Zum Inhalt springen
(Steffi (Ronya))

Der verfluchte erste Satz

Empfohlene Beiträge

(Steffi (Ronya))

Ich hätt mal ne Frage: Hat noch jemand außer mir ein Problem mit dem ersten Satz im ersten Kapitel? Ich finde nämlich, dass der erste Satz unheimlich viel ausmacht und weiß nie wie ich ihn schreiben soll. Worauf achtet ihr beim ersten Satz (falls ihr denn überhaupt drauf achtet)?

Gruß Ronya

Link zum Beitrag

hallo ronya :)

also wenn ich denn mal endlich wieder ne kg oder ähnlich schreibe, dann entsteht sie meist aus einem zufällig gedachten anfangssatz.

manchmal schießt die eingebung, oder ich höre oder mache selbst einen spruch, der sich zu irgendwas weiter entwickelt.

 

wichtig ist beim ersten satz: es ist der aufhänger! wenn der erste satz nicht stimmt, dann les ich ungern weiter.

 

naja und wenn ich "nur" nen plot im hirn habe, dann quäle ich mich auch gern mit dem ersten satz herum ;)

 

was mir spontan einfällt:

nimm mal einige bücher und lies dort die jeweils ersten sätze :)

vielleicht hifts :D

 

lieben gruß

katha

Link zum Beitrag

Hallo Ronya,

Kathas Tipp kann ich zur Inspiration nur wiederholen.

Bei mir ist das so: Der erste ist der schwerste und braucht manchmal so lange wie ein ganzes Kapitel. Das ist aber nicht schlimm, weil ich beim Überlegen einfach weiterschreibe und dann am Anfang immer noch herumschaben kann.

 

Schöne Grüße,

Petra

Link zum Beitrag

Liebe Ronya,

 

hmmm, jetzt überleg ich schon die ganze Zeit, wie es bei mir ist.... aber ich denke fast, der erste Satz (der "richtige" erste Satz)  kommt, wie auch Petra schon schrieb, ganz von selbst, beim Schreiben.

Oder beim Abwaschen, beim Spazierengehen, beim Mittagsschläfchen - auf einmal ist er da, ganz ohne Grübeleien.

Klar hast Du recht, daß dieser erste Satz ganz wichtig ist, aber eins darfst Du nicht - Dich daran festbeißen und dadurch blockieren, gibt bloß Frust.

Guck doch mal Deine erste Seite durch - vielleicht ist dabei ein prägnanter Satz, der sich gut als "erster" eigenen würde?

Gruß

Jan

PS - Sie haben Post! ;)

Link zum Beitrag

Sehr schwierig! Ich bin gerade dabei mich an einer KG zu versuchen, zu der mich ein supergeiler erster Satz inspiriert hat, der mir neulich im Traum eingefallen ist. Dumm nur, daß der Satz in meinem Kopf viel besser klang, als er dann letztendlich auf dem Bildschirm aussah. :s10

Das Problem ist doch, daß dem ersten Satz viele Aufgaben zufallen; daß er den Leser sofort packen muß und ausserdem schon eine Stimmung vermitteln, vielleicht sogar schon Informationen beinhalten soll. Deshalb versuche ich immer, sehr viel Material in den ersten Satz zu packen und ende dann mit einem endlosen Bandwurm. Das ist nicht gut. oder? :s09

Link zum Beitrag

Hallo, Rocker!

 

Ja, genau - Stimmung vermitteln und (dadurch) Leser packen - das ist es.

Informationen kannst Du später liefern, wenn Du den Leser gepackt hast.

Deshalb lieber ein knackiger, kurzer "Knaller" als Aufhänger - den Rest im weiteren Text, wenn Du den Leser sowieso schon angespitzt hast.

 

Gruß

Jan ( bin Dir noch eine KN schuldig, aber die kommt noch) :s21

Link zum Beitrag
Ich hätt mal ne Frage: Hat noch jemand außer mir ein Problem mit dem ersten Satz im ersten Kapitel?

 

Der erste Satz sollte einfach Neugier wecken - und das gilt eigentlich für den gesamten ersten Absatz. Der Leser muss wissen wollen, wie es weiter geht und sich festlesen.

 

Ich sehe da kein Problem.

 

Gruß Sysai

Link zum Beitrag

Macht euch nicht zu viele Gedanken um den ersten Satz. Manchmal hat man einfach keine zündende Idee, manchmal ist es die beste Stelle des ganzen Buches (wie z.B. dieser:"Am liebsten hätte ich meine Mutter erwürgt, aber dafür hätte ich sie anfassen müssen." Cool, nicht? Ist leider nicht von mir). Hauptsache ist, er führt angemessen in die Geschichte hinein und macht neugierig. Er sollte einen Autoren aber keinsfalls davon abhalten, weiterzuschreiben. Manchmal fällt einem ein gebührender erster Satz nämlich erst ein, wenn man das Wörtchen ENDE geschrieben hat. ;D

 

Gruß,

 

Thomas

Link zum Beitrag

HALLO!

 

Super Frage! :)

 

Ja, ich denke auch: der 1. Satz ist der wichtigste. Aber: ich habe Null Ahnung von Romanen, doch auch bei einem Sachbuch ist das so. Da ist der 1. Satz im Vorwort zu finden. Ich schreibe ihn meist mehrfach um - wie auch den Rest eines Buches.

 

Gruss

Lars :s13

Link zum Beitrag

Erster Satz, erster Satz? ich hab mir nie Gedanken drüber gemacht. Er klommt von allein. Der erste Absatz, darauf lege ich Wert. Hier mal ein Beispiel:

Eine winzige Bar in einer kleinen Stadt in Deutschland. Wenige Stühle waren besetzt. An dem Billardtisch in der Ecke langweilten sich zwei Teenager. Ein alter Mann fütterte einen Spielautomaten, während der Regen unentwegt vom Dach tropfte. Irgendwo in der Ferne bellte ein Hund.

Oder:

Angefangen hatte alles mit jenem Fingerzeig auf die halb offene Tür, auf die der Chef der Firma 'Supratec' in einem Anfall von Wut und Rage - leider nur zu verständlich - gezeigt hatte.

oder diesen ähnlichen:

Angefangen hatte alles in einem Flugzeug, kurz vor dem Start, auf dem Flugplatz in Berlin Tegel.

 

Ich habe keine Probleme mit dem ersten Satz, nie gahabt. Ich habe auch keine Probleme mit dem Titel. In einem anderen Forum hab ich mal gelesen, dass es eine ganze Menge AUtoren gibt, die ganau dies haben.

PvO

Link zum Beitrag

Ich denke der erste Satz ist nur der Anfang des ersten Absatzes, der ersten Seite und so fort. Ich meine damit, es reicht nicht, wenn der erste Satz gelungen ist und der nachfolgende Absatz den ersten Satz wieder zunichte macht. Um jemanden zu fesseln denke ich, braucht es mehr als nur einen gelungenen ersten Satz.

Ich möchte jetzt nicht sagen, das ich den ersten Satz nicht wichtig finde, nur finde ich die darauffolgenden Sätze genauso wichtig.

Denn ich höre erst zu lesen auf, wenn mich der erste Absatz nicht fesselt. Am ersten Satz bin ich schon vorbei, wenn ich feststelle, dass mich die Geschichte nicht interessiert.

Link zum Beitrag
(Peter_Dobrovka)

Ich muß jetzt mal den Kurt spielen ;)

 

Leute, ihr könnt den ersten Satz schleifen, wie ihr wollt - wenn der nicht inhaltlich und handlungsmäßig neugierig macht, habt ihr zumindest mich als Leser verloren!

 

Eine winzige Bar in einer kleinen Stadt in Deutschland. Wenige Stühle waren besetzt. An dem Billardtisch in der Ecke langweilten sich zwei Teenager. Ein alter Mann fütterte einen Spielautomaten, während der Regen unentwegt vom Dach tropfte. Irgendwo in der Ferne bellte ein Hund.

Es gibt für mich keinen einzigen Grund, hier weiterzulesen. Die Szenerie strahlt Behäbigkeit und Langeweile aus wie eine verschlissene Rheumadecke.

Möglicherweise kommt zwei Sekunden später irgendein Fremder in die Bar oder jemand zieht eine Waffe oder draußen gibt es einen lauten Knall - DA muß der Text beginnen!

 

Daß sich das mit dem ersten Satz dann schon von alleine ergibt, dem kann ich dann wieder zustimmen.

 

Oder auch nicht, das nächste Beispiel widerlegt mich, verdammt. Sorry, ich muß weiter auf dir rumhacken, Peter. Ist aber nicht böse gemeint:

 

Angefangen hatte alles mit jenem Fingerzeig auf die halb offene Tür, auf die der Chef der Firma 'Supratec' in einem Anfall von Wut und Rage - leider nur zu verständlich - gezeigt hatte.

Der Satz ist lang, schachtelig und enthält die Wortwiederholung von "zeigen". Und warum steht das im Plusquamperfekt? Das Buch lege ich auch gleich wieder ins Regal zurück, obwohl hier schon mal das Motiv stimmt: Ein Chef in Rage. Sehr gut! Da IST etwas. Etwas, wo ich hingucke (hinlese?)

Ich kann mir einen Verbesserungsvorschlag nicht verkneifen:

"Angefangen hatte alles mit der halb offenen Tür, auf die der Firmenchef von Supratec in einem kolossalen Wutanfall gezeigt hatte. Leider war sein Zorn berechtigt."

 

Angefangen hatte alles in einem Flugzeug, kurz vor dem Start, auf dem Flugplatz in Berlin Tegel.

Das geht gerade noch; es soll ja Leute geben, die Flugzeuge und -häfen aufregend finden. Auch das kann man aber optimieren:

"Noch bevor das Flugzeug abhob, begann mein Sitznachbar bereits lautstark in die dafür vorgesehene Papiertüte zu kübeln."

 

Ansonsten schließe ich mich allen an, die gesagt haben, daß der zweite Satz auch wichtig ist. Und überhaupt alle des ersten Absatzes.

Es kann auch mal sein, daß der erste Satz schwächelt, aber der zweite dann der Knaller ist.

 

"Als ich am Haus von Frau Mommsen vorbeifuhr, saß sie wie immer auf der Veranda in ihrem Schaukelstuhl und lächelte mich gütig an.

Ich grüßte sie dennoch nicht, denn sie war eindeutig tot."

 

Peter

Link zum Beitrag

Angefangen hatte alles mit jenem Fingerzeig auf die halb offene Tür, auf die der Chef der Firma 'Supratec' in einem Anfall von Wut und Rage - leider nur zu verständlich - gezeigt hatte.

 

 

 

Grundgütiger! Diesen Satz hat doch wohl hoffentlich nie jemand gedruckt. Da kriegt man beim Lesen ja Darmverschlingung. Wut und Rage, ist das nicht beides gleich?

 

Aua.

 

Ulli

Link zum Beitrag
(Steffi (Ronya))

bei mir ists eben auch so: dieses angefangen hat alles mit oder es war oder so was, das kann ich einfach nicht ab! klar ist der erste Absatz brutal wichtig, aber bei mir is immer der erste Absatz mies, wenn der erste Satz mies ist. Weiß auch nicht warum.

Gruß Ronya

Link zum Beitrag

HALLO!

 

Alos gross Gedanken mache ich mir über den ersten Satz nie. ABER: er sollte doch neugierig machen. Das ist schon wichtig!

Beispiel: Ich habe ein dirckes Buch (kam aber in 2. Teilen) über "Leben nach dem Tod?" geschrieben. Erster Satz im Vorwort: "Freuen sie sich auf ihren Tod? Warum nicht?"

 

Erster Satz im Nachwort schliesst daran an: "Freuen sie sich nun auf ihren Tod, wie eingangs gefragt? Kaum....."

 

Beste Wochenendgrüsse

Lars :s13

Link zum Beitrag

Ich hoffe, dass Buch ist nicht verlegt worden...

Doch, ist es. Ich habe mit dem Buch sogar den Sprung auf die offizielle HP deutscher Krimiautoren geschafft und stand damit in der Liste deutscher Topautoren im Juni/04 auf Platz 12. Momentan wird gerade die Möglichkeit einer Verfilmung geprüft.

In einer Rezension schrieb u.a. die Leiterin der evangelischen Universitätsbibliothek, Bochum: ...diese Einleitung finde ich sehr gut...

Geschmäcker sind eben verschieden.

PvO

Link zum Beitrag

Hallo Peter,

das klingt alles mächtig eindrucksvoll! Meinst du mit "offizieller HP" diese Privatveranstaltung:

(Link ungültig) ? Die deutschen Topautoren würden mich auch mal interessieren, wo finde ich die? Google findet sie nicht :-( Würde gern mal spickeln, ob ich dort jemanden Bekanntes treffe ;-)

Schöne Grüße,

Petra

Link zum Beitrag

Hallo Peter,

 

es tut mir ja leid, aber der von Dir zitierte erste Satz kommt mir vor wie ein Salat, den man mit Dieselöl angemacht hat.

 

"...auf die halb offene Tür, auf die der Chef der Firma 'Supratec' in einem Anfall von Wut und Rage ..."

 

Dieser Satz ist einfach grottenelendschlecht, selbst wenn Du dafür einen Oskar erhalten hast. Das hat nichts mit Geschmackssache zu tun.

 

Sorry,

 

Ulli

Link zum Beitrag
(SiskianHerbstblatt)

Zugegeben, bei mir ist das schon ein paar Jahre her, als ich mein Schreibkursus absolviert hatte, aber ich lernte seinerzeit, das die ersten 3 (!) Sätze so geschrieben sein sollten, das der Leser gepackt wird.

Schwierigkeiten damit habe ich - ehrlich gesagt - seltenst, wobei ich allerdings immer meinem Stil des Neugierigmachens verfalle... :-[

 

Gruß

 

Siskian Herbstblatt

Link zum Beitrag

Hallo zusammen,

 

der erste Satz ist für mich verführer- wenn der richtig Klasse ist, dann werde ich auf jeden Fall das Buch durchlesen- allein um zu schauen, wo ihm das nochmal gelingt.

Ist er nicht so gut, dann lese ich den ersten Abschnitt, vielleicht die erste Seite. Wenns da zu viele Fehler und Probleme gibt, höre ich auf.

 

Und ich habe immer wieder Probleme beim ersten Satz. Aber manchmal finde ich so ein Schätzchen.

 

" Manche Leute stellen sich vor, sie wären tot. Ich bin es."

 

Werde mal schauen, ob ich dazu irgendwann einen Text finde, vielleicht heute...

 

Gruss

 

Bluomo

"Als meine Augen alles // gesehen hatten // kehrten sie zurück // zur weißen Chrysantheme". Matsuo Basho

Link zum Beitrag

Petra, hier ist die Liste. Im Net wirst du sie wohl nicht mehr finden, höchstens die aktuelle, also 4/05

Diese Liste ist von 6/04. Wenn ich mich richtig erinnere, standen damals 220 Autoren zur Auswahl. Wie viele Autoren es heute sind, weiß ich nicht, es kommen stänfig neue hinzu. Gewählt haben die Leser. Ich kenne niemanden der anderen Autoren dieser Liste. Ich habe ohnehin nie Kontakt dorthin gehabt und war über die Platzierung selbst erstaunt. Aber ich habe immer noch Besuch auf meiner HP von dort. Meines Erachtens habe ich auch keine Krimis geschrieben, aber andere sehen das scheinbar anders.

..1. Reinhard Liebermann

..2. Nicole Drawer

..3. Christian Bieniek

..4. Jo Pestum

..5. Sandra Lüpkes

..6. Birgit C. Wolgarten

..7. Andreas Franz

..8. Tessa Korber

..9. Marion Schwarzwälder

10. Nina Schindler

11. Thomas Pfanner

12. Peter Ternes

13. Doris Gercke

14. Robert Hültner

15. Mischa Bach

Link zum Beitrag
(Steffi (Ronya))

Also ich hab in den letzten Tagen mal Bücher durchgeforstet, die ich schon gelesen habe und habe dabei immer den ersten Absatz ganz genau betrachtet. Und im Nachhinein (also, nachdem ich sie schon gelesen habe) ist mir aufgefallen, dass der erste Absatz den Hauptaussagepunkt des gesamten Buches beinhaltet. Leider bin ich durch diese Erkenntnis immer noch nicht schlauer, wie ich denn nun mein Buch anfangen soll...

Man kann das ganze wunderbar in einem Zitat von Fontane ausdrücken: "Das erste Kapitel ist immer die Hauptsache und in dem ersten Kapitel die erste Zeile (...) Bei richtigem Aufbau muss in der ersten Seite der Keim des Ganzen stecken."

Ich mag seine Bücher zwar nicht, aber das mit dem Aufbau hat er wirklich beherrscht, man lese hierzu nur Effi Briest. :s13 Und versuche dabei nicht einzuschlafen :s14!

Gruß Ronya

Link zum Beitrag

Hallo Ronya,

Bluomo hat es wunderbar auf den Punkt gebracht: der erste (Ab)satz ist der Verführer. So sehe ich das auch.

Nein, ich verrate nicht meine ganze Geschichte oder das erste Kapitel im ersten Absatz. Bei mir lernt der Leser wie vom Blitz angestrahlt eine wichtige Figur kennen (meist die Hauptfigur), kann die Atmosphäre erfühlen und meinen Stil. Ich versuche außerdem, im ersten Absatz meinen Konflikt schon anzulegen... also nicht auszusprechen, sondern etwas zu bringen, das bereits einen Wendepunkt dorthin andeutet.

 

Leider bin ich durch diese Erkenntnis immer noch nicht schlauer, wie ich denn nun mein Buch anfangen soll...

 

Vielleicht versuchst du es einfach mal mit der Praxis, dem Probieren, Schleifen, Verwerfen, Finden? Schriftstellern ist harte Arbeit und wie beim Bildhauern macht Übung den Meister.

 

Schöne Grüße,

Petra

Link zum Beitrag

Bitte melde Dich an, um einen Kommentar abzugeben

Du kannst nach der Anmeldung einen Kommentar hinterlassen



Jetzt anmelden

×
×
  • Neu erstellen...