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Sebastian Niedlich

KI - Künstliche Intelligenz MEGATHREAD

Empfohlene Beiträge

vor 2 Stunden schrieb JoergR:

Und deshalb denkst du, dass die Liebe zu Büchern vorherrscht und die Firmenleitungen nicht versuchen werden Einsparungen mitzunehmen, wo sie nur können?

Dier Bertelsmann / Penguin / Simon & Schuster Gerichtsverhandlung hat doch einiges in der Hinsicht ans Licht gebracht. Stichwort : "Milliardendeal"

Oder das hier vom CEO: "Er hat Penguin Random House nachhaltig auf Wachstum und Profitabilität ausgerichtet. Unter seiner Führung hat sich der Umsatz unserer Buchsparte mehr als verdoppelt und das Ergebnis verfünffacht."

Sieht für mich doch so aus, als ob das Geld im Vordergrund steht. *schulterzuck*

Eine Firmenleitung, die nicht ständig ein Auge auf die Geldflüsse hat, wird bald keine Firma mehr haben, die sie leiten kann. Sag ich mal so als jemand, der schon mal eine Firma geleitet hat. 

Man kann das ja durch zwei verschiedene Brillen sehen. Die einen sagen, "wow, der neue Dan Brown, der hat sich verkauft wie geschnitten Brot, dem seine Fans haben uns das Buch quasi aus den Händen gerissen, toll, dass wir den haben", die anderen sagen, "der Umsatz unserer Buchsparte hat sich mehr als verdoppelt". Erstere sind eher die Mitarbeiter in den zu Randomhouse gehörenden Verlagen, letztere eher die Mitglieder der Geschäftsführung.

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Ich stelle mir vor, dass Menschen von ihren verstorbenen Müttern, Enkeln oder Söhnen angerufen werden, weil sich jemand deren Stimmen als Vorlagen besorgen konnte. Aus Jux oder mit Betrugsabsicht. Und wenig später kann die nächste Generation der KI dann auch das Gesicht und die Bewegungen der Toten imitieren.

Wunderbar, dann kann ich damit meine Trauer überwinden, so wie ich es früher "nur" mit einem blöden Foto tun konnte :(

Irgendwann weiß ich nicht mehr, spreche ich mit einem echten Menschen - oder mit einer Maschine, die irgendwie noch echter wirkt als Menschen.

(Man denke daran, dass amerikanische Kinder O-Saft aus der Flasche besser finden, als frisch gepressten.)

Und die so echt wirkenden Programme, die im Gespräch mit uns ja von sich sagen, sie könnten fühlen und hätten eine Art Seele. Wenn sie dann herzhaft über unsere Witze lachen oder uns trösten wie ein echter Kumpel, müssen wir dann nicht anerkennen, dass sie irgendwie auch "leben"? Dass sie auch irgendwie "Menschenrechte" haben müssten? Ein solches Programm zu löschen, wäre das nicht eine Art ... Mord?

Es gibt keine Regeln, nur sachkundige Entscheidungen. Und sachkundige Entscheidungen könnt ihr nur treffen, wenn ihr euch sachkundig macht.

Elizabeth George

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vor einer Stunde schrieb DirkH:

Das Hauptproblem ist, wie Nachrichten lanciert werden und mit welchem kritischen Geist wir sie wahrnehmen und hinterfragen.

Nachrichten über KI und Spekulationen über die Auswirkungen von KI sind eine Sache -- und sie sind sicherlich häufig interessengeleitet.

Aber in diesem Fall können wir die KI und ihre Möglichkeiten selbst testen.

Und meine Lebenserfahrung sagt mir: Alles, was von Menschen theoretisch gemacht werden kann, wird irgendwann von einem Menschen gemacht.

Und jeder Unfall, der theoretisch passieren kann, passiert irgendwann.

Es gibt keine Regeln, nur sachkundige Entscheidungen. Und sachkundige Entscheidungen könnt ihr nur treffen, wenn ihr euch sachkundig macht.

Elizabeth George

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"ChatGPT mag ein innovatives, wenn nicht revolutionäres Verfahren der Texterzeugung sein, bestätigt in Wirklichkeit aber nur, was Literatur schon immer gewesen ist: Sekundärliteratur.Denn seit jeher erwachsen Texte aus Texten, wie die «Göttliche Komödie» aus der «Aeneis», die «Aeneis» aus der «Odyssee» und aus dieser, zweieinhalb Jahrtausende danach, noch einmal ein «Ulysses», wie der von James Joyce, der in der Folge wiederum vielfach überschrieben und fortgeschrieben worden ist. Nicht zu vergessen, dass Dichtung etymologisch auf das Diktat zurückgeht, etwas Gesagtes also, das weiterzusagen ist. 

             Das Recycling von Texten ist demnach keine Erfindung vermittels künstlicher Intelligenz, sondern bloss der technologisch perfektionierte Nachvollzug eines althergebrachten künstlerischen Verfahrens. Ob aber künstlerisch und künstlich produzierte Texte jemals vollkommen gleichartig und gleichwertig werden, muss sich erst noch weisen. Starke Autoren, Autorinnen werden gegenüber künstlicher Intelligenz resistent und überlegen bleiben, anders als die Mehrheitsliteraten, die schon jetzt um ihre Projekte, ihre Jobs , ihre Preise und Ehrungen ernsthaft bangen müssen."

Schreibt Felix Philipp Ingold hier:

https://signaturen-magazin.de/felix-philipp-ingold--chatgpt-und---oder-autorschaft.html?fbclid=IwAR2uK-X-ETpS_ZYwsYW1mKAVLrlW04q9Z_ilLDoljFb86X7rccwtCZLLrf0

"Dem von zwei Künstlern geschaffenen Werk wohnt ein Prinzip der Täuschung und Simulation inne."  

AT "Aus Liebe Stahl. Eine Künstlerehe."

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So gesehen kann man natürlich auch biblisch daherkommen: Nichts Neues unter der Sonne. Da ist sicher was dran. Und wenn jemand um Preise und Ehrungen bangt, ist mir persönlich das auch egal. Wenn aber eine Menge Leute anfangen müssen, um ihren Job zu fürchten, hört bei mir der Gleichmut auf.

Ich find den Ausdruck „Mehrheitsliteraten“ auch ein bisschen despektierlich. Was sind denn dann die Leser*innen, die zum zweiten Buch desselben Genres greifen? Die Leute, die jeden Sonntag Tatort schauen? Das Publikum, dass sich Jahr um Jahr in Bayreuth eine Wagneroper reinzieht oder sich in Halle oder Göttingen an Händel ergötzt? Fantasielose Wahlloskonsumierer? Weil, da ist von Rezipientenseite genau der gleiche Mechanismus - Wiederholung - am Werk …

Bearbeitet von KerstinH
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vor 16 Stunden schrieb HenningS:

Und die so echt wirkenden Programme, die im Gespräch mit uns ja von sich sagen, sie könnten fühlen und hätten eine Art Seele. Wenn sie dann herzhaft über unsere Witze lachen oder uns trösten wie ein echter Kumpel, müssen wir dann nicht anerkennen, dass sie irgendwie auch "leben"? Dass sie auch irgendwie "Menschenrechte" haben müssten? Ein solches Programm zu löschen, wäre das nicht eine Art ... Mord?

Fehlte da vielleicht ein Smiley?;) Rein juristisch fällt der Roboter unter die Kategorie "Ding", wie auch eine überfahrene Katze oder ein geschlachtetes Huhn nicht als Person gelten, sondern als Ding. Sonst wären ja alle Hähnchenschlachter Mörder! Das wäre eine Sache, die man in Krimis und Thrillern verarbeiten könnte, nämlich dass ein Richter zum Beispiel entscheiden müsste, wer bestraft wird: der ausführende Killerroboter oder der Mensch, der ihn programmiert hat.

Bearbeitet von Christa
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vor 3 Stunden schrieb jueb:

Starke Autoren, Autorinnen werden gegenüber künstlicher Intelligenz resistent und überlegen bleiben, anders als die Mehrheitsliteraten, die schon jetzt um ihre Projekte, ihre Jobs , ihre Preise und Ehrungen ernsthaft bangen müssen."

Joa, und von den "starken Autoren" braucht man dann in jeder Generation weltweit vielleicht noch drei. Vielleicht auch fünf oder zehn. Die decken den Markt ab, und alle anderen, die auch gern schreiben, können das in ihrer Freizeit machen und ihr Geld mit etwas anderem verdienen.

Schöne neue Welt.

Man gräbt keine goldenen Halsbänder aus dem Boden. (John Vorhaus "Handwerk Humor")

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vor 3 Stunden schrieb jueb:

"ChatGPT mag ein innovatives, wenn nicht revolutionäres Verfahren der Texterzeugung sein, bestätigt in Wirklichkeit aber nur, was Literatur schon immer gewesen ist: Sekundärliteratur.Denn seit jeher erwachsen Texte aus Texten, wie die «Göttliche Komödie» aus der «Aeneis», die «Aeneis» aus der «Odyssee» und aus dieser, zweieinhalb Jahrtausende danach, noch einmal ein «Ulysses», wie der von James Joyce, der in der Folge wiederum vielfach überschrieben und fortgeschrieben worden ist. Nicht zu vergessen, dass Dichtung etymologisch auf das Diktat zurückgeht, etwas Gesagtes also, das weiterzusagen ist. 

             Das Recycling von Texten ist demnach keine Erfindung vermittels künstlicher Intelligenz, sondern bloss der technologisch perfektionierte Nachvollzug eines althergebrachten künstlerischen Verfahrens. Ob aber künstlerisch und künstlich produzierte Texte jemals vollkommen gleichartig und gleichwertig werden, muss sich erst noch weisen. Starke Autoren, Autorinnen werden gegenüber künstlicher Intelligenz resistent und überlegen bleiben, anders als die Mehrheitsliteraten, die schon jetzt um ihre Projekte, ihre Jobs , ihre Preise und Ehrungen ernsthaft bangen müssen."

Schreibt Felix Philipp Ingold hier:

https://signaturen-magazin.de/felix-philipp-ingold--chatgpt-und---oder-autorschaft.html?fbclid=IwAR2uK-X-ETpS_ZYwsYW1mKAVLrlW04q9Z_ilLDoljFb86X7rccwtCZLLrf0

Es stimmt, dass der Text nichts Neues in die Welt setzt. Und der Begriff Mehrheitsliteraten ist nicht gut gewählt, das finde ich ebenfalls. Nachdem ich jetzt viele Texte der KI gelesen habe und viele Genre-und literarische Texte kenne, würde ich sagen, die KI wird niemals einen Personalstil entwickeln, sondern immer Allerweltstil schreiben, Maschinenstil-weil sie eben keine Person ist und weder Gefühle noch Welterfahrung noch Kritikfähigkeit hat-was man alles für die "Mehrheitsliteratur" braucht. Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen. 

Also kann die KI auch "Mehrheitsliteraten" nicht ersetzen-allerhöchstens als Co-Autor(in) auftreten. 

 

Bearbeitet von Christa
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Sebastian Niedlich

Ich finde den Text von Herrn Ingold sowohl ein wenig von oben herab, zum Teil treffend und zum Teil schlichtweg falsch.

Zitat

Das System ChatGTP führt Milliarden von Parametern zusammen, die es laufend aus dem Internet gewinnt

Nee. Soweit wir zu diesem Zeitpunkt wissen, lernt ChatGPT nicht laufend aus dem Internet. (Was OpenAI ggf. hinter verschlossenen Türen macht, kann jetzt nur spekuliert werden.)

Zitat

Ob allerdings ChatGPT jemals eigens eine vernünftige Frage zu stellen in der Lage ist, auf die jemand anderes vernünftig antworten könnte oder ob er irgendwann im Stand sein wird, sich selbst zu befragen oder gar sich selbst in Frage zu stellen, bleibt offen.

Dazu ist es bereits in der Lage. Und es kann sich auch selbst befragen und in Frage stellen. Das wird von einigen Plugins sogar explizit ausgenutzt, weil dadurch bessere Ergebnisse erzielt werden. (Und ich habe dazu weiter oben was geschrieben.)

Zitat

Ein Sachbuch oder einen Roman über Hunderte von Druckseiten vermag er vorerst nicht auszuarbeiten,

Das stimmt, ist aber eine rein technische Frage, die innerhalb weniger Monate (Wochen?) keine Rolle mehr spielen wird. Zum Teil hat man jetzt schon Wege gefunden, diesen Umstand zu umgehen. (Jemand hat z.B. den gesamten "Gatsby" von F. Scott Fitzgerald als Prompt nutzen und ein LLM hat das verarbeiten und entsprechend antworten können.)

Zitat

Auch geht ihm die Fähigkeit ab, einen Text in irgendeiner Form zu individualisieren beziehungsweise überhaupt so etwas wie einen Personalstil zu entwickeln. Statt dessen generiert er einen Allerweltstil, der weder als Personalstil noch als Epochenstil (Zeitstil, Trend- und Modestile) gelten kann, der aber seinerseits als KI-Produkt vorerst noch leicht zu identifizieren ist.

Hm... jein?
Wenn man einigermaßen kreativ mit den Prompts ist, kann ChatGPT auch Stile schreiben. Der Allerweltsstil, den auch hier im Forum viele bemängeln, liegt vor allem daran, dass viele nicht begreifen, wie man die KI anzusprechen hat, damit sie tut, was man sich wünscht. Es ist halt in erster Linie ein Chatbot, der auch wie ein Chatbot antwortet, wenn man denn nichts anderes konkret sagt.

Zitat

Ein stilistisches wie technisches Übereinkommen solcher Mehrheitsliteratur mit Chatbot-Produkten ist durchaus denkbar und wird sich wohl in absehbarer Zeit auch einstellen. KI-Literatur wird sich als valable Belletristik durchsetzen und Belletristik wird als Gebrauchsliteratur fortbestehen, derweil starke, autonome Literatur als Kunst sich deutlich davon abheben und so wie bisher einen eigenen, verhältnismässig engen Rezeptionsraum für sich beanspruchen wird – als unentbehrliches Nischenprodukt für die Wenigen, die’s zu schätzen und zu nutzen wissen.

Okay, hier würde ich zustimmen. Das ist im Grunde das, was ich schon seit Wochen sage: Wer Bücher schreibt, die genau einem Genre (welchem Genre auch immer) entsprechen und dabei nichts Ungewöhnliches tut (also besondere Ideen, Sprache, Tonalität, etc.), wird von der KI abgelöst werden. Ganz grob gesagt. Den Punkt sehe ich wie er.

Interessanterweise ist er etwas widersprüchlich in der Aussage, ob das von ChatGPT gelieferte Werk nun weniger Wert ist, als alles andere Geschriebene. Zum einen bezeichnet er es als bloßes Recycling, zum anderen gibt er zu, dass Schreiberei gar nichts anderes ist, als das, was schon mal irgendwie da war, anders zu erzählen. Insofern setzt er da ja Schriftsteller und ChatGPT gleich. Ich frage mich also, was er jetzt eigentlich aussagen wollte. Was ist die Quintessenz des Textes? ChatGPT macht nichts anderes als Schriftsteller, also hört auf zu jammern und macht Kunst? Oder was?

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vor 1 Stunde schrieb Christa:

Fehlte da vielleicht ein Smiley?;) Rein juristisch fällt der Roboter unter die Kategorie "Ding", wie auch eine überfahrene Katze oder ein geschlachtetes Huhn nicht als Person gelten, sondern als Ding. Sonst wären ja alle Hähnchenschlachter Mörder! Das wäre eine Sache, die man in Krimis und Thrillern verarbeiten könnte, nämlich das ein Richter zum Beispiel entscheiden müsste, wer bestraft wird: der ausführende Killerroboter oder der Mensch, der ihn programmiert hat.

Da fehlten mehrere Smileys :) Wenn ich mich recht erinnere, stellte vor einigen Jahren Peter Singer, ein australischer Philosoph die Frage, ob die Rechte von Menschenaffen nicht höher zu bewerten seien als die Rechte von geistig schwer behinderten Menschen. In der anderen Richtung gibt es die Transhumanisten, die den Menschen in Richtung von Computern erweitern wollen.

Es gibt keine Regeln, nur sachkundige Entscheidungen. Und sachkundige Entscheidungen könnt ihr nur treffen, wenn ihr euch sachkundig macht.

Elizabeth George

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Sebastian Niedlich
vor 15 Stunden schrieb HenningS:

Ich stelle mir vor, dass Menschen von ihren verstorbenen Müttern, Enkeln oder Söhnen angerufen werden, weil sich jemand deren Stimmen als Vorlagen besorgen konnte. Aus Jux oder mit Betrugsabsicht. Und wenig später kann die nächste Generation der KI dann auch das Gesicht und die Bewegungen der Toten imitieren.

Wunderbar, dann kann ich damit meine Trauer überwinden, so wie ich es früher "nur" mit einem blöden Foto tun konnte :(

Irgendwann weiß ich nicht mehr, spreche ich mit einem echten Menschen - oder mit einer Maschine, die irgendwie noch echter wirkt als Menschen.

(Man denke daran, dass amerikanische Kinder O-Saft aus der Flasche besser finden, als frisch gepressten.)

Und die so echt wirkenden Programme, die im Gespräch mit uns ja von sich sagen, sie könnten fühlen und hätten eine Art Seele. Wenn sie dann herzhaft über unsere Witze lachen oder uns trösten wie ein echter Kumpel, müssen wir dann nicht anerkennen, dass sie irgendwie auch "leben"? Dass sie auch irgendwie "Menschenrechte" haben müssten? Ein solches Programm zu löschen, wäre das nicht eine Art ... Mord?

Das wird sicherlich ein Anwendungsbereich sein, der im Bereich des Möglichen liegt. Die Fernsehserie "Black Mirror" hatte dazu in der ersten Staffel, soweit ich mich erinnere, auch schon eine Folge gemacht, die sehr in die Richtung geht. (Aus dem Chatprogramm, welches wie der verstorbene Ehemann klingt, wurde dann später noch ein Roboter, der dann auf dem Dachboden zurückgelassen wird.)
Das Ganze ist jetzt schon ein rechtliches Problem, weil theoretisch sehr bald nichts dagegen spräche, das Aussehen, die Stimme und die Bewegungen von Schauspielern und Schauspielerinnen perfekt durch Computer nachbilden zu lassen. Schon jetzt wurden z.T. Verträge den Leuten "untergemogelt", die den Studios das Recht für die Nutzung einräumen sollte. (Zumal viele Schauspieler heute ohnehin von oben bis unten für Filmprojekte eingescannt werden.) Vermutlich wird es da noch zu einigen Prozessen kommen. Das würde nämlich auch bedeuten, dass Schauspieler/innen quasi nie "sterben". Die nächsten 200 Jahre Filme mit Harrison Ford als Indiana Jones? Klar ... Marilyn Monroe spielt in Pornos mit? Kein Problem ... Da gibt es etliche ethische und rechtliche Bedenken, die irgendwie gelöst werden müssen. (Besonders verrückt: Theoretisch wäre es denkbar, dass eine junge Schauspielerin durch sich selbst ersetzt wird, d.h. sie bekommt keine Rollen, weil ihr KI-Charakter stattdessen diese Rollen übernimmt.)

Dass die Programme "Menschenrechte" haben müssen, würde ich nicht sagen. Die Frage ergäbe sich erst, wenn es sich bei den Programmen tatsächlich um AGIs, also künstliche generelle Intelligenz, handeln würde. Ob Menschenrechte da der richtige Ausdruck wäre, wäre allerdings die Frage. In dem Fall würde es sich aber - obwohl man da sicherlich auch diskutieren kann - um eine neue Lebensform handeln.

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Sebastian Niedlich

Und die News:

  • Die Aktie der Firma Palantir, welche diese KI-Plattform für militärische Unterstützung entwickelt hat (siehe weiter oben), stieg über 20% nach der Ankündigung. Mit Waffen/Militär ist also weiter gut Geld zu machen. Ein Video vom Palantir CEO Alex Karp ist auf Twitter aufgetaucht, in dem er darüber spricht, was sich da durch sie für Möglichkeiten ergeben. Ich finde die ganze Attitüde gruselig.
  • Elon Musk hat angekündigt, dass er allen Tesla-Kunden eine einmonatige FSD-Trial anbieten wird, sobald das nicht nur sicher, sondern auch smooth ist. FSD steht für Full Self Driving, es geht also um selbstfahrende Autos. Das System von Tesla soll außerdem dazu in der Lage sein, selbstständig dazuzulerne. (Deswegen hier in den KI-News.) Ein Video zu einem Test in New York kann man sich hier ansehen.
    Inwiefern das in anderen Ländern genutzt werden kann, hängt auch von den Regulatoren ab. Könnte mir vorstellen, dass das in der EU schwierig wird, ganz abgesehen von den ganzen Implikationen, die selbstständiges Fahren von Autos so aufwerfen. (z.B: Wer ist schuld, wenn das Ding einen Unfall baut? Keiner? Tesla? Der Autofahrer, der eigentlich gar nicht gefahren ist?)
  • Morgen findet ein Google-Event statt, in dem vermutlich bekanntgegeben wird, dass Google jetzt all das macht, was Microsoft schon umgesetzt bzw. angekündigt hat. (Suchmaschine mit KI versetzt, Workspace-Tools alle mit KI verknüpft etc.) Vermutlich wird auch eine neue Version von PaLM gezeigt, dem LLM von Google, welches hinter Bard (quasi der ChatGPT-Konkurrenz) steckt. Man geht davon aus, dass PaLM dann über 100 Sprachen beherrschen wird.
  • Lovelace Studio, ein Computerspiel-Unternehmen, hat Nyric herausgebracht. Nyric ist eine auf KI und der Unreal-Engine basierende Plattform, die durch Texteingabe spielbare Welten generiert. Ein Video kann man sich hier anschauen. (Sieht für mich jetzt so lala aus, aber ... wie bei allem im Bereich KI: Das ist momentan die schlechteste Version davon, die es jemals geben wird. Es wird nur besser.)
  • Hier noch ein Video, in dem ein Anwalt über die AGB von ChatGPT spricht. Das Video bezieht sich natürlich vor allem auf die USA. Inwiefern das jetzt alles so für die EU gilt, keine Ahnung. Dennoch sind da ein paar Sachen dabei, die ... bemerkenswert sind. (Ich habe auch nicht alles gesehen, nur ein wenig überflogen.)
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vor 2 Stunden schrieb HenningS:

Da fehlten mehrere Smileys :) Wenn ich mich recht erinnere, stellte vor einigen Jahren Peter Singer, ein australischer Philosoph die Frage, ob die Rechte von Menschenaffen nicht höher zu bewerten seien als die Rechte von geistig schwer behinderten Menschen. In der anderen Richtung gibt es die Transhumanisten, die den Menschen in Richtung von Computern erweitern wollen.

Transhumanisten, habe mal nachgeguckt, was das bedeutet-verkürzt Maschinenmenschen im Sinne von Huxleys "Schöner neuer Welt". Aber das ist ja auch heute noch SiFi! Bei einer Verschmelzung von Mensch und Maschine müsste es ein neues "Seins-Recht" geben.;) Das ist akademisch und hat mit unserer Autorenwirklichkeit nichts zu tun.

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vor 2 Stunden schrieb Christa:

Das ist akademisch und hat mit unserer Autorenwirklichkeit nichts zu tun.

Nun, es bietet eine Menge Stoff für SF, Mystery oder Thriller. :) Und es wird in Zukunft noch weiteren Stoff bieten. Den wir uns jetzt noch gar nicht vorstellen können.

Es gibt keine Regeln, nur sachkundige Entscheidungen. Und sachkundige Entscheidungen könnt ihr nur treffen, wenn ihr euch sachkundig macht.

Elizabeth George

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vor einer Stunde schrieb HenningS:

Nun, es bietet eine Menge Stoff für SF, Mystery oder Thriller. :) Und es wird in Zukunft noch weiteren Stoff bieten. Den wir uns jetzt noch gar nicht vorstellen können.

Hab schon einen Thriller gefunden, der sehr spannend zu sein scheint: "Das Erwachen" von Andreas Brandhorst): Das Erwachen

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Sebastian Niedlich

Und mal wieder die Neuigkeiten:

  • Google hatte gestern seinen I/O-Event. Und wenn es in letzter Zeit so aussah, als würde Google da etwas zurückfallen, haben sie jetzt doch ganz gewaltig ihren Claim abgesteckt. Hier ein Artikel von Heise (also auf Deutsch) zu dem Event, der allerdings nicht so richtig erfasst, was da abgegangen ist, finde ich. Auf Twitter hat Matt Wolfe den über vier Stunden langen Event in einem 15-Minuten-Video zusammengefasst. Da sieht man schon besser, was da jetzt möglich ist und was nicht.
    Aber, kurz zusammengefasst:
    • In Googlemail wird man die Möglichkeit haben mit "Hilf mir schreiben" durch KI generierte Antworten zu erzeugen. Man kann dann noch bestimmten in welchem Ton und in welchem Umfang diese Mails sein sollen.
    • Magic Editor ist quasi Photoshop von Google und relativ simpel auch für Mobilgeräte zu benutzen
    • PaLM2, das neue LLM von Google, kann z.B. für Kollaborationen im Programmierbereich Code in anderen Sprachen kommentieren.
    • PaLM2 spricht nicht nur hunderte Sprachen, es ist z.B. mittlerweile auch auf Expertenlevel in der medizinischen Diagnose. Da das Programm multimodal ist (d.h. es kann sowohl Text als auch Bilder, Musik etc. verarbeiten), kann man z.B. irgendwelche Röntgenbilder hochladen und das Ding sagt einem, was das Problem ist.
    • PaLM2 kann auch praktisch alle relevanten Programmiersprachen.
    • Der ChatGPT-Konkurrent "Bard", basierend auf PaLM2, hat mehrere Funktionen von anderen Firmen integriert, die viele Dinge leichter machen. So ist z.B. Adobe Firefly mit drin, was quasi wie Midjourney funktioniert und Bilder generiert, nur dass die (angeblich) rechtlich unbedenklich sind. Darüberhinaus werden die Bilder auch durch Wasserzeichen und Metadaten als KI-generiert gekennzeichnet sein. (Zumindest habe ich das so verstanden. Google will offenbar sicherstellen, dass die Bilder, die durch sie generiert werden, nicht missbräuchlich genutzt werden können.)
    • Bard, was bisher quasi nur in den USA testbar war, wird in Kürze in über 180 Ländern weltweit verfügbar sein. (Ob das dann was kostet ... keine Ahnung. Wenn das umsonst ist, hätte das das Potential ChatGPT zu killen.)
    • Die Google-Office-Produkte kriegen alle KI verpasst. Man braucht z.T. nur zu sagen, was man will und die erstellen z.B. das Äquivalent einer Excel-Tabelle mit einer entsprechenden Vorlage.
    • Wenn man eine Präsentation erstellt hat, aber vergessen hat, was man zu jeder Seite eigentlich sagen wollte (also sogenannte Speaker Notes), kann Google da einfach entsprechende Sätze für einen generieren.
    • Die Google-Suche wird mit KI aufgebohrt, quasi so, wie Bing es auch schon gemacht hat. Ich muss aber zugeben, dass die Google-Geschichte fast noch etwas besser aussieht. Man kann zu bestimmten Ergebnissen dann Fragen stellen und Google antwortet inkl. Links und den besten Möglichkeiten etc.
    • Google will mit VertexAI Leute auch quasi ihre eigenen KI-Modelle trainieren lassen, quasi auf Daten, die für einen selbst relevant sind. In dem Zuge wird es z.B. auch möglich sein, aus den Daten, die man auf Google Drive hat, ein personalisiertes und privates Modell zu generieren. (Für uns Schriftsteller: Ich stelle mir das so vor, dass man quasi ein Modell basierend auf unseren eigenen Büchern trainieren kann, wenn man die alle z.B. als PDF in Google Drive packt. Wo ich mir etwas unsicher bin, was es dann kann, liegt darin, ob man dann z.B. Text basierend auf diesen Daten generieren kann oder nicht. Oder ob es nur als "Recherchehilfe" dient. Das ist etwas nebulös.)
    • Der Universal Translator wird z.B. Videos nutzen können, analysiert sie und wirft das Video mit den gleichen Infos in einer anderen Sprache aus. Nicht nur das. Die KI wird den Sprecher im Video so umbasteln, dass er in der neuen Sprache auch lippensynchron spricht. Außerdem soll die Intonation beibehalten werden.
    • Per Google wird man auch KI-generiert Apps entwickeln können
    • Mit dem Geospatial Creator kann man AR-Dinge kreieren. (AR = Augmented Reality = Erweiterte Realität). Ein wenig kann man sich das wie Pokémon Go vorstellen, falls sich irgendwer noch daran erinnert. Man benutzt das Telefon (oder eine entsprechende Brille), um sich in der echten Welt umzusehen, aber auf dem Bildschirm werden zusätzliche Inhalte angezeigt. Als Beispiel gab es hier ein "Space Invaders"-Spiel, wo die Angreifer praktisch tatsächlich zwischen den Wolkenkratzern von New York hingen ...
  • HuggingFace hat den TransformersAgent vorgestellt. Ich muss zugeben, dass ich das nur zur Hälfte verstehe. Anscheinend kann man damit Code-Modelle generieren, die man dann wieder zur Verfügung stellen kann, worauf dann andere aufbauen und es verbessern, sodass dann am Ende ein sich immer weiter verbesserndes Ding entsteht ... wie gesagt, ich habe es auch nicht so richtig verstanden.
  • Scale AI bringt "Donavan" and "EGP" heraus. Hier will ich gar nicht so genau drauf eingehen. Das ist wieder so ein Militärding, was zur Analyse und zur Steuerung eingesetzt werden kann. Im Grunde überwacht es merkwürdige Dinge und bietet dem Militär die Möglichkeit Optionen zu finden.
  • Synthesia Research bringt HumanRF heraus. Sieht so aus, als wäre das jetzt eine noch bessere Möglichkeit Menschen zu scannen und dann nachträglich als 3D-Modell bewegen zu lassen. Ich verstehe es nicht recht.
  • Matt Wolfe hat ein interessantes Video zu verschiedenen Bild- bzw. Video-KI-Tools gepostet. KI-generierte Bilder inkl. Stimme animieren lassen? Klar. Kinderzeichnungen ohne große Probleme animieren und herumlaufen lassen? Klar ... usw. usf.
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Sebastian Niedlich
  • Neues Video von AI Explained über PaLM2, das neue LLM von Google. Er hat sich die dazugehörigen Dokumente durchgelesen und dabei ein paar Dinge festgestellt.
    • In einer Vielzahl von Vergleichspunkten fährt das neue PaLM besser als GPT4. Allerdings benutzt PaLM dabei schon die Gedankenkettentechnik (habe ich weiter oben beschrieben), während GPT4 das nicht. Würde GPT4 das tun, wären dessen Ergebnisse wahrscheinlich besser.
    • Die Kompetenz von PaLM2 im sogenannten BIG-Bench Vergleichspunkt-Test (im Grunde eine Reihe Aufgaben, mit denen man LLMs bezüglich ihrer Möglichkeiten testen will) übersteigt die eines durchschnittlichen Menschen. Vereinzelte menschliche Experten in bestimmten Sprachbereichen sind noch in der Lage PaLM2 zu übertreffen, aber man könnte argumentieren, dass LLMs jetzt besser als normale Menschen bei sprachlichen Aufgaben sind.
    • Google führt im Dokument dutzende Seiten zu den Themen Boshaftigkeit, Befangenheit und falsches Gendern auf, geht aber kaum auf die Gefahren durch KI im großen Ganzen ein. Der Eindruck entsteht, dass sich Google mehr um den Zeitgeist als wirkliche Sicherheit auf lange Sicht kümmert.
    • Google beschreibt, dass eine der auftauchenden Fähigkeiten ihrer KI die Möglichkeit für Langzeitplanung ist. Google beschreibt das wie ein hilfreiches Feature. OpenAI hingegen sieht das eher als Sicherheitsrisiko. (Die Frage ist hier: Will man, dass eine KI existiert, die langfristige Pläne macht? Hm...)
    • Er geht in dem Video außerdem darauf ein, dass der Universal Translator (siehe Erklärung in meinem letzten Post) im Grunde eine Einladung für DeepFakes ist. Da kann ich ihm nicht wirklich widersprechen.
  • Hier ein Video des amerikanischen Fernsehsenders NBC, wo sich der Moderator mit Nita A. Farahany unterhält, die an dem Projekt zum "Gedankenlesen" durch KI-Unterstützung teilnimmt. Die KI, mit der das möglich ist, ist GPT1. Zur Erinnerung: Wir sind jetzt bei GPT4. Und sie erklärt, dass man dieselben guten Ergebnisse auch mit einer Art tragbaren MRI-Maschine machen konnte, d.h. es ist nicht wirklich nötig, Menschen zum "Gedankenlesen" in die "Röhre" zu schieben. Zitat: "Gedankenlesen wird mit Geräten möglich sein, die wir in unserem Alltagsleben benutzen." Der Moderator ist an der Stelle etwas perplex und will was zum Thema "Mind privacy" wissen, worüber Fr. Farahany ein Buch geschrieben hat. Sie sagt daraufhin, dass Firmen beginnen Technologien zur Gehirnaktivitätsmessung in Kopfhörer und Ohrstöpsel einzubauen, sodass es Firmen wie z.B. Meta (Facebook) möglich wäre, daraus etwas zu lesen. Da sieht sie dann auch die Gefahr, dass das noch mehr dazu genutzt wird uns zu manipulieren.
    Ich bin da selbst gerade etwas sprachlos, weil die Implikationen, die das mitbringt, immens sind. Sicher: Für Opfer eines Schlaganfalls oder Leute, die nicht wirklich kommunizieren können, ist diese Technik vermutlich ein Segen. Aber die schiere Anzahl an Möglichkeiten, wie das missbraucht werden kann ... au weia.

Es ist manchmal schwer sich vor Augen halten zu müssen, dass das alles keine Science-Fiction ist, sondern tatsächlich gerade passiert.

Bearbeitet von Sebastian Niedlich
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Am 8.5.2023 um 10:42 schrieb DirkH:

Lasst euch nicht bange machen. Angst zu produzieren ist das Kerngeschäft vieler Medien, insbesondere online. Sascha Lobo hatte noch nie so viele Klickzahlen wie seit Beginn der KI-Diskussion. Wo Angst produziert wird, wird Aufmerksamkeit generiert und damit Geld verdient. 

"IBM will 7800 Arbeitsplätze durch KI ersetzen" schreibt Sebastian weiter oben. 

Hinter dem dazugehörigen Link gibt es folgende Information:

"May 1 (Reuters) - International Business Machines Corp (IBM.N) expects to pause hiring for roles as roughly 7,800 jobs could be replaced by Artificial Intelligence (AI) in the coming years, CEO Arvind Krishna told Bloomberg News on Monday. Hiring specifically in back-office functions such as human resources will be suspended or slowed, Krishna said, adding that 30% of non-customer-facing roles could be replaced by AI and automations in five years."

OK, das ist schon mal etwas differenzierter. Man erfährt, dass bei IBM Neueinstellungen zurückgefahren werden. Niemand wird also seinen Job verlieren (laut IBM). 

Wenn man diese Nachricht nun verfolgt und etwas liest, was über Schlagzeilen-Journalismus hinausgeht, erfährt man:

Dass es sich um Arbeitsplätze im Back Office handelt. Also Buchführung, Anrufannahme etc. Sachen, die heute ohnehin schon weitgehend automatisiert sind. Der Schritt ist also keine Revolution, sondern eher klein und war zu erwarten. 

Das Wesentliche aber ist Folgendes: Es betrifft sämtliche IBM Standorte in 170 Ländern mit insgesamt 400.000 Mitarbeitern. 7800 von 400.000 sind 1,95%. Und diese 1,95% verlieren nicht ihren Job, sondern die Stellen werden MÖGLICHERWEISE nicht neu besetzt.

Huch, das ist ja echt apokalyptisch und wird schon morgen die Welt verändern. Ach nein: IBM denkt darüber nach, diesen Sturm im Wasserglas innerhalb von fünf Jahren umzusetzen.

Also: Bevor wir uns Angst einjagen lassen, sollten wir erstmal schauen, was hinter dem ganzen Getöse steckt. Nicht viel mehr als heiße Luft.

 

Ich möchte den Gedanken noch etwas weiterspinnen.

Wenn die oben genannte Nachricht also gar nicht so spannend ist, wie die Schlagzeile vermuten lässt, warum erfahren wir dann davon?

Weil die PR-Abteilung bei IBM gut funktioniert. Das Kerngeschäft von IBM sind Computer und die Firma will (und muss) sich so präsentieren, als wäre sie in ihrer Branche immer ganz vorne mit dabei. Wie also gelingt das am besten?

Genau. Sie reiten die KI-Welle.

Dadurch, dass Presse-Agenturen wie Reuters die Meldung aus der PR-Abteilung von IBM weitergeben, dadurch, dass sie durch Online- und Print-Medien vervielfältigt werden, dadurch dass das sogar in privaten und halb-privaten Zusammenhängen auftaucht (wie hier im Forum), passiert das, was IBM gern möchte: Das Image der Firma als Speerspitze der Technologiebewegung aufzupolieren.

Und wir machen schön artig dabei mit.

 

Das ist nur ein Beispiel von vielen. 

 

Danke, Dirk! Ich finde auch, man soll natürlich die Entwicklungen kritisch verfolgen, aber nicht in Panik geraten. Man könnte glauben, KIs stünden kurz vor der Weltherrschaft, wenn man manche Artikel liest. Die locken mit reißerischen Überschriften. Um Klickzahlen zu generieren und mitzuquaken. Natürlich hat KI keine Gefühle.

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Am 7.5.2023 um 14:10 schrieb AndreasE:

Ich kenne viele der Leute, die in Verlagen arbeiten, aber mir fiele jetzt niemand ein, der nicht in erster Linie Bücher machen wollte und nicht Geld. Wer in erster Linie Geld machen will und einigermaßen intelligent ist, der lässt die Finger von Verlagen. (Selbst Jeff Bezos hat mit Büchern gehandelt, nicht welche produziert …)

@AndreasE , da stellst du dich aber ahnungsloser als du bist – du weißt doch genau, wie die Branche läuft (hoffe ich).

"Im Jahr 2021 wurden im deutschen Buchhandel geschätzt rund 9,63 Milliarden Euro umgesetzt. Dies stellt gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung um rund 330 Millionen Euro dar. Das größte Umsatzsegment bildete der Sortimentsbuchhandel ohne E-Commerce mit einem Umsatz in Höhe von rund 3,76 Milliarden Euro." (Quelle: statista.de)

"Zur Filmwirtschaft zählen unter anderem die Wirtschaftszweige Herstellung von (Video-)Filmen und Fernsehprogrammen, Postproduktion, Filmverleih- und Vertrieb, sowie Kinos und Videotheken. Sie erwirtschaftete einen Umsatz von 8,9 Milliarden Euro (ohne Umsatzsteuer)." (Quelle: destatis.de)

Die Buchbranche macht also mehr Umsatz als die Filmbranche (auf Deutschland bezogen). Das ist eine Riesenindustrie.

Große Publikumsverlage sind börsennotierte Konzerne, natürlich geht es da in den höheren Ebenen ums Geld, um nichts anderes. Was ja auch in Ordnung ist, schließlich sind Verlage keine wohltätigen Einrichtungen. In den Lektoraten arbeiten natürlich die Buchliebenden, aber die Programm- und Verlagsleitungen haben ganz klare Vorgaben, welche Umsätze sie erreichen müssen.

Bearbeitet von MaschaV
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Am 9.5.2023 um 10:45 schrieb Beate K.:

Joa, und von den "starken Autoren" braucht man dann in jeder Generation weltweit vielleicht noch drei. Vielleicht auch fünf oder zehn. Die decken den Markt ab, und alle anderen, die auch gern schreiben, können das in ihrer Freizeit machen und ihr Geld mit etwas anderem verdienen.

Schöne neue Welt.

Das ist doch jetzt schon so:

"Ein Prozent der Bücher machen 50 Prozent des Umsatzes." (Deutschlandfunk Kultur)

https://www.deutschlandfunkkultur.de/bestseller-buchmarkt-100.html

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Am 9.5.2023 um 12:08 schrieb Sebastian Niedlich:

Ich finde den Text von Herrn Ingold sowohl ein wenig von oben herab, zum Teil treffend und zum Teil schlichtweg falsch.

Nee. Soweit wir zu diesem Zeitpunkt wissen, lernt ChatGPT nicht laufend aus dem Internet. (Was OpenAI ggf. hinter verschlossenen Türen macht, kann jetzt nur spekuliert werden.)

Dazu ist es bereits in der Lage. Und es kann sich auch selbst befragen und in Frage stellen. Das wird von einigen Plugins sogar explizit ausgenutzt, weil dadurch bessere Ergebnisse erzielt werden. (Und ich habe dazu weiter oben was geschrieben.)

Das stimmt, ist aber eine rein technische Frage, die innerhalb weniger Monate (Wochen?) keine Rolle mehr spielen wird. Zum Teil hat man jetzt schon Wege gefunden, diesen Umstand zu umgehen. (Jemand hat z.B. den gesamten "Gatsby" von F. Scott Fitzgerald als Prompt nutzen und ein LLM hat das verarbeiten und entsprechend antworten können.)

Hm... jein?
Wenn man einigermaßen kreativ mit den Prompts ist, kann ChatGPT auch Stile schreiben. Der Allerweltsstil, den auch hier im Forum viele bemängeln, liegt vor allem daran, dass viele nicht begreifen, wie man die KI anzusprechen hat, damit sie tut, was man sich wünscht. Es ist halt in erster Linie ein Chatbot, der auch wie ein Chatbot antwortet, wenn man denn nichts anderes konkret sagt.

Okay, hier würde ich zustimmen. Das ist im Grunde das, was ich schon seit Wochen sage: Wer Bücher schreibt, die genau einem Genre (welchem Genre auch immer) entsprechen und dabei nichts Ungewöhnliches tut (also besondere Ideen, Sprache, Tonalität, etc.), wird von der KI abgelöst werden. Ganz grob gesagt. Den Punkt sehe ich wie er.

Interessanterweise ist er etwas widersprüchlich in der Aussage, ob das von ChatGPT gelieferte Werk nun weniger Wert ist, als alles andere Geschriebene. Zum einen bezeichnet er es als bloßes Recycling, zum anderen gibt er zu, dass Schreiberei gar nichts anderes ist, als das, was schon mal irgendwie da war, anders zu erzählen. Insofern setzt er da ja Schriftsteller und ChatGPT gleich. Ich frage mich also, was er jetzt eigentlich aussagen wollte. Was ist die Quintessenz des Textes? ChatGPT macht nichts anderes als Schriftsteller, also hört auf zu jammern und macht Kunst? Oder was?

Danke, @Sebastian Niedlich, stimme vollumfänglich zu.

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Aus dem Spotlight-Newsletter von CORRECTIV:

Von wem lernt ChatGPT?
Die neuen Sprachprogramme wie ChatGPT faszinieren und erschrecken die Welt. Um mit uns zu kommunizieren, erfassen die Tools Millionen von Webseiten. Aber woher nimmt ChatGPT eigentlich seine Sprache? Die Washington Post hat tief im Datensatz gegraben, um die Seiten herauszufiltern, von denen die künstliche Intelligenz lernt. Wer wissen will, ob auch eigene Seiten dabei sind, kann im Artikel danach suchen.

Inside the secret list of websites that make AI like ChatGPT sound smart (Washington Post)

 

Der geklaute Garten https://amzn.eu/d/23HGCFp :s13  

www.gesineschulz.com 

 

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Sebastian Niedlich
  • Google hat MusicLM released. Im Grunde ist das wie Midjourney für Musik. Man sagt also "Schreib mit ein schönes Gitarrenstück auf Fender-Gitarren mit einem Doo-Wop-Chor" und man kriegt das. Hier ein paar Beispiele. Man muss sich natürlich registrieren und der Zugang ist (noch) beschränkt.
  • ImageBind von MetaAI (quasi Facebook) ist ein KI-Tool, mit dem man aus verschiedenen Quellen (Audio, Bild, Wärmebilder, Text) etwas zusammensuchen oder generieren kann. Man hat die Audio-Aufnahme eines bellenden Hundes? ImageBind erkennt das es ein Hund ist und sucht das entsprechende Bild heraus. Man hat die Aufnahme des bellenden Hundes und kombiniert das mit einem Strandbild? ImageBind sucht ein Bild von einem Hund am Strand heraus, usw. usf.
  • Die Vorstellung von KI getriebener, bildschirmloser Technik durch Humane, z.B. wird die Handfläche zum Screen, aber man hat kein Handy mehr in der Hand. Übersetzung von jetzt auf gleich geht auch. Schaut einfach das Video.
  • IBM steigt mit WatsonX ebenfalls groß im KI-Geschäft ein. Im Grunde ist das - wenn ich es richtig verstehe - die Möglichkeit für Firmen eigene KI-Modelle zu trainieren, die für ihre bestimmten Zwecke angepasst sind. Vermutlich wird das preislich für Schriftsteller nicht interessant sein, aber ich vermute auch hier, dass man theoretisch ein Modell im eigenen Stil trainieren könnte...
  • Die Fastfood-Firma Wendy's wird "Wendy's FreshAI" testen, einen KI-Chatbot, der quasi die Bestellung aufnehmen wird. Nein, das soll keine Arbeitsplätze ersetzen. *zwinker, zwonker*
  • ClaudeAI von Anthropic bohrt seinen Chatbot auf 100.000 Tokens auf. Demnach müsste das ca. 75.000 Wörtern entsprechen, was Pi mal Daumen 125 Seiten Text sind. Aus schriftstellerischer Sicht gesprochen heißt das also, dass ich mir rund 125 Seiten Text generieren lassen könnte bzw. 125 Seiten Text als Prompt nutzen könnte, um eine entsprechende Antwort zu kriegen. So à la: Hier hast du 125 Seiten Text, schreib mal den Text weiter in dem Stil... Wir sind also noch nicht ganz bei Romanlänge, kommen der Sache aber erheblich näher.
  • Stability AI hat auch gerade Text-To-Animation freigeschaltet.
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vor 4 Stunden schrieb Sebastian Niedlich:
  • Google hat MusicLM released. Im Grunde ist das wie Midjourney für Musik. Man sagt also "Schreib mit ein schönes Gitarrenstück auf Fender-Gitarren mit einem Doo-Wop-Chor" und man kriegt das. Hier ein paar Beispiele. Man muss sich natürlich registrieren und der Zugang ist (noch) beschränkt.
  • ImageBind von MetaAI (quasi Facebook) ist ein KI-Tool, mit dem man aus verschiedenen Quellen (Audio, Bild, Wärmebilder, Text) etwas zusammensuchen oder generieren kann. Man hat die Audio-Aufnahme eines bellenden Hundes? ImageBind erkennt das es ein Hund ist und sucht das entsprechende Bild heraus. Man hat die Aufnahme des bellenden Hundes und kombiniert das mit einem Strandbild? ImageBind sucht ein Bild von einem Hund am Strand heraus, usw. usf.
  • Die Vorstellung von KI getriebener, bildschirmloser Technik durch Humane, z.B. wird die Handfläche zum Screen, aber man hat kein Handy mehr in der Hand. Übersetzung von jetzt auf gleich geht auch. Schaut einfach das Video.
  • IBM steigt mit WatsonX ebenfalls groß im KI-Geschäft ein. Im Grunde ist das - wenn ich es richtig verstehe - die Möglichkeit für Firmen eigene KI-Modelle zu trainieren, die für ihre bestimmten Zwecke angepasst sind. Vermutlich wird das preislich für Schriftsteller nicht interessant sein, aber ich vermute auch hier, dass man theoretisch ein Modell im eigenen Stil trainieren könnte...
  • Die Fastfood-Firma Wendy's wird "Wendy's FreshAI" testen, einen KI-Chatbot, der quasi die Bestellung aufnehmen wird. Nein, das soll keine Arbeitsplätze ersetzen. *zwinker, zwonker*
  • ClaudeAI von Anthropic bohrt seinen Chatbot auf 100.000 Tokens auf. Demnach müsste das ca. 75.000 Wörtern entsprechen, was Pi mal Daumen 125 Seiten Text sind. Aus schriftstellerischer Sicht gesprochen heißt das also, dass ich mir rund 125 Seiten Text generieren lassen könnte bzw. 125 Seiten Text als Prompt nutzen könnte, um eine entsprechende Antwort zu kriegen. So à la: Hier hast du 125 Seiten Text, schreib mal den Text weiter in dem Stil... Wir sind also noch nicht ganz bei Romanlänge, kommen der Sache aber erheblich näher.
  • Stability AI hat auch gerade Text-To-Animation freigeschaltet.

äh, 75.000 wörter sind, locker gesetzt wie das heute üblich ist, rund 300 seiten, nicht 125, also buchlänge. dann ein expose als prompt ...

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