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(Peter D. Lancester)

Übung Actionszene: Die Messerszene

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Bei mir ist nämlich dank des davor stehenden: "Die Frau die mit dem Alkoholiker liiert ist. Sie trennen sich, sie versöhnen sich, es geht eine Zeitlang gut." SOFORT ein Drama im Kopf entstanden.

Drum haben mich die brutalen, sinnfreien Haudrauf-Szenen halt so überrascht...

Nun ist aber der Threadtitel "Übung Actionszene: Die Messerszene" und nicht "Übung Psychodramaszene: Der versoffene Ehemann". Bei einer derartigen Aufgabenstellung hätte mich der Gedanke auch verwundert, dass in jeder Szene mit dem Messer gefuchtelt und geblutet wird.

Es standen aber genau die von Dir bemängelten "brutalen, sinnfreien Haudrauf-Szenen" in unseren Hausaufgaben. Das Ehedrama diente nur als Beispiel/Vorwand, um endlich zur Sache kommen zu dürfen. Und da fand ich es sehr wohltuend, dass keiner der Teilnehmer gesplattert hat, sondern alle sehr geschmackvoll und zurückhaltend mit der Gewalt umgegangen sind. Kein heraushängendes Gedärm, keine spritzende Gehirnmasse, keine amputierten Gliedmaßen. Alles im Rahmen.

 

Und Thomas hat's schon gesagt, so eine Szene wie das abschließende Duell in "Das Lied vom Tod", wäre in einem Roman wirklich unerträglich langweilig. Das funktioniert im Film, weil diese Szene von den Bildern lebt, von den Nahaufnahmen der Augen. Ich glaube auch nicht, dass diese Szene im Drehbuch Schnitt für Schnitt so detailliert beschrieben war, sondern von Leone so ausgelegt wurde.

 

So eine Szene in Svens Hitchcock-Stil zu schreiben, das könnte man natürlich machen, wäre aber nix für mich. Weder als Leser noch als Autor. Ich bleibe lieber bei einer Perspektive, sehe als Frau nicht das Messer hinter dem Rücken des Mannes, sondern beschränke mich auf den eingeschränkten Sichtwinkel des Opfers. Ist mir egal, wenn ich dann durch diese Beschränkung Spannung verschwende.

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Hallo zusammen,

 

ich muss mich da auf die Seite von Marco schlagen. Bin nämlich der Meinung, dass Klischees eben total unspannend sind und es nie anders sein wird. Die Frage, die aufgeworfen wird, ist dann nur noch die: Sticht der Mann zu oder kann sich die Frau befreien.

Spannender wird es meiner Einschätzung nach, wenn mehrere Frage aufgeworfen und dadurch das Klischee gebrochen wird, weil etwas passiert, was eben ungewöhnlich ist.

 

Ein Beispiel:

Eine Frau hat ein Messer bei sich und marschiert in die Bar, in der sie ihren Mann vermutet. Der hockt an der Theke, vor sich eine Flasche Warsteiner, und er blickt trübsinnig auf die Arbeit des Barkeepers.

Die Gedanken der Frau verraten, dass sie sich an dem Mann rächen will, weil er eben schon wieder säuft.

Jetzt denkt wohl der Leser, dass sie ihn abstechen wird/will.

Der Plan der Frau ist aber ein ganz anderer. Sie legt dem Mann das Messer hin und beginnt, ihn vor den wenigen Leuten im Lokal zu blamieren, indem sie herumschreit, was er doch für ein Versager ist (Meinetwegen sind es Lügen). Dass er keinen mehr hochbekommt, dass er die Kinder schlägt, dass er dem Nachbarn die Reifen zerstochen hat. Sie will ihn provozieren und ihn dazu treiben, dass er das Messer nimmt und sie damit bedroht. Und wenn er sie damit absticht, ist es für sie auch ok, weil sie keine Lust mehr hat, auf dieses Leben (Vielleicht ist sie todkrank) und will mit ihrem Abgang noch sein Leben verpfutschen...

 

Meiner Einschätzung nach werden da mehrere Fragen aufgeworfen, was natürlich die Spannung erhöht.

 

Grüße

Quiddy

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...vielleicht ist es in der Tat ein Problem der gewählten Szene. Die Zielsetzung war, auszuprobieren, wie Action geschrieben wird. Vielleicht reicht es dazu nicht aus, dass sich ein Ehepaar streitet und ein Messer zum Einsatz kommt, aber keinem was geschieht. Vielleicht taugt das nicht als "richtige" Action-Szene, vielleicht werden daran einfach andere Assoziationen und Erwartungen geknüpft. Es geht hier jetzt vielfach thematisch weiter in der Szene, die Situationen werden verändert, es werden Inhalte und Aussagen gewünscht und vorgeschlagen, um Spannung zu erhöhen, Tiefe zu geben usw.

 

Hier mal was anderes, zB aus Dan Browns "Meteor":

 

"Aus dem Unterbau der Goya drang das markerschütternde Knirschen und Krachen von berstendem Metall. Wärhend der beschädigte Träger mit den Erschütterungen eines Erdbebenes zusammenbrach, sank vom Heck ausgehend die gesamte Steuerbordseite unter ihrem eigenen Gewicht ächzend in die Tiefe, als hätte ein riesiger Couchtisch ein Bein verloren. Der Lärm des berstenden Metalls und des in den Engpass rauschenden Wassers waren ohrenbetäubend. Rachel hielt sich verbissen am Tauchboot fest, das über dem steil abfallenden Deck über der gähnenden Öffnung der Falltür pendelte. Unter sich konnte sie das Meer schäumen sehen. Als sie den Blick hob, um nach Tolland zu sehen, wurde sie Zeugin eines bizarren Dramas, das sich in Sekundenschnelle auf dem abschüssigen Deck entwickelte. Nicht einmal einen Meter entfernt wurde der in den Klauen der Greifarme gefangene Delta-Kämpfer wie eine Stockpupppe herumgewirbelt. er brüllte vor Schmerz. Pickering kroch unterdessen quer durch Rachels Blickfeld zu einer Klampe im Deck, um dort Halt zu finden. Tolland hatte sich am Ankerwindenhebel festgeklammert. Rachel sah den Kämpfer mit der Maschinenpistole wieder auf die Beine kommen, doch er kümmerte sich nicht um Tolland. Starr vor Schreck schauter er zu dem mit laufenden Rotoren hinter dem Triton geparkten Kampfhubschrauber zurück, der mit seinen langen Landekufen auf dem schrägen Deck wie ein Schlitten ins Rutschen kam. Rachel sah die massige Maschine langsam dem Triton entgegenschlittern. Delta 1 kroch hastig das schräge Deck hinauf und warf sich ins Cockpit. Das Fluchtvehikel durfte auf keinen Fall verloren gehen. Er jagte die Turbine auf Vollgas und riss am Knüppel. Donnernd kamen die Rotoren auf Touren an dem schwer bewaffneten Kampfgerät. Zunehmend schneller glitt der Hubschrauber auf das Tauchboot und den in seinen Klauen zappelnden Kämpfer zu."

 

Klar, ganz andere Hausnummer, aber: Action oder nicht? Funktionierts als Actionsequenz, obwohl keine Figur bekannt ist? Obwohl niemand weiß, worum es geht? Obwohl es keine Vorgeschichte hat oder eine übergeordnete Bedeutung? Ich denke, schon.

 

Viele Grüße, Sven

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auch wenn Marco mich schlagen wird... jetzt hat er Filmmittel für den Einsatz bei einem Text vorgeschlagen, mehr oder weniger.

 

Ein bisschen schlag ich mich da selber, das war nämlich nicht meine Absicht. Kein Ahnung, was die Leute hier immer interpretieren, sobald einer das Wort 'Film' brüllt... Ich wollte nur auf eine Gemeinsamkeit hinweisen: Das Spiel mit der Zeit. Die von Sven noch weiter angeführten Filmtechniken wie Zoom, Schnitt, etc. sind nämlich schlicht und ergreifend in einem Buch nicht möglich. Ein ewiges, müssiges Thema, aber man kann nun einmal in einem Text nicht zoomen!!!

Man kann lediglich die 'Erzählte Zeit' schneller oder langsamer "ablaufen" (Ein Wort, das in diesem Kontext mit Vorsicht zu genießen ist, weil es so filmnah ist) lassen.

Dort enden die Gemeinsamkeiten zum Film aber auch schon.

 

Nun ist aber der Threadtitel "Übung Actionszene: Die Messerszene" und nicht "Übung Psychodramaszene: Der versoffene Ehemann". Bei einer derartigen Aufgabenstellung hätte mich der Gedanke auch verwundert, dass in jeder Szene mit dem Messer gefuchtelt und geblutet wird.

Es standen aber genau die von Dir bemängelten "brutalen, sinnfreien Haudrauf-Szenen" in unseren Hausaufgaben.

Rocker, wir drehen uns im Kreis. Wenn du meinst, die Aufgabenstellung ist nur und ausschließlich mit einer klischeebeladenen, langweiligen "versoffener, ungeduschter Mann mit vulgärem Sprachgebrauch schlitzt arme, wehrlose und kreischende Jungfrau auf"-Szene richtig und zweifelsfrei korrekt wiedergegeben, ist das dein gutes Recht, und was juckt es mich, welche Handlungsstränge du verfolgen magst.

Ich bin halt der Meinung, die Aufgabe war Action, nicht vulgäre Gewalt. So, wie ich der Meinung bin, dass die Charaktere einer Actionszene sich zwangsläufig und immer auf die Action auswirken. Aus die Maus.

 

Und Thomas hat's schon gesagt, so eine Szene wie das abschließende Duell in "Das Lied vom Tod", wäre in einem Roman wirklich unerträglich langweilig.

Und da hat der Thomas wie üblich vollkommen Recht. Ich habe auch mit keiner Silbe dafür plädiert, das in einem Text so zu schreiben, wie Sergio Leone schneidet, was auch rein 'physikalisch' unmöglich wäre, sondern drei Beispiele für Zeitdehnung gebracht. Wenn ihr daraus wieder vermeintliche Anweisungen lest, wie man eine Szene prosaisch niederschreiben sollte, juckt mich das wieder wenig.

(Kleine Exkursion: Nein, im Drehbuch stand das nicht, aber die Musik war VOR dem Film komponiert, und Leone hat Einstellungen, Schnitt und Darstellungen während des Drehs bereits auf die Musik abgestimmt, wusste also tatsächlich bereits am Set, wie er die Szene auflösen würde und hat dementsprechend gedreht...)

 

Wie gesagt, es ging nicht darum: Schreibt, wie man einen Film schneidet. Es ging um Parallelen in der Zeitdehnung/-quetschung.

 

Auf jeden Fall, sollten wir Filmbeispiele meiden, ich bereue auch schon wieder, mal wieder ein Beispiel aus dem Bereich genommen zu haben...

 

Ein weiterer wichtiger Punkt in Actionszenen wurde aber bereits angesprochen:

Die Perspektive...

 

Gruß,

Marco!

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Ein ewiges' date=' müssiges Thema, aber man kann nun einmal in einem Text nicht zoomen!!! [/quote']

 

Das wirst Du bei jedem journalistischen Reportage-Seminar oder Volontärs-Workshop anders erfahren:

 

"Lemgo, die kleine Stadt mit ihren pittoresken Kirchtürmen, liegt umschlossen von sanften Hügeln in einer Senke, und auf einem der Kirchtürme von St. Marien sitzt hoch oben auf dem Gerüst Heinz Meier, beißt in sein Butterbrot und schaut auf die Uhr, deren Datumsdisplay den 24. Dezember zeigt."

 

Mordsmäßiger Google-Earth-Zomm sogar ;-)

 

Viele grüße, Sven

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Das wirst Du bei jedem journalistischen Reportage-Seminar oder Volontärs-Workshop anders erfahren:

 

"Lemgo, die kleine Stadt mit ihren pittoresken Kirchtürmen, liegt umschlossen von sanften Hügeln in einer Senke, und auf einem der Kirchtürme von St. Marien sitzt hoch oben auf dem Gerüst Heinz Meier, beißt in sein Butterbrot und schaut auf die Uhr, deren Datumsdisplay den 24. Dezember zeigt."

 

Mordsmäßiger Google-Earth-Zomm sogar ;-)

 

Ich habs befürchtet... :-/

Nein, das ist kein Zoom, das ist ein Stufenweises springen von einem Detail, einer Beschreibung, an andere Details, andere Beschreibungen. Ein Zoom ist eine durchgehende, quasi 'stufenlose' Vergrößerung/Verkleinerung in einem Bildausschnitt, bei dem von einem Bild, das alles zeigt, weiterhin stufenlos, auf ein Bild 'gezoomt' wird, das nur ein Detail zeigt, bzw. andersherum. Text ist sequentiär. Ein Bild zeigt alles gleichzeitig. Das KANN ein TExt nicht. Da in dem Text ausserdem keinerlei Bilder sind (da Text keine Bilder sind), und die Beschreibung eines Bildes niemals das ganze Bild zeigen kann, kann auch nicht gezoomt werden, zumal eine stufenlose Bewegung innerhalb einer Textbeschreibung physisch schlicht unmöglich ist, da wie erwähnt, ein Text sequentiär ist, ein Bild hingegen nicht.

 

Man kann dieses stufenweise heranspringen von Detail zu Detail in einer Textbeschreibung gerne 'Zoom' nennen, wenn man möchte, weil es innerhalb der "Textphysik" das ist, was dem am nächsten kommt, aber es ist kein Zoom, da das ein Begrif aus dem optischen, vor allem filmischen Bereich ist.

 

Ein Text kann nunmal nicht zoomen, so wenig, wie ein Foto oder ein Film in schöner Frakturschrift verfasst sein kann.

Aber das sind Kleinigkeiten, und ich weiß ja, was du meinst.

 

Zurück zum Thema.

 

Gruß,

Marco! :s17

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Bitte beim Thema bleiben oder neuen Thread aufmachen!

 

Ich halte es für wichtig, bestimmte Begriffe, die in einer Diskussion von verschiedenen Leuten kommen, wenigstens kurz zu definieren, zu klären, wer den Ausruck wie nutzt, um die sonst hier üblichen Missverständnisse zu vermeiden...

Ansonsten hast du Recht; und bist erstaunlich still zu dem Thema. ;)

 

Gruß,

Marco!

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Ja, Peter sollte sich vielleicht mal mit ein paar klärenden Worten einmischen, denn so wie es jetzt aussieht, sind wir von unterschiedlichen Aufgabenstellungen ausgegangen. Ich habe es wirklich so aufgefasst, dass es lediglich um die Frage ging, mit welchen Tricks und Kniffen ich eine actionreiche Szene gut darstellen kann. Drama und Nachvollziehbarkeit der Figuren erschienen mir hier vollkommen unerheblich zu sein.

 

Also praktisch:

Peter: "Zeig doch mal, wie Du jemanden erstechen würdest."

Rocker: "Ja, gerne ... so! Ritscheratschestechschlitz!"

Marco: "So vulgärtrivial? Wo bleibt denn das ausgeklügelte Drama?"

Rocker: "Hä?"

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Ja' date=' Peter sollte sich vielleicht mal mit ein paar klärenden Worten einmischen, denn so wie es jetzt aussieht, sind wir von unterschiedlichen Aufgabenstellungen ausgegangen. Ich habe es wirklich so aufgefasst, dass es lediglich um die Frage ging, mit welchen Tricks und Kniffen ich eine actionreiche Szene gut darstellen kann.[/quote']

Na, ich doch auch. ;D

 

 

Drama und Nachvollziehbarkeit der Figuren erschienen mir hier vollkommen unerheblich zu sein.

Um Drama und Nachvollziehbarkeit geht es doch gar nicht, Rocker... Es geht um Situationen... Es KANN dramatisch sein. Muss aber nicht. Es kann auch grne lustig werden.

 

Also praktisch:

Peter: "Zeig doch mal, wie eine Actionszene aussehen kann, in der ein Mann ein Messer in der Hand hält."

Rocker: "Ja, gerne ... so! Ritscheratschestechschlitz!"

Marco: "So vulgärtrivial? Warum muss es denn blutig und fäkalsprachlich werden? Warum nicht eine lustige Slapstickszene: Sie wirft mit Torten, die er im Fluge mit dem Messer in handliche Häppchen teilt?"

Rocker: "Hä?"

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(Peter_Dobrovka)

Übrigens hatte ich Peters Vorgabe so verstanden, daß kein Dialog am Anfang

kommen soll. Von völlig Dialogfrei hat er m.E. nichts gesagt.

Yepp.

Ich wollte vermeiden, daß überflüssige Rahmenhandlung vor den eigentlich zu analysierenden Actionteil geschrieben wird, wie es bei einigen dann ja doch unvermeidlich war, warum auch immer. Ich wollte nur die pure Actionszene, und nichts davon, wie es zum Konflikt kam.

IN der Szene kann dann soviel Dialog sein wie will. Wenn der Autor es für sinnig erachtet, bitte sehr, dann kann die Frau auch versuchen, den Mann totzuschwätzen, bevor er ihr mit dem Messer nahe kommt.

 

Peter

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(Peter_Dobrovka)
Ja, Peter sollte sich vielleicht mal mit ein paar klärenden Worten einmischen, denn so wie es jetzt aussieht, sind wir von unterschiedlichen Aufgabenstellungen ausgegangen. Ich habe es wirklich so aufgefasst, dass es lediglich um die Frage ging, mit welchen Tricks und Kniffen ich eine actionreiche Szene gut darstellen kann. Drama und Nachvollziehbarkeit der Figuren erschienen mir hier vollkommen unerheblich zu sein.

Die Aufgabenstellung war so klar, klarer geht es nicht. Und die meisten haben sie auch - wie aus dem Ergebnis hervorgeht - richtig verstanden. Es gibt keine klärenden Worte zu sprechen, aber ich ich beginne jetzt mal mit ein paar Analyse-Gedanken. Ein paar wurden hier schon eingebracht.

 

Peter

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Die Aufgabenstellung war so klar, klarer geht es nicht. Und die meisten haben sie auch - wie aus dem Ergebnis hervorgeht - richtig verstanden. Es gibt keine klärenden Worte zu sprechen

Na, dann stampf ich meine blutlose Actionszene aus Sicht des Mannes, bei der am Ende die Kücheneinrichtung abbrennt mal wegen verfehlter Aufgabenstellung lieber wieder ein... :s09

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(Peter_Dobrovka)

Der Versuch, einen Überblick herzustellen:

 

#1: Peter D.

In der Tat völlig dialogfrei.

Perspektive: Frau.

Frau wehrt sich.

 

#3: Rocker

Sehr kurze, teilweise fragmetarische Sätze. Eingestreute kursive Gedanken.

Perspektive: Frau.

Frau gibt sich selbst die Schuld.

 

#9: SMü:

Eingestreute Gedanken.

Perspektive: Frau.

Frau wehrt sich.

 

#11: Joy:

Erste Hälfte streichen, bitte!

Etwas längere Sätze; meist zwei durch Komma zu einem verbundene.

Perspektive: Mann und Frau gemischt.

Es passiert letztlich nicht viel.

 

#12: JuliaB:

Kurze Sätze, aber oft durch Komma zwei zu einem verbunden.

Perspektive: Frau.

Frau wehrt sich.

 

#22: Alf:

Teils fragmentarische Sätze, martialische Metaphern.

Perspektive: Frau.

Frau wehrt sich.

 

#24: SabineW:

Erstes Drittel streichen, bitte!

Perspektive: Frau.

Frau wehrt sich.

 

#25: Torsten

Erstes Viertel streichen, bitte!

Sehr viele Vergleiche, Metaphern, Bilder.

Perspektive: Frau.

Frau wehrt sich.

 

#29: Sven:

Viele Details, auch des Umfeldes.

Perspektive: Frau.

Frau wehrt sich - mit Worten!

Anmerkung: Es war nicht Aufgabe, ohne Dialog zu schreiben, aber du hast auch nicht ohne Dialog geschrieben.

 

#30: Kristina:

Letztes Drittel streichen, bitte!

Viel Action, aber auch viel Dialog.

Perspektive: Mann

 

Die Frau wehrt sich sehr oft in den Szenen. Das ist schnell erklärt: Eine sich wehrende Frau ist bezüglich Action ergiebiger, es kann mehr geschehen als wenn nur einer was tut und der andere passiv ist.

 

Die Frau ist auch überwiegend Perspektivträger. Mitfiebern ist ja ein wesentlicher Teil der Spannung, und die Perspektive des Opfers bietet da den moralisch saubereren und auch ergiebigeren Weg. Letztlich auch den einfacheren.

 

Mehr von mir dazu später.

 

Peter

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Die Frau ist auch überwiegend Perspektivträger.

Das ist kein Wunder. Der Mann ist betrunken, wie er die Szene wahrnimmt oder was er denkt, ist damit sowieso uninteressant. Außerdem ist bei Actionszenen sowieso immer die Perspektive des Underdogs interessanter, als die des Favoriten.

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Das ist kein Wunder. Der Mann ist betrunken, wie er die Szene wahrnimmt oder was er denkt, ist damit sowieso uninteressant.

 

Auch wenn Rocker und Peter ja bewiesen haben, dass das, was ich geschrieben habe KEINE Actionszene ist: Da sich gerade die Möglichkeit ergibt, will ich meine Interpretation der Aufgabenstellung hier dennoch vorstellen.

Dass es etwas länger ist, liegt daran, dass ich versucht habe, verschiedene Arten von Action (Psychologische, körperliche, bildliche etc.) und verschiedene Wirkungsweisen (Dramatik, Spannung, Unterhaltung) zu kombinieren.

 

Schade finde ich, dass die Gedanken meines Mannes uninteressant sein sollen. Ich find sie ganz nett...  :s03

 

Er nahm das Messer, vergewisserte sich mit zerfasertem Blick, dass die scharfe Seite nach unten gerichtet war, presste seine rechte Hand flach auf den Tisch und schlug zu.

„Autsch“, rief er, riß die Augen auf und zog die Luft ein. Seine Frau stand mit überkreuzten Armen auf der anderen Seite und starrte ihn an.

„So“, lallte er. „Keine Hand, kein Whisky mehr.“ Er stieß auf.

Mit dem Geräusch eines Schnappschlosses griff sie die Tasse vom Tisch und warf. Als würde sie sich durch Sirup bohren, sah er aus der Öffnung braunen Kaffee mit der Eleganz eines Schmetterlings fächern, wie eine Blume, die nur für Sekundenbruchteile blüht.

Sie krachte ihm an die Schläfe, als hätte man eine Badewanne in einen Porzellanladen geschossen. Er geriet ins Wanken, kurz übernahm ihn die alkoholische Erschöpfung und er plumpste auf den Hintern.

„Autsch“, wiederholte er, und hielt sich den Kopf.

Seine Frau stand über ihm, das Messer in der Hand und richtete die Spitze auf ihn: „Du kannst dich glücklich schätzen, nicht getroffen zu haben.“

„Was hab ich?“

Sie ließ mit einem entnervten Schrei das Messer auf den Tisch klirren und stapfte davon. Er sah auf seine Hand hinab, die unverletzt war.

„Wow.“ Er war unzerstörbar. Welch Möglichkeiten das eröffnete. Ein Leben als Superheld. Oder als Kneipenrowdy. Er griff nach der Tischkante. Ächzend riß und ruckte er daran, unfähig sein Gewicht in die Höhe zu zerren, als der Tisch unerwartet nachgab, ankippte, und ihn wieder abrutschen ließ. Er blieb rücklings liegen. Staunend sah er das Messer direkt über ihm auf der Kante hängen, unentschlossen, ob es nun fallen wollte oder nicht.

„Oh, oh“, brummte er, als ihm die Situation bewusst wurde.

„Schatz“, brüllte er, und versuchte, sich zur Seite zu rollen. Alles drehte sich, und er war nicht sicher, wo genau links, recht, oben oder unten war.

„Das war das letzte Mal“, rief sie zurück.

„Vermutlich“, murmelte er, und beobachtete hilflos, wie das Messer gemächlich, mit der Ruhe eines Rentners im Supermarkt, über die Kante sank.

Er kniff die Augen zu, erwartete das kalte, metallische Gefühl, mit dem die Klinge in seinen Körper tauchen würde. Stattdessen zuckte er zusammen und prustete, als ein grober, Schlag auf seiner Stirn landete, etwas kaltes über sein Gesicht fuhr, und es neben ihm schepperte.

Er öffnete die Augen, wandte den Blick und sah das Messer neben sich liegen. Die Stelle über seinem Auge pochte, wo es mit dem Eichenholzgriff voran aufgeschlagen war.

Er grinste. Erst kurz, zufrieden, dann breiter, zufriedener, schließlich strahlend, aus voller Brust.

„Supermann!“, rief er, und rappelte sich auf.

„Was?“ rief seine Frau, die wieder erschien, einen Trolli hinter sich, und ihren Mantel um die Schultern.

„Ich bin unsterblich.“

„Du bist betrunken.“

„Ja. Aber unsterblich betrunken.“

Um ihr sein Talent zu beweisen, stützte er sich auf den Tisch, ging in die Knie und stieß sich ab. Mit einer Hockwende, die an die Geschmeidigkeit eines Öltankers erinnerte, wirbelte er herum, verhakte sich mit den Knöcheln am Tischbein, stürzte zur Seite, rutschte mit dem Körper längs über die Tischplatte, was mit einem Knall ein Tischbein splittern ließ, worauf der Tisch wie ein gesprengtes Gebäude wegkippte. Er jauchzte, als ein weiteres Tischbein barst, und er wie in einer Achterbahn aus müden Holzsplittern niederging. Es stach in der Seite, als er erneut über den Boden rollte, aber er jubelte wie ein lallendes Kind, das vom drei Meter Brett gesprungen war.

„Juchu.“ Er kämpfte sich hoch, kniff ein Auge zu, um besser sehen zu können, und bückte sich ächzend, um das Messer aufzuheben. Er wusste nicht genau, welcher seiner zweieinhalb unscharfen Ehefrauen er seine Fähigkeiten vorführen wollte, aber er streckte stolz die Brust heraus, hielt das Messer an seine Pulsader, und sah den Damen so mysteriös in die Augen, wie er konnte.

„Sieh, ich bin unsterblich.“ Mit einem harten Ruck schnitt er sich ins Fleisch.

Die Frauen sprangen mit einem jammernden Geräusch auf ihn zu, verschmolzen zu einer, packten ihn am Handgelenk und wanden seinen Arm schmerzhaft herum. „Spinnst du?“, rief sie, und stahl ihm mit kurzer Bewegung das Messer. „Wenn du die scharfe Seite genommen hättest ...“

„Ich werde die Schurken besiegen“, brüllte er, stieß sie zur Seite, und war mit einem Satz am Gasherd. Mit gezielten, suchenden Handgriffen und flinken, nilpferdähnlichen Bewegungen, öffnete er alle vier Gashähne, kraxelte geübt behäbig auf den Herd, und kramte sein Feuerzeug aus der Tasche.

„Ich beweis’s dir!“

Er suchte seine Frau, fand jedoch nur noch den Schatten einer Bewegung aus der Tür flüchten und ihren Mantel wie ein Herbstblatt zu Boden tanzen.

„Warte“, rief er ihr nach. „Ich sagte doch, ich beweis’s dir.“ Die Luft um ihn war beißend, er hustete, konzentrierte sich auf das Feuerzeug in seinen Händen, und ließ den Daumen über das Rädchen schnarren.

Die Stichflamme hüllte ihn ein wie ein Mutterleib: Warm, ein wenig schmerzhaft, irgendwie feucht. Etwas pfiff, und der Geruch schmorender Haare ließ seine Nase kribbeln.

Der Schmerz war samtig und überall, stieg an ihm empor, vom Hintern über die Nieren und die Brust, schnürte sich um seinen Hals, und wischte wie aus Drahtwolle über sein Gesicht.

„Autsch“, rief er, stieß sich vom Herd ab, und taumelte durch die Küche. „Autsch. Autsch, Autsch!“ Der Geruch von sengender Kleidung wurde stärker, und er sah, dass seine Hose von dicken Flammen gefressen wurde, als würde er von riesigen, leuchtenden Nacktschnecken aufgefressen. Der Schmerz an den Beinen wurde stechender, klarer. „Auuuuutsch!“, jaulte er.

Seine Frau kam aus dem Durchgang gesprungen, in der Hand ein riesiges, wassertriefendes Handtuch, und warf sich ohne zu zögern auf ihn.

„Du wirst nochmal das Haus abfackeln“, schimpfte sie, während beide umstürzten.

„He“, brummte er unter ihr. „Geh runter, was soll denn das? Mir geht es gut, ist nichts, ich bin unbesiegbar.“

„Unbelehrbar höchstens. Jedes Mal das Gleiche.“

Er zog sich den Stoff vom Gesicht. „Oh, oh“, wiederholte er, als er an seiner Frau vorbei die Küche sah. Wie Tapeten aus purer Wut leckten die Flammen an den Wänden empor. Stinkende Tropfen geschmolzenen Kunststoffs und Leims befruchteten den Teppich, die Arbeitsfläche und weitere Einrichtung mit Feuer. Wie Insektenschwärme quollen Qualmwolken durch Ritzen und Spalten und innerhalb von Sekunden fühlte sich jeder Atemzug an, als würde man Schleifsand gurgeln.

„Raus hier“, hustete seine Frau, während aus dem Feuer ein klagender Pfeifton erklang und sich mit einem Dröhnen irgendein Metall verformte.

[...]

 

Auch wenns mit der Aufgabenstellung nicht vereinbar ist, evtl. erweitert es die Diskussion ja dennoch...

 

Lieben Gruß,

Marco! :s17

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Auch wenn Rocker und Peter ja bewiesen haben, dass das, was ich geschrieben habe KEINE Actionszene ist: Da sich gerade die Möglichkeit ergibt, will ich meine Interpretation der Aufgabenstellung hier dennoch vorstellen.

Ich werde auf den witzigen (und durchaus actionhaltigen) Text wegen Themaverfehlung und Threadverwässerung nicht weiter eingehen, finde aber, daß wir uns mal (aber bitte in einem anderen Thread) darüber unterhalten sollten, wie wir Action definieren.

 

Und auch darüber, daß - wie mir aufzufallen deucht - viele hier im Forum Action als weit weniger interessant empfinden als die Dinge dahinter und entsprechende Gewichtungen setzen. Und ob das ein Phänomen des geschriebenen Wortes ist, das im Vergleich zum Film keine spektakulären Stunts bringen kann, dafür mit Psychologie und komplexen Hintergründen punkten kann.

 

Peter

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finde aber' date=' daß wir uns mal (aber bitte in einem anderen Thread) darüber unterhalten sollten, wie wir Action definieren.[/quote']

 

Au ja, das wäre toll. Ich bin nämlich nach wie vor verwirrt, und frage mich, warum mein Text (der übrigens auf Psychologie weitgehend verzichtet...) keine Action im Sinne des Thredthemas ist/sein soll. Für meine Begriffe ist alles drin, bis auf die panisch aufgerissenen, Todesangst erfüllten Augen einer Frau... Offenbar wird genau das von der Mehrheit hier als Action gedeutet. Oder sehe ich das falsch??  :s09

Wie gesagt, ich würde einen solchen "definitions"-Thread (wie üblich) sehr begrüssen.

 

Gruß,

Marco!

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Irgendwo wurde mal geschrieben, daß Action nicht spannend ist und auch nicht die Aufgabe hat, spannend zu sein, sondern die Spannung, die sich zuvor aufgestaut hat, auf spektakuläre und befriedigende Weise abbaut.

 

Das ist aber nur halb richtig, Action ist auch Spannung in sich. Wenn der Prota in einer lebensbedrohlichen Situation ist und man mit ihm mitfiebert, ob und wie er da rauskommt, dann haben wir Action, die ganz sicher spannend ist.

 

Im Film hat Action noch eine dritte Funktion: Eye Candy. Man will es krachen sehen. Im Buch geht das nicht, weil es hier nichts zu "sehen" gibt, der Leser muß sich seine Bilder selbst erschaffen. Aber dies nur nebenbei.

 

Was bei allen gebrachten Beispielen auffällt, ist, daß sehr viele Autoren die eigentliche Action, also das nackte Passierende, mit Innenwelten aufpeppen. Ich habe das auch gemacht, behaupte aber sogleich, daß das a) nicht notwendig zur Erfüllung der Aufgabenstellung ist und b) die Action auch ohne dieses Element funktioniert. Warum also haben wir es gemacht? Hm, mal nachdenken, warum habe ich es gemacht? Die Antwort ist erschreckend banal: Weil ich es so gewohnt bin. Weil das mein Strickmuster ist, meine Masche. Kann ich überhaupt anders? Ich müßte das erst mal versuchen, wäre mir darin erst mal unsicher.

 

Die Sekundärantwort, die ich von vielen hier erwarte, ist: Wenn man sich mit der Prota identifizieren kann, wirkt es stärker. Und damit man sich besser in sie hineinfühlen kann, bringt man ihre Gedanken.

Das ist möglicherweise zutreffend, aber nur möglicherweise. Wenn ich an Filme denke, die bekanntlich keine Innenwelten zeigen, fühle ich nägelkauende Spannung im Angesicht von bevorstehender Gewalt gegen einen Sympathieträger auch.

 

Peter

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Ich bin nämlich nach wie vor verwirrt, und frage mich, warum mein Text (der übrigens auf Psychologie weitgehend verzichtet...) keine Action im Sinne des Thredthemas ist/sein soll. Für meine Begriffe ist alles drin, bis auf die panisch aufgerissenen, Todesangst erfüllten Augen einer Frau... Offenbar wird genau das von der Mehrheit hier als Action gedeutet.

Dunkel ist mir deiner Rede Sinn, du hast den Text doch gerade erst (um 10:15) hier eingestellt? Wer außer dir selbst soll das alles dazu gesagt haben?

 

Peter

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Dunkel ist mir deiner Rede Sinn' date=' du hast den Text doch gerade erst (um 10:15) hier eingestellt? Wer außer dir selbst soll das alles dazu gesagt haben?[/quote']

 

Was davon jetzt genau dunkelt dir? Ich hatte mehrere Sachen gesagt...?!

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Dunkel ist mir deiner Rede Sinn' date=' du hast den Text doch gerade erst (um 10:15) hier eingestellt? Wer außer dir selbst soll das alles dazu gesagt haben?[/quote']

Was davon jetzt genau dunkelt dir?

Alles.

Drücke ich mich so schwer verständlich aus oder bin ich es, der ein Brett vorm Kopf hat?

Du hast deine Actionszene um 10:15 hier eingestellt. Noch niemand hat sie kommentiert, dazu war gar keine Zeit, aber du schreibst, daß du verwirrt bist, warum der Text keine Action sein soll, und daß die "Mehrheit hier" die aufgerissenen Augen als Action deutet.

Ja WER soll das denn gesagt haben? Ich finde keine solchen Aussagen. Haben wir unsichtbare User? Hattest du Vorab-Testleser per PN?

 

Peter

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Alles.

Ja WER soll das denn gesagt haben? Ich finde keine solchen Aussagen. Haben wir unsichtbare User? Hattest du Vorab-Testleser per PN?

 

Ah! :s20

 

Nein, die Aussage bezog sich auf die vorhergehende Diskussion, sowie, in etwa, folgende Punkte:

 

Es handelt sich hier allerdings nicht um irgendeine Actionszene, sondern um eine Messerstecherei, in die zumindest ein Betrunkener verwickelt ist. Es braucht also schon Blut, und natürlich auch Fäkalwörter, weil die einem auch in betrunkenem Zustand am besten von der Zunge schlüpfen.

 

Was also, Marco, hätten wir tun sollen?

 

Ich hatte die "Übung" bislang einfach so verstanden, daß wir an Hand einiger selbst gebastelter Beispiele Wirkungsweise und Wesen einer Actionszene diskutieren wollen. Meine persönlich Interpretation ging in die Richtung: "Gut, dann schreib' doch mal was, was für dich eine typische Actionszene ist. Hinein ins Klischee."

 

Es standen aber genau die von Dir bemängelten "brutalen, sinnfreien Haudrauf-Szenen" in unseren Hausaufgaben.

 

Die Zielsetzung war' date=' auszuprobieren, wie Action geschrieben wird. Vielleicht reicht es dazu nicht aus, dass sich ein Ehepaar streitet und ein Messer zum Einsatz kommt, aber keinem was geschieht. Vielleicht taugt das nicht als "richtige" Action-Szene, vielleicht werden daran einfach andere Assoziationen und Erwartungen geknüpft.[/quote']

 

Ja' date=' Peter sollte sich vielleicht mal mit ein paar klärenden Worten einmischen, denn so wie es jetzt aussieht, sind wir von unterschiedlichen Aufgabenstellungen ausgegangen.[/quote']

 

In den 'Anweisungen' steht ja nix davon, dass der Mann vulgär wird, wenn er betrunken ist. Oder dass Blut fliessen muss.

Interessant finde ich halt, dass das ganze psychologisch sofort in diese typischen, in meinen Augen recht 'ausgelutschten' Bahnen rutscht.

 

Die Aufgabenstellung war so klar, klarer geht es nicht. Und die meisten haben sie auch - wie aus dem Ergebnis hervorgeht - richtig verstanden. Es gibt keine klärenden Worte zu sprechen

 

Anders gesagt, ich hatte folgende Aufgabenstellung vor Augen:

 

 

Übung Actionszene: Die Messerszene

 

 

 

Beispiel: Die Frau die mit dem Alkoholiker liiert ist. SIe trennen sich, sie versöhnen sich, es geht eine Zeitlang gut. Und dann geht alles wieder von vorne los. Eines Tages erwischt sie ihn, dass er wieder zu trinken angefangen hat. Eigentlich hätte sie es längst wissen müssen, aber ...

 

Sie beschimpft ihn und er greift zum Messer ...

 

Ich greife diesen Vorschlag mal auf und eröffne einen neuen Thread.

ein paar kleine Vorgaben:

 

- Es geht um Action, also geht er auf sie jetzt auch los.

- Keinen Dialog verfassen, während er mit dem Messer in der Hand rumsteht, direkt mit der Action beginnen.

- Keine zusätzlichen Personen ins Spiel bringen.

- Beide Figuren werden noch für nachfolgende Kapitel gebraucht, also darf keiner so schwer verletzt werden, daß das nicht mehr möglich ist.

 

Wobei ich an dieser Stelle gramgebeugt zugeben muss, dass meine Stelle "Er geht auf sie los" von mir unbemerkt der kürzenden Überarbeitung zum Opfer gefallen ist... :-[

 

Das kann ich aber wieder nachbessern. Ansonsten sehe ich eine große Diskrepanz: Einerseits erfüllt meine Szene jegliche Vorgabe, (bis auf die eine, dass er auf sie losgeht, dass muss ich wieder einsetzen). Andererseits seht Du, Rocker, und wohl die anderen "Blut und Schlitzerei" (im weitesten Sinne) als in der Aufgabe enthalten.

Alles unterstrichen von Deinem Kommentar:

 

Ich werde auf den Text wegen Themaverfehlung und Threadverwässerung nicht weiter eingehen

 

Anders gesagt: Ich habe einen Text geschrieben, der für mein Verständnis ein den Vorgaben und dem Thema entsprechender Actiontext ist (mehr als das, nämlich meine Auffassung von allen Formen von Action, die ich unterbringen konnte) was allerdings der vorhergehenden Diskussion zufolge nur ich so sehe. Ergo wäre ein Definitionsthread für mich eine prima Sache, da ich Action halt nicht mit Blut und Panik verbinde... :-/

 

Etwas erleuchtet?

 

Gruß,

Marco! :s17

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Doch, Action ist drin, jede Menge. Mehrere nicht erfolgreiche Selbstverstümmelungs- und Selbstmordversuche, den Tisch zerbrochen und gleich auch noch die ganze Küche abgefackelt, so weit ist bisher keiner gegangen.

Ist natürlich auch ne andere Herangehensweise, die eigentlich dramatische Szene in eine Slapsticknummer zu verwandeln. Sehr kreativ. Marco, Du hast den Beweis erbracht, dass man auf Blut verzichten kann und die Szene aus der Sicht des Trunkenboldes schreiben.

Schön.

Und nu? Die Dramaturgie fehlt, das Aufeinanderprallen von Täter und Opfer. Ihr seelisches und körperliches Leiden.

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Und nu? Die Dramaturgie fehlt, das Aufeinanderprallen von Täter und Opfer. Ihr seelisches und körperliches Leiden.

 

Ich glaube, genau hier liegt des Pudels Kern: Ging es denn darum? Ich meine Peter hält es für auffällig, dass jeder das Innenleben der Charaktere beleuchtet, eben jenes "Aufeinanderprallen", und keine rein 'bildliche' Szene schreibt. Ich habe, weiter vorne oder in einem anderen Thread, "Action" für mich als "Handlungsorientiertes Geschehen" definiert, also es passiert etwas, es wird etwas getan. Dementsprechend habe ich ja die Aufgabe verstanden und die Szene verfasst: Es geht darum, wie man körperliche Handlungen, Körper- und Ereignisbeherrschte Handlungslemente beschreiben kann.

Die Psychologie, das Aufeinandertreffen der Personen gehört für mich nicht mehr zu "Action", (Für dich doch eigentlich auch nicht, wie ich dich verstanden habe...??) sondern eben zu "Dramatik", oder im Zweifelsfalle zu "Spannung".

Eine Sache ist doch: "Wie schildere/schreibe ich Action/eine Actionszene?" Und eine andere Frage ist: "Wie schildere ich, wie Menschen mit einer gewalttätigen Situation/in ihr Leben einbrechender Action umgehen?" Oder sehe ich das jetzt falsch?

 

Vieleicht resultiert ja daraus, dass verschiedene Auffassungen der Aufgabenstellung existieren? Oder sind das einfach verschiedene 'Actionszenen'? Ist ein Vulkanausbruch, der genußvoll und bildgewaltig einen unbelebten Dschungel verschlingt, keine Action mehr? Wo fängt Action an?

Deshalb ja meine Begeisterung für einen entsprechenden Definitionsthread.

 

Gruß,

Marco!

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