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FlorianV

Welche Epoche läuft?

Empfohlene Beiträge

vor 2 Stunden schrieb MaschaV:

Der Schauplatz spielt eine große Rolle. Krimi 1817 in London oder Paris geht wahrscheinlich immer, in München oder Bremen wahrscheinlich eher nicht. Aber auch das ist nur mein persönlicher Eindruck und nur eine Momentaufnahme. Möglicherweise wollen in drei Monaten alle Verlage 19.-Jhd.-Krimis.

Der Unterschied zwischen London, Paris, Bremen und München ist der, dass die erstgenannten Hauptstädte sind und Bremen und München dagegen eher klein und unbedeutend in der Weltgeschichte - da fehlt das interessante Kolorit. In Berlin würde es vermutlich schon wieder anders aussehen. Beim historischen Krimi ist ja gerade die Verbindung von Zeitkolorit und realen Ereignissen so spannend und der Kriminalfall ist der Kitt, der es zusammenhält. 

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vor 4 Stunden schrieb Ulf Schiewe:

Ich bin jetzt nicht der Experte für Trends, weil ich sie auch gar nicht wirklich beobachte. In einer Buchhandlung war ich schon seit drei Jahren nicht mehr. Ich kann also nur sagen, was mein Verlag von mir sucht - und das ist das totgesagte Mittelalter. WWII haben sie abgelehnt, dafür aber 11. und 12. Jahrhundert gern genommen. Ein Buch wird gerade von mir fertig geschrieben, das zweite ist in Verhandlung. Und mein Wikinger-Roman läuft auch besser als meine Romane aus anderen Epochen. Geht vielleicht nur mir so, ich weiß es nicht.

Ich denke, das hängt bei dir auch mit deiner direkte Fanbase zusammen. Wenn z.B. Rebecca Gablé statt über die Warinhams einen Roman über die Adenauers schreiben würde, wären ihre Fans auch enttäuscht.

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vor 7 Minuten schrieb MelanieM:

Der Unterschied zwischen London, Paris, Bremen und München ist der, dass die erstgenannten Hauptstädte sind und Bremen und München dagegen eher klein und unbedeutend in der Weltgeschichte - da fehlt das interessante Kolorit. In Berlin würde es vermutlich schon wieder anders aussehen. Beim historischen Krimi ist ja gerade die Verbindung von Zeitkolorit und realen Ereignissen so spannend und der Kriminalfall ist der Kitt, der es zusammenhält. 

Ich habe aber den Eindruck, dass "regionale" Geschichten auch ganz gut laufen. Wenigstens bei Krimis. Das war auch schon bei den Mittelaltergeschichten so. Die Hebamme oder Heilerin konnte auch in einer Kleinstadt gegen das Patriarchat kämpfen.

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vor einer Stunde schrieb Tereza:

Ich habe aber den Eindruck, dass "regionale" Geschichten auch ganz gut laufen. Wenigstens bei Krimis. Das war auch schon bei den Mittelaltergeschichten so. Die Hebamme oder Heilerin konnte auch in einer Kleinstadt gegen das Patriarchat kämpfen.

Ja, würde ich auch sagen. Die Henkerstochter spiet in Schongau, einer bayrischen Kleinstadt, die niemand kennt. Und die Bücher von Mechthild Borrmann und Frank Goldammer, die oben schon genannt wurden, spielen in Kleve, in Dresden oder in unbekannten Dörfern. Letztere schreiben über den Krieg und die Zeit danach, auch 50, 60er Jahre.

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Euch allen erst Mal vielen Dank für die Berichte und Überlegungen. Ich folgere daraus, dass ein Krimi, der 1816 spielt mir vermutlich nicht gerade aus der Hand gerissen wird, aber auch nicht das totale Kassengift sein wird. Gut, dann schreib ich den mal. Hätte ich ja sowieso gemacht ... ;D

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Steuert das Angebot oder die Nachfrage den Büchermarkt?

Das Beste beim Diktieren ist, dass man Worte verwenden kann, von denen man keine Ahnung hat, wie sie geschrieben werden.

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Oh, das ist eine Grundfrage. Dazu gibt es wirtschaftstheoretische Theorien (die ich aber nicht kenne). Mein Eindruck, was den Buchmarkt betrifft: Es geht Hand in Hand. Ein Angebot, das auf ausreichend Nachfrage trifft, schafft es, neue Nachfrage zu erzeugen. Diese Nachfrage generieert wieder ein bestimmtes Angebot usw.. Das sind dann die Trends, die solange laufen, bis sie sich erschöpft haben. Spätestens dann ist ein neues Angebot gefragt, das entsprechend Nachfrage erzeugt. Wie ein Angebot präsentiert sein muss, um Nachfrage zu erzeugen, ist dann wieder eine andere Frage.

Bücher / Clara Weißberg, Valerie Pauling
 

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vor 22 Stunden schrieb AnnaW:

Oh, das ist eine Grundfrage. Dazu gibt es wirtschaftstheoretische Theorien (die ich aber nicht kenne). Mein Eindruck, was den Buchmarkt betrifft: Es geht Hand in Hand. Ein Angebot, das auf ausreichend Nachfrage trifft, schafft es, neue Nachfrage zu erzeugen. Diese Nachfrage generieert wieder ein bestimmtes Angebot usw.. Das sind dann die Trends, die solange laufen, bis sie sich erschöpft haben. Spätestens dann ist ein neues Angebot gefragt, das entsprechend Nachfrage erzeugt. Wie ein Angebot präsentiert sein muss, um Nachfrage zu erzeugen, ist dann wieder eine andere Frage.

 

Dazu passend auch die vielgehörte Aussage, dass das erste Buch eines neuen Trends nie das erfolgreichste sein wird, sondern immer das zweite. Das erste macht aufmerksam, beim zweiten greifen dann alle zu. Jeder Erfolg baut auf den Erfolgen anderer Autoren auf. Insofern ja: Angebot und Nachfrage gehen Hand in Hand.

(Interessant dazu das Buch von Jörg Magenau "Bestseller - Bücher, die wir liebten und was sie über uns sagen")

 

 

 

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Sebastian Niedlich

Um mal speziell auf die letzten drei Postings einzugehen:

Das ist irgendwie die Crux am Ganzen, oder?
Im Grunde ist es doch so, dass - mal frei nach William Goldman zitiert - niemand irgendwas weiß. Die Leute in den Verlagen raten ja im Grunde auch nur, was die Trends angeht. Ich meine, sicher, Dinge wie Krimis gehen grundsätzlich immer. Liebesgeschichten gehen immer. Aber sobald man da etwas schreibt, was nicht in der aktuellen Epoche spielt, fängt es schon an. Oder sobald man irgendwas schreibt, was nicht 100%ig der Norm entspricht.
Insofern könnte man das Goldman-Zitat vielleicht anpassen und sagen: Keiner weiß irgendwas, bis es irgendwer einfach tut und es ein Erfolg wird.
In Deutschland könnte man es noch folgendermaßen weiter anpassen: Keiner weiß irgendwas, bis es irgendwer im Ausland, besonders den USA, einfach tut und es ein Erfolg wird.

;)

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Stephanie Schuster

Ich glaube, dass es nicht so sehr auf Zeit ankommt, in der eine Roman spielt, sondern auf die Figuren. Sie reißen den Agent, Lektor und später den Leser aus jeder noch so totgesagten Epoche. Das Gleiche gilt für das Setting. Die interessante Figur nimmt mich beim Lesen in ihre Zeit und ihre Welt. 

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vor 3 Stunden schrieb Stephanie Schuster:

Ich glaube, dass es nicht so sehr auf Zeit ankommt, in der eine Roman spielt, sondern auf die Figuren. Sie reißen den Agent, Lektor und später den Leser aus jeder noch so totgesagten Epoche. Das Gleiche gilt für das Setting. Die interessante Figur nimmt mich beim Lesen in ihre Zeit und ihre Welt. 

Das klingt eigentlich überzeugend, aber wenn ich mir den Buchmarkt anschaue, bin ich mir nicht so sicher.

In den 90-ern soll Antike gefragt gewesen sein, v.a. Altes Ägypten. Genau das ist schon seit Längerem die einzige Epoche, die gar nicht geht. Danach kam die Mittelalterwelle, die recht lang anhielt. Anschließend folgte der eher kurze Trend der exotischen Settings im 19. Jahrhundert, dann war erst einmal alles unklar und schließlich etablierten sich plötzlich die Weltkriege, die vorher als nicht historisch genug galten, da zu wenig von unserer Zeit entfernt. Jetzt scheint es Richtigung 50-er und 60-er zu gehen und was dann kommt, weiß der Himmel. Vielleicht wieder Antike.

Es scheint also immer Epochen zu geben, die sich als gerade besonders gefragt erweisen. Natürlich können einige Autoren zu dieser Zeit auch mit anderen Settings erfolgreich sein, aber sie sind Ausnahmen, weil die Leser ihre Bücher besonders lieben. Für Neueinsteiger und wenig bekannte Autoren ist das weitaus schwieriger, sie bekommen eher selten Verträge bei Publikumsverlagen, wenn ihre Epoche gerade nicht läuft.

Bis dann plötzlich ein Buch kommt, das den nächsten Trend auslöst.

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Am 2.2.2021 um 10:55 schrieb Sebastian Niedlich:

Um mal speziell auf die letzten drei Postings einzugehen:

Das ist irgendwie die Crux am Ganzen, oder?
Im Grunde ist es doch so, dass - mal frei nach William Goldman zitiert - niemand irgendwas weiß. Die Leute in den Verlagen raten ja im Grunde auch nur, was die Trends angeht. Ich meine, sicher, Dinge wie Krimis gehen grundsätzlich immer. Liebesgeschichten gehen immer. Aber sobald man da etwas schreibt, was nicht in der aktuellen Epoche spielt, fängt es schon an. Oder sobald man irgendwas schreibt, was nicht 100%ig der Norm entspricht.
Insofern könnte man das Goldman-Zitat vielleicht anpassen und sagen: Keiner weiß irgendwas, bis es irgendwer einfach tut und es ein Erfolg wird.
In Deutschland könnte man es noch folgendermaßen weiter anpassen: Keiner weiß irgendwas, bis es irgendwer im Ausland, besonders den USA, einfach tut und es ein Erfolg wird.

;)

Das sehe ich genauso.

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