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(MartinaC)

Bildhaft beschreiben

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Bilder entstehen nicht nur durch Vergleiche und Metaphern, sondern vorallem durch eine überschaubare Auswahl treffender Details. Wenn auf der Motorhaube des Autos ein Manowar-Bild von einer halbnackten, sich inmitten von Schädeln und gehörnten Dämonen räkelnden Frau ist, kann man sich die Lackfarbe schenken.

Ich plädiere dafür, Vergleiche und Metaphern nur dann einzusetzen, wenn man es kann. Alles andere ist affektiert und, noch schlimmer, wirkungslos.

 

Christoph

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Fortgeschrittene Autoren dürfen dann auch noch gerne an den jeweiligen geistigen Aggregatzustand des Lesers denken, der idealerweise davon abhängt, was sie gerade lesen. Als Faustregel kann man hier sagen, daß spannende Passagen keine blumige Sprache benötigen bzw. Originalität hier viel eher als Störfaktor empfunden wird. Umgekehrt sind Passagen, die Gefahr laufen, langweilig zu sein, wie zum Beispiel Beschreibungen oder Rückblenden deren Sinn sich erst später erschließt, durch Originalität wunderbar kurzweilig zu gestalten.

 

Vollkommen richtig.

 

Die Metaphern müssen von selbst zum Autor kommen, sie müssen stimmiges Resultat der Charakterzeichnung, der Erzählstimme, und der Gefühle sein, die beim Leser geweckt werden sollen. Es ist natürlich eine andere Geschichte, wenn sich im Kopf des Autors nichts abspielt, und sich deswegen niemals eine Metapher von selber anbietet.

 

Das ist ganz wesentlich! Ich würde noch ergänzen, dass es auch um die Gefühle des Autors geht, mit denen er Gefühle beim Leser weckt. Wenn das nämlich "gewollt" geschieht, wird er nicht so weit damit kommen.

 

Auf jeden Fall gilt hier, wie auch in Biologie, Medizin und Psychologie: Reizüberflutung schafft Abstumpfung. Oder Allergien.

 

Kann ich aus eigener Lesererfahrung bestätigen. Bei zu häufiger Einsetzung eines Stilmittels oder Bildes wird es manchmal nicht nur langweilig, sondern ärgerlich.

Für mich ist das ein Grund, den Autor beiseite zu legen, weil ihm im Lauf der Zeit sicher nichts mehr einfallen wird als seine eigenen abgedroschenen Metaphern.

 

Und zum Gelb des Postkastens:

Wir haben ja schon viel über Adjektive, Metaphern usw. geredet.

Und Farben. Habt ihr schon mal versucht, einen Sonnenuntergang zu beschreiben, ohne das Wort "Rot" oder überhaupt eine Farbe zu verwenden?

 

Also, über "postkastengelb" oder ein "Gelb, das an einen Postkasten erinnert",

würde ich mich nicht mal bei einer Satire freuen. Dann eher assoziativ:

Ein Autor sieht etwas Gelbes und denkt an den Postkasten, in den er immer seine Manuskripte an die Verlage schmeißt, (wie hier schon erwähnt wurde).

 

Die schwefelgelben Wolken vorm Gewitter machen sich übrigens gut.

Ich meine dazu wie einige hier: der Autor beschreibt das, was er sieht, mit den Assoziationen, die er dazu hat, je nach Genre, in dem er

schreibt.

Christa

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(Peter_Dobrovka)
Bilder entstehen nicht nur durch Vergleiche und Metaphern, sondern vorallem durch eine überschaubare Auswahl treffender Details. Wenn auf der Motorhaube des Autos ein Manowar-Bild von einer halbnackten, sich inmitten von Schädeln und gehörnten Dämonen räkelnden Frau ist, kann man sich die Lackfarbe schenken.

Trefflich, Trefflich. ;D

 

Peter

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Habt ihr schon mal versucht' date=' einen Sonnenuntergang zu beschreiben, ohne das Wort "Rot" oder überhaupt eine Farbe zu verwenden?[/quote']

 

Das ist genau, was ich meine. Natürlich geht das. Und jede Beschreibung eines Sonnenuntergangs ohne "Rot" ist einer solchen überlegen.

Metaphern sind doch nicht nur Mittel zum Zweck, auch wenn sie hier offenbar gerne so angesehen werden. Metaphern sind doch das, was Prosa ausmacht!

 

Ich sage mal, die "Metaphern", also alles Metaphernhafte im weitesten Sinne, alles indirekte, ist doch einer der Hauptgründe, das wir Prosa lesen, und keine Berichte.

Nicht umsonst haben sie so massiven Einzug in unsere Alltagssprache gehalten.

Ein Sonnenunterganng kann herrlich blaß und rot sein. Er kann aber auch an einen Vulkanausbruch erinnern. An einen Waldbrand. Eine glühende Herdplatte. Eine blutende Wunde. Eine Wange nach einer Ohrfeige. Es spricht nichts gegen einen roten Sonnenuntergang. Nur ist eine Metapher grundlegend stärker.

 

Ein Haus kann auch fünfzig Meter hoch sein. Es kann aber auch die Bäume überragen. Man könnte sich davon zu Tode stürzen. Den Eifelturm darin verlieren. Krämpfe beim Treppensteigen kriegen. Oder sonstwas.

Auch hier ist die Metaphr immer stärker, weil sie, das geht wieder in den "Show don't tell" Bereich, die Größe über Umwege erläutert, den Leser einbezieht. Das mag, wie PeterN meint, lehrbuchmässig und furchtbar sein, aber es ist dennoch stärker.

 

Für Unsinn halte ich übrigens, nur Gott gegebene, von selbst eintrudelnde Metaphern erlauben zu wollen. Nichts, aber auch gar nichts, spricht dagegen, sich achtzehn Tage lang das Hirn nach der einen, perfekten Metapher zu zermürben. Das machen die Dichter und Denker seit hunderten von Jahren so.

 

Wie gesagt, nichts spricht gegen rote Sonnenuntergänge und fünfzig Meter hohe Häuser. Es ist nur erheblich schwächer als jede bezeichnende Metapher. Selbst die mit Mühe erdachten.

 

Gruß, Marco!

 

P.S. Als Beispiel ist mir noch eingefallen: Klar könnte man sagen: "Er stand auf einem 50 Meter hohen Haus, und sah rot die Sonne untergehen." Ich würde aber dennoch den indirekten Weg gehen: "Sein Schritt ließ einen Kiesel über die Dachkante rutschen. Er sah ihn in die Tiefe taumeln, durch warmes Licht und lange Schatten, die von Westen her die Fassade hinaufkrochen."

Mag jetzt übertrieben lyrisch wirken, aber mir würde das immer und in ausnahmslos jedem Fall besser gefallen. Selbst wenn davor und dahinter schon 8000 Vergleiche stehen.

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Marco, mir hat das mit dem 50 Meter hohen Haus und den roten Sonnenuntergang völlig gereicht, von mir aus auch ohne die 50 Meter-Angabe und das Rot-Adjektiv. Den zweiten Beispielsatz dagegen fand ich schlimm. Ich will wissen, was macht der Kerl auf dem Hochhausdach? Der will doch nicht etwa ... ohgottogottogott! Na, nu aber schnell weiterlesen ... und muss mich dann erstmal durch runterfallende Kiesel langweilen lassen, wie das Licht über ihre steinernen Flanken spielt, wie ihre Schatten von den Fensterscheiben widergespiegelt werden und jaddajaddajadda. Das lese ich gar nicht, solche Stellen scanne ich nur kurz, während mein Auge nach der nächsten Stelle sucht, wo es sich wieder in den Text krallen kann.

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(Peter_Dobrovka)
Habt ihr schon mal versucht' date=' einen Sonnenuntergang zu beschreiben, ohne das Wort "Rot" oder überhaupt eine Farbe zu verwenden?[/quote']

Das ist genau, was ich meine. Natürlich geht das.

Ja, das geht. Die Frage ist jedoch, welche Zielsetzung ich verfolge.

Im Allgemeinen weiß jeder, daß ein Sonnenuntergang rot ist, und wie er aussieht, wozu also ihn überhaupt beschreiben?

 

Und jede Beschreibung eines Sonnenuntergangs ohne "Rot" ist einer solchen überlegen.

Falsch. Es kommt immer auf den Kontext an. Und natürlich auf die Beschreibung.

 

Metaphern sind doch nicht nur Mittel zum Zweck, auch wenn sie hier offenbar gerne so angesehen werden.

In der Tat, ich sehe sie so. Als Selbstzweck finde ich sie widerwärtig.

 

Metaphern sind doch das, was Prosa ausmacht!

Das darf bezweifelt werden.

 

Ich sage mal, die "Metaphern", also alles Metaphernhafte im weitesten Sinne, alles indirekte, ist doch einer der Hauptgründe, das wir Prosa lesen, und keine Berichte.

Nicht umsonst haben sie so massiven Einzug in unsere Alltagssprache gehalten.

Ich habe versucht, eine einzige wahre Aussage in diesem Abschnitt zu finden, bin aber gescheitert.

Metaphern sind kein Unterscheidungsmerkmal von Prosa und Bericht.

Ich lese Prosa nicht der Metaphern wegen. Und nicht nur ich nicht.

Die einzigen Leute, die ich kenne, deren Alltagssprache massiv von Metaphern durchsetzt ist, hocken in der Geschlossenen.

 

Ein Sonnenunterganng kann herrlich blaß und rot sein.

Schön.

 

Er kann aber auch an einen Vulkanausbruch erinnern.

Für Leute, die täglich Vulkanausbrüche sehen aber nur selten einen Sonnenuntergang.  ;D

 

An einen Waldbrand. Eine glühende Herdplatte. Eine blutende Wunde. Eine Wange nach einer Ohrfeige. Es spricht nichts gegen einen roten Sonnenuntergang. Nur ist eine Metapher grundlegend stärker.

Nur, wenn auch ein Sinn dahinter steht. Wer bei einem Sonnenuntergang an eine Ohrfeige denkt, der muß dazu einen verdammt guten Grund haben.

Oder meinst du nicht? Kann so ein Vergleich immer und überall stehen?

 

Für Unsinn halte ich übrigens, nur Gott gegebene, von selbst eintrudelnde Metaphern erlauben zu wollen. Nichts, aber auch gar nichts, spricht dagegen, sich achtzehn Tage lang das Hirn nach der einen, perfekten Metapher zu zermürben. Das machen die Dichter und Denker seit hunderten von Jahren so.

Was wissen wir schon, was die so genau treiben?  ;)

 

Peter

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Metaphern sind doch das, was Prosa ausmacht!

Das darf bezweifelt werden.

Du hast Recht. Weil ich Prosa mal wieder mit poetisch verwechselt hab. :-[ Sagen wir also: Literatur (im Sinne von literarisch.)

 

Die einzigen Leute, die ich kenne, deren Alltagssprache massiv von Metaphern durchsetzt ist, hocken in der Geschlossenen.

LOL!

:s06 :s06 :s06

Das ist nun wirklich das albernste, was du jemals von dir gegeben hast. Wie erwähnt: In dem Moment, wo du "Den Nagel auf den Kopf triffst", nutzt du eine Metapher. In dem Moment, wo dir die "Zeit davonläuft" ebenfalls. Sobald du "Nen Fön kriegst" sowieso. Echt, das "geht auf keine Kuhhaut"! Ich "klopf mir auf die Schenkel!"

 

An dieser Stelle unterbrech ich das Gespräch, das sich ohnehin "im Kreis drehen" würde (Noch eine schöne Metapher) mal, mir schmerzt die Seite! (Metaphorisch für: Ich musste sehr, sehr dolle lachen!)

 

Erheiterte Grüße aus der Geschlossenen,

Marco! :s17

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Den zweiten Beispielsatz dagegen fand ich schlimm. Ich will wissen' date=' was macht der Kerl auf dem Hochhausdach? Der will doch nicht etwa ... ohgottogottogott! Na, nu aber schnell weiterlesen ... und muss mich dann erstmal durch runterfallende Kiesel langweilen lassen, wie das Licht über ihre steinernen Flanken spielt, wie ihre Schatten von den Fensterscheiben widergespiegelt werden und jaddajaddajadda. Das lese ich gar nicht, solche Stellen scanne ich nur kurz, während mein Auge nach der nächsten Stelle sucht, wo es sich wieder in den Text krallen kann.[/quote']

 

Dann würdest du enttäuscht werden. Es wäre eine romantische Geschichte. Er würde eine Decke ausbreiten, mit seiner Freundin ein ruhiges Picknick auf dem Dach genießen, und ihr dann den Großen Bären zeigen... :)

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Hallo Marco,

 

Ich sage mal, die "Metaphern", also alles Metaphernhafte im weitesten Sinne, alles indirekte, ist doch einer der Hauptgründe, das wir Prosa lesen, und keine Berichte.

Nicht umsonst haben sie so massiven Einzug in unsere Alltagssprache gehalten.

Ein Sonnenunterganng kann herrlich blaß und rot sein. Er kann aber auch an einen Vulkanausbruch erinnern. An einen Waldbrand. Eine glühende Herdplatte. Eine blutende Wunde. Eine Wange nach einer Ohrfeige. Es spricht nichts gegen einen roten Sonnenuntergang. Nur ist eine Metapher grundlegend stärker.

 

Ein Bericht beschäftigt sich (fast) immer mit der Wirklichkeit, die Prosa verwendet die Wirklichkeit und die Vorstellungskraft um darübergehende fiktionale Geschichte gestalten zu können. Das ist der Hauptunterschied. Und irgendwann, qualitativ einige Stufen niedriger, kommt dann irgendwann indirekte Stilmittel (allerlei rheotorische Figuren wie Metaphern). Indirekte Dinge wie indirekte Dialoge und ähnliches nehme ich mal raus, weil sie oft wirklich ein wichtiges Kennzeichen fiktionaler Texte sind.

 

Einzug in unsere Sprache halten Metaphern, wenn sie einen Zusammenhang sehr bildlich verdeutlichen, und einen Mehrwert über die Aussage beinhalten. Um Beispiele zu nennen: das biblische "erstarrten zu einer Salzsäule" enthält ein Bild für das Erstarren und verdeutlicht es indem, die Person nicht nur das normale Erstarren erleiden, sondern wirklich zu Salzsäulen werden.

 

Eine Metapher ist auch nicht grundlegend stärker. Das hängt immer sehr von der Metapher ab- und noch von anderen Faktoren. Metaphern weisen immer aus dem Text, sofern sie nicht erkaltet sind (und damit weitgehend nur noch Synonyme). Wenn ich den Beispiel mit dem Sonnenuntergang verwenden darf: Als die Sonne unterging, schien der Himmel in Flammen zu stehen, und rote Feuerfinger zuckten auf mich zu, um die Wolken zwischen uns zu entzünden.

Ich reisse den Leser aus dem Sonnenuntergang heraus, und verweise ihn auf seine Vorstellungen eines Waldbrandes/ Brandes. Ich verwende also nicht das Bild, dass der Leser von einem Sonnenuntergang hat, sondern versuche ein mir besser erscheinendes Bild auf das Sonnenuntergangsbild zu übertragen, um seine Bildlichkeit zu verstärken.

 

Gerade in spannenden Szenen führt eine Metapher so weit aus der Geschichte hinaus, dass es deutlich die Spannung herausnimmt. Der Leser wird aus der Spannung herausgerissen. Zudem sind manche Geschichte so mit Metaphern überladen, dass die einzelnen Metaphern nicht wirken können- weil diese viel Zeit brauche- und viele Probleme symbolisch auf- und häufig überladen werden.

Und eine schlechte Metapher ist immer schlechter als eine direkte Umschreibung, weil du beim Leser Bilder versuchst zu erzeugen, die diesen verärgern können. Eine mittlere Metapher ist gleichwertig, wenn sie in den Text und an diese Stelle passt, aber nur selten ein Gewinn. Dazu muss sie vorbereitet werden, die einzige Metapher als eine Art Höhepunkt in einer Textpassage sein, und eine Funktion im Text: "Verstärkung eines wichtigen Eindrucks" haben. Und gute Metaphern sind auch nicht immer direkten Umschreibungen überlegen, siehe die Anmerkungen zu mittleren Metaphern, sondern nur, wenn sie an der richtigen Stelle sind, und Mehrwert erzeugen.

 

Gruss

 

Thomas

"Als meine Augen alles // gesehen hatten // kehrten sie zurück // zur weißen Chrysantheme". Matsuo Basho

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Hey Thomas!

 

Von der Grundsache her liegst du nicht falsch, machst in meinen Augen aber ein paar Denkfehler.

 

1.) Ein Bericht konzentriert sich auch meist auf die nackten Fakten. Wirtschaftsbericht, Konferenzbericht, etc. sind da ganz besonders klassische Fälle. Du würdest in einem Bericht über ein Verhandlung kaum finden: "Der Angeklagte schwitzte wie ein Schwein", sondern eben immer: "Der Angeklagte wirkte nervös, er schwitzte."

Vor allem in Reportagen hingegen finden sich meist auch einige Metaphern.

 

2.) Du setzt den Begriff "Metapher" enger als ich. Wenn ich sage: Eine Metapher ist grundlegend stärker, meint das nicht ausschließlich eine "Erstarrte zur Salzsäule"-Metapher, sondern wie erwähnt, alles indirekte. In dem Moment, wo du also sagst: "Ihm lief die Soße durchs Gesicht", anstatt "Er schwitzte", wirst du "Metaphorisch", wie ich es hier meine (Ausnahmseise mal nicht universitär eng umrissen). Das ist kein Kennzeichen für Fiktionalität, darum geht es auch nicht. Es ist aber ein Zeichen für Literatur, für literarische Texte.

 

3.) Es geht, wie gesagt, nicht um Fiktionalität, sondern um typische literarische Merkmale. Und dazu gehört IMMER "Indirektheit", oder auch "umgeformte" Sprache.

Ein ganzer Roman ohne Indirektheit, also ohne "Metaphorik" im weitesten Sinne, ist a) nicht existent, b) unvorstellbar langweilig, und c) überflüssig wie ein Kropf. :)

 

4.) Die Metaphern im alltäglichen Sprachgebrauch kommen natürlich nur, wenn die Metaphern es lohnen, aber auch hier ziehst du den Kreis zu eng. "Seinen Schreibtisch räumen" ist eine gängige Metapher. Ebenso "die Pferde satteln". Oder, etwas simpler: "Die Beine breit machen." Letzteres ist eine Verschiebung, dennoch steht das tatsächliche Beine breitmachen ja für etwas anderes. Von daher nehme ich es ins 'Metaphorische' mit hinein.

 

5.) Unter dem Gesichtspunkt stimmt es auch wieder nicht, dass einen eine "Metapher" (im Sinne von Indirektheit) automatisch herausreisst. Es gibt starke, mächtige Metaphern (im tatsächlichen Sinne von Metapher), wo das passieren kann. Aber viele kleine "Indirektheiten" tun das nicht. Nicht zwangsläufig. Ausser sie sitzen schief. (Auch schon wieder eine "Metapher") Was schnell passiert. Und ich behaupte weiterhin starrhälsig (Metapher), dass eine Indirektheit immer stärker sein wird, als eine Direktheit. Das macht eine Direktheit nicht schlecht oder überflüssiger. Nur schwächer...

 

Gruß,

Marco!

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Ein Sonnenunterganng kann herrlich blaß und rot sein. Er kann aber auch an einen Vulkanausbruch erinnern. An einen Waldbrand. Eine glühende Herdplatte. Eine blutende Wunde. Eine Wange nach einer Ohrfeige. Es spricht nichts gegen einen roten Sonnenuntergang. Nur ist eine Metapher grundlegend stärker.

 

Deine Metaphern finde ich herrlich!

Ich bin auch nicht, wie Peter D., der Meinung, man bräuchte keine Sonnenuntergänge zu beschreiben, nur weil jeder weiß, dass sie rot sind.

Mein Sonnenuntergang wäre vielleicht - äh - ein Feuerball, ein Wolkentheater.

Eine gut schreibende Mitautorin beschrieb es mal als "rosa Löschpapier", was ich denn wieder zu statisch empfand.

Es ist vielleicht so, dass man nicht wochenlang darüber zu grübeln braucht, was für einr Metapher man da einsetzen sollte, das ist es nicht wert.

 

Ein Haus kann auch fünfzig Meter hoch sein. Es kann aber auch die Bäume überragen. Man könnte sich davon zu Tode stürzen. Den Eifelturm darin verlieren. Krämpfe beim Treppensteigen kriegen. Oder sonstwas.

Auch hier ist die Metaphr immer stärker, weil sie, das geht wieder in den "Show don't tell" Bereich, die Größe über Umwege erläutert, den Leser einbezieht. Das mag, wie PeterN meint, lehrbuchmässig und furchtbar sein, aber es ist dennoch stärker.

 

Ich finde es einfach nur lebendiger.

 

Für Unsinn halte ich übrigens, nur Gott gegebene, von selbst eintrudelnde Metaphern erlauben zu wollen. Nichts, aber auch gar nichts, spricht dagegen, sich achtzehn Tage lang das Hirn nach der einen, perfekten Metapher zu zermürben. Das machen die Dichter und Denker seit hunderten von Jahren so.

 

Nichts spricht dagegen, wenn die 18 Tage sich dann auch gelohnt haben. ;D

 

Wie gesagt, nichts spricht gegen rote Sonnenuntergänge und fünfzig Meter hohe Häuser. Es ist nur erheblich schwächer als jede bezeichnende Metapher. Selbst die mit Mühe erdachten.

 

Wiederholt gesagt, damit bestätige ich das: Das direkte Zeigen ist einfach dynamischer, kraftvoller.

 

Gruß, Christa

 

P.S. Als Beispiel ist mir noch eingefallen: Klar könnte man sagen: "Er stand auf einem 50 Meter hohen Haus, und sah rot die Sonne untergehen." Ich würde aber dennoch den indirekten Weg gehen: "Sein Schritt ließ einen Kiesel über die Dachkante rutschen. Er sah ihn in die Tiefe taumeln, durch warmes Licht und lange Schatten, die von Westen her die Fassade hinaufkrochen."

Mag jetzt übertrieben lyrisch wirken, aber mir würde das immer und in ausnahmslos jedem Fall besser gefallen. Selbst wenn davor und dahinter schon 8000 Vergleiche stehen.

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Die einzigen Leute' date=' die ich kenne, deren Alltagssprache massiv von Metaphern durchsetzt ist, hocken in der Geschlossenen[/quote']

 

Das hat mich zu einem herzhaften Grinsen veranlasst. Da ich heute in einer Geschlossenen war, kann ich nur lebhaft beipflichten. Je mehr Assoziationen, desto schizo. Also hüte sich, wer bei gutem Verstand bleiben will! :s01

 

 

Wer bei einem Sonnenuntergang an eine Ohrfeige denkt, der muß dazu einen verdammt guten Grund haben.

 

Lacher Nr.2!

 

Was wissen wir schon, was die so genau treiben?;)

 

Hab ich auch gedacht. Früher hieß es, die Schriftsteller täten immer miteinander telefonieren, ob ihnen nicht eine passende Metapher zu dem und dem ...aber ich glaube, das war eine Satire, kugel :s01

 

Danke für die Show, Jungs und Mädels. Dann kann ich das Ende meines Arbeitstages im Büro nun abschließen und nach Hause gehen.

 

Christa

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(Peter_Dobrovka)

Ich bin auch nicht, wie Peter D., der Meinung, man bräuchte keine Sonnenuntergänge zu beschreiben, nur weil jeder weiß, dass sie rot sind.

Wär ja auch langweilig, wenn alle immer der gleichen Meinung wären.

Wobei ich nicht mißverstanden werden möchte: Wenn es sich um einen besonderen Sonnenuntergang handelt oder die Figur zu irgendwelchen wichigen Assoziationen/Gedankenketten veranlaßt, dann beschreib ich den auch.

 

Peter

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Also, ich bin ja kein großer Fan von Metaphern. Ich mag gerne das Bild sehen, dass tatsächlich auch die Figur sieht. Und eine Metapher ist ja auch eine Überlagerung der Wirklichkeit. Eine Metapher darf gerne ein Bild unterstreichen und dadurch hervorheben. Aber die Metapher alleine stört mich eher.

 

Die Figur auf dem Hochhaus. Sie schiebt einen Fuß vor, dann den nächsten, bis zur Kante. Ein Steinchen fällt in die Tiefe. Die Figur lauscht nach und lauscht und hört, wie es aufschlägt. Autoreifen quietschen. 'Verdammt nochmal', ruft einer und schlägt eine Türe zu.

 

Eine Metapher würde mich da heraus reißen, wie fast immer.

Mir ist aber klar, dass das Geschmackssache ist.

 

Grüße

Quidam

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Die Figur auf dem Hochhaus. Sie schiebt einen Fuß vor' date=' dann den nächsten, bis zur Kante. Ein Steinchen fällt in die Tiefe. Die Figur lauscht nach und lauscht und hört, wie es aufschlägt. Autoreifen quietschen. 'Verdammt nochmal', ruft einer und schlägt eine Türe zu.[/quote']

 

Ich hab das so verstanden, Quidam, dass Metaphern stören, wenn es spannend

wird. Marcos Beispiel kann in zwei Richtungen gehen: so, wie Rocker es interpretiert hat-ich erwarte bei deinem Beispiel eigentlich auch, dass die Figur springen will.Wobei das Steinchen schon fast wieder ein vorausweisendes Bild ist.

Wenn die Figur dort oben Picknick machen will mit der Liebsten, darf gern eine Wange wie nach einer Ohrfeige dabei sein - wenn sie ihn nämlich wegen seiner Zudringlichkeit abgewatscht hat. ;)

-Er hielt sich die Wange. Die sieht jetzt sicher aus wie das, was da am Horizont versinkt.-

 

Ach ja, diese Diskussionen bringen mir ziemlich Spaß. Ich habe heute, während ich durch den Schwarzwald fuhr, immer rumgeguckt. Und was sah ich? Einen Haufen

Postwagen, die die Farbe von ...na? ... Bananen hatten. :)

 

Christa

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Ich überleg mir grad, was für Perspektivträger man haben muss, um so ausufernde Metaphern verbraten zu dürfen. Ich find die Geschichte mit "Die Metapher sollte aus der Begriffswelt des Protagonisten stammen" irgendwie ziemlich einleuchtend.

Aber da schlägt dann wieder mein Perspektiv-Steckenpferd zu.

 

Gruß

Peter

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Mein Wackelpudding-auf-Waschmaschine-Angst Bild kam von einem flapsigen männlichen Ich-Erzähler, und zu ihm passte es. Da hatte ich gezielt nach gesucht.

Liebe Grüße, Susanne

 

"Books! The best weapons in the world!" (The Doctor)

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Jetzt schlagt mich tot, aber ist das nicht das Gleiche? Eine Metapher ist ein bildhafter Vergleich, so wurde es dem armen, kleinen, geistig überforderten Rockerchen mal beigebracht. Der hat nämlich weder Literatur noch Germanistik studiert und will doch eigentlich nur Geschichten schreiben. :-[

 

Und Wackelpudding auf der Waschmaschine, für mein Verständnis, ist weder das eine noch das andere, sondern eine Vergeudung von ansonsten einwandfreien Lebensmitteln. Igittigitt, wer soll das denn noch essen?

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Jetzt schlagt mich tot' date=' aber ist das nicht das Gleiche? Eine Metapher ist ein bildhafter Vergleich, so wurde es dem armen, kleinen, geistig überforderten Rockerchen mal beigebracht.[/quote']

 

Ich hab auch überlegt, wo denn nun der Unterschied ist und bei Wikipedia das gefunden:

 

"Der Vergleich ist eine Gedankenfigur, welche durch die Annäherung oder kontrastive Gegenüberstellung zweier Gegenstände oder Bilder erzeugt wird, um Anschaulichkeit und Wirksamkeit eines Gedankens zu erhöhen. Wie die Metapher beruht der Vergleich auf Ähnlichkeit, die in einem gemeinsamen Dritten (tertium comparationis) gegeben ist; daher auch die seit Quintilian gängige Definition der Metapher als "verkürzter Vergleich". Im Gegensatz zur Metapher beruht der Vergleich auf einer direkten Gleichsetzung seiner Relata, die durch ein Vergleichspartikel ("wie", "als") geleistet wird."

 

Also Vergleich: meine Beine waren wacklig wie ein Pudding.

Metapher: "Du alter Wackelpeter", sagte ich zu meinem Spiegelbild, als ich die Angst in meinen Augen bemerkte.

 

Oder so, frei nach Schnauze.

Christa

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Was ist ein Vergleich? Etwas ist wie etwas anderes.

 

"Das Auto glänzte rot wie eine reife Tomate."

 

"Gegen ihn würde Casanova vor Neid erblassen."

 

Was ist eine Metapher? Ein abgekürzter Vergleich, bzw. eine Ersetzung des normalerweise gültigen Wortes durch einen metaphorisch ungültigen Ausdruck, nach dem Kriterium der Ähnlichkeit.

 

Kämpfen wie ein Löwe.

 

Kreise ziehen wie ein Tiger vor dem Angriff.

 

Etwas mit Adleraugen betrachten.

 

Die Sonne versprenkelt oder säht ihr Licht.

 

Der Kühlschrank überlegte, ob er jetzt gleich seinen Geist aufgeben sollte.

 

Der Motor spuckte, hustete, und starb.

 

Der Stuhl beschwerte sich ächzend, als der dicke Mann auf ihm Platz nahm.

 

LG

Joy

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Das find ich wieder spaßig.

 

Sonst wird gejammert, wenn ich das universitäre Lexikon rauskrame, und nun... :)

 

Also, jedenfalls was mich betrifft: HIER verstehe ich Metapher als "Vergleich", als "Ersetzung" als "Synekdoche" und all das. Weil das, wie Rocker ja zeigt, im Normalvolk so verstanden wird. War nämlich mein Vorsatz zum neuen Jahr: Keine Universitären Differenzierungen mehr, sondern Rockerfreundlich alles über einen Kamm scheren. (Wobei ich hier Rocker als "Metapher" für das Normalvolk meine! :))

 

Ergo: zumindest bei mir, versteht bitte auch einen Vergleich als Metapher. Und einen Ersatz auch (Etwa: "Er trank eine Tasse.").

Alles nicht sehr wissenschaftlich, aber tun wir den Rockers dieser Welt den Gefallen, und bleiben wir einfach.

 

Gruß,

Marco!

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Die Figur auf dem Hochhaus. Sie schiebt einen Fuß vor, dann den nächsten, bis zur Kante. Ein Steinchen fällt in die Tiefe. Die Figur lauscht nach und lauscht und hört, wie es aufschlägt. Autoreifen quietschen. 'Verdammt nochmal', ruft einer und schlägt eine Türe zu.

 

Nun, ich find das ja tatsächlich etwas trocken. Es funktioniert aber, weil du immer noch indirekt bleibst. Die "quietschenden Autoreifen" stehen ja (Siehe obiger Post) "metaphorisch" dafür, dass das Steinchen unten ein Chaos auslöst. (Warum auch immer.) Du forderst den Leser. Du schreibst nicht direkt, was passiert, sondern indirekt. Du lieferst dem Leser eine Information (quietschende Reifen), die ein Bild bei ihm entstehen lassen.

 

Und das doppelte lauschen beschreibt indirekt die Höhe des Gebäudes.

 

Ich würde das ganze trotzdem etwas aufpeppen. Um eine Metapher zu gebrauchen: Ich finde das wie Zwieback essen in der Wüste... :)

 

Gruß,

Marco!

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Wobei ich hier Rocker als "Metapher" für das Normalvolk meine! :))

 

...wenn das mal so wäre. Daran arbeiten wir Rocker ja schon seit 1956 und bräuchten ja nicht mehr oben auf der Bühne stehen - und alle Normalos bloß davor ;-)

 

Viele Grüße, Sven

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