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Wolf

Die eigene Stimme finden und Ähnliches

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Wie häufig sind irgendwelche Diskussionen im Freundeskreis Anlass für solche Themen. Es scheint wohl zu sein, dass es für etliche Jungautoren ungemein wichtig ist, ihre eigene Stimme zu finden, und dieses Bestreben hat eine beinahe schon mystische Bedeutung. Ich selber habe nie danach gesucht und weiß nur, dass ich eine habe. Ob sie mir gefällt, weiß ich alldings nicht so richtig. Manchmal hadere ich auch mit ihr. Aber ich kann daran arbeiten. Sie verändert sich ohnehin mit dem Grad der Schreibroutine und dem Alter, weil man sich selbst ebenfalls mit dem Alter ändert.

Dann kam die Meinung auf, dass die eigene Stimme am deutlichsten in der Erzählstimme zum Ausdruck kommt, was ich sofort bestritten habe. Aber nach längerem Nachdenken könnte etwas daran sein, auch wenn eigene Stimme und Erzählstimme ganz bestimmt nicht das Gleiche sind. Nun sind meine eigenen Erfahrungen mit der Erzählstimme begrenzt. Da ich eine besondere Art von Fantasyromanen schreibe, ist meine Erzählstimme immer die gleiche. Die eines Großvaters am abendlichen Herd - oder so ähnlich. Auf alle Fälle betulich. Allerdings hatte ich in meiner Kurzgeschichtenphase niemals das Problem, jede nötige Erzählstimme zu schreiben, sodass ich beinahe der Ansicht bin, dass die Erzählstimme eine reine Handwerksfrage ist.

Dazu würde ich gerne eure ansichten und Erfahrungen hören, damit ich nicht zu lange im eigenen Saft koche.
Ich schreibe im Augenblick so nebenbei und zum puren Vergnügen einen Kurzroman, zu dem des gar keinen Markt gibt. Und dessen Erzählstimme ist nun ganz und gar nicht betulich, weil er in der Jetztzeit spielt.

Liebe Grüße
Wolf

 

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Michael Beisteiner

Wie du bereits vorskizzierst, finde ich auch, dass die Erzählstimme eine Handwerksfrage ist. Seit geraumer Zeit habe ich den Eindruck, dass immer mehr zeitgenössische Autoren stilistisch nahezu gleich klingen. Ich vermute, es liegt am Zeitdruck, an Abgabeterminen, denn einen markanten Stil herauszuarbeiten, braucht eben viel Zeit, Aufwand und Geduld. Anfänglich wenigstens, hat man ihn einmal gefunden, seinen sog. eigenen, läufts rascher. Es ist ja letztlich auch wieder eine Vermarktungsfrage, hat man einmal mit einem bestimmten Stil einen Erfolg, erwarten sich Leserinnen eben noch mehr davon. Ein Autor sollte jedenfalls schon eine kräftige, eigene Stimme haben, denke ich, und zu einem Teil gründet sie letztlich auch in seinen Inhalten.

 

Zuletzt erschienen: Der Tomatenrebell (wortweit)

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An diesem Thema rätsle ich auch schon ewig herum. Kann man überhaupt "an seiner Stimme arbeiten" – ist das nicht automatisch ein "seine Stimme verstellen", wenn man es bewusst tun will? Richtet man nicht mehr Schaden als Nutzen an, wenn man groß darüber nachdenkt? (So nach dem Motto "heute nachmittag um 15 Uhr will ich mal ganz spontan sein".)

Den Ansatz, dem man manchmal begegnet und der da lautet: "Ich les' nix von anderen, um mir meinen Stil nicht zu versauen" – den halte ich allerdings für grundfalsch. Rein intuitiv. :)

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vor 54 Minuten schrieb Michael Beisteiner:

Seit geraumer Zeit habe ich den Eindruck, dass immer mehr zeitgenössische Autoren stilistisch nahezu gleich klingen.

Das mag am Lektorat liegen. Zumindest empfinde ich das so. Zurzeit stecke ich wieder tief in der Bearbeitung eines Lektorats. Und es ist wie immer bei mir, dass man versucht, mir meine Eigenarten wegzunehmen. Das ist nicht bös gemeint, die Lektorin tut nur ihren Job, aber viele ihrer Änderungsvorschläge führen zu einer Verflachung oder Neutralisierung meiner Sprache. Es sind Kleinigkeiten, aber die verändern Klang und Rhythmus. Nur ein kleines Beispiel: Manchmal, in kurzen Sätzen, lasse ich das Verb weg. Prompt wird eines eingefügt. Das ist dann aber nicht mehr mein Satz, sondern der einer Deutschlehrerin. Das macht das Lektorat etwas mühsam, denn ich muss mir alles genau anschauen und wo nötig zurückkorrigieren, sonst ist das am Ende nicht mehr meine Stimme (wenn man das Stimme nennen kann) oder meine eigene Schreibweise. Es führt sonst zu einem sterileren, reingewaschenen Text.

Wenn das vielen Autoren so geht und sie sich nicht durchsetzen, mag das der Grund dafür sein, dass sie stilistisch gleich klingen.

Die Montalban-Reihe, Die Normannen-Saga, Die Wikinger-Trilogie, Bucht der Schmuggler, Land im Sturm, Der Attentäter, Die Kinder von Nebra, www.ulfschiewe.de

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vor 4 Minuten schrieb Ulf Schiewe:

Es sind Kleinigkeiten, aber die verändern Klang und Rhythmus. Nur ein kleines Beispiel: Manchmal, in kurzen Sätzen, lasse ich das Verb weg. Prompt wird eines eingefügt. Das ist dann aber nicht mehr mein Satz, sondern der einer Deutschlehrerin.

Das kenne ich auch. Bei mir braucht es immer eine Zeit, bis sich Lektorin und Autorin im Lektorat auf den Sprachduktus eingestellt haben. Und ja, es sind Winzigkeiten. Aber ich begründe das dann auch immer, warum ich diese Änderung nicht annehme, damit die Lektorin dann weiß, wie ich ticke. Ab dem zweiten Lektorat flutscht das dann eigentlich immer von selbst.

 

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vor 1 Stunde schrieb Michael Beisteiner:

Ein Autor sollte jedenfalls schon eine kräftige, eigene Stimme haben, denke ich, und zu einem Teil gründet sie letztlich auch in seinen Inhalten.

Jeder Mensch und jeder Autor hat eine Stimme. Nur klingt sie natürlich verschieden, ist mal lauter, mal leiser und erreicht sein Gegenüber auf unterschiedliche Weise. Meine Stimme ist mir bekannt, und auch die mancher anderer Autoren. Die Frage, ob man sich verstellt, wenn man daran arbeitet: Ich hatte das mal ausprobiert, nach Lektüre eines Schriftstellers aus dem 19. Jahrhundert eine Kurzgeschichte in seinem Stil geschrieben und in einer Schreibwerkstatt eingestellt. Die Reaktionen: Die machen aber lange Sätze in der Werkstatt!-pathetisch-grandios! Hat meinen Stil aber nicht weiter beeinflusst, es war ja nur ein Experiment.

Dagegen können Lektoren schon sehr in den Stil eingreifen. Ich habe manchmal den Eindruck, als wenn jedes krause Löckchen und jede Originalität störend wirke. Das kann man verteidigen, wo es richtig und wichtig ist. Dankbar bin ich dagegen für die Eingriffe bei Wiederholungen, Füllwörtern und logischen Dingen.

Wenn viele zeitgenössische Autoren mehr oder weniger gleich klingen, liegt es nicht unbedingt nur am Lektorat, glaube ich. Möglicherweise denken manche Lektoren und Autoren, die Leser wollten es immer schön gleich haben, auch im Stil. 

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vor 51 Minuten schrieb AndreasE:

An diesem Thema rätsle ich auch schon ewig herum. Kann man überhaupt "an seiner Stimme arbeiten" – ist das nicht automatisch ein "seine Stimme verstellen", wenn man es bewusst tun will? Richtet man nicht mehr Schaden als Nutzen an, wenn man groß darüber nachdenkt? (So nach dem Motto "heute nachmittag um 15 Uhr will ich mal ganz spontan sein".)

Den Ansatz, dem man manchmal begegnet und der da lautet: "Ich les' nix von anderen, um mir meinen Stil nicht zu versauen" – den halte ich allerdings für grundfalsch. Rein intuitiv. :)

So sehe ich das auch. Ich habe mir nie Gedanken um "meine Stimme" gemacht. Ich schreibe eben so, wie ich schreibe. Und das verändert sich natürlich mit zunehmendem Alter und Erfahrung. 

LG Cornelia

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Das Witzige ist, ich könnte meine Stimme nicht definieren, aber ich erkenne sie: Einmal hat eine Lektorin in einem meiner Romane ganze Passagen ausgetauscht gegen welche, die sie selber geschrieben hat, nur als Vorschlag gemeint, wie ich irgendein Problem der Geschichte lösen könne. Danke, hab ich gesagt, es reicht, wenn Sie mir das Problem nennen, lösen ist mein Job. Ich hab also ihre Passagen rausgelöscht und die entsprechenden Stellen neu geschrieben. Aber: In den Fahnen waren dann noch ein paar ihrer Passagen anstatt meiner! Der inhaltliche Unterschied war gering, aber ich habe beim Überfliegen (!) sofort gesehen: Das ist doch nicht von mir! Und als ich's anhand der Manuskriptdateien nachgeprüft habe, war's tatsächlich so, in allen Fällen, wo ich gestutzt habe.

Rätselhaft.

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Wenn ich sage, dass ich manchmal mit meiner Stimme hadere, meine ich damit, dass mir einige Kleinigkeiten, die für mich typisch sind, nicht mehr so recht gefallen wollen. Diese ändere ich dann bei der Überarbeitung und hoffe, dass sie in Zukunft nicht mehr auftauchen. An der eigenen Stimme kann man nur das bearbeiten, was man kennt. Sie bewusst formen, kann man wahrscheinlich auch. Aber ich bewundere die Autoren, die auffällig unauffällig schreiben. Die formlose Form, wenn es so etwas geben würde.

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vor 4 Stunden schrieb Ulf Schiewe:

Das mag am Lektorat liegen.

Na, na, naa :-) ... die tragen nicht an allem die Schuld.

 

nein, es liegt definitiv an den Autoren, die sich "gegenseitig" kopieren und im schlimmsten Fall auch noch sich selbst ... 

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Vor etlichen Jahren war ich mal sicher, dass diese ähnlichen Arten zu schreiben an dem Leipziger Institut lagen - das war schon fast sowas wie eine Leipziger Schule der Literatur :)

Vielleicht habe ich mir das auch eingebildet, habe es dann nicht mehr verfolgt...

Ansonsten, ja, stören mich auch bereits Adjektive, die ich nie verwenden würde, wenn sie mir "untergeschoben" werden sollen. Sie mag unspektakulär klingen, aber meine Stimme ist meine Stimme.

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Michael Beisteiner
vor 7 Stunden schrieb Ulf Schiewe:

Das mag am Lektorat liegen. Zumindest empfinde ich das so. Zurzeit stecke ich wieder tief in der Bearbeitung eines Lektorats. Und es ist wie immer bei mir, dass man versucht, mir meine Eigenarten wegzunehmen. Das ist nicht bös gemeint, die Lektorin tut nur ihren Job, aber viele ihrer Änderungsvorschläge führen zu einer Verflachung oder Neutralisierung meiner Sprache. Es sind Kleinigkeiten, aber die verändern Klang und Rhythmus.

 

Doch, das liegt womöglich auch am Lektorat, kann ich mir gut vorstellen. Wie du schreibst, Kleinigkeiten verändern Klang und Rhythmus, und ebendiese Kleinigkeiten verschlingen in der Bearbeitung eine Menge Zeit, bei mir jedenfalls. Ich empfinde diese Eingriffe auch als Neutralisierung der Sprache. Und ich finde das ausgesprochen schade. Wie Christa an anderer Stelle im Thread schreibt, jede Auffälligkeit, Andersartigkeit wird ausgebügelt. Letztlich schreiben die Autoren dann bereits wie die Verlage es erwarten, das bedingt sich wechselseitig.

Bearbeitet von Michael Beisteiner

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Michael Beisteiner
vor 2 Stunden schrieb Frau Klein:

Na, na, naa :-) ... die tragen nicht an allem die Schuld.

 

nein, es liegt definitiv an den Autoren, die sich "gegenseitig" kopieren und im schlimmsten Fall auch noch sich selbst ... 

Na, an allem nicht, aber die Finger haben sie dabei schon im Spiel, denke ich. Aber auch das Copy-Cat-Syndrom geht oft breitflächig um.

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vor 6 Stunden schrieb Christa:

Dagegen können Lektoren schon sehr in den Stil eingreifen. Ich habe manchmal den Eindruck, als wenn jedes krause Löckchen und jede Originalität störend wirke.

Wenn viele zeitgenössische Autoren mehr oder weniger gleich klingen, liegt es nicht unbedingt nur am Lektorat, glaube ich. Möglicherweise denken manche Lektoren und Autoren, die Leser wollten es immer schön gleich haben, auch im Stil. 

Den Eindruck habe ich auch, allerdings kommt es wiederum auf den Verlag an, Eigensinnigkeit ist seiner Natur nach nicht Mainstream. (Obwohl, so nach und nach ...) Ich denke auch, dass die Homogenität ein Gemeinschaftsprodukt von Autoren, Verlegerinnen und Lesern ist. Womöglich ist es nur eine Blase, in der jeder die jeweils angepassten Erwartungen der anderen erfüllt.

"Das Glatte ist die Signatur der Gegenwart. Es verbindet Skulpturen von Jeff Koons, iphone und brazilian waxing.” (Aus dem Buch "Die Errettung des Schönen" von Byung-Chul Han.)

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Weil hier immer wieder strukturelle Begriffe erwähnt wurden, über die sich "die eigene Stimme" erkennen (oder sogar finden) ließe, also so was wie: Satz ohne Verb, Adjektive viel oder wenig – ich glaube nicht, dass die erkennbaren Erzählerstimmen sich rein formal herstellen. Nicht dass ich genau sagen könnte, worüber eine Erzählerstimme ihre Eigenheit erhält, da möchte ich erst mal nur vermuten: Hat es nicht vielleicht auch etwas mit der Themenwahl zu tun? Auch mit einer Stellung zur Welt (kritisch oder affirmativ in vielen Ausformungen)? Ich kann aber jedenfalls auf Anhieb eine Reihe von Autoren nenne, deren Stimme ich realtiv schnell und ohne Nachschlagen erkennen würde. Was keine Wertung ist, in der (unvollständigen) Aufzählung befinden sich sowohl Autoren, die ich schätze, als auch solche, die ich weniger mag:

Wolf Haas, John Irving, Erich Kästner, Franz Kafka, Joachim Meyerhoff, Michael Köhlmeier, Karl May, James Salter, Patrick Süßkind, Uwe Timm, John Updike.

Es wäre vielleicht ein schönes Experiment, einen Kanon von Autoren zu erstellen, die möglichst vielen intensiver bekannt sind und mittels Textpassagen erraten werden sollten - eine Art literarischer Blindverkostung. Die SZ macht so was immer zu Weihnachten und es sind immer viele dabei, von denen ich noch nicht mal die Namen je gehört habe. Wenn ich aber jemals was von einem gelesen habe, erkenne ich ihn auch. Was nicht an mir liegt, sondern an ihm/ihr – an seiner/ihrer Stimme eben.

 

Laudatio auf eine kaukasische Kuh. Eichborn 2021. 

Alicia jagt eine Mandarinente. dtv premium März 2018. Die Grammatik der Rennpferde. dtv premium Mai 2016

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vor 13 Stunden schrieb Michael Beisteiner:

Eigensinnigkeit ist seiner Natur nach nicht Mainstream.

Wir hatten mal eine ewig lange Debatte über das, was man so Mainstream nennt. Aber ich glaube, dem könnte man (in der Mehrheit) Glattgebügeltes hinzufügen. Dann gibt es aber noch die vielen Autoren mit einer wirklich unverkennbaren Stimme, die regelmäßig auf den Bestsellerlisten landen oder zumindest in den Buchhandlungen sichtbar aufgestellt sind.

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vor 11 Stunden schrieb Angelika Jo:

Weil hier immer wieder strukturelle Begriffe erwähnt wurden, über die sich "die eigene Stimme" erkennen (oder sogar finden) ließe, also so was wie: Satz ohne Verb, Adjektive viel oder wenig – ich glaube nicht, dass die erkennbaren Erzählerstimmen sich rein formal herstellen. Nicht dass ich genau sagen könnte, worüber eine Erzählerstimme ihre Eigenheit erhält, da möchte ich erst mal nur vermuten: Hat es nicht vielleicht auch etwas mit der Themenwahl zu tun? Auch mit einer Stellung zur Welt (kritisch oder affirmativ in vielen Ausformungen)? Ich kann aber jedenfalls auf Anhieb eine Reihe von Autoren nenne, deren Stimme ich realtiv schnell und ohne Nachschlagen erkennen würde. Was keine Wertung ist, in der (unvollständigen) Aufzählung befinden sich sowohl Autoren, die ich schätze, als auch solche, die ich weniger mag:

Wolf Haas, John Irving, Erich Kästner, Franz Kafka, Joachim Meyerhoff, Michael Köhlmeier, Karl May, James Salter, Patrick Süßkind, Uwe Timm, John Updike.

Es wäre vielleicht ein schönes Experiment, einen Kanon von Autoren zu erstellen, die möglichst vielen intensiver bekannt sind und mittels Textpassagen erraten werden sollten - eine Art literarischer Blindverkostung. Die SZ macht so was immer zu Weihnachten und es sind immer viele dabei, von denen ich noch nicht mal die Namen je gehört habe. Wenn ich aber jemals was von einem gelesen habe, erkenne ich ihn auch. Was nicht an mir liegt, sondern an ihm/ihr – an seiner/ihrer Stimme eben.

Klar, dass man eine Stimme nicht an ihrer Verwendung von Adjektiven festmachen kann. Ich würde sie vielleicht auch an Themenwahl, Satzbau, Satzlänge, an den Metaphern und an dem "Timbre" erkennen. Ein solches Experiment, wie du es erwähnst, würde mir auch Spaß machen. Die Namen kenne  ich alle bis auf James Salter. Erkennen würde ich möglicherweise Kästner, Kafka, Karl May und Patrick Süskind. Und von den Nichtgenannten zum Beispiel Thomas Mann - wegen der langen Sätze und der Detailgenauigkeit.

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Paul Maar hat übrigens in seinem Buch "Die Schlange im Wolfspelz" zweimal so ein "Literaturquiz" ans Ende von Kapiteln gestellt, in denen er zuvor den Stil diverser Autoren analysiert hat. Das ist dann ein bisschen wie eine Abschlussprüfung nach 200 Seiten Stilkunde (und man ist nicht wenig stolz auf sich, wenn man wenigstens Hildegard Knef und Wolfgang Herrndorf erkannt hat). Überhaupt ein tolles Buch, das man nicht von der ersten bis zur letzten Seite lesen muss – irgendwo aufschlagen und anfangen, geht auch. :)

Laudatio auf eine kaukasische Kuh. Eichborn 2021. 

Alicia jagt eine Mandarinente. dtv premium März 2018. Die Grammatik der Rennpferde. dtv premium Mai 2016

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Ich weiß nicht mehr, wer mir hier Paul Maar empfohlen hat. Das Buch ist wie ein guter spanischer Weinbrand. Nach drei Gläschen kann man kein weiteres trinken, weil die Geschmacksknospen absolut zu sind. So geht es mir bei diesem Buch. Mehr als ein paar Seiten schaffe ich nie. Immerhin bin ich irgendwo auf Seite 160 oder so.

Ist zwar OT. Aber nochmal Danke an werimmer es mal aufs Tapet brachte.

Wolf

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Ich denke auch nie über "meine" Stimme nach, sondern nur über die Stimme meiner Protagonisten. In einem nicht publizierten Frühwerk konnte man die Stimmen der beiden Perspektivfiguren sehr gut auseinanderhalten, die eine fluchte ständig, während die anderen mit Fremdwörtern um sich schmiss. Ob man meine Bücher erkennen kann, weiß ich nicht, aber ich hätte eine nette Anekdote dazu: Meine Schwester meinte zu "Orangenblütenjahr", das wäre endlich mal ein Roman, der nach mir klingen würde. Für sie war das ein Kompliment, ich habe nur gelacht:  Die Perspektivfigur war die erste und einzige Frau bislang, die so alt wie ich mir auch noch in anderem geähnelt hat. Da habe ich wirklich frei von der Leber weggeschrieben und wenig über die Stimme meiner Prota nachgedacht. Aber im Moment schreibe ich einen Text, in dem auch eine Fünfjährige zu Wort kommt - schwierig und natürlich ganz anders. Ich hoffe, sie klingt überhaupt nicht nach mir!

Was mir auch noch einfällt: im Rohentwurf, den ich immer sehr flow-mäßig schreibe, sind oft wahnsinnig komplizierte Bandwurmsätze drin. Die klingen wie ich denke und werden von mir, nicht von irgendeiner Lektorin, nein: von mir mir wegen Unlesbarkeit eliminiert.

@Angelika Jo : Hildegard Knef hat einen wirklich unverwechselbaren Stil. Obwohl es viele Jahre her ist, dass ich den geschenkten Gaul gelesen habe - diese atemlosen Stakkatosätze würde ich immer wieder erkennen.

 

 

Bearbeitet von UlrikeS
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Zum Thema Literaten an ihrem Stil, ihrer Sprache, und natürlich auch ihren Inhalten erkennen hatten wir ja vor einem Jahr im ersten Lockdown mit unserer Dresdner Gruppe WortWechsel ein kleines Quiz gestartet. Wer mag, kann sich ja im Archiv noch mal vergnügen:

http://www.wortwechsel-dresden.de/2018/03/30/der-schriftsteller-als-homo-politicus-ein-literaturquiz/

Damals war ich schon platt, wie wenig von dem, was die Kolleg;innen eingebracht hatten, ich erkannt habe. Wo ich ziemlich gut bin: bei Journalist:innen. Vor fast 30 Jahren habe ich in einer Dortmunder Lokalredaktion gearbeitet, bis vor Kurzem (mittlerweile ist die ganze Zeitung eingestampft) habe ich mir bei Besuchen einen Spaß daraus gemacht, nur anhand der Überschriften die Autor:innen herauszufinden. Und lag fast immer richtig. Ebenso ergeht es mir mit den Autor:innen der SZ und der ZEIT.

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vor 1 Stunde schrieb BeateB:

Zum Thema Literaten an ihrem Stil, ihrer Sprache, und natürlich auch ihren Inhalten erkennen hatten wir ja vor einem Jahr im ersten Lockdown mit unserer Dresdner Gruppe WortWechsel ein kleines Quiz gestartet. Wer mag, kann sich ja im Archiv noch mal vergnügen:

http://www.wortwechsel-dresden.de/2018/03/30/der-schriftsteller-als-homo-politicus-ein-literaturquiz/

Damals war ich schon platt, wie wenig von dem, was die Kolleg;innen eingebracht hatten, ich erkannt habe. Wo ich ziemlich gut bin: bei Journalist:innen. Vor fast 30 Jahren habe ich in einer Dortmunder Lokalredaktion gearbeitet, bis vor Kurzem (mittlerweile ist die ganze Zeitung eingestampft) habe ich mir bei Besuchen einen Spaß daraus gemacht, nur anhand der Überschriften die Autor:innen herauszufinden. Und lag fast immer richtig. Ebenso ergeht es mir mit den Autor:innen der SZ und der ZEIT.

Toll, danke Beate! Ich habe einmal Paul Celan und ganz am Ende Harper Lee erkannt. Sonst nix. Nicht im Entferntesten.

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vor 10 Stunden schrieb Angelika Jo:

Paul Maar hat übrigens in seinem Buch "Die Schlange im Wolfspelz" zweimal so ein "Literaturquiz" ans Ende von Kapiteln gestellt, in denen er zuvor den Stil diverser Autoren analysiert hat. 

Du meinst Michael Maar :) Klugscheisser-Modus off ;) 

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vor 9 Stunden schrieb Lisa:

Du meinst Michael Maar :) Klugscheisser-Modus off ;) 

Stimmt. Dabei liegt (lag) das Buch brettelbreit vor mir am Tisch!

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