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Daniela

"auf" oder "in"? Oder geht beides?

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Da mir beim besten Willen nicht einfällt, wo ich diese Frage nachschlagen könnte, muss ich mal Euer geballtes Sprachwissen um sachdienliche Hinweise bitten.

Heißt es:

Auf kurzen Passagen erfordert die Wanderung den Einsatz der Hände zum Klettern.

oder

In kurzen Passagen erfordert die Wanderung den Einsatz der Hände zum Klettern.

Mein Sprachgefühl neigt zur ersten Variante, aber falls das stimmt - oder auch nicht -, wie lässt es sich grammatikalisch begründen?

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Der Satz ist ja eindeutig auf eine Wegstrecke bezogen. Also auf kurzen Passagen, innerhalb von kurzen Passagen oder etwas weniger elegant während kurzer Passagen.

In kurzen Passagen würde ich auf Galerien in Städten usw. beziehen. Lied-und Romanpassagen in oder innerhalb.

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vor 43 Minuten schrieb JenniferB:

Gefühlt würde ich sagen:
auf Passagen, wenn es einen Ort betrifft; also die Wege.
in Passagen, wenn es z.B. ein Lied oder einen Roman betrifft.

Das wäre auch meine "gefühlte Definition" ;-) 

Vielen Dank, dass Ihr mitdenkt und ganz andere Varianten vorschlagt! Mir geht es aber wirklich darum, genau diese Frage zu klären, denn ich schreibe sehr viele Weg- bzw. Tourenbeschreibungen und brauche deshalb möglichst viele Variationen, um denselben Sachverhalt auszudrücken. Da taucht dieses Problem zwangsläufig immer wieder auf.

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vor 1 Stunde schrieb GesineS:

Mir gefällt "während kurzer Passagen".

Dem schließe ich mich an. Nicht nur als Notlösung, sondern ich fände es tatsächlich inhaltlich - so wie ich das verstehe - eindeutiger.

~~~ Carina alias C. R. Scott ~~~

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Jetzt stehen schon drei Präpositionen zur Disposition – auf, in oder während –, sehe ich das richtig? 

Deswegen würde ich zuerst gern erklären, woher die Verwirrung kommt: Bei der Wahl von Präpositionen arbeiten grundsätzlich immer zwei Größen zusammen, nämlich die Präposition als solche (mit einem oft schillernden Bedeutungsgehalt) und das Wort, vor dem (prä!) sie sich aufhält, dieses ist immer ein Nomen (oder ersatzweise das passende Pronomen). Der diskutierte Fall – Passagen – changiert semantisch ebenso wie die Einsatzmöglichkeiten von auf oder in. Das macht den Weg frei für die Überlegung ob in nicht ebenso oder noch passender wäre als auf. Das einzige, was noch Halt geben könnte, ist das Sprachgefühl, für sich aber eine labile Einrichtung, die umso mehr ins Trudeln kommt, je mehr man sich auf sie stützen möchte.

Die in diesem Kontext gemeinte Bedeutung von Passagen ist aber eigentlich klar: Es sind keine Textabschnitte o.ä. gemeint, sondern Wegstrecken. Von daher steht für mich der Verwendung von auf nichts im Wege.

auf, etymologisch verwandt mit offen, wird verwandt bei räumlicher Zuordnung einer Größe zu einer anderen im offenen Raum. Deshalb steht man auf der Straße, auf einem Platz, auf dem Balkon, Turm, Dach etc. In dagegen setzt eine gewisse Geschlossenheit voraus, was diese Präposition auch dazu befähigt, zeitliche Größen zu benennen, die allerdings abgeschlossen sein müssen (im Sommer, im letzten Jahr, im Mai). Nur wenn man die Passagen zeitlich denkt, im Sinne von A - B = 20 Minuten, dann kann sich die Idee einschleichen, ob nicht vielleicht doch in die passendere Vokabel wäre. Wenn dies in den Vordergrund gestellt werden soll, dann würde ich allerdings auch zu während raten. Das ist eine relativ junge Präposition, hervorgegangen aus dem Verb währen, modern dauern und hat im Unterschied zur alten Schicht der Präpositionen keine große Auswahl an Bedeutungsmöglichkeiten, sondern nur die eine, temporale, die besagt: dauert von x - y.

Wie gesagt, ich habe auch kein Problem mit auf, es kommt darauf an, was herausgestellt werden soll: die Vorstellung der Passagen als Wegstrecken oder die zeitliche Dauer, die man für ihre Bewältigung veranschlagen möchte.

Laudatio auf eine kaukasische Kuh. Eichborn 2021. 

Alicia jagt eine Mandarinente. dtv premium März 2018. Die Grammatik der Rennpferde. dtv premium Mai 2016

www.angelika-jodl.de

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vor 42 Minuten schrieb Angelika Jo:

Jetzt stehen schon drei Präpositionen zur Disposition – auf, in oder während –, sehe ich das richtig? 

Deswegen würde ich zuerst gern erklären, woher die Verwirrung kommt: Bei der Wahl von Präpositionen arbeiten grundsätzlich immer zwei Größen zusammen, nämlich die Präposition als solche (mit einem oft schillernden Bedeutungsgehalt) und das Wort, vor dem (prä!) sie sich aufhält, dieses ist immer ein Nomen (oder ersatzweise das passende Pronomen). Der diskutierte Fall – Passagen – changiert semantisch ebenso wie die Einsatzmöglichkeiten von auf oder in. Das macht den Weg frei für die Überlegung ob in nicht ebenso oder noch passender wäre als auf. Das einzige, was noch Halt geben könnte, ist das Sprachgefühl, für sich aber eine labile Einrichtung, die umso mehr ins Trudeln kommt, je mehr man sich auf sie stützen möchte.

Die in diesem Kontext gemeinte Bedeutung von Passagen ist aber eigentlich klar: Es sind keine Textabschnitte o.ä. gemeint, sondern Wegstrecken. Von daher steht für mich der Verwendung von auf nichts im Wege.

auf, etymologisch verwandt mit offen, wird verwandt bei räumlicher Zuordnung einer Größe zu einer anderen im offenen Raum. Deshalb steht man auf der Straße, auf einem Platz, auf dem Balkon, Turm, Dach etc. In dagegen setzt eine gewisse Geschlossenheit voraus, was diese Präposition auch dazu befähigt, zeitliche Größen zu benennen, die allerdings abgeschlossen sein müssen (im Sommer, im letzten Jahr, im Mai). Nur wenn man die Passagen zeitlich denkt, im Sinne von A - B = 20 Minuten, dann kann sich die Idee einschleichen, ob nicht vielleicht doch in die passendere Vokabel wäre. Wenn dies in den Vordergrund gestellt werden soll, dann würde ich allerdings auch zu während raten. Das ist eine relativ junge Präposition, hervorgegangen aus dem Verb währen, modern dauern und hat im Unterschied zur alten Schicht der Präpositionen keine große Auswahl an Bedeutungsmöglichkeiten, sondern nur die eine, temporale, die besagt: dauert von x - y.

Wie gesagt, ich habe auch kein Problem mit auf, es kommt darauf an, was herausgestellt werden soll: die Vorstellung der Passagen als Wegstrecken oder die zeitliche Dauer, die man für ihre Bewältigung veranschlagen möchte.

Sehr schön beschrieben, Angelika! Besonders, dass es bei auf von der Offenheit des Raumes abhängt, bei in von der Geschlossenheit, z. B. im Haus, im Auto, und während einen Startpunkt und ein Ziel hat. Habe gerade selbst eine Wanderbeschreibung in meinem Blog geschrieben und würde es so sagen: Vom Wanderparkplatz aus machen wir uns auf den Weg (die Strecke hat 5 Km und dauert eineinhalb bis zwei Stunden). Während der Passage -der Wanderung- sahen wir mitten zwischen den Kiefern einen geschmückten Weihnachtsbaum, den ein lieber Mensch dorthin gestellt hatte.

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Vielen Dank für Deine ausführliche Erklärung, liebe Angelika! Die drucke ich mir aus und lege sie in den Duden, damit ich sie bei zukünftigen Unklarheiten griffbereit habe.

Im konkreten Text werde ich es jetzt bei "auf" belassen, denn es geht mir nicht um eine Beschreibung des Wandervorgangs (zeitlich), sondern um die Charakterisierung der Wegabschnitte (räumlich).  :)

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vor 1 Stunde schrieb JenniferB:

Immer wieder beeindruckend, die Angelika.
Dann liest sich das auch noch wie ein Gedicht.

Dabei bin ich doch seit kurzem Malerin, wie ihr wisst. :p

Laudatio auf eine kaukasische Kuh. Eichborn 2021. 

Alicia jagt eine Mandarinente. dtv premium März 2018. Die Grammatik der Rennpferde. dtv premium Mai 2016

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