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HenningS

Aurel Gergey: Besser schreiben

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vor 15 Minuten schrieb HenningS:

Was ist gegen die Hinweise zu sagen, dass manche Konjunktionen evtl überflüssig sind? Dass man mit Substantivierungen vorsichtig sein sollte? Dass aktive Verben oft vorzuziehen sind? Und vieles mehr ...

An sich nichts. Aber es ist eben nicht universell anwendbar, auch nicht von Schreibanfängern. Abgesehen von verschiedenen Textsorten, die durch unterschiedliche stilistische Merkmale gekennzeichnet sind, lässt man ja auch einzelne Personen in demselben Text unterschiedlich sprechen, um sie erkennbarer zu machen. Ich habe zum Beispiel in meinem Krimi einen Chefarzt, der substantiviert ohne Erbarmen, der spricht quasi Arztbriefe in Reinform. Und die Sache mit den Konjunktionen ist auch textsortenabhängig. Dein Zitat ganz oben ist eben keine Prosa. 

Bearbeitet von KerstinH
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vor 1 Stunde schrieb HenningS:

Natürlich ist das schlicht. Das geht ja auch um Basics.

Was ist gegen die Hinweise zu sagen, dass manche Konjunktionen evtl überflüssig sind? Dass man mit Substantivierungen vorsichtig sein sollte? Dass aktive Verben oft vorzuziehen sind? Und vieles mehr ...

Was ist gegen die Hinweise hmpf sagen, hmpf manche Konjunktionen evtl überflüssig sind? Hmpf man mit hmpf vorsichtig sein sollte? Hmpf aktive Verben oft vorhmpfziehen sind? Hmpf vieles mehr ...

Dass man an dieser Übung sehen könnte, worin dem Schreibratgeber folgend fünf Konjunktionen und eine Substantivierung getilgt wurden, welch eine tabula rasa auf seine Empfehlungen folgen würde. Wieso man als Schreibratgeber gegen einzelne Wortarten wie Konjunktionen (ansonsten sind es ja immer die Adjektive) schießen möchte, ist eine Frage, die ich eigentlich gar nicht erst verstehen will. Wortarten sind so was Ähnliches wie die Basics der Sprache. Vielleicht lernen wir sie erst mal kennen

Laudatio auf eine kaukasische Kuh. Eichborn 2021. 

Alicia jagt eine Mandarinente. dtv premium März 2018. Die Grammatik der Rennpferde. dtv premium Mai 2016

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Ich hab den (Kurz)Ratgeber mal quergelesen (die Langversion gibt es nur gegen persönliche Daten) und es stehen durchaus nützliche und sinnvolle Tipps drin. Außerdem richtet sich der Ratgeber m.E. an die Werbebranche (Google-Ads) und nicht an die Belletristik. Wenn z.B. geraten wird, dass man mit gewöhnlichen Wörtern Ungewöhnliches sagen soll, kann ich nur zustimmen.

Der Ratgeber unterscheidet sogar zwischen "Roman" und "uns", wenn er von sprachlicher Lautmalerei spricht: "Bei den Romanen finden sich unter 100 Lauten
50 Selbstlaute, bei uns nur rund 35. Von diesen 35 sind obendrein um die 20 tonarme "e", nur vier klangvolle "u" und nur zwei "o"."

Weder ist dieser Ratgeber die Bibel für Schreibende noch die Hölle. 

LG

Martin

_________________________________________________

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Jede Art des Schreibens ist erlaubt - nur nicht die langweilige (Voltaire)

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Mit etwas Verspätung nun auch noch mein ausführlicherer Kommentar dazu. Ich denke, mein Missfallen rührt genau daher, dass er für Werbetreibende ist. Mein Verständnis von Literatur ist aber eben genau nicht, etwas zu verkaufen.

Bestimmt sind manche Tipps darin für Anfänger bedenkenswert, wenn ich aber etwas lese wie:

Wann immer Sie wählen können zwischen
einem längeren und einem kürzeren Wort,
entscheiden Sie sich für das kürzere. Lange
Wörter sind schlechter lesbar und schrecken
ab, sie signalisieren schon optisch mehr
Lesearbeit.


dann dreht sich mir einfach der Magen um. Ich verbringe mitunter wirklich viel Zeit damit, genau das Wort zu finden, das ich an der Stelle perfekt finden - und dann erwarte ich von meinen Leser:innen auch, dass sie sich die "Lesearbeit" machen, das Wort, das im Zweifelsfall drei oder mehr Silben haben kann, zu verstehen. :)

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vor 14 Stunden schrieb KerstinH:

 Aber es ist eben nicht universell anwendbar,

Das habe ich doch ebenfalls gesagt.

Wenn ich ausdrücklich sage "evtl überflüssig", "vorsichtig sein", "oft vorzuziehen" --- wie soll ich denn da noch mehr relativieren?

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Um Missverständnisse zu vermeiden:

1. Von "Hölle" kann keine Rede sein. Kritik üben heißt deshalb ja auch "Kritik üben" und nicht "verteufeln". Also, wer sich von diesem Ratgeber was verspricht, soll ihn lesen.

2. Nichts gegen Werbetexter. Wirklich gar nichts! Werbetexter müssen erfindungsreich und pfiffig sein; ich werde nie den Lachanfall vergessen, der meinen Beifahrer und mich schüttelte, als wir vor Jahren an einer Pfanni-Reklame vorbeifuhren, unter der stand: "Jede Revolution beginnt mit einem Auflauf". Der von mir über alle Maßen geschätzte Autor Wolf Haas war, bevor er mit seinen Krimis Karriere machte, als Werbetexter unterwegs. Allerdings hat er auch Linguistik studiert, deshalb kämen aus seinem Munde gewiss keine Aufforderungen zum Konjunktionen Sparen (by the way: Konjunktionen sind die kleinen Dinger, die als Scharniere zwischen Satzteilen wirken. und, oder, aber sind Konjunktionen; weil, damit oder das zu vor einem Infinitiv auch. Wer über einen Satzbau in der Art "Ich Tarzan – du Jane" hinausgelangen will, braucht sie irgendwann).

3. Über Worte nachdenken macht eigentlich doch großen Spaß. Nachdenken hat was von "einer Sache hinterher oder eben nachgehen". Heißt, es ist ein Stück Weges nötig. "Entscheiden Sie sich wann immer ... für das kürzere Wort" ist der kürzestmögliche Weg, würde ich sagen. Kaum gestartet, folgt schon der Stopp. Aber nehmen wir mal den Punkt mit den langen und kurzen Wörtern. Der Unterschied spielt ja auf alle Fälle eine Rolle auf der artikulatorischen und rhythmischen Ebene. Und oft genug auch auf der semantischen. In der deutschen Sprache gibt es zwei Möglichkeiten, Worte lang zu machen: Das Komponieren, bei der die berüchtigte Donaudampfschiffahrtsgesellschaftswitwenversicherung herauskommen kann und das Anhängen von Vor- und Nachsilben, mit denen sich die Wörter selbst von einer in die andere Wortart umgestalten. Aus "lesen" kann die "Lesung" werden oder "leserlich" oder weiter "unleserlich" oder noch weiter "Unleserlichkeit".  Dieses letzte Wort hat fünf Silben, eine einzige davon – les– trägt den semantischen Kern. Dass eine hohe Dichte von lich und keit und schaft ermüdet, glaube ich schon auch. Deswegen wird man in der Lyrik, der es extrem auf Dichte von Bedeutung ankommt, wenig davon finden, in der Amtssprach, dagegen viel, die gibt aber bekanntlich auch nichts auf Schönheit. Ein Plädoyer zum Abschaffen von Prä- und Suffixen wird aus solchen Erkenntnissen trotzdem nicht. Gestern habe ich bei einem Redakteur der SZ eine Polemik gegen das Wort "versterben" gelesen. "Sterben" würde genügen, meinte er, tot ist ist schließlich tot, der "Gestorbene" mindestens genauso gut wie der "Verstorbene". Finde ich nicht. Überhaupt nicht. 

Aber damit soll es jetzt auch wieder genug sein von meiner Seite.

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vor 10 Minuten schrieb HenningS:

Das habe ich doch ebenfalls gesagt.

Wenn ich ausdrücklich sage "evtl überflüssig", "vorsichtig sein", "oft vorzuziehen" --- wie soll ich denn da noch mehr relativieren?

Ja, ja, passt schon. Alles gut von meiner Seite!

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vor 12 Stunden schrieb Angelika Jo:

... welch eine tabula rasa auf seine Empfehlungen folgen würde.

--- Nein, sie würde nicht folgen. Es steht dort nicht, dort nicht, dass man es so machen muss.

(ansonsten sind es ja immer die Adjektive)

--- Es geht in diesem Ratgeber auch um Adjektive. Auch um Pronomen. Auch um Adverben. (Ob wirklich alle Wortarten untersucht werden, weiß ich nicht auswenig)

Vielleicht lernen wir sie (die Wortarten) erst mal kennen

--- Richtig. Und dazu gehört nicht nur, sie als solche benennen zu können (wie man es in der Schule gelernt hat). Sondern auch ihre Funktion und ihre Wirkung zu erkennen --- und was daraus für einen gesamten Text folgert.

 

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Es macht bestimmt einen Unterschied in der Wahrnehmung solcher Ratgeber, ob die eigenen schriftstellerischen Ambitionen eher in Richtung Kafka oder in Richtung Konsalik gehen. Vielleicht ist es nicht nur ein lustiger Zufall, dass durchaus nicht wenige kommerziell sehr erfolgreiche Autoren in der Werbebranche angefangen haben: James Patterson z.B., Carlos Ruiz Zafón oder auch Frank Schätzing. 

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Da hast du mich missverstanden, @HenningS. Ich wollte keinen Vorwurf platzieren, dass in dem Ratgeber die Adjektive zu kurz kämen, sondern an die in sehr vielen Schreibratgebern mit       ermüdender Regelmäßigkeit vorgetragene Warnung vor Adjektiven erinnern. Stephen King war, glaube ich, der erste und seither wollen alle "Adjektiven misstrauen" oder sie gar bei  Begegnung "töten". 

Dass bei den Wortarten die Funktion nicht unbedeutsam ist, darin gebe ich dir natürlich Recht.

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Lernen ist ja grundsätzlich nie verkehrt. Man muss das zu Lernende aber beurteilen können. Das ist aber nicht Aufgabe des zu Verfügung stehenden Materials. Man braucht einen Lehrer. Sonst läuft man gegen die Wand.

 

Sagt Abraham zu Bebraham: Kann ich mal dein Cebraham?

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vor 49 Minuten schrieb HenningS:

Das habe ich doch ebenfalls gesagt.

Wenn ich ausdrücklich sage "evtl überflüssig", "vorsichtig sein", "oft vorzuziehen" --- wie soll ich denn da noch mehr relativieren?

Das war auch von mir nicht als harsche Kritik gemeint, ich schrieb ja oben, dass es textsortenabhängig sei. Ich sehe es wie Angelika. Verschiedene Textsorten bevorzugen die verschiedenen Wortarten einfach in unterschiedlicher Verteilung. Und was sie zur unterschiedlichen Länge der Wörter meinte, unterschreibe ich auch.

Es sind eben Vorschläge für Werbetexter, wie andere auch sagten. Ich habe mal einen Kurs (Internet)publishing mitgemacht, da ging es um Webseitenbau und Druck, und es fiel mir auf, dass die meisten entweder ein Auge für's Layout hatten oder ein Ohr für Texte, aber selten beides zusammen. Es gibt ja da z.B. den "Grauwert", also, wie Bild und Schrift, um eine maximale Wirkung zu erzielen, auf einer Seite aufgeteilt sein sollten. Und da wird für eine optisch schöne Wirkung manchmal der Klang geopfert. Oder der Inhalt. Und umgekehrt.

Aber nochmal, für bestimmte Übungen ist das bestimmt nicht schlecht. Und sich als Schreibende/r mit Wortarten zu beschäftigen, kann ja eh nicht schaden.

Bearbeitet von KerstinH
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vor 1 Stunde schrieb BeateB:

Ich denke, mein Missfallen rührt genau daher, dass er für Werbetreibende ist.

--- Ich hätte in meinem Ausgangspost offenbar deutlicher relativieren müssen. Dass Werbetexte selbstverständlich etwas anderes sind als Romantexte. Dass man aber einige Tipps daraus auch auf lange Texte übertragen kann.

Mein Verständnis von Literatur ist aber eben genau nicht, etwas zu verkaufen.

--- Da möchte ich einschränken, jede Art von Kommunikation will etwas "verkaufen". Sie sollte so gestaltet sein, dass beim Empfänger die Bereitschaft entsteht, die "Botschaft" aufzunehmen. Wenn du "verkaufen" mehr im Sinne einer Handelsware meinst, gebe ich dir recht: Bei uns geht es um Kunst und nicht um Kartoffeln.

Bestimmt sind manche Tipps darin für Anfänger bedenkenswert, wenn ich aber etwas lese wie:

Wann immer Sie wählen können zwischen
einem längeren und einem kürzeren Wort,
entscheiden Sie sich für das kürzere.

(...) Ich verbringe mitunter wirklich viel Zeit damit, genau das Wort zu finden, das ich an der Stelle perfekt finde

--- Genau so mache ich es auch. Aber die Länge kann doch durchaus ein Auswahlkriterium sein, wenn alle anderen Kriterien (Rhythmus, Klang, Bedeutung) "gleich" sind.

Ein bisschen off-topic: Mir ist zB durch das PdF erstmalig klar geworden, wie stark sich das Deutsche vom Italienischen oder Spanischen bei der Art und Anzahl der Vokale und Konsonanten unterscheidet. Im Deutschen gibt es relativ mehr Konsonanten, und es gibt relativ mehr helle (kalte) Vokale. Daraufhin habe ich mal die in Deutschland beliebtesten Vornamen um 1910 mit denen von heute verglichen, und ich glaube, die heutigen Vornamen haben sich mehr in Richtung italienischer und spanischer Klänge gewandelt.

Und es gibt, seit ich das weiß, in meinen Texten vereinzelte Stellen, bei denen ich auf diese Klänge achte.

 

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vor 14 Minuten schrieb HenningS:

Aber die Länge kann doch durchaus ein Auswahlkriterium sein, wenn alle anderen Kriterien (Rhythmus, Klang, Bedeutung) "gleich" sind.

Logisch. Und ja, die "Klangebene" von Wörtern miteinzubeziehen, ist auch sinnvoll.

Ich denke, es ist einfach meine instinktive Abneigung gegen diese Art Ratgeber, bei denen ich (nicht bei dir, sondern bei dem pdf) das Gefühl habe, jemand glaubt, er könne einfache Anweisungen für alle nur anfallenden Fragen geben.

Alles gut!

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vor 4 Stunden schrieb AndreasE:

Es macht bestimmt einen Unterschied in der Wahrnehmung solcher Ratgeber, ob die eigenen schriftstellerischen Ambitionen eher in Richtung Kafka oder in Richtung Konsalik gehen. Vielleicht ist es nicht nur ein lustiger Zufall, dass durchaus nicht wenige kommerziell sehr erfolgreiche Autoren in der Werbebranche angefangen haben: James Patterson z.B., Carlos Ruiz Zafón oder auch Frank Schätzing. 

Auch Marc Elsberg kam (nach einem Designstudium) aus der Werbebranche.

Eigentlich ist es bei einem guten Ratgeber  doch ähnlich wie mit einem guten Manuskript … zur rechten Zeit am rechten Ort können sie wahre Wunder bewirken. Ratgeber sind ja keine in Stein gemeißelten Regelwerke.

Inspiration exists, but it has to find us working! (Pablo Picasso)

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Aus Ratgebern sollte man sich immer nur das rausziehen, was einem nützt. Das können bei verschiedenen Nutzern ganz unterschiedliche Dinge sein. Ich finde in dem PDF schon ganz gute Hinweise, die gerade für Anfänger interessant sein können. Ich selbst lasse mich auch gerne immer wieder mal an grundlegende Dinge erinnern, die allgemein als guter/lebendiger Stil gelten. Ob, wann und wie man diese Ratschläge umsetzt, soll und darf natürlich jede:r für sich entscheiden. Aber es schadet nicht, solche Sachen mal gehört zu haben, und sei es nur, um sich dagegen zu positionieren (und dafür Argumente zu finden). Wer leicht lesbar, anschaulich und verständlich schreiben möchte, was vor allem bei Genreromanen eine Grundvoraussetzung ist (allerdings auch anderen Texten nicht unbedingt schadet), kann sich ruhig bei guten Werbetextern eine Scheibe abschneiden. Man muss ja nicht den ganzen Kuchen essen.

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