent noch Lektor noch Leser jemals zu verstehen gegeben, dass sie lästig oder unelegant seien.

(Ich habe aber auch bisher noch keine Schreibratgeber gelesen ;))

 

Ich hantiere derzeit mit fünf Erzählsträngen über einen Zeitraum von 35 Jahren.

Da ich nur 750 NS schreiben darf, kann ich eben nicht anders, als in Rückblenden arbeiten - sonst schreibe ich 35 Jahre an dem Ding und der Leser liest 35 Jahre an dem Roman.

 

Also verwende ich Zeitraffer mit Rückblenden.

 

Richtig ist bestimmt, dass eine Romanhandlung, die sich in einem kurzen Zeitrahmen abspielt, tunlichst mit wenig Rückblenden auskommen sollte. Nichtsdestotrotz halte ich sie für legetim und dem Leser zumutbar.

 

Klärt mich doch bitte darüber auf, warum sich hier die Meinung verbreitet, man dürfe nicht mit Rückblenden arbeiten.

 

Oder - wann ist eine Rückblende organisch, wann nervt sie die geneigte Leserschaft?

 

ratlos

Anna

Neu: Das Gold der Raben. Bald: Doppelband Die Spionin im Kurbad und Pantoufle

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(Peter_Dobrovka)

Spezifiziere bitte, welche Art von Rückblende du meinst: Eingeschobene Plusquamperfekt-Sätze oder separierte Handlungsstränge.

 

Und was meinst du mit Zeitraffer?

 

Und ich war's nicht, der Rückblenden verdammt hat.

Ich kann mich nicht mal daran erinnern, daß das überhaupt jemand getan hätte.

 

Peter

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Hey Anna!

 

Ich hantiere derzeit mit fünf Erzählsträngen über einen Zeitraum von 35 Jahren.

Da ich nur 750 NS schreiben darf, kann ich eben nicht anders, als in Rückblenden arbeiten - sonst schreibe ich 35 Jahre an dem Ding und der Leser liest 35 Jahre an dem Roman.

 

Ich verstehe ja nicht, was das mit Rückblenden zu tun hat?! Du must doch keine Rückblenden nutzen, um die Zeit zusammen zu fassen. Nicht-Rückblenden bedeutet ja nicht Echtzeit-Schreiben.

 

Ansonsten gilt eigentlich, was in dem anderen Thread schon gesagt worden ist: Rückblenden gelten als eine der Schwächsten Lösungen, um INFOS unterzubringen.

 

Wenn du einen Charakter einführst, der Klempner ist, würden viele Autoren dazu neigen, in einer Rückblende seine Meisterprüfung oder so zu zeigen. Und das ist die denkbar schwächste Lösung.

 

Rückblenden gelten also nur DANN als naserümpfenswert, wenn sie zum Infodumping genutzt werden.

 

Erzählst du Parallel zwei oder Mehr Handlungsstränge, sind Rückblenden etwas anderes, nämlich eher das, was Peter D. mal mit Zurückspulen meinte. (Der Thread schwirrt hier noch irgendwo relativ frisch herum!)

Da du im Buch keinen Splitscreen nutzen kannst, bleibt dir meistens nichts anderes übrig, als gleichzeitig stattfindende Ereignisse hintereinander zu schildern. Das ist auch vollkommen legitim...

 

Man muss also schon zwischen "Rückblenden" (nicht so schön) und nacheinander geschilderten Ereignissen die gleichzeitig stattfinden (Vollkommen in Ordnung) unterscheiden.

 

Gruß,

Marco!

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"Rückblenden" (nicht so schön)

Jetzt bin ich auch neugierig geworden: Von welchem Papst stammt denn dieses Dogma? ;)

 

Ein Beispiel: In vielen Krimis beginnt ein neues Kapitel oft mitten in einer spannenden Szene; wenn man dann tief in der Szene drinsteckt, wird erzählt, wie es zu der Situation kam. Was soll daran schlecht sein? Solange es nicht ungeschickt oder stereotyp eingesetzt wird?

 

Es zwingt einen doch niemand, innerhalb der Rückblende durchgängig narrativ und zusammenfassend zu schreiben. Oder seitenlang im Plusquamperfekt zu bleiben.

 

Neugierige Grüße

 

Barbara

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Mir sind schon in vielen Romanen Rückblenden begegnet und gestört hat mich das nie. Kommt doch drauf an, wie es geschrieben ist. Bei einem langweiligen Text sind auch die Rückblenden nicht spannender, aber bei einem interessanten, spannenden Roman steigern sie die Spannung noch.

 

LG

Maren

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Ich lese sehr gern, wenn ein Autor mit der Chronologie einer Geschichte geschickt jongliert, wenn er etwas verschachtelt, verflicht, durch chronologische Umschichtungen Akzente setzt.

 

Aber ich bin ja auch Nichtleser dieser Schreibratgeber.

Und ich wuerde mir an Deiner Stelle ueberhaupt keine Sorgen machen, Anna. Offenbar kommen Deine Leser mehr als bestens mit Deinem Umgang mit der Zeitstruktur Deiner Geschichte klar.

Dass erfolgreiche Autoren sich jetzt auch schon von voellig unbewiesenen Schreibratgeber-Floskeln beirren lassen, erscheint mir denn doch bedenklich. Ich rate Dir, auch weiterhin die Bandbreite Deiner Erzaehlmoeglichkeiten voll auszuschoepfen. Warum denn nicht?

 

Problematisch finde ich Rueckblenden (das ist mir vor kurzem passiert) nur, wenn sie deutlich sichtbar einer Vorliebe (oder Abneigung) des Autors entspringen, aber sonst keine Funktion in der Geschichte haben. Ich wollte beispielsweise an einer bestimmten Stelle in eine Szenenfolge gehen, weil sie mir besonders gefiel, und dann via Rueckblende den fehlenden Anfang erzaehlen. Das war Quatsch. Es gab keinen Grund dafuer, und entstanden ist der Eindruck von Durcheinander, sonst nichts.

Also habe ich das wieder umgeordnet.

 

Herzliche Gruesse von Charlie.

"Der soll was anderes kaufen. Kann der nicht Paris kaufen? Ach nein, in Paris regnet's ja jetzt auch."

Ararat - "Und sie sollen nicht vergessen sein" Knaur, 1. März 2016. www.charlotte-lyne.com

 

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Jetzt bin ich auch neugierig geworden: Von welchem Papst stammt denn dieses Dogma? ;)

Von Dogma spricht keiner. Obwohl zugegebenermaßen der Frey es als Dogma versteht. :)

 

Tatsache ist, dass ich zum Beispiel, im Film jedesmal nen Anfall kriege, wenn das Bild flimmert es whohowhowo macht, und eine Rückblende eingequollen wird. (Nur LOST darf das!!!)

 

Was soll daran schlecht sein?

Gar nichts. sagt auch (fast) niemand. Es ist nur in, ich schätze mal 0% der Fälle in denen sie geutzt wird, eine eher ungünstige Lösung, der man anmerkt, dass dem Autor nichts besseres eingefallen ist, oder er nicht fähig genug war, das geschickter zu lösen...

 

Rückblenden halte ich(!) deshalb für verwerflich, weil es das erste ist, was den Autoren in den Sinn kommt, und wirkt deshalb altbacken, billig, und - faul bis untalentiert. Jedenfalls auf mich. ::)

Und auch nur jene 80%. Es gibt Rückblenden, die ich mag und für geschickt erachte. Aber das sind eher die Ausnahmen.

 

Gruß,

Marco!

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Off-topic:

 

In letzter Zeit stoert mich massiv, dass in jedem Thread nach kuerzester Zeit von Romanen nicht mehr geredet wird, sondern von Filmen.

 

Meiner Ansicht nach sind das zwei Schuhe, die nicht ins gleiche Paar gehoeren.

 

Ich wuerde mich riesig freuen, wenn das zumindest wieder etwas abnehmen koennte oder fuer die Filmgespraeche eigene Threads eroeffnet wuerden. Zugegeben aus egoistischen Gruenden - mich interessieren diese Filmpostings nicht, ich les' die nicht, aber die Poster und Postings, die mich interessieren wuerden, bleiben nach dem dritten Film-Posting dann weg.

 

Im Voraus dankt Charlie.

"Der soll was anderes kaufen. Kann der nicht Paris kaufen? Ach nein, in Paris regnet's ja jetzt auch."

Ararat - "Und sie sollen nicht vergessen sein" Knaur, 1. März 2016. www.charlotte-lyne.com

 

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Problematisch finde ich Rueckblenden (das ist mir vor kurzem passiert) nur, wenn sie deutlich sichtbar einer Vorliebe (oder Abneigung) des Autors entspringen, aber sonst keine Funktion in der Geschichte haben. Ich wollte beispielsweise an einer bestimmten Stelle in eine Szenenfolge gehen, weil sie mir besonders gefiel, und dann via Rueckblende den fehlenden Anfang erzaehlen. Das war Quatsch. Es gab keinen Grund dafuer, und entstanden ist der Eindruck von Durcheinander, sonst nichts.

Also habe ich das wieder umgeordnet.

 

Das ist mir auch neulich passiert, Charlie, und genau wie Du konnte ich die Szene retten, indem ich alles linear erzählt habe. Entstanden ist dieses Wirrwarr, weil ich die vorherige Szene mit einem griffigen Satz beenden und die nächste mir einem ebensolchen Satz beginnen wollte. Das ist zwar schön, wenn es klappt, aber manchen Szenen mutet man damit zu viel zu. Also weg mit den schönen Sätzen und lieber die Übersichtlichkeit wahren.

Echte Rückblenden, also Sprünge in die Vergangenheit vor der Geschichte, nutze ich nur selten, etwa um eine Figur genauer zu beleuchten oder um einem Ereignis in der Gegenwart eine neue Bedeutung zu geben.

 

Christoph

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In letzter Zeit stoert mich massiv' date=' dass in jedem Thread nach kuerzester Zeit von Romanen nicht mehr geredet wird, sondern von Filmen.[/quote']

 

Danke! Ich habe das vor ein paar Monaten auch schon mal angemerkt, aber irgendwie hat das keinen interessiert.

Ich plädiere somit dafür, Argumente mit Beispielen aus Romanen/KG's/Erzählungen zu unterfüttern, nicht mit Filmen. Das nimmt überhand.

 

Christoph

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(Peter_Dobrovka)

Rückblenden benutze ich ja nun ganz massiv, und zwar die Variante mit den parallelen Handlungssträngen, zwischen denen viel Zeit liegt.

Ich nutze sie immer dann, wenn dem Prota der Gegenwartsebene die alten Dinge nicht bekannt sind und ich auch nicht möchte, daß sie dem Leser bekannt sind.

 

Mini-Rückblenden mit PQP-Sätzen benutze ich auch, und zwar wenn der Prota sich situationsbedingt an irgendwelche Kleinigkeiten zurückerinnert.

 

Mir kommt daran nichts ungeschickt vor. Okay, umgekehrt betrachtet, wenn ich diese Dinge chronologisch erzählen wollte, stünde ich vor einer schier unlösbaren Aufgabe. Insofern kann man unterstellen, daß es geschickt wäre, wenn man es chronologisch hinbekäme, ohne daß Spannung und Aufbau leiden würden. Aber irgendwie reizt mich die Aufgabe immer noch nicht.

 

Peter

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Mini-Rückblenden mit PQP-Sätzen benutze ich auch' date=' und zwar wenn der Prota sich situationsbedingt an irgendwelche Kleinigkeiten zurückerinnert.[/quote']

 

Meinst Du damit Einsprengsel wie "Er nahm den Hammer, den er sich gestern gekauft hatte"?

Streng genommen wäre der Nebensatz ja eine Rückblende, da er etwas schildert, dass vor der eigentlichen Handlung stattgefunden hat. Aber so eng würde ich das jetzt nicht sehen.

 

Christoph

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oder fuer die Filmgespraeche eigene Threads eroeffnet wuerden.

 

Ich verstehe dich ja, aber wie sollte das aussehen?? Gleiches Thema, nur andere Beispiele?? Filmbeispiele sind in manchen Fälen Prägnanter und einem größeren Kreis bekannt. Und sie fallen einem schneller ein.

Zumal manche Themen (wie etwa Konflikte) Jacke wie Hose sind, ob man sich auf Film oder Buch bezieht.

 

Aber, da ich mich angesprochen fühle, versuche ich ja schon, davon wegzukommen. (Drum immer Moby Dick und Robinson Crusoe)

 

Gruß,

Marco!

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(Peter_Dobrovka)
Mini-Rückblenden mit PQP-Sätzen benutze ich auch' date=' und zwar wenn der Prota sich situationsbedingt an irgendwelche Kleinigkeiten zurückerinnert.[/quote']

 

Meinst Du damit Einsprengsel wie "Er nahm den Hammer, den er sich gestern gekauft hatte"?

Streng genommen wäre der Nebensatz ja eine Rückblende, da er etwas schildert, dass vor der eigentlichen Handlung stattgefunden hat. Aber so eng würde ich das jetzt nicht sehen.

Darfst du aber ruhig, denn es erfüllt die Definition einer Rückblende. Wenn wir das nicht als solche bezeichnen wollte, ab wieviel Wörtern sollten wir die Grenze ziehen?

Natürlich sind meine in der Regel etwas länger, aber nicht viel länger:

 

Er nahm den Hammer und betrachtete den abgewetzten Holzgriff, der mit dem blankpolierten Metallkopf kontrastierte. Seit er zurückdenken konnte, hatten ihn Hämmer fasziniert. Bevor er geheiratet hatte, hatte er sogar eine Hammersammlung besessen, aber Adelaide hatte ihn dazu überredet, sie zu verkaufen. Nun ja, eigentlich hatte sie ihm gedroht: mit der Scheidung. Er verfluchte sich dafür, damals eingelenkt zu haben. Diese Sammlung würde er nie wieder rekonstruieren können, unzählige Modelle von damals waren nicht einmal mehr bei Antiquitätenhändlern erhältlich.

 

Peter

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Er nahm den Hammer und betrachtete den abgewetzten Holzgriff' date=' der mit dem blankpolierten Metallkopf kontrastierte. Seit er zurückdenken konnte, hatten ihn Hämmer fasziniert. Bevor er geheiratet hatte, hatte er sogar eine Hammersammlung besessen, aber Adelaide hatte ihn dazu überredet, sie zu verkaufen. Nun ja, eigentlich hatte sie ihm gedroht: mit der Scheidung. Er verfluchte sich dafür, damals eingelenkt zu haben. Diese Sammlung würde er nie wieder rekonstruieren können, unzählige Modelle von damals waren nicht einmal mehr bei Antiquitätenhändlern erhältlich.[/quote']

 

Für mich ist das eher die Innenansicht des Charakters. Aber ich will mich nicht über Definitionsfragen streiten; eine Rückblende in diesem Stil finde ich ganz und gar nicht störend.

 

Christoph

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Hallo @ all!

 

Weils gerade so perfekt passt, muss ich kurz aus der Versenkung heraus kommen.

Ich kann Charlies, Annas und Peters Meinung nur unterstreichen. Das Zurückschauen halte ich für einen guten Weg, um Ereignisse zusammenzufassen, die nicht linear erzählt werden können, weil es den Rahmen sprengen und tödliche Langatmigkeit verbreiten würde, das alles aufzurollen.

 

Ich hab in meiner Geschichte eine alte Frau, die ich als "Urmutter des Clans" brauche, aus dem meine Protas entstammen - nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Es wäre lähmend, die Leser in allen Details miterleben zu lassen, wie es dazu gekommen ist. Aber es ist trotzdem wichtig, dass sie von den zetralen Ereignissen wissen. Also lasse ich sie bei ihrer Arbeit auf Erinnerungen stoßen. Und nicht nur sie, sondern im Laufe der Geschichte auch noch ihre Freundin, die diese heiße Phase mit ihr erlebt hat und nun ihren Enkeln davon erzählt.

So hab ich zwei persönliche Sichtweisen und für den Leser den "Rundum-Überblick".

Mir gefällt das, es ist auch gar nicht fad, denn in der Erinnerung lebt sie die spannendesten Momente noch einmal durch - ich starte also nur im PQP und schwenke dann in den nächsten Sätzen ins Perfekt - damit tauche ich neu ein und trotzdem ist klar, dass das schon vor langer Zeit passiert ist.

 

Das nimmt meiner Meinung nach auch nicht die Spannung, nur weil man weiß, dass sie überlebt hat - das muss sie ja, sonst gibts meinen Clan nicht!

 

Ich hebe also die Hand hoch und breche für Rückblenden eine Lanze, wenn sie nicht anders erzählt werden können.

Das Erlebnis von Charlie und Christoph (mit Rückblenden, die eigentlich überflüssig sind) hatte ich übrigens bei einer anderen Szene auch. Bis jetzt hab ich noch daran festgehalten, obwohl die Zweifel mit jedem Mal lesen stärker wurden. Nun aber bin ich vollends davon überzeugt, dass es der Spannung keinen Abbruch tut, wenn ichs der Reihe nach erzähle, sondern lediglich der Verständlichkeit dient ;-)

 

So, und jetzt versenke ich mich wieder!

Blubbb!

Gabi

Schachzüge, Störfaktor, Grenzenlos nah, Infinity/ alle bei Thienemann, &&http://www.gabriele-gfrerer.at&&http://teamor61.blogspot.com/

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Hallo,

 

ich bin nicht der Meinung, Rückblenden zu verdammen oder sie als qualitativ schlecht zu bezeichnen. Wie löst man sonst, wenn man in der Ich-Form schreibt, einen Konfikt zwischen Ich und einer zweiten Person auf, der sich permanent bis zum Ende zuspitzt und nur durch die zweite Person aufgelöst werden kann, in dem sie über sich zu erzählen beginnt?

Endlos langer Dialog am Ende? Das wird wohl eher ein Monolog werden. Nach jedem Kapitel die Ich-Person wechseln, damit beide Perspektiven sichtbar werden? Das ist aber ein Spannungskiller, da der Leser mehr weiß als jede einzelne Ich-Person. Oder eben Rückblende - dafür habe ich mich letztendlich entschieden.

 

Viele Grüße Dietmar

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Spannend!

 

Auf die Frage bin ich durch Rabes Zeitproblem gekommen, und da wurde mein Vorschlag, es mit einer Mini-Rückblende zu lösen ziemlich scharf zurückgewiesen.

 

Jetzt habe ich gestöbert und die Analepse gefunden, die literarisch anerkannt ist und sich wie folgt großmäulig darstellt:

Die 'Analepse' (bei Lämmert 'Rückwendung') wird definiert als "nachträgliche Erwähnung eines Ereignisses, das innerhalb der Geschichte zu einem früheren Zeitpunkt stattgefunden hat als dem, den die Erzählung bereits erreicht hat" (Genette, S. 25). Bestimmt man eine 'Basiserzählung' (récit premier) mit Anfang und Ende, so kann man die 'Analepsen' entsprechend ihrer Reichweite in 'externe' und 'interne' unterteilen.

 

Die 'externe Analepse' erzählt Ereignisse, die vor Beginn der 'Basiserzählung' liegen. Es besteht also keine Gefahr, daß sich die 'Analepse' und die 'Basiserzählung' überschneiden. Die 'interne Analepse' hingegen füllt Lücken innerhalb der 'Basiserzählung' auf. Hier kann es dazu kommen, daß ein Ereignis ein zweites Mal (meist aus einer anderen Perspektive oder mit einer anderen Intention) erzählt wird. Reicht ein 'analeptischer' Nachtrag bis zu dem Zeitpunkt in der 'Basiserzählung' heran, an dem die Erzählung unterbrochen worden war, spricht Genette von einer 'kompletten Analepse'. Ist das nicht der Fall und endet die Erzählung vergangener Ereignisse in einer Ellipse, handelt es sich um eine 'partielle Analepse'. Mit 'partiell' und 'komplett' bezeichnet Genette den 'Umfang' einer 'analeptischen' Erzählung.

 

Ist das nicht ein schöner Gesetzestext, der uns die Rückblenden erlaubt?

 

@Barbara - richtig, Krimis verwenden diese Technik häufig, und niemand mault.

 

Es ist vermutlich so, dass man Rückwendungen (-blende lasse ich wegen des filmischen Bezugs pflichtschuldigst weg) nicht um ihrer selbst Willen schreiben sollte, sondern nur dann, wenn sie notwendig sind.

Aber das gilt eigentlich für alle Stilmittel, sonst wirkt die Schreibe aufgesetzt.

 

Rückwirkend

Anna -lepse

Neu: Das Gold der Raben. Bald: Doppelband Die Spionin im Kurbad und Pantoufle

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Ich bevorzuge beim Lesen Rückblenden, bei denen man in die Szene hineinkatapultiert wird und sie mit Handlung und Dialog erlebt, als würde sie jetzt passieren, nicht die vielen "hatte war gewesen" etc.

Wenn ein Ereignis Jahre zurück liegt, aber für den Charakter wichtig ist, gefällt es mir so wesentlich besser als ein innerer Monolog, denn solch endloses Denken an Ereignisse ist auch nicht realistisch. Mir fällt gerade "Rose Madder" ein von Stephen King (ich glaube, "Das Bild" auf Deutsch). Die früheren Gewaltexzesse des Ehemannes, und die Fehlgeburt, werden so szenisch erzählt, obwohl sie Jahre in der Vergangenheit liegen. Dadurch werden sie ungleich grausamer, weil man sie miterlebt, als das ein "hatte war hatte war" hätte erreichen können.

Liebe Grüße, Susanne

 

"Books! The best weapons in the world!" (The Doctor)

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Hallo zusammen,

 

das Problem sind nicht die Rückblenden an sich, sondern die Art wie sie häufig verwendet werden. Wenn vor jedem Problem erst einmal eine Rückblende kommt, wie dieses Problem entstanden ist. Oder das Rückblenden noch Rückblenden enthalten, oder Rückblenden an spannenden Stellen alles so lange laufen, dass jede Spannung sich verflüchtet hat.

Und auch die Leidenschaft vieler Autoren Geschichten so zu konstruieren, dass der lineare Zeitablauf aufgefädelt wird zu Dutzenden von Zeitfragmenten, die irgendwann hineingebastelt werden. Wobei diese Zeitfragmente häufig eine gründliche Romankonzeption ersetzen, indem hier mal eingefügt wird, Geburt, an einer anderen Stelle, Angst vor Spinnen, eine weitere Stelle, erster Sex, noch eine Stelle, Vertreibung aus der Heimat.... (Den Romantitel nenne ich jetzt nicht.)

Die lineare Erzählweise wird so gesprengt, weil der Autor seine Geschichte nur über Rückblenden erzählt, die mit Spannungssequenzen verbunden werden.

 

Oder anders formuliert: Die Rückblende ist ein wunderbares Mittel die Geschichte auszuweiten, Tiefe zu geben, Dinge zu spiegeln oder zu begründen. Aber häufig werden nur Infos untergebracht, oder fehlende Plotlogik konstruiert.

Und dann sollte man Rückblenden durchaus streichen.

 

Gruss

 

Thomas

"Als meine Augen alles // gesehen hatten // kehrten sie zurück // zur weißen Chrysantheme". Matsuo Basho

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Ich bevorzuge beim Lesen Rückblenden' date=' bei denen man in die Szene hineinkatapultiert wird und sie mit Handlung und Dialog erlebt, als würde sie jetzt passieren, nicht die vielen "hatte war gewesen" etc. [/quote']

 

Genau so sehe ich das auch. Und weil mir szenisch erzählte Rückblenden beim Lesen spannender erscheinen, schreibe ich sie auch am liebsten so.

Diese Form der Rückschau entspricht doch formal einer ganz normalen Erzählweise, also ohne Plusquamperfekt und andere, wie auch immer geartete Umständlichkeiten, welchen Grund gäbe es denn überhaupt, sie zu verdammen? http://smilies.montsegur.de/05.gif

 

Was die indirekte Wiedergabe der Vergangenheit betrifft: Das KANN langatmig wirken. Die Gefahr ist einfach größer. Doch hier kommt es a) auf die Länge der Rückblende an und b) auf die Erzählkunst des Autors.

Und wenn es der Raffung eines handlungsrelevanten, aber furchtbar drögen Sachverhalts dient, der szenisch dargestellt 50 sterbenslangweilige Seiten füllen müsste: Nur zu!!

 

Ich orientiere mich nicht an Schreibratgebern, kann mir aber unmöglich vorstellen, dass dort Rückblenden, egal welcher Art und in welchem Zusammenhang, grundsätzlich verteufelt werden. Aber ich kann mir ja auch grandioses "Tell" und schlechtes "Show" vorstellen, also hört nicht auf mich. ;)

 

Sabine

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@hpr:

 

Dieses fand ich an anderer Stelle im Forum unter "Flashback? Don't!

 

"Über das Schreiben" von Sol Stein:

 

Zitat:

In seinen jungen Jahren arbeitete Barnaby Conrad, der Begründer der Santa Barbara Writers' Conference, bei Sinclair Lewis. Einmal fragte er den Meister, wie er eine Rückblende am besten gestalten sollte. Lewis' Antwort war kurz und bündig.

"Lassen Sie's bleiben", sagte er.

 

Quelle: Kapitel 14, Seite 210

 

Weshalb wohl auch solche Gerüchte entstehen, dass man Rückwendungen nicht verwenden darf.

 

Gruß

Anna

Neu: Das Gold der Raben. Bald: Doppelband Die Spionin im Kurbad und Pantoufle

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(Peter_Dobrovka)
Ich bevorzuge beim Lesen Rückblenden, bei denen man in die Szene hineinkatapultiert wird und sie mit Handlung und Dialog erlebt, als würde sie jetzt passieren, nicht die vielen "hatte war gewesen" etc.

Wenn ein Ereignis Jahre zurück liegt, aber für den Charakter wichtig ist, gefällt es mir so wesentlich besser als ein  innerer Monolog, denn solch endloses Denken an Ereignisse ist auch nicht realistisch. Mir fällt gerade "Rose Madder" ein von Stephen King (ich glaube, "Das Bild" auf Deutsch). Die früheren Gewaltexzesse des Ehemannes, und die Fehlgeburt, werden so szenisch erzählt, obwohl sie Jahre in der Vergangenheit liegen. Dadurch werden sie ungleich grausamer, weil man sie miterlebt, als das ein "hatte war hatte war" hätte erreichen können.

Ich fürchte nur, das gilt nicht für den Hammer aus dem Baumarkt ...

 

Peter

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Aber ich bin ja auch Nichtleser dieser Schreibratgeber.

Soso, diese Schreibratgaber sind mal wieder schuld. eigentlich geht der Thread ja über was anderes und irgendwo merkwürdig, ich kenne Schreibratgeber, die meiner Meinung nach zu viele Rückblenden empfehlen.

 

Aber gutes Beispiel, wie Gerüchte entstehen.

Also, ich habe ausdrücklich gefragt, wo dieses "Dogma", um das es hier geht, eigentlich herstammt, Hans Peter. Und Marcos Antwort war: von Frey. Das steht, glaube ich, auf der ersten Seite des Threads. Von Gerücht kann also erst mal keine Rede sein. Höchstens von Fehlinformation.

 

Falls es nicht stimmt, dass manche Ratgeber von Rückblenden abraten, würde mich übrigens erst recht interessieren, wie solche Schreibregeln in Umlauf geraten. Irgendwo müssen die doch herkommen?

 

Schöne Grüße

 

Barbara

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