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SabineB

Wo bleiben die großen Corona-Erzählungen?

Empfohlene Beiträge

Hallo,

ich habe stark damit gerechnet, dass dieses Jahr (oder auch schon letztes Jahr) ein paar interessante und wichtige Bücher, Erzählungen oder Essays zum Thema Corona, Lockdown - und deren soziale Auswirkungen - erscheinen würden. Aber bislang finde ich die Ausbeute seltsam gering.

Julie Zeh reißt das Thema in "Ūber Menschen" an, aber in dem ganz wunderbaren Buch liegt der eigentliche Schwerpunkt woanders.

Maja Lunde (die ich als Schriftstellerin sehr bewundere) hat mit ihrem als Roman verkleideten Tagebuch "Als die Welt stehen blieb" etwas abgeliefert, das ich literarisch höchst fragwürdig finde, um es mal sehr vorsichtig zu formulieren. Man könnte fast meinen, der Verlag wollte "irgendwas" veröffentlichen und hat persönliche Aufzeichnungen zu einem Buch hochgepimpt.

Der Essayband "Allein" von Daniel Schreiber ist aus meiner Sicht eine sehr gelungene, sehr persönliche Sicht auf den Lockdown und was er sozial anrichtet. Erzählt aus der Perspektive des Autors, eines allein lebenden Singles in Berlin. (Ganz nebenbei kann man bei der Lektüre lernen, wie absolut einfach es sein kann, gendergerecht zu schreiben).

Bücher wie Letzteres würde ich gerne mehr lesen. Habt Ihr Tipps? Finde ich die Bücher nur nicht oder gibt es sie wirklich nicht?

(Mir geht es hier nicht um die Diskussion, warum man keine Corona-Bücher schreiben sollte, das haben wir an anderer Stelle ja schon diskutiert.)

Merci für jeden guten Buchtipp.

Sabine

 

 

 

Bearbeitet von SabineB
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Ich finde es nicht seltsam, dass die Ausbeute so gering ist, Sabine. Wir stecken doch alle noch viel zu sehr mitten im Geschehen. Die nötige Distanz, um irgendwelche Resumees zu ziehen und eine andere Ebene als die eigene Betroffenheit zu finden, ist für die meisten Autoren und _innen einfach noch nicht erreicht. Alles was zu diesem Zeitpunkt erscheint, kann doch nur halbgar sein oder eben sehr persönlich. Als Leserin bin ich auch gespannt auf gute Geschichten zu diesem Thema. Aber ich kanns abwarten :p

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vor 2 Stunden schrieb KarinKoch:

 Alles was zu diesem Zeitpunkt erscheint, kann doch nur halbgar sein oder eben sehr persönlich. 

Vorhin habe ich mich mal kurz umgeschaut. Genauso ist es, wie du schreibst, Karin. 2021 sind Betroffenheits-, Ratgeber-, Kinder-, lustige und einige halbgare Sience Fiction-Bücher (vor allem im SP) rausgekommen. Dabei fühle ich mich manchmal selbst wie in einem SiFi, zum Beispiel, wenn bei der Heimfahrt schweigende Horden am Straßenrand entlangspazieren. So was will ich weder lesen noch schreiben, ich erlebe es jeden Tag. Das kann dann später jemand verwenden, dessen Roman 2021 spielt.

Ich halte mich gerade an ältere Romane bis ins 19./20.  Jahrhundert hinein. Da gibt es einige Parallelen und Entwicklungen, auch zu  "Seuchen" wie Tuberkulose, Pocken usw. (Passt zu meinen Recherchen.)

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vor 3 Stunden schrieb SabineB:

ich habe stark damit gerechnet, dass dieses Jahr (oder auch schon letztes Jahr) ein paar interessante und wichtige Bücher, Erzählungen oder Essays zum Thema Corona, Lockdown - und deren soziale Auswirkungen - erscheinen würden. Aber bislang finde ich die Ausbeute seltsam gering.

 

Das ist nicht nur in der Literatur zu beobachten. 

Zum Thema Corona fehlen auch relevante Beiträge in TV-Filmen und Songtexten. Bearbeitet wird das Thema dagegen in der Satire.

In meiner Reihe über die Todsünden fehlen ja noch zwei Teile. Ich habe in allen Büchern kleine und große Ereignisse und die Reaktionen der Figuren darauf vorkommen lassen (Tschernobyl, 11. September, Fußball-"Sommermärchen" usw). Und in den noch fehlenden Bänden werde ich auf jeden Fall Corona  vorkommen lassen.

 

vor 3 Stunden schrieb KarinKoch:

Wir stecken doch alle noch viel zu sehr mitten im Geschehen. Die nötige Distanz (...) ist für die meisten Autoren und _innen einfach noch nicht erreicht. Alles was zu diesem Zeitpunkt erscheint, kann doch nur halbgar sein oder eben sehr persönlich.

Eine Distanz braucht man mE eher für eine soziologische Betrachtung. Aber als Material für Geschichten kann doch auch Halbgares dienen. Ein Buch spiegelt hauptsächlich die Meinungen der Figuren wieder. Und die können auf jedem möglichen Standpunkt stehen.

Wenn Corona in einem Roman "vorkommt", bedeutet das für mich außerdem nicht, dass es als Thema im Mittelpunkt stehen muss. Natürlich sollte es nicht nur Beiwerk sein, dann kann man es auch weglassen. Es sollte durchaus den Lauf der Ereignisse beeinflussen. Aber das kann auch thematisch am Rande geschehen.

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Leider geht es bei der öffentlichen Debatte über Corona nicht mehr darum, was richtig ist, sondern darum, wer Recht hat.

In einem solchen Klima sind Verlage natürlich übervorsichtig. Ich denke, bevor sich Autoren und Verlage die Freiheit nehmen können, die man braucht, um das Thema mit der gebotenen Tiefe zu behandeln, werden noch Jahre vergehen. 

Schade, denn gerade Autoren sollten den Mut haben, kritische Dinge anzusprechen. Ich fand immer, dass es kein höheres Lob geben kann für einen Autor, als dass seine Bücher verboten werden. 

Das Thema vor allem der Auswirkungen von Corona auf die Gesellschaft ist interessant, und das Aufleben längst verloren geglaubter Tendenzen in einigen Ländern ebenfalls. Es ist erwiesen, dass Menschen zu Zeiten mit erhöhtem auftreten von übertragbaren Krankheiten eine höhere Toleranz für autoritäre Regierungsformen entwickeln. Das ist ein allgemeines Phänomen, das lange vor Corona bestand, und das von einigen autoritären Regimen lange vor Corona ausgenutzt wurde.

Solche Dinge anzusprechen, kann bei einer künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Thema nicht ausgeklammert werden. Aber es reizt die Gemüter zu sehr, als dass es massentauglich wäre.

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Liebe Sabine, 

warte noch ein bisschen, dann kommen diese Bücher schon raus. Oft dauert es , möglichweise sitzen Autor*Innen dran und bestimmt bewegt sich das Thema schon in den Köpfen. Die Literatur dazu kommt dann doch meist in der Rückschau, manchmal erst Jahre später heraus. 
Ich hatte für meinen Kurzgeschichtenband überlegt, ob eine Geschichte Corona thematisieren sollte, mich aber bewusst dagegen entschieden. Die Medien sind voll damit und man ist schon ein bisschen müde, deshalb glaube ich "flüchtet" man sich gerade in andere Bücher. 

Aber wer jetzt anfängt zu schreiben, landet möglichweise in nicht allzu ferner Zukunft einen Volltreffer. 

Einen Buchtipp habe ich nicht, aber ich würde so ein Buch momentan auch nicht lesen wollen. 

Liebe Grüße
Diana

Bearbeitet von Diana Hillebrand
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Ich möchte zur Zeit gar kein Buch über Corona lesen, weil es mehr als einen Statusbericht kaum leisten kann.

Aber ein Buch, das hinter die Kulissen der Pharmaindustrie schaut, und sich dabei auf Corona-Medikamente und Impfungen bezieht, das würde mich interessieren. Ist aber wahrscheinlich auch dafür noch zu früh.

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