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GesineS

Zitatrecht: Vom richtigen und falschen Zitieren

Empfohlene Beiträge

Die aktuelle Ausgabe von der selfpublisher enthält eine nützliche Übersicht zum Zitatrecht.

Der Medienrechtler Christian Russ erläutert u. a. Großzitate und Kleinzitate und dass es auch auf die Zeichensetzung ankommt. Ein Kästner-Zitat werde "oft fälschlich in einem einzigen Satz zitiert, die beiden Aussagen durch ein Komma statt durch einen Punkt getrennt. Das verfälscht die Aussage und ist nicht zulässig".

https://www.autorenwelt.de/system/files/der-selfpublisher_01-2026_leseprobe.pdf (Heft Nr. 41, März 2026)

 

Für Leserinnen & Leser der Tüte grüner Wind:Fotos aus Lucys Irland

übrigens …  

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vor 4 Stunden schrieb GesineS:

Die aktuelle Ausgabe von der selfpublisher enthält eine nützliche Übersicht zum Zitatrecht.

Der Medienrechtler Christian Russ erläutert u. a. Großzitate und Kleinzitate und dass es auch auf die Zeichensetzung ankommt. Ein Kästner-Zitat werde "oft fälschlich in einem einzigen Satz zitiert, die beiden Aussagen durch ein Komma statt durch einen Punkt getrennt. Das verfälscht die Aussage und ist nicht zulässig".

https://www.autorenwelt.de/system/files/der-selfpublisher_01-2026_leseprobe.pdf (Heft Nr. 41, März 2026)

Das Kästner-Zitat kenne ich auch: "Es gibt nichts Gutes. Außer man tut es." Dass man es mit Goethe verwechselt, liegt glaube ich daran, dass der sagte: "Nichts ist schwerer zu ertragen als eine Reihe von schönen Tagen."

Es lohnt übrigens, sich die Ausgabe der Autorenwelt mal anzuschauen. Von der Klage des Pinguin Verlags gegen KI-Unternehmen über die neue Selfpublishing-Plattform, die sogar Lektorate anbietet, um Schreibende von den DKZV loszukriegen. Viele SPlerínnnen nutzen offensichtlich auch die KI als Lektor und zur Recherche etc..(Aber lohnt es sich, ein Buch bei der Lounge Edition als Print drucken zu lassen mit Lektorat, Cover und allem Drum und Dran? Kann man das nicht selber genauso günstig machen oder zusammen mit Kollegínnen, die Ahnung haben?)

Bearbeitet von Christa
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Am 27.5.2026 um 11:14 schrieb Christa:

der sagte: "Nichts ist schwerer zu ertragen als eine Reihe von schönen Tagen."

Da es in dem Artikel um korrektes Zitieren geht, auch um Quellenangaben: Wo in seinen Werken steht das?

Ich meine, mal gelesen zu haben, dass Goethe den sprichwörtlich gewordenen Satz so nie geschrieben hat.

 

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vor 2 Stunden schrieb GesineS:

Da es in dem Artikel um korrektes Zitieren geht, auch um Quellenangaben: Wo in seinen Werken steht das?

Ich meine, mal gelesen zu haben, dass Goethe den sprichwörtlich gewordenen Satz so nie geschrieben hat.

Das Zitat hatte sich aus vordigitalen Zeit bei mir eingebrannt. Eine Überprüfung zeigt jetzt, dass es fälschlicherweise Tucholsky zugeschrieben wird, in Wirklichkeit aber aus einem  Gedicht Goethes stammt (mit Link!): "Alles in der Welt lässt sich ertragen, nur nicht eine Reihe von schönen Tagen."

 

Hier ist es: (Jetzt weiß ich auch wieder, wo ich das zuletzt gelesen und mir gemerkt hatte)

Faust

Alles Vergängliche
Ist nur ein Gleichnis;
Das Unzulängliche,
Hier wird´s Ereignis;

Das Unbeschreibliche,
Hier ist´s getan;
Das Ewig-Weibliche
Zieht uns an.

- Man könnt´erzogene Kinder gebären,
Wenn die Eltern erzogen wären.

- Alles in der Welt läßt sich ertragen,
Nur nicht eine Reihe von schönen Tagen.

-Willst du ins Unendliche schreiten,
Geh nur im Endlichen nach allen Seiten.

Willst du dich am Ganzen erquicken,
So mußt du das Ganze im Kleinen erblicken.

um 1829

Bearbeitet von Christa
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Am 27.5.2026 um 06:46 schrieb GesineS:

Die aktuelle Ausgabe von der selfpublisher enthält eine nützliche Übersicht zum Zitatrecht.

Danke dafür!

Ich streue in meine Geschichte (spielt um die Zeitenwende, allerdings die von vor 2026 Jahren) gern Zitate antiker Autoren an passenden Stellen ein, z.B. sagt Nikokles, der fiktive griechische Lehrer meines Protagonisten: Geschehen wird, was die wollen, die die Macht haben, und die Macht wird immer bei den Waffen sein. Dieser Satz von Cicero, der einem gebildeten Freigelassenen sogar bekannt gewesen sein könnte, wird sich am Ende der Geschichte als für die Römer unheilvolle Prophezeiung erweisen.

Anderes Beispiel: Während der Schlacht im Teutoburger Wald ruft mein Protagonist dem Quintilius Varus zu: Ein Heil bleibt dem Besiegten allein, kein Heil mehr zu hoffen. Der Unglückliche würde das Vergil-Zitat sicher erkannt haben, bevor er seinem Leben selbst ein Ende setzte.

Als Zitate muss man sie ja nicht kenntlich machen und ich würde es den Rezipienten auch gerne selbst überlassen, solche Zitate zu erkennen. Oder sollte man sie in einem Glossar aufführen? Schließlich heißt es ja: Alle Kreter lügen (na, von wem ist das? ;-))

 

A mind is like a parachute. It doesn´t work if it is not open (Frank Zappa)

https://procellula.jimdofree.com

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vor 52 Minuten schrieb JürgenB:

Danke dafür!

Ich streue in meine Geschichte (spielt um die Zeitenwende, allerdings die von vor 2026 Jahren) gern Zitate antiker Autoren an passenden Stellen ein, z.B. sagt Nikokles, der fiktive griechische Lehrer meines Protagonisten: Geschehen wird, was die wollen, die die Macht haben, und die Macht wird immer bei den Waffen sein. Dieser Satz von Cicero, der einem gebildeten Freigelassenen sogar bekannt gewesen sein könnte, wird sich am Ende der Geschichte als für die Römer unheilvolle Prophezeiung erweisen.

Anderes Beispiel: Während der Schlacht im Teutoburger Wald ruft mein Protagonist dem Quintilius Varus zu: Ein Heil bleibt dem Besiegten allein, kein Heil mehr zu hoffen. Der Unglückliche würde das Vergil-Zitat sicher erkannt haben, bevor er seinem Leben selbst ein Ende setzte.

Als Zitate muss man sie ja nicht kenntlich machen und ich würde es den Rezipienten auch gerne selbst überlassen, solche Zitate zu erkennen. Oder sollte man sie in einem Glossar aufführen? Schließlich heißt es ja: Alle Kreter lügen (na, von wem ist das? ;-))

Ein Glossar (oder eine Fußnote) würden einem Roman nicht gut anstehen. Du könntest es höchstens so einbauen: "Wie schon Cicero sagte: Geschehen wird, was die wollen, die die Macht haben, und die Macht wird immer bei den Waffen sein. Aber das nimmt dem Zitat seine eigentliche Wucht.

Was die lügenden Kreter betrifft: Die kannte ich von Paul Watzlawicks paradoxer Kommunikation. Denn wenn ein Kreter sagt, "Alle Kreter lügen", dann ist es ein Paradox, weil das dann ja auch gelogen ist. Von wem das ist, musst ich erst mal recherchieren. Der Apostel Paulus schreibt das an Titus als Spruch vom Epimenides "Alle Kreter sind Lügner". Ist aber eher eine Grundlage für Philosophien (und sogar Computer-Thriller, wie ich zu meinem Erstaunen las), als dass es sich für ein Roman-Zitat eignen würde.;)

Bearbeitet von Christa
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vor 3 Minuten schrieb Christa:

Ist aber eher eine Grundlage für Philosophien (und sogar Computer-Thriller, wie ich zu meinem Erstaunen las), als dass es sich für ein Roman-Zitat eignen würde.;)

Kommt immer auf den Zusammenhang an. Wenn Nikokles ein Kreter wäre, könnte sich ein Römer über ihn lustig machen. Ich verwende das Zitat aber nicht.

Ich will mich nicht mit fremden Federn schmücken, aber in einem historischen Roman, der in der klassischen Antike angesiedelt ist, sollten m.E. solche Elemente nicht fehlen, zumal sie damals sicher auch gerne in die Konverstion eingeflochten wurden.

Das Glossar ist ohnehin schon recht umfangreich, deshalb will ich es ja auch nicht noch mit Zitaterklärungen überfrachten. Wenn jemand diese einestreuten Perlen entdeckt, ist es schön, wenn nicht, dann ist das auch nicht schlimm. Ich habe sicher auch schon manche Anspielung überlesen, weil ich sie nicht als solche verstand.

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Am 30.5.2026 um 09:32 schrieb Christa:

in Wirklichkeit aber aus einem  Gedicht Goethes stammt (mit Link!): "Alles in der Welt lässt sich ertragen, nur nicht eine Reihe von schönen Tagen."

Hm … ein Link ist in diesem Fall nur nützlich, wenn er zu einer seriösen Quelle führt oder direkt in Goethes Werk. Ist das der Fall?

Du schreibst nicht, wo du die oben kopierten Zeilen gefunden hast. Ich vermute, es war eine der vielen mit Zitaten gefüllten Websites, auf denen leider oft falsch und ohne korrekte Quellenangabe zitiert wird. :-(

Immerhin und erfreulicherweise wird der Goethe-Spruch dort korrekt wiedergegeben („Alles in der Welt läßt sich ertragen, Nur nicht eine Reihe von schönen Tagen.“) und nicht die uns vertraute, vom Volksmund veränderte Version ("Nichts ist schwerer zu ertragen als eine Reihe von schönen Tagen“), die du weiter oben im Thread zitiert hast.  

 

 

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vor 4 Stunden schrieb GesineS:

Hm … ein Link ist in diesem Fall nur nützlich, wenn er zu einer seriösen Quelle führt oder direkt in Goethes Werk. Ist das der Fall?

Du schreibst nicht, wo du die oben kopierten Zeilen gefunden hast. Ich vermute, es war eine der vielen mit Zitaten gefüllten Websites, auf denen leider oft falsch und ohne korrekte Quellenangabe zitiert wird. :-(

Immerhin und erfreulicherweise wird der Goethe-Spruch dort korrekt wiedergegeben („Alles in der Welt läßt sich ertragen, Nur nicht eine Reihe von schönen Tagen.“) und nicht die uns vertraute, vom Volksmund veränderte Version ("Nichts ist schwerer zu ertragen als eine Reihe von schönen Tagen“), die du weiter oben im Thread zitiert hast.  

Ja, das war der Fall, es war dieses Zitat: „Alles in der Welt läßt sich ertragen, Nur nicht eine Reihe von schönen Tagen.“)Die Großschreibung des "N" habe ich weggelassen, weil das nicht zeitgemäß ist und man dann rätseln könnte, ob es falsch zitiert ist. Ich habe es innerhalb des Faustschen Gedichtes gesehen. Den Band Faust besitze ich nicht mehr, konnte also auch nicht an Ort und Stelle nachsehen. Hier ist es noch mal im Universallexikon: 
Goethe Universallexikon

Dasselbe zitiert die KI zwar auch fast wörtlich, aber auf die kann man sich nie verlassen. Erst kürzlich habe ich nach den Büchern gefragt, die Denis Scheck in der und der Sendung verrissen hatte. Sie nannte mir zwei falsche Titel.

 

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Am 4.6.2026 um 14:09 schrieb Christa:

Ich habe es innerhalb des Faustschen Gedichtes gesehen. Den Band Faust besitze ich nicht mehr, konnte also auch nicht an Ort und Stelle nachsehen.

Christa, ich bin ziemlich sicher, dass der Spruch "Alles in der Welt läßt sich ertragen, Nur nicht eine Reihe von schönen Tagen" nicht im Faust steht. Auch nicht der Spruch "Man könnt´erzogene Kinder gebären, Wenn die Eltern erzogen wären". Der stammt aus seinen Zahmen Xenien.

In deiner Kopie oben sieht es aber so aus, als stammten sämtliche dort aufgeführten Goethe-Zeilen aus dem Faust. Irgendetwas stimmt mit der Website oder der Quelle nicht. :s09

Am 4.6.2026 um 14:09 schrieb Christa:

Hier ist es noch mal im Universallexikon: Goethe Universallexikon

Leider lässt sich der Link von mir nicht anklicken.

 

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vor 6 Stunden schrieb GesineS:

Christa, ich bin ziemlich sicher, dass der Spruch "Alles in der Welt läßt sich ertragen, Nur nicht eine Reihe von schönen Tagen" nicht im Faust steht. Auch nicht der Spruch "Man könnt´erzogene Kinder gebären, Wenn die Eltern erzogen wären". Der stammt aus seinen Zahmen Xenien.

In deiner Kopie oben sieht es aber so aus, als stammten sämtliche dort aufgeführten Goethe-Zeilen aus dem Faust. Irgendetwas stimmt mit der Website oder der Quelle nicht. :s09

Leider lässt sich der Link von mir nicht anklicken.

Du hast recht, es ist schwierig, genaue Quellen zu finden, wenn man das Original nicht zur Hand hat (und wer hat das schon? Doch nur Wissenschaftler). Im Universallexikon wird es richtig zitiert, denke ich. Universallexikon "

Alles in der Welt lässt sich ertragen, nur nicht eine Reihe von schönen Tagen

Alles in der Welt lässt sich ertragen, nur nicht eine Reihe von schönen Tagen

 

Dieser Spruch findet sich bei Goethe in der Abteilung »Sprichwörtlich« der Gedichtsammlung von 1815. (Für den hier ausgesprochenen Gedanken gibt es bereits mehrere Vorformen im Werk Martin Luthers.) Die heutige Zitierweise lautet etwas abgewandelt: »Nichts ist schwerer zu ertragen als eine Reihe von guten Tagen.« Man bezieht den Spruch dabei zumeist auf eine Aufeinanderfolge von Feiertagen, die mit zu vielem Essen und Trinken und Müßiggang einhergehen, sodass man schließlich träge und verdrießlich oder übermütig wird.

 

Universal-Lexikon. 2012.

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