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InezCo

Englische oder deutsche Längenangaben?

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Ihr Lieben,

mal wieder eine Frage aus dem Lektorat. Mein Roman spielt im 18. Jahrhundert in England, und ich habe dementsprechend englische Längenangaben wie Meilen, Yards und Inches verwendet. Die Lektorin meint nun, das der besseren Verständlichkeit halber doch auf Kilometer, Meter und Zentimeter umzuändern. Hm. Wenn ich aber von Haferbrei schreibe, schlägt sie Porridge vor. Und die Leute reden sich natürlich mit Mr und Mrs an. Wie handhabt ihr das?

LG

Inez

 

 

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Liebe Inez,

 

in Falcon Peak, dessen erster Band Wächter der Lüfte nächsten Monat erscheint, hatte ich das gleiche Problem. Die Reihe spielt in England, also habe ich Inch, Fuß und Yard verwendet. Ein Probeleser hat das mit Blick auf das jugendliche Publikum (10+) bemängelt und zu Zentimetern und Metern geraten. Die Lektorin und ich haben uns dann aber bewusst für die englischen Angaben entschieden, um die Atmosphäre zu unterstreichen.

 

Liebe Grüße,

Heiko

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Falcon Peak - Wächter der Lüfte. Ein spannendes Fantasy-Abenteuer für Jungen und Mädchen ab 10 Jahren und jung gebliebene Erwachsene. ArsEdition, 01.03.2021

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In dem Übersetzerworkshop, an dem ich vor zwei Jahren teilgenommen hatte, hat die Leiterin sich dafür ausgesprochen,bei Übersetzungen das für deutsche Leser eher unbekannte Längenmaß des griechischen "strema"  zu übernehmen. Ihr Argument damals war: In allen Übersetzungen aus dem Russischen findet sich das russische Maß "Werst". Die wenigsten deutschen Leser dürften wissen, wieviel das in Meter ausgedrückt ist, aber jeder weiß sofort, dass es sich um ein Längenmaß handelt und kann sich zudem aus dem Kontext die Dimension zumindest ungefähr denken. Fanden wir alle damals gut.

Und als Leser möchte ich die russische, griechische, englische Atmosphäre schmecken. Dafür taugen doch gerade solche Maßangaben, noch dazu, wenn sie – wie in deinem Fall – allgemein bekannt sind! 

Laudatio auf eine kaukasische Kuh. Eichborn 2021. 

Alicia jagt eine Mandarinente. dtv premium März 2018. Die Grammatik der Rennpferde. dtv premium Mai 2016

www.angelika-jodl.de

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Ich nehme bei Geschichten, die in Großbritannien spielen, auch immer die englischen Einheiten. Die sind doch den Leuten mittlerweile geläufig.

Vor einiger Zeit hatte ich ein sehr anregendes Gespräch mit Else Laudan, der Verlegerin der Ariadne Krimis. Von ihr habe ich überhaupt erst einmal erfahren, wie schlampig Genreübersetzungen früher waren, dass eher nacherzählt wurde, gern auch sehr verknappt. Wenn ich nun im Lockdown mein eigenes Buchregal mit alten Büchern durchforste, finde ich das bestätigt - aber auch, und damit bin ich wieder bei deinem Thema, sind dort Kilometer und Meter verwandt. Ich denke, das ist die alte Herangehensweise. Heute will man doch eher auch die Atmosphäre transportieren - wie Angelika ja auch schon schrieb.

www.beatebaum.de 

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Dresden rechts außen - Ein Kirsten-Bertram-Krimi  -  Amazon  -  BOD  -  Thalia

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Meine letzten Romane spielen auch in Großbritannien, aber meinen Lektorinnen und mir ist so etwas, wie die englischen Begriffe in "geläufigere" zu ändern, nicht mal im Traum eingefallen. Da könnte man ja auch Pfund in Euro ändern ... weil diese Währung "geläufiger" ist.  Wirklich schräg.  :-? Die Leser/-innen sind doch nicht dumm. Ich würde das nicht akzeptieren.

Wenn es denn unbedingt Längenmasse sein müssen, dann würde ich vllt. eher mit Ausdrücken wie fingerbreit, mannshoch, baumlang etc. arbeiten. 

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Also das dies überhaupt ein Frage ist - o.k., man könnte darüber nachdenken. Ich würde entsetzt sein und an der Kompetenz der AutorIn zweifeln, würde ich nicht die landes- bzw. zeitüblichen Maße oder z.B. auch Währungen im Text vorfinden.

Bleibt zu hoffen, deine Lektorin lässt sich überzeugen.

LG

Bea

"Wer nicht weiß, in welchen Hafen er will, für den ist kein Wind der richtige." Seneca

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Ich verwende auch in deutschen hist. Romanen die zeitgenössischen Namen der Maße.  Elle, Fuß, Klafter, Eimer, Stein, je nach Region und Jahrhundert. Die tauchen dann im Glossar auf oder werden bildhaft im Text erklärt, sodass die LeserInnen einen Vorstellung davon haben. "Der Köhler schlug zwei Klafter Holz" klingt einfach schöner, als "Der Köhler schlug zwei Festmeter Holz".

LG

Martin

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www.martinconrath.de

Jede Art des Schreibens ist erlaubt - nur nicht die langweilige (Voltaire)

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