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BarbaraS

Erzählstimme

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Bei der Fee stellte ich mir zB eine experimentierfreudige Person vor, nicht unbedingt ernstzunehmende Wissenschaftlerin, eher Hobbywissenschaftlerin, die diese beiden Figuren, die so gegensätzlich sind, vor sich auf einer Glasplatte hat und durchs Mikroskop betrachtet oder auch mal von fern/sie durchs Labyrinth laufen lässt etc. Das Ganze als Experiment betrachtet. Neugier, Nähe, Distanz. Vielleicht ab und zu auch Mitgefühl. Ich hatte eine gefühlsmäßig recht genaue Vorstellung von ihr - wusste aber nicht, was sie außerhalb des Labors tat - und trotz dieser genauen Vorstellung hört man sie gar nicht im Text.

 

Also, das finde ich gerade mega-spannend. Du hattest sozusagen eine Erzählerin im Kopf, die die Geschichte arrangiert, deren Stimme aber nirgendwo zu hören ist?

 

Die Frage des Weglassens finde ich bei dem Thema übrigens auch zentral, darauf komme ich gleich noch mal.

 

Interessant finde ich, dass hier eigentlich alle sagen, dass sie ihre Erzählstimmen intuitiv finden. Auch wenn manche von euch durchaus etwas theoreitscher darüber nachdenken, was für ein bestimmtes Projekt passen könnte und was nicht, die Stimme stellt sich irgendwann ein. Manchmal erst nach einigem Suchen und Ausprobieren, was ja auch eher ein "Abschmecken" ist, etwas, was das berühmte Bauchgefühl zuständig ist. Ich hoffe, ich fasse das nicht falsch zusammen – sonst bitte widersprechen! Mir geht es auch so, obwohl ich wirklich gern analysiere, wie andere es machen, wie ich selbst es hier und da gemacht habe, wie man es sonst noch machen könnte …

 

Derzeit habe ich den Eindruck, dass ich die Erzählstimme meines Textes am ehesten im Dialog hören kann. Faszinierend daran finde ich, dass Dialoge, die im Roman ohne weitere Regieanweisungen eingebaut werden, scheinbar objektiv daherkommen, in Wirklichkeit aber ganz viel über die Erzählstimme verraten, allein durch Auswahl und Montage der zitierten Sätze, und auch was ausgespart wird und was nicht. Und welche Stimmung dadurch erzeugt wird: Ironie, Entfremdung, Sentimentalität etc.

 

Ja, genau, genau. Das finde ich immer wieder so toll an Texten, die sehr vom Narrativen leben: Wenn dann mal Dialog kommt, nur wenige Sätze, dann haben diese Sätze eine solche Power, wie man sie in einem szenischen Dialog kaum mal erreicht. Rede, Gegenrede, und Feierabend – und alles Wichtige ist gesagt. Und wie du sagst, jueb: Genau durch dieses Auswählen zeigt der Erzähler, worauf er abzielt. Ohne ein kommentierendes Wort schreiben zu müssen. Ich muss gestehen, dass ich die Leute, die das wirklich beherrschen, höllisch beneide. Bei mir wird am Ende doch immer unendlich viel geredet. ;-)

 

Wobei gute Dialoge natürlich Konstrukte sind, die nicht unbedingt der Realität entsprechen. Natürlich sollen sie natürlich sein und der Figur ganz nahe kommen, aber in der Wirklichkeit labern Menschen ohne Ende und das kann man so nicht schreiben. Ich stehe eher auf knappe Dialoge statt lange Monologe, in denen jeder Satz eine Bedeutung hat. Rede und Gegenrede, wie beim Tennis, jedes Wort muss sitzen, auch wenn es Umgangssprache ist, auch wenn die Bedeutung dabei ungesagt bleibt und doch verstanden wird.

Die Montalban-Reihe, Die Normannen-Saga, Die Wikinger-Trilogie, Bucht der Schmuggler, Land im Sturm, Der Attentäter, Die Kinder von Nebra, www.ulfschiewe.de

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Wobei gute Dialoge natürlich Konstrukte sind, die nicht unbedingt der Realität entsprechen. Natürlich sollen sie natürlich sein und der Figur ganz nahe kommen, aber in der Wirklichkeit labern Menschen ohne Ende und das kann man so nicht schreiben. Ich stehe eher auf knappe Dialoge statt lange Monologe, in denen jeder Satz eine Bedeutung hat. Rede und Gegenrede, wie beim Tennis, jedes Wort muss sitzen, auch wenn es Umgangssprache ist, auch wenn die Bedeutung dabei ungesagt bleibt und doch verstanden wird.

 

 

Das stimmt natürlich, Ulf, aber das habe ich nicht gemeint. Mir ging es darum, dass Dialoge beim szenischen Erzählen gewöhnlich länger sind, weil erst einmal die Szene, die Mitspieler, das Thema ... etabliert werden muss. Bei "Show don't tell" braucht das einfach mehr Raum, als wenn ein narrativer Erzähler zusammenfasst, was passiert, und nur die zwei zentralen Sätze des Dialogs liefert. (Das ist jetzt natürlich auch wieder zugespitzt und vereinfacht, aber es erklärt vielleicht, was ich gemeint habe.)

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Wobei gute Dialoge natürlich Konstrukte sind, die nicht unbedingt der Realität entsprechen. Natürlich sollen sie natürlich sein und der Figur ganz nahe kommen, aber in der Wirklichkeit labern Menschen ohne Ende und das kann man so nicht schreiben. Ich stehe eher auf knappe Dialoge statt lange Monologe, in denen jeder Satz eine Bedeutung hat. Rede und Gegenrede, wie beim Tennis, jedes Wort muss sitzen, auch wenn es Umgangssprache ist, auch wenn die Bedeutung dabei ungesagt bleibt und doch verstanden wird.

 

 

Das stimmt natürlich, Ulf, aber das habe ich nicht gemeint. Mir ging es darum, dass Dialoge beim szenischen Erzählen gewöhnlich länger sind, weil erst einmal die Szene, die Mitspieler, das Thema ... etabliert werden muss. Bei "Show don't tell" braucht das einfach mehr Raum, als wenn ein narrativer Erzähler zusammenfasst, was passiert, und nur die zwei zentralen Sätze des Dialogs liefert. (Das ist jetzt natürlich auch wieder zugespitzt und vereinfacht, aber es erklärt vielleicht, was ich gemeint habe.)

 

 

Klar, Dialog kommt nicht nur in szenischen Passagen vor. Besonders wenn man im Roman eine längere Zeitspanne überbrücken muss, die natürlich narrativ zusammengefasst wird. Aber gerade kann man das Wichtigste in Form eines kleinen Dialogs einfügen, vielleicht nur 2-3 Sätze, die dann aber aussagekräftiger und lebendiger sind als eine narrative Bewertung. Ich mache das oft, um narrative Passagen aufzulockern und hautnäher zu gestalten. Und um wieder die Stimme des Erzählers oder anderer wichtiger Figuren einzubringen.

Die Montalban-Reihe, Die Normannen-Saga, Die Wikinger-Trilogie, Bucht der Schmuggler, Land im Sturm, Der Attentäter, Die Kinder von Nebra, www.ulfschiewe.de

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Liebe Barbara,

 

die Einwände waren: verzögert den Einstieg unnötig; der Rahmen ist als Hilfskonstruktion erkennbar und als solche grundsätzlich entbehrlich; es fehlen narrative Elemente, die die Szenen verbinden. Aber auch: Man erfährt nicht genug über die Erzählerfigur, wenn sie schon da ist, muss sie eine eigene Geschichte haben.

 

Mir selbst kam die Konstruktion immer schlüssig vor. Ich sah die Geschichte wie ein Mobile, das am Faden der Erzählerstimme aufgehängt ist. Einzelne Szenen, Splitter, Dialoge – verbunden durch diesen Faden.

 

Wenn ich darüber nachdenke, sehe ich es so: Die Erzählerfigur war vielleicht überflüssig und möglicherweise zu aufdringlich – die Erzählerstimme selbst aber, die Distanz, die sie erzeugt hat, war notwendig. Diese Geschichte hätte ich ohne sie nicht erzählen können. Die Figuren waren mir zwar vertraut, ich habe sie vor mir gesehen und hatte ein sehr klare Vorstellung von ihnen – aber in keine von ihnen hätte ich schlüpfen mögen, was ihre Gedanken betrifft, niemals.

 

Das also hat die Erzählerin für mich getan. Sie hat eine Geschichte erzählt, wie sie sich aus ihrer Sicht zugetragen hat, hat eingeordnet und kommentiert, wohl wissend, dass die Figuren das niemals so gesehen haben und nicht haben sehen können.

 

Die Erzählstimme insgesamt, ober personalisiert oder nicht, wurde kritisiert für zu wenig Dynamik in der Erzählweise, zu wenig konventionelles Erzählen, zu wenig Souveränität im Erzählen, dafür, dass sie den Leser zu wenig an der Hand nehmen würde. Und die Figuren einem alle seltsam fern blieben.

 

Wenn ich weiter drüber nachdenke, wird mir in diesem Moment klar, dass ich das Erzählen „delegiert“ habe, und das war vielleicht ein Problem. Ich hätte mich vielleicht mutiger mit den Figuren rumschlagen sollen und eine stärkere Erzählposition finden müssen.

 

Wie auch immer. Zur Klärung trägt das vielleicht nicht bei, ich danke dir aber für die angestoßene Frage, weil mir die Schwächen dieses Schubladen-Manuskripts jetzt tatsächlich noch einmal deutlich geworden sind, und ich – das erste Mal – Möglichkeiten sehe, die Geschichte anders zu erzählen. Das ist jetzt gerade spannend.

 

Auf deine Lösung wäre ich gespannt.

Viele Grüße

Anna

Bücher
 

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Danke für die Erläuterungen, Anna! Und ich würde mich natürlich sehr freuen, wenn unsere Diskussion dir neue Denkanstöße gebracht hat.

 

Die Erzählstimme insgesamt, ober personalisiert oder nicht, wurde kritisiert für zu wenig Dynamik in der Erzählweise, zu wenig konventionelles Erzählen, zu wenig Souveränität im Erzählen, dafür, dass sie den Leser zu wenig an der Hand nehmen würde. Und die Figuren einem alle seltsam fern blieben.

 

Wenn ich weiter drüber nachdenke, wird mir in diesem Moment klar, dass ich das Erzählen „delegiert“ habe, und das war vielleicht ein Problem. Ich hätte mich vielleicht mutiger mit den Figuren rumschlagen sollen und eine stärkere Erzählposition finden müssen.

 

Eine starke Erzählposition finden – das Stichwort löst bei mir gerade sehr viele Gedankengänge aus. Vermutlich kann man dieses etwas distanziertere Erzählen – (Erzählen über die Figuren statt aus ihnen heraus) tatsächlich dazu benutzen, die Geschichte beim Schreiben ein Stück von sich fernzuhalten; und ich frage mich gerade, ob ich nicht auf dem Wege bin, das zu tun – ein beunruhigender Gedanke. Denn die narrativ geschriebenen Texte, die ich besonders liebe und auch anstaune, haben tatsächlich alle eine sehr starke Erzählposition, einen Erzähler, der wirklich frei mit seinem Stoff umgeht. (Ich denke da an "Lichtjahre" von Salter, an "Demokratie" von Didion, "Hundert Jahre Einsamkeit" von Garcia Marquez, an die Erzählungen von Alice Munro …) Oder zumindest eine Stimme, die einen ganz eigenen Beitrag zur Atmosphäre der Geschichte leistet.

 

Darüber muss ich jetzt noch mal nachdenken …

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Eine starke Erzählposition finden – das Stichwort löst bei mir gerade sehr viele Gedankengänge aus. Vermutlich kann man dieses etwas distanziertere Erzählen – (Erzählen über die Figuren statt aus ihnen heraus) tatsächlich dazu benutzen, die Geschichte beim Schreiben ein Stück von sich fernzuhalten; und ich frage mich gerade, ob ich nicht auf dem Wege bin, das zu tun – ein beunruhigender Gedanke. Denn die narrativ geschriebenen Texte, die ich besonders liebe und auch anstaune, haben tatsächlich alle eine sehr starke Erzählposition, einen Erzähler, der wirklich frei mit seinem Stoff umgeht. (Ich denke da an "Lichtjahre" von Salter, an "Demokratie" von Didion, "Hundert Jahre Einsamkeit" von Garcia Marquez, an die Erzählungen von Alice Munro …) Oder zumindest eine Stimme, die einen ganz eigenen Beitrag zur Atmosphäre der Geschichte leistet.

 

Darüber muss ich jetzt noch mal nachdenken …

 

 

Liebe Barbara,

was ich bei "Lichtjahre" so beeindruckend finde, ist, dass der Erzähler auf der einen Seite sehr genau die Schwächen und Schwachstellen der Figuren herausarbeitet, auf der anderen Seite ich aber die ganze Zeit das Gefühl habe, dass er eine große Sympathie für sie hegt, dass er ihnen wohlgesonnen ist, obwohl er ihre Schwächen klar sieht. Für mich unterstreicht das auch der Anfang des Romans, in dem Salter mich auf ein "wir" einschwört und die Geschichte mit interessanten historischen Details jener Art beginnt, die später Nedra zum Beispiel so gerne als ein Zeichen ihres Intellekts anführt. Ich hoffe, ich drücke mich nicht zu verwirrend aus. 

Was macht für dich die Stärke des Erzählers in Lichtjahre aus?

Liebe Grüße

Lisa

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Was macht für dich die Stärke des Erzählers in Lichtjahre aus?

 

Das kriege ich gar nicht so ohne Weiteres zu fassen, Lisa. Auf jeden Fall gehören die Punkte dazu, die du schon genannt hast: dass der Erzähler mit sehr viel Freundlichkeit und Einfühlungsvermögen über die Figuren spricht, dass er aber andererseits ganz genau und auch gnadenlos hinschaut, ihre Tricks durchschaut, weiß, wwann und wie sie sich belügen. Ich erinnere mich, dass ich beim ersten Lesen richtig ein bisschen schockiert war, als der Erzähler Nedra beim Fremdgehen darstellt, und das im gleichen liebevollen und freundlichen Ton, in dem er vorher das Eheleben von Nedra und Viri geschildert hat. Das hat mich vermutlich stärker berührt, als wenn dieselbe Geschichte aus den Köpfen der Protagonisten heraus erzählt würde – vermutlich weil die Erzählstimme einem vermittelt, dass diese Personen wichtig sind, dass man ihre Liebe und ihre Zukunft nicht auf die leichte Schulter nehmen darf. (So wie es einem ergeht, wenn ein guter Freund etwas erzählt, das ihm selbst nahegeht.)

 

Zugleich trägt die Erzählstimme aber auch etwas allgemeiner eine Sicht auf die Welt, ein Gefühl für die Welt in den Roman hinein, die (glaube ich) nicht den Figuren gehören, sondern eben dem Erzähler. (Oder evtl. Salter selbst, aber das finde ich letztlich unwichtig.) Am deutlichsten ist es mir daran aufgefallen, dass der Erzähler über Männer und Frauen unterschiedlich schreibt. Nedra sieht man sehr oft von außen, man erfährt, wie sie wirkt, wie sie aussieht, was sie in welchem Tempo oder mit welcher Aufmerksamkeit macht. Und obwohl natürlich auch einiges über Wünsche und Gefühle erzählt wird, bleibt bei mir der Eindruck zurück, dass auch der Erzähler sie eher von außen sieht. Er mag sie, er bewundert sie auch, er zeigt sie bei allen Schwächen als sehr stark und positiv – aber er schaut ihr nicht auf die gleiche Art in die Karten wie Viri. Bei dem weiß er viel genauer, wo seine Schwachpunkte liegen.

 

Jedenfalls ist das der Eindruck, der bei mir nach dem Lesen zurückgeblieben ist, um es genau zu belegen, müsste ich den Roman noch mal unter dem Gesichtspunkt lesen. Wichtig finde ich daran aber vor allem, dass der Erzähler in "Lichtjahre" für mich eine vollständige und komplexe Person ist, nicht nur eine Stimme. Er sagt zum Beispiel Sätze wie "Das Leben teilt sich und hinterlässt Narben, ähnlich den Ringen in einem Baum. Wie dicht beieinander die ersten liegen, die Zeit drückt sie zusammen, zwanzig Jahre lassen sich nicht mehr voneinander unterscheiden." (S. 210 in meiner rororo-Ausgabe). Oder die Stelle, die du schon mal zitiert hast, am Anfang von Teil Vier: "Sie wurden im Herbst geschieden. Ich wünschte, es hätte anders sein können. Die Klarheit jeder Herbsttage berührte sie beide." Ich würde es so sagen: Er traut sich nach vorn, mitten ins Licht. Er vertraut nicht nur seiner Geschichte, sondern auch seiner eigenen Stimme. Ganz große Klasse.

 

Liebe Grüße

 

Barbara

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Ich erinnere mich, dass ich beim ersten Lesen richtig ein bisschen schockiert war, als der Erzähler Nedra beim Fremdgehen darstellt, und das im gleichen liebevollen und freundlichen Ton, in dem er vorher das Eheleben von Nedra und Viri geschildert hat. Das hat mich vermutlich stärker berührt, als wenn dieselbe Geschichte aus den Köpfen der Protagonisten heraus erzählt würde – vermutlich weil die Erzählstimme einem vermittelt, dass diese Personen wichtig sind, dass man ihre Liebe und ihre Zukunft nicht auf die leichte Schulter nehmen darf. (So wie es einem ergeht, wenn ein guter Freund etwas erzählt, das ihm selbst nahegeht.)

 

Interessant. Mich hat es an der Stelle auch gerissen, aber einen liebevollen Tonfall habe ich eigentlich nicht wahrgenommen. Eher dachte ich mir: Genial, wie der den diskreten Charme der Bourgeoisie erzählt. Man geht fremd, ist ein wenig gelangweilt, dann wieder zu Hause, die elegante und freundliche Ehefrau: "... Aber Viri – wie wundervoll!" 

 

Den Mut, ein erzählendes "Ich" einzuführen, fand ich auch kolossal, ich meine, das hat er öfter als einmal gemacht.

 

Angelika

Laudatio auf eine kaukasische Kuh. Eichborn 2021. 

Alicia jagt eine Mandarinente. dtv premium März 2018. Die Grammatik der Rennpferde. dtv premium Mai 2016

www.angelika-jodl.de

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Verdammt, ich hoffe, ich finde "Lichtjahre" wieder ... hab es vor längerer Zeit gelesen, war aber irgendwie nicht in der richtigen Stimmung dafür. Jetzt fände ich es hochinteressant, es unter diesen Aspekten wiederzulesen. (Gibt ja zum Glück auch Büchereien ...)

Sehr spannend ist auch, was du schreibst, Anna. Es klingt, als könntest du vielleicht noch etwas für dich herausholen aus deinem Projekt (dessen Beschreibung im Übrigen auch interessant ist ... ) Du hast diese Erzählerin als Person erscheinen lassen, innerhalb einer Rahmenhandlung, richtig? Aber eigentlich wolltest du sie nur als Stimme haben?
Manchmal glaube ich ja, wir treiben die innere Logik, die Stimmigkeit, die das alles für uns haben muss, zu weit ...

Dass man meine Erzählerin bei der Fee nicht hört, um auf deine Frage einzugehen, Barbara, das ist eher gegen meinen Willen so gekommen. Ich wollte sie hörbar machen, ohne sie als Figur auftauchen zu lassen, die Fee ist bei allem ein Kammerspiel für mich, eben die zwei auf der Glasplatte. Und die (ein bisschen durchgeknallte) Beobachterin. Die sollte einen leicht ironischen Tonfall haben, ab und zu ein Halbsatz. Das ist allerhöchstens noch beim Anfang zu spüren (von manchen Lesern gekennzeichnet als "Ich komm nicht gut rein"), später hab ich alle ironischen Halbsätze und hörbaren Erzählerton gestrichen, weil good old Intuition sagte, dass es so stimme. Eine Versuchsanordnung blieb es für mich trotzdem. Und diese Erzählerin war das Mittel, die beiden so aufeinanderprallen zu lassen, ohne mich abzusichern, ohne zu wissen, was passieren würde.

Jetzt muss ich aber den Salter suchen  ...

Liebe Grüße und danke für den anregenden Thread

Claudia

Baronsky&Brendler: Liebe würde helfen  Ein Staffelroman 
Februar 21, Kampa

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Ich erinnere mich, dass ich beim ersten Lesen richtig ein bisschen schockiert war, als der Erzähler Nedra beim Fremdgehen darstellt, und das im gleichen liebevollen und freundlichen Ton, in dem er vorher das Eheleben von Nedra und Viri geschildert hat. Das hat mich vermutlich stärker berührt, als wenn dieselbe Geschichte aus den Köpfen der Protagonisten heraus erzählt würde – vermutlich weil die Erzählstimme einem vermittelt, dass diese Personen wichtig sind, dass man ihre Liebe und ihre Zukunft nicht auf die leichte Schulter nehmen darf. (So wie es einem ergeht, wenn ein guter Freund etwas erzählt, das ihm selbst nahegeht.)

 

Interessant. Mich hat es an der Stelle auch gerissen, aber einen liebevollen Tonfall habe ich eigentlich nicht wahrgenommen. Eher dachte ich mir: Genial, wie der den diskreten Charme der Bourgeoisie erzählt. Man geht fremd, ist ein wenig gelangweilt, dann wieder zu Hause, die elegante und freundliche Ehefrau: "... Aber Viri – wie wundervoll!"

 

Das ist wirklich interessant, liebe Angelika, denn mir geht es da tatsächlich ganz anders. So eine innere Distanzierung ("Seht her, der diskrete Charme der Bourgeoisie") habe ich in "Lichtjahre" nirgends wahrgenommen. Mein Eindruck war immer, dass der Erzähler von "seinen Leuten" spricht, von Menschen und von einer Lebensart, bei denen er zu Hause ist. Überhaupt nehme ich Salter als ziemlich ironiefrei wahr. 

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Dass man meine Erzählerin bei der Fee nicht hört, um auf deine Frage einzugehen, Barbara, das ist eher gegen meinen Willen so gekommen. Ich wollte sie hörbar machen, ohne sie als Figur auftauchen zu lassen, die Fee ist bei allem ein Kammerspiel für mich, eben die zwei auf der Glasplatte. Und die (ein bisschen durchgeknallte) Beobachterin. Die sollte einen leicht ironischen Tonfall haben, ab und zu ein Halbsatz. Das ist allerhöchstens noch beim Anfang zu spüren (von manchen Lesern gekennzeichnet als "Ich komm nicht gut rein"), später hab ich alle ironischen Halbsätze und hörbaren Erzählerton gestrichen, weil good old Intuition sagte, dass es so stimme. Eine Versuchsanordnung blieb es für mich trotzdem. Und diese Erzählerin war das Mittel, die beiden so aufeinanderprallen zu lassen, ohne mich abzusichern, ohne zu wissen, was passieren würde.

 

Ich fand den Erzählton in der "Fee" ja sehr passend, Claudia. Der leicht ironische Anfang hat mir persönlich den Einstieg zwar eher erleichtert, aber dass später beide Hauptfiguren mit Ernst behandelt werden, finde ich richtig gut. Evtl. weil alles Ironische so leicht auf Kosten der Jüngeren (ich weiß ihren Namen gerade nicht mehr) gegangen wäre? Keine Ahnung.

 

Jedenfalls kommt das Konzentrierte der "Versuchsanordnung" nach wie vor sehr deutlich raus, finde ich.

 

Wollte ich nur schnell noch los werden …

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Jedenfalls ist das der Eindruck, der bei mir nach dem Lesen zurückgeblieben ist, um es genau zu belegen, müsste ich den Roman noch mal unter dem Gesichtspunkt lesen. Wichtig finde ich daran aber vor allem, dass der Erzähler in "Lichtjahre" für mich eine vollständige und komplexe Person ist, nicht nur eine Stimme. Er sagt zum Beispiel Sätze wie "Das Leben teilt sich und hinterlässt Narben, ähnlich den Ringen in einem Baum. Wie dicht beieinander die ersten liegen, die Zeit drückt sie zusammen, zwanzig Jahre lassen sich nicht mehr voneinander unterscheiden." (S. 210 in meiner rororo-Ausgabe). Oder die Stelle, die du schon mal zitiert hast, am Anfang von Teil Vier: "Sie wurden im Herbst geschieden. Ich wünschte, es hätte anders sein können. Die Klarheit jeder Herbsttage berührte sie beide." Ich würde es so sagen: Er traut sich nach vorn, mitten ins Licht. Er vertraut nicht nur seiner Geschichte, sondern auch seiner eigenen Stimme. Ganz große Klasse.

 

Liebe Grüße

 

Barbara

 

 

Eine kleine Ergänzung dazu: Wahrscheinlich ist diese Stelle die einzige, wo sich der Erzähler als "Ich" zu Wort meldet. Ich habe damals beim Lesen nicht genau aufgepasst, aber Gustav Seibt ist sich jedenfalls sicher:

http://www.berliner-zeitung.de/ueber-james-salters--lichtjahre--das-sanfte-gesetz-16721812

Bearbeitet von jueb

"Dem von zwei Künstlern geschaffenen Werk wohnt ein Prinzip der Täuschung und Simulation inne."&&&&Projekt MD&&"Erdbeeren & Bananen"

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Das ist wirklich interessant, liebe Angelika, denn mir geht es da tatsächlich ganz anders. So eine innere Distanzierung ("Seht her, der diskrete Charme der Bourgeoisie") habe ich in "Lichtjahre" nirgends wahrgenommen. Mein Eindruck war immer, dass der Erzähler von "seinen Leuten" spricht, von Menschen und von einer Lebensart, bei denen er zu Hause ist. Überhaupt nehme ich Salter als ziemlich ironiefrei wahr. 

 

Nein, nein, nein, Barbara – da habe ich mich jetzt zu kurz und uneindeutig ausgedrückt. Es stimmt, Salters Text nimmt sich keine Ironien heraus und gesellschaftskritisch ist er auch nicht. Er zeigt nur die ganze Zeit – ziemlich filmisch und ganz genau zugespitzt die Charaktere – die natürlich erkennbar einer bestimmten Schicht angehören. Am krassesten wahrnehmbar vielleicht in der Szene, wo Arnaud auf der Straße zusammen geschlagen wird: Der intellektuelle Lebemann, sorglose Genießer und Geschichtenerzähler – als er sich plötzlich in dieser gespenstischen Szenerie wahrnimmt, fällt ihm das ein, was ihm immer Aufmerksamkeit und Sympathien eingetragen hat: Er will den bedrohlichen Typen um ihn eine Geschichte erzählen – "Da war also dieser taube Mann ..." – aber bei diesem Publikum kommt er damit nicht weit, da gelten völlig andere Maßstäbe. Ein kluger, belesener, hoch origineller und ziemlich großartiger Mann – beschränkt auf seine gesellschaftlichen Gewohnheiten. Das zeigt Salter einfach und kommentarlos.

 

Oder hier: Nedra und Viri gehen mit Freunden essen, Gesprächsthema ist die heranwachsende schöne Tochter Franca:

 

"Sie haben eine so schöne Tochter."

"Ich mag sie", gab Nedra zu. "Sie ist eine richtige Freundin für mich."

"Sie hat so etwas Unzerstörbares. Was will sie mal machen?", fragte Michael.

"Ich möchte gerne, dass sie reist", sagte Nedra.

 

Da kann ich sie so gut vor mir sehen: Leute, die gar nicht wissen, was für Dinge sie da sagen! In welcher Welt sie leben.

 

Salter ist kein Kritiker dieser Schicht. Er hat sie nur gezeichnet, Aber genau – jetzt sieht man sie.

 

Angelika

Laudatio auf eine kaukasische Kuh. Eichborn 2021. 

Alicia jagt eine Mandarinente. dtv premium März 2018. Die Grammatik der Rennpferde. dtv premium Mai 2016

www.angelika-jodl.de

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Ich fand den Erzählton in der "Fee" ja sehr passend, Claudia. Der leicht ironische Anfang hat mir persönlich den Einstieg zwar eher erleichtert, aber dass später beide Hauptfiguren mit Ernst behandelt werden, finde ich richtig gut. Evtl. weil alles Ironische so leicht auf Kosten der Jüngeren (ich weiß ihren Namen gerade nicht mehr) gegangen wäre? Keine Ahnung.

 

Die Jüngere in der "Fee" heißt Fee (Feli, Felicitas)  :s01

 

Angelika

Laudatio auf eine kaukasische Kuh. Eichborn 2021. 

Alicia jagt eine Mandarinente. dtv premium März 2018. Die Grammatik der Rennpferde. dtv premium Mai 2016

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Jedenfalls ist das der Eindruck, der bei mir nach dem Lesen zurückgeblieben ist, um es genau zu belegen, müsste ich den Roman noch mal unter dem Gesichtspunkt lesen. Wichtig finde ich daran aber vor allem, dass der Erzähler in "Lichtjahre" für mich eine vollständige und komplexe Person ist, nicht nur eine Stimme. Er sagt zum Beispiel Sätze wie "Das Leben teilt sich und hinterlässt Narben, ähnlich den Ringen in einem Baum. Wie dicht beieinander die ersten liegen, die Zeit drückt sie zusammen, zwanzig Jahre lassen sich nicht mehr voneinander unterscheiden." (S. 210 in meiner rororo-Ausgabe). Oder die Stelle, die du schon mal zitiert hast, am Anfang von Teil Vier: "Sie wurden im Herbst geschieden. Ich wünschte, es hätte anders sein können. Die Klarheit jeder Herbsttage berührte sie beide." Ich würde es so sagen: Er traut sich nach vorn, mitten ins Licht. Er vertraut nicht nur seiner Geschichte, sondern auch seiner eigenen Stimme. Ganz große Klasse.

 

Liebe Grüße

 

Barbara

 

 

Eine kleine Ergänzung dazu: Wahrscheinlich ist diese Stelle die einzige, wo sich der Erzähler als "Ich" zu Wort meldet. Ich habe damals beim Lesen nicht genau aufgepasst, aber Gustav Seibt ist sich jedenfalls sicher:

http://www.berliner-zeitung.de/ueber-james-salters--lichtjahre--das-sanfte-gesetz-16721812

 

 

Nein, da irrt der gute Gustav Seibt :-) Das ist nicht die einzige Stelle. Gleich auf Seite 12 (Berlin Verlag Taschenbuchausgabe) "tritt der Erzähler vor den Leser":

(...) Vor ihr lagen Schere, hauchdünne Käseschachteln, französische Messer. Auf ihren Schultern lag Parfum. Ich werde ihr Leben von innen nach außen beschreiben, von seinem Kern aus, auch das Haus, Zimmer, in denen sich Leben gesammelt hatte, Zimmer im morgendlichen Sonnenschein, die Böden bedeckt mit Orientteppichen, die ihrer Schwiegermutter gehört hatten, aprikosenfarben, rot und braun, Teppiche, die, obwohl sie abgenutzt waren, das Sonnenlicht zu trinken und seine Wärme in sich aufzunehmen schienen; Bücher, duftende Blütenblätter, Kissen in den Farben von Matisse, Dinge wir funkelte Wahrheiten, von denen viele, hätten sie alten Völkern gehört, für das kommende Leben in die Grabstätten gelegt worden wären: durchsichtige Würfel aus Kristall, Hirschhornteile, Bernsteinperlen, Schachteln, Skulpturen, hölzerne Kugeln, Illustrierte, in denen sich Fotografien von Frauen befanden, mit denen sie sich verglich. (...)

 

Liebe Barbara,

was du geschrieben hast, hat bei mir wildes Kopfnicken ausgelöst (besonders, dass der Erzähler Nedra und Viri unterschiedlich beschreibt). Ich hatte auch immer das Gefühl, dass Salter über den Kreis, über das Leben schreibt, in dem er selbst zuhause ist/war. Vielleicht ist aus genau dem Grund "Lichtjahre" sein stärkste Buch (für mich). Auch wenn ich "Alles, was ist" großartig finde, hat es mich nicht so verzaubern können wie "Lichtjahre", bei letzterem hatte ich stellenweise Herzklopfen beim Lesen und konnte wochenlang danach kein anderes Buch lesen. 

 

Dein Hinweis, dass der Erzähler eine vollständige und komplexe Person ist, hat bei mir ordentlich was losgetreten :-). Deine Beispiele haben mich elektrisiert und ich habe mir "Lichtjahre" gleich noch mal vorgenommen und noch mehr solche Stellen gefunden. Eine zum Beispiel auf Seite 32: Ihr Leben ist geheimnisvoll, es ist wie ein Wald; von weitem sieht es wie eine Einheit aus, man kann es begreifen, beschreiben, aber wenn man näher kommt, beginnt es sich zu trennen, sich in Licht und Schatten aufzulösen, die Dichte blendet einen. Hier drinnen gibt es keine klare Formen, nur unendliche Facetten, die sich überallhin ausbreiten: fremdartige Geräusche, einfallendes Sonnenlicht, Laub, umgestürzte Bäume, kleine Tiere, die beim bloßen Geräusch eines knackenden Zweiges flüchten, Insekten, Stille, Blumen.

 

Das ist doch der Hammer, oder? Da beschreibt er doch glatt die Struktur des Romans! Genauso erzählt er ja auch die Geschichte! 

​An der Stelle geht es im nächsten Abschnitt weiter: Und all dieses, das voneinander abhängt, das eng verwoben ist, all dies ist trügerisch. Im Grunde gibt es, wie Viri sagt, zwei Arten von Leben. Es gibt das, von dem die Leute glauben, dass man es lebt, und es gibt das andere. Es ist dieses andere, das Probleme macht, dasjenige, das wir gerne zu Gesicht bekommen würden.

 

Mir kommt es so vor, dass dieser Erzähler, der eine vollständige, komplexe Person ist, durch seine starke Stimme, durch seine Sicht auf Viri und Nedra und ihr Leben und das Leben im Allgemeinen (dein Beispiel mit den Baumringen), genau diesen Raum aufspannt, in dem sich Viri und Nedra (und die anderen Figuren) bewegen.

 

Liebe Grüße

Lisa

​Edit: Das Rechtschreibprogramm macht aus Vidi immer Vidi :-(

Bearbeitet von Lisa
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Zuerst mal (dazu hatte ich ja noch gar nichts gesagt …)

 

Aber ein Beispiel für einen ganz tollen Erzähler bringt Félix J. Palma in seinen Romanen. Er hat einen allwissenden Erzähler mit ganz eigener Stimme, den man im Laufe der Romane richtig kennenlernt - und das, obgleich er nicht ein einziges Wort über sich sagt. Aber man merkt eben sehr genau, wie sein Humor ist, was er mag, was er nicht mag, welchen Figuren er nachempfinden kann, was sie tun, welche er für nicht ganz knusper hält ...

Man erfährt nichts über ihn, aber man lernt ihn kennen. Viele Leser diskutieren angeregt darüber, wer der Erzähler sein könnte. Das ist toll!

 

Das klingt spannend, danke für den Tipp, Jenny!

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Oder hier: Nedra und Viri gehen mit Freunden essen, Gesprächsthema ist die heranwachsende schöne Tochter Franca:

 

"Sie haben eine so schöne Tochter."

"Ich mag sie", gab Nedra zu. "Sie ist eine richtige Freundin für mich."

"Sie hat so etwas Unzerstörbares. Was will sie mal machen?", fragte Michael.

"Ich möchte gerne, dass sie reist", sagte Nedra.

 

Da kann ich sie so gut vor mir sehen: Leute, die gar nicht wissen, was für Dinge sie da sagen! In welcher Welt sie leben.

 

Salter ist kein Kritiker dieser Schicht. Er hat sie nur gezeichnet, Aber genau – jetzt sieht man sie.

 

Ah, jetzt habe ich dich verstanden. Und ich stimme dir völlig zu.

Wobei ich mich beim zweiten Nachdenken auch frage, wie er es schafft, Nedra eine so sprechende Antwort in den Mund zu legen, wenn ihm diese Weltfremdheit nicht bewusst ist … Aber das führt ein bisschen weg vom Thema hin zu Spekulationen über die Persönlichkeit des Autors. Und ich möchte es ungern Gustav Seibt nachtun, der Salter gleich zum Seelchen erklärt (in der Rezension, die jueb verlinkt hat, danke, jueb!), weil ihm seine Art zu schreiben offenbar nicht gefällt. (Und nebenbei, was für Abgründe tun sich denn da auf? Richtige Männer schreiben anders – bei der Luftwaffe braucht es richtige Männer – also kann Salter nur einen Schreibtischjob gehabt haben??)

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Eine zum Beispiel auf Seite 32: Ihr Leben ist geheimnisvoll, es ist wie ein Wald; von weitem sieht es wie eine Einheit aus, man kann es begreifen, beschreiben, aber wenn man näher kommt, beginnt es sich zu trennen, sich in Licht und Schatten aufzulösen, die Dichte blendet einen. Hier drinnen gibt es keine klare Formen, nur unendliche Facetten, die sich überallhin ausbreiten: fremdartige Geräusche, einfallendes Sonnenlicht, Laub, umgestürzte Bäume, kleine Tiere, die beim bloßen Geräusch eines knackenden Zweiges flüchten, Insekten, Stille, Blumen.

 

Das ist doch der Hammer, oder? Da beschreibt er doch glatt die Struktur des Romans! Genauso erzählt er ja auch die Geschichte! 

 

Stimmt, Lisa!! Das wäre echt das perfekte Bild für den Aufbau des Romans bzw. für den Blick des Erzählers – genau dieses Hin- und Herwechseln zwischen Detailbildern und dem Nachzeichnen großer Konturen, die aber evtl. nur das widerspiegeln, was andere in einem sehen ("das [Leben], von dem die Leute glauben, dass man es lebt").

 

Der Gegenpol unter den starken Erzählstimmen wäre für mich die in "Hundert Jahre Einsamkeit". Da lässt sich der Erzähler überhaupt nicht in die Karten schauen, sondern kommt mit der Autorität des Allwissenden daher und erzählt so, als würde er völlig nüchtern Fakten berichten. "Die Welt war noch so jung, dass viele Dinge des Namens entbehrten, und um sie zu benennen, musste man mit dem Finger auf sie deuten …"

Bearbeitet von BarbaraS
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Tolle Diskussion! Und ich habe den Seelchen-Luftwaffen-Artikel (der Hinweis am Schluss ist doch der Hammer, dass es für Saddam andere Männer braucht!) trotz allem genossen, weil auch vieles, abgesehen von der Luftwaffe, über das Buch drinnensteht, was ich treffend und nachdenkenswert finde. Habe den Salter AUF ANHIEB gefunden. (Und das verwundert in meiner jetzigen Situation wirklich sehr! Ich finde das wenigste ...) Jetzt lese ich und empfinde das Luftwaffenseelchen und seinen Erzähler ganz anders als beim letzten Mal. Dass der Seibt nichts zu dem "Wir" sagt, das am Anfang auftaucht, wundert mich. Da steckt das Ich doch drinnen ...  der wollte unbedingt den "spektakulären Auftritt" des Ich-Erzählers feiern, weil er daran seine Rezension aufhängt.

Und jetz hör ich auf, von Nebensächlichem zu quatschen ...

Liebe Grüße in die Runde

Claudia

Baronsky&Brendler: Liebe würde helfen  Ein Staffelroman 
Februar 21, Kampa

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Und ich habe den Seelchen-Luftwaffen-Artikel (der Hinweis am Schluss ist doch der Hammer, dass es für Saddam andere Männer braucht!) trotz allem genossen, weil auch vieles, abgesehen von der Luftwaffe, über das Buch drinnensteht, was ich treffend und nachdenkenswert finde.

 

Ja, das finde ich auch, unbedingt. Was er über die Schönheit sagt zum Beispiel. Und dass das Leben der Figuren fast etwas Pflanzliches hat, auf jeden Fall etwas Schicksalsloses. (Übrigens ein Grund, warum ich das Buch so mag. Weil es sich der sooo vertrauten, von der Figurenpsychologie getriebenen Logik verweigert.)

 

Dass du den Salter gleich gefunden hast, wundert mich nach Lesen von Josefine aber gar nicht, Claudia.

Bearbeitet von BarbaraS
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Und ich habe den Seelchen-Luftwaffen-Artikel (der Hinweis am Schluss ist doch der Hammer, dass es für Saddam andere Männer braucht!) trotz allem genossen, weil auch vieles, abgesehen von der Luftwaffe, über das Buch drinnensteht, was ich treffend und nachdenkenswert finde.

 

Ja, das finde ich auch, unbedingt. Was er über die Schönheit sagt zum Beispiel. Und dass das Leben der Figuren fast etwas Pflanzliches hat, auf jeden Fall etwas Schicksalsloses. (Übrigens ein Grund, warum ich das Buch so mag. Weil es sich der sooo vertrauten, von der Figurenpsychologie getriebenen Logik verweigert.)

 

Ja, I agree. Allen Figuren bleibt ein ziemliches Trumm Resträtsel – so wie wir uns im Leben ja auch nie ganz sicher sind, was der oder die so it. "Opak" hat irgendein Kritiker mal dazu gesagt.

 

Und das wundert mich auch nicht:

 

 

Dass du den Salter gleich gefunden hast, wundert mich nach Lesen von Josefine aber gar nicht, Claudia.

 

Angelika

Bearbeitet von Angelika Jo

Laudatio auf eine kaukasische Kuh. Eichborn 2021. 

Alicia jagt eine Mandarinente. dtv premium März 2018. Die Grammatik der Rennpferde. dtv premium Mai 2016

www.angelika-jodl.de

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Liebe Barbara, liebe alle,

was mir in Sachen Erzählstimme noch durch den Kopf geht, ist nicht nur die Sache mit dem "wo im Raum steht der Erzähler?", sondern auch: An wen wendetet er sich? Wem erzählt er die Geschichte?

 

Um mal Claudias Erzählerin aus der Fee zu nehmen: Hast du dir da den Experimente-Zuschauer vorgestellt, Claudia? Weil je nachdem, wer dem Experiment zuschaut, erzählt die Experiment-Leiterin ja anders. Also einem Mitarbeiter kann sie zum Beispiel Fachliches erzählen, ohne es für einen Nichtkenner der Materie übersetzen zu müssen. Oder macht sie das Experiment, um jemandem etwas zu beweisen? Oder ...

 

Ich glaube, dass der Raum, den die Erzählstimme aufspannt, je nach Adressat ein anderer ist. Bei "Lichtjahre" habe ich das Gefühl, dass dieser Wir-Anfang mich sofort in diesen Kreis mitnimmt, dass der Erzähler aber weiß, dass ich NICHT aus dieser Schicht komme, dass mir diese Menschen und ihr Leben fremd sind. Und so erklärt er mir dieses Leben, das wie ein Wald ist... Wenn ich aus dieser Welt kommen würde, müsste er mir vieles nicht erklären. Ähnlich geht es mir mit Oliver Storz, bei dem der Erzähler mir total elegant das Gefühl gibt, dass er MIR die Geschichte erzählt und dass er weiß, dass ich diese Zeit nicht kenne. So erklärt er mir, was eine Lightning ist, wo es das und das zu holen gab, usw. Wäre der Adressat einer aus Storz' Clique, würde der Erzähler die Geschichte komplett anders erzählen.

 

Wie steckt ihr diese Koordinaten Sender-Empfänger ab? Wie spannt ihr den Raum auf? Welche Fragen sind für euch da wichtig? Ich schlag mich da grad ziemlich mit rum, seufz.

 

Liebe Grüße

Lisa

Bearbeitet von Lisa
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was mir in Sachen Erzählstimme noch durch den Kopf geht, ist nicht nur die Sache mit dem "wo im Raum steht der Erzähler?", sondern auch: An wen wendetet er sich? Wem erzählt er die Geschichte?

 

Diese Frage auf 3.-Person-Erzähler anzuwenden, finde ich gerade sehr inspirierend. Und schwierig …

Bei Ich-Erzählern habe ich da etwas mehr Erfahrung – und da ist mir jetzt aufgefallen, dass ich die Frage, wem sie erzählen, vor allem bei kürzeren Texten extrem wichtig fand. Ich vermute, weil bei kürzeren Texten die Frage des Weglassens so eine große Rolle spielt. Da muss der Erzähler genau wissen, was er aussprechen will und was nicht.

 

Bei "Visby" hatte ich einen Ich-Erzähler mit klarem Adressaten, der aus einem konkreten Grund für eine konkrete Person erzählt – und sich sehr genau überlegt, was er wie sagt bzw. vor allem, was er nicht sagt. Und außerdem eine Ich-Erzählerin, die "für sich" erzählt bzw. für einen unbestimmten Adressaten. Die erzählt, um sich selbst noch mal zu vergegenwärtigen, was da passiert ist, und die sich dabei als Zuhörer/Leser einen wohlwollenden Fremden vorstellt. In kürzeren Texten hatte ich dagegen eigentlich immer Modell A: eine klar definierte Erzählsituation, die auch in der Geschichte vorkam.

 

Bei naher personaler Perspektive "sehe" ich den Erzähler meist als Sekundanten der Figur, glaube ich. Er steht ihr zu Seite, auch wenn sie Mist baut, aber er hat sich nicht einzumischen. Bei etwas distanzierteren Erzählern … Wie gesagt, da fange ich gerade erst an nachzudenken. Da wäre ich auch sehr dankbar für weitere Erfahrungsberichte!

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Ja, ein weites Feld ... Bei Lichtjahre habe ich aber das Gefühl, dem Erzähler geht es nicht darum, dass wir da draußen so wenig von diesem Leben wissen, also er nimmt nicht etwa "Rücksicht" auf uns, die er in dieses Wir hineinzieht, nein, ihm selbst ist dieses Leben so undurchdringlich wie der Wald, so fremd, darum geht es ihm doch andauernd, die Distanz, den vermeintlich klaren Blick, und die Makrosicht, in der nichts mehr zu verstehen ist. Er will es "uns", vermutlich den Lesern, ganz simpel gesehen, erzählen, aber er will es auch und vielleicht vor allem selbst verstehen, die Erklärungen die er gibt: Ich werde es ... so und so erzählen (habe keine Lust, das Zitat zu suchen) sind vielleicht an ein fiktives Publikum gerichtet, aber klingen auch ein bisschen wie Anweisungen, die er sich selbst gibt.

 

Bei Oliver Storz, wenn ich mich recht erinnere, fühlt man sich abgeholt, es ist sein Bestreben, es auch uns, den nachfolgenden Generationen zu übermitteln, diese ganz spezielle Atmosphäre in jenem Sommer im Freibad, in jenem letzten Sommer mit der Clique. (Wenn er es seinen Cliquenkumpels erzählen würde ... dann wäre es eine hermetischere Geschichte, sie würde sich vor allem auch an Tote richten. Wenn er es nur seinen Generationsgenossen erzählen würde, aus der Sicht des alten Mannes, muss er davon ausgehen, dass nicht mehr so viele von ihnen da sind.)
Ich glaube, ehrlich gesagt, Erzähler, die sich an eine spezifische Gruppe richten, gibt es nicht so oft. (Außer: an Jugendliche/Kinder/Frauen/Science Fiction-Bewanderte, also Zielgruppen, vom Genre/Autor so gedacht). Würde sich die Erzählerin der Fee (die ja nur eine Hilfskonstruktion ist) für ihr Experiment eine Hilfskonstruktion eines Fachpublikums oder ihre einsame alte Tante suchen, hätte ich die Geschichte so nie erzählen können, zu sehr gefärbt der Blick und, wenn man die Fachkollegen bedenkt, viel zu groß die Einschränkung. Und man müsste sich fragen: Wie steht sie zu den Kollegen? Ist sie akzeptiert? Oder finden sie alle zu durchgeknallt mit ihren Ideen? Das hätte den Fokus komplett von den Figuren weggelenkt. Und ich wollte ja ein Kammerspiel. Ich glaube, in diesem Fall war die Erzählerin eine Hilfskonstruktion wie bei Nadolny (Das Erzählen und die guten Absichten), ich brauchte sie irgendwann nicht mehr. Der Blickwinkel des Experiments war für mich wichtig, das Publikum nicht.
Und ich selbst stelle mir oft eine Bühne vor, klar. Nicht nur die Figuren auf der Bühne, denen sich der Erzähler nähert oder auch nicht, zwischen denen er sich bewegt, auch ein Publikum. Das man jedoch als Autor und Erzähler nicht wirklich einschätzen kann, das im Dunklen bleibt, das sich aber diese Veranstaltung ausgesucht hat. Der Saal ist dunkel. Ich als Erzähler kann die Leute nur wahrnehmen, ich kann sie mir vorstellen, sie mir wünschen, wie sie sein könnten (ist das nicht so bei Terezia Mora? Dass man sich den Adressaten vorstellt? Und wenn es einen solchen Adressaten nicht gibt, dann muss man ihn erfinden?). Anders als beim Ich-Erzähler habe ich bei personal/quasi-auktorial eine große Freiheit. Und der, glaube ich, ist schwer beizukommen. (Reinsprechen in den Theaterraum. Und immer die Frage: Warum tut man das eigentlich? Diese Frage bleibt.)

Liebe Grüße

Claudia

 

Edit: Mit Barbara überschnitten!

Bearbeitet von ClaudiaB

Baronsky&Brendler: Liebe würde helfen  Ein Staffelroman 
Februar 21, Kampa

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Ja, ein weites Feld ... Bei Lichtjahre habe ich aber das Gefühl, dem Erzähler geht es nicht darum, dass wir da draußen so wenig von diesem Leben wissen, also er nimmt nicht etwa "Rücksicht" auf uns, die er in dieses Wir hineinzieht, nein, ihm selbst ist dieses Leben so undurchdringlich wie der Wald, so fremd, darum geht es ihm doch andauernd, die Distanz, den vermeintlich klaren Blick, und die Makrosicht, in der nichts mehr zu verstehen ist. Er will es "uns", vermutlich den Lesern, ganz simpel gesehen, erzählen, aber er will es auch und vielleicht vor allem selbst verstehen, die Erklärungen die er gibt: Ich werde es ... so und so erzählen (habe keine Lust, das Zitat zu suchen) sind vielleicht an ein fiktives Publikum gerichtet, aber klingen auch ein bisschen wie Anweisungen, die er sich selbst gibt.

Das stimmt, glaube ich – und auch wieder nicht. Erst mal das Zitat (es war das, das Lisa schon am Wickel hatte, ganz vorne in Kapitel2 ):

 

"Sie hatte die Stiele der Blumen, die auf der hölzernen Anrichte ausgebreitet waren, gekürzt und angefangen, sie zu arrangieren. Vor ihr lagen Schere, hauchdünne Käseschachteln, französische Messer. Auf ihren Schultern lag Parfüm. Ich werde ihr Leben von innen nach außen beschreiben, von seinem Kern aus, auch das Haus, Zimmer, in denen sich Leben gesammelt hatte, Zimmer im morgendlichen Sonnenschein, die Böden bedeckt mit Orientteppichen ... [es folgt eine lange Sammlung von Preziositäten] ... Wer putzt dieses große Haus, wer schrubbt die Böden? Diese Frau – sie tut alles, sie tut nichts. Sie trägt ihren sandfarbenen Pullover, schlank wie eine Gerte, die langen Haare zusammengebunden, das Feuer prasselt im Kamin. Ihr wahres Interesse gilt dem Kern des Lebens: Mahlzeiten, Bettücher, Kleidung. Alles andere hat keine Bedeutung; es wird irgendwie erledigt. Sie hat einen breiten Mund, den Mund einer Schauspielerin, aufregend, strahlend..."

 

Das ist keine Welt, die uns unbekannt, ihm aber vertraut ist, das sehe ich auch so. Es ist aber auch nicht so, dass der Erzähler selber ahnungslos darin herum irrt. Er  t u t  allerdings so – so kommt es mir vor. Nehmen wir dieses Zitat:

 

Eine wundervolle Frau wird vorgestellt. Bei einer häuslichen – sagen wir mal "Verrichtung", denn Blumen stecken kann man kaum als Arbeit bezeichnen. Dann kommt sein Versprechen: von innen nach außen beschreiben – das ganze Leben immerhin. Das heißt, der Knabe kennt seine Figur zu 100 Prozent. Aber dann kommt gleich nach einer langen Aufzählung der luxuriösen Gegenstände in dem Haus die Überraschung: Sie schrubbt die Böden, daschauher! Und sofort wieder eine seltsame Einschränkung: Sie tut alles, sie tut nichts. – Wäre dieser letzte Satz ganz und gar die Auffassung des Autors, müsste der sich ja wohl die Frage gefallen lassen, ob da kein Unterschied besteht zwischen alles und nichts. Mit kam es so vor, als sei diese Auskunft zum Teil dem Selbstverständnis der Figur (und ihrer Umgebung) entsprungen: Mensch, Nedra, sagt die Umgebung, du schrubbst tatsächlich die Böden, du, das Luxusgeschöpf? Du tust wohl alles für deine Familie, dein Haus? Und sie antwortet graziös: Aber das ist doch nichts, ich bitte dich.

 

Gleich der nächste Satz: 

Ihr wahres Interesse gilt dem Kern des Lebens: Mahlzeiten, Bettücher, Kleidung. Alles andere hat keine Bedeutung; es wird irgendwie erledigt.

 

Da frag ich mich auch: Kern des Lebens sind Bettücher??? Na ja, sie tut halt sonst auch nicht viel. Wein trinken und schöne Bücher lesen, okay, aber – wenn man Nedra selbst fragen würde, dann wäre der Luxus wohl nicht so wichtig, sondern nur ihre hausfrauliche Arbeit. Und: alles andere hat keine Bedeutung? Wie – was ist mit Ehemann Viri etwa? Ist der gemeint? Da würde sie vielleicht nur mit den parfümierten Schultern zucken, um gleich wieder aus der Szene zu treten, denn der Erzähler steht schon bereit und fügt ein bisschen außen zum innen: Sie hat einen breiten Mund, den Mund einer Schauspielerin, aufregend, strahlend...

 

Und so geht das das ganze Buch durch. Mit seinem dauernden schaukelartigen Wechseln zwischen einem kurzen Innenblick in die Figur sofort wieder raus und erzählen, was sie tut, wie sie aussieht. Das verleiht dem Roman eine tolle Dynamik, weil es trotz aller Behauptungen, Urteile, Gedanken nie zu einer längeren Reflexion des Erzählers (oder einer Figur) kommt, sondern die Figuren dauernd etwas tun. Obwohl lustigerweise sehr viel nicht geschieht: Essen, Freunde, eine Party, Urlaub am Meer, auch Nedras Affäre "geschieht" quasi nur so nebenher (es wird irgendwie erledigt.). Die wenigen Momente, wo wirklich was passiert, hauen dann um so mehr rein.

 

Ich kenne die Figuren, aber ich verrate euch das Geheimnis nicht, sagt der Erzähler. Äh, sage ich über ihn.

Angelika

Laudatio auf eine kaukasische Kuh. Eichborn 2021. 

Alicia jagt eine Mandarinente. dtv premium März 2018. Die Grammatik der Rennpferde. dtv premium Mai 2016

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