Christa Geschrieben 4. Juni 2024 Teilen Geschrieben 4. Juni 2024 vor 3 Stunden schrieb WolfgangG: Ansonsten geht es mir wie Mascha. Der Prolog hat mich gefühlsmäßig nicht gepackt. Er ist sprachlich gut geschrieben, keine Frage, aber ich bin irgendwie nicht so recht reingekommen. Allerdings lese ich auch sehr wenig Historisches, weshalb du nicht zu viel auf meinen Eindruck geben solltest. Gefühlsmäßig hat mich der Prolog auch nicht gepackt, sollte er auch nicht. Mich hat noch kein Prolog eines historischen Romans gepackt, weder bei Umberto Eco noch bei Robert Harris.- noch sonst wo. 1 Ostseekrimi Mörderische Förde https://tinyurl.com/yy5xgm9j :http://schreibteufelchen-christa.blogspot.com/ Link zu diesem Kommentar Auf anderen Seiten teilen More sharing options...
jueb Geschrieben 4. Juni 2024 Teilen Geschrieben 4. Juni 2024 vor 5 Minuten schrieb Christa: Gefühlsmäßig hat mich der Prolog auch nicht gepackt, sollte er auch nicht. Mich hat noch kein Prolog eines historischen Romans gepackt, weder bei Umberto Eco noch bei Robert Harris.- noch sonst wo. Ich bin jetzt mal ein bisschen ketzerisch und frech: Wenn ein Prolog nicht emotional packen soll, welche Funktion hat er dann? Keine? "Dem von zwei Künstlern geschaffenen Werk wohnt ein Prinzip der Täuschung und Simulation inne." AT "Aus Liebe Stahl. Eine Künstlerehe." Link zu diesem Kommentar Auf anderen Seiten teilen More sharing options...
jueb Geschrieben 4. Juni 2024 Teilen Geschrieben 4. Juni 2024 (bearbeitet) vor 3 Stunden schrieb WolfgangG: Nur ganz kurz: Franz Eberhofer in den Krimis von Rita Falk benutzt das Wort ganz oft, um über Frauen zu lästern, und er ist auf seine Weise sogar eine Sympathiefigur. Zumindest kein Antagonist. Ansonsten geht es mir wie Mascha. Der Prolog hat mich gefühlsmäßig nicht gepackt. Er ist sprachlich gut geschrieben, keine Frage, aber ich bin irgendwie nicht so recht reingekommen. Allerdings lese ich auch sehr wenig Historisches, weshalb du nicht zu viel auf meinen Eindruck geben solltest. Und ich bin noch einmal frech und ketzerisch: Wenn mir jemand über etwas Geschriebenes das Feedback gibt: Es hat mich gefühlsmäßig nicht gepackt. Und ich bin irgendwie nicht so recht reingekommen. Dann würde ich mich herzlich bedanken, denn so was bringt mich keinen Deut weiter. Interessant wird es es dort, wo man den Gründen nachgeht. Also das Geschriebene zu analysieren versucht. Und das würde ich mir eigentlich von professionellen Autoren im Rahmen eines solchen Forums erhoffen... Bearbeitet 4. Juni 2024 von jueb 2 "Dem von zwei Künstlern geschaffenen Werk wohnt ein Prinzip der Täuschung und Simulation inne." AT "Aus Liebe Stahl. Eine Künstlerehe." Link zu diesem Kommentar Auf anderen Seiten teilen More sharing options...
KerstinH Geschrieben 4. Juni 2024 Teilen Geschrieben 4. Juni 2024 (bearbeitet) vor 25 Minuten schrieb jueb: Ich bin jetzt mal ein bisschen ketzerisch und frech: Wenn ein Prolog nicht emotional packen soll, welche Funktion hat er dann? Keine? Zum Beispiel Informationen geben, die aus irgendwelchen Gründen dort besser aufgehoben sind als im eigentlichen Text (z.B. eine Vorgeschichte, eine Einbettung in größere Zusammenhänge usw.) vor 21 Minuten schrieb jueb: Wenn mir jemand über etwas Geschriebenes das Feedback gibt: Es hat mich gefühlsmäßig nicht gepackt. Und ich bin irgendwie nicht so recht reingekommen. Dann würde ich mich herzlich bedanken, denn so was bringt mich keinen Deut weiter. Interessant wird es es dort, wo man den Gründen nachgeht. Na, als erste Rückmeldung finde ich es in Ordnung. Und was die Analyse betrifft: Es gab Fälle, da haben sich Autoren hier beschwert, dass ihr Text zu sehr auseinandergenommen würde … Das ist sehr dünnes Eis. Ich persönlich würde deshalb warten, bis von demjenigen, der den Text eingestellt hat, eine interessierte Gegenfrage kommt: Woran machst du das fest? Kannst du das näher erklären? Liegt es eventuell an … usw. Wenn er mir hingegen (mehrfach) erklärt, warum er die Dinge so und nicht anders gemacht hat, dann ist das für mich - inzwischen - ein Zeichen, erstmal nicht tiefer reinzugehen. Der Einstellende entscheidet, wie viel Feedback er möchte rsp. verträgt. (Das ist jetzt allgemein gesprochen, nicht auf diesen Prolog gemünzt.) Bearbeitet 4. Juni 2024 von KerstinH 4 Link zu diesem Kommentar Auf anderen Seiten teilen More sharing options...
Christa Geschrieben 4. Juni 2024 Teilen Geschrieben 4. Juni 2024 (bearbeitet) vor 3 Stunden schrieb jueb: Und ich bin noch einmal frech und ketzerisch: Wenn mir jemand über etwas Geschriebenes das Feedback gibt: Es hat mich gefühlsmäßig nicht gepackt. Und ich bin irgendwie nicht so recht reingekommen. Dann würde ich mich herzlich bedanken, denn so was bringt mich keinen Deut weiter. Interessant wird es es dort, wo man den Gründen nachgeht. Also das Geschriebene zu analysieren versucht. Und das würde ich mir eigentlich von professionellen Autoren im Rahmen eines solchen Forums erhoffen... Ursprünglich im Griechischen heißt der Prolog Vorwort, nach Aristoteles "Ganzer Teil der Tragödie vor Einzug des Chors." Es könnte also eine Hindeutung auf das Ganze darin enthalten sein. Bei Krimis und Thrillern gehört er heute oft dazu, und es sind meist spannende Szenen, eine Verfolgung, eine hilflose Situation des Opfers, die dem Text vorausgestellt werden, um "reinzuziehen". Oft vergesse ich die aber wieder, weil sie später nicht mehr relevant sind. Der Tod des Armenius ist eine Vorwegnahme der bekannten Tatsache. Und mich hat es schon angesprochen, wenigstens musste ich mich da nicht durchquälen wie beim Vorwort zum "Herrn der Ringe"(auch wenn das High Fantay ist.) Bearbeitet 4. Juni 2024 von Christa Ostseekrimi Mörderische Förde https://tinyurl.com/yy5xgm9j :http://schreibteufelchen-christa.blogspot.com/ Link zu diesem Kommentar Auf anderen Seiten teilen More sharing options...
JürgenB Geschrieben 4. Juni 2024 Autor Teilen Geschrieben 4. Juni 2024 Ich danke allen, die sich mit dem Text auseinandergesetzt haben. Dass dabei einhellige Zustimmung herauskommt, habe ich nicht erwartet. Allerdings möchte ich nicht, dass es deswegen zu einer Art Streit unter Euch kommt. Ich möchte aber noch etwas zum Punkt "fehlende Emotionalität" sagen: autistische Persönlichkeiten wie ich haben Probleme mit der kognitiven Empathie; sie können sich nur schwer in andere Menschen hineinversetzen, auch in fiktive. Das wird der Grund sein, weshalb Albruna als "kühl und analytisch" wahrgenommen wird. Deshalb ist dieser Hinweis für mich sehr wertvoll, hilft er mir doch, dieses Defizit noch stärker in den Fokus zu nehmen und an den Figuren noch sorgfältiger zu arbeiten, um sie "neurotypisch" akzeptabel zu gestalten. Ansonsten müsste ich dieses Projekt wohl aufgeben. A mind is like a parachute. It doesn´t work if it is not open (Frank Zappa) https://procellula.jimdofree.com Link zu diesem Kommentar Auf anderen Seiten teilen More sharing options...
jueb Geschrieben 5. Juni 2024 Teilen Geschrieben 5. Juni 2024 Am 3.6.2024 um 18:06 schrieb JürgenB: @AndreasG Hallo Andreas, ebenfalls eine interessante Sichtweise, vielen Dank. Du bist mehr für einen ruhigen, informativen Einstieg. Den wiederum würde ich (und auch andere, wie ich bereits eruiert habe) nicht besonders spannend finden. Es kommt eben ganz auf die individuellen Lesevorlieben an. Ich präferiere die erste Variante. Die zweite wäre aber durchaus einen Versuch wert. Was Du über die Emotion schreibst, nehme ich sehr ernst. Es gibt Menschen, die ihre Emotionen anders bewältigen und Trauerarbeit auf andere Art leisten. Vielleicht habe ich mich zu sehr in Albruna gespiegelt. Insofern ein wertvoller Hinweis. Die Jahresangabe steht da, um den historischen Zusammenhang sichtbar werden zu lassen. Man kann den geschichtlichen Bezug aber auch anders einbauen. Gruß Jürgen Hallo Jürgen, erstmal, das ist ein interessantes, spannendes Buchprojekt, das du dir da vorgenommen hast. Und du kannst auch schreiben, finde ich! Warum ich poste, ist, weil ich den Eindruck habe, dass du die Überlegungen von Andreas missverstanden hast. Er favorisiert - Andreas, berichtige mich, wenn ich irre - keineswegs einen ruhigen, informativen Einstieg, er hat lediglich herausgearbeitet, dass deine Ich-Erzählerin im Prolog hintereinander aus zwei völlig unterschiedlichen Haltungen oder Perspektiven heraus erzählt. Im ersten Teil ist sie mittendrin im Geschehen, aufgewühlt, emotional beteiligt, im zweiten auf Abstand, sie berichtet aus der Distanz. Und das ist - zumal so hintereinander - ein Bruch. Auch mich irritiert das. Und wenn mich das irritiert, heißt das jetzt nicht, dass eine der beiden Perspektiven falsch ist, sondern das Hintereinander Leser vielleicht irritieren könnte, denn sie müssen sich in diesem Text, einer völlig fremden Welt erst mal zurecht finden, Fuß fassen... Liebe Grüße Jürgen 1 "Dem von zwei Künstlern geschaffenen Werk wohnt ein Prinzip der Täuschung und Simulation inne." AT "Aus Liebe Stahl. Eine Künstlerehe." Link zu diesem Kommentar Auf anderen Seiten teilen More sharing options...
jueb Geschrieben 5. Juni 2024 Teilen Geschrieben 5. Juni 2024 vor 17 Stunden schrieb KerstinH: Zum Beispiel Informationen geben, die aus irgendwelchen Gründen dort besser aufgehoben sind als im eigentlichen Text (z.B. eine Vorgeschichte, eine Einbettung in größere Zusammenhänge usw.) Na, als erste Rückmeldung finde ich es in Ordnung. Und was die Analyse betrifft: Es gab Fälle, da haben sich Autoren hier beschwert, dass ihr Text zu sehr auseinandergenommen würde … Das ist sehr dünnes Eis. Ich persönlich würde deshalb warten, bis von demjenigen, der den Text eingestellt hat, eine interessierte Gegenfrage kommt: Woran machst du das fest? Kannst du das näher erklären? Liegt es eventuell an … usw. Wenn er mir hingegen (mehrfach) erklärt, warum er die Dinge so und nicht anders gemacht hat, dann ist das für mich - inzwischen - ein Zeichen, erstmal nicht tiefer reinzugehen. Der Einstellende entscheidet, wie viel Feedback er möchte rsp. verträgt. (Das ist jetzt allgemein gesprochen, nicht auf diesen Prolog gemünzt.) Hallo Kerstin, auch wer Informationen liefert, sollte nicht langweilen Was ich meine, haben wir nicht grundsätzlich den Anspruch, dass ein Prolog, wenn er über mehrere Seiten geht, Interesse weckt? Ist der Einstieg in einen Roman nicht eine wichtige Stellschraube für das Gelingen des Ganzen? Ich verstehe einen Prolog schon dahingehend, dass er neugierig auf das Kommende macht eben auch eine Frage aufwirft, die im Laufe des Romans beantwortet wird, oder eben vielleicht auch emotional packt. Zum Zweiten: Da hast du natürlich recht, "Textkritik" ist ein heikles Terrain. Aber ich finde, wenn man sich die Zeit nimmt und seine Worte gut gewählt, kann man da sehr gut analysieren und argumentieren, ohne dass sich der Urheber des Textes verletzt fühlen muss (ich finde, Andreas gelingt das immer wieder gut). Mich persönlich nervt nur - ich wiederhole mich - subjektive Einschätzungen, ohne den Versuch, dem auf den Grund zu gehen, warum der Text so oder so auf mich wirkt. Und das bedeutet den Text zu analysieren: Wie ist er eigentlich gebaut? Wer erzählt? Aus welcher Perspektive wird erzählt? Was wird wie erzählt? Usw. Liebe Grüße Jürgen 1 "Dem von zwei Künstlern geschaffenen Werk wohnt ein Prinzip der Täuschung und Simulation inne." AT "Aus Liebe Stahl. Eine Künstlerehe." Link zu diesem Kommentar Auf anderen Seiten teilen More sharing options...
KerstinH Geschrieben 5. Juni 2024 Teilen Geschrieben 5. Juni 2024 vor 44 Minuten schrieb jueb: Was ich meine, haben wir nicht grundsätzlich den Anspruch, dass ein Prolog, wenn er über mehrere Seiten geht, Interesse weckt? Ist der Einstieg in einen Roman nicht eine wichtige Stellschraube für das Gelingen des Ganzen? Auf jeden Fall. Ich meinte nur, dass das nicht unbedingt über Emotionen laufen muss, auch wenn es oft so verlangt wird oder man sofort eine Figur zur positiven Identifikation liefern soll. Manche Leser wollen eher intellektuell gefordert werden, von Anfang an knobeln oder einfach erstmal was Interessantes erfahren. Andere erfreuen sich vielleicht an einen interessanten oder ausgefallenen Stil. Emotionen sind eine Möglichkeit. Aber natürlich darf ein Prolog auf keinen Fall langweilen, ganz klar. 2 Link zu diesem Kommentar Auf anderen Seiten teilen More sharing options...
JürgenB Geschrieben 5. Juni 2024 Autor Teilen Geschrieben 5. Juni 2024 vor einer Stunde schrieb jueb: Im ersten Teil ist sie mittendrin im Geschehen, aufgewühlt, emotional beteiligt, im zweiten auf Abstand, sie berichtet aus der Distanz. Und das ist - zumal so hintereinander - ein Bruch. Hallo Jürgen, Dein Hinweis ist sehr hilfreich, danke. Ich verstehe ihn so, dass der Übergang vom ersten, emotionalen zum zweiten Teil "weicher", organischer sein sollte, ohne diesen abrupten Bruch dazwischen. Leuchtet mir ein. Vielleicht wäre schon geholfen, wenn ich den zweiten Teil etwas umstelle und ihn mit dem Satz: Heute, nach Wochen der Besinnung und des Nachdenkens... beginnen lassen würde. Oder so ähnlich. Gruß Jürgen A mind is like a parachute. It doesn´t work if it is not open (Frank Zappa) https://procellula.jimdofree.com Link zu diesem Kommentar Auf anderen Seiten teilen More sharing options...
AndreasG Geschrieben 5. Juni 2024 Teilen Geschrieben 5. Juni 2024 vor 1 Stunde schrieb jueb: Hallo Jürgen, erstmal, das ist ein interessantes, spannendes Buchprojekt, das du dir da vorgenommen hast. Und du kannst auch schreiben, finde ich! Warum ich poste, ist, weil ich den Eindruck habe, dass du die Überlegungen von Andreas missverstanden hast. Er favorisiert - Andreas, berichtige mich, wenn ich irre - keineswegs einen ruhigen, informativen Einstieg, er hat lediglich herausgearbeitet, dass deine Ich-Erzählerin im Prolog hintereinander aus zwei völlig unterschiedlichen Haltungen oder Perspektiven heraus erzählt. Im ersten Teil ist sie mittendrin im Geschehen, aufgewühlt, emotional beteiligt, im zweiten auf Abstand, sie berichtet aus der Distanz. Und das ist - zumal so hintereinander - ein Bruch. Auch mich irritiert das. Und wenn mich das irritiert, heißt das jetzt nicht, dass eine der beiden Perspektiven falsch ist, sondern das Hintereinander Leser vielleicht irritieren könnte, denn sie müssen sich in diesem Text, einer völlig fremden Welt erst mal zurecht finden, Fuß fassen... Liebe Grüße Jürgen Du hast mich hier ganz richtig verstanden, lieber @jueb. Mir ging es tatsächlich um den Bruch, der hier entsteht, weil zwei unterschiedliche Arten von Prolog zusammengebunden werden, von denen jeder für sich funktioniert, beide als Ganzes sich aber nicht vertragen. Schon gar nicht, wenn der handlungsstarke Teil am Anfang steht, denn danach bräuchte es für mein Empfinden eine viel stärkere Zäsur, in der ich als Leser verschnaufen und mich auf etwas anderes einstellen kann. Ein bloß weicherer Übergang löst das Problem meines Erachtens nicht, @JürgenB. Eine Idee, wie du es machen könntest, wenn du die Reihenfolge so beibehalten willst: Der Prolog schildert allein den Mord. Dann beginnt das 1. Kapitel mit einem Satz wie: "Seit dem Mord an meinem Bruder sind viele Monate vergangen. Heute sehe ich manches klarer ..." @KerstinH Du hast natürlich recht, Kerstin: Emotion ist nicht alles. Damit rennst du bei mir offene Türen ein. Aber ganz ohne Emotion ist alles nichts, sogar der Sachtext. Es geht hier also weniger darum, "alles über die Emotion laufen zu lassen" als vielmehr darum, die richtige Emotion und die richtige Dosierung dafür zu finden. 2 "Wir sind die Wahrheit", Jugendbuch, Dressler Verlag 2020; Romane bei FISCHER Scherz: "Die im Dunkeln sieht man nicht"; "Die Nachtigall singt nicht mehr"; "Die Zeit der Jäger" Link zu diesem Kommentar Auf anderen Seiten teilen More sharing options...
Christa Geschrieben 5. Juni 2024 Teilen Geschrieben 5. Juni 2024 vor 12 Stunden schrieb JürgenB: Ich danke allen, die sich mit dem Text auseinandergesetzt haben. Dass dabei einhellige Zustimmung herauskommt, habe ich nicht erwartet. Allerdings möchte ich nicht, dass es deswegen zu einer Art Streit unter Euch kommt. Ich möchte aber noch etwas zum Punkt "fehlende Emotionalität" sagen: autistische Persönlichkeiten wie ich haben Probleme mit der kognitiven Empathie; sie können sich nur schwer in andere Menschen hineinversetzen, auch in fiktive. Das wird der Grund sein, weshalb Albruna als "kühl und analytisch" wahrgenommen wird. Deshalb ist dieser Hinweis für mich sehr wertvoll, hilft er mir doch, dieses Defizit noch stärker in den Fokus zu nehmen und an den Figuren noch sorgfältiger zu arbeiten, um sie "neurotypisch" akzeptabel zu gestalten. Ansonsten müsste ich dieses Projekt wohl aufgeben. Ich glaube, jeder hätte Schwierigkeiten, sich in eine reale oder fiktive Figur aus dieser Zeit emotional hineinzuversetzen. Der erste Teil ist sehr emotional und so auch nachvollziehbar. vor 29 Minuten schrieb AndreasG: Du hast mich hier ganz richtig verstanden, lieber @jueb. Mir ging es tatsächlich um den Bruch, der hier entsteht, weil zwei unterschiedliche Arten von Prolog zusammengebunden werden, von denen jeder für sich funktioniert, beide als Ganzes sich aber nicht vertragen. Schon gar nicht, wenn der handlungsstarke Teil am Anfang steht, denn danach bräuchte es für mein Empfinden eine viel stärkere Zäsur, in der ich als Leser verschnaufen und mich auf etwas anderes einstellen kann. Ein bloß weicherer Übergang löst das Problem meines Erachtens nicht, @JürgenB. Eine Idee, wie du es machen könntest, wenn du die Reihenfolge so beibehalten willst: Der Prolog schildert allein den Mord. Dann beginnt das 1. Kapitel mit einem Satz wie: "Seit dem Mord an meinem Bruder sind viele Monate vergangen. Heute sehe ich manches klarer ..." @KerstinH Du hast natürlich recht, Kerstin: Emotion ist nicht alles. Damit rennst du bei mir offene Türen ein. Aber ganz ohne Emotion ist alles nichts, sogar der Sachtext. Es geht hier also weniger darum, "alles über die Emotion laufen zu lassen" als vielmehr darum, die richtige Emotion und die richtige Dosierung dafür zu finden. Ich habe mir den Text daraufhin noch einmal durchgelesen und finde deinen Vorschlag außerordentlich gut! 1 Ostseekrimi Mörderische Förde https://tinyurl.com/yy5xgm9j :http://schreibteufelchen-christa.blogspot.com/ Link zu diesem Kommentar Auf anderen Seiten teilen More sharing options...
KerstinH Geschrieben 5. Juni 2024 Teilen Geschrieben 5. Juni 2024 vor 43 Minuten schrieb AndreasG: Aber ganz ohne Emotion ist alles nichts, sogar der Sachtext. Es geht hier also weniger darum, "alles über die Emotion laufen zu lassen" als vielmehr darum, die richtige Emotion und die richtige Dosierung dafür zu finden. Auf jeden Fall. Aber das habe ich ja auch nicht behauptet. Ich sagte nur, dass ein Prolog auch noch andere Funktionen haben könnte als Emotionen zu vermitteln. Emotionen sind superwichtig. Allerdings - so meine Erfahrung - nicht die, die meine Figuren haben, sondern die, die ich im Leser ablaufen lasse. So können meine Figuren vielleicht traurig sein, während der Leser Befriedigung empfindet. Oder umgekehrt. Diese Lenkung der Emotionen der Zuschauer/Leser ist überhaupt die eigentliche Kunst, finde ich. 2 Link zu diesem Kommentar Auf anderen Seiten teilen More sharing options...
JürgenB Geschrieben 5. Juni 2024 Autor Teilen Geschrieben 5. Juni 2024 @Christa "Ich habe mir den Text daraufhin noch einmal durchgelesen und finde deinen Vorschlag außerordentlich gut!" Dem kann ich mich nur anschließen! @AndreasG "Der Prolog schildert allein den Mord. Dann beginnt das 1. Kapitel mit einem Satz wie: "Seit dem Mord an meinem Bruder sind viele Monate vergangen. Heute sehe ich manches klarer ..." Jetzt sehe ich auch manches klarer. Den etwas größeren Zeilenabstand zwischen Teil 1 und Teil 2 habe ich wohl bewusst so gesetzt, weil mir der Bruch unbewusst schon aufgefallen sein muss. Bei Betriebsblindheit ist der Blick von außen eben doch durch nichts zu ersetzen. You made by day! A mind is like a parachute. It doesn´t work if it is not open (Frank Zappa) https://procellula.jimdofree.com Link zu diesem Kommentar Auf anderen Seiten teilen More sharing options...
Christa Geschrieben 5. Juni 2024 Teilen Geschrieben 5. Juni 2024 vor 7 Minuten schrieb KerstinH: Auf jeden Fall. Aber das habe ich ja auch nicht behauptet. Ich sagte nur, dass ein Prolog auch noch andere Funktionen haben könnte als Emotionen zu vermitteln. Emotionen sind superwichtig. Allerdings - so meine Erfahrung - nicht die, die meine Figuren haben, sondern die, die ich im Leser ablaufen lasse. So können meine Figuren vielleicht traurig sein, während der Leser Befriedigung empfindet. Oder umgekehrt. Diese Lenkung der Emotionen der Zuschauer/Leser ist überhaupt die eigentliche Kunst, finde ich. Beim Lesen, auch beim zweiten Lesen, habe ich gemerkt, dass ich den Bildern, den sich allmählich enthüllenden Tatsachen und den Reaktionen der Schwester gefolgt bin. Das hat meine Neugier und mein Interesse geweckt. Beim zweiten Teil trat dann die Distanz ein. @Jürgen: Mein früherer Agent empfahl mir, den historischen (realen und fiktiven) Figuren auch durch innere Monologe näherzukommen. Und viel kann man auch durch Dialoge vermitteln. Dabei ist das Ambiente besonders in historischen Romanen wichtig. Das meine ich jetzt nicht für den Prolog, sondern für den ganzen Roman. 1 Ostseekrimi Mörderische Förde https://tinyurl.com/yy5xgm9j :http://schreibteufelchen-christa.blogspot.com/ Link zu diesem Kommentar Auf anderen Seiten teilen More sharing options...
HenningS Geschrieben 5. Juni 2024 Teilen Geschrieben 5. Juni 2024 Hallo Jürgen, ich habe bewusst noch keinen der anderen Kommentare gelesen, um deinen Text frisch auf mich wirken zu lassen. Am 31.5.2024 um 16:50 schrieb JürgenB: Beunruhigt stürzte ich nach draußen. "Beunruhigt" brauchst du mE hier nicht. Dass die Figur beunruhigt ist, erschließt sich aus ihrem Handeln Am 31.5.2024 um 16:50 schrieb JürgenB: Von einer bösen Vorahnung getrieben machte ich mich auf den Weg Gerade hier am Anfang möchte ich noch wissen: Läuft die Figur, reitet sie? Am 31.5.2024 um 16:50 schrieb JürgenB: Einer der Krieger, die in heilloser Aufregung kreuz und quer über den Anger rannten, Auch hier: Die Aufregung kann mE weg, erschließt sich daraus, dass sie kreuz und quer rennen Am 31.5.2024 um 16:50 schrieb JürgenB: Die Halle war menschenleer. Totenstille umfing mich. Ein paar Feuerschalen spendeten flackernd Licht. Auf dem langen Eichentisch standen ein Kessel mit Bier, hölzerne Becher und Krüge. In der Tischmitte hatte jemand Pergamente ausgerollt, die nach oben gebogenen Ecken mit Kieselsteinen beschwert. Eine Sitzbank lag umgestürzt, zwei Trinkhörner waren zu Boden gefallen. Ihr ausgelaufener Inhalt hatte schwarze Flecken auf dem gestampften Lehmboden hinterlassen. Längs der Wand lagen etliche Framen auf der Erde, kreuz und quer, wie wahllos hingestreute Losstäbchen. Düstere Vorzeichen! Sehr schön bildhaft Am 31.5.2024 um 16:50 schrieb JürgenB: Dann entdeckte ich den Toten. Er lag neben dem Sitz meines Oheims auf der Seite. Eine Frame hatte ihn durchbohrt. Meine Vorahnung hatte mich nicht getrogen: der Tote war Sigifrid, mein Bruder, den die Römer Armenius nennen. Hier würde ich erwarten, dass die Figur den Toten schon im Moment der Entdeckung erkennt. "Dann entdeckte ich den Toten, Sigifrid, mein Bruder, den die Römer Armenius nennen." Am 31.5.2024 um 16:50 schrieb JürgenB: Bei seinem Anblick überwältigte mich der Schmerz. Meine Hände klammerten sich an die Tischkante, dass die Knöchel weiß hervortraten. Ich schluchzte wie ein Kind. Auch hier ergibt sich der Schmerz aus dem Verhalten. Vielleicht so: Bei seinem Anblick klammerten sich meine Hände an die Tischkante, dass die Knöchel weiß hervortraten. Ich schluchzte wie ein Kind. Am 31.5.2024 um 16:50 schrieb JürgenB: Nicht einmal meinen Mann Tullus ließ ich an mich heran. Das ist überraschend Dies ist kein Genre, das ich üblicherweise lese. Aber dein Anfang macht neugierig auf die gesamte Geschichte. Er wirkt auf mich in sich geschlossen und stimmig. Und auch die damalige Sprache hast du, soweit ich das beurteilen kann, gut nachempfunden. 1 Es gibt keine Regeln, nur sachkundige Entscheidungen. Und sachkundige Entscheidungen könnt ihr nur treffen, wenn ihr euch sachkundig macht. Elizabeth George Link zu diesem Kommentar Auf anderen Seiten teilen More sharing options...
JürgenB Geschrieben 5. Juni 2024 Autor Teilen Geschrieben 5. Juni 2024 (bearbeitet) vor 44 Minuten schrieb Christa: Beim Lesen, auch beim zweiten Lesen, habe ich gemerkt, dass ich den Bildern, den sich allmählich enthüllenden Tatsachen und den Reaktionen der Schwester gefolgt bin. Das hat meine Neugier und mein Interesse geweckt. Beim zweiten Teil trat dann die Distanz ein. Antwort: Teil 2 ist eindeutig der schwächere. Deshalb finde ich den Vorschlag von Andreas so gut. @Jürgen: Mein früherer Agent empfahl mir, den historischen (realen und fiktiven) Figuren auch durch innere Monologe näherzukommen. Und viel kann man auch durch Dialoge vermitteln. Dabei ist das Ambiente besonders in historischen Romanen wichtig. Das meine ich jetzt nicht für den Prolog, sondern für den ganzen Roman. Antwort: Daran wird es nicht fehlen. Der Prolog ist ja nur ein Schnipsel, aber ein wichtiger. Ich werde sicher mal eine Dialogszene zur Diskussion stellen. Bearbeitet 5. Juni 2024 von JürgenB A mind is like a parachute. It doesn´t work if it is not open (Frank Zappa) https://procellula.jimdofree.com Link zu diesem Kommentar Auf anderen Seiten teilen More sharing options...
JürgenB Geschrieben 5. Juni 2024 Autor Teilen Geschrieben 5. Juni 2024 vor 33 Minuten schrieb HenningS: Hallo Jürgen, ich habe bewusst noch keinen der anderen Kommentare gelesen, um deinen Text frisch auf mich wirken zu lassen. "Beunruhigt" brauchst du mE hier nicht. Dass die Figur beunruhigt ist, erschließt sich aus ihrem Handeln Antwort: Den Schulmeister in mir muss ich noch weiter zurücknehmen... Gerade hier am Anfang möchte ich noch wissen: Läuft die Figur, reitet sie? Antwort: wenn ich "barfuß" einfüge, wäre alles gesagt. Auch hier: Die Aufregung kann mE weg, erschließt sich daraus, dass sie kreuz und quer rennen dito Sehr schön bildhaft Antwort: in solche Szenen kann ich mich nun wiederum völlig hineinversetzen. Den Satz: Ein paar Feuerschalen spendeten flackernd Licht habe ich mittlerweile verworfen, da er mir zu "technisch" erscheint. Er lautet jetzt: Das flackernde Licht der Feuerschalen warf zitternde Schatten an die Wand. Hier würde ich erwarten, dass die Figur den Toten schon im Moment der Entdeckung erkennt. "Dann entdeckte ich den Toten, Sigifrid, mein Bruder, den die Römer Armenius nennen." Antwort: Ich hatte mir das so vorgestellt, dass sie beim Näherkommen zuerst die Füße sieht, dann die Beine, dann den Rumpf, zuletzt den Kopf, wollte das aber nicht extra auswalzen. Ich nehme mir die Stelle nochmals vor. Auch hier ergibt sich der Schmerz aus dem Verhalten. Vielleicht so: Bei seinem Anblick klammerten sich meine Hände an die Tischkante, dass die Knöchel weiß hervortraten. Ich schluchzte wie ein Kind. dito Das ist überraschend Inwiefern? Dies ist kein Genre, das ich üblicherweise lese. Aber dein Anfang macht neugierig auf die gesamte Geschichte. Er wirkt auf mich in sich geschlossen und stimmig. Und auch die damalige Sprache hast du, soweit ich das beurteilen kann, gut nachempfunden. Danke für Deinen detaillierten Kommentar! A mind is like a parachute. It doesn´t work if it is not open (Frank Zappa) https://procellula.jimdofree.com Link zu diesem Kommentar Auf anderen Seiten teilen More sharing options...
HenningS Geschrieben 5. Juni 2024 Teilen Geschrieben 5. Juni 2024 Noch ein paar Anmerkungen: vor 5 Stunden schrieb JürgenB: Antwort: in solche Szenen kann ich mich nun wiederum völlig hineinversetzen. Den Satz: Ein paar Feuerschalen spendeten flackernd Licht habe ich mittlerweile verworfen, da er mir zu "technisch" erscheint. Er lautet jetzt: Das flackernde Licht der Feuerschalen warf zitternde Schatten an die Wand. Ein Schreibkollege gab mir vor Jahren den Tipp: Meide das Partizip. (Falls du es nicht weißt: Ein Partizip ist von einem Verb abgeleitet und hat die Eigenschaften eines Adjektivs zB lachen -> lachend, säubern -> gesäubert) Den Tipp fand ich anfangs etwas merkwürdig, bis mir klar wurde, dass das Partizip ein wenig "dünner" wirkt als das Verb, von dem es sich ableitet. Mir sind in deinem Text einige Partizipien aufgefallen, die du evtl meiden kannst: beunruhigt, schaudernd (und eben hier:) flackernd und zitternd. Evtl kannst du sie in ein Verb umwandeln, etwa: "Licht flackerte in den Feuerschalen, Schatten zitterten an der Wand." vor 5 Stunden schrieb JürgenB: Antwort: Ich hatte mir das so vorgestellt, dass sie beim Näherkommen zuerst die Füße sieht, dann die Beine, dann den Rumpf, zuletzt den Kopf, wollte das aber nicht extra auswalzen. Ich nehme mir die Stelle nochmals vor. Dann mach es doch genauso, wie du es mir schreibst: Hinter dem Sitz ragten Füße (evtl Stiefel oder eine andere Fußbekleidung) hervor. Ich ging näher und sah die Beine, den Rumpf -- ein Toter, Sigifrid, mein Bruder, den die Römer Armenius nennen. (Je nachdem wie sehr du dich dem Innenleben deiner Perspektvfigur nähern willst, gebe ich zu bedenken: Denkt die Figur in einem solch aufwühlenden Moment daran, dass die Römer ihn Armenius nennen?) Durch das Setting und den Kampf hätte ich erwartet, dass die Ich-Figur ein Mann ist. Das sagt aber mehr über mich aus als über deine Geschichte Es gibt keine Regeln, nur sachkundige Entscheidungen. Und sachkundige Entscheidungen könnt ihr nur treffen, wenn ihr euch sachkundig macht. Elizabeth George Link zu diesem Kommentar Auf anderen Seiten teilen More sharing options...
JürgenB Geschrieben 5. Juni 2024 Autor Teilen Geschrieben 5. Juni 2024 @HenningS danke, kommt auf meine Überarbeitungsliste. ...den die Römer Armenius nennen. Berechtigter Einwand. Macht im zweiten Teil mehr Sinn. Gruß Jürgen 1 A mind is like a parachute. It doesn´t work if it is not open (Frank Zappa) https://procellula.jimdofree.com Link zu diesem Kommentar Auf anderen Seiten teilen More sharing options...
HenningS Geschrieben 7. Juni 2024 Teilen Geschrieben 7. Juni 2024 Hallo Jürgen, ich habe eine ganze Weile über Juebs Einwand nachgedacht. Am 4.6.2024 um 15:08 schrieb jueb: Und ich bin noch einmal frech und ketzerisch: Wenn mir jemand über etwas Geschriebenes das Feedback gibt: Es hat mich gefühlsmäßig nicht gepackt. Und ich bin irgendwie nicht so recht reingekommen. Dann würde ich mich herzlich bedanken, denn so was bringt mich keinen Deut weiter. Interessant wird es es dort, wo man den Gründen nachgeht. Also das Geschriebene zu analysieren versucht. Und das würde ich mir eigentlich von professionellen Autoren im Rahmen eines solchen Forums erhoffen... Ich glaube, das Gefühlsmäßige-nicht-Packen liegt auch an Folgendem: Im Allgemeinen sollten in den ersten beiden Absätzen die w-Fragen ausreichend beantwortet werden: Wer, wo, wann? (und evtl auch was, wie und warum?) Ich nehme mal wieder Stephen Kings "Dead Zone" zur Hand. Habe ich hier im Forum schon mehrfach zitiert. Zwei Jungen entdecken eine Leiche. Die Jungen kommen später im Roman nicht mehr vor, aber diese zweieinhalbseitige Stelle wirkt wie eine abgeschlossene Kurzgeschichte. Es beginnt so: Am ersten Tag des Jahres 1975 spielten zwei kleine Jungs namens Charlie Norton und Norm Lawson, beide aus Otisfield, Maine, auf Nortons Hinterhof, sie machten eine Schneeballschlacht. Charlie war acht, Norm war neun. Zwei Zeilen weiter, Zeitangabe: Es war bald Essenszeit Vier Zeilen später, Ortsbeschreibung: Er sprang über die niedrige Steinmauer, die den Norton-Hinterhof vom Wald trennte. Er lief über den Pfad, der nach Strimmer's Brook führte. Weitere vier Zeilen später Ortsbeschreibung mit Atmosphäre: Norm übersprang ebenfalls die Mauer, sah in den verschneiten Wald und lauschte dem Tropfen des Tauwassers von Birken, Kiefern und Tannen. ------------- Deine entsprechenden Angaben lauten: ... stürzte ich nach draußen. (Aus was für einem Gebäude, hinein in welche Umgebung?) ... dem nahen Waldrand entgegen --- ... aus den Türen der Häuser und Hütten --- ... auf den Weg zum Haus meines Oheims --- ... über den Anger Und erst im vierten Absatz: Vor dem Gebäude mit dem Hirschgeweih am Dachfirst (der erste Ort, der deutlich bildhaft ist) Das bedeutet, in deinem Anfang gibt es sehr viel Handlung (sogar Action), die der Leser aber nicht gut in einen zeitlichen und räumlichen Zusammenhang einordnen kann. Das Bühnenbild ist zu leer. Und dies mag einer der Gründe sein, warum er nicht "so recht reinkommt". Liebe Grüße, Henning 1 Es gibt keine Regeln, nur sachkundige Entscheidungen. Und sachkundige Entscheidungen könnt ihr nur treffen, wenn ihr euch sachkundig macht. Elizabeth George Link zu diesem Kommentar Auf anderen Seiten teilen More sharing options...
JürgenB Geschrieben 7. Juni 2024 Autor Teilen Geschrieben 7. Juni 2024 vor 2 Stunden schrieb HenningS: ich habe eine ganze Weile über Juebs Einwand nachgedacht. Ich bedanke mich für Deine Zeit! Meine Absicht war, mit möglichst wenig Beiwerk (bzw. Bühnenbild) rasch auf den Punkt zu kommen: den Hauptprotagonisten und sein finales Scheitern. Wie es dazu kommen konnte und unter welchen Voraussetzungen, das ist die Geschichte, die ich erzählen will. Die zeitliche, räumliche und örtliche Zuordnung sollte ab dem ersten Kapitel schrittweise, aber klar erkennbar erfolgen. Das gilt auch für die w-Fragen. Weitere Informationen (mehr tell) in den Prolog zu packen, würde ihm m.E. die Dynamik nehmen, auf die es mir ankommt. Ein Weiler ist eine überschaubare Location (Bühne). Was spielt es für eine Rolle, aus welchem Haus Albruna nach draußen rennt? Im Moment gar keinen. Sie hätte auch unter einem Baum sitzen und irgendeine banale Handarbeit verrichten können (war mir zu viel Klischee). Aus den wenigen Häusern und Hütten schauen verängstigte Frauen und Kinder. Das ist doch nachvollziehbar bei dem Aufruhr, den die Männer veranstalten. Die mögliche Ursache dieses Tumults erfahren wir über Albrunas Beobachtungen (ein paar Reiter verlassen fluchtartig den Ort, Männer rennen in heller Aufregung durcheinander in dem Versuch, sich zu organisieren) und die Schlussfolgerungen, die sie zieht (das Treffen der Gaufürsten bei ihrem Onkel Inguiomer, dessen Haus deshalb auch näher beschrieben wird). Auch ein Hinweis auf die zunehmenden Spannungen auf diesen Treffen fehlt nicht. Vergleicht die Situation doch einfach mit einem Banküberfall, bei dem es einen Toten gibt. Läuft es da anders ab? Ist es da von Belang, zu erfahren, wie alt ein Augenzeuge ist oder ob die Kirchtumuhr gerade halb vier schlägt? Ich würde das weder wissen noch lesen wollen. Das ist meine Sicht, aber die ist nicht in Stein gemeiselt. Ich kann sie durchaus dem Lesevergnügen unterordnen. Gruß Jürgen A mind is like a parachute. It doesn´t work if it is not open (Frank Zappa) https://procellula.jimdofree.com Link zu diesem Kommentar Auf anderen Seiten teilen More sharing options...
Thomas R. Geschrieben 8. Juni 2024 Teilen Geschrieben 8. Juni 2024 Zitat Weiber und kleine Kinder lugten verängstigt aus den Türen der Häuser und Hütten. Weiber und Kinder: warum sind die alle im Haus? Entweder ist das zeitbedingt (vor dem Morgengrauen) oder falsch. Arbeitende Kinder und Hunde überall würden hier deutlich mehr Atmosphäre geben. Häuser und Hütten: Wenn du Langhäuser schreibst, haben die Leute schon eher ein Bild. Bsp.: Unser Weiler bestand aus acht Langhäuser, die sich um die Dorflinde gruppierten, zwei Hühnerhäusern und einem gemeinsam genutzten Backofen auf dem Dorfplatz. Aus vier Langhäusern stieg schon etwas Wärme auf, Raduwolf trieb gerade die Schweine in den Eichenwald.... Wichtig: In der Nähe der Römer werden Pallisaden oder Zäune ein Dorf umgeben. Zitat Haus meines Oheims Inguiomer. Das größte Langhaus gehörte meinem Onkel Inguiomer. Er hatte sogar die Pferde an seinem Dachfirst ... Zitat Gaufürsten darüber beraten, was auf dem nächsten Thing zur Abstimmung Dies ist wieder ungenau und dadurch falsch, gleich in vielfacher Hinsicht. Denn ein Thing fand in jedem Weiler, bei Stämmen und regional statt. Und natürlich wurde im Rahmen der drei Tage auch solche Fragen besprochen und es wurde abgestimmt. Nur war das ein wenig wie bei den Römern, jeder konnte seine Meinung sagen, meist sprachen aber Anführer. Und die hatten ihre Männer dabei und vorher mit anderen Häuptlingen Bündnisse geschlossen und/ oder Stimmen erworben. Zitat Gebäude mit dem Hirschgeweih Gebäude passt überhaupt nicht. Hier würde ich Inguiomers Halle sagen.... Denn das ist sie. Zitat In der Tischmitte hatte jemand Pergamente ausgerollt, die nach oben gebogenen Ecken mit Kieselsteinen beschwert. Eine Sitzbank lag umgestürzt, zwei Trinkhörner waren zu Boden gefallen. Ihr ausgelaufener Inhalt hatte schwarze Flecken auf dem gestampften Lehmboden hinterlassen Pergament ist ein Beschreibstoff des Mittelalters (Tierhaut meist von der Kuh) und sehr teuer. Hier wäre es wenn Papyrus. Und die meisten Germanenstämme hielten nichts schriftlich fest und dort konnte i.d.R. auch niemand schreiben. Als in Rom erzogener miles konnte Siegfried sicherlich schreiben, er hätte aber vermutlich die anderen Germanen massiv befremdet, wenn er das in ihrer Anwesenheit getan hätte- Zitat Rückenlehne des Herrensitzes am Kopfende des Tisches Ein Herrensitz ist ein Palas im Germanischen. Hier könnte es ein Scherenstuhl/ kurilischer Stuhl sein. Zitat Eine Frame hatte ihn durchbohrt. Da deine Leser sich mit germanischen Waffen nicht auskennen, würde ich hier schreiben: "Ein Frame hatte ihn durchbohrt. Die Speerspitze trat an seinem Oberkörper aus, ..." Zitat Ein Kerl aus der Nachbarschaft. Sprachlich ist ein Kerl heute etwas völlig anderes daher würde ich ihn eher als freien Bauern oder einem Mann aus dem Gefolge bezeichnen. Zitat „Kann ich dir … ?“ Ich schleuderte einen Bierhumpen nach ihm. Er duckte sich darunter weg Hier fehlt die Angabe, dass sie standesgemäß höher steht. Das Herrin fehlt in seiner Anrede 8und der Hinweis einfache Kleidung/ Bauernkittel und die fehlende Bewaffnung. unbewaffnet Zitat Von hinten gestoßen hatte die Waffe ihm wenigstens drei tödliche Verletzungen zugefügt, wo eine genügt hätte. Fehlende Kenntnisse deiner Figur. Das kann sie nicht wissen. Wirkt nicht zeitgemäß. Zitat Sigifrids Haupt mit seinem Mantel Würde ich bei den Bestattungsritualen der Germanen zu diesem Zeitpunkt (Brandgrube oder Brandschützung) nicht annehmen, weil die Toten bei der Verbrennung auch nicht abgedeckt wurden. Es gibt hier aber so gut wie kein Wissen außer Tacitus. Zitat Dolchscheide/ Das Messer in der Sitzlehne!/ Die Messerklinge war einen Finger breit in das Holz der Lehne Also: Unterschied Dolche und Messer, ein Dolch hat zwei Schneiden, ein Messer eine. 2. Ein Messer dringt bei einem Wurf nicht einen Finger breit in Holz ein und bleibt stecken. Zitat abgerissenen Stofffetzen, der daran hing. Es war derselbe Stoff, aus dem der Mantel Zitat Webstuhl die bunten Garne Die Germanen haben weitgehend nur Wolle, Hanf, Leder und Leinen verwendet. Einen Mantel in diesem Sinne gibt es nicht. Es handelt sich eher um Umhänge und Decken. Zudem ist Garne irreführend, es wird hier noch gesponnen und mit Eichensud und Walnuss gefährt, aber bunt ist das nicht. Zitat heimtückische Mörder Auch hier hätte ich Bedenken. Die Trennung in Mord und Totschlag ist noch bis zum Sachsenspiegel nicht an der Heimtücke orientiert, sondern an der Heimlichkeit. Wenn ich also in Fehde mit jemanden stehe, dann darf ich ihn in der Öffentlichkeit in einem Kampf töten, wenn ich Fehde erklärt habe. Ohne Fehdeankündigung, nicht öffentlich und ohne Kampf wäre es Mord. Zitat Jemand legte seinen Arm um meine Schultern und geleitete mich in mein Haus zurück. Aufpassen. Hier hängt es davon ab, wer sie bringt. Nur ein Angehöriger darf sie so berühren. Zitat Tag der Bestattung Keine Bestattung, sondern eine Verbrennung, alleine damit seine Leiche nicht ausgegraben werden kann. Zitat Meuchelmord und der Zorn auf meinen niederträchtigen Oheim s. oben. Zitat sein maßloser Ehrgeiz und seine Selbstüberschätzung sind ihm zum Verhängnis geworden. Mein Bruder war sich niemals bewusst, wie folgenschwer sein Handeln für ihn selbst werden würde. Er hat das Unheil nicht kommen sehen - oder nicht kommen sehen wollen. Andererseits: er scheiterte nicht nur an sich selbst. Auch der Mangel an Weitblick seiner Freunde und die Wankelmut seiner Verbündeten trugen dazu bei, dass er sein Ziel nicht erreicht hat. Der Neid und die Niedertracht unseres Oheims aber besiegelten sein Schicksal. Was bleibt, ist ein Gefühl von Ohnmacht, Bitterkeit und Trau Das ist mir alles viel zu allgemein. Mein Bruder wollte alle Stämme gegen die Römer vereinen, unter ihm selbstverständlich, und er war sich nicht.. . Zitat Doch ihre Sicht der Dinge würde einseitig sein - und wenig selbstkritisch, gab mein Mann zu bedenken. Er muss es wissen. Er ist römischer Aristokrat. Hier geht es weiter: Und Ihre Sicht würde die Sicht der Sieger sein, die Ingiumer für den Mord an Sigfrid bezahlt hatten, die Rache für die gestohlenden Adler und die Tausenden römischen Soldaten. Aristokrat: entweder ist er Miles oder Senator, oder er hat einen Titel. Aristokrat ist keine zeitgenössische Bezeichnung. Zitat Folgt mir nun zurück in jene Zeit, als die Legionsadler die Sonne zu verfinstern begannen. In eine Zeit, in der ihre vergoldeten Schwingen unheilvolle Schatten auf unsere Gaue warfen. Das hier ist richtig stark. Lasst euch berichten, wie Sigifrid dem Zitat römischen Drachen, Drachenstandarte Zitat Tiberus Julius Caesar und Drusus Julius Caesar [21 n. Chr.]. Hier würde ich erwähnen, dass der erste Tiberius den Germanen durch viele Feldzüge bekannt war und 14 n. Chr. Consul mit Varus war und als Adoptivsohn des Augustus Kaiser wurde. Fazit: So.. ich bin kein Spezialist für Germanen, ich habe mich im Studium deutlich mehr mit römischer Geschichtsschreibung und den späteren Germanen beschäftigt, aber hier passt historisch vieles noch nicht. Gerade die Details wie die Framen geben einem historischen Roman Raum und Hintergrund, daher würde ich hier deutlich genauer arbeiten. So bleibt alles farblos. Viele Grüße Thomas 3 "Als meine Augen alles // gesehen hatten // kehrten sie zurück // zur weißen Chrysantheme". Matsuo Basho Link zu diesem Kommentar Auf anderen Seiten teilen More sharing options...
Thomas R. Geschrieben 8. Juni 2024 Teilen Geschrieben 8. Juni 2024 Upps. Die Drachenstandarte wurde im 4 Jahrhundert nach Christus vermutlich von den Sarmaten übernommen. Also die ist auch falsch. Und Humpen... ist aus dem 16 JH., Hornbecher, Trinkhorn, Tonbecher, Glasbecher (von den Römern) oder ein Silberbecher. Viele Grüße Thomas "Als meine Augen alles // gesehen hatten // kehrten sie zurück // zur weißen Chrysantheme". Matsuo Basho Link zu diesem Kommentar Auf anderen Seiten teilen More sharing options...
JürgenB Geschrieben 8. Juni 2024 Autor Teilen Geschrieben 8. Juni 2024 vor 7 Stunden schrieb Thomas R.: Donnerwetter, Du hast Dich aber hineingekniet! Chapeau! Wer sich so viel Zeit nimmt, hat auch ein Recht auf eine ausführliche Replik. Ich setze meine Antworten der Übersichtlichkeit halber in Deinen Text. Wohlan: Diese Szene ist ein Vorgriff. Im Haupttext entwickelt sich das alles ganz organisch: der Stamm, selbst die Sippen sind tief gespalten in Romfreunde und Romgegner. Die Lage hat sich über die Jahre so zugespitzt, das gegenseitige Misstrauen so verstärkt, die Männergesellschaft so militarisiert, dass Inguiomer am Tag des Treffens die „höchste Alarmstufe“ ausruft. In der neuesten Version steht deshalb: Ich fiel zu Boden. „Geh zurück ins Haus, Frau!“, rief mir der Mann ohne anzuhalten zu. Weiber und Kinder: warum sind die alle im Haus? Entweder ist das zeitbedingt (vor dem Morgengrauen) oder falsch. Arbeitende Kinder und Hunde überall würden hier deutlich mehr Atmosphäre geben. Häuser und Hütten: Wenn du Langhäuser schreibst, haben die Leute schon eher ein Bild. Ist eigentlich ein moderner terminus technicus. Bsp.: Unser Weiler bestand aus acht Langhäuser, die sich um die Dorflinde gruppierten, zwei Hühnerhäusern und einem gemeinsam genutzten Backofen auf dem Dorfplatz. Aus vier Langhäusern stieg schon etwas Wärme auf, Raduwolf trieb gerade die Schweine in den Eichenwald....Dein Stimmungsbild ist schön, es passt bloß nicht zu der Situation, wie ich in meinem vorherigen Post ausgeführt habe. Wichtig: In der Nähe der Römer werden Pallisaden oder Zäune ein Dorf umgeben. Die Römer haben sich vor 12 Jahren hinter den Rhein zurückgezogen. Ins Kerngebiet der Cherusker sind sie nie gelangt. Palisaden dienten vornehmlich zum Schutz vor räuberischen Nachbarn. Man kann sie erwähnen, aber sie spielt keine wichtige Rolle. Da, wo die Reiter hereingekommen sind, gelangen sie auch wieder hinaus. Sie werden schon für einen ungehinderten Fluchtweg gesorgt haben. Das größte Langhaus gehörte meinem Onkel Inguiomer. Er hatte sogar die Pferde an seinem Dachfirst ...Stattgegeben. Dies ist wieder ungenau und dadurch falsch, gleich in vielfacher Hinsicht. Denn ein Thing fand in jedem Weiler, bei Stämmen und regional statt. Und natürlich wurde im Rahmen der drei Tage auch solche Fragen besprochen und es wurde abgestimmt. Nur war das ein wenig wie bei den Römern, jeder konnte seine Meinung sagen, meist sprachen aber Anführer. Und die hatten ihre Männer dabei und vorher mit anderen Häuptlingen Bündnisse geschlossen und/ oder Stimmen erworben. Tacitus: „Über geringfügige Angelegenheiten beschließen die Gaufürsten allein, über bedeutendere alle Gemeinfreien, jedoch in der Weise, dass auch das, worüber das Volk zu entscheiden hat, im Rat der Fürsten vorbehandelt wird.“ Man nimmt neuerdings an, dass es lange vor dem frühgermanischen Königtum einen Geburtsadel gab. Das Thing sei zwar eine Versammlung aller freien Männer gewesen, doch eine unbefangene Prüfung der römischen Quellen ergibt, dass „die Adelsschicht die Geschichte des Stammes beherrschte“, also auch das Thing. (Mildenberger G.: Sozial- und Kulturgeschichte der Gerrmanen, 1972). Ich sehe da keinen so großen Widerspruch zu Deinem Statement. Gebäude passt überhaupt nicht. Hier würde ich Inguiomers Halle sagen.... Denn das ist sie. Halle mit Hirschgeweih: stattgegeben. Pergament ist ein Beschreibstoff des Mittelalters (Tierhaut meist von der Kuh) und sehr teuer. Nach Plinius dem Älteren wird der Ursprung der Pergamentherstellung wie folgt überliefert: Der in Ägypten herrschende König Ptolemaios (offenbar Ptolemaios V., 210–180 v.Chr.) hatte den Papyrusexport in das griechische Pergamon verboten, wo König Eumenes II. (197–159 v.Chr.) eine mit dem ägyptischen Alexandria konkurrierende Bibliothek betrieb. Gewissermaßen aus Not hätten daraufhin die Pergamener das Pergament erfunden - daher auch der Name. Von der Legende abgesehen ist der Ursprung des Pergamentes als Beschreibstoff weit älter als der viel zitierte Streit zwischen dem damals griechischen Kleinasien und Ägypten. So wurden aus dem ägyptischen Wüstensand wesentlich ältere Schriftstücke geborgen. (Quelle: liefere ich gerne nach) Hier wäre es wenn Papyrus. Und die meisten Germanenstämme hielten nichts schriftlich fest und dort konnte i.d.R. auch niemand schreiben. Als in Rom erzogener miles konnte Siegfried sicherlich schreiben, er hätte aber vermutlich die anderen Germanen massiv befremdet, wenn er das in ihrer Anwesenheit getan hätte- Sigifrid/Arminius ist in Italien aufgewachsen und römisch erzogen worden. Mit Sicherheit konnte er als römischer Offizier lesen und schreiben. Das Pergament kann aber auch nur eine Gebietskarte enthalten haben, wie sie die Römer nutzten. Ihre genauen geografischen Kenntnisse von Germanien sind ohne Kartenmaterial nicht denkbar. Ein Herrensitz ist ein Palas im Germanischen. Hier könnte es ein Scherenstuhl/ kurilischer Stuhl sein. Stattgegeben. Gemeint ist eine separate Sitzgelegenheit, die dem Fürst vorbehalten ist. Nach einem passenden Sitzmöbel suche ich noch. Da deine Leser sich mit germanischen Waffen nicht auskennen, würde ich hier schreiben: "Ein Frame hatte ihn durchbohrt. Die Speerspitze trat an seinem Oberkörper aus, ..." Sprachlich ist ein Kerl heute etwas völlig anderes daher würde ich ihn eher als freien Bauern oder einem Mann aus dem Gefolge bezeichnen. Gemeint ist die ursprüngliche Bedeutung. Da die jedoch nicht allgemein bekannt sein dürfte: stattgegeben. Hier fehlt die Angabe, dass sie standesgemäß höher steht. Das Herrin fehlt in seiner Anrede 8und der Hinweis einfache Kleidung/ Bauernkittel und die fehlende Bewaffnung. Die standesgemäße Anrede hätte ja noch kommen können... unbewaffnet Fehlende Kenntnisse deiner Figur. Das kann sie nicht wissen. Wirkt nicht zeitgemäß. Das könnte auf Grund von tausenden von Kriegsverletzungen der vergangenen Jahre durchaus zu erschließen gewesen sein. Viele Frauen waren heilkundig. Würde ich bei den Bestattungsritualen der Germanen zu diesem Zeitpunkt (Brandgrube oder Brandschützung) nicht annehmen, weil die Toten bei der Verbrennung auch nicht abgedeckt wurden. Es gibt hier aber so gut wie kein Wissen außer Tacitus. s. unten. Also: Unterschied Dolche und Messer, ein Dolch hat zwei Schneiden, ein Messer eine. 2. Ein Messer dringt bei einem Wurf nicht einen Finger breit in Holz ein und bleibt stecken. Ein Physiker, den ich zuvor gefragt hatte, schrieb mir: "Angenommen man würde beide Male (beim Werfen und Stoßen) das Messer gleich beschleunigen. Würde das Messer fliegen, würde es seine Bewegungsenergie in das Eindringen ins Holz umsetzen. Beim anderen Fall würde die kinetische Energie des Armes und vllt. sogar des gesamten Körpers mit übertragen, was bei diesem Vergleich mehr wäre. Es gibt sicherlich auch Szenarien, bei denen es andersrum ist, weil beim Stoßen nicht der volle Bewegungsumfang genutzt würde, wie beim Werfen.“ Bei einem mit Wut und Wucht geworfenem Messer ist es auf eine Entfernung von höchstens 3 m demnach nicht ausgeschlossen. Zudem waren kampferprobte Männer dieser Zeit sehr kräftig. Die Germanen haben weitgehend nur Wolle, Hanf, Leder und Leinen verwendet. Einen Mantel in diesem Sinne gibt es nicht. Es handelt sich eher um Umhänge und Decken. Mit dem Mantel von St. Martin ist ja auch nicht unser Kleidungsstück gemeint. Sigifrids Mantel wird über der rechten Schulter mit einer Fibel zusammengehalten. Beides sagt etwas über den sozialen Status des Trägers aus, spielt aber hier (noch) keine Rolle. Werde Umhang in Erwägung ziehen. Zudem ist Garne irreführend, es wird hier noch gesponnen [dann halt Fäden] und mit Eichensud und Walnuss gefährt, aber bunt ist das nicht. Hier vermeldet die Bodenforschung anderes: Infrarotaufnahmen vom Thorsbergmantel zeigen, dass er in der Farbe (leuchtend blau mit hellen Zierkanten!) und im Webmuster auffällig gestaltet ist (Döbler, H.: Lexikon zur europäischen Frühgeschichte. Die Germanen. Gondrom Verlag, 1992; Schlabow, K.: Der Thorsberger Prachtmantel (= Veröffentlichungen des Fördervereins Textilmuseum Neumünster e.V. Band 5). Wachholtz, Neumünster 1962). Auch hier hätte ich Bedenken. Die Trennung in Mord und Totschlag ist noch bis zum Sachsenspiegel nicht an der Heimtücke orientiert, sondern an der Heimlichkeit. Wenn ich also in Fehde mit jemanden stehe, dann darf ich ihn in der Öffentlichkeit in einem Kampf töten, wenn ich Fehde erklärt habe. Ohne Fehdeankündigung, nicht öffentlich und ohne Kampf wäre es Mord. Neffe und Onkel stehen nicht im Fehdeverhältnis. Der Prolog sagt noch nichts darüber aus, was wirklich geschehen ist. Aufpassen. Hier hängt es davon ab, wer sie bringt. Nur ein Angehöriger darf sie so berühren. Darüber gibt es aus altgermanischer Zeit meines Wissens keine Überlieferung. Über eine zuverlässige Quelle würde ich mich freuen. Keine Bestattung, sondern eine Verbrennung, alleine damit seine Leiche nicht ausgegraben werden kann. Auch hier sagt die Bodenforschung anderes. Gerade in jener Zeit nahmen die Körperbestattungen mit Waffen als Grabbeigaben auffallend zu. Das ist mir alles viel zu allgemein. Wurde mittlerweile teilweise geändert. Mein Bruder wollte alle Stämme gegen die Römer vereinen, unter ihm selbstverständlich, und er war sich nicht.. Hier geht es weiter: Und Ihre Sicht würde die Sicht der Sieger sein, die Ingiumer für den Mord an Sigfrid bezahlt hatten, die Rache für die gestohlenden Adler und die Tausenden römischen Soldaten. Das ist für den Prolog m.E. viel zu detailliert. Das wird im Haupttext alles noch ausführlich eine Rolle spielen. Aristokrat: entweder ist er Miles oder Senator, oder er hat einen Titel. Aristokrat ist keine zeitgenössische Bezeichnung.Stattgegeben. "Er ist Römer" reicht. Das hier ist richtig stark. Danke, ich hielt es zuerst für etwas dick aufgetragen, fast schwülstig. Lasst euch berichten, wie Sigifrid dem Drachenstandarte Die gab es zu jener Zeit noch nicht. Es ist eine Anspielung auf die schier endlos in die Länge gezogenen Heerzüge der Römer, die oft genug plündernd und brandschatzend vorgingen. Wird durch den älteren Begriff Lint(wurm) ersetzt. Hier würde ich erwähnen, dass der erste Tiberius den Germanen durch viele Feldzüge bekannt war und 14 n. Chr. Consul mit Varus war und als Adoptivsohn des Augustus Kaiser wurde. Ich nutze lediglich die für die Römer übliche Jahresangabe anstatt unserer Zeitrechnung. Die beiden Herren werden im Haupttext ausführlich eingeführt. Fazit: So.. ich bin kein Spezialist für Germanen, ich habe mich im Studium deutlich mehr mit römischer Geschichtsschreibung und den späteren Germanen beschäftigt, aber hier passt historisch vieles noch nicht. Gerade die Details wie die Framen geben einem historischen Roman Raum und Hintergrund, daher würde ich hier deutlich genauer arbeiten. So bleibt alles farblos. Wie an anderer Stelle bereits erwähnt, hat der Prolog andere Aufgaben als die ausführliche Behandlung, die eine Sache des Haupttextes ist. Viele Grüße Thomas Danke für Deine ausführlichen Statements. Sie enthalten manche Anregung, die bedenkenswert ist. Gruß Jürgen A mind is like a parachute. It doesn´t work if it is not open (Frank Zappa) https://procellula.jimdofree.com Link zu diesem Kommentar Auf anderen Seiten teilen More sharing options...