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MariaP

Zeitprobleme

Empfohlene Beiträge

Liebe Montis,

 

ich habe leider immer wieder Probleme mit den Zeitformen.

 

 

Die gewohnte Erzählzeit ist ja das Imperfekt. Bei kurzen Rückblenden wird dann das Plusquamperfekt genommen (es sei denn, man nimmt aus stilistischen Gründen doch das Imperfekt).

 

Ich sah ihn an und wusste, dass ich ihn nicht mehr liebte. Früher einmal war alles besser gewesen, wir hatten geglaubt, uns für immer gefunden zu haben.

 

Aber was ist, wenn ich im Präsens schreibe? Gehört die Rückblende dann ins Imperfekt? Oder ??

 

Ich sehe ihn an und weiß, dass ich ihn nicht mehr liebe. Früher einmal war alles besser, wir glaubten, uns für immer gefunden zu haben.

 

 

Klingt in meinen Ohren irgendwie komisch, vor allem, wenn es nicht nur ein kurzer Nebensatz ist, sondern ein längerer Textabschnitt, der in der Vergangenheit spielt. Dann kommt noch die Gefahr hinzu, dass das (gewohnte) Perfekt sich für den Leser anhört, als würde das jetzt gerade passieren.

 

Leicht ratlos,

Maria

Komm wir essen Opa.

SATZZEICHEN können Leben retten.

www.mcpoets.de

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Hey!

Vielleicht lliegt es daran, dass der Satz einfach zu lange ist. Wenn jemand so eine Erkenntnis hat, würde ich in Ich-Perspektibe und Präsens eher auf kurze Sätze gehen. A là: "Ich weiß es. Ich liebe ihn nicht mehr. Dabei glaubten wir, uns für immer gefunden zu haben. Aber das war früher."

 

Aber kann ja auch kompletter Humbug sein xD

Liebe Grüße,

Mela

www.melanagel.com

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Liebe Montis,

 

ich habe leider immer wieder Probleme mit den Zeitformen.

 

 

Die gewohnte Erzählzeit ist ja das Imperfekt. Bei kurzen Rückblenden wird dann das Plusquamperfekt genommen (es sei denn, man nimmt aus stilistischen Gründen doch das Imperfekt).

 

Ich sah ihn an und wusste, dass ich ihn nicht mehr liebte. Früher einmal war alles besser gewesen, wir hatten geglaubt, uns für immer gefunden zu haben.

 

Aber was ist, wenn ich im Präsens schreibe? Gehört die Rückblende dann ins Imperfekt? Oder ??

 

Ich sehe ihn an und weiß, dass ich ihn nicht mehr liebe. Früher einmal war alles besser, wir glaubten, uns für immer gefunden zu haben.

 

 

Klingt in meinen Ohren irgendwie komisch, vor allem, wenn es nicht nur ein kurzer Nebensatz ist, sondern ein längerer Textabschnitt, der in der Vergangenheit spielt. Dann kommt noch die Gefahr hinzu, dass das (gewohnte) Perfekt sich für den Leser anhört, als würde das jetzt gerade passieren.

 

Grundsätzlich gelten als vorzeitige Tempora zu ihren Ausgangssätzen:

 

Perfekt bei Präsens;

Plusquamperfekt bei Präteritum.

 

Allerdings klingen die zusammengesetzten Zeiten Perfekt und Plusquamperfekt unschön, wenn es sich dabei um bedeutungsblasse Verben wie sein oder haben handelt, da weicht man dann doch besser auf das einfache Präteritum aus.

Also ist es am besten so, wie du selbst schon geschrieben hast:

 

Ich sehe ihn an und weiß, dass ich ihn nicht mehr liebe. Früher einmal war alles besser, wir glaubten, uns für immer gefunden zu haben.

 

Alles andere ergibt eine unschöne Häufung von haben – wir haben geglaubt, uns für immer gefunden zu haben.

 

Angelika

Bearbeitet von Angelika Jo

Laudatio auf eine kaukasische Kuh. Eichborn 2021. 

Alicia jagt eine Mandarinente. dtv premium März 2018. Die Grammatik der Rennpferde. dtv premium Mai 2016

www.angelika-jodl.de

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Grundsätzlich gelten als vorzeitige Tempora zu ihren Ausgangssätzen:

 

Perfekt bei Präsens;

Plusquamperfekt bei Präteritum.

 

Allerdings klingen die zusammengesetzten Zeiten Perfekt und Plusquamperfekt unschön, wenn es sich dabei um bedeutungsblasse Verben wie sein oder haben handelt, da weicht man dann doch besser auf das einfache Präteritum aus.

Also ist es am besten so, wie du selbst schon geschrieben hast:

 

Ich sehe ihn an und weiß, dass ich ihn nicht mehr liebe. Früher einmal war alles besser, wir glaubten, uns für immer gefunden zu haben.

 

Alles andere ergibt eine unschöne Häufung von haben – wir haben geglaubt, uns für immer gefunden zu haben.

 

Angelika

 

 

Liebe Angelika,

vielen Dank. Wie ich sehe, habe ich es rein formal also doch falsch gemacht (Präteritum bei Präsens), aber vom Sprachgefühl klingt es besser als das Richtige.

 

Hm.

Ich weiß schon, warum Deutsch in der Schule immer mein Hassfach war. Mit Logik kommt man hier nur bedingt weiter. :-)

 

Grüße

Maria

Komm wir essen Opa.

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www.mcpoets.de

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Hm.

Ich weiß schon, warum Deutsch in der Schule immer mein Hassfach war. Mit Logik kommt man hier nur bedingt weiter. :-)

 

Grüße

Maria

 

 

Als Korrekturleser wage ich, mich so weit aus dem Fenster zu lehnen und zu behaupten: Mit Logik bei der Benutzung der deutschen Sprache schießt man sich in den Fuß.

 

Gruß

 

A

www.klippenschreiber.de

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Nicht nur im Deutschen. Sprachen sind Sprachen, da gibt es bestenfalls Analogien und Harmonien. Aber keine Logik. 

Was wieder gut ist, sonst hätte ich – schlecht in Orientierung, Mathe und Schach – nie lernen können, was ich heute weiß.

 

Angelika

Laudatio auf eine kaukasische Kuh. Eichborn 2021. 

Alicia jagt eine Mandarinente. dtv premium März 2018. Die Grammatik der Rennpferde. dtv premium Mai 2016

www.angelika-jodl.de

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Genau, Angelika. Welche Art von Logik würde man denn auch erwarten? Wahrscheinlich so etwas wie „gesunden Menschenverstand“, also allgemeine Kognition und eher nicht die formale Logik, die man aus Philosophie und Mathematik kennt. Sprache ist aber ein eigener Bereich der Kognition, der sich nicht aus der allgemeinen Kognition des Menschen ableitet. Ein anderer Bereich ist zum Beispiel das Sehen. Jeder dieser Kognitionsbereiche folgt eigenen Gesetzen.

 

Das Gefühl von Zeit wird in der allgemeinen Kognition verarbeitet und ist mit der Bedeutung verbunden. Tempus dagegen bezieht sich auf eine grammatische Form, und die Beziehung zwischen den beiden lässt sich nicht mit Alltagswissen erklären. Die grammatikalisierten Tempusformen, die wir im Deutschen kennen, sind nicht universell, und zeitliche Bezüge können in anderen Sprachen auch ganz anders ausgedrückt werden.

 

Für Kognitionswissenschaftler besteht sogar die Frage, ob die Wahrnehmung von Zeit bei allen Menschen dieselbe ist. Es ist bekannt, dass es dabei kulturelle und historische Unterschiede gibt. 

Bearbeitet von Manfred
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Für Kognitionswissenschaftler besteht sogar die Frage, ob die Wahrnehmung von Zeit bei allen Menschen dieselbe ist. Es ist bekannt, dass es dabei kulturelle und historische Unterschiede gibt. 

 

Genau. Es ist ein Unterschied, ob man auf die Frage "Und wie lange dauert das?" eine Antwort bekommt wie "Ca. zwei Stunden" oder "So lange, wie eine Kuh zum Kalben braucht."

Laudatio auf eine kaukasische Kuh. Eichborn 2021. 

Alicia jagt eine Mandarinente. dtv premium März 2018. Die Grammatik der Rennpferde. dtv premium Mai 2016

www.angelika-jodl.de

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Für Kognitionswissenschaftler besteht sogar die Frage, ob die Wahrnehmung von Zeit bei allen Menschen dieselbe ist. Es ist bekannt, dass es dabei kulturelle und historische Unterschiede gibt. 

 

Das kennen wir doch alle aus eigener Erfahrung: Fragt man bei einem Verlag nach, dauert es Wochen oder Monate, bis eine Antwort kommt (sofern überhaupt eine kommt). Aber will ein Verlag etwas wissen, erwartet er die Reaktion schon, bevor er überhaupt gefragt hat! ;)::);D

Olaf Fritsche 

www.seitenrascheln.de

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Das Gefühl von Zeit wird in der allgemeinen Kognition verarbeitet und ist mit der Bedeutung verbunden. Tempus dagegen bezieht sich auf eine grammatische Form, und die Beziehung zwischen den beiden lässt sich nicht mit Alltagswissen erklären. Die grammatikalisierten Tempusformen, die wir im Deutschen kennen, sind nicht universell, und zeitliche Bezüge können in anderen Sprachen auch ganz anders ausgedrückt werden.

 

Ach, Manfred, könntste darüber nicht einen Vortrag halten? Jetzt? :)

Ich spüre, dass ich leicht dogmatisch werde, wenn es um Tempus geht, dieses Gefühl: Das muss aber so sein. Jetzt ist mir klar, dass mir hier die Bedeutungsebene hineinfunkt.
Dieses Gefühl, dass es so sein müsse, hab ich selbstverständlich nur, wenn es um die deutsche Sprache geht (wie auch sonst ... ) In anderen Sprachen/Ländern lasse ich mich ganz leicht und mit Freude auf deren Verhältnis zur Zeit ein, sprachlich und auch im Alltäglichen, soweit ich das kann und darf. Eben so wie in Angelikas Beispiel. "Wir treffen uns dann, wenn die Kühe zum Wasser gehen."
Ich hab mal ein Zeitstück geschrieben (Bühne) und lange über Zeitwahrnehmung recherchiert - in verschiedenen Teilen der Erde, Lebensphasen etc. Wie man selbst seine Zeitwahrnehmung verändern, verlangsamen kann. Wie die Wahrnehmung von Vergangenheit/Gegenwart/Zukunft zustande kommt, warum man so wenig Gefühl für die Gegenwart entwickelt ... (hab ich ja auch in der Zeitenbummlerin wieder thematisiert). Treibt mich also um, das Thema - und auf Sprache/Sprachen bezogen ... Mensch, Manfred, ich fürchte ich muss dich mal wieder mit Fragen löchern. Fragt jemand mit? (Thread?)
Liebe Grüße

Claudia

Baronsky&Brendler: Liebe würde helfen  Ein Staffelroman 
Februar 21, Kampa

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Vielen Dank, Angelika.

Das ist ja wirklich eine spannende Diskussion, die sich aus einer kleinen, harmlosen Frage entwickelt. :-)

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