Zum Inhalt springen
SusanneGa

Schnelle kurze Rückblenden: Bestimmte Formatierung nötig oder reicht beschreibender Text

Empfohlene Beiträge

Liebe Drehbuchprofis,

ich habe eine Szene im Kopf, in der meine Hauptfigur während einer Unterhaltung innehält und ihre Tochter anstarrt - dabei stelle ich mir vor, dass die Hauptfigur im schnellen Wechsel mit einigen wichtigen, aber sehr kurzen Erinnerungsfetzen im Bild zu sehen ist (ohne Dialoge innerhalb der Erinnerungsfetzen, ich stelle mir das eher mit Musik vor). Aber: Das ist ja schon die filmische Umsetzung und am Ende Sache des Regisseurs - das würde man dann so im Detail wohl überhaupt nicht in eine erste Fassung schreiben, auch wenn man es sich noch so toll ausgemalt hat, oder? Würde da dann eine einfache Zusammenfassung im Fließtext ausreichen, bevor der Dialog weitergeht, etwa "Sie hält inne. Erinnerungen an Begebenheit XYZ schießen ihr durch den Kopf." Oder braucht es da doch noch mehr Details - in Bezug auf die Formatierung? In so einem Fall braucht es nicht explizit den Hinweis "Rückblende Beginn bzw. Ende" und die ausufernde Beschreibung der einzelnen Rückblenden, oder? 

Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

Hallo Susanne,

Erinnerungsfetzen, sog. Flashbacks empfinde ich immer ein bisschen als eine Krücke und würde nach anderen Lösungen suchen, die inneren Bewegungen ddeiner Figur für Zuschauer erlebbar zu machen. Beispiel: Deine Figur hat ein Buch geschenkt bekommen von einem Menschen, der ihr sehr viel bedeutet. Wenn sie später im Film einen Blick auf das Buch wirft, wissen  wir, an wen sie denkt. So würde ich das auch an dieser Dialogstelle versuchen. Dann genügt ein Blick - und man weiß bescheid. Und der Dialog wird nicht durch einen FB unterbrochen. Davon würde ich abraten, weil der Dialogpartner in dieser zeit im Leeren hängt und im schlimmsten Fall denkt, mit seinem Gegenüber stimmt was nicht.

Wenn du FB verwenden möchtest, schreibst du am besten dazu, aus welcher Szene die FB kommen sollen. Bei Wort-FB dann die Dialogstelle.

Viele Grüße

Ulrike

Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

vor 7 Minuten schrieb UlrikeZ:

Hallo Susanne,

Erinnerungsfetzen, sog. Flashbacks empfinde ich immer ein bisschen als eine Krücke und würde nach anderen Lösungen suchen, die inneren Bewegungen ddeiner Figur für Zuschauer erlebbar zu machen. Beispiel: Deine Figur hat ein Buch geschenkt bekommen von einem Menschen, der ihr sehr viel bedeutet. Wenn sie später im Film einen Blick auf das Buch wirft, wissen  wir, an wen sie denkt. So würde ich das auch an dieser Dialogstelle versuchen. Dann genügt ein Blick - und man weiß bescheid. Und der Dialog wird nicht durch einen FB unterbrochen. Davon würde ich abraten, weil der Dialogpartner in dieser zeit im Leeren hängt und im schlimmsten Fall denkt, mit seinem Gegenüber stimmt was nicht.

Wenn du FB verwenden möchtest, schreibst du am besten dazu, aus welcher Szene die FB kommen sollen. Bei Wort-FB dann die Dialogstelle.

Viele Grüße

Ulrike

Hallo Ulrike,

vielen Dank für den Hinweis - ich gehe mal in mich, ob ich mir das auch ohne FB auf elegantere Art zurechtzimmern kann. Ich weiß, dass man solche Rückblenden nur wohldosiert einsetzen sollte, an dieser einen Stelle meiner Handlung fühlt es sich für mich passend an (der Dialogpartner wäre sogar währenddessen abgelenkt, das wäre also nur nachrangig ein Problem). Aber ich verstehe das mit der "Krücke" - werde noch einmal genau drüber nachdenken, ob ich an dieser Stelle auch ohne auskommen kann. 

Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

Hallo Susanne,

ich weiß nicht, ob Du Deine Szene nun schon gelöst hast, aber ich hätte an Deiner Stelle keine Hemmungen, mit Flashbacks zu arbeiten. Wenn es in Deinen Plot und zu Deinem Erzählstil passt, why not? 

Im TV-Krimi machen wir das dauernd. Und selbst übervorsichtige oder geschmäcklerische Redakteure, die das früher aus Prinzip (Stichwort "Krücke") abgelehnt haben, sehen das heute als legitimes Stilmittel an. US - Produktionen haben es ja ausreichend vorgemacht ... Es gibt allerdings ein paar handwerkliche Regeln:

Man sollte es nicht damit übertreiben, d.h. Flashbacks nur sparsam und für wirklich wichtige Schlüsselszenen bzw. Erkenntnisse einsetzen. Beim Krimi ist das i.d.R. an die Aufklärung des Falls für den Zuschauer gekoppelt ... Auch sind Flashbacks i.d.R. einer einzigen wichtigen Figur vorbehalten, im Krimi also entweder dem Ermittler (der dann in seiner Erinnerung das entscheidende Puzzelteil findet) oder dem Täter, der damit dem Zuschauer den Blick in die "wahre Vergangenheit" offenbart, oder auch in sein Trauma, das zur Tat führte. Flashbacks oder Rückblenden von zwei oder mehr Figuren nebeneinander funktionieren eher nicht. Sie wären auf dramaturgischer Ebene ungefähr das, was ein Achsensprung für die Kamera ist  ... nämlich verwirrend.

Du fragtest, wie dezidiert Du das Bild, das Du sehen möchtest, beschreiben sollst. Auch da meine ich: Schreib, wie Du denkst! Mit dem Text im Drehbuch willst Du ja bei den Lesern - also in erster Linie dem Redakteur, Produzenten oder Regisseur - ein Bild erzeugen, das ihnen klar macht, worauf Du hinaus möchtest. Wenn es Dir an dieser Stelle für Deinen Plot wichtig genug ist, dann mach es. (Achtung: Wenn es nicht wichtig genug ist, reagieren viel und schnell lesenden Redakteuren/Produzenten dann eher in. der von Ulrike skizzierten Weise ...)

Ob und wie es am Ende filmisch umgesetzt wird, steht dann auf einem ganz anderen Blatt und ist in der Tat Sache von Regie und Kamera. Aber das gilt ohnehin für's ganze Drehbuch.

Lg, Jan

 

Meine Webseite: https://janvonderbank.wordpress.com  Mein aktuelles Kinder-Buch: "Der Schatz des schwarzen Klabauters" - KJM-Verlag&&

Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

vor 4 Stunden schrieb Jan vdB:

ich weiß nicht, ob Du Deine Szene nun schon gelöst hast, aber ich hätte an Deiner Stelle keine Hemmungen, mit Flashbacks zu arbeiten. Wenn es in Deinen Plot und zu Deinem Erzählstil passt, why not? 

Hallo Jan - ganz heißen Dank für deine ausführliche Rückmeldung. Ein Flashback passt definitiv in die Story. Ich habe ziemlich viel hin und her überlegt und werde dieses Mittel auf jeden Fall nutzen. Allerdings hat sich das intensive Nachdenken darüber (nach dem "Krücken-Hinweis" von Ulrike) insofern schon gelohnt, als dass ich gemerkt habe, dass der Flashback tatsächlich an der von mir ursprünglich gedachten Stelle nicht zwingend nötig ist, dafür aber an einer anderen umso besser passt und dort sogar wichtig ist - empfinde ich zumindest so.

vor 4 Stunden schrieb Jan vdB:

Man sollte es nicht damit übertreiben, d.h. Flashbacks nur sparsam und für wirklich wichtige Schlüsselszenen bzw. Erkenntnisse einsetzen.

Die ursprünglich von mir ausgeguckt Szene für den Flashback war tatsächlich auch eine Schlüsselszene, aber sie funktioniert auch ohne sehr gut. Dafür passt eine andere Schlüsselszene umso besser dafür. 

vor 4 Stunden schrieb Jan vdB:

Auch sind Flashbacks i.d.R. einer einzigen wichtigen Figur vorbehalten

Das ist ein guter Hinweis, danke dafür, der erspart mir nun diese Überlegung direkt, zu der ich mich sicher im weiteren Verlauf hätte hinreißen lassen 

vor 4 Stunden schrieb Jan vdB:

Du fragtest, wie dezidiert Du das Bild, das Du sehen möchtest, beschreiben sollst. Auch da meine ich: Schreib, wie Du denkst! Mit dem Text im Drehbuch willst Du ja bei den Lesern - also in erster Linie dem Redakteur, Produzenten oder Regisseur - ein Bild erzeugen, das ihnen klar macht, worauf Du hinaus möchtest. Wenn es Dir an dieser Stelle für Deinen Plot wichtig genug ist, dann mach es. (Achtung: Wenn es nicht wichtig genug ist, reagieren viel und schnell lesenden Redakteuren/Produzenten dann eher in. der von Ulrike skizzierten Weise ...)

Ob und wie es am Ende filmisch umgesetzt wird, steht dann auf einem ganz anderen Blatt und ist in der Tat Sache von Regie und Kamera. Aber das gilt ohnehin für's ganze Drehbuch.

Okay, dann probiere ich einfach mal ein bisschen herum und schaue mir an, wie es sich dann eingebettet ins Ganze so anfühlt/liest. Auf jeden Fall hilft es mir schon sehr, zu wissen, dass es jetzt keine in Stein gemeißelte "Formel" dafür gibt, wie so ein Flashback im Drehbuch dargestellt werden muss. Ich möchte das nur nicht allzu stümperhaft machen, aber da es wohl eher darum geht, dass es wichtig genug sein muss und innerhalb des Leseflusses/des Fortgangs der Story Mehrwert bringt, traue ich mir das jetzt einfach mal zu ... :-)

 

Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

Es muss wichtig sein. Und darf sich dann auch abheben. Beim Drehbuch-Schreiben gilt, anders als im Roman,  ja die Formel: So knapp wie möglich, so viel wie nötig. 

Wenn Du also an dieser einen Stelle das Gefühl hast, präziser und detaillierter beschreiben zu wollen, was Du in Deinem Kopfkino in dieser Szene siehst, wird es sich schon von selbst als wichtige Stelle zwischen all den anderen, knapper gefassten Beschreibungen präsentieren.

 

 

Meine Webseite: https://janvonderbank.wordpress.com  Mein aktuelles Kinder-Buch: "Der Schatz des schwarzen Klabauters" - KJM-Verlag&&

Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

vor 2 Minuten schrieb Jan vdB:

Es muss wichtig sein. Und darf sich dann auch abheben. Beim Drehbuch-Schreiben gilt, anders als im Roman,  ja die Formel: So knapp wie möglich, so viel wie nötig. 

Werde ich beherzigen - das ist wirklich eine Herausforderung, wenn man das zum ersten Mal wirklich auch selbst macht, und nicht nur darüber nachdenkt und dabei glaubt, so ein Drehbuch selbstverständlich auch ganz locker einfach mal so aus dem Ärmel schütteln zu können. Wenn man so manches Drehbuch liest wirkt das immer so schön einfach. Ist es aber überhaupt nicht, man kann sich einfach aus nichts herausmogeln, und es fällt wirklich sofort auf, wenn etwas zu lahm oder überflüssig oder an der falschen Stelle ist. Ich mag das, weil man nicht so sehr in Versuchung kommt, ellenlang irgendetwas zu erzählen, wie man es vielleicht in einem Roman tun könnte - und sich dabei eventuell auch öfter mal verläuft. 

vor 28 Minuten schrieb Jan vdB:

Wenn Du also an dieser einen Stelle das Gefühl hast, präziser und detaillierter beschreiben zu wollen, was Du in Deinem Kopfkino in dieser Szene siehst, wird es sich schon von selbst als wichtige Stelle zwischen all den anderen, knapper gefassten Beschreibungen präsentieren.

Das hoffe ich - ich bin selbst gespannt, wie es dann am Ende dasteht. Bestimmt ganz anders, als ich es jetzt gerade im Kopf habe. Aber das macht diesen Prozess ja auch erst so interessant...

Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

Bitte melde Dich an, um einen Kommentar abzugeben

Du kannst nach der Anmeldung einen Kommentar hinterlassen



Jetzt anmelden


×
×
  • Neu erstellen...