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MelanieM

Neunjährige oder Neunjähriger?

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Ich habe gerade von zwei Testleserinnen die Rückmeldung gekriegt, dass sie der Meinung sind, es müsse "als Neunjährige" heißen.

Der Satz, um den es geht, lautet folgendermaßen:

Zwanzig Jahre war es her, seit ihr Vater ihr als Neunjähriger zum ersten Mal die Zügel in die Hand gedrückt hatte.

M.E. muss es als Neunjähriger heißen - er drückte ihr als neunjähriger Tochter die Zügel in die Hand - und wenn man Tochter weglässt, bleibt m.E. das als Neunjähriger stehen. Für mich hört es sich sonst falsch an.

 

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Die Tochter ist doch neun Jahre alt, also eine Neunjährige. Bei deinem Satz hatte ich im ersten Moment den Gedanken, der Vater ist neun Jahre alt - ein Neunjähriger.

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Ja, aber er gibt der neunjährigen Tochter die Zügel. Ihr im Alter von neun Jahren. Als Neunjähriger.

Er gibt die Zügel ja auch seiner Tochter und nicht seine Tochter.

Bearbeitet von MelanieM
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Der erste Satz legt entweder missverständlich nahe, dass der Vater neun Jahre alt ist, oder, dass du besonders betonen möchtest, dass sie gerade mal neun Jahre alt ist („dass der Vater ihr, als gerade einmal Neunjähriger, die Zügel ...“) Verstehst du, was ich sagen will? :)

Edit: Ich nehme alles zurück, grammatikalisch ist es mit -r im Dativ natürlich richtig. Aber ich wäre als Leserin wohl auch über den Satz gestolpert.

Bearbeitet von KatharinaR
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Er gibt es ihr (Dativ), und bei diesem "als" wird der Kasus beibehalten, also hier auch Dativ: Neunjähriger.
Das ist wie: Sie als Auszubildende ist der Meinung ... - hier beide Male Nominativ. Aber: Mir als Auszubildender ist das noch nie passiert. Hier beide Male Dativ.

Aber ich würde es anders formulieren, da man es beim schnellen Lesen irrtümlich zuerst auch auf den Vater beziehen könnte, auch wenn das falsch wäre, wie Dania richtig sagt. Als sie neun Jahre alt war ... oder so (aber Achtung: Als-Satz ;-) ).

Vielleicht: Zwanzig Jahre war es her, seit sie als Neunjährige von ihrem Vater zum ersten Mal die Zügel in die Hand bekommen hatte. (In diesem Fall beide Male Nominativ. Das setzt sie auch grammatisch ins Passiv - das ist sie ja auch - und vermeidet zugleich das zweimalige ihr so kurz hintereinander).

Bearbeitet von KerstinH
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Ich würde Neunjährige schreiben. Das mit dem Dativ überzeugt mich auch nicht so ganz. "ihr" ist Dativ, aber wie geht es weiter? Ihr, als einer Neunjährigen. Oder: ihr, als eine Neunjährige, die sie ist. Neunjähriger kommt da gar nicht vor.

In solchen Fällen vote ich immer für das Plus in Verständnis und Klarheit.
Und ändern wirst Du den Satz sicherlich. Wer will schon stolpernde Leser?

Liebe Grüße
Wolf

 

Bearbeitet von Wolf
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vor 25 Minuten schrieb KerstinH:

Er gibt es ihr (Dativ), und bei diesem "als" wird der Kasus beibehalten, also hier auch Dativ: Neunjähriger.
Das ist wie: Sie als Auszubildende ist der Meinung ... - hier beide Male Nominativ. Aber: Mir als Auszubildender ist das noch nie passiert. Hier beide Male Dativ.

Aber ich würde es anders formulieren, da man es beim schnellen Lesen irrtümlich zuerst auch auf den Vater beziehen könnte, auch wenn das falsch wäre, wie Dania richtig sagt. Als sie neun Jahre alt war ... oder so (aber Achtung: Als-Satz ;-) ).

Vielleicht: Zwanzig Jahre war es her, seit sie als Neunjährige von ihrem Vater zum ersten Mal die Zügel in die Hand bekommen hatte. (In diesem Fall beide Male Nominativ. Das setzt sie auch grammatisch ins Passiv - das ist sie ja auch - und vermeidet zugleich das zweimalige ihr so kurz hintereinander).

Genauso stimmt es. als setzt zwei Größen miteinander gleich, inhaltlich wie morphologisch. 

Laudatio auf eine kaukasische Kuh. Eichborn 2021. 

Alicia jagt eine Mandarinente. dtv premium März 2018. Die Grammatik der Rennpferde. dtv premium Mai 2016

www.angelika-jodl.de

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vor 13 Minuten schrieb Wolf:

Ich würde Neunjährige schreiben. Das mit dem Dativ überzeugt mich auch nicht so ganz. "ihr" ist Dativ, aber wie geht es weiter? Ihr, als einer Neunjährigen. Oder: ihr, als eine Neunjährige, die sie ist. Neunjähriger kommt da gar nicht vor.

Du bist nur irritiert, @Wolf, weil du zwischen als und die Neunjährige einen Artikel geklemmt hast, der mit seiner Endung – einer – sämtliche Grammatikarbeit schon erledigt hat, nämlich anzuzeigen, dass das folgende Nomen feminin ist und sich im Dativ befindet. Auf als folgt aber normalerweise gar kein Artikelwort, was heißt, dass das Nomen diese Arbeit nun selbst stemmen muss. Und da die Neunjährige hier zwar als Nomen auftritt, innerlich aber ein Adjektiv geblieben ist , trägt sie eben nun die Endung, die ihr sonst der Artikel abgenommen hätte: ihr als Neunjähriger.

Laudatio auf eine kaukasische Kuh. Eichborn 2021. 

Alicia jagt eine Mandarinente. dtv premium März 2018. Die Grammatik der Rennpferde. dtv premium Mai 2016

www.angelika-jodl.de

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vor 2 Stunden schrieb Angelika Jo:

Du bist nur irritiert, @Wolf, weil du zwischen als und die Neunjährige einen Artikel geklemmt hast, der mit seiner Endung – einer – sämtliche Grammatikarbeit schon erledigt hat, nämlich anzuzeigen, dass das folgende Nomen feminin ist und sich im Dativ befindet. Auf als folgt aber normalerweise gar kein Artikelwort, was heißt, dass das Nomen diese Arbeit nun selbst stemmen muss. Und da die Neunjährige hier zwar als Nomen auftritt, innerlich aber ein Adjektiv geblieben ist , trägt sie eben nun die Endung, die ihr sonst der Artikel abgenommen hätte: ihr als Neunjähriger.

Vielen Dank! Dann lag ich ja doch richtig. Ich überlege, ob ich den Satz ggf. noch mal ändere, aber das kann ich immer noch im Lektorat tun, falls zu viele darüber stolpern. Ich denke aber, wenn man den Satz im gesamten Kontext liest, wird es eindeutig, denn der komplette Abschnitt lautet: 

 

Bereits als Kind war es für Friederike ein Abenteuer gewesen, wenn sie ihren Vater nach Lüneburg begleiten durfte. Auf diesen Fahrten hatte er sie gelehrt, die Droschke sicher durch die Gassen der Altstadt zu kutschieren. Vorbei an wuchtigen Brauereikutschen oder Händlern mit Handkarren, auf denen die Waren so hoch aufgestapelt waren, dass man kaum noch den Weg vor sich sehen konnte. Friederike hatte das Pferd stets sicher gelenkt, immer darauf bedacht, nicht die Auslagen der Geschäfte umzufahren, die viel zu weit auf die Straße reichten. Ihr Vater war stolz auf sie gewesen. Damals hatte sie nicht nur gelernt, dass er ihr bedingungslos vertraute, sondern auch, dass ein Mädchen alles im Leben erreichen konnte.

Zwanzig Jahre war es her, seit ihr Vater ihr als Neunjähriger zum ersten Mal die Zügel in die Hand gedrückt hatte.

Wie damals wehte ihr heute der warme Sommerwind ins Gesicht, während die Hufe ihres Pferdes auf dem Kopfsteinpflaster klapperten.

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Dieser Satz zeigt mir wieder mal, dass mein Sprachverständnis und die Grammatik zwei Fremde sind, die sich wohl nie sehr nahe kommen werden. Für mich müsste es "neunjährige" heißen. :s03 Aber wenn man mir es erklärt, leuchtet es mir ein. Wie gut dass meine Lektorinnen mich da an die Hand nehmen.

Und wie gut, dass es Angelika und Kerstin gibt.:)

LG

Martin

Bearbeitet von MartinC

_________________________________________________

www.martinconrath.de

Jede Art des Schreibens ist erlaubt - nur nicht die langweilige (Voltaire)

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Hallo Melanie,

ich komme mit dem Satz klar, würde aber "ihr mit neun Jahren", oder "seit der Vater ihr zum ersten Mal die Zügel in die Hand gedrückt hatte. Damals war sie erst neun gewesen." o.ä. besser finden.

Liebe Grüße
Beate

Man gräbt keine goldenen Halsbänder aus dem Boden. (John Vorhaus "Handwerk Humor")

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vor 9 Stunden schrieb MelanieM:

Bereits als Kind war es für Friederike ein Abenteuer gewesen, wenn sie ihren Vater nach Lüneburg begleiten durfte. Auf diesen Fahrten hatte er sie gelehrt, die Droschke sicher durch die Gassen der Altstadt zu kutschieren. Vorbei an wuchtigen Brauereikutschen oder Händlern mit Handkarren, auf denen die Waren so hoch aufgestapelt waren, dass man kaum noch den Weg vor sich sehen konnte. Friederike hatte das Pferd stets sicher gelenkt, immer darauf bedacht, nicht die Auslagen der Geschäfte umzufahren, die viel zu weit auf die Straße reichten. Ihr Vater war stolz auf sie gewesen. Damals hatte sie nicht nur gelernt, dass er ihr bedingungslos vertraute, sondern auch, dass ein Mädchen alles im Leben erreichen konnte.

Zwanzig Jahre war es her, seit ihr Vater ihr als Neunjähriger zum ersten Mal die Zügel in die Hand gedrückt hatte.

Wie damals wehte ihr heute der warme Sommerwind ins Gesicht, während die Hufe ihres Pferdes auf dem Kopfsteinpflaster klapperten.

Liebe Melanie,

ich hoffe, das ist nicht off topic, du hast ja nach der Grammatik gefragt, was von Kerstin und Angelika wunderbar beantwortet wurde (Danke!). Aber mir ist genau wie Kerstin der etwas holprige Rhythmus deines Satzes aufgefallen - und dann noch mal verstärkt im Kontext des längeren Abschnittes. Und da der Lesefluss dir ja sehr wichtig ist, dachte ich, ich mach dich - wie Kerstin - kurz darauf aufmerksam. Das "ihr ihr" macht den Rhythmus etwas holprig. Seit ihr Vater ihr als Neunjähriger ... Kerstins Vorschlag hat dagegen einen fließenderen Rhythmus und betont das Passive des Vorgangs: ihr wird etwas übergeben. Zwanzig Jahre war es her, seit sie als Neunjährige von ihrem Vater zum ersten Mal die Zügel in die Hand bekommen hatte. Oder: Zwanzig Jahre war es her, seit sie als Neunjährige von ihrem Vater zum ersten Mal die Zügel in die Hand gedrückt bekommen hatte. An diese beiden Sätze würde für mich dann auch der letzte Satz vom Rhythmus schöner anschließen.

Liebe Grüße

Lisa

Bearbeitet von Lisa
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vor einer Stunde schrieb Lisa:

Liebe Melanie,

ich hoffe, das ist nicht off topic, du hast ja nach der Grammatik gefragt, was von Kerstin und Angelika wunderbar beantwortet wurde (Danke!). Aber mir ist genau wie Kerstin der etwas holprige Rhythmus deines Satzes aufgefallen - und dann noch mal verstärkt im Kontext des längeren Abschnittes. Und da der Lesefluss dir ja sehr wichtig ist, dachte ich, ich mach dich - wie Kerstin - kurz darauf aufmerksam. Das "ihr ihr" macht den Rhythmus etwas holprig. Seit ihr Vater ihr als Neunjähriger ... Kerstins Vorschlag hat dagegen einen fließenderen Rhythmus und betont das Passive des Vorgangs: ihr wird etwas übergeben. Zwanzig Jahre war es her, seit sie als Neunjährige von ihrem Vater zum ersten Mal die Zügel in die Hand bekommen hatte. Oder: Zwanzig Jahre war es her, seit sie als Neunjährige von ihrem Vater zum ersten Mal die Zügel in die Hand gedrückt bekommen hatte. An diese beiden Sätze würde für mich dann auch der letzte Satz vom Rhythmus schöner anschließen.

Liebe Grüße

Lisa

Vielen Dank, das sind tolle Tipps!

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vor 17 Stunden schrieb Angelika Jo:

… zwar als Nomen auftritt, innerlich aber ein Adjektiv geblieben ist

:-* Muss ich mir merken, damit ich es irgendwann in einer (un)passenden Situation anbringen kann:

"Ganz offensichtlich ist er innerlich ein Adjektiv geblieben."

                                                         ::)

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