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Montségur Videokanal - Blind Date mit einem Buch

Empfohlene Beiträge

vor 25 Minuten schrieb RolandM:

Puh! Erstens hätte ich nicht gedacht, dass es sich um eben dieses Buch handelt. Und zweitens hat mich der Anfang eher abgestoßen als animiert, tiefer einzusteigen. Erstaunlich!

LG Roland

Ja, geht ja offenbar den meisten so. Was wirklich schade ist, was ich aber verstehen kann.

Wenn du schreibst „eben dieses“, heißt das, du kennst es, oder weißt etwas darüber?

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Beim Zuhören fühlte ich mich wie in einer psychedelischen Show, schon beim ersten Satz. Und das ging dann immer so hin und her. Was soll das, was wird daraus? Ein Psychothriller, eine psychiatrische Charakterstudie? Der Satz des Autors, man solle die Fakten Stück um Stück vermitteln,  aber er müsse alles erzählen, damit man als Leser verstehe ... hat mich dann wieder auf den Teppich gebracht. Und ich hoffte, es ginge jetzt so weiter ... aber es war weiter mysteriös. Habe mir das Buch bei Amazon angesehen und gestaunt, wie beliebt es ist. Ich finde das Thema auch zu ernst, um so locker darüber zu schreiben. Ich hatte mal einen Psychothriller gelesen, bei dem die verlorenen Seelen alle einzeln Morde begingen. Das fand ich allerdings so haarig, dass ich es bis heute nicht vergessen habe. Der Versuch hier scheint -in den Augen anderer - gelungen zu sein, aber ich lese das in der Form einfach nicht gern.

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Dieses Buch ist mir einmal von einer Freundin empfohlen worden, aber ich habe mich mit Fool on the Hill begnügt.
Nach dieser Leseprobe bin ich sehr froh darüber.

Ich mag es nicht, vom Erzähler persönlich angesprochen zu werden, habe aber schon einige Male trotzdem weitergelesen. Ich kann es gern als persönliche Eigenart abtun.
Was ich aber als Schwäche auslege, ist die Unwilligkeit dem Leser eine Orientierung anzubieten. Ich habe grundsätzlich keine Schwierigkeiten mit etwas rätselhaften Texten, aber in diesem Fall finde ich noch nicht einmal Hinweise, wohin ich mich fortbewege. Rätselhaftigkeiten mögen Spannung erzeugen, aber für mich ist alles nur ein Durcheinander.
Noch nicht einmal den See kann ich mir vorstellen. Er muss extrem tief sein, wenn ich mit dem Blick nach unten nur noch Schwärze sehe. In der Regel refllektiert
der Seegrund ein wenig, wenn der Kopf erst einmal unter Wasser ist. Andererseits soll man die Sonne erkennen, wenn man nach oben schaut, aber das Wasser streut das Licht
so stark, dass man in der Regel aus der Tiefe nur eine diffuse Helligkeit erkennen kann.
Selten bin ich auf ein Buch gestoßen, dass mich derart allein lässt.

 

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Ich fand den Anfang interessant: Die Geburt einer neuen abgespaltenen Persönlichkeit, wobei anscheinend schon mehrere solcher Teilidentitäten existieren. Man ist im Kopf oder in der Psyche desjenigen, der das erlebt (mit sechsundzwanzig erneut? Warum? Was ist jetzt wieder passiert? Das erklärt sich hoffentlich später.) Ein sehr ernstes Einstiegsthema, Kindesmissbrauch; ich hätte nicht erwartet, dass es danach lockerer weitergehen könnte, wie Andreas es andeutet, sondern eher auf was Düsteres spekuliert, eventuell auf einen Psychothriller (für einen Moment vermutete ich Stephen King, von dem ich allerdings nur ein Buch gelesen habe). Ich fand die Bildersprache auch ziemlich gut, schon der erste Satz - ich fand den toll, ein sehr wirkmächtiges Bild für mein Empfinden; jemand wird in die Existenz „gerufen“. Wie man später erfährt, gibt es einen Grund dafür, ein sinnstiftendes Deshalb. Und dann der See mit Algen und Schlingpflanzen, der für mich die unerforschte, nicht vom Verstand erfassbare Tiefe des Unbewussten symbolisiert. Von diesem nicht auslotbaren, diffusen Ort steigt also, durch eine innere Notwendigkeit veranlasst, die nächste abgesplitterte Teilpersönlichkeit auf.

Ich hab danach die Leseprobe bei Thalia gelesen (Amazon zeigt die ersten Seiten nicht an), und wieder gefiel mir, dass man nicht innerhalb der ersten drei Absätze alles serviert bekommt, sondern ein bisschen mitdenken, vermuten, sich was zusammenreimen, verwerfen, neu schlussfolgern muss. Ich mag das. Da ich eher der Lese- als der Hörtyp bin, kam ich mit der selber gelesenen Leseprobe besser klar. Soweit ich es durch die weiterführende Leseprobe verstanden habe, soll die neue Persönlichkeit unter all den anderen, schon existierenden Teilpersönlichkeiten die Übersicht behalten und das Miteinander organisieren. Eine Art großer Bruder, wenn man so will.

Für mich ist dieser Anfang kein Psychokitsch, das geht - trotz des später einsetzenden unterschwelligen Humors - schon eher tief. Psychokitsch wäre für mich eher Fitzek.

Ich habe mir das Buch  jetzt zu Weihnachten gewünscht, weil das, was ich an Rezensionen und Inhaltsangaben gelesen habe, nach einem ziemlich abgefahrenen Roadmovie klingt. Da sitzen anscheinend eine Menge mehr Persönlichkeiten als nur zwei reale Personen im Auto und cruisen auf der Suche nach Wahrheit durch Amerika, um sich selbst (wie viele auch immer das letztlich sind) auf die Schliche zu kommen. :-) 

Bearbeitet von KerstinH
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Mir geht es ein bisschen wie Kerstin, mag Literatur, die ihre Karten nicht gleich auf den Tisch legt, die mich herausfordert und möglicherweise zunächst etwas anstrengend ist. Ich bin auch nicht der Auffassung, dass man bei einem Roman nach drei Seiten schon wissen muss, um was geht, wer der Hauptprotagonist ist, was der Hauptkonflikt usw. Literatur hat für mich u.a. auch die Aufgabe, Ungeheuerliches zu erzählen - wie auch in diesem Fall: Die hier skizzierte Persönlichkeitsspaltung in Folge eines Missbrauches, eine Geschichte, die offenbar allein im Kopf eines Menschen sich abspielt, das ist schon einmal sehr kühn und sehr mutig von dem Autor. Der traut sich was. Da bin ich gern erst einmal mit dabei. Dass er sich direkt an den Leser wendet und genau das Problem anspricht, das den gerade beschäftigt - Um was geht es hier? Ich verstehe ja wenig bis nichts - finde ich sehr clever und zeigt mir, dass der Autor über einige literarische Kniffe verfügt, sodass ich ihm zutraue sein irres Thema auch auf den noch folgenden Seiten zu bewältigen.

Bearbeitet von jueb

"Dem von zwei Künstlern geschaffenen Werk wohnt ein Prinzip der Täuschung und Simulation inne."  

AT "Aus Liebe Stahl. Eine Künstlerehe."

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Habe mir das 5. Blind Date angeschaut und ticke da ähnlich in meiner Wahrnehmung wie KerstinH. 

Inspiration exists, but it has to find us working! (Pablo Picasso)

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vor 18 Stunden schrieb Andreas:

Wenn du schreibst „eben dieses“, heißt das, du kennst es, oder weißt etwas darüber?

Seit Fool on the Hill habe ich Matt Ruff auf meiner Agenda lesenswerter Bücher. Über sein drittes Buch hatte ich schon viel gehört, es bisher aber nicht gelesen. Vielleicht sollte ich das nachholen – trotz des gewöhnungsbedürftigen Beginns …

LG Roland

Roland Muller: EISRAUSCH (Aufbau Taschenbuch atb 1/2024)

https://roland-mueller-thriller.de und https://www.cafedigital.de

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Am 16.12.2023 um 22:37 schrieb KerstinH:

,Da sitzen anscheinend eine Menge mehr Persönlichkeiten als nur zwei reale Personen im Auto und cruisen auf der Suche nach Wahrheit durch Amerika, um sich selbst (wie viele auch immer das letztlich sind) auf die Schliche zu kommen. :-) 

Das ist einer der Kernaussagen, die bei mir Assoziationen zu Prechts Buch "Wer bin ich und wenn ja, wie viele?" und zu Ronald D. Laings "Das Selbst und die anderen" hervorgerufen hat. Eigentlich eine faszinierende Aussicht! Gestern habe ich mir die Leseprobe bei Thalia angesehen und war immer noch etwas hilflos bei der Vorstellung der vielen Personen, die da morgens aufstanden, Zähne putzten und zum Frühstück hinuntergingen. War die Tante jetzt real oder gehörte sie zur multiplen Persönlichkeit? Wenn der Autor es schafft, diese Personen mit auf die Reise zu nehmen und mir zu vermitteln, wie sie sich entwickelt und das auch noch zu einem Lesevergnügen zu machen, dann wäre es ein Geniestreich.

Am 17.12.2023 um 09:15 schrieb jueb:

Mir geht es ein bisschen wie Kerstin, mag Literatur, die ihre Karten nicht gleich auf den Tisch legt, die mich herausfordert und möglicherweise zunächst etwas anstrengend ist. Ich bin auch nicht der Auffassung, dass man bei einem Roman nach drei Seiten schon wissen muss, um was geht, wer der Hauptprotagonist ist, was der Hauptkonflikt usw. Literatur hat für mich u.a. auch die Aufgabe, Ungeheuerliches zu erzählen - wie auch in diesem Fall: Die hier skizzierte Persönlichkeitsspaltung in Folge eines Missbrauches, eine Geschichte, die offenbar allein im Kopf eines Menschen sich abspielt, das ist schon einmal sehr kühn und sehr mutig von dem Autor. Der traut sich was. Da bin ich gern erst einmal mit dabei. Dass er sich direkt an den Leser wendet und genau das Problem anspricht, das den gerade beschäftigt - Um was geht es hier? Ich verstehe ja wenig bis nichts - finde ich sehr clever und zeigt mir, dass der Autor über einige literarische Kniffe verfügt, sodass ich ihm zutraue sein irres Thema auch auf den noch folgenden Seiten zu bewältigen.

Mir ist es gerade bei zwei anderen - hochgelobten - Büchern so gegangen, dass ich sie nach der Leseprobe wieder weggelegt habe. Eins davon habe ich dann noch mal vor geholt und war letztendlich, trotz einiger perspektivischer Schwächen, restlos begeistert!

Bearbeitet von Christa
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vor 8 Minuten schrieb Christa:

Gestern habe ich mir die Leseprobe bei Thalia angesehen und war immer noch etwas hilflos bei der Vorstellung der vielen Personen, die da morgens aufstanden, Zähne putzten und zum Frühstück hinuntergingen. War die Tante jetzt real oder gehörte sie zur multiplen Persönlichkeit?

Ich habe das so verstanden, dass das neu geschaffene „Ich“ all diese Persönlichkeiten organisiert, die existieren alle nur im Kopf des Protagonisten, einschließlich des „Neuen“. Ich fand spannend, wie immer eine andere Persönlichkeit „den Körper“ übernimmt. Als eine der Teilpersönlichkeiten den Körper durch die ganzen Liegestütze jagt, ist der Neue, der den Körper danach zum Duschen übernimmt, erstaunt, wie schlapp aber auch angenehm sich das anfühlt. 
Der reale Mensch dahinter sind im Grunde alle Persönlichkeiten zusammen, jedenfalls verstehe ich das bisher so. Den muss man sich als Leser anscheinend selbst zusammensetzen.

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vor 32 Minuten schrieb Christa:

Mir ist es gerade bei zwei anderen - hochgelobten - Büchern so gegangen, dass ich sie nach der Leseprobe wieder weggelegt habe. Eins davon habe ich dann noch mal vor geholt und war letztendlich, trotz einiger perspektivischer Schwächen, restlos begeistert!

Hallo liebe Christa,

magst du verraten, welches Buch es ist, das dich doch noch gewonnen hat?

"Dem von zwei Künstlern geschaffenen Werk wohnt ein Prinzip der Täuschung und Simulation inne."  

AT "Aus Liebe Stahl. Eine Künstlerehe."

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vor 4 Minuten schrieb jueb:

Hallo liebe Christa,

magst du verraten, welches Buch es ist, das dich doch noch gewonnen hat?

"Lichtspiel" von Daniel Kehlmann. Das fing so merkwürdig an, warum, habe ich erst am Schluss verstanden. Ansonsten war es eine wirklich interessante Erfahrung über den fast unmöglichen Versuch, während der Nazizeit gute Filme zu machen (es handelt sich um den Regisseur Wilhelm Papst).

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vor 36 Minuten schrieb KerstinH:

Ich habe das so verstanden, dass das neu geschaffene „Ich“ all diese Persönlichkeiten organisiert, die existieren alle nur im Kopf des Protagonisten, einschließlich des „Neuen“. Ich fand spannend, wie immer eine andere Persönlichkeit „den Körper“ übernimmt. Als eine der Teilpersönlichkeiten den Körper durch die ganzen Liegestütze jagt, ist der Neue, der den Körper danach zum Duschen übernimmt, erstaunt, wie schlapp aber auch angenehm sich das anfühlt. 
Der reale Mensch dahinter sind im Grunde alle Persönlichkeiten zusammen, jedenfalls verstehe ich das bisher so. Den muss man sich als Leser anscheinend selbst zusammensetzen.

Ja, das leuchtet mir ein. Dass der aus den Algen ins Leben gerufene Protagonist das neue Ich ist, muss ich mir wirklich zusammensetzen. Psychologisch betrachtet würde das bedeuten, dass die neue  Persönlichkeit sich aus dem Unbewussten entwickelt ... für Normalleserìnnen ein Brocken, den sie erst mal schlucken und verdauen müssen. Der Autor gibt auch Kurse in Creative Wrighting, habe ich gesehen.

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