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MaschaV

„Als“ am Satzanfang

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vor 42 Minuten schrieb MelanieM:

Ist wie mit den Autoren - Anfänger kennen keine Regeln und schreiben wild darauf los. Fortgeschrittene, die wissen, dass es Regeln gibt, glauben, sie müssen die sklavisch befolgen. Profis wissen, dass es Regeln gibt, sind aber keine Sklaven derselben, sondern tun genau das, was dem Text gut tut. Und das kann alles Mögliche sein. Irgendetwas kategorisch auszuschließen, sagt mir, dass derjenige, der das fordert, auf der Stufe der Fortgeschrittenen stehengeblieben ist.

Ich finde, das mit den Regeln ist generell so eine Sache. Es mag nicht schlecht sein, zu Übungszwecken und zur Veranschaulichung welche zu definieren. Aber grundsätzlich haben alle Regeln ein Problem: Sie geben von außen vor, was eigentlich von innen kommen sollte. Böse gesagt: Wenn man zu viele Regeln im Außen beachtet, verliert man irgendwann das Gefühl zur Sache selbst. Natürlich können Schreibregeln einem Anfänger, einem Fortgeschrittenen und vielleicht auch einem Profi helfen. Aber das Eigentliche ist: Es muss sich ein Gefühl ausbilden. Lesen hilft dabei, zwischenzeitliches Üben anhand von Regeln vielleicht auch, Dogmen ganz sicher nicht.

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Am 21.2.2021 um 00:15 schrieb JenniferB:

Ich brauche für einen schönen Lesefluss eine angenehme Sprachmelodie, die es meist ausschließt, dass sich der Satzaufbau wiederholt. (Ausnahmen sind bewusste Wiederholungen.)
 

Da hab ich noch nie bewusst drauf geachtet. Sehr spannend, werd ich mal tun.

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vor 20 Stunden schrieb MaschaV:

"Nach einer halben Stunde wurde ihm klar, dass er seine Tochter nie wiedersehen würde." 

Finde ich viel klarer und wuchtiger als mit dem völlig überflüssigen "als" vorne dran und dem altertümlichen "verstrichen" noch dazu. 

@MichaelT schrieb: Beispiel ("Die Therapie"): "Als die halbe Stunde verstrichen war, wusste er, dass er seine Tochter nie wiedersehen würde."

"Nach einer halben Stunde" hat aber eine etwas andere Bedeutung. "die halbe Stunde" sagt aus, das dieser Zeitraum vorher eine Rolle gespielt hat, zB verabredet wurde: "Warten Sie eine halbe Stunde." Wenn man da den ubestimmten Artikel verwendet, "Als eine halbe Stunde verstrichen war", ändert sich die Bedeutung, und es handelt sich nur noch im irgendeinen beliebigen Zeitraum.

Man kann dein Beispiel natürlich auch abwandeln: "Nach der halben Stunde wurde ihm klar"

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Am 21.2.2021 um 14:37 schrieb LuisS:

Na wui Angelika, klarer ist das wohl nicht zu erklären. Ob ich so ein Wissen (als Nicht-Germanist) noch annähernd aufsaugen kann?, jedenfalls ein herzliches Danke.

Nur ganz kurz dazwischen: Danke schön (auch an die anderen, die mir hier Lobesworte spenden) und vielleicht zur Beruhigung: So etwas lässt sich sehr gut aufsaugen. Ich jedenfalls habe all so was im Germanistikstudium nicht gelernt (auch nicht in der Abteilung Linguistik, die damals obligatorisch zum Fach gehörte). Ich habe es erst später aus allen möglichen Büchern und in vielen Gesprächen "aufgesaugt", als mir meine klugen Studenten so viele Fragen stellten, dass klar wurde: Jetzt musst du in die Bibliothek! Ergo: Es ist nie zu spät! :D

Laudatio auf eine kaukasische Kuh. Eichborn 2021. 

Alicia jagt eine Mandarinente. dtv premium März 2018. Die Grammatik der Rennpferde. dtv premium Mai 2016

www.angelika-jodl.de

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Danke Margot, für die Romananfänge. Ich finde ja, dass einen ein solcher "Als"-Anfang sofort in das Geschehen reinzieht, wie auch Michael schreibt.

Muss mich aber selbst manchmal bremsen, weil ich sehr gern Sätze mit "Als " anfange. 

LG Cornelia

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Am 21.2.2021 um 09:26 schrieb MaschaV:

Danke fürs Rausduchen der Romananfänge, Kerstin, sorry, Margot! 

Das "als" ist irgendwie verführerisch, weil es einem den Einstieg so angenehm einfach macht. Man rutscht hübsch in die Geschichte rein und es schlägt tatsächlich einen etwas märchenhaften Ton an. 

Ich mag es trotzdem nicht. Anscheinend brauche ich es etwas sperriger. Bin eher die Fraktion "Ilsebill salzte nach." 

Mascha, ich hasse das "als" ebenfalls. Weil es so oft falsch und holpernd gebracht wird und dazu einlädt, ständig wiederholt zu werden. Natürlich hat es seine Berechtigung und  es gibt Kontext, da passt es.
Aber in 90% der Texte, die mir zugeschickt werden, passt es nicht.

"Als ich aufwachte, stand ich auf. Als ich mir den Bademantel angezogen hatte, ging ich ins Bad. Während ich duschte, überlegte ich mir, was ich heute anziehen sollte"
Jeder Lektor kann ein Lied über Texte mit solchen holprigen Formulierungen singen. Sie sind nicht nur holprig und stören wegen dem gleichförmigen Satzaufbau, sondern auch, weil das "Als" dort sinnlos verwendet werden. Da wird die Betonung auf die zeitliche Reihenfolge gelegt - und oft ist das die Faulheit des Autors, der nicht überlegt, ob die jetzt wirklich nötig ist. Und dabei vergisst, dass es auch noch andere wichtige Dinge in Texten gibt und der Leser sich schnell verarscht vorkommt, wenn eine zeitliche Reihenfolge betont wird, die der Leser sich denken kann und auf die er nicht mit dem Zeigefinger hingewiesen werden muss.
Angelika und andere haben gute Beispiele gebracht, in denen das "als" und "während" funktioniert. Ich könnte ohne Probleme Seiten mit furchtbaren Beispielen füllen.
Was ich jedem empfehle: Mal vom Textprogramm alle "als" markieren zu lassen. Viele werden da staunen, wie oft es eine Konstruktion der Bequemlichkeit ohne jeden Sinn ist und wirkt wie der Hinweis mit dem Zaunpfahl an den Leser: Ich bin aber ERST aufgestenden und habe mir DANN den Bademantel angezogen, lieber Leser. Als ob dem Leser das nicht klar sein dürfte:-).

Ganz anders bei "Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheuren Ungeziefer verwandelt."

 

Herzliche Grüße, Hans Peter

 

 

Bearbeitet von hpr
Schreibfehler
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vor 9 Stunden schrieb hpr:

Viele werden da staunen, wie oft es eine Konstruktion der Bequemlichkeit ohne jeden Sinn ist und wirkt wie der Hinweis mit dem Zaunpfahl an den Leser: Ich bin aber ERST aufgestenden und habe mir DANN den Bademantel angezogen, lieber Leser. Als ob dem Leser das nicht klar sein dürfte:-).

Kommt auf die Geschichte an - nicht jeder zieht sich nach dem Aufstehen einen Bademantel an. Hier hat das Als die Funktion des Nachdem - und deshalb wäre nachdem eleganter. 

"Eigentlich hasse ich Bademäntel, aber als das Klingeln mich weckte, sprang ich aus dem Bett und  zog ich mir den Bademantel über, denn beim letzten Mal hatte mich der Postbote so seltsam angeschaut, als ich ihm nackt die Tür öffnete."

Und schon sind sowohl als als auch der Bademantel wichtig :-)

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