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RuthT

Erste Lesung

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Liebe KollegInnen,

Im März 21 ist mein erstes Kinderbuch in einem norddeutschen Verlag erschienen. Es verkauft sich gut, zu meiner eigenen Überraschung nicht nur an der Nordseeküste, obwohl es dort spielt.

Nun wurde ich vom örtlichen Kulturverein angefragt, ob ich gern eine Lesung im Schulhaus machen würde (es ist ein kleines Dorf in der Schweiz, und der Verein hat kein Geld).Es gibt auch noch andere mögliche Orte, z.B. die Musikschule in der ich arbeite (eine Villa in Basel) , ein Café in historischen Räumlichkeiten etc. Überall würden mir die Räumlichkeiten gratis zur Verfügung gestellt, wobei das Café auch seinen Kuchen verkauft.

Ich wäre also sozusagen selbst der Veranstalter und könnte entscheiden, ob es Eintritt kostet, ob es eine Kollekte gibt oder ob ich nur durch den Buchverkauf etwas einnehme. Nun scheue ich mich etwas, Eintritt zu verlangen, weil die Familien ja schon etwas konsumieren (es wäre eine Art Bücherbrunch) . Auch handelt es sich um meine ersten Lesungen. Zwar werde ich mich gut vorbereiten, aber es ist doch etwas Anderes, zu lesen oder zu schreiben. Kurzum: ich empfinde mich als Anfängerin in diesem Metier. Was ratet ihr mir?

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Liebe Ruth, es klingt toll, dass du diese Möglichkeit hast und der Kulturverein an dich herangetreten ist. Nun reden wir hier zwar immer wieder darüber, dass Lesungen ein festes und ein Mindesthonorar brauchen, die Realität ist aber, dass man sich dahin entwickelt, ausprobiert, was geht, was man selbst anbieten kann, und herausfindet, wo im Veranstaltungsbereich man steht. Ich würde bei ersten Mal keinen Eintritt nehmen, sondern auf den Bücherverkauf setzen und es genießen, dass ich das Vorlesen ausprobieren kann. Und wenn doch Eintritt, dann einen kleinen, wie drei Euro pro erwachsener Person (Kinder kosten selbstverständlich keinen Eintritt). Dann merkst du, wie viele Leute überhaupt kommen, wie die Resonanz ist, wie du dich dabei fühlst, was du verbessern kannst etc.. Und mit der Zeit wirst du sicherer und weißt, welches Eintrittsgeld möglich ist. Das ist jetzt nur meine Meinung, es gibt bestimmt auch andere. Auf jeden Fall wünsche ich dir bei den Lesungen ganz viel Spaß! 

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Liebe Anna,

Danke für deine nette und schnelle Antwort. Das entspricht auch meinem Gefühl, und ich denke, so werde ich es machen. Zumindest am Anfang. Es sei denn, es findet sich noch ein Förderverein, der etwas dazugibt. Ich habe mal gegoogelt und festgestellt, dass viele Kinderbuchlesungen gratis sind und von Vereinen, Stiftungen etc. finanziert werden.

Liebe Grüsse, Ruth

P-S- Sorry, PC mit Schweizer Rechtschreibung ohne scharfes S ;-) 

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Autorenlesungen kosten. Wir Autorenmenschen leisten dort eine (unterhaltende) Arbeit, und Arbeit gehört entlohnt. Ich würde auf jeden Fall Eintritt verlangen, das ist nur professionell und angemessen. Es ist nicht "doch auch Werbung für dich", wenn du umsonst arbeitest. Das Argument zieht erst, wenn dein Vermieter deine Anwesenheit als Werbung für seine Immobilie betrachtet und keine Miete verlangt. :)

 

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Ich rate dazu, auf keinen Fall eine Gratis-Veranstaltung zu ermöglichen. Damit schadest Du Dir und anderen Autoren. Du leistet etwas, und dafür wirst Du entlohnt. Das, was umsonst ist, hat wenig Wert.

Sollte der Verein tatsächlich wenig Geld haben, kannst Du auf ein Anerkennungshonorar bestehen. Das liegt meist bei 30 bis 50% des üblichen Honorars und sorgt dafür, dass die Autorin das Gesicht wahren kann. Eintritt würde ich, wie Christian schon schreibt, ebenfalls ansetzen. Die Höhe würde ich vom Anerkennungshonorar abhängig machen, sodass Du, wenn X Leute kommen, auf insgesamt 500 Euro kommst.

Erst jetzt würde ich Sympathiepunkte einkalkulieren. Du fühlst Dich unsicher, weil es die erste Lesung ist? OK. Du möchtest die Arbeit des Vereins unterstützen? OK. Dann ziehst Du von Deiner Kalkulation 10% ab und machst das dem Veranstalter gegenüber deutlich. Sehr deutlich. 

So würde ich die Situation handhaben. Vielleicht hilft Dir das ein wenig bei Deinen Überlegungen. Viel Erfolg!

 

Sagt Abraham zu Bebraham: Kann ich mal dein Cebraham?

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vor 17 Stunden schrieb RuthT:

ch habe mal gegoogelt und festgestellt, dass viele Kinderbuchlesungen gratis sind und von Vereinen, Stiftungen etc. finanziert werden.

Das ist ein Widerspruch. Wenn etwas von Vereinen und Stiftungen "finanziert" wird, zahlen die auch dafür. Gratis ist für uns Autoren ein absolutes NO GO.
Zur Not kannst du dir über das normale Honorar eine Spendenquittung vom Verein ausstellen lassen.

Wenn jemand seine eigene Arbeit so wenig Wert schätzt, dass er sie verschenkt,  habe ich kein Verständnis mehr. >:(

Also gratis geht gar nicht. Schadet uns allen.

LG

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Ich schreibe ja auch Kinderbücher und kenne das nur zu gut, dass man sich am Anfang unwohl fühlt, ein Honorar zu verlangen. Aber Du bietest dem Verein ja etwas und ziehst sogar noch Gäste ins Café, die dort konsumieren. Und eine Lesung vorzubereiten und zu halten kostet ja auch Zeit.

Außerdem gebe ich zu bedenken, dass Dir eventuell auch Kosten entstehen können, wenn Du selbst Veranstalter bist, wie z.B. für Werbung für die Lesung, eine Haftung für Schäden (beim Weihnachtsmarkt vor gefühlt drölfzig Jahren mussten wir als Standbetreiber so was mal abschließen) oder für den Vortrag an sich. Hier in Deutschland muss der Veranstalter öffentliche Lesungen außerdem bei der VG Wort anmelden und eine Pauschalgebühr zahlen. Spielt man Musik, ist auch ein GEMA-Beitrag fällig. In der Schweiz das Pendant sind die Pro Litteris und die SUISA. Ob du da Gebühren für die Lesung als Veranstalter zahlen müsstest, weiß ich aber nicht. Evtl. wäre auch eine Gewerbeanmeldung nötig, wenn Du selbst Veranstalter bist und Bücher verkaufst. Ob das nötig wäre, müsste man wohl abklären. 

Aus diesen Gründen würde ich aber die Veranstaltungsmütze auf jeden Fall an den Verein weiterreichen, die Musikschule, das Café. Und auch die Sache mit der Werbung klären. Wer kümmert sich um was? Wo werden evtl. Plakate ausgehängt? Wer übernimmt welche Kosten? Bekommst du evtl. Lesezeichen (als Andenken für die Lesung) und Signierkarten vom Verlag oder müsstest Du Dich selbst kümmern? Falls Eintrittsgelder genommen werden sollen, müsste die ja auch jemand kassieren, das heißt, Du bräuchtest da eine Hilfe, ebenso wie für den Buchverkauf. Denn als Autorin willst Du die Gäste ja vor der Lesung empfangen, musst Dich vielleicht drauf vorbereiten, vorher noch mal kurz durchatmen, später mit ihnen plaudern, um Fragen zu beantworten. 

Kannst Du denn mit der örtlichen Buchhandlung zusammenarbeiten, die Dir die Bücher zum Verkauf zur Verfügung stellt? Sonst müsstest Du ja evtl. auch die Bücher zum Autorenrabatt besorgen und hättest erst mal Kosten.

Wenn Du Spaß an Lesungen hast, würde ich auch mal in den Schulen nachfragen oder in Bibliotheken. Ich hatte schon einige Lesungen, bei denen die Bibliothek ganze Schulklassen eingeladen hat zur Lesung. Das kam immer gut an und hat mir große Freude gemacht, mit den Kindern zu interagieren. Außerdem wusste ich dadurch immer schon, wie viele kommen werden, und konnte mir Lesezeichen als kleines Andenken und Signierkarten passend zurechtlegen. :-). 

Auf jeden Fall wünsche ich Dir viel Spaß und Erfolg bei der Lesung. :-).

Viele Grüße

Corinna   

Bearbeitet von Corinna
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Corinna hat Recht. Ich ruder zurück. Es hat einen Grund, dass man Lesungen nicht selbst veranstaltet, Corinna hat das gut aufgelistet. Vielleicht kann der Kulturverein wenigstens ein kleines Honorar zahlen oder Sponsoren finden, das ist oft ein guter Weg. Insofern wäre auch Eintritt wichtig, wenn du an anderen Orten selbst die Veranstalterin bist (so hatte ich das verstanden).

Gleichzeitig bleibe ich dabei, dass man schrittweise einsteigen darf und sich selbst diesen Freiraum ruhig geben sollte. Ich hab am Anfang Lesungen gemacht, bei denen ich prozentual am Eintritt beteiligt wurde (mache ich nicht mehr) und bei denen ich selbst zusätzlich Werbung gemacht habe. Es war allerdings auch ein Lesungsprogramm mit Kurzprosa und Musik, für mich war das für den Anfang in Ordnung, ich hätte sonst vermutlich überhaupt keinen Verabstaltungsort gefunden. Lesen zu können war mir aber wichtig. Dann bekam ich Presse, dann kamen die Romane und weitere Romane, es baute sich auf, jetzt ist es eine runde Sache.

Ja, ich würde dir jetzt wohl auch raten, Ruth, mit dem Verein zu sprechen und mal zu sehen, was sie locker machen oder einwerben können. Das ist besser. Nach dem Motto: Was nichts kostet, ist nichts wert. Wo die Veranstalter keine Kosten haben, haben sie es oft nicht nötig, Werbung zu machen. Vielleicht ist es ja noch nicht zu spät.

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Obwohl ich alle meine Kolleginnen und Kollegen, die auf ein Honorar bestehen, verstehe, möchte ich kurz anmerken, dass in der Schweiz die Sache mit den Lesungen etwas anders ist als in Deutschland. Hier ist es doch recht schwierig, überhaupt welche abhalten zu können. Buchhandlungen organisieren nur welche für bekannte AutorInnen, NeuautorInnen haben praktisch keine Chance, ausser, wie eben bei Ruth, sie haben einen lokalen Bezug.

Von daher würde ich so eine Lesung wirklich zuerst durch die Brille "Neuerfahrung" betrachten. Keine Frage jedoch, dass dir, Ruth, keine Spesen dadurch entstehen sollten, aber Geld wirst du vermutlich nicht (viel) einnehmen. Wie schon gesagt wurde, würde ich mich mit einer örtlichen Buchhandlung zusammentun (Bücherverkauf, Plakate, Werbung etc.) und evtl. auch die Kulturfördervereine für einen Zustupf anschreiben.

Als Tipp: Jemand, der durchs Programm führt, ist immer eine Erleichterung, dann musst du als Autorin nicht auch noch auf alles hinweisen und diese Person kann auch ein Interview mit dir durchführen (wie kam es zu der Idee? ... die üblichen Fragen halt), denn nichts ist so peinlich, wie wenn am Ende gefragt wird: "Hat jemand noch Fragen?" und es herrscht Schweigen.

Btw. habe ich mit einer Kollekte - unbedingt darauf hinweisen! - gute Erfahrungen gemacht. Schweizer geben gern, wenn sie nicht müssen. ;)

Viel Erfolg!

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