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Sebastian Niedlich

KI - Künstliche Intelligenz MEGATHREAD

Empfohlene Beiträge

Das ist wirklich hochinteressant, Christoph, was du hier anhand von umfangreichem Material darstellst. Wir können also unsere Annahme, dass Genreliteratur durch KI ersetzt werden könne, ad acta legen. Weil sie eben nicht in der Lage ist, deren Gesetzmäßigkeiten zu folgen. Muss das noch durch andere Arbeiten erhärtet werden?

Dass die KI die E-Literatur in Form von Gedichten leichter bewältigt, hatten wir schon früher gesehen. Wenn man mal von Un-Worten und skurrilen Neuschöpfungen absieht. Die Sonette von Schlegel kannte ich noch nicht, aber in gewissem Sinne sind die von der KI fast "poetischer" als die des Dichters. Eine Stelle ist mir besonders aufgefallen.

Es rauscht das Laub, der Wind erzählt vom Rauch

Vergangner Zeiten, Sehnsucht zart gefild,

Wo ungestillt das Herz nach Freiheit schilft,

Und in der Ferne ruft der Eule Bauch.

Da hat die KI also zuerst die Reimwörter gebildet wie Rauch, Bauch und dann das Sonett darum herum gebaut? Wieso kriegt sie dann nichts anderes hin als "Bauch", "gefild", "schilft"? Wie kann ein Herz denn schilfen? Aber gut, sie kann Gedichte, aber keine Werke und auch keine komplexen Genregeschichten, wie du ganz richtig anmerkst. Ihr fehlen Lebenserfahrung, Sinne und Weltsicht dafür. 

Dann dein letzter Satz in deinem Artikel. Du schreibst in etwa, so revolutionär, wie alle immer tun, sei die KI doch gar nicht. Völlig dáccord. Und die meisten Zeitungs-und andere Artikel könne man vergessen. Wenn ich das richtig verstanden habe, ist mein Abend gerettet.:)

P.S. Das Bild hat Midjourney von Caspar David Friedrich geklaut (Rückenansicht der Figuren), von dem ich einen Band dahabe und der gerade wieder in aller Munde ist.

Bearbeitet von Christa
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Beim "schilfenden Herz" bin ich tatsächlich überfragt ... Das Verb hat eine andere Bedeutung (siehe hier). Vermutlich hat sich das Sprachmodell am Sprachgebrauch der Zeit Schlegels versucht und nicht genügend Trainingsdaten zu diesem Wort gehabt, um zu "wissen," dass es in diesem Kontext nicht passt.

Die besten Ergebnisse erzielen LLMs beim Erzählen momentan, wenn es vom Stil her in Richtung Bewusstseinsstrom geht. Da kommen teilweise wirklich tolle Sachen raus, die man auch für Weltliteratur halten könnte. 

Das alles ist natürlich momentan nur eine Momentaufnahme - und ein Hinweis darauf, wo es gerade noch sehr deutlich hapert, dass das Gerede von Superintelligenz etc. einfach fehl am Platz ist. Trotzdem ist die ganze Entwicklung spannend. Und in mancherlei Hinsicht kann ein großes Sprachmodell eben doch so gut erzählen (oder besser) wie viele Autorinnen und Autoren. Nächstes Jahr wollen wir in München dazu eine Fachtagung zusammen mit der UC Berkeley machen und uns dann verschiedene Parameter des Erzählens vergleichend anschauen.

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vor 1 Stunde schrieb ChristophH:

Beim "schilfenden Herz" bin ich tatsächlich überfragt ... Das Verb hat eine andere Bedeutung (siehe hier). Vermutlich hat sich das Sprachmodell am Sprachgebrauch der Zeit Schlegels versucht und nicht genügend Trainingsdaten zu diesem Wort gehabt, um zu "wissen," dass es in diesem Kontext nicht passt.

Die besten Ergebnisse erzielen LLMs beim Erzählen momentan, wenn es vom Stil her in Richtung Bewusstseinsstrom geht. Da kommen teilweise wirklich tolle Sachen raus, die man auch für Weltliteratur halten könnte. 

Das alles ist natürlich momentan nur eine Momentaufnahme - und ein Hinweis darauf, wo es gerade noch sehr deutlich hapert, dass das Gerede von Superintelligenz etc. einfach fehl am Platz ist. Trotzdem ist die ganze Entwicklung spannend. Und in mancherlei Hinsicht kann ein großes Sprachmodell eben doch so gut erzählen (oder besser) wie viele Autorinnen und Autoren. Nächstes Jahr wollen wir in München dazu eine Fachtagung zusammen mit der UC Berkeley machen und uns dann verschiedene Parameter des Erzählens vergleichend anschauen.

Im modernen Duden wird "schilfen" ähnlich beschrieben wie bei den Grimms, mit dem Zusatz "schilfen, schelfen" auch wie "schaben", abschleifen". Es entsteht ein Bild, wie das Herz sich den Weg zur Freiheit bohrt.;) In welcher Hinsicht ein großes Sprachmodell genauso gut oder besser erzählen könnte als manche Autorínnen, hat sich mir noch nicht erschlossen. Außer bei Gedichten oder Texten, die aus einer große Datenmenge von Schriftstellerínnen herausgesammelt wurden. Mit dem Ergebnis, dass man sie auf den ersten Blick für gut halten könnte, bei näherem Hinsehen aber die Stümperhaftigkeit bemerkt.

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vor 54 Minuten schrieb Sebastian Niedlich:

Das geht ja gerade durch alle Nachrichtensendungen und Zeitungen. Die zentrale Frage scheint zu sein, ob Stimmen urheberrechtlich geschützt sind.

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Wie erwartet ist OpenAI nach SJs Einschreiten gegen das offenbar illegale Kopieren ihrer Stimme eingeknickt und hat widerstrebend das Stimm-Double gelöscht. Ein recht typisches Beispiel für das Vorgehen der Techgiganten, wie ich denke. Denn eine Weile zuvor hatte Johansson auf Anfrage von OpenAI ein Kopieren ihrer Stimme abgelehnt. Offenbar ließ sich OpenAI davon nicht abschrecken. Getrieben von der weit verbreiteten Hybris der Branche.

Roland Muller: EISRAUSCH (erscheint als Aufbau Taschenbuch am 13.08.2024)

https://roland-mueller-thriller.de und https://www.cafedigital.de

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Am 15.5.2024 um 15:58 schrieb Sebastian Niedlich:

Ich kann mich ja auch schon eine Weile nicht mehr aufraffen, die ganzen News aus der KI-Welt zu posten. Aber eine Sache wollte ich doch noch zeigen, weil es so absurd ist...

Whitney Wolfe Herd, Gründerin und eine der Chefs von Bumble, einer sehr bekannten Dating-Website, hat kürzlich in einem Interview darüber gesprochen (so ca. ab Minute 7), dass KI beim Daten eine große Rolle spielt. Nicht nur wird KI einem dabei "helfen" mit den eigenen Unsicherheiten usw. klarzukommen, sondern ggf. gibt es auch KIs, sogenannte Dating-Concierges, die auf einen zugeschnitten sind, und welche sich dann untereinander daten können, damit man herausfindet, wer wirklich zu einem passt.
Sprich: Man sagt einer KI, wie man ist, und die KI unterhält sich dann mit anderen KIs von anderen Suchenden, damit man sich mit denen nicht in der echten Welt treffen muss.

Ähm ... ich lass das mal so stehen.

Fände ich super! ;-) Singles würden sich viele nervige Dates sparen.

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Am 16.5.2024 um 14:27 schrieb Christa:

Eigentlich ist es ja auch immer dasselbe. Gestern habe ich mal im Café alles passieren lassen, was an neuen Nachrichten über die KI kam. War alles irgendwie dasselbe mit Variationen. Man konnte sein Wissen über die KI testen, und im anderen Link hatte die KI schon wieder was Sensationelles gelernt. Neulich sah ich einen Spielfilm über psychische Verwicklungen mit der KI. War eigentlich weniger spannend als schon ein wenig nervig.

Das hingegen hatte ich noch nicht gehört. Neben dem Witzeffekt frage ich mich: Wo kommen die Paare denn dann eigentlich zusammen?

Na, man trifft sich nur noch mit von der KI getesteten Leuten, die im Idealfall dann auch wirklich gut zu einem passen. Das heißt, man lässt die Frösche von der KI aussortieren. Das muss ja momentan noch durch Trial and Error herausfinden. Wenn das funktionieren würde, fände ich es sehr nützlich! 

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Ich lese hier immer noch klagen darüber, dass Chat GPT keine zuverlässigen Suchergebnisse liefert. Dazu ist es aber überhaupt nicht entwickelt worden. Chat GPT und generell Large Language Models sind keine Suchmaschinen.  Sie sind darauf trainiert, die Wörter nach Wahrscheinlichkeiten aneinander zu rein und nicht dafür Fakten wiederzugeben. dass sie das trotzdem tun, liegt einfach daran, dass die Wahrscheinlichkeit der Wortfolge oft auch den Tatsachen entspricht. Für Recherche ist Google viel besser. Und natürlich wird auch Google KI einsetzen, doch wird diese KI natürlich dem Zweck des Suchens angepasst sein.

Dass das bedingungslose Grundeinkommen finanzierbar ist, ist übrigens nachgewiesen. und zwar durch das deutsche Institut für Wirtschaftsforschung. Ich bin nicht mehr so tief im Thema drin und kann die Modelle daher nicht detailliert wiedergeben, aber das kann ja jeder im Internet nachlesen.

Ich glaube, welche Auswirkungen KI auf unser Alltags- und Arbeitsleben haben wird, können wir momentan noch gar nicht einschätzen. Aber es wird welche haben. Und ganz sicher ist, dass wer sich den Entwicklungen verweigert, am Ende in die Röhre schauen wird.

Ich habe vor ein paar Tagen aus Spaß zusammen mit Chat-GPT geplottet, und zwar nicht schriftlich, sondern wir haben richtig miteinander gequatscht (man kann sich sogar eine Stimme aussuchen). Das war fantastisch, sehr inspirierend und wir hatten zusammen innerhalb relativ kurzer Zeit einen ziemlich guten Plot für einen Genreroman auf die Beine gestellt. Es geht nicht darum, dass die K.I. die Arbeit für einen erledigt, sondern man muss die K als Gegenüber sehen, als Assistenz. Beim gemeinsamen Plotten war es häufig so, dass ich der City Vorschläge gemacht habe und sie sie in den Plot eingearbeitet hat. Natürlich viel schneller, als ich selbst das hätte tun können. Das spart einfach wahnsinnig viel Zeit. Aber die KI ist immer nur so gut wie das, was man ihr gibt. Jemand, der keine Ahnung vom fiktionalen Erzählen hat, wird auch mit Chat GPT keinen guten Plot hinkriegen. Und man muss ein bisschen ein Gefühl dafür haben, welchen Input die KI braucht, um gute Ergebnisse zu liefern, sonst werden die Ergebnisse unbefriedigend sein.

 

 

Bearbeitet von MaschaV
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Oder noch besser: Lasst gleich KI-Avatare/Avatarinnen miteinander daten und haltet Euch ganz raus. Das wird sehr viel unterhaltsamer. In einer Dating-App treffen doch eh zwei sehr subjektiv geprägte Ideal-Selbstbilder aufeinander, die mit der Realität nicht wirklich viel zu tun haben ;-))

Roland Muller: EISRAUSCH (erscheint als Aufbau Taschenbuch am 13.08.2024)

https://roland-mueller-thriller.de und https://www.cafedigital.de

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vor 4 Minuten schrieb RolandM:

Oder noch besser: Lasst gleich KI-Avatare/Avatarinnen miteinander daten und haltet Euch ganz raus. Das wird sehr viel unterhaltsamer. In einer Dating-App treffen doch eh zwei sehr subjektiv geprägte Ideal-Selbstbilder aufeinander, die mit der Realität nicht wirklich viel zu tun haben ;-))

Klar kann man das alles auch satirisch betrachten, finde ich auch witzig. Aber wenn man mal bei der tatsächlichen Entwicklung bleibt, wäre es dann wahrscheinlich so, dass man eben nicht mehr oberflächliche Gemeinsamkeiten vergleicht wie denselben Musikgeschmack und anderen Unsinn, der für eine Beziehung völlig unwichtig ist, sondern tatsächlich durch das Beantworten von Fragen eine digitale Persönlichkeitskopie erschaffen wird. Dabei, ehrlich zu sein, liegt ja im ureigenen Interesse, weil man sonst keinen passenden Partner findet. 

Zukunftsmusik? Nicht wirklich, wie dieser beeindruckende Podcast verdeutlicht: 

 

Bearbeitet von MaschaV
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vor 5 Stunden schrieb MaschaV:

… wäre es dann wahrscheinlich so, dass man eben nicht mehr oberflächliche Gemeinsamkeiten vergleicht wie denselben Musikgeschmack und anderen Unsinn, der für eine Beziehung völlig unwichtig ist, sondern tatsächlich durch das Beantworten von Fragen eine digitale Persönlichkeitskopie erschaffen wird. Dabei ehrlich zu sein, liegt ja im ureigenen Interesse, weil man sonst keinen passenden Partner findet. 

Ich glaube aber, dass es trotzdem haken würde. Man hat ja nicht selten falsche Annahmen über sich selbst („Ich bin eher der soundso-Typ“), bis man mit der Realität konfrontiert wird. Ich weiß natürlich, dass es auch matches gibt, aber ich denke, der Funke springt letztlich erst über, wenn man sich in der realen Welt trifft.

Weil die KI nur eine bestimmte Ebene anspricht - den Intellekt. Alles, was Gefühle auslöst, ist jedoch ein Zusammenspiel von vielen kleinen momentanen Dingen - ein Gesichtsausdruck, ein Blick, eine Bewegung, das Wahrnehmen von Emotionen beim anderen - usw. Es klingt vielleicht ein bisschen eso, aber ich würde sagen, es fehlt dabei die Seele.

Im Interview spricht nun der Herr Bommer von Daten, mit der die KI gefüttert werde, und die er zur Verfügung stellt, damit seine Verwandten nach seinem Tod mit ihm weiteragieren können. Sicher werden auch Menschen, die ihn gar nicht persönlich kannten (z.B. noch ungeborene Enkel), später daraus (s)eine Weltsicht erschließen können. Trotzdem wird das lebendige Gegenüber fehlen. Als Erinnerung für Familienangehörige mag so eine personalisierte KI tröstlich sein, und letzteres ist vielleicht auch der Grund für Hinterbliebene, so eine KI nutzen zu wollen, aber vonseiten desjenigen, der so eine KI anlegt - und sorry, ich möchte hier wirklich nicht pietätlos oder übergriffig erscheinen, ich kenne den Mann ja nicht - scheint es sich mir eher um den verkappten oder vielleicht auch unbewussten Versuch zu handeln, die eigene Wichtigkeit weitertransportieren zu wollen.

Ich sehe dabei auch ein psychologisches Problem: Wenn die Frau nach einer gewissen Trauerzeit irgendwann entscheidet, wieder nach vorn zu schauen und mit bestimmten Dingen abzuschließen, wird es womöglich starke Schuldgefühle auslösen, die KI mit der Stimme und „Denke“ des Ehemannes abschalten zu wollen. Ich persönlich würde meinen Angehörigen so eine personalisierte KI, die angebliche Antworten in meinem Sinn gibt, nicht hinterlassen wollen. Leave the dead to the dead. Ein Tagebuch, ein Fotoalbum - okay. Aber ein scheinbar(!) reales Gespräch mit jemandem, der gar nicht mehr da ist … für mich keine gute Idee.

Bearbeitet von KerstinH
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vor 11 Stunden schrieb KerstinH:

Ich sehe dabei auch ein psychologisches Problem: Wenn die Frau nach einer gewissen Trauerzeit irgendwann entscheidet, wieder nach vorn zu schauen und mit bestimmten Dingen abzuschließen, wird es womöglich starke Schuldgefühle auslösen, die KI mit der Stimme und „Denke“ des Ehemannes abschalten zu wollen. Ich persönlich würde meinen Angehörigen so eine personalisierte KI, die angebliche Antworten in meinem Sinn gibt, nicht hinterlassen wollen. Leave the dead to the dead. Ein Tagebuch, ein Fotoalbum - okay. Aber ein scheinbar(!) reales Gespräch mit jemandem, der gar nicht mehr da ist … für mich keine gute Idee.

Da bin ich ganz bei dir, Kerstin.

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vor 15 Stunden schrieb MaschaV:

Na, man trifft sich nur noch mit von der KI getesteten Leuten, die im Idealfall dann auch wirklich gut zu einem passen. Das heißt, man lässt die Frösche von der KI aussortieren. Das muss ja momentan noch durch Trial and Error herausfinden. Wenn das funktionieren würde, fände ich es sehr nützlich! 

Fragt sich bloß, nach welchen Kriterien die KI ermittelt, wer zu mir passt - ein Partner mit einem ähnlichen Persönlichkeitsprofil, das berühmte Gegenstück oder die goldene Mischung. In weltanschaulichen Fragen und bestimmten Bereichen liege ich mit meiner Lebensgefährtin auf einer Wellenlänge, in anderen sind wir unterschiedlich wie Tag und Nacht, was natürlich zu Konflikten führt. Wären wir überall gleich,  würde sich wahrscheinlich bald Langeweile breitmachen. 

Nein, da wäre es schon viel hilfreicher, wenn die KI den Menschen beibringen könnte, wie man Partnerschaftskonflikte löst. Würde die Scheidungsrate senken, viel Herzschmerz ersparen und die Zahl unglücklicher Singles dezimieren. Partner, die theoretisch zu einem passen würden, gibt es an jeder Ecke. Menschen, die Beziehung leben können (mit allen dafür notwendigen Entbehrungen und Kompromissen) immer weniger.

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vor 1 Stunde schrieb WolfgangG:

Nein, da wäre es schon viel hilfreicher, wenn die KI den Menschen beibringen könnte, wie man Partnerschaftskonflikte löst. Würde die Scheidungsrate senken, viel Herzschmerz ersparen und die Zahl unglücklicher Singles dezimieren. Partner, die theoretisch zu einem passen würden, gibt es an jeder Ecke. Menschen, die Beziehung leben können (mit allen dafür notwendigen Entbehrungen und Kompromissen) immer weniger.

Das kommt bestimmt auch noch – der KI-Paartherapeut! :-)

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vor 15 Stunden schrieb KerstinH:

Ich glaube aber, dass es trotzdem haken würde. Man hat ja nicht selten falsche Annahmen über sich selbst („Ich bin eher der soundso-Typ“), bis man mit der Realität konfrontiert wird. Ich weiß natürlich, dass es auch matches gibt, aber ich denke, der Funke springt letztlich erst über, wenn man sich in der realen Welt trifft.

Weil die KI nur eine bestimmte Ebene anspricht - den Intellekt. Alles, was Gefühle auslöst, ist jedoch ein Zusammenspiel von vielen kleinen momentanen Dingen - ein Gesichtsausdruck, ein Blick, eine Bewegung, das Wahrnehmen von Emotionen beim anderen - usw. Es klingt vielleicht ein bisschen eso, aber ich würde sagen, es fehlt dabei die Seele.

Im Interview spricht nun der Herr Bommer von Daten, mit der die KI gefüttert werde, und die er zur Verfügung stellt, damit seine Verwandten nach seinem Tod mit ihm weiteragieren können. Sicher werden auch Menschen, die ihn gar nicht persönlich kannten (z.B. noch ungeborene Enkel), später daraus (s)eine Weltsicht erschließen können. Trotzdem wird das lebendige Gegenüber fehlen. Als Erinnerung für Familienangehörige mag so eine personalisierte KI tröstlich sein, und letzteres ist vielleicht auch der Grund für Hinterbliebene, so eine KI nutzen zu wollen, aber vonseiten desjenigen, der so eine KI anlegt - und sorry, ich möchte hier wirklich nicht pietätlos oder übergriffig erscheinen, ich kenne den Mann ja nicht - scheint es sich mir eher um den verkappten oder vielleicht auch unbewussten Versuch zu handeln, die eigene Wichtigkeit weitertransportieren zu wollen.

Ich sehe dabei auch ein psychologisches Problem: Wenn die Frau nach einer gewissen Trauerzeit irgendwann entscheidet, wieder nach vorn zu schauen und mit bestimmten Dingen abzuschließen, wird es womöglich starke Schuldgefühle auslösen, die KI mit der Stimme und „Denke“ des Ehemannes abschalten zu wollen. Ich persönlich würde meinen Angehörigen so eine personalisierte KI, die angebliche Antworten in meinem Sinn gibt, nicht hinterlassen wollen. Leave the dead to the dead. Ein Tagebuch, ein Fotoalbum - okay. Aber ein scheinbar(!) reales Gespräch mit jemandem, der gar nicht mehr da ist … für mich keine gute Idee.

Ob so etwas gut oder schlecht bzw. sinnvoll oder nicht sinnvoll ist, kann jeder für sich entscheiden. Ich will mir kein Urteil darüber erlauben, was andere Menschen tun, und wie eine Person damit zurechtkommt, ist auch sehr individuell. Daher führt eine Diskussion darüber nirgendwohin.

Worum es mir geht, ist, dass es möglich ist und dass es gemacht werden wird. In 20 Jahren, vielleicht auch schon in 10 oder 5 – wer weiß das schon – ist es vielleicht  völlig normal, eine KI-Kopie seiner lieben Verstorbenen zu haben. Welche Auswirkungen das auf Trauer und Erinnerung haben wird, wird sich zeigen.

Aber wir sind Off Tonic, es geht ja hier im Forum ums Erzählen und die Buchbranche. Gut, die Opa-KI erzählt dann wahrscheinlich auch Gute-Nacht-Geschichten.

Bearbeitet von MaschaV
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vor 2 Stunden schrieb MaschaV:

Aber wir sind Off Tonic, es geht ja hier im Forum ums Erzählen und die Buchbranche.

Dann hätte man sich freilich auch das Posten der entsprechenden Beiträge, Partnersuche-KI, Alias-KI nach dem eigenen Tod usw., sparen können. Es ist doch logisch, dass man auch die - zugegebenermaßen vermuteten - Auswirkungen diskutiert, wenn entsprechende  Anwendungsmöglichkeiten in den Thread gestellt werden (die erstmal nichts mit dem Buchmarkt zu tun haben). Machen wir hier doch die ganze Zeit. Die Technologie ist für uns alle neu, und wir alle müssen eine Haltung dazu finden. Gerade durch Diskussionen. :-) 

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vor 3 Stunden schrieb MaschaV:

Aber wir sind Off Tonic, es geht ja hier im Forum ums Erzählen und die Buchbranche. Gut, die Opa-KI erzählt dann wahrscheinlich auch Gute-Nacht-Geschichten.

Ich finde es wichtig, Wiederholungen zu vermeiden. Das Thema "Überleben durch KI" zum Beispiel hatten wir schon mal z.B. in Form von John Lennons Lied. Wenn es jetzt eine Firma gibt, durch die man als Ki überleben kann, ist das zwar neu, aber es ist für mich ein Geschäftsmodell, das keine Erinnerungen, Plätze und Fotos usw. ersetzen kann. Etwas wie Google oder Nutzung der KI durch Verlage betrifft uns direkt. Ich warte immer auf etwas wirklich Neues, das uns als Schreibende oder Recherchierende betrifft, vieles andere ist einfach nur Wiederholung.

Bearbeitet von Christa
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vor einer Stunde schrieb KerstinH:

Dann hätte man sich freilich auch das Posten der entsprechenden Beiträge, Partnersuche-KI, Alias-KI nach dem eigenen Tod usw., sparen können. Es ist doch logisch, dass man auch die - zugegebenermaßen vermuteten - Auswirkungen diskutiert, wenn entsprechende  Anwendungsmöglichkeiten in den Thread gestellt werden (die erstmal nichts mit dem Buchmarkt zu tun haben). Machen wir hier doch die ganze Zeit. Die Technologie ist für uns alle neu, und wir alle müssen eine Haltung dazu finden. Gerade durch Diskussionen. :-) 

Mal abdriften und ein paar Scherze machen ist ja auch ok. Wir sind ja keine Behörde hier. Ich wollte nur anregen, zum eigentlichen Thema zurückzufinden.

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So gänzlich "off Topic" finde ich persönlich das gar nicht. Die Gedanken, die da bewegt werden, drängen ja ganz automatisch auch in andere Bereiche des Schreibens, allein dadurch, dass sie in Zukunft thematisch für den ein oder anderen Plot aufgegriffen werden könnten. Da finde ich es durchaus interessant und anregend, unterschiedliche Gefühle und Standpunkte zu dieser Entwicklung wahrzunehmen.

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vor 3 Stunden schrieb SusanneGa:

So gänzlich "off Topic" finde ich persönlich das gar nicht. Die Gedanken, die da bewegt werden, drängen ja ganz automatisch auch in andere Bereiche des Schreibens, allein dadurch, dass sie in Zukunft thematisch für den ein oder anderen Plot aufgegriffen werden könnten. Da finde ich es durchaus interessant und anregend, unterschiedliche Gefühle und Standpunkte zu dieser Entwicklung wahrzunehmen.

Da hast du auch wieder recht.

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Aus der heutigen Presse:

Kleber auf Pizza?: KI-Suche bereitet Google Bauchweh - news.ORF.at

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Am 24.5.2024 um 11:46 schrieb WolfgangG:

Aus der heutigen Presse:

Kleber auf Pizza?: KI-Suche bereitet Google Bauchweh - news.ORF.at

Leute, die sich mit Kleber vergiften, nachdem sie bei Google nach Methoden gesucht haben, den Käse besser haften zu lassen, haben sich vorher schon unkritisch gegenüber Suchergebnissen verhalten.8-)

Ich habe gerade eine Stellungnahme von Elon Musk gefunden, die zwar nicht neu ist, aber eine Frage aufwirft. Wenn die KI alle Arbeit des Menschen übernehme, welchen Sinn soll er dann noch in seinem Leben sehen? Er müsse der KI selbst einen Sinn verleihen, meint er. Meine Frage: Wieso schürt er die Angst, die er selber hat, immer weiter? Wenn doch klar ist, das z.B. Kreative, Angestellte in der Psychiatrie und Lehrer auch in Zukunft unverzichtbar sein werden. https://www.morgenpost.de/wirtschaft/article242405756/Elon-Musk-ueber-KI-Keiner-von-uns-wird-mehr-einen-Job-haben.html

Bearbeitet von Christa
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vor 3 Stunden schrieb Christa:

Meine Frage: Wieso schürt er die Angst, die er selber hat, immer weiter?

Weil er auch nur ein Mensch ist? Es wird immer so dargestellt, dass solche Leute an der Spitze von Unternehmen besonders intelligent, begabt, allwissend und von Gott geküsst wären. Aber es sind eigentlich auch nur Menschen, die sich morgens die Schnürsenkel binden müssen. Wenn du seine Biografie anschaust, hinsichtlich Familie und Partner und mal nach der Aussage "Elon Musk assoziiert Liebe mit Gemeinheit oder Missbrauch" suchst, dann sollte klar werden, dass nicht alles zu Gold wird, was er anfasst und nicht alles aus seinem Mund die pure Weisheit ist. ;-)

Die (mittlerweile nicht mehr aktualisierte(?)) Website https://elonmusk.today/ hatte immer schön aufgelistet, was von seinen Vorhersagen alles nicht eingetreten ist.

Bearbeitet von JoergR
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