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UlrikeS

Olivia Wenzel: 1000 Serpentinen Angst

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„Mein Herz ist ein Automat aus Blech“ – schon der erste Satz zog mich in den Bann. Der Automat, ein Snackautomat, steht an einem Bahngleis und begleitet die Protagonistin bis ans vermutete Ende ihrer Serpentinenfahrt. Nicht ans Ende des Romans, denn es ist kein wirklicher Roman, den uns Olivia Wenzel, 1985 in Weimar geboren, hier geschenkt hat.

 

Eigentlich mag ich keine stilistischen Experimente. Hier aber gelingt es der Erzählerin, mich durch stets neue und unerwartete Details einer komplexen Geschichte in den Bann zu ziehen. Von Angststörungen geplagt, mäandert die Ich-Erzählerin durch Berlin und die Welt auf der Suche nach ihrer Identität. Die Großmutter Sozialistin, die Mutter DDR-Punk, sie selber arbeitet als Vertretungslehrerin und finanziert ihre vielen Reisen vom Geld ihres angolanischen Vaters. Sie ist schwarz.

 

Durch Dialoge und Betrachtungen alter Fotos erfährt man sehr viel über Ostdeutschland, die Wende, über das Leben als Schwarze in Deutschland und der Welt, über den Widerspruch, mit dem deutschen Pass im Ausland privilegiert zu werden, während die Deutschen der Protagonistin absprechen, überhaupt eine Deutsche zu sein. Sie findet Freunde und verliert sie, sucht einen Therapeuten und Hilfe und die Liebe und der Automat am Bahngleis wird kleiner und kleiner und verschwindet doch nie.

Beeindruckend, traurig, faszinierend, entlarvend und sprachlich ein Genuss.

 

Absolut empfehlenswert.

 

Olivia Wenzel: 1000 Serpentinen Angst. Roman, S. Fischer Verlag, 2020. 347 S. Hardcover, 21 Euro

ISBN 978-3-10-397406-5

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Danke für diese Besprechung, Ulrike. Ich wollte dieses Buch sowieso lesen, und jetzt will ich es umso mehr.

Baronsky&Brendler: Liebe würde helfen  Ein Staffelroman 
Februar 21, Kampa

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Das hört sich an wie mein nächstes Buch. Danke für den Tipp.

Jedenfalls bleibt die Tatsache, dass es im Leben nicht darum geht, Menschen richtig zu verstehen. Leben heißt, die anderen misszuverstehen ... Daran merken wir, dass wir am Leben sind: wir irren uns. (Philip Roth)

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Für mich als ebenfalls in Weimar Geborene natürlich umso mehr interessant. Ein anderes Buch, in dem Serpentinen eine Rolle spielen, ist ja gerade für den deutschen Buchpreis nominiert worden. Wie bist du denn überhaupt auf dieses Buch gestoßen, Ulrike?

 

Leider habe ich vorerst noch keine Zeit zum Lustlesen. Nur Fachliches als Recherche für meine Romane.

 

LG Cornelia

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Für mich als ebenfalls in Weimar Geborene natürlich umso mehr interessant. Ein anderes Buch, in dem Serpentinen eine Rolle spielen, ist ja gerade für den deutschen Buchpreis nominiert worden. Wie bist du denn überhaupt auf dieses Buch gestoßen, Ulrike?

 

Leider habe ich vorerst noch keine Zeit zum Lustlesen. Nur Fachliches als Recherche für meine Romane.

 

LG Cornelia

 

"1000 Serpentinen Angst" steht ebenfalls auf der Longlist des Deutschen Buchpreises :)

 

Mich hatte eine Rezension in der Süddeutschen neugierig gemacht: https://www.sueddeutsche.de/kultur/literatur-olivia-wenzel-serpentinen-1.4908966

 

Die Sache mit der Zeit und auch der Gelegenheit für die passenden Bücher kenne ich. Ich habe es im Urlaub gelesen, der war dieses Jahr sehr kurz und ich habe nicht eine Zeile geschrieben/gedacht, sondern nur entspannt und nach Anregungen außerhalb meines Genres gesucht. Jetzt ist auch wieder Recherche fürs nächste Projekt angesagt.

Bearbeitet von UlrikeS
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Für mich als ebenfalls in Weimar Geborene natürlich umso mehr interessant. Ein anderes Buch, in dem Serpentinen eine Rolle spielen, ist ja gerade für den deutschen Buchpreis nominiert worden. Wie bist du denn überhaupt auf dieses Buch gestoßen, Ulrike?

 

Leider habe ich vorerst noch keine Zeit zum Lustlesen. Nur Fachliches als Recherche für meine Romane.

 

LG Cornelia

 

"1000 Serpentinen Angst" steht ebenfalls auf der Longlist des Deutschen Buchpreises :)

 

Mich hatte eine Rezension in der Süddeutschen neugierig gemacht: https://www.sueddeutsche.de/kultur/literatur-olivia-wenzel-serpentinen-1.4908966

 

Die Sache mit der Zeit und auch der Gelegenheit für die passenden Bücher kenne ich. Ich habe es im Urlaub gelesen, der war dieses Jahr sehr kurz und ich habe nicht eine Zeile geschrieben/gedacht, sondern nur entspannt und nach Anregungen außerhalb meines Genres gesucht. Jetzt ist auch wieder Recherche fürs nächste Projekt angesagt.

 

ach echt? Ist mir durchgegangen. Da bin ich aber mal gespannt, was Malte Bremer zu diesem Anfang sagt. Der nimmt ja gerade wieder die ersten Seiten der Longlist-Bücher aufs Korn. https://www.literaturcafe.de/maltes-meinung-longlist-deutscher-buchpreis-2020-teil-1-von-5/ Und da war auch Bjjov Berg mit seinen Serpentinen dabei, aus denen er ja schon beim Bachmannpreis letztes Jahr gelesen hat.

 

LG Cornelia

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