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ChristineK

Personale Erzählperspektive vs. Ich-Erzählerin - eine Frage der emotionalen Manipulation?

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In den ersten beiden Romanen war die personale Erzählperspektive für mich eine Frage des Ehrgeizes: was vorzugsweise den hier schon häufiger zitierten u.s.-amerikanischen ErzählerInnen gelingt - die Distanz zur erzählten Figur trotz personaler Perspektive so zu reduzieren, dass ich mir als Leserin vorkomme, als schwebe ich als die erzählte Person durchs Geschehen, also fast die Aufhebung der personalen Perspektive - das wollte ich auch angehen. Mit Romanprojekt drei ist mir aber klar geworden, dass es sioch nicht nur um eine Frage der Herausforderung, von Kunst und Können handelt, sondern dass ich mich einem ganz bestimmten Selbstverständnis ausgeliefert sehe, und das lautet ungefähr so: wo die personale Perspektive Handwerk, Kunst und Können erfodert, ist die Ich-Erzählperspektive ein Shortcut, eine emotionale Abkürzung zu den Gefühlen der Lesenden. So, als sei das unlauter. Also nicht etwa bei allen anderen AutorInnen, deren Romane in der Ich-Perspektive ich zum Teil sehr schätze - Vernon God Little von DBC Pierre, Extrem laut und unglaublich nah von Safran Foer, The fault in our stars von John Greene -, aber wenn ICH das täte. Als würde ich durch autofiktionales Erzählen in der Ich-Perspektive meinen LeserInnen nicht mehr selber überlassen, sich auf Erzählstimme und Story einzulassen, sondern als würden sie von mir dadurch, dass ich ihnen meine Perspektive aufzwinge, emotional manipuliert. Als wäre das eine minderwertige Art, mich meiner LeserInnen zu vergewissern. Als würde ich sie dadurch bestechen. So in etwa. Ist mein Punkt in etwa nachvollziehbar? - Denn, warum das gerade von elementarer Bedeutung ist: das aktuelle Romanprojekt ist ein autobiographisches, hat mit Sterben, Trauer und Übrigbleiben in Deutschland zu tun, mit der Stigmatisierung von Krankheit, Sterben und Verwitwung, und es erscheint mir - diesmal umgekehrt - unlauter, das zu fiktionalisieren und aus personaler Perspektive zu erzählen. Bediene ich mich aber meiner eigenen Stimme, meiner eigenen Perspektive und vor allem meiner eigenen Erfahrungen, dann, s.o., tappe ich in die (erzwungene) Empathie-Falle. (Im Moment behelfe ich mir damit, genau diese Skrupel im Dialog mit einer Handpuppe, die sozusagen mein skeptisches Alter Ego darstellt oder aber sich auch über mich lustig macht, zu thematisieren). Würde mich interessieren, ob jemand hier ähnliche Skrupel hat bzw. wie Eure Gedanken dazu sind...

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Sebastian Niedlich

Obwohl es sicherlich Leute gibt, die keine Skrupel haben, wirst du wahrscheinlich mit den meisten Schriftstellern Menschen finden, die von Zweifeln geplagt sind. ;)

Ich finde es faszinierend, dass ausgerechnet die Ich-Perspektive der Hügel ist, auf dem du da sterben willst, bzw. so einen großen Unterschied zu anderen Perspektiven siehst. Wir manipulieren die Leser ohnehin IMMER emotional, egal welche Perspektive wir wählen. (Gut, es mag Autoren geben, die nur sachlich schildern, aber das sind dann auch eher anstrengende Bücher.)

Wenn einem am Ende klar ist, dass diese emotionale Manipulation dazugehört, erkennt man vielleicht, dass die Erzählperspektive nicht unbedingt der springende Punkt dabei ist.

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Natürlich ist alles Manipulation. Wir kreieren etwas, das nicht existiert. Wir stellen erfundene Figuren auf die Bühne und lassen sie in erfundenen Plots spielen und ihre ebenfalls erfundenen Gefühle erleben. Und wir tun das auf eine Art, die es für Leserinnen und Leser greifbar macht, es sie miterleben lässt. Das ist die Arbeit des Romanautors. Die Ich-Perspektive hilft ein wenig dabei. Dagegen ist nichts einzuwenden. Ich erzähle auch oft im Präsens, was das Gefühl, dabei zu sein, noch steigert. Alles legitim. Und natürlich Geschmacksache.

Die Montalban-Reihe, Die Normannen-Saga, Die Wikinger-Trilogie, Bucht der Schmuggler, Land im Sturm, Der Attentäter, Die Kinder von Nebra, www.ulfschiewe.de

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Verstehe ich das richtig, dass du möglichst objektiv schreiben möchtest, damit es dem Leser überlassen bleibt, das ganze subjektiv zu betrachten und bewerten?
Die Ich-Perspektive ist aber doch etwas rein subjektives, sonst wäre es ja gegen die Natur.

Wenn ich eine fiktive Geschichte lese, MÖCHTE ich vom Autor manipuliert werden. Nur wer das kann, hat meine Achtung verdient. Viele können es – meiner Meinung nach – leider nicht. Sie können mit Sprache umgehen, aber sie können nicht erzählen und den Leser dabei gezielt lenken.
In einer Autobiografie möchte ich nicht nur erfahren, was die Person erlebt, sondern auch wie sie es erlebt. Aber gerade das Wie setzt voraus, dass es subjektiv geschildert wird mit allem was dazugehört. Denn nur daraus leite ich die Haltung und Weltanschauung des Charakters ab, die nicht unbedingt meiner eigenen entsprechen muss. Die Kunst des Autors besteht darin, dass ich es trotzdem nachvollziehen kann.

Es kann natürlich auch sein, dass ich dich komplett falsch verstanden habe.

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Ich habe deinen Text, Christine, mit Faszination gelesen.

Sehr lange hatte ich auch größte Probleme und Scheu vor der Ich-Perspektive - aber aus ganz anderen Gründen. Ich finde die sauschwer!
Vielleicht ist das eine Frage, wie man angefangen hat. Ich habe auch mit der amerikanischen Creativ-Writing-Version der personalen Erzähler gelernt, und finde einfach, dass man da viel weniger falschmachen kann. Das ICH war richtig lange eine große Hürde für mich, ein richtiges Schreckgespenst, weil es so viele Fallstricke gibt.
(Auch wenn die Ich-Persoektive, kluggeschissen, ja personal erzählt ist.)

Auch bekannt ist mir aber das Gefühl von Skrupeln - darf ich das ICH meiner Figur an mich nehmen? Hat die mir das erlaubt?
Das würde mir mit realen Figuren auch noch mal deutlich schwerer fallen als mit rein fiktiven.

Bearbeitet von JenniferB
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Naja, zuerst einmal gibst du ja zu, dass du selbst es bist, die glaubt, du würdest mit der Ich-Perspektive mehr (oder überhaupt) manipulieren als mit personaler Perspektive (ich selbst sehe es anders, man kann auch personal sehr stark manipulieren). Es ist also eine Frage deiner Selbstwahrnehmung als Autorin. Und da stellt sich mir eine andere Frage: Ist die darunterliegende Angst eigentlich die, dass die Leser die Ich-Person in der Erzählung mit dir als Autorin verwechseln könnten? Beziehungsweise - da du ja von autobiografischen Zügen sprichst - dass du der (eventuellen) Kritik der Leser dann stärker ausgeliefert wärst, weil diese Verwechslung von Erzähler-Ich und Autoren-Ich bei den LeserInnen natürlich schneller passiert, wenn in der Ich-Perspektive geschrieben wird? Unabhängig vom Thema Empathie, denn Empathie würde bei dem Thema so oder so eingefordert.

Ich fände es auch nicht unlauter (wie du schreibst), das Thema Sterben, Krankheit und Verwitwung zu fiktionalisieren. Ob es glaubhaft rüberkommt, hängt m.E. nicht an der Perspektive. Dass du aus eigenem Erleben schreibst, könntest du, falls gewollt, immer noch im Nachwort thematisieren. Es kommt mir vor (bitte nicht falsch verstehen, ich kann mich irren), als wäre die Ich-Perspektive für dich die Erlaubnis, diese Themen überhaupt angehen zu können, da: selbst erlebt. Als wäre es der Nachweis der Glaubwürdigkeit. Aber ich denke, man muss sich vor den Lesern nicht rechtfertigen. Wenn man gut und empathisch über ein Thema schreiben kann, ist es egal, ob es sehr gut recherchiert oder selbst erlebt ist. Schlecht in beiden Fällen wäre m.E. nur eine klischeehafte Schreibe.

Bearbeitet von KerstinH
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Ich kann in etwa nachvollziehen, was du meinst. Aber generell scheint die Ich-Perspektive nur auf den ersten Blick einfacher zu sein als der personale Erzähler. Natürlich hast du von Anfang an mehr Nähe zur Figur. Aber nicht damit unbedingt Zugang zu den wahren Gefühlen der Figur. Denn das, was die Figur zu fühlen glaubt und denkt, ist nicht unbedingt das, was sie wirklich empfindet und will. Da geht es auch viel um Selbsttäuschung, um unreflektierte Ideale. Meines Erachtens besteht die Kunst der Ich-Perspektive darin, aus dem (engen) Kosmos der Figur zu schreiben, und trotzdem noch genug Distanz aufrecht zu erhalten, dass diese Nähe für den Leser nicht erstickend wirkt.

Es gibt in dem Sinne gar keine Empathie-Falle. Entweder, du kannst Gefühle transportieren und mitreißen, oder es kleistert völlig zu, ist zu viel, nicht überzeugend.

Aber vielleicht hast du Bedenken, überhaupt so viel Nähe zuzulassen und über Gefühle zu schreiben? Der personale Erzähler erlaubt mehr Distanz.

 

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Doch, das verstehe ich, glaube ich: Ein autobiographisches Thema haben ja viele von uns und verlegen es in die fiktive Figur mit ihren ausgedachten Attributen und ihrer Perspektive. Dagegen sagt die Ich-Perspektive (zumindest zu einem selbst): "Jetzt machst du dich irgendwie unwidersprechlich." (Und tatsächlich ist es mir beim Lesen von Foers "Extrem laut und unglaublich nah" ein wenig so gegangen, dass ich mich angestupst fühlte, gefälligst mitzuleiden. Das lag aber auch sehr stark daran, dass er ein Kind hat sprechen lassen und dem dazu noch so viele Gebrauchsanweisungen für den Leser in den Mund gelegt hat, dass der – ich jedenfalls – dann doch schnell den Kopf einzieht und sich ärgert).

Dass speziell du in die Empathie-Falle tappst, kann ich mir jetzt aber gar nicht vorstellen. Schon weil du es reflektierst und dich selbst mit einem skeptischen Alter Ego zähmen willst. So ein Begehren nach Distanz zum selbst Erlebten – wie sollte so was dem Leser aufdringlich vorkommen? Hast du schon angefangen? Ich wünsche gutes Gelingen! 

Laudatio auf eine kaukasische Kuh. Eichborn 2021. 

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Zunächst mal an alle: DANKE. Das ist nicht nur ein unerwartetes Feuerwerk an Rückmeldungen, sondern noch dazu voller Anmerkungen, die mir einiges über meinen eigenen (Schreib-)Anspruch und mein Selbstbild als Autorin klarmachen. Und weil ich das ziemlich bemerkenswert finde, wie schnell und konstruktiv Ihr Euch alle auf meinen Konflikt eingelassen habt, will ich zumindest ganz kurz Rückmeldung geben, was Eure jeweiligen Rückmeldungen aus- bzw. aufgelöst haben:

@Ulf Schiewe Natürlich ist alles Manipulation, schreibst Du, und damit merke ich, dass ich mich da offenbar missverständlich ausgedrückt habe, denn dessen bin ich mir natürlich nicht nur bewusst, sondern darin besteht ja die Faszination von Narrativen: dass sie tatsächlich die Macht haben, das Denken, Fühlen und manchmal sogar Handeln von Menschen zu beeinflussen. Mir ging es eher um die technische Qualität der Manipulation: tue ich das über klassische schriftstellerische Möglichkeiten, Phantasie, Plot, Stil, Figurenentwicklung, Sprache etc., also mein schriftstellerisches Handwerk. Oder aber bediene ich mich derselben Fähigkeiten, die ich auch nutze, wenn ich meine Kinder dazu bringen möchte, bestimmte Dinge zu tun, wenn ich jemanden überzeugen oder einen bestimmten Eindruck erwecken möchte. Wenn ich also bestimmte argumentative, emotionale Muster bewusst einsetze, um eine bestimmte Wirkung zu erzielen. Die mit meiner Wahrnehmung der Welt zu tun hat. Während ich das zu erklären versuche, merke ich, wie sich meine Ursprungsfrage in Luft aufzulösen beginnt und ich offenbar nur meinen Konflikt mit der von @Angelika Jo und @KerstinHaufgeworfenen Frage lösen muss: meine Selbstwahrnehmung als Autorin bzw. die Self-Exposure, die ich vornehme, wenn ich mein Erleben, meine Person und meine Gefühle sichtbar und erkennbar in den Mittelpunkt des Erzählten stelle - und damit angreifbarer mache als fiktionale Personen.

Missverständnis hingegen, @Ulrike; für einfacher halte ich die Ich-Perspektive keineswegs, im Gegenteil, bestimmte körperliche Vorgänge z.B. finde ich in der 1. Person wesentlich schwieriger zu erzählen als in der personalen Perspektive, noch dazu birgt die 1. Person das wesentlich höherer Risiko, in Gedankenspiralen, Stream of Consciousness und generell emotionaler Geschwätzigkeit hängenzubleiben...

Aber gut, dann erkenne ich hiermit an, dass meine vermeintliche Perspektivfrage offenbar auch etwas mit der Angst vor narzisstischer Selbstüberschätzung zu tun hat, eine Risiko, das wiederum in allen Perspektiven existiert - mach ich mich also daran, den "Hügel, auf dem ich sterben will" (danke, @Sebastian Niedlich, für dieses zauberhafte Bild ;), mit Hilfe meines Klappmaulpuppenschafs weiter zu erklimmen. Danke Euch.

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Oh, jetzt hast du den Thread mit deinem Beitrag eigentlich abgeschlossen; ich komme trotzdem im Nachklapp hinterher. Ich bin ein Freund der Ich-Perspektive, der inneren Monologe und des Streams of Consciousness. Ich möchte beim Lesen extrem nah an die Figuren herankommen. Wenn ich deinen Eingangsbeitrag richtig verstehe, willst du autobiografisch an stark emotional besetzte Themen in der Ich-Perspektive herankommen und damit wird die Distanz zwischen dem Autor und der Figur klein. Für mich gibt es Tabu-Themen, über die werde ich nie schreiben; ein Teil deiner Themen gehört für mich zu diesen Themen.

Der Trigger für mein aktuelles Projekt war ein Erlebnis vor fast 20 Jahren, was mich stark berüht hat. Um eine Distanz zur mir zu gewinnen, habe ich eine fiktive Figur entwickelt - eine Frau, die es real nicht gibt und aus deren Ich-Perspektive ich schreibe. Ihr Partner ist in dem entscheidenden Kapitel identisch mit mir, ansonsten fiktiv. Mein Denkansatz, um Distanz zu mir zu bekommen, war, wie würde eine fiktive Figur mich ergründen?

Bearbeitet von Dietmar
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vor 4 Minuten schrieb Dietmar:

Der Trigger für mein aktuelles Projekt war ein Erlebnis vor fast 20 Jahren, was mich stark berüht hat. Um eine Distanz zur mir zu gewinnen, habe ich eine fiktive Figur entwickelt - eine Frau, die es real nicht gibt und aus deren Ich-Perspektive ich schreibe. Ihr Partner ist in den entscheidenden Kapitel identisch mit mir, ansonsten fiktiv. Mein Denkansatz, um Distanz zu mir zu bekommen, war, wie würde eine fiktive Figur mich ergründen?

Das finde ich einen spannenden Ansatz.

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Ich komme auch noch im Nachklapp. Ganz so schnell bin ich halt nicht.

Im Grunde genommen teile ich die Meinung meiner Kollegen hier. Fiktionales Schreiben ist erwünschte Manipulation. Deshalb sollte ich vielleicht gar keine Skrupel haben. Aber ...
Welche Perspektive ein Autor wählt ist zunächst einmal eine reine Frage des Handwerks und der eigenen Vorlieben, Stärken und Schwächen. Aber ...

Bei einer autobiographischen Geschichte, die man ja selten ohne einen persönlichen Hintergrund anpackt, ist es nicht so einfach, wie oben angedeutet. Deshalb finde ich Deine Bedenken auch leicht nachzuvollziehen. Ich glaube, die erste Frage, die Du für Dich bewantworten musst, ist, wieviel Wahrheit und wieviel von dir selbst steckt in der Ich-Perspektive.

Ich habe einmal eine Geschichte in der Ich-Perspektive geschrieben - nach wie vor mein Lieblingsbuch - , in der der Protagonist so gut wie gar nichts mit mir persönlich zu tun hatte. Es fiel mir erstaunlich leicht. Sollte aber bei Dir aber die Ich-Erzählstimme 90% Christine sein, wird es schwieriger. Aber für mich ist es immer noch eine offene Frage, wie viel Du bereit bist, von dir selbst in die Geschichte hineinzubringen.
Unehrenhaft in Form einer unberechtigten Manipulation ist es aber in keinem Fall, weil Du Fiktion ohne Wahrheitsanspruch schreibst. Dein Wahrheitsanspruch erstreckt sich lediglich auf allgemeingültige oder beispielhafte Dinge. Und so sollte es auch sein.

Einfach machen, schlage ich vor. Wenn es Dir nicht gelingen sollte und Du scheiterst, hast Du viel gelernt dabei. Aber auch das findet man erst heraus, wenn man es versucht hat.

Viel Erfolg
Wolf

 

 

 

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Es ist wahrscheinlich alles eine Frage der Gewöhnung. Für Leser wie für Autoren. Außerdem: das ICH des Ich-Erzähler ist nicht mein Ich. Es ist nur eine Figur wie sonst auch. Die Form erlaubt einfach etwas mehr Innenleben zum Ausdruck zu bringen, statt dauernd "denkt sie/er" zu schreiben. Natürlich sollte man nicht zu viel Nabelschau betreiben, sondern zügig erzählen und eher den Blick nach außen beschreiben.

Ich habe jetzt 8 Romane mit Ich-Erzähler veröffentlicht. Obwohl gern gesagt wird, Leser mögen das nicht, hat sich noch niemand bei mir deswegen beschwert.

Außerdem habe ich 5 Romane im Präsens geschrieben (bin gerade beim sechsten) und drei davon mit Ich-Erzähler. Darüber hat sich auch niemand beschwert, im Gegenteil.

Also meine ich, man sollte keine Hemmungen haben, so zu schreibe, wie es einem gefällt und wie es der Geschichte und der Figur zuträglich ist. Alles ist erlaubt.

Die Montalban-Reihe, Die Normannen-Saga, Die Wikinger-Trilogie, Bucht der Schmuggler, Land im Sturm, Der Attentäter, Die Kinder von Nebra, www.ulfschiewe.de

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vor einer Stunde schrieb Ulf Schiewe:

Es ist wahrscheinlich alles eine Frage der Gewöhnung. Für Leser wie für Autoren. Außerdem: das ICH des Ich-Erzähler ist nicht mein Ich. Es ist nur eine Figur wie sonst auch. Die Form erlaubt einfach etwas mehr Innenleben zum Ausdruck zu bringen, statt dauernd "denkt sie/er" zu schreiben. Natürlich sollte man nicht zu viel Nabelschau betreiben, sondern zügig erzählen und eher den Blick nach außen beschreiben.

 

 

Ich habe in einem meiner letzten Romane meine Protagonistin über 150 Seiten aus dem nahen personalen Erzähler in Ich umgeschrieben. Ich habe ihren Namen, das Personalpronom und die Verbform geändert.
Nichts anderes. "Denkt sie" gibt es bei mir allenfalls für den Satzrhythmus, daher bleibt das im Ich bestehen.
Würde daher nicht unterschreiben, dass mehr Innenleben möglich ist; man kann ein Ich sowie eine personale Erzählform mit so viel oder wenig Innenleben ausstatten, wie man es eben für die Geschichte und die Zielgruppe sinnvoll empfindet.
Da musste ich dann an Tom denken, der damals immer wieder jedem Newbie erklärte: Die Ich-Perspektive ist eine personale Erzählform, es gibt keine drei Erzählformen, nur zwei.
Hab ich mir gemerkt :)

Aber einen gefühlten Unterschied gibt es trotzdem.
Ich habe inzwischen nach der anfänglichen Scheu auch schon einige Ichse geschrieben. Die eine Figur nun, die mir ähnlich ist, war schwer. Da zuckte tatsächlich immer mal wieder so ein Schutzreflex und ich musste mich häufig daran erinnern, dass niemals irgendwer erfahren wird, wie autobiografisch Teile dieser Figur sind. Das wäre mir mit personal "er" vermutlich nicht passiert.

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Ich sehe es auch so. Ich schreibe gerade mehrere personale Perspektiven, und das Ganze ist extrem psychologisch. Näher ran geht nicht. Und „denkt sie“ vermeide ich auch, wo es nur geht. Das braucht man nicht, wenn klar ist, aus wessen Perspektive man schreibt. 
Das mit dem Schutzreflex hingegen könnte ich mir bei Ich gut vorstellen. 

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Am 18.12.2020 um 16:20 schrieb ChristineK:

das aktuelle Romanprojekt ist ein autobiographisches, hat mit Sterben, Trauer und Übrigbleiben in Deutschland zu tun, mit der Stigmatisierung von Krankheit, Sterben und Verwitwung, und es erscheint mir - diesmal umgekehrt - unlauter, das zu fiktionalisieren und aus personaler Perspektive zu erzählen.

Unlauter weiß ich nicht, aber ein Buch mit autobiographischen Anteilen, das aber nicht wirklich von dir erzählt, sondern ein Roman ist, könnte mE zu Verwirrungen führen. Es gibt ja regalmeterweise Bücher "Leben ohne den geliebten Partner" oder "Mein Leben mit dem Krebs", o.ä., in denen die Autoren mehr oder weniger wirklich nur schildern, was sie selbst erlebt haben. Das lesen naturgemäß v.a. Leute, die mit dem Thema in ihrem Leben gerade zu tun haben. Mit der Ich-Form und einer entsprechenden Kurzbiografie ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass du dort einsortiert wirst, und dann kann es vielleicht doch als "Trick" erscheinen und Enttäuschung auslösen, wenn es "nur" ein Roman ist und die Leserin das zu spät merkt. Ich könnte mir vorstellen, dass es da negative Kritiken gibt.

(Die Bücher von Sabine Dinkel sind ein Beispiel, was für Bücher ich meine. Oder "In meinem Herzen steckt ein Speer". So etwas.)

Bearbeitet von Beate K.

Man gräbt keine goldenen Halsbänder aus dem Boden. (John Vorhaus "Handwerk Humor")

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Das ist bei einem solchen Projekt immer die Frage, wie weit man es fiktionalisiert, und es ist - meine Erfahrung - ein ständiges Austarieren. Als was man es dann verkauft, ob als Roman, "Bericht" oder etwas wie ein erzählendes Sachbuch, diese Frage muss man sich natürlich stellen, und die Antwort hat vermutlich großen Einfluss auf Form und Stil, aber darum ging es dir, glaube ich, gar nicht. (?!) Es ging ja um eine romanhafte Erzählung nahe an den den eigenen Erfahrungen, dem Erlebten, und es gibt diesen Moment, wo einem - ich kenne das aktuell gut - das Ich als einzig redliche Möglichkeit erscheint. Für mich ist die Ich-Perspektive generell die anspruchsvollste: warum erzählt dieses Ich einfach los, mit wem spricht es, spricht es jemanden an, wo befindet es sich, an welchem Punkt seines Lebens und Denkens, von welcher Warte aus erzählt es also, in welcher Stimmung. Schreibt es das Erzählte nieder? Schreibt es an irgendjemanden? Und so weiter. Wie stark und wie oft blitzt das wahre Ich der Autorin hinter der Ich-Erzählerin, die natürlich Kunstfigur ist, hervor, wo muss man es  auf jeden Fall verschleieren oder verbrämen? Für mich ist es, merke ich, sehr wichtig, die Figur, die etwas erlebt oder thematisiert, das nahe an meinem autobiographischen Material ist, sehr gewissenhaft zu konstruieren (natürlich macht man das bei personal erzählten Figuren auch) und immer wieder innezuhalten und mich zu fragen: wo gebe ich ihr ganz bewusst einen abweichenden biographischen Hintergrund, wo müssen wir gleich sein, wo muss ich mich wirklich nackig machen und darf nichts erfinden?
Für mich sind Alices Munros Ich-Erzähler sehr inspririerend.

Viel Glück beim Austarieren, Suchen, Finden, Schreiben.

Baronsky&Brendler: Liebe würde helfen  Ein Staffelroman 
Februar 21, Kampa

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Am 19.12.2020 um 19:43 schrieb Beate K.:

Unlauter weiß ich nicht, aber ein Buch mit autobiographischen Anteilen, das aber nicht wirklich von dir erzählt, sondern ein Roman ist, könnte mE zu Verwirrungen führen.

Liebe @Beate K., damit hast Du den Ursprung des Konflikts noch ein Stück weiter freigelegt, genauso wie auch Deine Anmerkungen, @ClaudiaB. Wahrscheinlich war das sogar mein latentes Motiv, mich genau dieser Frage stellen zu müssen: dass es tatsächlich gar keine PoV-Frage ist, keine Frage der Erzählperspektive, sondern eine Frage des aus-der-Deckung-Wagens. Aus der Deckung, die literarische Fiktion insofern bietet, lediglich literarisch, formal, stilistisch dafür angegriffen werden zu können. Noch der vernichtendste Verriss richtet sich (oder sollte es zumindest) gegen den Text, nicht gegen die Autorin (ich weiß um die abweichende Praxis, will aber heute mal vom Prinzip ausgehen). Aber ähnlich, wie mit der Erkenntnis, dass ein Unterschied darin besteht, für ein Verhalten/eine Handlung kritisiert zu werden oder als Person an sich, verhält es sich vielleicht mit der Entscheidung, einen autofiktionalen Text, ein Memoir mit literarischen Anteilen zu schreiben. Plötzlich ist es nicht mehr die Literatur, die Christine Koschmieder als Agentin vertritt, nicht mehr die literarischen Romane, die sie als Autorin schreibt, nicht mehr die professionelle Ebene, die sich dem Handwerkszeug und zum Teil auch der Waffen literarischer Kritik stellen muss, sondern - Achtung, Bildvergleich aus "Love & Anarchy" - da steigt eine Person im Hallenbad aus dem Becken, und nachdem der erwartbare Oberkörper schon oberhalb der Wasseroberfläche sichtbar ist, steigt dann auch der Unterkörper aus dem Wasser. Und der hat keine Badehose an.  - Heißt: wer erkennbar (autobiographisch UND aus der Ich-Perspektive) schreibt, macht sich nackig. Und als Mensch angreifbar, nicht als Schreibende. - Sorry, falls das für einige hier eine Binsenweisheit ist, aber für mich hat es offenbar genau diesen Umweg über die PoV-Bande gebraucht, um mir dessen gewahr zu werden. Danke für Eure Unterstützung, diese Erkenntnis freizulegen. Mit der ich mich jetzt vom Beckenrand aus ins Wasser stürzen werde...

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In meinem letzten Roman "Invidias Gesetze" hatte ich ein Kapitel zunächst in Ich-Form geschrieben, und da ist mit dem Text etwas Merkwürdiges passiert.

Der Zusammenhang: in meiner Romanreihe erzähle ich jeweils die Lebensgeschichte einer Frau. Die einzelnen Kapitel zeigen wichtige Stationen der Hauptfigur und spielen meist in großen zeitlichen Abständen. Um die Kapitel stark voneinander abzuheben, schreibe ich manche Kapitel im Präsens andere im Präteritum. Auch bei den Perspektiven wähle ich - je nachdem, was am besten passt - Ich, PE oder AE.

Ein Kapitel der 12-jährigen Invidia schrieb ich zunächst in Ich-Form. In diesen Kapitel hat sie einiges zu erleiden. Die Mutter traktiert sie übermäßig mit religiösen Dingen. Die 18-jährige Schwester findet bei Invidia Bilder mit softem sadomasochistischem Inhalt und stellt sie damit öffentlich bloß.

Als ich eine erste Fassung dieses Kapitels nach einigen Wochen wieder vornahm, stellte sich beim Lesen bei mir überhaupt kein Mitgefühl mit Invidia ein. Obwohl dem Mädchen objektiv schlimme Dinge geschahen, fand ich den ganzen Text "jammerig". Dies war immerhin das fünfte Buch der Reihe. Sowas war mir vorher nie passiert.

Irgendwann fiel mir auf, es könnte an der Perspektive liegen. Die Ich-Perspektive ist ja hochgradig subjektiv. Alle Gefühle der Reflektorfigur werden von dieser als "wahr und angemessen" behauptet. Ich stellte das Kapitel um auf eine Personale Erzählweise, und die Wirkung war zu meiner Verblüffung extrem. Hier hatte ich als Leser das Gefühl etwas Objektives zu erleben. Und alles Jammerige verschwand wie weggeblasen.

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vor 13 Stunden schrieb HenningS:

Irgendwann fiel mir auf, es könnte an der Perspektive liegen. Die Ich-Perspektive ist ja hochgradig subjektiv. Alle Gefühle der Reflektorfigur werden von dieser als "wahr und angemessen" behauptet. Ich stellte das Kapitel um auf eine Personale Erzählweise, und die Wirkung war zu meiner Verblüffung extrem. Hier hatte ich als Leser das Gefühl etwas Objektives zu erleben. Und alles Jammerige verschwand wie weggeblasen.

Das finde ich erstaunlich. Ich empfinde das eher anders herum. Aber dann jammern meine Figuren ohnehin wenig. :)

Die Ich-Form hilft mir, mich besser in die Figuren hineinzudenken. Diese Erfahrung hat mir sogar auch in der Peronal-Erzählform geholfen, dichter an der Figur zu erzählen und das auktoriale Erzählen immer mehr auf das absolute Minimum zu beschränken.

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@ChristineK, kennst du "Idylle mit ertrinkendem Hund"?

Das ist eine Geschichte über den relativ bekannten Schriftsteller Michael Köhlmeier ("Abendland"), der zusammen mit seiner Frau, der relativ bekannten Schriftstellerin Monika Helfer ("Die Bagage") in seinem Haus in Österreich seinen Lektor erwartet. Der Lektor, von dem er viel hält und den er als seinen Lehrer bezeichnet, kommt; die beiden machen einen Spaziergang, auf dem sich vieles in ihrem Verhältnis ändern wird. Das hat mit einem ertrinkenden Hund zu tun, vor allem aber mit der vor wenigen Monaten in den Bergen tödlich verunfallten Tochter des Schriftstellers. Das Buch ist recht schmal, geschrieben hat es in Ich-Perspektive Michael Köhlmeier, dessen Tochter Paula tatsächlich in den Bergen ums Leben gekommen ist.

Bearbeitet von Angelika Jo

Laudatio auf eine kaukasische Kuh. Eichborn 2021. 

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Liebe @Angelika Jo, die "Idylle mit ertrinkendem Hund" kenne ich zwar nicht, aber seine seine großartig frei nacherzählten antiken Sagen, seit wir die das erste Mal auf MDR Kultur gehört haben, ist die ganze Familie Köhlmeier-Fancommunity. Auch die Verbindung zu Monika Helfer und der Kontext der verstorbenen Tochter ist mir bekannt, aber, again, die tatsächliche Lektüre hat noch nicht stattgefunden. Die sich unabhängig von der literarischen Umsetzung  anschließende Frage ist hier allerdings, inwiefern Köhlmeiers zu diesem Zeitpunkt längst bestehende Prominenz das Interesse an einer autobiographischen/autofiktionalen Erzählung gesteigert hat - ähnlich ging es mir mit Leslie Jamisons "The recovering", ein großartiger Text über ihre Alkoholabhängigkeit, aber auch über kulturhistorische Hintergründe, famous drunks & Literaturbetriebslegenden: braucht es eventuell zuerst die "literarische Credibility" bzw. die Reichweite, bevor ein Thema autobiographisch/autofiktional für einen LeserInnenkreis interessant/relevant wird? Ich weiß, damit entferne ich mich ein bisschen von der Ausgangsfrage, aber natürlich spielt das auch mit rein...

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vor 4 Minuten schrieb ChristineK:

Die sich unabhängig von der literarischen Umsetzung  anschließende Frage ist hier allerdings, inwiefern Köhlmeiers zu diesem Zeitpunkt längst bestehende Prominenz das Interesse an einer autobiographischen/autofiktionalen Erzählung gesteigert hat ... : braucht es eventuell zuerst die "literarische Credibility" bzw. die Reichweite, bevor ein Thema autobiographisch/autofiktional für einen LeserInnenkreis interessant/relevant wird? 

Das kann ich mir gerade bei diesem Buch, das seine sehr kurze Geschichte auch noch ausgesprochen nüchtern erzählt, schon vorstellen. Von einem weniger bekannten Autor würde da unter Umständen mehr Erzähltes und mehr Opulenz erwartet. Gleichzeitig stelle ich mir vor, dass das, was Köhlmeier für seinen Plot gebraucht hat – der Besuch des Lektors, der Hund und wie er (fast) ertrunken ist – fiktiv sind (und in Köhlmeier-Manier so kunstvoll in die Wirklichkeit eingenäht wurde, dass niemand die Nahtstelle sieht). Denn das Buch liest sich nicht wie etwas mit einem "auto" vorne dran. Es ist eine Geschichte mit überraschenden Wendungen, einer Klimax und einem guten Schluss. Man muss schon den Autor und seine Vita kennen, wenn man alle Figuren als reale Personen dingfest machen will. Um das Bauwerk einer Geschichte kommt einfach keiner herum, ob bekannt oder unbekannt – aber wem sage ich das! :-)

Laudatio auf eine kaukasische Kuh. Eichborn 2021. 

Alicia jagt eine Mandarinente. dtv premium März 2018. Die Grammatik der Rennpferde. dtv premium Mai 2016

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Am 22.12.2020 um 18:08 schrieb Angelika Jo:

Um das Bauwerk einer Geschichte kommt einfach keiner herum, ob bekannt oder unbekannt

Liebe Angelika, auch wenn es nach Binsenweisheit klingt, hat mir Dein Hinweis doch noch mal verdeutlicht, dass ich mich winden und Nebenkriegsschauplätze eröffnen kann, wie ich will: wenn ich nicht irgendwann Mörteleimer und Kelle in die Hand nehme und die nächsten Reihen draufpacke, kriege ich nie raus, ob´s später hält oder nicht...

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vor 3 Stunden schrieb ChristineK:

Liebe Angelika, auch wenn es nach Binsenweisheit klingt, hat mir Dein Hinweis doch noch mal verdeutlicht, dass ich mich winden und Nebenkriegsschauplätze eröffnen kann, wie ich will: wenn ich nicht irgendwann Mörteleimer und Kelle in die Hand nehme und die nächsten Reihen draufpacke, kriege ich nie raus, ob´s später hält oder nicht...

 

Und noch eine kleine Binsenweisheit, die du aber bestimmt sowieso im Kopf hast:

Nur weil eine Geschichte wahr ist, muss sie nicht gut sein. Sie muss vor allem gut erzählt sein.

Das eigene Leben literarisch aufzuarbeiten stelle ich mir schwer vor, ich habe mich bislang davor gedrückt. Man müsste dafür in der Lage sein, sich selber als literarische Figur zu denken und das eigene Leben als Steinbruch, aus dem man sich bedient und dem man hinzufügen kann, was man möchte. Das erfordert sehr viel Distanz zur persönlichen Gefühlswelt.

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