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FlorianV

N-Wörter in historischen Romanen

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Ich arbeite zur Zeit ja einem historischen Stoff der im frühen 19ten Jhdt spielt. Und im Verlauf der Handlung kommen auch PoC vor (im Moment als Nebenfiguren geplant, könnte sich aber im Verlauf des Schreibprozessen noch entwickeln).

Zu der Zeit war als Bezeichnung für PoC das Wort Mohr üblich - dass etymologisch von den Mauren kommt, also von den eher heller häutigen Nordafrikanern. (Die Bezeichnung steckt auch noch in dem Staatsnamen Mauretanien).

Nun wird das Wort Mohr heutzutage ja von einem Teil der Diskursteilnehmer als rassistisch gewertet. Ich selbst nutze es in meinem Alltag auch seit Jahrzehnten nicht mehr, ebensowenig wie das N-Wort. Aber um historisch halbwegs akkurat zu bleiben, müsste ich es in meinem Roman verwenden.

Ich finde das eine schwierige Frage bzw Entscheidung, ins Besondere, weil ich fürchte, falsch verstanden zu werden, nicht zuletzt auch von Agenturen und Lektoraten. Wie seht ihr das?

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Wenn du einigermaßen historisch korrekt sein willst, musst du auch Begriffe verwenden, die in der Epoche so üblich waren, selbst wenn sie im heutigen Gebrauch verpönt sind. Natürlich nicht im Übermaß. Und natürlich solltest du solche Worte in den Mund einer oder mehrerer Figuren legen und nicht im allgemeinen narrativen Text verwenden, außer es handelt sich um den Gedanken einer Figur. Das ist dann ähnlich wie ein Dialogzitat. Wenn ein Plantagenaufseher seine Arbeiter in der wörtlichen Rede mit "Nigger" beschimpft, ist das völlig okay. Das zu verbannen, würden den Roman unauthentisch machen.

Bearbeitet von Ulf Schiewe

Die Montalban-Reihe, Die Normannen-Saga, Die Wikinger-Trilogie, Bucht der Schmuggler, Land im Sturm, Der Attentäter, Die Kinder von Nebra, www.ulfschiewe.de

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In meinem letzten Roman stellte sich mir auch genau diese Frage. Dort war es besonders prekär, da der Held, Alexandre Dumas, dunkelhäutig war und damit Probleme in der feinen Gesellschaft von Paris hatte. Oft riefen die Damen entsetzt: "Das ist ja ein Neger."

Der Text kam ohne dieses und ähnliche Schmähworte nicht aus. Ich habe bei der ersten Verwendung eine Fußnote gesetzt und auf das Nachwort hingewiesen, wo ich die historische Verwendung von derlei Begriflichkeiten erkärt habe. Gestört hat sich bis dato niemand dran. Würde ich wieder so machen.

Sagt Abraham zu Bebraham: Kann ich mal dein Cebraham?

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Sebastian Niedlich

Die Frage ist doch ganz einfach, wie du das verwendest. Wenn klar ist, dass es im historischen Bezug eben einfach so gesagt wurde, ist es okay. Wenn deine Agenda ist, einfach nür möglichst oft das N-Wort zu benutzen - was ich dir absolut nicht unterstellen will - dann sollte man das überdenken.

Ich fände es ehrlich gesagt äußerst befremdlich, wenn ich einen Roman lesen würde, der zu historischen Zeiten spielt, wo Leute nach heutigem Gesichtspunkt "politisch korrekt" sprechen. So sehr ich bei jeder Nutzung des N-Wortes zusammenzucke, das würde mich noch mehr zusammenzucken lassen. (Man stelle sich ein Sklavenepos im Süden der USA 1860 vor, wo irgendeiner sagt: "Leute, wir sollten diesen Amerikaner mit afrikanischer Abstammung am Baum aufknüpfen.")

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Ich denke, Dirks Vorgehen mit der Fußnote ist eine gute Lösung. Alternativ könnte man ganz vorn im Buch, wie bei einer Triggerwarnung, darauf hinweisen, dass hier bestimmte Wörter benutzt werden, aber lediglich im historischen Kontext und nur durch die Figuren. Und den Kontext dan im Nachwort noch ein bisschen ausführlicher erklären. 

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Du hast gar keine Wahl. Man kann einen historischen Roman weder schreiben noch lesen, wenn man immer wieder aus dem zeitlichen Kontext heraustritt.

Dass Mark Twain in seinen beiden Kinderbüchern (?) immer vom Nigger sprach, hat mich als Kind zuerst entsetzt, aber dann ahbe ich es tatsächlich verstanden.
Es könnte höchstens passieren, dass für eine bestimmte Übergangszeit die Verlage unsicher werden. Aber darauf kann man keine Rücksicht nehmen.

Meine persönliche Sicht ist ohnehin unaufgeregt. Der Begriff Mohr ist so wenig herabsetzend wie der Begriff "weißer Gott" mit dem die Spanier bei den Inkas begrüßt wurden. Da schreit auch niemand Blasphemie. Man kann nicht so einfach neutrale beschreibende Begriffe für Gruppen auslöschen, nur weil sich jemand bekleckert fühlt.

Den Ansatz: "Jeder nach seiner Befindlichkeit" teile ich nicht. Da müsste ich zehnmal am Tag befindlich sein, wenn ich alles auf die Goldwaage legen würde.

Irgendwo ist Schluss mit Muss

Liebe Grüße
Wolf

 

 

 

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Oh ja, bitte im historischen Kontext schreiben. Wenn die Menschen damals diese Wörter verwendet haben, dann gehören sie in den Dialog-Text. Genauso wie die Gefühle, Gedanken, gesellschaftlichen Einstellungen und Haltungen, welche die Menschen von damals bewegt haben, in den Text gehören. Deshalb lese ich einen historischen Roman. Ob mehr oder weniger fiktional ist mir dabei nicht so wichtig. Aber die Atmosphäre der damaligen Zeit will ich spüren beim Lesen.

Liebe Grüße,

Christine

Bearbeitet von ChristineN
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vor 1 Stunde schrieb FlorianV:

Ich finde das eine schwierige Frage bzw Entscheidung, ins Besondere, weil ich fürchte, falsch verstanden zu werden, nicht zuletzt auch von Agenturen und Lektoraten. Wie seht ihr das?

Ich denke, dass es Auseinandersetzungen mit Lektoren geben könnte. Als Leserin und Autorin ist es für mich aber wichtig, den historischen Kontext nicht zu verzerren. Deshalb würde ich es immer in der wörtlichen Rede, nicht aber im Erzähltext akzeptieren.

@Wolf: Mark Twain ist für mich auch ein gutes Beispiel. Bei "Tom Sawyer" und Huckleberry Finn" war es mir noch nicht aufgefallen, weil das damals noch nicht thematisiert wurde. In Twains Erzählungen über seine Reisen in Europa ist es mir aber mehrmals aufgestoßen.

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Ich habe damit kein Problem - in meinen aktuellen Projekten kommt es auch vor, weil die Nazis ja Swingmusik als "Negermusik" verunglimpften und die "Vernegerung" (ja, das Wort benutzten die wirklich) des deutschen Volkes befürchteten. Da aber die Nazis das Wort benutzen, passt es. 

Ich arbeite an noch einem Buch, das 1923 spielt und wo es um eine Beziehung zwischen einer Deutschen und einem schwarzen Kolonialfranzosen geht. Das Wort "Neger" taucht in der wörtlichen Rede auf - abwertend, wenn es von den erkennbar fiesen Typen benutzt wird, bei anderen relativ neutral, aber deutlich erkennbar, dass sie im Gedankengut jener Zeit verankert sind, während die Leute ohne Vorurteile vom schwarzen Franzosen oder dem dunkelhäutigen Kind sprechen. Damit kann man auch spielen - aber es muss im Kontext bleiben. Leute, die etwas gegen gemischtrassige Beziehungen hatten (und das war 1923 verbreitet - diese Kinder wurden später noch als "Rheinlandbastarde" von den Nazis sterilisiert), sagen selbstverständlich "Neger" mit abwertender Konnotation, wohingegen es Leute, die toleranter sind, genauso benutzen, wie es bis in die 1980er Jahre in Deutschland üblich war - und nicht als abwertend wahrgenommen wurde - denn dafür gab es "Nigger" oder "Bimbo". Stichwort "Negerkuss", der durchaus positiv besetzt war. 

Der Tipp ist der - man sollte es außerhalb der wörtlichen Rede vermeiden und in der wörtlichen Rede muss klar werden, in welcher Konnotation es gemeint ist. Pippi Langstrumpf meinte das auch nie rassistisch, wenn sie vom Negerkönig sprach - die Konnotation kam erst 50 Jahre später durch eine veränderte Wahrnehmung. 

 

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Ich würde ebenfalls die Lösung mit dem Vor- oder Nachwort oder einer Fußnote wählen, das Wort gleichzeitig aber nur im entsprechenden Kontext setzen wie Melanie mit den Nazis oder Dirk mit den pikierten Damen. Sprache weichzuzeichnen schönt den Rassismus.
Natürlich kam es vor, dass entsprechende Worte damals völlig neutral gewählt wurden. Aber der Roman wird heute geschrieben, heute ist es kein neutrales Wort mehr. Es gibt viele Worte, die sich im Laufe der Zeit ändern, und solange jemand nicht den Anspruch an seinen Roman setzt, jedes dieser Worte so zu wählen, wie man es Anno Schlagmichtot gesagt (und geschrieben) hat, gibt es keinen Grund, warum man es ausgerechnet mit diesem einen so halten muss.

Interessant dazu das kleine Drama, als man der kleinen Hexe von Preußler das N-Wort gestrichen hat.
Die "Wichse im Gesicht der Kinder" wurde allerdings schon Jahre vorher durch Schuhcreme ersetzt. Da hatte niemand etwas gegen. 

Bearbeitet von JenniferB
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Ich habe hier mal ein Beispiel, in welchem Kontext es in meinem Roman, der im August erscheint, verwendet wird - wir sind im Jahr 1936 und meine Helden gehören zu den toleranten Leuten - Ellas Onkel ist mit einer Chinesin verheiratet und hat auch zwei Kinder mit ihr, die ebenfalls wegen ihrer "Rasse" Probleme bekommen. 

Zitat

 

War es noch vor zehn Jahren völlig selbstverständlich gewesen, dass die Eigner der Tanzlokale selbst entschieden, welche Musik sie spielten, so galten Swing und Jazz inzwischen als unerwünschte „Negermusik“, und die Nazis wollten der „Vernegerung“ des deutschen Volkes“ durch scharfe Restriktionen vorbeugen.

„Deshalb hängt hier in der Garderobe ein Spiegel“, sagte Harald bei ihrem ersten Besuch in einem der geheimen Swingkeller. „Damit wir beim Rausgehen nachschauen können, ob wir schon vernegert sind. Es kann ja durchaus sein, dass die Musik die Haare kräuselt und die Pigmentproduktion in der Haut übermäßig ankurbelt.“

Ella lachte schallend. Sie liebte seinen Humor.

 

 

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vor 2 Stunden schrieb Wolf:

Der Begriff Mohr ist so wenig herabsetzend wie der Begriff "weißer Gott" mit dem die Spanier bei den Inkas begrüßt wurden.

Wirklich? Ein Begriff, der verwendet wurde, um andere herabzusetzen und sie als nicht vollwertige Menschen darzustellen, ist gleichstellend mit dem Begriff "weißer Gott"? 

Wow.

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vor 26 Minuten schrieb MelanieM:

Ich habe hier mal ein Beispiel, in welchem Kontext es in meinem Roman, der im August erscheint, verwendet wird - wir sind im Jahr 1936 und meine Helden gehören zu den toleranten Leuten - Ellas Onkel ist mit einer Chinesin verheiratet und hat auch zwei Kinder mit ihr, die ebenfalls wegen ihrer "Rasse" Probleme bekommen. 

 

Schönes Beispiel dafür, dass man diese Dinge auch mit Humor lösen kann.:D

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vor 2 Stunden schrieb Wolf:

 Man kann nicht so einfach neutrale beschreibende Begriffe für Gruppen auslöschen, nur weil sich jemand bekleckert fühlt.

 

 

 

Doch. Das kann man, wenn es sich dabei um Menschengruppen geht, die seit Jahrhunderten zu Unrecht benachteiligt werden. Da kann man einfach mal damit aufhören, an den Bezeichnungen festzuhalten, die man selbst als die richtigen empfindet, weil man sonst "irgendwas mal nicht darf". Ist ganz leicht, es gibt genug Worte, die man nutzen kann. Schadet keinem, tut keinem weh.

Das hat mit deinen Befindlichkeiten auch gar nichts zu tun.

 

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vor 4 Stunden schrieb FlorianV:

Ich finde das eine schwierige Frage bzw Entscheidung, ins Besondere, weil ich fürchte, falsch verstanden zu werden, nicht zuletzt auch von Agenturen und Lektoraten. Wie seht ihr das?

Lieber Florian,

ich glaube, du begehst den Fehler, dass du mit weißen Menschen über eine Frage diskutierst, die sie nicht betrifft. Keiner von uns kann dir sagen, wie man sich dabei fühlt, solche Wörter in historischen Romanen zu lesen. Wir sind nicht betroffen und werden es niemals sein. Du möchtest nicht falsch verstanden werden? Dann würde ich dir empfehlen, die Frage bei den Betroffenen zu klären. Ich denke, wenn du dich dabei direkt an BiPOC Menschen wendest, können sie dich gut beraten, wie dir die Handhabung am besten gelingt. Denn SIE sind es, die damit beim Lesen umgehen müssen. 

Wenn du magst, kann ich dir gerne ein paar BiPOC-Autor*innen nennen, die dir vielleicht helfen können. Ansonsten gibt es auch noch diese Seite: https://sensitivity-reading.de/themen Damit würdest du dich absichern und auch ein Argument bei Lektor*innen haben, warum das so und nicht anders dargestellt werden soll.

 

Liebe Grüße,

Olga

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Manchmal ist es aber auch unumgänglich in der wörtlichen Rede, gerade wenn man einen Rassisten vor seinem Zeitkolorit darstellt. Hier ein anderes Beispiel von mir - da wird jedem Leser m.E. deutlich, wer das Problem hat. Hätte ich da nicht das N-Wort verwendet, wäre das unglaubwürdig im Jahr 1923, zumal sogar damals Gedenkmünzen zur "schwarzen Schande" geprägt wurden, weil sogar der allseits anerkannte Reichspräsident Friedrich Ebert es unmöglich fand, dass die Franzosen ihre Kolonialtruppen als Besatzungstruppen in Deutschland aufstellten.

 

Zitat

„War Annemarie damit denn einverstanden?“, fragte Friederike weiter.

„Annemarie ist meine Tochter und hat das zu tun, was ich entscheide. Es war das Beste für sie und die einzige Möglichkeit, um nicht als Hure zu verlottern!“

„Haben Sie denn niemals versucht, Kontakt zu dem Kindsvater aufzunehmen und über eine Heirat zu sprechen? Das wäre doch auch eine Möglichkeit gewesen.“

„Eine Heirat mit einem französischen Neger? Haben Sie den Verstand verloren? Das wäre ja schon schlimm genug gewesen, wenn es ein weißer Franzose gewesen wäre, aber wenn der ein anständiger Mensch gewesen wäre, hätte man ja immerhin wegen der französischen Kultur noch beide Augen zudrücken können. Aber ein Wilder aus dem Urwald? Wie stellen Sie sich da ein Familienleben vor? Der kann vermutlich nicht mal vernünftig mit Messer und Gabel am Tisch essen, weil die Wilden ja immer alle aus einer großen Reisschüssel fressen.“

 

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Sicher war das Wort "Mohr" üblich, es gab aber auch andere Bezeichnungen. Zum Beispiel hat Maria Sibylla Merian, die Deutsche war, aber auch auf Niederländisch geschrieben hat, von "de Swarten" gesprochen (Anfang 18. Jahrhundert). Der Insel-Verlag, der eines ihrer Bücher neu herausgebracht hat, übersetzt das ins Deutsche mit "die Schwarzen" (Übersetzung G. Worgt). War also früher schon eine Möglichkeit,  einfach bei der Hautfarbe zu bleiben. "Mohr" transportiert ja auch  eine kulturelle/religiöse Beudeutung ("Muslim").

Ich entscheide mich in der Regel dafür, nicht allzu historisch korrekt zu sein, schließlich lasse ich die Leute auch nicht in alter Sprache reden. Wenn jemand früher eine Bezeichnung benutzt hat, die heute rassistisch ist und die Leser zusammenzucken, ist das ja  kein Effekt, den man haben will, oder? Es sei denn, man möchte kenntlich machen, dass die Person rassistisch ist. 

Übrigens könnte auch "Black Tudors" eine gute Quelle für solche Fragen sein: http://www.mirandakaufmann.com/black-tudors.html

Wenn ich mich richtig erinnere, sagt die Autorin u.a. dass Schwarze viel selbstverständlicher in der damaligen Gesellschaft lebten, als das heute weitläufig angenommen wird. Wir finden von ihnen nur wenige Spuren, weil von einfachen Leuten ja sowieso oft nur die Einträge in Kirchenbüchern geblieben sind und wenn jemand aus der Fremde kam und christlich war/geworden ist, spielte die Hautfarbe keine große Rolle mehr, weil früher eben die Religion wesentlich wichtiger war. Da wurde dann nicht notiert: "XY hat geheiratet und war übrigens schwarz" ;-)

Bearbeitet von RuthK
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"Wenn jemand früher eine Bezeichnung benutzt hat, die heute rassistisch ist und die Leser zusammenzucken, ist das ja  kein Effekt, den man haben will, oder? "

Genau das ist mein Anliegen. Wobei "Mohr" ein Grenzfall sein könnte. Nach meinem Empfinden, aber was sagt das schon? Ich werd mal eine befreundete Autorin fragen, die PoC ist.

Es ging mir in diesem Thread aber nicht hauptsächlich um meinen Text, sondern um die Fragestellung an sich.

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Interessant, gerade hatten wir bei DELIA eine längere Zoom-Diskussionsrunde zu genau diesem Thema (allerdings mehr für den zeitgenössischen Roman).

Ich persönlich würde versuchen, die Worte zu vermeiden, außer, es wären Beleidigungen (und als solche eindeutig zu erkennen, und der Sprecher würde dafür bestraft werden in irgendeiner Art und Weise, so wie ein Nazi, der Juden beleidigt, ja meist auch nicht gut aus einer Geschichte rauskommt). Was man auch machen kann, ist N***, so wurde das in der Übersetzung von Delia Owens "Der Gesang der Flusskrebse" gelöst.

Selbst wenn es damals üblich war und man historisch korrekt sein möchte - man ist es sowieso nicht. Wir reden heute anders als vor 200 Jahren, verwenden viele veraltete Begriffe nicht mehr (weil sie keiner mehr versteht) und schreiben schon deshalb moderner, selbst wenn eindeutig moderne Begriffe gemieden werden. Früher hieß ein uneheliches Kind "Afterkind" - habe ich aber noch nie in einem historischen Roman so gelesen. Wenn man unverständliche, veraltete Begriffe weglässt, warum dann nicht auch rassistische?

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Na, das Problem bei mir ist, dass ich in dem Text sehr wohl altertümliche Begriffe nutze, ich schreibe zB "Großjährig", anstatt "Volljährig". Ist dann eine kleine Irritation, begreift aber trotzdem jeder (hoffe ich). In einem belletristischen Text aber einzelne Wörter auszu-x-en (zB N***), das würde ich nicht tun wollen. Käme mir hässlich vor. Dann würde ich eher auf den moderneren Begriff "Schwarzer" zurückgreifen.

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vor 2 Stunden schrieb Olga:

Wirklich? Ein Begriff, der verwendet wurde, um andere herabzusetzen und sie als nicht vollwertige Menschen darzustellen, ist gleichstellend mit dem Begriff "weißer Gott"? 

Wow.

Nein! Mohr wurde ursprünglich nicht herabsetzend gebraucht. "Weißer Gott" zwar erhöhend, konnte aber von Eurpäern mit einer heutigen Empfindsamkeit auch als blasphemisch aufgefasst werden. Mir geht es darum, dass viele Gewichtungen erst später eintreten, aber man nicht jede Gruppenbezeichnung automatisch als herabsetzend deklarieren sollte. Jetzt deutlich? :)

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vor 2 Stunden schrieb JenniferB:

Doch. Das kann man, wenn es sich dabei um Menschengruppen geht, die seit Jahrhunderten zu Unrecht benachteiligt werden. Da kann man einfach mal damit aufhören, an den Bezeichnungen festzuhalten, die man selbst als die richtigen empfindet, weil man sonst "irgendwas mal nicht darf". Ist ganz leicht, es gibt genug Worte, die man nutzen kann. Schadet keinem, tut keinem weh.

Das hat mit deinen Befindlichkeiten auch gar nichts zu tun.

 

Da werden wir wohl schwer zu enander finden. Zwar kann man und sollte es auch einen herabwürdigenden begriffen durch einen neutralen ersetzen, aber nicht eine Gruppenbezeichnung ersatzlos streichen. Bei amerikanischen Farbigen gibt es heute keinen undiskutierten Begriff mehr. White, brown und black waren einmal neutral und untergingen später mehrfach einem Wandel. Heute scheint nur noch poc akzeptiert zu werden, Farbige aber schon nicht mehr.

Du siehst, in diesem Punkt haben wir eine unterschiedliche Meinung.

Liebe Grüße
Wolf

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vor einer Stunde schrieb UlrikeS:

Früher hieß ein uneheliches Kind "Afterkind" - habe ich aber noch nie in einem historischen Roman so gelesen. Wenn man unverständliche, veraltete Begriffe weglässt, warum dann nicht auch rassistische?

Hieß es nicht überall, sondern ist  regional bedingt. Bankert oder Bastard war weiter verbreitet - in der ursprünglichen Form noch nicht mal abwertend, sondern einfach nur beschreibend, dass die Eltern nicht verheiratet waren. Ich persönlich verwende die angemessenen Begriffe für das Ambiente. Z.B. sagte man im Gängeviertel im 19. Jahrhundert zu den Plumpsklos außerhalb der Wohnhäuser "Anstandsorte" - sagt heute auch keiner mehr - ich verwende das aber. 

Ich denke, man muss sehr genau unterscheiden, in welchem Genre man schreibt und welche Aussagen man treffen will. Wenn man nur Historicals schreibt, die keinen Anspruch auf Korrektheit haben, sondern nur unterhalten wollen, kann man das anders machen, als wenn man ein Sittengemälde der damaligen Zeit haben will - in dem selbstverständlich auch Frauen unterdrückt wurden, es ungerechte Gesetze gab und und und ... Das kann man nicht weichspülen, sondern muss es benennen, wie es war, wenn man authentisch bleiben will. Und wörtliche Rede ist etwas anderes als der Erzähltext. 

Ein Wort N*** in einem Roman zu schreiben, finde ich albern. Denn es weiß ja jeder, wofür es steht. Das ist nur ein Alibi für den Autor, dieses Wort zu benutzen ohne nachzudenken, aber sich als politisch korrekt reinzuwaschen, indem er es selbst zensiert, ohne es wirklich zu vermeiden. Wenn das so weiter geht, wird das nächste Schimpfwort für Dunkelhäutige vielleicht bald: "Ah, da kommt ein N-Sternchen" lauten - denn im Schimpfworte erfinden sind Menschen ganz groß. 

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vor 24 Minuten schrieb MelanieM:

Hieß es nicht überall, sondern ist  regional bedingt. Bankert oder Bastard war weiter verbreitet - in der ursprünglichen Form noch nicht mal abwertend, sondern einfach nur beschreibend, dass die Eltern nicht verheiratet waren. Ich persönlich verwende die angemessenen Begriffe für das Ambiente. Z.B. sagte man im Gängeviertel im 19. Jahrhundert zu den Plumpsklos außerhalb der Wohnhäuser "Anstandsorte" - sagt heute auch keiner mehr - ich verwende das aber. 

Ich denke, man muss sehr genau unterscheiden, in welchem Genre man schreibt und welche Aussagen man treffen will. Wenn man nur Historicals schreibt, die keinen Anspruch auf Korrektheit haben, sondern nur unterhalten wollen, kann man das anders machen, als wenn man ein Sittengemälde der damaligen Zeit haben will - in dem selbstverständlich auch Frauen unterdrückt wurden, es ungerechte Gesetze gab und und und ... Das kann man nicht weichspülen, sondern muss es benennen, wie es war, wenn man authentisch bleiben will. Und wörtliche Rede ist etwas anderes als der Erzähltext. 

Ein Wort N*** in einem Roman zu schreiben, finde ich albern. Denn es weiß ja jeder, wofür es steht. Das ist nur ein Alibi für den Autor, dieses Wort zu benutzen ohne nachzudenken, aber sich als politisch korrekt reinzuwaschen, indem er es selbst zensiert, ohne es wirklich zu vermeiden. Wenn das so weiter geht, wird das nächste Schimpfwort für Dunkelhäutige vielleicht bald: "Ah, da kommt ein N-Sternchen" lauten - denn im Schimpfworte erfinden sind Menschen ganz groß. 

Da bin ich ganz auf deiner Seite. Natürlich sind auch die (anspruchsvolleren) historischen Romane nicht so authentisch wie Dokumente aus der Zeit. Aber diese Begriffe, die damals verwendet wurden und die auch heute noch verständlich sind, machen gerade den Reiz solcher Romane aus. "Anstandsorte" würde ich sofort verstehen, ebenso wie "Abtrittserker" für das Mittelalter. Sternchen jeder Art in Romanen würden mir das Lesen total vermiesen. Solche Sternchen habe ich übrigens schon in Romanen aus dem 19. Jahrhundert gesehen. Da hieß es dann: "Als der Kaufmann Georg zu seinen Verwandten nach St*** fuhr" -damit wollte der Autor den Namen der Stadt nicht preisgeben, um eventuellem Beleidigtsein ihrer Bürger zuvorzukommen. Ich fand das auch in den alten Texten blöd, weil ich gern gewusst hätte, welche Stadt gemeint war.

Bearbeitet von Christa
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