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Ulf Schiewe

Die Hälfte der Sonne (von Chimamanda Ngozi Adichie)

Empfohlene Beiträge

Dieses Buch der nigerianischen Autorin hat mich sehr beeindruckt.

Ich zitiere hier einfach man den Klappentext, damit man weiß, um was es geht:

Zitat

 

Adichies preisgekrönter Afrika-Roman - schon jetzt ein Weltklassiker
Eine Geschichte über Liebe und Verrat, Rassismus und Loyalität und das Leben im zerstörerischen Alltag des Krieges.

Im Nigeria der Sechzigerjahre kommt der Dorfjunge Ugwu als Houseboy zu Odenigbo, einem linksintellektuellen Professor, bei dem er lesen und schreiben lernt. Als Odenigbos neue Liebe Olanna ihr privilegiertes Leben in Lagos verlässt, um mit ihm zu leben, wachsen die drei schnell zu einer kleinen Familie zusammen. 

Richard, ein englischer Journalist, der in Nigeria Inspiration für sein erstes Buchprojekt sucht, verliebt sich in Olannas ungleiche Schwester Kainene, die die Geschäfte der reichen, aber auch korrupten Familie leitet. Sie alle durchleben durch ihre je eigenen Kämpfe und Erfolge, doch teilen gemeinsam die große Hoffnung auf ein unabhängiges Biafra, das 1967 im Osten Nigerias, wo die Mehrheit der Igbo-Bevölkerung lebt, ausgerufen wird. 

Nur drei Jahre später versinkt das Land in einem blutigen Bürgerkrieg, der Olanna, Kainene und ihre Liebsten brutal aus ihren Leben reißt und alles Dagewesene ausradiert.

 

 

Die Geschichte an sich, besonders auch über die Leiden der Menschen im nigerianischen Bürgerkrieg (Biafra), ist schon sehr lesenswert. Darüber hinaus die Sicht auf Afrika - nicht von Europäern, sondern von einer Afrikanerin, auch wenn die Autorin natürlich zu einer gesellschaftlichen Schicht gehört, die westliche Bildung genossen hat.

Das Buch kommt am Anfang etwas belanglos daher und entwickelt sich dann immer mehr zu einem gewaltigen Epos. Die Figuren sind einmalig gezeichnet mit ihren Stärken und Schwächen, ihren Diskussionen, ihrem Zusammenleben und ihren Beziehungen, die sich im Laufe der Zeit und unter dem Einfluss des Geschehens wandeln. Sie selbst wandeln sich. Der Roman ist nicht nur gut geschrieben, sondern in vielen Kleinigkeiten gut beobachtet. Oft sind es nur solche kleinen Details, die so viel über die Figuren aussagen. Und so ist auch der schrecklichen Bürgerkrieg beschrieben. Nicht in Kampfhandlungen, sondern wie die Protagonisten zu überleben versuchen, unter Bombenangriffen und immer weiter um sich greifender Hungersnot und randalierenden Truppen. Auch die Liebesbeziehungen sind sehr authentisch beschrieben, nichts davon ist kitschig oder auch nur romantisch.

Ich habe das Buch sehr genossen und konnte es kaum weglegen, auch wenn es manchmal schwer zu ertragen ist, wenn Kinder leiden und verhungern. Wenn ihre Bäuche anschwellen und ihnen die Haare ausfallen.

Ich weiß nicht, wie gut die Übersetzung ist. Ich habe es auf englisch gelesen. 

Auch schon vorher habe ich einen anderen Roman der Autorin gelesen: AMERIKANAH. Auch das ein großartiges Buch über ihre Erfahrungen als Afrikanerin in den USA. 

 

Bearbeitet von Ulf Schiewe

Die Montalban-Reihe, Die Normannen-Saga, Die Wikinger-Trilogie, Bucht der Schmuggler, Land im Sturm, Der Attentäter, Die Kinder von Nebra, www.ulfschiewe.de

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Danke, Ulf, das steht auch auf meiner Liste und rückt hiermit sehr weit nach oben, wie auch AMERIKANAH.
Ich habe von der Autorin ihr Essay WE SHOULD ALL BE FEMINISTS als Hörbuch gehört, und schon das fand ich beeindruckend. Und herausfordernd. Ich ertappte mich immer wieder bei dem Gedanken "Ja, aber bei UNS ist das anders". But is it?

YA bei INK REBELS
aktuelles Projekt: »Northern Love«, Romance bei Knaur

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Danke für den Tipp, Ulf! Ich hatte "Amerikanah" mehrfach in der Hand - in der Bücherei - und es dann doch immer wieder weggelegt. Das nächste Mal nehme ich es mit.

Bücher / Clara Weißberg, Valerie Pauling
 

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Vielen Dank für die Vorstellung dieses interessanten Buches. 

Ich habe mir gleich mal die Leseprobe runtergeladen. Den Begriff "Biafra" habe ich als Kind zum ersten Mal in Verbindung mit "Biafra-Bäuche" gehört - als Synonym für verhungernde Kinder in Afrika, deren Bäuche unnatürlich vom Hungerödem aufgequollen wurden. Das waren übrigens die Kinder, die uns die Kindergärtnerinnen immer vorgehalten haben, wenn wir unser Essen nicht aufgegessen haben, aber wenn wir dann so mit vier Jahren vorschlugen, das Essen dann doch den armen Menschen zu schicken, anstatt des wegzuwerfen, zu hören bekamen, dass das nicht geht. Dass dort ein Bürgerkrieg herrschte und was die wirklichen Ursachen waren, habe ich erst sehr viele Jahre später erfahren. 

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An den Spruch kann ich mich auch erinnern. Ich war als Kind ein notorisch schlechter Esser - na ja, ich mochte vor allem kein Fleisch und das war damals ein Problem. Mir wurde ständig was von den hungernden Kindern in Afrika erzählt und dass ich mich schämen sollte, so mäkelig zu sein. Ich habe mich dann gefragt, was die hungernden Kinder davon haben, wenn ich mit Widerwillen tote Tiere in mich reinstopfe.:-?

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Biafra wurde im Bürgerkrieg von der nigerianischen Regierung systematisch ausgehungert, um es zur Kapitulation zu zwingen. Hab ich auch nicht gewusst.

Die Montalban-Reihe, Die Normannen-Saga, Die Wikinger-Trilogie, Bucht der Schmuggler, Land im Sturm, Der Attentäter, Die Kinder von Nebra, www.ulfschiewe.de

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