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Olaf

100.000 Euro für das beste Kinderbuch

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Schreibt jemand von euch Kinderbücher und kann gut 100.000 Euro gebrauchen? 

Dann müsst ihr nur den neuen Deutschen Kinderbuchpreis gewinnen. Statt das Geld auf mehrere Gewinner aufzuteilen, bekommt der/die AutorIn der besten Geschichte alles ganz alleine. Außerdem soll das Buch auf einem unkaputtbaren Kristall (Klugscheißerkommentar meinerseits: "unkaputtbar" gibt es nicht in der echten Welt) ins All geschossen werden. 

Klingt alles ziemlich utopisch, oder? Ist aber wohl wirklich wahr. Steht jedenfalls so im Börsenblatt hier und hier und ab 30. April auch auf der Homepage des Deutschen Kinderbuchpreises.

Viel Erfolg für alle, die mitmachen!  

Olaf Fritsche 

www.seitenrascheln.de

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Michael Beisteiner

WOW!!

... nun ist mir beim Lesen die Milch auf dem Herd übergegangen! ::)

Bearbeitet von Michael Beisteiner
Zusatz

Zuletzt erschienen: Der Tomatenrebell (wortweit)

                                 zwischenlandungen (Arovell)

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Ich halte das für einen genialen Marketingkniff. Man fordert "indirekt" etablierte Autorinnen und Autoren auf, doch mal ein Kinderbuch zu schreiben. Das hat in der Regel zwanzig bis hundert Seiten, ist also nicht allzuviel Aufwand. Der Verlag investiert einmalig 100.000 €, die die Autorin oder der Autor bekommt, für relativ wenig Arbeit. Da werden sich einige denken, mach ich mal mit.

Die "Preisstifter" können mehr oder weniger selber entscheiden, wer den Preis bekommt (was zugegebenermaßen eine Unterstellung ist)  - und wenn die Autorin/der Autor schon bekannt ist (wovon ich ganz stark ausgehe), ist das Geld schnell wieder eingespielt. 

Alles total legitim, aber es "Deutschen Kinderbuchpreis" zu nennen, dann doch etwas vermessen.

 

Wie immer nur meine Meinung

Sabine

Bearbeitet von SabineB
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vor 8 Stunden schrieb SabineB:

Man fordert "indirekt" etablierte Autorinnen und Autoren auf, doch mal ein Kinderbuch zu schreiben.

Dann aber erst für die Preisverleihungen im kommenden oder übernächsten Jahr, denn für die angekündigte müssen die Bücher ja bereits geschrieben und veröffentlicht sein bzw. kurz vor der Veröffentlichung stehen.

Ich bin gespannt, welches Buch dieses Jahr den so großzügig dotierten Preis gewinnen wird. Gespannt bin ich auch darauf, ob 2022 und 2023 berühmte Namen auf der Shortlist auftauchen werden, weil sie erstmals ein Kinderbuch geschrieben haben. Und welcher Shortlist-Titel dann vor den Augen der Kinderjury besteht.:s13

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vor 9 Stunden schrieb Luise:

Ich sehe den Preis auch kritisch, aber als Kinderbuchautorin sehe ich genauso die Meinung kritisch, so ein Kinderbuch mit den paar wenigen Seiten ist ja schnell geschrieben. 

Luise,

so habe ich das nicht gemeint. Wenn ich Dir damit zu Nahe getreten bin, entschuldige bitte.

Was ich sagen wollte, ist, dass man zwanzig bis hundert Seiten in der Regel schneller fertig hat als einen Schmöker mit fünfhundert Seiten.

Sabine

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Ich finde es ehrlich gesagt merkwürdig, die Würdigung eines Buches mit Weltraumvermüllung zu verbinden :D

Ist ja vielleicht als schöne Geste gedacht, aber kann man das nicht anders ausdrücken, dass die Fantasie der Kinder „nicht auf der Erde aufhört“? Ich finde, da sollten sie lieber Bücher spenden oder Bäume pflanzen oder Plastik aus dem Meer fischen, sprich irgendetwas, von dem zukünftige Generationen auch profitieren. So wirkt es ein bisschen willkürlich ...

Bearbeitet von KatharinaR
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vor 2 Stunden schrieb SabineB:

Luise,

so habe ich das nicht gemeint. Wenn ich Dir damit zu Nahe getreten bin, entschuldige bitte.

Was ich sagen wollte, ist, dass man zwanzig bis hundert Seiten in der Regel schneller fertig hat als einen Schmöker mit fünfhundert Seiten.

Sabine

Liebe Sabine, ja, tatsächlich hat mich das etwas angekratzt. Natürlich braucht zB ein historischer Roman mehr Zeit als ein Kinderbuch. Aber die Meinung, ach, so was ist ja schnell runtergeschrieben, die ist leider vorherrschend. Das schlägt dann in dieselbe Kerbe wie die Ausrichter des Preises, die anscheinend denken, Kinderbuch kann ja jeder, also könnte doch auch ein Ferdinand von Schirach mal eins schreiben. 

Aber ich danke dir für deine Antwort, Sabine, damit ist es okay für mich. 

LG Luise 

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vor 4 Stunden schrieb SabineB:

Was ich sagen wollte, ist, dass man zwanzig bis hundert Seiten in der Regel schneller fertig hat als einen Schmöker mit fünfhundert Seiten.

Das würde ich so nicht sagen. Ich habe mal - mit freundlicher Unterstützung einer Kinderbuchautorin hier aus dem Forum, die mehrfach über meinen Text geschaut hat - versucht, ein Buch für Erstleser zu schreiben (wurde leider von den großen Kinderbuchverlagen abgelehnt). Es waren ca. 7.000 Anschläge dafür nötig. Der gesamte Prozess, einschließlich mehrfacher Überarbeitung, hat mich bedeutend mehr Zeit gekostet als ein Heftroman mit dem mehr als Zwanzigfachen an Anschlägen. Wobei ich nicht sagen will, dass ein Heftroman sich mal eben so schreibt, auch da ist mehr Können nötig, als die meisten glauben.

vor 2 Stunden schrieb Luise:

Das schlägt dann in dieselbe Kerbe wie die Ausrichter des Preises, die anscheinend denken, Kinderbuch kann ja jeder, also könnte doch auch ein Ferdinand von Schirach mal eins schreiben. 

Ich habe das in dem Interview anders verstanden. Ich glaube, gemeint war eher die Thematik, derer sich Ferdinand von Schirach oft annimmt: moralische Dilemmata, die nicht (so einfach) zu lösen sind, weil es kein eindeutiges Schwarz und Weiß gibt. Wobei ich allerdings denke, dass sich erstens die Kinderbuchverlage an solche Thematiken nicht heranwagen, weil sie letztlich nicht die Kinder, sondern die Eltern überzeugen müssen, das Buch zu kaufen, und zweitens Kinder im Alter von vier bis acht Jahren (denn das ist die anvisierte Zielgruppe dieser Ausschreibung) von so einem Thema tatsächlich überfordert wären, denn in dem Alter brauchen sie das eindeutig identifizierbare Gute bzw. Böse noch.

Bearbeitet von KerstinH
Rechenfehler :-)
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vor 3 Stunden schrieb KerstinH:

Ich habe das in dem Interview anders verstanden. Ich glaube, gemeint war eher die Thematik, derer sich Ferdinand von Schirach oft annimmt: moralische Dilemmata, die nicht (so einfach) zu lösen sind, weil es kein eindeutiges Schwarz und Weiß gibt. Wobei ich allerdings denke, dass sich erstens die Kinderbuchverlage an solche Thematiken nicht heranwagen, weil sie letztlich nicht die Kinder, sondern die Eltern überzeugen müssen, das Buch zu kaufen, und zweitens Kinder im Alter von vier bis acht Jahren (denn das ist die anvisierte Zielgruppe dieser Ausschreibung) von so einem Thema tatsächlich überfordert wären, denn in dem Alter brauchen sie das eindeutig identifizierbare Gute bzw. Böse noch.

Das ist ein interessanter Gesichtspunkt, Kerstin, und erlaube mir da eine andere Meinung. Nicht zu den Auswahlkriterien von Kinderbuchverlagen. Da stimme ich dir zu. Deren Kriterien schließen leider meist derartige Thematiken aus. Aber ich denke, dass Kinder im Alter von 4 bis 8 Jahren sehr wohl an moralischen Fragen und vor allem auch an Dilemmas interessiert sind. Ein Beispiel:

Sind Katzen böse, weil sie Mäuse fressen? Darf man Katzen (lange?) festhalten, damit sie aufhören, Mäuse zu fressen?

Die Fragen sind authentisch und sehr komplex.  Es geht um gut und böse, also moralische Werte, bezogen auf Tiere, von denen viele Erwachsene annehmen, dass sie nicht über die Reflexion verfügen, um überhaupt Moral zu entwickeln. Das stimmt zwar nicht zu 100 Prozent, lässt aber für die meisten Erwachsenen die Fragen kindlich erscheinen. Das Kind unterstellt hier den Tieren, die andere Tiere fressen und gefressen werden, dieselben moralischen Ansprüche, die es den Menschen unterstellt. Und das muss man als AutorIn  oder VorleserIn erst mal erkennen. Denn hier wird es spannend. Oder es kann spannend werden, wenn man sich darauf einlässt. Gelten denn dieselben moralischen Ansprüche für Menschen und für andere Tiere? Immerhin setzen wir dem Kind gebratenes Hühnerbeinchen vor. Meine Kinder - das sind die mir den Fragen nach Katzen und Mäusen - wollten dann wissen, ob das Huhn es denn merkt, wenn es gegessen wird und ob es das mag und ob es jetzt wirklich tot ist. Und ob die Uroma das dann wirklich vom Himmel aus sehen kann, wenn du das Hühnchen isst. Und dass die Würmer ja dazu da sind, die Erde richtig durchzuwühlen und dazu, dass die Vögel sie fressen können. Aber wozu denn die Menschen eigentlich da sind. Die machen doch alles kaputt. - So gesprochen in unserem Garten. Philosophie von Kindern. Das ist es, was den kindlichen Geist voran treibt. Und an der Welt der Kinder sollten Kinderbücher anknüpfen. Nach meiner Ansicht.

 

 

 

Bearbeitet von Manfred
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Ja, ganz unbedingt. Ich wollte mit meinem letzten Satz auch eher drauf hinaus, dass Kinder weniger moralisch denken (wobei ich einen Unterschied zwischen moralisch und ethisch mache) als vielmehr nach Gefühl handeln, und sie wollen aus einem Konflikt unbedingt mit einem guten Gefühl herausgehen. Je kleiner sie sind, desto weniger gut können sie Negatives aushalten. Schirach stellt ja seine Leser oft vor ein moralisches Dilemma, und wir erkennen dann, dass es keinen Gewinner geben kann in der von ihm konstruierten Situation, alle sind mehr oder weniger Verlierer. Kinder - so glaube ich (ich habe mal einige Zeit in einem Kindergarten gearbeitet) - gehen eher ethisch vor, sie lassen im Notfall einfach beide Seiten gewinnen, egal, ob das logisch ist oder nicht. Nur die eindeutig Bösen verlieren. Die Hexe wird gebraten, und die Katze kriegt ab jetzt eben Grünkernbratlinge in Mausform. Kinder haben oft sehr interessante Lösungen, die ihren Wertekodex nicht verletzen, weil sie - je jünger, desto mehr - noch darauf angewiesen sind, dass das Gute stärker ist (ansonsten erschüttern wir sie in einem zu frühen Alter zu nachhaltig). Nach der Logik der Erwachsenen (Eltern/Lektoren) müsste so ein Dilemma wie in der Erwachsenenwelt gelöst werden, nämlich realistisch. Ich glaube, das ist die Crux bei den Verlagen.

PS: Wir haben in der Bekanntschaft einen Jungen, jetzt siebzehn, der hat ab sechs Jahren konsequent Fleisch verweigert, und zwar aus ethischen Gründen. Der ist inzwischen sogar vegan. Dieses Dilemma war für ihn aber nur zu lösen (bzw. war letztlich keins), weil die Eltern es akzeptierten und ihn tatsächlich extra bekochten, sie selbst und die jüngere Schwester essen bis heute Fleisch. Da gab es keinen Liebesentzug wie vielleicht noch eine Generation zuvor, wo gegessen werden musste, was auf den Tisch kommt, und wo es beim Nichtaufessen Sanktionen gab, an denen die kindliche Welt zerbrochen wäre. Oder zumindest Mami ganz, ganz traurig war - eine moralische (nicht ethische) Erpressung, die für ein Kind nicht auszuhalten ist. 

Bearbeitet von KerstinH
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Kerstin, in Schulbuchverlagen gibt es sogenannte "Dilemmageschichten", die versuchen, auf kindgerechte Weise solche Zwickmühlen zu thematisieren, Ende offen. Ich schreibe gerade an so einem Projekt. Wobei diese Geschichten üblicherweise so angelegt sind, dass sie als Gesprächseinstieg für die Klasse dienen. Und sie sind auch nicht ausweglos, sie verlangen nur eine Entscheidung, die immer Folgen haben wird, und die nicht für die lesenden Kinder getroffen wird.

Kinderbücher dagegen haben üblicherweise kein offenes Ende, das stimmt. Da kann innerhalb des Buches eine Zwickmühle behandelt werden, aber es gibt dann innerhalb der Geschichte eigentlich auch immer ein klares Ende.

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Ich habe es auch so verstanden, dass es nicht so sehr um den Bekanntheitsgrad des Namens von Schirach geht, sondern das ein Hinweis sein sollte, dass durchaus gesellschaftliche Themen gesucht werden.

 

 

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Ich bin mal gespannt, ob sich durch diesen Preis ein neuer Markt auftun wird: Ghostwriter/in für Kinderbücher. 

Vorne auf dem Titel steht dann als Autor/in der Name eines Promis, die/der bestenfalls den Text einmal gelesen hat, bevor sie/er damit durch die Talkshows tingelt. Und geschrieben hat das ein/e kleine/r Autor/in, der/die niemand kennt, der/die aber schön für Kinder schreiben kann. 

In welchem Verhältnis dann wohl der Preis geteilt wird? 90:10 für Frau/Herrn Berühmtheit? Oder gibt es für die/den Autor/in gar nichts? 

:s09

Olaf Fritsche 

www.seitenrascheln.de

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