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Angelika Jo

Ein langer, langer Satz. Den jeder versteht.

Empfohlene Beiträge

vor 18 Stunden schrieb Angelika Jo:

Ulf, ich wette, du hättest beim Lesen auch nicht gemerkt, dass der Punkt so weit hinten kommt. 

Ich wollte übrigens mit diesem Posting niemanden dazu auffordern, nur speziell lange Sätze zu lieben oder gar selbst zu verfassen – da hat ja eh jeder seinen Stil gefunden und variiert den auf seine Weise und passend zur Geschichte. Im Grunde habe ich meine eigene Verblüffung ausgestellt: Da schau her – so was Langes und keine Schwierigkeiten beim Lesen und Verstehen. Die gibt es nämlich bei sehr langen Sätzen normalerweise wirklich und für alle Lesenden: die Kleinen, die nach ein paar Wörtern nichts mehr überblicken, der Lerner einer Fremdsprache der auch erst mal kleinere Häppchen schlucken muss und jeder erwachsene Muttersprachler auch, sobald eine gewisse Länge überschritten ist und die Gedanken sich in der Syntax verwickeln. Gerade das tun sie aber hier nicht. Da ist eben gar nichts verschnörkelt.

Sonst würde ich dir ja eh gleich Recht geben: Mit der Schnörklichkeit habe ich es selber nicht.

Ich hab ihn schon aufmerksam gelesen, Angelika. Dreimal sogar. Und ich hab die ganze Zeit auf den Punkt gewartet. Der Satz ist mir viel zu vollgepfropft mit Bildern  und Aussagen, dass er auf mich verwirrend wirkt. Mein armes Hirn kann das nicht alles auf einmal verarbeiten, ohne den Faden zu verlieren. Und wer ist überhaupt das Subjekt des Satzes? "Er" ruderte, der "Bürgermeister sagte", der aber nicht rudert. Und dann ist da auch noch ein "ich", der nicht auf die Kirchtürme schauen will. Tut mir leid, Angelika, ich bin nur eine einfache Seele. Das erinnert mich an den Lateinunterricht, bei dem man auch die Sätze klinisch/analytisch auseinander nehmen und wieder zusammensetzen musste, um den Sinn zu begreifen. :)

Die Montalban-Reihe, Die Normannen-Saga, Die Wikinger-Trilogie, Bucht der Schmuggler, Land im Sturm, Der Attentäter, Die Kinder von Nebra, www.ulfschiewe.de

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vor 16 Minuten schrieb MaschaV:

Ich hab jetzt Lust, das Buch zu lesen. In einem Satz einen ganzen Mikrokosmos aufzuklappen ist eine hohe Kunst.

Es lohnt sich, Mascha. Du wirst es genießen, das weiß ich!

vor 6 Stunden schrieb Ulf Schiewe:

Ich hab ihn schon aufmerksam gelesen, Angelika. Dreimal sogar. Und ich hab die ganze Zeit auf den Punkt gewartet. Der Satz ist mir viel zu vollgepfropft mit Bildern  und Aussagen, dass er auf mich verwirrend wirkt. Mein armes Hirn kann das nicht alles auf einmal verarbeiten, ohne den Faden zu verlieren. Und wer ist überhaupt das Subjekt des Satzes? "Er" ruderte, der "Bürgermeister sagte", der aber nicht rudert. Und dann ist da auch noch ein "ich", der nicht auf die Kirchtürme schauen will. Tut mir leid, Angelika, ich bin nur eine einfache Seele ...

O Gott, was mach ich jetzt mit deiner armen Seele, Ulf?  Ich komm mir gleich ganz schuldig vor. ::) Vorschlag: Wenn wir uns irgendwann mal wiedersehen, bringe ich ein Bild mit, auf dem alle eingezeichnet sind: Dinewitzer am Ruder, der Bürgermeister, die Gemeinderäte, der Pfarrer und die vier Kirchtürme. Blau-weißen bairischen Himmel nicht vergessen! Ich kann zwar nicht richtig malen, aber das ist dann eben meine Buße.

Oder hast du mich gerade reingelegt? Ich kenn dich doch! So eine schlichte Seele bist du jetzt auch wieder nicht. Malen kannst du auch Also – umgekehrt: DU machst das Bild! Har-har!

Laudatio auf eine kaukasische Kuh. Eichborn 2021. 

Alicia jagt eine Mandarinente. dtv premium März 2018. Die Grammatik der Rennpferde. dtv premium Mai 2016

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(Weil seine Mutter, die ja nun kein Hänschen mehr hat, sehr weinet, besinnt sich das Kind, das mit ihm gut stehendem Stock und Hut wohlgemut und allein in die weite Welt hinein ging, und läuft nach Haus geschwind.)

 

Folgt man Wikipedia, so gibt es etwa 200 Definitionen für den Begriff „Satz“. Ich finde nicht, dass der von dir vorgestellte Text ein einziger Satz ist.

Er enthält im Einschub mehrere Hauptsätze:

Ich schaue lieber gar nicht hin

Ich greif danach

Der Pfarrer sagte und schloss die Augen

 

Außerdem diverse Nebensätze:

die kein eigenes Boot besaßen

weil sie da droben in Kirchgrub gar keines brauchten (dieser Nebensatz bezieht sich auf den vorherigen und ist insofern ein Nebensatz 2. Ordnung)

wie sie da oben wohnten

der vorn allein im Bug des Bootes saß

die (…) beseelt und taub für alles andre waren

wie der zum Greifen scheint

 

An mehreren Stellen finde ich für „Schachtelsatz“ folgende oder ähnliche Definition:

„Satz, in den ein oder mehrere Nebensätze oder Partizipialkonstruktionen eingebettet sind“

Partizipien, die als Adjektiv gebraucht werden, gibt es ebenfalls mehrere:

dem lauter und lauter werdenden Glockengeläute entgegen

den ihm zugekehrten Rücken

des rudernden Dinewitzer

der ganz vorne stehende Pfarrer

 

Gleich am Anfang sind Satzteile miteinander verschlungen:

Und während er (…) seinen Kahn hinüberruderte (…), der Dinewitzer, darin die vier …

„Der Dinewitzer“ bezieht sich auf „er“, „darin“ bezieht sich auf „Kahn“.

 

Selbst dem Autor ist offenbar bewusst, dass am Ende der Bezug verloren gehen könnte. Warum sonst bringt er eine Wiederholung?

… sagte also der Bürgermeister zum Dinewitzer

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vor 16 Stunden schrieb Angelika Jo:

Es lohnt sich, Mascha. Du wirst es genießen, das weiß ich!

O Gott, was mach ich jetzt mit deiner armen Seele, Ulf?  Ich komm mir gleich ganz schuldig vor. ::) Vorschlag: Wenn wir uns irgendwann mal wiedersehen, bringe ich ein Bild mit, auf dem alle eingezeichnet sind: Dinewitzer am Ruder, der Bürgermeister, die Gemeinderäte, der Pfarrer und die vier Kirchtürme. Blau-weißen bairischen Himmel nicht vergessen! Ich kann zwar nicht richtig malen, aber das ist dann eben meine Buße.

Oder hast du mich gerade reingelegt? Ich kenn dich doch! So eine schlichte Seele bist du jetzt auch wieder nicht. Malen kannst du auch Also – umgekehrt: DU machst das Bild! Har-har!

Nein, nicht schuldig fühlen. Meine Seele hat's überstanden und kann sich wieder voll auf meine eigenen Sätze konzentrieren, die allerdings etwas einfacher ausfallen. Manchmal kommen bei mir im Eifer des Schreibens auch längere Sätze, sogar Schachtelsätze, vor. Meist, weil ich mitten in einem Gedankengang bin, der nicht unterbrochen werden will und das verhindert dann den Punkt. Aber ich schau mir das Gebilde dann an und es gefällt mir nicht. Es wird dann seziert und in verdaulichere Teile geteilt, bis ich zufrieden bin. Der Zusammenhang der Sätze lässt sich auch ohne Verzicht auf den Punkt herstellen.

Und was das Malen der Szene betrifft, da habe ich lieber ein Werk von dir. :)

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vor 14 Stunden schrieb HenningS:

Selbst dem Autor ist offenbar bewusst, dass am Ende der Bezug verloren gehen könnte. Warum sonst bringt er eine Wiederholung?

… sagte also der Bürgermeister zum Dinewitzer

Richtig erkannt! Selbst dem Autor ist bewusst, was er tut.

Im übrigen sind "Partizipien, die als Adjektive gebraucht werden" funktional eben das: Adjektive und keine "Partizipialkonstruktionen" (das wäre sowas wie "Gut gekaut ist halb verdaut"), somit also auch keine Satzteile. Da müsste man in Wikipedia vielleicht noch etwas weiter graben (oder gleich ein Grammatikbuch öffnen, hier eine Auswahl, nach einzelnen Themen vorgekaut: http://angelika-jodl.de/grammatik/literaturnachweis).

vor 2 Stunden schrieb Ulf Schiewe:

Nein, nicht schuldig fühlen. Meine Seele hat's überstanden und kann sich wieder voll auf meine eigenen Sätze konzentrieren, die allerdings etwas einfacher ausfallen. 

...

Und was das Malen der Szene betrifft, da habe ich lieber ein Werk von dir. :)

1. Sehr gut, ich bin beruhigt.

2. Uh! Ich machs. Aber du wirst es bereuen. :s22

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vor 37 Minuten schrieb Admin:

Liebe Angelika, das wollen wir gerne alle bereuen .. zeigen, zeigen ;D

:s01 :s01 :s01

Echt? Okay. Zu Weihnachten. Aber ihr seid gewarnt, ich mal wirklich schrecklich! 

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Ein Satz beginnt mit einem groß geschriebenen Wort und endet mit einem Punkt. Wie lang der Teil dazwischen ist, entscheidet jeder Schreiber selbst. Wie verstehbar er ist, das hängt von mehreren Dingen ab, die Syntax ist eins davon. Ein Bild beginnt mit dem ersten Farbtupfer und endet mit dem letzten. Wie groß es insgesamt wird, entscheidet s.o. Wie verstehbar – weiß ich nicht, das müssen die Kunsthistoriker erklären. Aber wenn ein Satz in einem Bild darstellbar ist, dann kann der Satz selbst nicht gänzlich unverständlich gewesen sein, das war meine Behauptung.

Der Beweis – das Bild! Leider von einer ungeübten Künstlerin, also reines Beweisstück, keine Augenweide. Damit ihr aber nicht ausgerechnet an Heilig Abend aufgeklärt, doch ungetröstet davongehen müsst, konnte eine echte Künstlerin gewonnen werden, die nicht minder beweiskräftig, dazu aber wirklich gemalt hat. Gleich im Anschluss an dieses Posting wird sie uns die beiden Bilder präsentieren. Mit See, Kirchturm, ruderndem Dinewitzer, Bürgermeister,  Gemeinderäten, betendem Pfarrer und einem gefesselten Stier (das ist unsere Zugabe, der kommt in dem zitierten langen Satz nicht vor, aber in dem davor).

Damit wünschen Frohe Weihnacht:

Mascha und Angelika

 

Laudatio auf eine kaukasische Kuh. Eichborn 2021. 

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Ah ... sehr schön. Beide Kunstwerke!

Interessante Stilunterschiede. Das erste sieht aus wie angreifende Wikinger. Das zweite beschaulicher mit perspektivischer Raffinesse. 
 

Danke! :)

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vor 2 Minuten schrieb Ulf Schiewe:

Ah ... sehr schön. Beide Kunstwerke!

Interessante Stilunterschiede. Das erste sieht aus wie angreifende Wikinger. Das zweite beschaulicher mit perspektivischer Raffinesse. 
 

Danke! :)

ANGREIFENDE WIKINGER! (Mit Trachtenhüten :s01 !) Sie sind hiermit offiziell dir gewidmet, lieber Ulf!

Und Mascha kanns wirklich, nicht wahr? Ich bin sehr stolz auf sie.

Vielleicht mögt ihr euch unser im Vorfeld stattgehabtes Gekicher vorstellen?

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vor 6 Minuten schrieb ClaudiaB:

SUPER!!! Danke!!! Wie seid ihr auf den gefesselten Stier gekommen?

Das ist die Zugabe, kommt im Roman vor dem zitierten Satz (der Dinewitzer schafft es mit einer List, den Stier zu fesseln, dann wirft er ihn ins Boot). 

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vor 11 Minuten schrieb Ulf Schiewe:

Ah ... sehr schön. Beide Kunstwerke!

Interessante Stilunterschiede. Das erste sieht aus wie angreifende Wikinger. Das zweite beschaulicher mit perspektivischer Raffinesse. 
 

Danke! :)

Das sind doch keine Wikingerhörner, sondern Gamsbärte! Oder Gamspuschel oder wie man diese pinseligen Dinger nennt, die der Bayer am Hut trägt. :D

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Mascha ist eine tolle Künstlerin. Ich mag ihre Bilder. Aber hier muss ich den ersten Preis an Angelika verleihen. Ihre Darstellung ist irgendwie kraftvoller und dynamischer. Da ist Action zu spüren. Mehr als in dem Satz! ;D

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vor 21 Minuten schrieb Ulf Schiewe:

Mascha ist eine tolle Künstlerin. Ich mag ihre Bilder. Aber hier muss ich den ersten Preis an Angelika verleihen. Ihre Darstellung ist irgendwie kraftvoller und dynamischer. Da ist Action zu spüren. Mehr als in dem Satz! ;D

Und hier merkt man den Dramatiker: Eine reizende Einleitung, im Fortgang spannungsgetriebene Preisverleihung mit Laudatio als Höhepunkt. Und dann – zack! Ein Bierbichler-Bashing.

Mein Lieber, das sag ich dem weiter, da finde ich schon einen Weg! :s23

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vor 16 Minuten schrieb Angelika Jo:

Und hier merkt man den Dramatiker: Eine reizende Einleitung, im Fortgang spannungsgetriebene Preisverleihung mit Laudatio als Höhepunkt. Und dann – zack! Ein Bierbichler-Bashing.

Mein Lieber, das sag ich dem weiter, da finde ich schon einen Weg! :s23

:D

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vor 1 Stunde schrieb ClaudiaB:

you both are the champions, beide auf eure spezielle Weise. Und Ulf irgendwie auch mit seiner ausgefuchsten Rhetorik.

Find ich auch. Außerdem sollte es ja gar kein Wettbewerb sein, sondern eher so was wie zwiefach verschmierter Balsam auf unsere albernen Seelen.

Aber natürlich bin ich auch mächtig stolz über dein Lob, Mascha! Berufener Mund! (Ihr müsst euch mal auf FB ihre Bilde ansehen, die sind wirklich wunderschön.)

Laudatio auf eine kaukasische Kuh. Eichborn 2021. 

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