Zum Inhalt springen
hpr

Viel Lesen - nützt das Autoren

Empfohlene Beiträge

Wenn man die mal wegläßt und nur die richtigen Autoren betrachtet' date=' dann kann man vielleicht sagen: Wer lange daran gearbeitet hat, einen guten Erzählstil oder gar eine richtige Autorenstimme* zu entwickeln, kann bei gewissen Erfolg nur noch Bücher mit Autorenstimme ertragen.[/quote']

Manche können aber auch nur noch Bücher ertragen, die so erzählen, wie sie selbst erzählen möchten. Auch das ist weitverbreitet.

 

Runtererzählende Prosa, die nur als Vehikel dient, eine Geschichte zu transportieren

Eine Geschichte zu "transportieren" (du meinst vermutlich zu erzählen), ist eine Kunst. Von dem Aufbau der Personen angefangen über Spannungsbogen bis zum Hintergrund. Das hat alles nichts mit Stil zu tun, gehört aber meines Erachtens zu einem Text genauso dazu.

 

Aber es gibt viele Autoren, die bei Büchern nur den Stil betrachten, da hast du recht. Was ich schade finde und meist sind das dann die Bücher, die ich mangels Qualität der Geschichte nur anlese, und als mißlungen empfinde.

 

Aber zurück zum Thema: Viele Autoren bilden ihre Schreibe in ihrer Jugend aus, begegnen dort den Büchern, die sie prägen. J.C. Oates hat in dem Essay, den ich hier schon mal erwähnt habe (Als Schriftsteller lesen: Der Künstler als Handwerker) da etliche Beispiele aufgeführt. Spätere Bücher hatten und haben oft nicht mehr den Einfluss.

 

Hans Peter

 

Edit: die letzten zwei Sätze hate ich vergessen bzw. nur halb getippt.

Link zum Beitrag

Hallo,

 

hier noch ein Nachtrag. Ich habe grade nochmal die vielen ersten vier seiten gelesen, die mir Leute aufgrund der Anzeige im tempest und Federwelt gemailt hatten.

 

Und bei so gut wie allen merkt man, dass einfach die Fertigkeit, die Erfahrung fehlt, handwerkliche Methoden auch anzuwenden. Die meisten nutzen bestenfalls 5-15% des Potenzials ihrer Geschichte. Meist merkt man, dass sie durchaus Handwerk nutzen wollen, Buecher gelesen haben (sowohl Romane anderer Autoren wie Schreibratgeber), aber das Hauptproblem ist oft einfach die fehlende Erfahrung im Umgang mit dem Handwerk. Es reicht eben nicht, zu wissen, wie's geht, man muss es ueben, bis man es beherrscht.

 

Beliebter Trick, wie er auch heute viel in der Spannungsliteratur verwendet wird: Ein Hook (Leiche, Knall, etc.) und danach geht es in die Rueckblende, die erklaert, wie es zu dem Hook kam, was der Hintergrund ist.

 

Wirkungsvolle Methode, wenn man sie beherrscht. Wenn nicht, geht es grausam schief und bei den Texten, die ich gelesen habe, ist meist das der Fall. Den Autoren fehlt einfach die Fingerfertigkeit, die Uebung, wohl auch die Diskussion mit anderen. Denn so sehr man auch eigene Texte mit Vorbildern vergleicht, man kann sie nie richtig einordnen. Ich sehe das selbst bei meinen Texte, wo ich einfachste Fehler, die mir in anderen Texten sofort auffallen, nicht sehe.

 

Insofern schult lesen natuerlich den Geschmack, aber es bleibt immer die Diskrepanz, dass man sich mit der Einordnung der eigenen Texte schwertun wird und auch das, was man bei anderen Autoren wahrnimmt, erst mal einueben muss, bevor man es wirklich beherrscht.

 

Hans Peter

Link zum Beitrag
Wirkungsvolle Methode, wenn man sie beherrscht. Wenn nicht, geht es grausam schief und bei den Texten, die ich gelesen habe, ist meist das der Fall.

 

Wie / was genau geht denn schief? Ich kann mir darunter zunächst nichts vorstellen. Man imitiert die Methode, und was macht man dann falsch?

 

Sorry, gehört vielleicht nicht hierher, aber um die Fehler zu vermeiden, wüsste ich das doch gern....

 

;)

Judith

"Felix", Frankfurter Verlagsanstalt 2015 // jetzt als Kindle eBook

"Liebe braucht nur zwei Herzen", Penguin Verlag 2021

www.judithwilms.com

Link zum Beitrag
Wirkungsvolle Methode' date=' wenn man sie beherrscht. Wenn nicht, geht es grausam schief und bei den Texten, die ich gelesen habe, ist meist das der Fall. [/quote']

 

Wie / was genau geht denn schief? Ich kann mir darunter zunächst nichts vorstellen. Man imitiert die Methode, und was macht man dann falsch?

Schiefgehen kann viel. Wie hieß noch mal der berühmte Autor, der auf die Frage: Wie schreibe ich flashbacks antwortete: "Don't".

 

Das wichtigste bei einer Rückblende ist ja, dass sie den Leser aus dem aktuellen Lesefluss herausreißt und in eine andere Szene stürzt. Das heißt, der Leser muss es nachvollziehen können und die Rückblende-Szene sollte mindestens so spannend sein, wie die Szene, aus der du herausspringst. Wenn es am Anfang passiert, musst du erst mal deine Person etablieren, den Leser für sie interessieren, damit er überhaupt bereit ist, dir in die Vergangenheit zu folgen.

 

Genau daran scheitert es meistens. Die Rückblende kommt nach zwei, drei Sätzen und sie ist nicht motiviert und/oder nicht spannend.

 

In anderen Fällen ist sie einfach unnötig, weil kein Grund ersichtlich ist, warum nicht linear erzählt wird. Warum erst den Hook erzählen, wenn die Rückblende ihrerseits einen Hook enthält (oder, richtig geschrieben, enthalten würde). Dann kannst du einfach von vorne anfangen.

 

So, ist ein bißchen theoretisch. Aber wenn ihr Interesse habt, kann ich mal einen Text in die Textkritik einstellen, wo ich mich damit anhand eines Beispiels auseinandersetze.

 

Hans Peter

Link zum Beitrag

Hm, zumindest bei mir stelle ich fest, dass ich heute weitaus weniger lese, als noch vor einigen Jahren, in denen ich einfach alles mögliche an Lesestoff verschlungen habe.

 

Heute versuche ich wenigstens die in der für mich relevanten Branche (also der Phantastik) wichtigsten Romane gelesen oder wenigstens angelesen zu haben. Schon aus Gründen der Marktsondierung :)

Dennoch würde ich jedem Neuling raten, viel zu Lesen und sich abzuschauen, wie es die Kollegen machen.

 

Was noch viel spannender ist: In den letzten Jahren bemerke ich, dass gute Filme einen viel wichtigeren Einfluss auf mich ausüben (wobei ich die Sparte Popcorn-Kino ganz besonders schätze :-)). Vor allem finde ich es faszinierend, wie schnell die Filme teilweise zur Sache kommen. Zwischen Vorspann und erstem PlotPoint vergehen manchmal keine sieben Minuten. Sehr lehrreich.

 

Herzliche Grüße Tom

www.thomas-finn.de

Link zum Beitrag

Ich muss Tom Recht geben. Allein schon des Vergleichs wegens sollte man sich in seiner Sparte umschauen. Man schreibt ja nicht im luftleeren Raum, sondern in gewachsenen Genres, in denen bestimmte Regeln und Traditionen bestehen.

Allerdings halte ich es für falsch, immer nur die Literatur zu lesen, die man selbst schreibt. Da wird man schnell betriebsblind. Je vielfältiger desto besser. (Das Krimi-Segment klammere ich persönlich, von wenigen Ausnahmen abgesehen, allerdings aus. Ist nicht meins.) Dabei entstehen manchmal hochspannende "Kreuzungen" zwischen Büchern.

 

Viele Grüße,

 

Heide

Link zum Beitrag

Bitte melde Dich an, um einen Kommentar abzugeben

Du kannst nach der Anmeldung einen Kommentar hinterlassen



Jetzt anmelden

×
×
  • Neu erstellen...