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(MartinaC)

Aus welchen Zutaten bestehen Frauenromane?

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Hi Leute,

 

Kathrin stellte mir in einem anderen Thread die Frage welche Frauenromane sich für mich von anderen positiv abheben. Da das natürlich wieder mal total subjektiv ist, finde ich es besser wenn wir einfach mal über dieses Genre an sich sprechen. Was hassen einige daran, was lieben andere?

 

Mein erster Frauenroman war, lang lang ist’s her, Erma Bombeck „Nur der Pudding hört mein Seufzen“ und noch ein weiterer, irgendwas mit Kirschen, hab den Titel vergessen. Nie vorher hatte ich sowas gelesen. Der ironische Einblick in das amerikanische Hausfrauenleben, vermischt mit einem augenzwinkernden Portrait der amerikanischen Gesellschaft. Ich fand’s herrlich.

 

Daraufhin las ich mehr aus dem Genre, damals Nummer Eins: Hera Lind. Trotz nicht nachvollziehbaren Handlungen der Charaktere und dünner Story lachte ich über ihren Humor. Und mehr waren diese Bücher nicht für mich, als ein paar Stunden Abschalten mit etwas Witzigem. Der Ausspruch „da vorne kommt ne Wand und ich hab die falschen Schuhe an“, wurde zum Bestandteil unserer Familiensprache.

 

Was noch alles auf dieser Welle mitschwappte brachte Auswüchse wie zickige Protas, die einem schon auf Seite 1 auf die Nerven gehen, langweiliges Alltagsblabla und schlechten Stil. Aber auch ein paar durchaus Lesenswerte waren darunter, mit einer Botschaft, mit einer Heldin, die aus ihren Erkenntnissen lernt und weder zu emanzipiert, noch zu arrogant, noch zu schwächlich daherkommt. Beispiele dafür möchte ich nicht nennen, denn das ist wie schon oft festgestellt, subjektiv und steht auch nicht zur Debatte.

 

Ich weigere mich aber das Genre Frauenroman von vorn herein zu verdammen. Dafür bin ich viel zu sehr ein Querfeldeinleser, der mal hier rein schaut und mal dort.

 

Für mich müssen solche Bücher durchaus Tiefe nachweisen, sonst kann ich sie nicht ertragen. Oder sie sollten nur auf intelligenten, originellen Humor aufgebaut sein, da verzeihe ich dann auch ne dünne Story und flache Figuren.

 

Interessant ist aber die Betrachtung was einen Frauenroman überhaupt zu einem solchen macht. Wenn ich es richtig verstanden habe läuft ja sogar Petras Neuer unter diesem Schlagwort, und wie ich Petra kenne ist ihr Werk sicher eines von denen, das sich positiv abhebt. Nach solchen Perlen suche ich immer, die zugegebener Maßen leider immer seltener zu finden sind.

 

Also: Was sollte eurer Meinung nach rein in einen Frauenroman, und was sollte tunlichst vermieden werden, um dem schlechten Ruf nicht noch mehr Futter zu geben? Und falls ihr selbst ein solches MS im Schrank habt, worauf habt ihr es aufgebaut?

 

Liebe Grüße

Joy

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Ich kann zu dem Thema mangels Leseerfahrung zwar ueberhaupt nichts Sinnvolles beitragen, habe aber gerade (Weihnachten) eines gelesen, das eindeutig ins Genre faellt (steht gross FRAUEN drauf), das aber womoeglich Deine Kriterien erfuellt:

 

"Wenn der Postmann nicht mehr klingelt" von Eva Voeller.

 

Ich kann's nur waermstens empfehlen.

Es ist keine flache Duennbrettstory, sondern eine hoechst angeboeste, scharfsinnige Realsatire voll originellem Sprachwitz, ueber die erst ich, dann meine Mom (beide erklaerte Nicht-Leserinnen des Genres) Traenen gelacht haben. Und nicht nur das. Ein Buch fuer Leute, die am liebsten ueber sich selbst und die Leichen im eigenen Keller lachen. Wenn's meine Mom mal irgendwann wieder rausrueckt, geb ich's auch meinem Mann.

 

Das war zwar kein sinnvoller Beitrag, aber zumindest ein Beispiel von mir.

 

Viele Gruesse von Charlie.

"Der soll was anderes kaufen. Kann der nicht Paris kaufen? Ach nein, in Paris regnet's ja jetzt auch."

Ararat - "Und sie sollen nicht vergessen sein" Knaur, 1. März 2016. www.charlotte-lyne.com

 

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Genau Charlie, cool, dass du mich daran erinnerst! Mann, ich habe schon so viele Bücher gelesen, wenn ich gefragt werde bin ich immer erstmal völlig überfordert.

Eva Völler ist auf jeden Fall eine solche Perle! Habe eben "Zu jeder Schandtat bereit" von ihr gelesen und mich ebenfalls köstlich amüsiert.

Eva könnte sicher einiges zu dem Thema sagen, aber ich glaube sie kommt grad um vor Arbeit.

 

LG

Joy

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Hallo Joy,

Interessant ist aber die Betrachtung was einen Frauenroman überhaupt zu einem solchen macht. Wenn ich es richtig verstanden habe läuft ja sogar Petras Neuer unter diesem Schlagwort

Nur noch für die Platzierung bei den Buchhändlern, nicht in anderen Bereichen."Stechapfel und Belldonna" war aber eindeutig einer.

 

Was ich aus meiner Erfahrung über die Mindestzutaten sagen kann:

 

- Es muss um typisch weibliche Themen gehen, die Frauen beschäftigen, was auch immer man darunter verstehen mag...

- Die Sicht muss eine weibliche sein

- Protagonistin muss eine Frau sein, am besten von anderen Frauen umgeben

- Es muss ein Unterhaltungsroman sein

- Der Roman muss handlungsgetrieben sein

- Der Roman muss ein Happy End haben

- Der Roman muss eine Beziehungsgeschichte beinhalten, zumindest als Nebenhandlung

 

(Das bitte nicht als Schreibbibel sehen, das sind nur die Forderungen, denen ich selbst begegnet bin)

 

Innerhalb des Frauenromans gibt es dann noch verschiedene Schwerpunkte, wie z.B. Liebesroman (da steht die Beziehung im Vordergrund) oder Frecher Frauenroman oder Problemroman etc. Diese Einzelschubladen, die eigentlich nur für den Buchhandel erfunden wurden, haben dann noch mal eigene "Vorschriften".

 

Aber Eva als Spezialistin kann das sicher besser erklären!

 

Schöne Grüße,

Petra

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.. dann ist also "Emmas Glück" von Claudia Schreiber mit Sicherheit kein Frauenroman... Aber das ist einer der schönsten Unterhaltungsromane mit Tiefsinn, den ich in den letzten Jahren gelesen habe. Die Hauptfigur ist eine Frau, es gibt eine Liebesgeschichte, viel Handlung, eindeutig viel Humor, aber alles andere lässt sich wohl nicht mehr in der Rubrik "Frauenroman" fassen. Etwa auch deshalb nicht, weil "Emma" eine Frau ist, die nicht unbedingt über die typischen Attribute der Weiblichkeit verfügt. Und das ist meine These: Im Mittelpunkt des klassischen Frauenromans muss eine Frau stehen, die zum Beispiel nicht "zu männlich" daher kommt. Ich glaube bestimmte Fragen wie: bin ich schön genug? bin ich schlank genug? warum ruft er nicht an? müssen unbedingt gedacht oder gesagt, außerdem mindest einmal ein Prosecco getrunken werden. Ich glaube bei Frauenromanen sind die Männer das heimliche Zentrum von allem. Ich glaube, das muss auch noch in Petras Definition.

 

Gibt es eigentlich "Männerromane"? Falls ja, ich würde Joseph von Westphalen, den ich übrigens sehr gerne lese, als guten Vertreter sehen..

 

gruß

jueb

"Dem von zwei Künstlern geschaffenen Werk wohnt ein Prinzip der Täuschung und Simulation inne."&&&&Projekt MD&&"Erdbeeren & Bananen"

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Hi Joy und die anderen,

 

Ich stimme Petra in allem zu. Was Uschis flauen magen bei den "weiblichen Themen" angeht, hätte ich hier noch eine Definition von Melissa Senate, einer amerikanischen "Chicklit"-Autorin:

 

Es ist ein unterhaltender, leichter Roman über modern Erfahrungen von Frauen, egal, ob das ihr Lebens als Singles, als verheiratete Frauen, im Büro oder sonstwo ist.

 

Ich lese meistens englische oder amerikanische Autorinnen. Wenn ich nach guten deutschen Beispielen suche, komme ich ziemlich früh raus: Irmgard Keun, Annemarie Selinko "Ich war ein hässliches Mädchen", Barbara Noack "Zürcher Verlobung" z.B. Die hat´s übrigens hinbekommen, dass alles immer so einen gewissen Zartbitter-Schmelz hatte... und die Leute haben es trotzdem gekauft.

 

LG

 

Kathrin

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Ich glaube bei Frauenromanen sind die Männer das heimliche Zentrum von allem.

jueb, deine These ist herrlich!  :s06

 

Gibt es eigentlich  "Männerromane"?

Schlimmer. Bei Lübbe hab ich im Programm schon sogenannte "freche Männerromane" gelesen, auch in denen wird viel Prosecco gesoffen und es geht um Beziehungskisten, das vertrackte Ding mit der Liebe und so. Hab leider keinen Autoren parat. ;-)

 

@Uschi

 

Du musst keine Angst haben, wie gesagt, meine Liste ist nicht die Autorenbibel und Frauenroman ist ein gummigedehntes, weites Feld.

Mein "typisch weibliches Thema" ist z.B. eine drohende Insolvenz  :s22 die aber der Leserinnenschaft zuliebe nicht in einer Erdölraffinerie zuschlägt, sondern in einem Innendekorationsgeschäft. "Weiblich" insofern für mich, als es heutzutage auch genug Frauen trifft, plötzlich geschäftlich nicht mehr flüssig zu sein.

 

Wenn du das Genre sprengst, ist es doch auch nicht schlimm, findet sich eben eine andere Schublade.

 

@Kathrin: Vorsicht, Chicklit ist der "Freche Frauenroman", nicht mit einem Frauenroman an sich zu verwechseln. Bei Chicklits sind die Grenzen sehr viel enger.

 

Schöne Grüße,

Petra

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Noch vor kurzem dachte ich Frauenliteratur sei sowas wie "Wann stille ich mein Baby ab?". ;)

 

Ich lese auch viel englisches/amerikanisches und dort sind die Grenzen fließend. Unterhaltsam, ja, leicht, nicht immer. Das gefällt mir. Es muss nämlich nicht immer "anspruchslos" sein.

 

LG

Joy

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Bei Lübbe hab ich im Programm schon sogenannte "freche Männerromane" gelesen' date=' auch in denen wird viel Prosecco gesoffen und es geht um Beziehungskisten, das vertrackte Ding mit der Liebe und so. [/quote']

 

Echt? :s05 Auch von männlichen Autoren?

 

Überraschte Grüße

Joy

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... ich glaube, dass typische "Männerromane" nicht so gut von Frauen geschrieben werden können, und typische "Frauenromane" nicht so gut von Männern - es seit denn sie sind ein wenig feminin bis schwul veranlagt... Nicht dass jetzt Widerspruch kommt: Weder "Madame Bovary" noch "Effi Briest" sind typische Frauenromane, und Effi Briest - hallo du kleiner Wildfang! - ist für mich auch eine Männerphantasie von Herrn Fontane..

 

gruß

jueb

"Dem von zwei Künstlern geschaffenen Werk wohnt ein Prinzip der Täuschung und Simulation inne."&&&&Projekt MD&&"Erdbeeren & Bananen"

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ja liebe joy,

 

vermutlich ist es so: in Frauen- bzw. Männerromanen träumt man sich das jeweils andere Geschlecht schön zurecht... oder so ähnlich....

 

gruß

Jueb

"Dem von zwei Künstlern geschaffenen Werk wohnt ein Prinzip der Täuschung und Simulation inne."&&&&Projekt MD&&"Erdbeeren & Bananen"

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Ihr Lieben,

 

verzeiht, wenn ich ein wenig off topic bin, aber Charlie regte an, eine Buchkritik zu einem Frauenroman, der meiner Meinung nach alles hat, was ein guter Frauenroman braucht, hier einzustellen.

Das mache ich jetzt mal:

 

Kati Naumann

 

"Was denkst du?"

 

Rowohlt, Reinbek

 

 

Ein Frauenroman? Schon wieder? Haben Frauenromane eigentlich jemals länger als 5 Minuten nach der letzten Seite in mir nachgeklungen? Hmm, da fällt mir keiner ein, weil keiner aus der Rolle fiel.

Und nun dieser hier: quietschgrünes Cover im Mondscheintariflook.

Der Titel "Was denkst du?" so oft gehört und banal wie ein Blondinnenwitz.

 

Doch schon auf der ersten Seite kommt Lisa, die Protaginistin, einfach so daher, packt mich am Kragen - und schon vergesse ich, dass ich eigentlich zum Arbeiten in der Schreibstube bin. Vier Stunden später schlage ich die letzte Seite um - und stelle fest, dass ich atemlos bin. Ich japse nach Luft, grinse wie blöd - und bin hingerissen. Ich liebe Lisa - sie ist seit vier Stunden meine beste Freundin - und fühle mich ganz allein gelassen, jetzt, wo das Buch ausgelesen ist.

 

Die Story: Ein Ehepaar, über zwanzig Jahre zusammen, die Kinder gerade aus dem Haus, der Mann hat die jüngere Geliebte, die Ehefrau denkt über ihr Leben nach und beschließt, den Mann zurück zu gewinnen.

So weit, so bekannt.

Doch diese Frau, diese Lisa, nein, das ist keine von denen, die sich ein Designerkostüm kaufen, den Ärger mit Prosecco herunterspülen und auf Manolo-Schuhen die Karriereleiter hinaufklettern, an dessen Ende der Traummann schon mit Sabber in den Mundwinkeln auf sie wartet.

Nein! Lisa, das bin ich. Und das bist du und du und du...

Lisa hat keine Ahnung von Manolo-Schuhen. Sie arbeitet halbtags in einer Leipziger Bibliothek, ebenfalls seit zwanzig Jahren. Sie hat auch keine Ahnung von Prosecco und weiß nicht, was ein Egotripp ist. Sie liebt ihren Mann auf unaufgeregte Weise - und er ist ihr bester Freund. Als sie herausfindet, dass er sie betrügt...Achtung, jetzt kommt das Besondere an diesen Buch...keift sie nicht und geht nicht zum Friseur, sondern verändert sich. Ganz langsam, ganz still, dafür um so nachhaltiger. Sie verliert ihren Job und sucht sich einen neuen. Nein, sie schreibt kein Buch und gründet keine Firma. Sie jammert nicht einmal oder heult sich bei ihrem schwulen besten Freund aus. Sie hat keine Freunde, keine Freundin. Nur ihren Mann Tom. Stundenweise arbeitet sie als Stadtführerin - und als bessere Putzfrau im Friseursalon, den die andere besucht.

Und Tom, der Mann, ....Achtung, die zweite Besonderheit ....kommt in jedem zweiten Kapitel zu Wort. Er, früher Musiker in einer Tanzcombo, findet sich plötzlich als Versicherungsvertreter wieder.

Beide stellen zu ihrer eigenen Verblüffung fest, dass sie älter geworden sind. Während Tom versucht, mit der jüngeren Geliebten und der Gitarre den Beweis anzutreten, dass Falten und Bäuche immer nur die anderen haben, wird Lisa langsam erwachsen. Sie hat Verantwortung, begreift sie, Verantwortung für sich selbst und für das, was das Leben für sie bereit halten soll. Und sie liebt Tom.

Und Tom liebt Lisa. Es braucht eine Weile, bis er es begreift, aber das Ende gestaltet sich trotzdem nicht happy, sondern als Anfang von etwas Neuem.

 

Mit stillen, unaufgeregten Worten gelingt Kati Naumann etwas, das es in der Literatur viel zu wenig gibt, aber sie letztendlich ausmacht: Authentizität. Sie braucht keine großen Worte, keine Klischees, keine Traumfrauen. Sie schreibt einfach über das Leben. Über ein Leben, das die meisten von uns führen. Sie zeigt uns, dass es genau dieses Leben, dieser Alltag ist, der uns ausmacht, uns beschreibt, uns auf unspektakuläre Weise zufrieden sein lässt. Sie erinnert uns an unser kleines Glück, das wir manchmal viel zu wenig schätzen. Und sie knüpft mit diesem Roman an die Tradition eines Franz Fühmann, einer Brigitte Reimann, eines Jurek Becker an und bleibt dabei ganz und gar unverwechselbar, nämlich echt.

Jedes Wort, das sie schreibt, ist vollkommen glaubhaft. Ihre Personen sind liebenswert trotz aller Schwächen. Sie sind menschlich. Und menschlich ist dieser kleine, feine Roman.

Und gleich werde ich ihn in die Hand nehmen wie eine kleine Kostbarkeit und auf das Brett meines Regals stellen, in dem meine Lieblingsbücher zu Hause sind.

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Ja, ich hab Ines drum gebeten.

Zum einen, weil ich ihre Buchkritik so schoen fand und sie hier von "der Zielgruppe" sicher gelesen wird - zum zweiten, weil ich mir das beschriebene Buch schoen vorstelle.

Erfuellt es nicht die Kriterien, nach denen du gefragt hast, Joy?

 

So ein "Frauenbuch", denke ich, waere auch ein schoenes Buch fuer Maenner, oder nicht? (Ich glaube, das ist ein Vorurteil, das ich gegen Frauenbuecher habe: Dass alle Maenner darin entweder boese Betrueger oder Volltrottel sind oder allerhoechstens noch nette bruederliche Berater.) Ein Menschenbuch.

 

Herzliche Gruesse von Charlie.

"Der soll was anderes kaufen. Kann der nicht Paris kaufen? Ach nein, in Paris regnet's ja jetzt auch."

Ararat - "Und sie sollen nicht vergessen sein" Knaur, 1. März 2016. www.charlotte-lyne.com

 

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glaube' date=' das ist ein Vorurteil, das ich gegen Frauenbuecher habe: Dass alle Maenner darin entweder boese Betrueger oder Volltrottel sind oder allerhoechstens noch nette bruederliche Berater.[/quote']

Ja, das ist ein Vorurteil :s21

 

@alle:

Als Autoren für Freche-Männer-Romane hab ich im Prospekt auf die Schnelle gefunden:

Matt Beaumont, Andreas Welter und Michel Birbaek. Letzterer wird als männliche Antwort auf Bridget Jones beworben.

 

Schöne Grüße,

Petra

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.. und er war auch GAG-Autor bei Harald Schmidt...

 

Trotzdem glaube ich, die Nachfrage nach "Männerromanen" ist nicht so groß. Alle drei Autoren haben noch gar nicht viel geschrieben... Üppig blüht das Genre ja nicht... Lesen Männer überhaupt?

 

Offtopic: Werden historische Romane nicht auch fast nur von Frauen gelesen?

 

Gruß: jueb

"Dem von zwei Künstlern geschaffenen Werk wohnt ein Prinzip der Täuschung und Simulation inne."&&&&Projekt MD&&"Erdbeeren & Bananen"

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..Offtopic: Werden historische Romane nicht auch fast nur von Frauen gelesen?

 

Nein, das glaube ich nicht. Zumindest glaube ich nicht (ich kann da nur nach meinem Freundeskreis gehen), dass die Romane von Lion Feuchtwanger, Andreas Goessling, Titus Mueller, Tilman Roehrig in der Hauptsache von Frauen gelesen werden.

Es werden nur sehr viele historische Romane von Frauen geschrieben. Und das ist ein Phaenomen, das ich seit Jahren zu beweisen suche, aber natuerlich nur auf wildes Leugnen stosse: Es gibt viele Frauen, die bevorzugt Buecher von Maennern lesen (ich gehoere dazu, 95% oder mehr aller Buecher, die ich gelesen habe, sind von Maennern verfasst worden). Aber ich kenne keinen einzigen Mann, der gern oder sogar bevorzugt, Buecher von Frauen liest. Wenn ich meine netten, frauenfreundlichen, intellektuellen Bekannten dazu befrage, streiten die das natuerlich ab: Buecher von Frauen sind mindestens genauso gut... bitte ich die Maenner dann, mir doch einige Autorinnen zu empfehlen, kommt meistens Jane Austen... die Brontes... ("Hast du die wirklich gelesen?" "Aeeeh nein, das jetzt nicht, aber weisst du, der Friseur von meinem Professor an der Uni...") und dann nichts mehr.

 

Das finde ich sehr interessant.

Ich wuerde sehr gern Romane auch fuer Maenner schreiben, da Maenner ja auch fuer mich schreiben.

Ich weiss aber nicht (da ich keine freiwilligen "Zeugen" finde), was an von Frauen verfassten Buechern fuer MAenner so unangenehm ist (womoeglich dasselbe, was mir daran unangenehm ist?)

 

Herzliche Gruesse.

Charlie.

"Der soll was anderes kaufen. Kann der nicht Paris kaufen? Ach nein, in Paris regnet's ja jetzt auch."

Ararat - "Und sie sollen nicht vergessen sein" Knaur, 1. März 2016. www.charlotte-lyne.com

 

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Hallo Ihr Lieben,

 

nachdem hier mehrfach mein Name fiel - ich gebe zu, ich bin wohl das, was man als Autorin typischer Frauenromane bezeichnet -, sag ich rasch auch was dazu.

 

Früher gab es mal beim Fischer Verlag eine Reihe "Frau in der Gesellschaft", die bildete eine Art Sammelbecken für sog. Frauenbücher. Es waren Sachbücher dabei und jede Menge Romane, von lustig über ernst bis besinnlich. Eva Heller (Beim nächsten Mann wird alles anders) und Hera Lind (Das Superweib) haben dort ihre Karriere gestartet, aber auch Autorinnen wie z. B. Ute Erhard (Gute Mädchen kommen in den Himmel etc).

 

Die üblichen Genregrenzen wurden damals gesprengt, ein neuer Blickwinkel tat sich auf. Bücher von Frauen für Frauen, ein echtes Novum in der bis dahin klassisch durchstrukturierten Verlagslandschaft. Ob dieses - mit enormen Auflagenzahlen einhergehende - Phänomen Folge oder Begleiterscheinung einer emanzipatorischen Neuerung innerhalb der Gesellschaft war (exemplarische Stichworte: Quotenregelung, Neuregelung des § 218, Reform des Eherechts), lässt sich schwer sagen, aber irgendwie hing es sicher damit zusammen, dass auch die Bücher neue - weibliche - Wege gingen und gezielt auf Frauen zugeschnitten wurden.

 

Jetzt, etliche Jahre später, hat sich vieles als selbstverständlich etabliert. Kein Hahn kräht mehr nach der Quote, niemand schreit mehr nach mehr Frauenpower. Die altgedienten Frauenreihen wurden wieder in allgemeine Reihen outgesourced, verschwanden zurück ins Sachbuch, die Esoterikreihe, die Erotikreihe, die Krimireihe, dahin, wo sie vorher auch waren.

 

Von daher sehe ich heute das Spezifikum "Frauenroman" nicht mehr, es sei denn, man würde es so klassifizieren, dass man unter Frauenroman schlicht einen Roman versteht, der sich an Frauen als Zielgruppe richtet. Also das, was hier schon gesagt wurde - Petra hat die Zutaten perfekt aufgezählt. Klar, es gibt außerdem die klassischen Romantikreihen, die gab es immer und wird es immer geben, und die Sparte Chicklit hält sich seit jenen Zeiten auch immer noch über Wasser. Es soll sogar Männer geben, die aus Versehen so was lesen  ;D

 

Weiter gehend kann man aber so ziemlich jedes Buch als "Frauenroman" bezeichnen, denn die weitaus meisten Käufer (und Leser!) von Büchern sind nun mal Frauen  :)

 

Ich persönlich schreibe gern und gezielt für Frauen und aus Frauensicht, egal in welchem Genre. Ich habe schon Romane aus Männersicht geschrieben (Thriller) und hatte kein Problem damit (Männer sind ja irgendwie auch Menschen  ;D), aber da ich WEISS, dass die meisten meiner Leser weiblich sind, ist es die weibliche Gefühlslage, die bei mir während des Schreibens den Schwerpunkt auf sich zieht.

 

Interessanterweise waren die für mich beeindruckendsten Liebesromane allerdings von Männern geschrieben, ein Phänomen, das auszuloten diesen Thread aber sprengen würde.

 

LG,

eva v. (gerade fertig mit dem ersten Großkapitel eines auf Frauen zugeschnittenen historischen Romans  :))

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Es gibt viele Frauen, die bevorzugt Buecher von Maennern lesen (ich gehoere dazu, 95% oder mehr aller Buecher, die ich gelesen habe, sind von Maennern verfasst worden). Aber ich kenne keinen einzigen Mann, der gern oder sogar bevorzugt, Buecher von Frauen liest. Wenn ich meine netten, frauenfreundlichen, intellektuellen Bekannten dazu befrage, streiten die das natuerlich ab: Buecher von Frauen sind mindestens genauso gut... bitte ich die Maenner dann, mir doch einige Autorinnen zu empfehlen, kommt meistens Jane Austen... die Brontes... ("Hast du die wirklich gelesen?" "Aeeeh nein, das jetzt nicht, aber weisst du, der Friseur von meinem Professor an der Uni...") und dann nichts mehr.

"Die Judenbuche" fehlt noch als das entscheidende Quotenbuch der deutschen Literatur. Ich weiß auch nicht, woran es liegt, aber im Kanon sind wirklich wenig Romane, die Frauen geschrieben haben, und in meinem Bücherschrank auch nicht. Vielleicht hat Kunst ab einer Stufe etwas unbedingt Fanatisches und Männer verkaufen ihre Seele dann eher als Frauen? Oder gesellschaftlich läuft etwas in der Richtung, ich weiß es nicht.

Könntest du denn generell Unterschiede ausmachen zwischen einem "typischen" weiblichen Stil und was dich genau daran stört?

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Danke Eva,

 

du fasst zusammen, was schnipselweise schon mal gefallen ist. Alle Bücher sind Frauenromane, weil viel mehr Frauen lesen als Männer. Darauf wollte ich heute auch grade eingehen und kann es mir jetzt sparen.

 

Gutes Beispiel für ein "anderes" Buch! Ich las mal ein ähnlich anderes, von einer Frau, die auch schon nicht mehr der Gruppe 23-39 angehört und von ihrem Mann betrogen wurde. Auch sie kämpft um ihre Ehe, allerdings ganz anders und auch nicht spektakulär oder irre komisch. Einfach nur lesenswert.

 

Ich persönlich hoffe der Begriff Frauenroman verschwindet irgendwann ganz, so wie die Welle, die ihn ausgelöst hat.

 

LG

Joy

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Hallo Leute,

Alle Bücher sind Frauenromane' date=' weil viel mehr Frauen lesen als Männer.[/quote']

Genau das möchte ich bezweifeln, auch wenn pauschalisierte Statistiken gern selbsterfüllende Prophezeiung spielen. Es gibt Genres, die in der Mehrheit von Männern gelesen werden. Zahlen für die sogenannte Feuilleton-Literatur liegen mir nicht vor, aber hier dürfte das Verhältnis der Leserschaft hälftig sein, wenn nicht sogar mit Männerüberhang (?).

Dass Männer grundsätzlich weniger lesen, halte ich auch für ein Gerücht - in anderen Ländern tun sie es ja auch.

 

Ich frage mich stattdessen: Lesen Männer weniger, weil immer weniger Autoren für Menschen schreiben? Weil dieser Passus "du schreibst hauptsächlich für Frauen" so in die Köpfe gestampft wird? Lassen sich Frauen diese Botschaft eher einimpfen?

 

Insofern hoffe ich mit dir, Joy, dass es in Zukunft mehr Bücher für Menschen gibt.

 

Schöne Grüße,

Petra

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Hallo Joy,

 

Dein Wort in das Ohr der Göttin!

 

Einsweilen sind FRauen die jenigen, die am meisten lesen. Damit haben wir, wenn wir für FRauen schreiben, ein großes Feld -

@ Petra

und das sollten wir die Grenzen auch soweit wie möglich ausweiten.

 

Wer hat etwas auf Fantasy für Kinder gegeben bis J.K. Rowling kam .

 

Wer sich gerne ärgert, kann jetzt einflechten, dass, wenn eine FRau über Beziehungen schreibt, es "FRauenliteratur" sein soll, wenn ein Mann Ähnliches tut, sog. Literatur.

 

@ PeterN

Habe ich Dich richtig verstanden, dass Du schriebst, es gäbe so wenig Autorinnen, historisch gesehen? Oho! ;)

 

Viele Grüße

 

Kathrin

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Hallo Petra,

 

mehr Menschenbücher - das ist ein gutes Motto.

 

Was die Männer und das Lesen angeht... da greife ich einfach aus meiner persönlichen Erlebenswelt.

 

Ich habe Bekannte, die haben nicht mal ein Bücherregal im Haus.  :s05 Die Frauen leihen sich aber wenigstens mal was, während sie von ihren Männern sagen: Ich kann machen was ich will, er liest einfach nicht!

 

Mein Vater dagegen hat Bücher verschlungen! Möglichst die ganz dicken.

 

Mein Schwager liest Computerfachzeitschriften und ab und zu was über Druiden, während meine Schwester hunderte TB's im Jahr weghaut.

 

Mein Ex-Mann wartete darauf, dass jedes Buch, das ihn evtl. interessiert hätte,  in Dolby-Surround auf einem Bildschirm erscheint.

 

Mein jetziger Mann liest gerne. Am liebsten Fantasy, aber auch Thriller und Romane.

 

Meine 45 männlichen Ex-Kollegen, die fast alle einen Titel hatten (aus der Sparte Physik und Chemie): Nur wenige lasen Romane! Man kann also nicht mal unbedingt sagen, dass es am Bildungsgrad liegt.

 

Fast alle meine Freunde und Bekannte lesen, aber sie viel mehr als er!

 

Ich beziehe mich also nicht auf irgendwelche Statistiken, sondern auf persönliche Beobachtung.

Man schaue sich mal unauffällig rum, wenn man eine Schlossbesichtigung bei neuen Bekannten bekommt. Im Schlafzimmer auf den Nachttischen - meist liegt nur auf ihrer Seite ein Buch.

 

Observierende Grüße

Joy

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Guten Morgen,

 

sind Frauenromane tatsächlich ein Zeichen für Emanzipation. Eva V., du hast weiter oben etwas in der Art geschrieben - ich hoffe, ich habe das richtig verstanden.

Mein Eindruck ist zum Teil ein anderer.

 

Gruß Ines

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