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DirkH

Eine Rückblende deutlich machen

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Im aktuellen Manuskript tauchen immer mal Rückblenden auf. An einigen Stellen werden diese durch einige Worte eingeleitet. An anderen gibt es einfach einen Absatz im Text und dann folgt eine Handlung in der Vergangenheit. Diesen Bruch möchte ich deutlich kennzeichnen, damit der Leser nicht verwirrt ist. Wie geht Ihr mit solchen Fällen um? Markiert ihr den Rückwärtsgang in der Chronologie durch einen bestimmten Begriff? Oder durch etwas anderes?

 

Sagt Abraham zu Bebraham: Kann ich mal dein Cebraham?

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Ich versuche, ein anderes Schriftbild zu vermeiden, und bette sie lieber mit "ich erinnere mich, dass ... "in die Handlung ein. Wobei meine Rückblenden nie sehr lang. Wechselnde Schriftbilder nerven mich als Leserin. Ich habe mal einen Roman gelesen, in dem zwanzig Seiten am Stück kursiv gedruckt waren, das fand ich anstrengend zu lesen. Bei so einer Länge fände ich eine andere Kenntlichmachung sinnvoller, meinetwegen wie im Thriller mit Ort und Datum in der Kapitelüberschrift.

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Ich finde, es ist schwer zu raten, wenn man den Text nicht kennt. Generell sehe ich folgende Möglichkeiten:

 

grammatisch - Tempuswechsel zur Vorvergangenheit (aber nicht die ganze Zeit durchhalten):

  • vom Präsens zum Perfekt/Präteritum
  • vom Präteritum zum Plusquamperfekt

semantisch - Einsatz von Zeitmarkern:

  • damals
  • zu dieser Zeit 
  • x Jahre zuvor ...

                   - Einsatz entsprechender Verben:

  • sich erinnern
  • zurückdenken ...

satztechnisch:

  • Wechsel des Schriftbildes
  • Leerzeile
  • neues Kapitel
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Ich benutze Rückblenden sehr häufig aber meist kennzeichne ich sie nicht durch Formatierungen. Meist löse ich es nur sprachlich, oft mit einer überleitenden inneren Rede.

Seltener habe ich Rückblenden mit einem Datum eingeleitet.

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Ich finde auch Formatierungen immer unelegant - wobei es bei komplizierten Krimistories schon mal helfen kann. Als Autorin benutze ich es allerdings nie. Ich versuche immer die Überleitung, in dem ich einen Gedanken in der erzählten Zeit ansiedele, und von da auch zurückgehe. Ähh, ist jetzt vermutlich nicht so klar ;).

Bspw. sowas wie: "Vor 20 Jahren hatte sie das letzte Mal Pastis getrunken. Die kleine Bar am Hafen von Marseiile stand ihr auf einmal deutlich vor Augen. Peter war vor ihr da gewesen...."

www.beatebaum.de

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Da ich Hinweise über Textformatierung hasse, fallen diese bei mir flach. Und wie ich es mache hängt vor allem von der Länge und Bedeutung der Rückblende ab. Da sind schon viele da.

Wichtig ist es aus meiner Sicht möglichst schnell in die Erzählform einer neuen Geschcihte zu kommen.

 

In meiner Drachenserie, in der es ja einen erzählstrang aus der Vergangenheit gibt, habe ich vieles ausprobiert. Meine Lösung ist: Jemand, der dabei war erzählt. Und das ist schon alles. Äh, nein, nicht alles. Es gibt jede Menge Hinweise auf die vorgänge der Vergangenheit. Sollte ich es richtig gemacht haben, müssten die Leser auf die Auflösung dieser Geheimnisse, die bröckchenweise vorbereit wird, bereits neugierig sein. Die Rückblende kommt also nicht unvorbereitet.

 

Liebe Grüße und viel Erfolg

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Danke für Eure Hinweise. Kursivschrift kann man einsetzen, finde ich, aber es hängt von der Länge der Rückblende ab. Ein oder zwei Absätze halte ich für akzeptabel. 

 

Die Frage, die ich mir stelle, ist: Mit wie viel oder wie wenig Leseraufmerksamkeit muss ich als Autor rechnen? In meinem Roman "Die Bücherjäger", der im 14. Jahrhundert spielt, waren die Rückblenden ganze Kapitel lang. Und darüber stand "Stundenglas". Dieses schöne Wort hat seinerzeit Margot beigesteuert (nochmals danke, Margot, für diesen schönen Einfall!). 

In der Leserunde zeigte sich, dass überraschend viele Leser nicht verstanden, dass damit eine Rückblende eingeleitet werden sollte.

 

In einem Roman fand ich neulich die Begriffe "Vergangenheit", "Gegenwart" und "früheste Vergangenheit" über den Textabschnitten. Erst dachte ich: Püh, das ist aber platt. Aber vor dem Hintergrund meiner Erfahrung mit dem "Stundenglas" denke ich nun, dass solche Einfachheiten vermutlich am besten funktionieren.

 

Wenn ihr die Rückblenden mit einem Titel versehen müsstet, wie würde der bei Euch aussehen?

Sagt Abraham zu Bebraham: Kann ich mal dein Cebraham?

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Vielleicht gibt es eine Person, eine Jahreszeit oder ein Ort, die als Name/Bezeichnung über den Rückblenden stehen könnten? So würde ich es leichter lesbar finden.

Bearbeitet von DorisC

MAROKKO-SAGA: Das Leuchten der Purpurinseln,  Die Perlen der Wüste,  Das Lied der Dünen; Die Wolkenfrauen

Neu seit März 2020: Thea C. Grefe, Eine Prise Marrakesch

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Ich würde durchaus, wenn es nötig ist, so etwas einsetzen wie "Tausend Jahre früher"

Eine thematische Überschrift ist schöner, aber da kann ich nicht helfen, denn die entstammt dann dem Stoff der Geschichte.

 

Dass Stundenglas nicht von allen verstanden wird, wundert mich nicht. Ich habe einmal die Zeitebenen gewechselt (zwei Fäden zeitlich gegeneinander verschoben) und gehofft, dass sich das inhaltlich erschlileßen würde. Keine Chance!

 

Liebe Grüße

Wolf

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Vor etwa zehn Jahren habe ich in einem historischen Roman noch die Kursivschrift für Rückblenden verwendet.

Das ist mir aber inzwischen selbst beim Lesen zu anstrengend.

 

Vor Kurzem habe ich einen Familiengeheimnis-Roman gelesen (aus dem Englischen). Da wurden der Ort und das Datum der Rückblenden (50er Jahre) vor die Kapitel gesetzt. Es war trotzdem verwirrend für mich, weil beides in der Ich-Form geschrieben war

(Mutter und Tochter). Ich selbst habe es in den letzten beiden Krimis so gemacht, das ich immer das Datum, den Monat und die Jahreszahl der Rückblenden eingesetzt habe. Die Jetztzeit in der personalen Perspektive und in der Vergangenheit, die Rückblende

einmal in der 3. Person Präsens, einmal in der Ichform Präsens. In meinem jetzige Krimi gibt es nur eine längere Rückblende am Schluss, und die werde ich inhaltlich aus dem Zusammenhang einleiten.

 

Für mich als Leserin ist es am Wichtigsten, dass ich immer weiß, bei wem, wo und wann ich mich im Text befinde.

Bearbeitet von Christa
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Vielleicht gibt es eine Person, eine Jahreszeit oder ein Ort, die als Name/Bezeichnung über den Rückblenden stehen könnten? So würde ich es leichter lesbar finden.

 

Wenn es ganze Kapitel sind, finde ich das auch übersichtlich und mir ist eingefallen, dass es das nicht nur bei Thrillern gibt, sondern auch bei Familiengeheimnisromanen, die ja eigentlich fast immer zwei Zeitebenen haben. Ich habe hier z.Bsp. einen Roman von Kate Morton, der hat eine durchgehende Kapitelzählung hat und manchmal steht unter der Kapitelnummer "London, Dezember 1940". Wenn nichts dabei steht, spielt die Handlung in der Gegenwart. Genauso bei Mascha Vassena oder Charlotte Roth/Charlotte Lyne.

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Zehn AutorInnen, zwölf Meinungen.

Genau :-) Als Leserin habe ich überhaupt keine Probleme mit kursiven Textteilen. Als Autorin vermeide ich sie mittlerweile trotzdem, sobald es um mehr als eine halbe Seite geht, weil ich weiß, dass sich viele Leser daran stören.

 

In meinem aktuellen Manuskript habe ich dasselbe Problem wie Du, Dirk. Erschwerend ist dabei, dass es drei Protagonisten gibt, von denen jeder mal Rückblenden beisteuert. Ich habe lange überlegt und mich dann für einen ähnlichen Weg wie BeateB entschieden. Zur besseren Abgrenzung füge ich aber noch eine Leerzeile ein:

 

"Vor 20 Jahren hatte sie das letzte Mal Pastis getrunken. Die kleine Bar am Hafen von Marseiile stand ihr auf einmal deutlich vor Augen. Peter war vor ihr da gewesen ...

 

Als Julia an seinen Tisch kam, hob er grüßend sein Glas. etc."

 

Wobei ich oft keine solchen expliziten Zeitangaben habe, sondern hoffe, dass die Leser durch den abrupten Orts- und Situationswechsel aufmerken und nachvollziehen, dass hier die Vorgeschichte zur eben gemachten Bemerkung von Figur x kommt. Die Testleser werden mir dann verraten, ob das klappt ;-)

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Ich schreibe gerade an einem Roman, wo es zwei längere eingeschobene Passagen gibt, in der aus der Kindheit der Hauptfigur erzählt wird. Sowohl Gegenwart als auch Rückblende sind in Ich-Form. Ich habe es so gelöst, dass ich über die beiden Rückblenden-Teile "Vergangenheit" schreibe, außerdem ist der Stil anders, denn hier erzählt das Kind. Ich denke, so wird sich das gut unterscheiden lassen und man weiß beim Lesen sehr klar, auf welcher Zeitebene man sich befindet.

(Ich bin allerdings noch lange nicht fertig).

 

LG Luise

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Ich habe in einem Kapitel immer wieder ein Wechsel von Heute und Rückblenden. Die Personenkonstellation ist folgende; Person A - aus deren Ich-Perspektive ist das gesamte Manuskript geschrieben und die Handlung spielt im Heute. Beide Personen haben eine enge emontionale Bindung, kannten sich aber zum Handlungszeitpunkt der Rückblenden noch nicht. Die Rückblenden handeln in den 80ern an einer Universität, Mensa, Wohnheim usw.. Die Situation im Heute - mehrere Personen, zu denen Person A und Person B gehören, befinden sich an einem Ort, den ich sehr genau beschreibe, damit der Leser davon eine Vorstellung hat. Die Person B beginnt zu erzählen, die anderen hören zu und reagieren unterschiedlich emontional auf das, was Person B erzählt.

 

Möglichkeit 1 wäre, alles was Person B erzählt ist eine Rückblende. Damit könnte ich keine Emotionen der Gruppe zeigen. Die sind aber wichtig für das Verständnis.

 

Möglichkeit 2 wäre, die Rückblenden immer wieder unterbrechen und die Emotionen der Gruppe zeigen. Das Problem, der Leser muss irgendwie immer wissen, wo bin? Im Heute oder Rückblende? Das habe ich dadurch gelöst (von 2 Leerzeilen, anstelle einer abgesehen), dass nach jedem Sprung ein kurzer Hinweis auf das Umfeld kommt (Uni oder Platz, an dem erzählt wird). Desweitern hat Person B in den Rückblenden einen anderen Vornamen, als heute. Der Leser kennt beide Vornamen und weiß, wann Preson B welchen Vornamen hatte. Wann und warum Person B den Vornamen wechselte, erfährt der Leser erst in den Rückblenden.

 

Möglichkeit 3; mir hat der Perspektivwechsel nicht gefallen. Entweder müsste Person B in den Rückblenden die Ich-Perspektive bekommen oder die Rückblenden müssten aus der 3.Person erzählt werden. Beides gefiel mir nicht. Ich habe Möglichkeit 2 versucht zu erweitern. Ich erzähle die Bilder, die im Kopf von Person A beim Erzählen von Person B entstehen und bleibe in der Ich-Perspektive der Person A. Sie steht also, als unsichtbarer Beobachter, in der Handlung der Rückblenden. Sie kann mit allen Sinnen die Handlung aufnehmen und darauf sofort reagieren. Sie kann aber nicht in die Handlung eingreifen und alle Figuren um sie herum, nehmen sie nicht wahr. Da Person A aber teilweise schon Kenntnis über den weiteren Verlauf der Geschichte hat, sie kommt ja aus dem Heute, versucht sie natürlich immer wieder in die Handlung einzugreifen. Das verhindere ich, dass sie in solchen Momenten immer wieder das Gefühl hat, gegen eine unsichtbare Wand zu stoßen, die die beiden Zeitebenen trennt.

 

Habe ich mich verständlich ausgedrückt?

Bearbeitet von Dietmar
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Wenn es eine kurze Rückblende ist, kann man sie auch durch einen Nebensatz einleiten - z.B. "Seine Gedanken flogen zurück zu ..."

 

Wenn es eine längere Rückblende ist, bevorzuge ich ganze Kapitel, die dann mit der Jahreszahl der Rückblende überschrieben sind. 

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Und darüber stand "Stundenglas". Dieses schöne Wort hat seinerzeit Margot beigesteuert (nochmals danke, Margot, für diesen schönen Einfall!). 

Ich erinnere mich ... gern geschehen. :)

 

Was ich durch meine Familiengeheimnis-Romane gelernt habe: Wir wissen immer, was wann wo spielt, logo. Und natürlich hoffen/denken wir, dass die LeserInnen durch unsere Kniffe das ebenfalls merken. Leider ist dem aber oftmals nicht so. Und auch wenn es nicht "schön" aussieht, Datumsangaben über Rückblenden sind hilfreicher, als Einleitsätze, die manchmal überlesen werden.

 

Jemand hat oben schon geschrieben, dass es wichtig ist, dass die LeserInnen immer wissen sollten, wo sie sich gerade (zeitlich) befinden. Dem stimme ich zu.

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@Margot: Auch ich achte darauf, dass bei jeder neuen Szene schon im 1. Absatz die Fragen "wer, wo, wann" geklärt werden.

 

 

Ich finde, es ist schwer zu raten, wenn man den Text nicht kennt. Generell sehe ich folgende Möglichkeiten:

 

grammatisch - Tempuswechsel zur Vorvergangenheit (aber nicht die ganze Zeit durchhalten):

  • vom Präsens zum Perfekt/Präteritum
  • vom Präteritum zum Plusquamperfekt

semantisch - Einsatz von Zeitmarkern:

  • damals
  • zu dieser Zeit 
  • x Jahre zuvor ...

                   - Einsatz entsprechender Verben:

  • sich erinnern
  • zurückdenken ...

satztechnisch:

  • Wechsel des Schriftbildes
  • Leerzeile
  • neues Kapitel

 

Den Umgang mit der Grammatik möchte ich präzisieren. Aus welcher Erzählzeit kommen wir? Präteritum oder Präsens? Wie lang ist die RB?

 

Aus dem Präteritum - kurze RB (6 bis 8 Zeilen):

Aktuelle Handlung

RB im Plusquamperfekt (PQ)

Aktuelle Handlung

 

lange RB:

Aktuelle Handlung

Beginn der RB

2 bis 3 Sätze im Plusquamperfekt (PQ)

Da das PQ schwer zu lesen ist, wechselt man ins Präteritum

1 bis 2 Sätze im PQ (als Signal, das es jetzt zurück geht)

Ende der RB

Aktuelle Handlung

 

Aus dem Präsens - kurze RB (6 bis 8 Zeilen):

Aktuelle Handlung

RB im Perfekt

Aktuelle Handlung

 

lange RB:

Aktuelle Handlung

Beginn der RB

2 bis 3 Sätze im Perfekt

Da das Perfekt schwerer zu lesen ist, wechselt man ins Präteritum

1 bis 2 Sätze im Perfekt (als Signal, das es jetzt zurück geht)

Ende der RB

Aktuelle Handlung

 

Stephen King leitet die Rückkehr in die aktuelle Handlung oft mit dem Signalwort "jetzt" ein.

 

Bei Tess Gerritsen las ich eine sehr effektvolle Technik:

Der ganze Roman ist im Präteritum geschrieben. Ein Kapitel, das mehrere Jahrzehnte zurückliegt, aber im Präsens

 

Bei Stephen King fand ich mehrfach Folgendes:

Eine Figur (nennen wir sie Susanne) erzählt einer anderen Figur etwas.

"Ich ging auf das merkwürdige Haus zu", sagte Susanne. "Die Tür war nur angelehnt. Ich drückte sie vorsichtig ...

 

Dann bricht er mitten im Satz ab. Es gibt auch kein schließendes Satzzeichen. Ein neues Kapitel oder ein Abschnitt nach einer Leerzeile beginnt mit dem angebrochenen Satz.

Dabei findet ein Perspektivwechsel in die Personale Erzählweise statt.

 

... auf und sah umher. Sie spürte ihr Herz klopfen. Susanne ging zwei, drei Schritte weiter.

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