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BarbaraS

Ein untadeliger Mann – Jane Gardam

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Mich drückt das Gewissen, liebe Mitleser – ich wollte so gerne schon wieder was posten, vor allem, als es um die Sympathiefrage ging – aber sofort nach Oberursel muss ich für zwei Wochen nach Russland und dort eine Vorlesung und ein Seminar halten und das ist fürchterlich viel Arbeit, inzwischen habe ich etwa die Hälfte geschafft, aber es liegt doch noch ein ziemlicher Berg vor mir. Umso froher war ich, als Claudia dann prinzipiell zu diesem Punkt all das geschrieben hat, was ich hätte sagen wollen.

 

Vielleicht noch ein Wort dazu: Möglich, dass mir das mit "Ich mag den Kerl nicht" deshalb immer wieder aus der Feder wollte, weil ich langsam diese Forderungen nach sympathischen Figuren nicht mehr ertrage. Über Filth habe ich gerne gelesen, weil die Figur so vielschichtig angelegt und so toll gezeichnet war. Aber deshalb muss ich mich doch nicht in ihn verlieben (das Wort steht quälend oft so in begeisterten Amazon-Rezensionen). 

 

Das ganze Buch ist in meinen Augen großartig gelungen mit der Einschränkung, dass es mir etwas effekthascherisch auf dieses dauernd angedeutete verbrecherisch-verdrängte Erlebnis hin geschrieben war. Ich hätte das Buch auch gern gelesen ohne das wiederkehrende Versprechen auf Wirbel am Ende. Das ist aber auch wirklich mein einziger Kritikpunkt und da es so wenig wirklich gut geschriebene Romanenden gibt, will ich der Autorin das gern verzeihen.

 

Wie auch ihr vergebet bitte mir meine lässlichen und schwereren Sünden, namentlich die des wochenlangen Klappehaltens.

 

Ich bedanke mich bei allen und ganz besonders bei Barbara, die wunderbar immer am Ball bleib und stets die klügsten Worte fand.

 

Herzlich,

Angelika

Laudatio auf eine kaukasische Kuh. Eichborn 2021. 

Alicia jagt eine Mandarinente. dtv premium März 2018. Die Grammatik der Rennpferde. dtv premium Mai 2016

www.angelika-jodl.de

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Auch von mir ein Dankeschön. Hab leider zur Zeit zuviel um die Ohren und konnte mich nicht so beteiligen, wie ich gewünscht hätte. Hab fleißig mitgelesen trotzdem. Ich wünsch euch allen ein tolles Oberursel und werde mit neidischen Gedanken eurer gedenken. Beste Grüße, Barbara

Jedenfalls bleibt die Tatsache, dass es im Leben nicht darum geht, Menschen richtig zu verstehen. Leben heißt, die anderen misszuverstehen ... Daran merken wir, dass wir am Leben sind: wir irren uns. (Philip Roth)

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Für mich ist es eins der besten Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe, und ich würde gern

mehr solcher Texte lesen. Am nächsten Band von Jane Gardam hätte ich ebenfalls Interesse, weil es die Figuren dann von ganz anderen Seiten beleuchtet.

 

Es freut mich riesig, dass du von dem Roman so begeistert warst, Christa. Mir ging es ja ganz genauso, auch bei mir hat er ganz viele Überlegungen zu meinem eigenen Schreiben in Gang gesetzt. Den zweiten Roman finde ich auch unbedingt lesenswert; ebenso den dritten – den habe ich inzwischen auch gelesen, er steuert noch einmal eine andere Farbe bei, weil er vom Arbeiterkind Veneering handelt.

 

Falls ihr den zweiten Roman auch hier diskutieren wollt, werde ich vermutlich ein bisschen neidisch sein, weil ich dann sicher nicht mit dabei sein kann: Ich verreise demnächst für längere Zeit. Nach Oberursel komme ich deswegen auch nicht; sonst hätten wir da noch ein bisschen weiterschwatzen können. Stattdessen wünsche ich euch von hier schon mal ein tolles Treffen!

 

Herzliche Grüße in die Runde

 

Barbara

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Für mich ist es eins der besten Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe, und ich würde gern

mehr solcher Texte lesen. Am nächsten Band von Jane Gardam hätte ich ebenfalls Interesse, weil es die Figuren dann von ganz anderen Seiten beleuchtet.

 

Es freut mich riesig, dass du von dem Roman so begeistert warst, Christa. Mir ging es ja ganz genauso, auch bei mir hat er ganz viele Überlegungen zu meinem eigenen Schreiben in Gang gesetzt. Den zweiten Roman finde ich auch unbedingt lesenswert; ebenso den dritten – den habe ich inzwischen auch gelesen, er steuert noch einmal eine andere Farbe bei, weil er vom Arbeiterkind Veneering handelt.

 

Falls ihr den zweiten Roman auch hier diskutieren wollt, werde ich vermutlich ein bisschen neidisch sein, weil ich dann sicher nicht mit dabei sein kann: Ich verreise demnächst für längere Zeit. Nach Oberursel komme ich deswegen auch nicht; sonst hätten wir da noch ein bisschen weiterschwatzen können. Stattdessen wünsche ich euch von hier schon mal ein tolles Treffen!

 

Es freut mich, dass wir in dem Punkt so übereingestimmt haben, Barbara. Und ich fand es sehr gut, wie du immer wieder

klug moderiert und die Diskussion weitergebracht hast. Ich selbst möchte dieses Leseerlebnis (ja, sowas gibt es auch heute noch! :s13)

erstmal noch weiter sacken und wirken lassen, bevor ich mich an die anderen Bände mache. Wenn der zweite in der nächsten Leserunde vorgeschlagen wird, würde ich gern wieder mitmachen. Schade, dass du in Oberursel nicht dabei sein kannst, hatte es schon der Liste entnommen, aber um deine längere Reise beneide ich dich ebenfalls! Frage ist, ob wir dich als Moderatorin überhaupt entbehren können und nicht lieber solange warten sollten, bis du ausgeruht und voller Erlebnisse zurückgekehrt bist. :)

 

Herzlichst

Christa

Bearbeitet von Christa
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Vielleicht noch ein Wort dazu: Möglich, dass mir das mit "Ich mag den Kerl nicht" deshalb immer wieder aus der Feder wollte, weil ich langsam diese Forderungen nach sympathischen Figuren nicht mehr ertrage. Über Filth habe ich gerne gelesen, weil die Figur so vielschichtig angelegt und so toll gezeichnet war. Aber deshalb muss ich mich doch nicht in ihn verlieben (das Wort steht quälend oft so in begeisterten Amazon-Rezensionen). 

 

Das ganze Buch ist in meinen Augen großartig gelungen mit der Einschränkung, dass es mir etwas effekthascherisch auf dieses dauernd angedeutete verbrecherisch-verdrängte Erlebnis hin geschrieben war.

 

Du hast, auch wenn du aus o.g.Gründen nicht immer etwas beitragen konntest, doch gerade diese entscheidende Frage nach der "Sympathie" gestellt, Angelika - das hat die Diskussion ziemlich angeregt, und ich habe mich grundsätzlicher damit auseinandersetzen müssen. Auch ich habe es schon erlebt, dass eine Amazon-Rezensentin eine Nebenfigur "unsympathisch" und "zickig" fand und deswegen weniger Sterne vergeben hat. Ich fand es sympathisch, wie diese Autorin mir den doch so holzigen und teilweise arroganten Filth nähergebracht hat mit seinem Innen- und Außenleben. Das honoriere ich sehr.

 

Das andere ist die Effekthascherei. Dazu fällt mir noch ein anderes Beispiel ein: "Fräulein Scillas Gespür für Schnee" hatte ich als Film gesehen und las irgendwo den Vorwurf, er würde "hollywoodmäßig" enden. Ob es in dem Buch auch so war, weiß ich gar nicht mehr.

Beim "untadeligen Mann" habe ich da auch einen kleinen Bruch gespürt, als verlasse die Autorin das bisherige Terrain und gehe einen

Schritt in Richtung Spannungsliteratur. Ich habe es ihr nicht nur verziehen, sondern mich davon mitreißen lassen und es als durchaus würdiges und passendes Ende dieses großartigen Buches empfunden.

 

Herzlichst

Christa

Bearbeitet von Christa
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Olivia Kleinknecht

 

Vielleicht noch ein Wort dazu: Möglich, dass mir das mit "Ich mag den Kerl nicht" deshalb immer wieder aus der Feder wollte, weil ich langsam diese Forderungen nach sympathischen Figuren nicht mehr ertrage. Über Filth habe ich gerne gelesen, weil die Figur so vielschichtig angelegt und so toll gezeichnet war. Aber deshalb muss ich mich doch nicht in ihn verlieben (das Wort steht quälend oft so in begeisterten Amazon-Rezensionen). 

 

Das ganze Buch ist in meinen Augen großartig gelungen mit der Einschränkung, dass es mir etwas effekthascherisch auf dieses dauernd angedeutete verbrecherisch-verdrängte Erlebnis hin geschrieben war.

 

Du hast, auch wenn du aus o.g.Gründen nicht immer etwas beitragen konntest, doch gerade diese entscheidende Frage nach der "Sympathie" gestellt, Angelika - das hat die Diskussion ziemlich angeregt, und ich habe mich grundsätzlicher damit auseinandersetzen müssen. Auch ich habe es schon erlebt, dass eine Amazon-Rezensentin eine Nebenfigur "unsympathisch" und "zickig" fand und deswegen weniger Sterne vergeben hat. Ich fand es sympathisch, wie diese Autorin mir den doch so holzigen und teilweise arroganten Filth nähergebracht hat mit seinem Innen- und Außenleben. Das honoriere ich sehr.

 

Das andere ist die Effekthascherei. Dazu fällt mir noch ein anderes Beispiel ein: "Fräulein Scillas Gespür für Schnee" hatte ich als Film gesehen und las irgendwo den Vorwurf, er würde "hollywoodmäßig" enden. Ob es in dem Buch auch so war, weiß ich gar nicht mehr.

Beim "untadeligen Mann" habe ich da auch einen kleinen Bruch gespürt, als verlasse die Autorin das bisherige Terrain und gehe einen

Schritt in Richtung Spannungsliteratur. Ich habe es ihr nicht nur verziehen, sondern mich davon mitreißen lassen und es als durchaus würdiges und passendes Ende dieses großartigen Buches empfunden.

 

Herzlichst

Christa

 

 

 

Liebe Christa und Angelika,

bin ganz eurer Meinung. Dieser Filth ist eine Art Antiheld. Und ich wünsche mir mehr solche Figuren. Es ist beinahe so, die anspruchsvollen Romane stellen Antihelden ins Zentrum, die Massenware Helden ...

Herzlich, Olivia

 

Bearbeitet von Olivia Kleinknecht
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Ich hätte ja gern mit euch noch ein bisschen über das Wie geredet: Wie erzeugt die Autorin diese Leseeindrücke, wie schafft sie denn diese - für mich außergewöhnliche - Erzählhaltung? Dafür müsste man konkret an die Sprache, wie wir das auch bei der legendären Currywurst getan haben. Aber dafür braucht es natürlich Zeit, und die haben wohl die meisten (inklusive moi im Moment) eher nicht, zumal du, Barbara, ja schon auf dem Sprung bist.

Ansonsten fand ich die Runde auch toll und intensiv und großartig moderiert. Es ist einfach schön, zusammen ein Buch zu lesen. Könnte ich immer wieder tun.  Die anderen Bände habe ich noch nicht gelesen, hier stapelt sich noch so viel anderes.

Liebe Grüße

Claudia

Baronsky&Brendler: Liebe würde helfen  Ein Staffelroman 
Februar 21, Kampa

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Wie schade, Barbara. Ich habe mich schon gefreut, Dich in Oberursel persönlich kennenzulernen.

 

Ja, das hätte ich auch schön gefunden.

Und weitere Gespräche übers Handwerk hätten mir auch Spaß gemacht.

Und überhaupt wird es mir leid tun, euch alle nicht zu sehen. Insbesondere dass ich Angelikas Vortrag verpasse, finde ich echt bitter. Aber inzwischen ist mein Kopf wirklich nur noch mit Reisevorbereitungen beschäftigt …

 

Danke noch für eure netten Worte!

 

Herzliche Grüße

 

Barbara

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