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(MartinaC)

Bildhaft beschreiben

Empfohlene Beiträge

Ein Thema fürs neue Jahr, oder für Silvestermuffel:

 

Bildhaftes Beschreiben ist ja unser aller Ziel. Nun gibt es neben origineller Ideen auf diesem Gebiet aber immer auch die direkte Methode. Die Dinge sagen, wie sie eben sind, ohne jegliche Wortakrobatik oder nette Umschreibungsversuche.

 

"Sie drehte sich um und erstarrte"

 

Das kann/will man eigentlich schon gar nicht mehr lesen. Platt und abgedroschen kommt dieser Satz daher. Und dennoch beschreibt er am besten und bildhaftesten was passiert, wenn sich eben jemand umdreht und etwas unerwartetes oder schockierendes sieht.

 

Wie haltet ihr es mit der Beschreibung von solchen Vorgängen? Schock, Überraschung, Angst ... oder auch andere Emotionen, die plötzlich auftreten sollen. Versucht ihr neue Redewendungen dafür zu finden? Oder ist das Altgediente erprobt und gut genug? Nervt euch eine Häufung von simplen Aussagen wie diese in Büchern, oder lest ihr darüber hinweg? Gerade in Thrillern kommen solche Situation ja öfter vor. Im Film wird an solchen Stellen oft einfach nur geschrieen, in Büchern müssen wir uns was anderes einfallen lassen.

 

Erwartet ihr mehr Variationen beim Beschreiben menschlicher Aktionen und Reaktionen die jeder kennt und die automatisch ein übliches Bild im Leser erzeugen?

 

Und wenn ja, welche Alternativen gibt es für beispielsweise diesen obigen Satz? Wie könnte man das Erstarren einer Person immer wieder erfrischend neu beschreiben?

 

Oder ist das tatsächlich überhaupt kein Thema, weil die meisten Leser auf sowas gar nicht achten?

 

Ich stelle diese Frage weil mich, als Leser wie als Autor, ein solcher Satz einfach nicht mehr mitreißen kann. Er läßt mich kalt, läßt mich die Erstarrung der Figur nicht "miterleben". Vielleicht habe ich zu viel gelesen (und geschrieben) und werde betriebsmüde? Jedenfalls fallen mir solche plumpen Beschreibungen immer häufiger auf und ich denke das ist der Grund, warum mich immer weniger Bücher so richtig packen.

 

Wie auch immer, ich dachte das wäre doch sicher eine nette Frage fürs Handwerk.

 

LG

Joy

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Hallo Joy,

 

Oder ist das tatsächlich überhaupt kein Thema' date=' weil die meisten Leser auf sowas gar nicht achten? [/quote']

 

Aber hallo achten die Leser auf sowas. Mich bringen abgekartete Formulierungen jedenfalls zum Gähnen.

 

Ich als absoluter Schreiblaie gerate allerdings oft in Formulierungsnot, wenn es darum geht, Alternativen zu finden. Zu Deinem besagten Satz "Sie drehte sich um und erstarrte" fällt mir kaum etwas ein... (alle Profi-Schreiber schlagen sich gerade mit der flachen Hand vor den Kopf :s09)

 

Wenn man statt dessen schreibt "Das Blut gefror ihr in den Adern", ist das genauso abgedroschen. Oder "sie glaubte ihren Augen nicht". Super. Im übrigen hängt es aber von der individuellen Situation ab, in der sich eine Figur befindet, wie man eine Reaktion vielleicht noch umschreiben könnte. Alle "allgemein gültigen" Formulierungsalternativen sind wahrscheinlich genauso abgedroschen wie "sie erstarrte" oder "Ihr Herz setzte einige Schläge aus" oder sowas.

 

Ich bin gespannt auf Vorschläge von erfahreneren Schreibern.

 

LG, Resi

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Hallo Joy, hallo Resi,

 

interessantes Thema. Wie vermeidet man die abgedroschenen Phrasen. Nun bin ich beileibe kein Profi, sondern an der Schwelle von Hobby zu mehr ...

Früher waren neue Bilder bei mir eher Zufallstreffer. Jetzt schreibe ich "bewusster". In der Rohfassung bin ich mir nicht zu fein, die abgedroschenen Dinger zu benutzen, als Platzhalter sozusagen, wenn ich "zittert wie Espenlaub" hinschreibe, dann ist das, als würde da stehen [Platzhalter, hier soll Angst dargestellt werden]. Kann auch sein, dass mir beim Schnellschreiben gleich was einfällt, dann schreibe ich es natürlich hin.

 

Aber beim Überarbeiten gehe ich dann daran, diese Platzhalter durch andere Sachen zu ersetzen. Dann kommen u.U. so lustige Sachen dabei heraus wie "Eisameisen krabbelten über seinen Körper". Ein Prot. hat auch mal gezittert wie ein Wackelpudding auf einer schleudernden Waschmaschine. Wenn ich bei der Rohfassung allerdings bereits auf so etwas achte, geht der "Flow" kaputt, meist schreibe ich Rohfassungen auch ohne jegliche ordografi oda gramatik und großschreibung ist dann eh abgeschafft und dann kommt die geschichte ganz von alleinich .... ;D

Liebe Grüße, Susanne

 

"Books! The best weapons in the world!" (The Doctor)

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Am besten gefällt mir die Lösung die Reaktion einer Figur von einer anderen beschreiben zu lassen. Diese Figur betritt den Raum und überrascht die andere mit ihrer Anwesenheit. Und dann aus deren Sicht beschreiben was im Gesicht der anderen vor sich geht. Das finde ich viel spannender als anders herum. Aber natürlich kann man das nicht immer machen.

 

LG

Joy

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Mich packen solche Standart-Gefühlsbeschreibungen auch nicht sonderlich. Wie man das umgehen kann? Man nehme Details und läßt die Gefühle darin reflektieren. Handlungen sind es, die Gefühle gut transportieren.

 

Da ist ein lebhaftes Kind. Es bemalt mit Lippenstift die Kloschüssel und singt recht schief 'oh du fröhliche'. Es schreit immerzu nach der Mutter und dass es mal kommen und sich das und das und das ansehen soll. Und plötzlich ist da nichts mehr zu hören. Kein Geräusch. Kein Geschrei. Stille. Man biegt um die Ecke und sieht, wie das Kind da steht und auf einen Punkt am Boden starrt. Und der Lippenstift fällt ihm aus der Hand. Und es zuckt zusammen, als der Lippenstift auf der Fliese aufklatscht. "Mama", flüstert es. "Da bewegt sich etwas."

 

Grüße

Quiddy

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Hi Quiddy,

 

super, ja, in der Art mache ich das auch. Anstatt: "Sie drehte sich um und erstarrte", kann man auch sagen: "Sie drehte sich um und ließ ihr Glas (oder was auch immer) fallen". Gefühle als Handlung zeigen ist ein sehr schöner Ersatz, der aber gar nicht mal so oft benutzt wird. Darin liegen unendlich mehr Möglichkeiten. Ich experimentiere liebend gern damit.

 

LG

Joy

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Ich setze hiermit die These in den Raum, daß es nicht nur überflüssig ist, abgedroschene Phrasen zu vermeiden, sondern daß das gar nicht möglich ist. Die Zahl der Möglichkeiten, wie man häufig wiederkehrende Dinge alternativ ausdrücken kann, ist nämlich sehr begrenzt, die Zahl der Fälle, in denen man sie braucht, jedoch nicht.

 

Sie drehte sich um und erstarrte.

 

Habe kein Problem mit diesem Satz. Erzeugt ein klares Bild mit einem Minimum an Worten.

 

Problematisch sind lediglich spezielle Vergleiche, wie eben "Zittern wie Espenlaub", die sehr charakteristisch aber nicht zur Beschreibung notwendig sind. Figurentypische Assoziationen. Vergleiche, die EIN Autor in EINEM Werk verbraten sollte, als sprachlich-ideenhaftes Highlight. (Niemand weiß heute. noch was Espenlaub überhaupt ist und wie es aussieht). Es reicht völlig zu sagen: Er zitterte. Punkt.

 

Ähnlich problematisch wäre der Beispielsatz, wenn er lauten würde: Sie drehte sich um und erstarrte zur Salzsäule.

 

Fällt einem kein origineller Vergleich ein, nun, dann läßt man ihn eben einfach sein. Oft ist es auch besser so, WENN einem einer einfällt, hehe.

 

Peter

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Hallo Peter,

 

endlich mal ne Gegenmeinung! ;)

Sicher, "sie drehte sich um und erstarrte" ist klar und deutlich. Und wenn vorher schon viel beschrieben wurde und der Satz sogar ein Cliffhanger sein soll - gut.

 

Aber ich habe schon Romane gelesen, und vor allem Manuskripte, in denen alle 5 Minuten einer erstarrt. Da beginnt man emotionslos drüberzulesen. Und um solche Fälle geht es mir. Nicht um ein gelegentliches Benutzen einer simplen Beschreibung.

 

LG

Joy

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Ich sag mal so: wenn man seine Sache als Autor halbwegs gut gemacht hat, dann passiert da ja gerade etwas unglaublich spannendes und mitreißendes. Die Protagonistin steht ihrem Erzfeind gegenüber, ertappt gerade ihren Ehemann mit ihrer besten Freundin, ihr Hund hat sich in ein Alien verwandelt oder ihr Pädagogiklehrer hat sich vor ihr entblößt. Will sagen: dieser einzelne Satz ist in der Regel nicht so furchtbar wichtig, weil der Leser gerade Besseres zu tun haben sollte, als sich zu fragen, ob er da gerade mit einem Klischee abserviert wurde. Gerade in solchen atemlos-Momenten ist mir ein einzelner Satz, selbst wenn er vielleicht literarisch schon etwas überstrapaziert wurde, lieber als eine ellenlange blumige Umschreibung.

 

Wenn einem was kreatives, knackig kurzes einfällt, was den gleichen Zweck erfüllt, ist das natürlich auch toll. Wird aber auch schnell alt. In meinen Geschichten sind schon diversen Leuten Gläser und Tassen aus der Hand gefallen (und spätestens im Wald ist das auch nicht mehr glaubhaft).

 

Manchmal kann man auch jegliche Beschreibung des Entsetzens/Schreckens weglassen und darauf vertrauen, dass der Leser gerade sosehr im Geschehen steckt, dass er schon von ganz alleine erstarren wird, wenn der Pekinese plötzlich Tentakeln nach ihm austreckt.

 

Ich muss allerdings zugeben, dass du mich mit diesem Thema gerade eiskalt erwischt hast, weil ich gerade eine Fantasy-Kurzgeschichte schreibe und die Protagonistin da gestern zum dritten Mal vor Schreck erstarrte, was dann selbst mir zu viel wurde ;D (nein, die hat keinen Pekinesen, aber der mitreisende Wolf verwandelt sich in einen Menschen, was sie begreiflicherweise auch nicht völlig kalt lässt)

 

Gruß,

Capella

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Stefan Mühlfried

Hallo Joy!

 

Also, ich habe mit dem Umdrehen und Erstarren soweit auch kein Problem. Und wer im krampfhaften Bemühen, nicht abgedroschene Vergleiche zu verwenden, unfreiwillig komisch wird, der sollte es vielleicht lieber lassen. (Bis auf das mit dem Wackelpudding und dem Schleudergang. Der ist richtig gut! ;D)

Wichtiger ist mir das, was davor und danach kommt: In welcher Situation befindet sich die Prota, warum erstarrt sie und was kommt dann? Wenn ich als Leser schon nur mit einer Hand umblättern kann, weil ich der anderen gerade die Nägel abkaue, dann bringen mich gekrampfte Vergleiche nur raus. Lieber knackig und eindeutig. Ich will einfach nicht wissen, zu was sie erstarrt, sondern, ob das Monster sie nun auffrißt!

 

Explosive Grüße, (um unser Haus rum scheint gerade der 3. Weltkrieg auszubrechen)

Stefan

"Schriftsteller sollten gar keine Adjektive haben. Sie sind keine französischen oder australischen Schriftsteller, sondern einfach Schriftsteller. Am Ende sind sie ohnehin nicht mal ein Substantiv, sondern ein Verb: Sie schreiben." - Richard Flanagan

Zur Hölle mit der Kohle

Der steinerne Zeuge

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...die Protagonistin da gestern zum dritten Mal vor Schreck erstarrte' date=' was dann selbst mir zu viel wurde  ;D [/quote']

 

:s02 Da sieht man aber mal, dass das tatsächlich ein Thema ist beim Schreiben.

 

Das mit dem Lehrer, der sich entblößt: LOL! Vielleicht würde mir da auch noch was anders einfallen als erstarren.

 

Alberne Grüße

Joy, bei der noch alles ruhig ist. Die Kriegstruppen müssen noch in Hamburg sein

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Klingt mir wie ein Problem des Inhalts.

 

Sicher. Es hat mich aber zu diesem Thread inspiriert, zumal ich sowas eben auch oft in schon veröffentlichten Büchern lese. Gehäuft, nicht nur in dem Kontext, den wir schon hatten und für akzeptabel halten.

 

LG

Joy

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Ich sehe, hier vermischen sich gerade mehrere Ebenen.

1. Low-Level-Stilebene: Wie kann man das Erstarren noch anders ausdrücken?

2. Hi-Level-Stilebene: Wie kann man Entsetzen noch anders ausdrücken als durch Erstarrung?

3. Dramaturgische Ebene: Ist es notwendig, alle 5 Minuten das Entsetzen von jemand zu erwähnen?

4. Plotebene: Ist es notwendig, daß sich dauernd jemand über etwas entsetzt?

 

Peter

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Dass ein Glas vor Schreck aus der Hand fällt, ist ja auch schon wieder Standart. Mir ging es auch nicht darum, dass etwas aus der Hand fällt, sondern darum, dass man die Gefühle zeigt. Und das muss doch nicht krampfhaft wirken, im Gegenteil.

 

Natürlich ist wohl das klischeehafte dem krampfhaften vorzuziehen. Aber die wesentlich bessere Variante ist doch das individuelle und auf die Figur zugeschnittene.

 

Sie drehte sich um und erstarrte. -> Mag sein, dass das ein klares Bild gibt. Aber nur das klare Bild einer eindimensionalen Figur.

Jeder sieht anders aus, wenn er erstarrt. (Im Übrigen glaube ich, dass selten jemand erstarrt, das nur nebenbei.) Und dieses Individuelle kann man doch am Besten an Details festmachen.

 

Die Figur erstarrt.

Spielt sie mit etwas? Dann hört sie in dem Moment damit eben auf. (Es -ein volles Glas- fällt zu Boden, die Flüssigkeit rinnt in die Fugen, doch die Figur bewegt sich nicht)

Trinkt sie etwas? Dann spuckt sie es aus, in dem Moment, in dem sie 'erstarrt'.

 

Die Figur ärgert sich.

Zeigen, damit man erkennt, dass sich die Figur ärgert. Und eben nicht werten. Um das zu zeigen, muss man sich ja nicht den Kopf über originelle Wörter zerbrechen:

Die Figur versalzt den Kaffee ihres Liebsten. Sie löscht die Mail, an der sie Stunden gesessen hat. Sie stiehlt den Uhren, Taschenlampen, Telefonhörern die Batterien aus den Fächern. usw.

Und je nach Größe des Ärgers die größe der Tat. Kleiner Ärger: Man dreht das Licht aus, damit der Ehemann, der zu spät nach Hause kommt, im Dunkeln tappen muss. Großer Ärger: Man läuft Amok.

 

Grüße

Quidam

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Nicht werten, sondern zeigen, Quiddy, genau darum geht es mir. Über das "zeigen" aber, gibt es in Autorenkreisen unterschiedliche Auffassungen. Ich sehe es wie du, verstehe deshalb was du meinst.

 

In meinen Schreibtipps sage ich: Finde den einfachsten Weg etwas auszudrücken und schreibe es so NICHT.

 

Wobei ich auch keine komplizierten Wortkonstruktionen meine, oder originelle Vergleiche. Sondern genau das was du da beschreibst. Hast du dir schon mal überlegt einen Ratgeber darüber zu schreiben? :s21

 

LG

Joy

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Hallo zusammen,

 

ich halte von abgedroschenen Phrasen wie "Sie drehte sich um und erstarrte" nicht viel, genau so viel wie von wertenden Kommentare an zentralen Stellen :"Sie lächelte unsicher/nervös/verstört/angsterfüllt/wissend/kaltblütig/hasserfüllt". Weil "Sie drehte sich um und erstarrte" gar nicht mehr den Inhalt füllt, den er beschreibt. Er ist nur eine kurze Zusammenfassung, ein Ende der vorherigen Situation, eine Ankündigung einer kommenden Situation. Niemand stellt sich bei diesem Satz noch die Situation oder die Figuren in der Situation vor.

Es gibt sicherlich Stellen in einem Roman, wo diese Worthülse durchaus ihren Zweck erfüllt, wie z.B. unwichtige Stellen. Ein wenig ist dieser Satz aber wie ein "Plötzlich", und mindestens ebenso austauschbar.

 

Wie kann man einen solchen Satz ersetzen:

Wenn man eine Figur mit einer individuellen Körpersprache ausgestattet hat, dann kann man diesen Satz dadurch ersetzen. "Sie drehte sich um, und ihre Hand begann zu zittern". Nur eine kleine Änderung, und schon hat dieser Satz eine andere Wirkung- vor allem wenn man diese Handgeste vorher eingeführt hat.

Auch kann man Gegenstände verwenden, wenn die Körpersprache nicht individuell ausgestaltet wurde. Dabei ist das herabfallende Glas eines der üblichen Dinge. Ein hilflos in die Richtung geworfener Gegenstand kann auch sehr spannend sein, vielleicht auch die Bewegung des Luftstromes durch die Tür an der Figur. Also Bewegung zeigen, um die sonstige Starre anzudeuten.

Dazu kann man die Situation umgehen, wenn sich jemand herumdreht, kann andere Bilder verwenden, die nicht so abgenutzt sind wie eine erstarrte Person, kann die Spannung durch längere Sätze verzögern.

 

Gruss

 

Thomas

"Als meine Augen alles // gesehen hatten // kehrten sie zurück // zur weißen Chrysantheme". Matsuo Basho

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(Peter_Dobrovka)

ich halte von abgedroschenen Phrasen wie "Sie drehte sich um und erstarrte" nicht viel,

...

Wie kann man einen solchen Satz ersetzen:

Wenn man eine Figur mit einer individuellen Körpersprache ausgestattet hat, dann kann man diesen Satz dadurch ersetzen. "Sie drehte sich um, und ihre Hand begann zu zittern". Nur eine kleine Änderung, und schon hat dieser Satz eine andere Wirkung- vor allem wenn man diese Handgeste vorher eingeführt hat.

An dieser Stelle setzt wieder mein bekanntes Genörgel ein: Du hast, um eine "abgedroschene Phrase" zu vermeiden, den Inhalt der Erzählung verändert. Das empfinde ich als unlauter.

Wenn von Anfang an auf der inhaltlichen Ebene bist und sagst, Erstarren als solches sei ein Klischee und die meisten Menschen zeigen sehr individuelle Reaktionen auf unerhörte Sinneseindrücke, dann habe ich kein Problem mit deiner Lösung und befürworte sie. Ist der Grund für die Änderung jedoch sprachlich-ästhetischer Natur, dann mag ich dir nicht folgen.

 

Peter

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(Peter_Dobrovka)
Peter, das ist doch immer so, eins greift ins andere beim Schreiben. ;)

Ich sehe ein, daß das wohl so ist, und auch ich selbst mache das wahrscheinlich mehr oder weniger unterbewußt. Aber wie du an meiner Antwort an Thomas ersehen kannst, habe ich ein Problem damit, Stil und Inhalt nicht getrennt zu betrachten. Ich habe immer zuerst das Was und dann das Wie. Deswegen kann ich wahrscheinlich auch keine Gedichte schreiben, denn ich bringe es nicht fertig, meinem Helden mit der Armbrust stattdessen einen Speer zu geben, weil der sich besser auf "Heer" reimt.

Mir ist natürlich klar, daß der Leser dem Endprodukt solche Entstehungsvorgänge nicht mehr ansieht. Und dennoch ...

 

Peter

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(Peter_Dobrovka)
Dass ein Glas vor Schreck aus der Hand fällt, ist ja auch schon wieder Standart. Mir ging es auch nicht darum, dass etwas aus der Hand fällt, sondern darum, dass man die Gefühle zeigt. Und das muss doch nicht krampfhaft wirken, im Gegenteil.

 

Natürlich ist wohl das klischeehafte dem krampfhaften vorzuziehen. Aber die wesentlich bessere Variante ist doch das individuelle und auf die Figur zugeschnittene.

 

Sie drehte sich um und erstarrte. -> Mag sein, dass das ein klares Bild gibt. Aber nur das klare Bild einer eindimensionalen Figur.

Jeder sieht anders aus, wenn er erstarrt. (Im Übrigen glaube ich, dass selten jemand erstarrt, das nur nebenbei.) Und dieses Individuelle kann man doch am Besten an Details festmachen.

 

Die Figur erstarrt.

Spielt sie mit etwas? Dann hört sie in dem Moment damit eben auf. (Es -ein volles Glas- fällt zu Boden, die Flüssigkeit rinnt in die Fugen, doch die Figur bewegt sich nicht)

Trinkt sie etwas? Dann spuckt sie es aus, in dem Moment, in dem sie 'erstarrt'.

 

Die Figur ärgert sich.

Zeigen, damit man erkennt, dass sich die Figur ärgert. Und eben nicht werten. Um das zu zeigen, muss man sich ja nicht den Kopf über originelle Wörter zerbrechen:

Die Figur versalzt den Kaffee ihres Liebsten. Sie löscht die Mail, an der sie Stunden gesessen hat. Sie stiehlt den Uhren, Taschenlampen, Telefonhörern die Batterien aus den Fächern. usw.

Und je nach Größe des Ärgers die größe der Tat. Kleiner Ärger: Man dreht das Licht aus, damit der Ehemann, der zu spät nach Hause kommt, im Dunkeln tappen muss. Großer Ärger: Man läuft Amok.

 

Grüße

Quidam

Das ist die in meinen Augen bisher beste Antwort. Setzt sich einerseits sehr gut damit auseinander, wie man durch Anwendung von Show don't Tell aus der Erstarrung das Maximum herausholen kann und verweist auf alternative Möglichkeiten, wie die Figur sich in der Situation verhalten kann, ohne beides in einen Topf zu werfen.

 

Peter

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Hallo,

 

Am besten gefällt mir die Lösung die Reaktion einer Figur von einer anderen beschreiben zu lassen. Diese Figur betritt den Raum und überrascht die andere mit ihrer Anwesenheit. Und dann aus deren Sicht beschreiben was im Gesicht der anderen vor sich geht. Das finde ich viel spannender als anders herum. Aber natürlich kann man das nicht immer machen.

 

LG

Joy

 

Vor allem nicht, wenn man in Ich-Form schreibt.

 

Natürlich ist wohl das klischeehafte dem krampfhaften vorzuziehen. Aber die wesentlich bessere Variante ist doch das individuelle und auf die Figur zugeschnittene.

 

Genau, das denke ich auch. "Den" guten Ausdruck für das berühmte Erstarren gibt es eigentlich gar nicht, sondern man muss es der jeweiligen individuellen Situation anpassen.

 

Interessiert lesende Grüße

Resi

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Vom Erstarren mal abgesehen - ganz allgemein:

 

Um einige Gefühle, Empfindungen und Emotionen zu beschreiben, google ich manchmal nach Sympthomen. zB. bei Angst - nach "Panikattaken", beim Erstarren - nach "psych. Schock" usw. Manchmal bringt mich das auf ganz interessante Aspekte, die ich am Anfang nicht bedacht habe. Das bereichert ungemein.

 

Liebe Grüße,

Olga

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