Zum Inhalt springen
GesineS

Vorschuss-Paygaps, sterbende Midlist und mehr

Empfohlene Beiträge

Autorin und Essayistin Berit Glanz auf 54books u. a. über Vorschuss-Paygaps, das Sterben der Midlist und warum immer mehr Autor*innen schweigend aus dem Literaturbetrieb verschwinden.

"Diese (…) 10.000 verkauften Exemplare galten lange als Messlatte für einen akzeptabel laufenden Titel im Betrieb. Sie werden mittlerweile aber nur noch selten erreicht. Bereits 5.000 verkaufte Exemplare bedeuten heute einen soliden Verkauf. Immer wieder erreichen Titel nicht mal mehr vierstellige Verkaufszahlen, eine Katastrophe für Verlage und Autor*innen. (…)
Stimmen die Verkaufszahlen nicht, sinken die Vorschüsse und irgendwann gibt es keinen Folgevertrag mehr."

Und: Olga Tokarczuks Abschied vom literarischen Roman. Die Literaturnobelpreisträgerin lässt sich jetzt beim Schreiben von einer KI helfen.:o

                                    Zwischen Bestseller und Brainrot – Wie der Markt die Literatur sortiert  

 

 

 

Für Leserinnen & Leser der Tüte grüner Wind:Fotos aus Lucys Irland

übrigens …  

Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

Sebastian Niedlich
vor einer Stunde schrieb GesineS:

Und: Olga Tokarczuks Abschied vom literarischen Roman. Die Literaturnobelpreisträgerin lässt sich jetzt beim Schreiben von einer KI helfen.:o

Olga Tokarczuk hat bereits durch ihren englischen Herausgeber dementieren lassen (siehe Bild).

Screenshot 2026-05-20 at 11-12-45 bafkreiemeup3sgpaq6c2ijrkoasgdkr3fsbzfxosir3cij5gyvwkoep4xa.webp (WEBP-Grafik 1327 × 334 Pixel).png

Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

Danke für den Link. Ein wirklich lesenswerter Artikel!

Und Danke, Sebastian, dass du das mit der KI und Olga T. noch einmal klargestellt hast! (Sie schreibt ohne KI, nutzt aber die genialen Recherche-Möglichkeiten, prüft die Recherche aber noch einmal gegen, was ihr alles in allem viel Zeit spart …)

Inspiration exists, but it has to find us working! (Pablo Picasso)

Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

Am 20.5.2026 um 10:08 schrieb GesineS:

Autorin und Essayistin Berit Glanz auf 54books u. a. über Vorschuss-Paygaps, das Sterben der Midlist und warum immer mehr Autor*innen schweigend aus dem Literaturbetrieb verschwinden.

"Diese (…) 10.000 verkauften Exemplare galten lange als Messlatte für einen akzeptabel laufenden Titel im Betrieb. Sie werden mittlerweile aber nur noch selten erreicht. Bereits 5.000 verkaufte Exemplare bedeuten heute einen soliden Verkauf. Immer wieder erreichen Titel nicht mal mehr vierstellige Verkaufszahlen, eine Katastrophe für Verlage und Autor*innen. (…)
Stimmen die Verkaufszahlen nicht, sinken die Vorschüsse und irgendwann gibt es keinen Folgevertrag mehr."

Und: Olga Tokarczuks Abschied vom literarischen Roman. Die Literaturnobelpreisträgerin lässt sich jetzt beim Schreiben von einer KI helfen.:o

                                    Zwischen Bestseller und Brainrot – Wie der Markt die Literatur sortiert  

 

 

Also als ich 2007 mit dem Veröffentlichen anfing - geschrieben hatte ich schon lange vorher, wie die meisten von uns - galt 10.000 als die Messlatte für einen recht gut laufenden Titel. So teilte es mir wenigstens meine damalige Agentin mit. Das galt natürlich für Midlist-Autoren, von Spitzentiteln erwartete man sich mehr. 5000 und mehr galten laut ihrer Aussage als "geht so": nicht überragend, aber auch keine Katastrophe. Bei allem, was drunter lag, sah es mau aus für den Folgevertrag. Schon damals erreichten viele Titel die 10.000-Grenze nicht, oder wenigstens nicht in den ersten Monaten, wie es erwartet wurde. Etliche landeten sogar unter 5000. Manche verkauften sich laut ihrer Aussage schon so um 2010 rum "wie Kleinverlagsbücher". Ich gehe mal davon aus, damit waren so 500 - 1000 Verkäufe gemeint. Damit waren Kleinverlage damals glücklich.

Dass die Vorschüsse geringer wurden und irgendwann die Folgeverträge ausblieben, habe ich selbst am eigenen Leib erlebt. So viel verändert hat sich meines Erachtens also nict, außer, dass es vielleicht noch etwas schwieriger geworden ist, vom Schreiben leben zu können. Ich farge mich aber, ob das nicht schon immer schwierig war.

Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

vor einer Stunde schrieb Tereza:

Also als ich 2007 mit dem Veröffentlichen anfing - geschrieben hatte ich schon lange vorher, wie die meisten von uns - galt 10.000 als die Messlatte für einen recht gut laufenden Titel. So teilte es mir wenigstens meine damalige Agentin mit. Das galt natürlich für Midlist-Autoren, von Spitzentiteln erwartete man sich mehr. 5000 und mehr galten laut ihrer Aussage als "geht so": nicht überragend, aber auch keine Katastrophe. Bei allem, was drunter lag, sah es mau aus für den Folgevertrag. Schon damals erreichten viele Titel die 10.000-Grenze nicht, oder wenigstens nicht in den ersten Monaten, wie es erwartet wurde. Etliche landeten sogar unter 5000. Manche verkauften sich laut ihrer Aussage schon so um 2010 rum "wie Kleinverlagsbücher". Ich gehe mal davon aus, damit waren so 500 - 1000 Verkäufe gemeint. Damit waren Kleinverlage damals glücklich.

Dass die Vorschüsse geringer wurden und irgendwann die Folgeverträge ausblieben, habe ich selbst am eigenen Leib erlebt. So viel verändert hat sich meines Erachtens also nict, außer, dass es vielleicht noch etwas schwieriger geworden ist, vom Schreiben leben zu können. Ich farge mich aber, ob das nicht schon immer schwierig war.

Das ist was dran.

Was ich halt durch meine Jahre in England beobachten konnte, und die sind uns ja in so einigem ein bisschen voraus: Dort ist die Höhe Garantiehonorare seit der Jahrtausendwende in Schüben gesunken. In einer großen englischen AutorInnen-Zeitung hatte ich das damals mitverfolgt. Dort stand in einem Artikel, dass das Garantiehonorar zwischen 2000 - 2010 für Midlist-AutorInnen um die Hälfte gesunken sei (und das auch für viele HausautorInnen). Zehn Jahre später war das Ganze dann wieder Thema (Verdrängungswettbewerb und Buchhandelssterben in UK, worunter auch die Verlage sehr litten) und ich bekam zu lesen, dass die Honorare erneut um 50 % gefallen waren. Heißt, dass man nun nur noch 25 % dessen als Vorschuss erhielt, was in den ersten Jahren des neuen Jahrtausends noch gängig war.

Und so schaut es inzwischen doch auch in der deutschen Buchbranche aus. Wie im "englischsprachigen" Raum wird auch hierzulande inzwischen in manche Titel unglaublich hoch investiert, worauf ein ordentliches Marketing-Paket folgen muss. Was dann noch an Finanzmitteln bleibt, wird auf die Midlist und die restlichen Programmplätze verteilt. Und das sind oft genug nur noch kleine vierstellige Beträge.
 

Bearbeitet von Ramona

Inspiration exists, but it has to find us working! (Pablo Picasso)

Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

Ich habe ja 2004 mit dem Veröffentlichen angefangen, und da flog man wegen der Verkaufszahlen in Kleinverlagen nicht raus. 11000 verkaufte Exemplare in zwei Monaten konnten einem im Großverlag schon noch den Titel "Erfolgsautorin" einbringen. Aber ich glaube doch, dass es damals generell einfacher war, an Verlage und Agenturen zu kommen und im Geschäft zu bleiben. Fing an mit dem Einbruch der Buchkäuferínnen und den wechselnden Trends. Ergänzend kann ich noch sagen, dass sich meiner Erfahrung nach in den Imprint-Verlagen die Bücher - in der Masse - verkaufen wie in Kleinverlagen, also so 400 bis 700 oder 1000 Stück.

Bearbeitet von Christa
Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

vor 2 Stunden schrieb Christa:

Ich habe ja 2004 mit dem Veröffentlichen angefangen, und da flog man wegen der Verkaufszahlen in Kleinverlagen nicht raus. 11000 verkaufte Exemplare in zwei Monaten konnten einem im Großverlag schon noch den Titel "Erfolgsautorin" einbringen. Aber ich glaube doch, dass es damals generell einfacher war, an Verlage und Agenturen zu kommen und im Geschäft zu bleiben. Fing an mit dem Einbruch der Buchkäuferínnen und den wechselnden Trends. Ergänzend kann ich noch sagen, dass sich meiner Erfahrung nach in den Imprint-Verlagen die Bücher - in der Masse - verkaufen wie in Kleinverlagen, also so 400 bis 700 oder 1000 Stück.

Ja, ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass Imprint ähnlich wie Kleinverlag ist. Wobei es auch auf den Kleinverlag ankommt. Bei meiner Suche nach einem Verlag für den Mexiko-Roman bin ich ja auf einige  - hüstel - etwas obskure gestossen. Ich fürchte, bei denen kann man froh sein, wenn man hundert verkauft.

Als ich so 2005 anfing, nach einer Agentur oder einem Verlag zu suchen, hatte ich schon das Gefühl, dass es verdammt schwer ist. Und jetzt soll es noch schlimmer sein? Herrje.:-[

Die einzig positive Entwicklung ist wohl, dass man heute SP machen kann.

Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

Vor zwei Tagen fragte mich eine Freundin, was ich ihrem Bekannten raten würde. Er will ein Buch schreiben, was Biografisches. Oje,  dachte ich. Wir wissen ja, wie es auf dem Buchmarkt aussieht, sagte ich zu der Freundin. Er kann ja für den Blog schreiben oder für die Verwandtschaft. Zum SP wollte ich gar nicht erst raten. (vielleicht kommt er selber drauf.) Da läuft nur dasselbe gut, was auch den Buchhandlungen läuft. Ich habe ja mit meinem neu aufgelegten Verlagsbuch auch wieder bei Amazon SP gemacht-sozusagen als Versuchsballon. Tolino steht noch aus, da ist das Hochladen sehr viel schwieriger als bei A., und das Buch erscheint wohl auch erst nach einigen Tagen.(Können wir im Mitgliederbereich noch näher besprechen.)

Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

Ich hatte den Artikel in der Zeit gelesen und war überrascht. 

Ähnliches spielt sich auch auf dem SP Markt ab. Natürlich ohne Vorschüsse. 
Aber die Marktsättigung und the winner takes it all - also wenige Titel laufen sehr gut, ziehen aber ein Genre nicht mehr mit. 
Spannend. 

 

Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

Ergänzend dazu:

Honorare in der Buchbranche: re:publica-Auftritt löst Debatte aus:

https://www.ndr.de/kultur/buch/honorare-in-der-buchbranche-republica-auftritt-loest-debatte-aus,autorenvorschuesse-100.html

Vielleicht hatte ich es in dem allerersten Link in der Thread-Eröffnung überlesen, aber es handelte sich um einen Doppelbuch-Vertrag. Im NDR-Beitrag werden auch die weiteren Gründe des Verlags für die Honorarzahlung erläutert. Auch weitere Branchenkenner kommen zu Wort. Die Motive hinter diesen Honoraren zeichnen im Grunde die Entwicklung des Buchmarktes der letzten Jahre nach. Käuferrückgang, wenige Titel, die das ganze "Geschäft mit der Literatur" tragen. 

Bearbeitet von Ramona

Inspiration exists, but it has to find us working! (Pablo Picasso)

Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

"Das bedeute, dass der weitaus überwiegende Teil der Titel in praktisch allen Verlagsprogrammen die Vorschüsse nicht einspiele. "Man macht de facto damit Verlust. Die wenigen erfolgreichen Titel, bei denen das anders ist, helfen, ein ganzes Programm zu ermöglichen", so Lovenberg."

Gut, dass du nochmal daran erinnerst, Ramona. Wenn ein Sachbuchautor für zwei Bücher einen Vorschuss von 160 000 Euro bekommt, ist das kein Grund für andere, sich  benachteiligt zu fühlen oder zu denken, Frauen bekämen geringere Vorschüsse. Diese Bücher sind die Zugpferde, die es anderen überhaupt ermöglichen mitzuspielen. Beim SP ist das anders, da gehen die Autorínnen in Vorleistung und werden durch die Superstars nicht mitgezogen.

Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

vor 1 Stunde schrieb Christa:

Gut, dass du nochmal daran erinnerst, Ramona. Wenn ein Sachbuchautor für zwei Bücher einen Vorschuss von 160 000 Euro bekommt, ist das kein Grund für andere, sich  benachteiligt zu fühlen oder zu denken, Frauen bekämen geringere Vorschüsse. 

Wenn man liest, dass eine der Top-Autorinnen von DuMont zu Rowohlt gewechselt und dafür ein Millionenbetrag geflossen sein soll, kann das schon einiges relativieren.

Inspiration exists, but it has to find us working! (Pablo Picasso)

Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

Ich bin gerade noch auf einen Beitrag zum Thema gestoßen: 7 Trends im Buchmarkt 2026 Die Autorin, die auch Buchcoach ist, schreibt, dass sie kleinere Verlage und Self Publishing im Trend sieht. KI sieht sie als -wenn auch kritische - Unterstützung, und vor allem solle man auf das achten, was Leserínnen gerade erwarten. E-Books seien ein alter Hut??, Hörbücher seien im Kommen.

Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

Bitte melde Dich an, um einen Kommentar abzugeben

Du kannst nach der Anmeldung einen Kommentar hinterlassen



Jetzt anmelden


×
×
  • Neu erstellen...