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KerstinH

Nochmal Inquit-Formeln ...

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Liebe Montis,

gerade habe ich für einen Verlag einen Text lektoriert, in dem haufenweise Konstruktionen vorkamen wie:

"Das kann ich nicht", sie schaute ihm in die Augen, "es weckt zu viele schlimme Erinnerungen."
"Natürlich kannst du das", er nahm sie in die Arme. "Ich traue dir das absolut zu." 

Ich habe das überall geändert (in diesem Fall durfte ich ohne Rücksprache ändern),  indem ich entweder Punkte gesetzt habe:

"Das kann ich nicht." Sie schaute ihm in die Augen. "Es weckt zu viele schlimme Erinnerungen."

... oder indem ich ein Verb des Sprechens eingefügt habe:

"Natürlich kannst du das", erwiderte er und nahm sie in die Arme. "Ich traue dir das absolut zu."

Ich finde obige Konstruktionen wirklich schlecht, halte sie sogar für fehlerhaft. Jetzt lese ich gerade einen neuen Krimi eines erfolgreichen Autors und finde in dem Buch (hin und wieder) auch solche Konstruktionen. Das verwirrt mich.

Haltet ihr solche Sätze für richtig und gut lesbar? In meinen Ohren klingen sie zumindest schrecklich, wenn nicht falsch. Sie reißen mich total aus dem Lesefluss.

Bearbeitet von KerstinH
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Ich halte Deine Korrektur für völlig in Ordnung.
Wäre ja auch merkwürdig, wenn ich das nicht täte, schreibe ich doch meine Dialoge genau so, wie Du korrigiert hast. lol

Liebe Grüße
Wolf

 

Bearbeitet von Wolf
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Liebe Kerstin,

nö, mit Komma halte ich solche Sätze auch nicht für gut lesbar. Ich hätte, wie Du, auch ganz automatisch einen Punkt gemacht oder ein Verb des Sprechens eingefügt. Wenn mir das Lektorat so was reinlektorieren würde, dann würde ich das wieder rückgängig machen, weil ich es unschön finde. Inquits mag ich aber generell nur in sparsamen Dosen und setze sie oft nur ein, wenn ich das Gefühl habe, es könnte Verwirrung geben, wer spricht. Wenn ich sie setze, wechsle ich gerne zwischen "sagen" und anderen Verben des Sprechens ab. Ich lese aber in letzter Zeit solche Einschübe auch öfter. Also bin ich vielleicht auch nur altmodisch ;-).

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vor 10 Minuten schrieb Corinna:

Also bin ich vielleicht auch nur altmodisch ;-).

Das frage ich mich auch manchmal, wenn ich in einem Roman solche Konstruktionen lese. Es kommt nämlich immer öfter vor. Ich stolpere dann ständig und "lektoriere innerlich mit". Manchmal beende ich auch die Lektüre, weil es für mich durchgängig schwer auszuhalten ist.

Also, ich finde es goldrichtig, was du gemacht hast, Kerstin.

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vor 22 Stunden schrieb Christa:

Also, ich finde es goldrichtig, was du gemacht hast, Kerstin.

Danke, Christa. Es ist nicht so, dass mir die vielen Änderungen irgendwie angekreidet wurden oder man befremdet war. Es war halt nur eine Menge Arbeit. Und jetzt frage ich mich, ob es vielleicht wirklich eine Generationsfrage ist. Wie Corinna schreibt:

vor 22 Stunden schrieb Corinna:

Ich lese aber in letzter Zeit solche Einschübe auch öfter. Also bin ich vielleicht auch nur altmodisch ;-).

Ich selbst mache es bei eigenen Texten auch eher wie du, Corinna ...

vor 22 Stunden schrieb Corinna:

Inquits mag ich aber generell nur in sparsamen Dosen und setze sie oft nur ein, wenn ich das Gefühl habe, es könnte Verwirrung geben, wer spricht. Wenn ich sie setze, wechsle ich gerne zwischen "sagen" und anderen Verben des Sprechens ab.

... und habe deshalb diese Einschübe zwischen den Kommas teilweise auch ganz gestrichen.

vor 22 Stunden schrieb BeateB:

Für mich auch schrecklich und falsch. Ich würde nie ein Buch lesen, in dem ich auf den ersten Seiten über solche Konstruktionen stolpere.

Bei dem Krimi, den ich jetzt lese, kommen sie tatsächlich nur sehr sparsam vor. Mir geht es aber ähnlich: Wäre mir das schon beim Anlesen begegnet, hätte ich das Buch wieder ins Regel zurückgestellt.

Bearbeitet von KerstinH
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Ich finde die ersten Sätze ohne Inquit-Formeln sehr viel besser und eleganter erzählt. Ich weiß nicht ob das Generationssache oder vielmehr Erzählstil ist, denn zB in älteren Englischsprachigen Büchern findet man häufig sehr kurze, knapp gehaltene Formulierungen, die ohne viel Inquit-Formeln auskommen. In Hemingway's Büchern geht das teils so weit, dass man fast den Faden verliert, wer spricht. Allerdings finde ich das nicht schlimm, denn es ergibt sich meist aus dem Kontext und der Redeart, wer gerade spricht. Ich finde Texte mit wenig Inquit-Formeln besser, weil sie den Text nicht unnötig in die Länge ziehen. 

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Hi Alexander,

mir ging es gar nicht um Inquit-Formeln an sich oder nicht, sondern um die Art, Sätze ohne ein Verb des Sprechens mit einem Komma von der wörtlichen Rede abzutrennen, indem sie sofort mit einem Substantiv oder Pronomen an die wörtliche Rede anschließen. Es ist gut möglich, dass das im Englischen geht und dort sogar guter Stil ist, da weiß ich zu wenig Bescheid. Hier stört es mich stilistisch sehr, denn es reißt mich aus dem Lesefluss. So etwas kommt mir allerdings erst in letzter Zeit häufiger unter, insofern ist es vielleicht keine Generationssache, aber doch zumindest ein Wechsel in der Rezeption - welchen Umständen auch immer geschuldet. Eventuell wirklich dem allgegenwärtigen Englisch (Bücher, Serien, Games usw.)? Vor einigen Jahren fingen ja auch die falschen Imperative an: Nehme das Schwert und gebe es dem König!, was ich immer noch für die Wirkung schludriger Übersetzungen von Games aus dem Englischen und ihre weite Verbreitung halte.

Bearbeitet von KerstinH
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vor 2 Stunden schrieb KerstinH:

"Das kann ich nicht", sie schaute ihm in die Augen, "es weckt zu viele schlimme Erinnerungen."
"Natürlich kannst du das", er nahm sie in die Arme. "Ich traue dir das absolut zu."

Manche mögen solche Satzkonstruktionen für eleganter halten als welche mit Inquits, aber gekonnt ist das in meinen Augen auf jeden Fall nicht. Hemingway hat so etwas definitiv nicht geschrieben.;)

Wo das nun herkommt, ob wir altmodisch sind oder uns zu sehr an Regeln halten oder ob sich die Sprache durch Serien usw. verändert hat, sei mal dahingestellt. An der Schule liegt es auf jeden Fall nicht, auch wenn unser baden-württembergischer Ministerpräsident Kretschmann vor zwei Jahren meinte, Rechtschreibung sei heute nicht mehr so wichtig, da sowieso keiner mehr per Hand schreibe. Ich habe mir gerade eine öffentliche Diskussion des Tintenzirkels durchgelesen, wo gemutmaßt wird, dass Autoren sich im Bemühen, vom Leser verstanden zu werden und sich nicht mit ständigen "sagte er" und "meinte sie" zu nerven, sich zu immer neuen "kreativen" Einfällen hinreißen ließen. Und diese Einfälle können, wie gesagt, gekonnt sein oder auch nicht.

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Könnte gut sein, Christa.

vor 4 Minuten schrieb Christa:

… auch wenn unser baden-württembergischer Ministerpräsident Kretschmann vor zwei Jahren meinte, Rechtschreibung sei heute nicht mehr so wichtig, da sowieso keiner mehr per Hand schreibe.

Dieser Zusammenhang erschließt sich mir nicht.

 

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Ja, da fehlte der Artikel dazu: Rechtschreibung nicht mehr so wichtig wie einst

Das Kultusministerium hatte extra Wert darauf gelegt, dass Rechtschreibung (und dazu gehört sicher auch Satzbau und Zeichensetzung wie Punkt und Komma dazu) an den Schulen verstärkt behandelt wird.

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vor 4 Stunden schrieb KerstinH:

"Das kann ich nicht", sie schaute ihm in die Augen, "es weckt zu viele schlimme Erinnerungen."

 

"Natürlich kannst du das", er nahm sie in die Arme. "Ich traue dir das absolut zu."

Das würde ich selbst nie so machen. Ich finde es zwar gut, Verben des Sprechens möglichst sparsam zu verwenden. Aber ich würde genau wie du abgeschlossene, mit einem Punkt beendete Sätze daraus machen.

Ich vermute, solche Konstuktionen entstehen durch die Nachbildung folgender Konstruktionen:

"Teilsatz" -- Komma -- klein weiter mit Inquit-Fomel -- Komma -- "klein weiter mit Teilsatz."

"Bist du vorhin", fragte sie, "im Garten gewesen?"

Bearbeitet von HenningS
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Toller Link zum Thema:

https://www.worttaten.de/was-sind-denn-inquits/

Über Inquits stolpere ich immer wieder... da gibt es so furchtbare Auswüchse ;-) z.B. "Das kann doch wohl nicht wahr sein", staubsaugte sie wütend. Ähm... man kann einen Satz nicht staubsaugen (!!!), sondern nur sagen, ggf. auch brüllen, flüstern etc. 

Ich finde, du hast es perfekt gelöst, @KerstinH - ich hätte es genau so gemacht.

Ab 01.01.2021 Lovelyscript-Lektorat Liebe im Mittelpunkt

 

 

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vor 23 Stunden schrieb KerstinH:

Liebe Montis,

gerade habe ich für einen Verlag einen Text lektoriert, in dem haufenweise Konstruktionen vorkamen wie:

"Das kann ich nicht", sie schaute ihm in die Augen, "es weckt zu viele schlimme Erinnerungen."
"Natürlich kannst du das", er nahm sie in die Arme. "Ich traue dir das absolut zu." 

Ich habe das überall geändert (in diesem Fall durfte ich ohne Rücksprache ändern),  indem ich entweder Punkte gesetzt habe:

"Das kann ich nicht." Sie schaute ihm in die Augen. "Es weckt zu viele schlimme Erinnerungen."

... oder indem ich ein Verb des Sprechens eingefügt habe:

"Natürlich kannst du das", erwiderte er und nahm sie in die Arme. "Ich traue dir das absolut zu."

Ich finde obige Konstruktionen wirklich schlecht, halte sie sogar für fehlerhaft. Jetzt lese ich gerade einen neuen Krimi eines erfolgreichen Autors und finde in dem Buch (hin und wieder) auch solche Konstruktionen. Das verwirrt mich.

Haltet ihr solche Sätze für richtig und gut lesbar? In meinen Ohren klingen sie zumindest schrecklich, wenn nicht falsch. Sie reißen mich total aus dem Lesefluss.

Ich bin da ganz bei dir und finde Ersteres mehr als gewöhnungsbedürftig. Ich weiß aber, dass einige im Selfpublishing das gerne so machen und die Leser kein Problem damit haben.

~~~ Carina alias C. R. Scott ~~~

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vor 39 Minuten schrieb CarinaR:

Ich weiß aber, dass einige im Selfpublishing das gerne so machen und die Leser kein Problem damit haben.

Das könnte eine Erklärung sein. Vielleicht war das ein Manuskript einer Hybridautorin. 

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vor 53 Minuten schrieb CarinaR:

Ich bin da ganz bei dir und finde Ersteres mehr als gewöhnungsbedürftig. Ich weiß aber, dass einige im Selfpublishing das gerne so machen und die Leser kein Problem damit haben.

Der Duden-Korrektor hat übrigens auch kein Problem damit. Da muss dann wohl ein Lektor, eine Lektorin ran, um das zu verbessern.;)

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Ich bin auch alt und habe kein Problem damit - auch wenn ich meinen Kunden aus der Unterhaltungsliteratur in aller Regel rate, Punkte zur Trennung von Hauptsätzen da wo möglich auch zu setzen, weil das die Mehrzahl der Leser als leichter lesbar empfindet.

Grundsätzlich möchte ich aber an Folgendes erinnern: Als Lektor ist es nicht meine Aufgabe, meinen Stilwillen dem Stilwillen des Autors überzuordnen, selbst wenn ich meinen hübscher finden mag. Meine Aufgabe ist es, den Ton des Autors herauszuhören und dementsprechend am Text zu arbeiten. '"Du bist doof", staubsaugte Hansi' ist klar falsch und muss weg. Vermeidung von Inquit-Formeln ist dagegen eine stilistische Entscheidung, die ein Autor treffen kann, und in die der Lektor sich m.E. nicht zu mischen hat. Wie die Satzzeichen dabei zu setzen sind, entscheidet sich allein auf der Grundlage der Interpunktionsregel und ist im Zweifelsfall sogar Sache des Korrektors.

Ob ich alt bin, ob mir dieses oder jenes besser gefällt, ob ich in der Schule Goethe gelesen oder gestern Nacht Netflix gelesen habe, hat mit meiner Arbeit nichts zu tun zu haben - ob ich nun Lektor bin oder Feuerwehrmannfrau.

"Der soll was anderes kaufen. Kann der nicht Paris kaufen? Ach nein, in Paris regnet's ja jetzt auch."

Ararat - "Und sie sollen nicht vergessen sein" Knaur, 1. März 2016. www.charlotte-lyne.com

 

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Meine Hauptfrage oben war,  ob die Formeln so überhaupt richtig seien. Mir sind sie früher in keinem Buch untergekommen, in letzter Zeit aber häufiger (in bestimmten Texten. Eventuell sind oder werden sie ja zum Textsortenmerkmal).

Mein anderes Argument, und das scheint sich hier in den Postings zu bestätigen, war: Sie rissen mich aus dem Lesefluss. Und zwar permanent. Und wenn das passiert, finde ich, muss ein Lektor eingreifen, das ist dann nicht mehr nur eine Stilfrage.

Ich will aber nochmal betonen, dass das ein Text war, wo der Autor mit dem Vertrag alle Rechte dem Verlag übergeben hatte (tue ich ebenfalls, wenn ich für diesen Verlag schreibe), und also der Verlag das letzte Wort hat, weil diese Texte sich in bestimmte Reihen einpassen müssen. Da ist es vielleicht noch etwas anderes. Natürlich müsste ansonsten in jedem einzelnen Fall eine Rückfrage an den Autor ergehen. Und vielleicht sollte ich noch hinzufügen, dass ich in diesem Fall für Lektorat und Korrektorat verantwortlich war.

Bearbeitet von KerstinH
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Am 19.9.2022 um 11:10 schrieb KerstinH:

Haltet ihr solche Sätze für richtig und gut lesbar? In meinen Ohren klingen sie zumindest schrecklich, wenn nicht falsch. Sie reißen mich total aus dem Lesefluss.

Ich würde so nicht schreiben, aber beim Lesen wäre es mir nicht besonders aufgefallen.

Man gräbt keine goldenen Halsbänder aus dem Boden. (John Vorhaus "Handwerk Humor")

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vor 10 Stunden schrieb KerstinH:

Meine Hauptfrage oben war ja, ob die Formeln so überhaupt richtig seien. Mir sind sie früher in keinem Buch untergekommen, in letzter Zeit aber häufiger (in bestimmten Texten. Eventuell sind oder werden sie ja zum Textsortenmerkmal).

 

Ich hab ja früher Schulbücher illustriert -- und hab mal der Rechtschreib-Expertin, die ich von damals kenne, deine Beispielsätze gemailt. Wenn ihr dazu was einfällt, werde ich es hier reinsetzen.

LG Henning

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Die genannte Rechtschreib-Expertin kann mir dazu keine Regel sagen. Da in diesen Fällen ein Begleitsatz üblich ist und es sich bei "sie schaute ihm in die Augen" um keinen echten Begleitsatz handelt. Sie würde es genauso machen wie du. Drei Hauptsätze begonnen mit Großbuchstaben und beendet mit einem Punkt.

"Das kann ich nicht", sie schaute ihm in die Augen, "es weckt zu viele schlimme Erinnerungen."

Aber falsch ist es offenbar nicht.

LG Henning

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Ich finde deine Sätze viel besser, sie klingen mir angenehmer im Ohr.

Aber ich erinnere mich , dass ich in einem meiner zahlreichen Schreibratgeber gelesen habe, dass es mit der Komma-Variante gemacht werden kann, wenn die wörtliche Rede unterbrochen wird. Und das ist ja bei deinen Beispielen der Fall. Also wie Henning schon sagt, falsch ist es offenbar nicht.

LG

Sandra

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