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Sabine

Was macht ein überraschendes Ende aus?

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Mit überraschenden Enden (wenn beispielsweise die Ich-Erzählerin stirbt ;)) polarisiert man natürlich die Leser (mitunter auch Agenten und Lektoren.) Die eine Hälfte ist begeistert, die andere wäscht einem den Kopf: "Wie konntest du nur!" Diese Kritik muss man aushalten können.

Das Ende eines Romans muss für mich punktgenau zur Handlung passen. Es sollte nicht "angepasst" werden, nur um die Erwartungshaltung der Leser zu befriedigen. Aber allein diese Aussage polarisiert schon wieder! ;D

 

LG

 

Helene

Helene Luise Köppel LESEN hält wach - garantiert! Aktuelle Romane: "Töchter des Teufels" (6 Katharerromane), Neu: "Knotenstricker" (Thriller)

                                         

                                 

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Ich fange kein Projekt an, ohne dass ich schon im Voraus weiß, wie es beginnt und wie es endet. Das sind die Eckpfeiler für mich. Und das Plot beschreibt den Weg von A nach B. Beim Plot bin ich flexible. Während des Schreibens kann es durchaus Änderungen geben, neue Figuren treten auf, die Handlung macht unerwartete Schlenker, aber der Zielpunkt bleibt der gleiche.

 

Obwohl das Ende an sich feststeht, die Weise wie es erzählt wird, steht dabei nicht fest. Ob es überraschend kommt, ob Fragen offen bleiben, das überlasse ich der Eingebung beim Schreiben, so wie es mir dann logisch erscheint. Das hat was mit der Handlung bis dahin zu tun, aber besonders auch mit dem Charakter und der Motivation der Figuren, wie sie sich im Laufe der Geschichte herausgearbeitet haben. Das kann ich daher auch am Ende wissen, aber meist muss ich mir darüber wenig Gedanken machen, denn es ergibt sich einfach.

 

Für mich ist es nicht so wichtig, ob das Ende überraschend ist (hatte ich auch schon ein paarmal), ob es traurig ist oder ein Happy End, es muss folgerichtig und schlüssig sein und zu der Entwicklung des gesamten Romans den befriedigenden Endpunkt setzen, der dazu gehört. In der Musik lieben wir auch die Schlussnote, die sich als solche ankündigt, ob bei einer Symphonie oder im Blues oder Jazz. Sie runden das Stück ab auf eine Weise, die zum Gesamten passt. So sehe ich auch das Romanende. 

 

Um noch mal auf den Spoiler (siehe oben :) ) zu kommen, ein Happy End hätte in diesem Roman, der Unsinn und Grausamkeiten des Kreuzzugs beschreibt, wirklich nicht gepasst. Der Held durfte nicht einfach unversehrt in den Sonnenuntergang reiten. Meine Lektorin hat zwar aufgeschrien, wie ich dem Mann das antun kann, aber es war für mich das richtige Ende.

Bearbeitet von Ulf Schiewe

Die Montalban-Reihe, Die Normannen-Saga, Die Wikinger-Trilogie, Bucht der Schmuggler, Land im Sturm, Der Attentäter, Die Kinder von Nebra, www.ulfschiewe.de

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Interessant, wie unterschiedlich gearbeitet wird. Von meinem Roman über ein Bildhauerehepaar, das ich doch hoffentlich Ende dieses Jahres abschließe (ich schreibe das auch, um mich bei der Stange zu halten :-) ) weiß ich - so scheint es mir jedenfalls - alles, nur nicht das Ende. Zwar weiß ich, dass meine Hauptfigur stirbt, aber ob es z.B. ein Freitod sein wird oder nicht (was doch einen gravierenden Unterschied macht), entscheidet sich erst, wenn ich schreibend dorthin gelangt bin. 

 

Herzlichst

jueb

"Dem von zwei Künstlern geschaffenen Werk wohnt ein Prinzip der Täuschung und Simulation inne."&&&&Projekt MD&&"Erdbeeren & Bananen"

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Interessant finde ich, dass sich bei mir - womöglich irrtümlich - das Gefühl einstellt, die meisten von uns verlangen ein Ende, das "genau passt", "sich aus der Handlung ergibt" etc.

Ich kann das nachvollziehen - manchmal kommt mir mein Ende vor wie die letzte Zahl beim Sudoku: Es kann nur eine geben, und wenn ich die eingefüllt habe, kann ich mir auf die Schulter hauen: Alles richtig ausgefüllt.

 

Im Hinterkopf habe ich aber das Posting von Angelika auf der ersten Seite, in dem sie auf ein - meiner Ansicht nach bemerkenswertes - Phänomen hinweist: sehr häufig wirken die Enden von Romanen inszeniert, die Figuren, die sich bis dahin lebendig bewegten, erstarren und werden zu Requisiten-Schleppern dieses Endes. Zu Sudoku-Zahlen. Mir geht das auch oft so, lesend wie schreibend. Manchmal wünsche ich mir den Mut, ein Ende einfach eine weitere Reihe von Seiten sein zu lassen, statt die einzig mögliche, mit ausholender Geste hingemalte Zahl, die etwas Erwartetes haben muss, auch wenn sie unerwartet kommt, weil sie dort schon hingehörte, ehe eine Geschichte da war.

 

Charlie

"Der soll was anderes kaufen. Kann der nicht Paris kaufen? Ach nein, in Paris regnet's ja jetzt auch."

Ararat - "Und sie sollen nicht vergessen sein" Knaur, 1. März 2016. www.charlotte-lyne.com

 

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Für mich ist es nicht so wichtig, ob das Ende überraschend ist (hatte ich auch schon ein paarmal), ob es traurig ist oder ein Happy End, es muss folgerichtig und schlüssig sein und zu der Entwicklung des gesamten Romans den befriedigenden Endpunkt setzen, der dazu gehört. 

 

Das finde ich einen wichtigen - und für mich passenden - Hinweis. Die Frage: muss das Ende unbedingt überraschend sein? Ist der Roman dann qualitativ wertvoller, der Autor begabter, wenn er dem Leser ein überraschendes Ende präsentiert?

 

LG Cornelia

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Wenn das Ende nicht überrascht, muss ein Roman auf andere Weise bzw. anderen Ebenen überraschen können. Sicherlich ist das alles, wie schon vielfach angemerkt wurde, Genre-abhängig. Ein guter Thriller oder Krimi braucht doch ein überraschendes Ende  - oder? Ausnahmen bestätigen die Regel.

Bearbeitet von jueb

"Dem von zwei Künstlern geschaffenen Werk wohnt ein Prinzip der Täuschung und Simulation inne."&&&&Projekt MD&&"Erdbeeren & Bananen"

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Wenn das Ende nicht überrascht, muss ein Roman auf andere Weise bzw. anderen Ebenen überraschen können. Sicherlich ist das alles, wie schon vielfach angemerkt wurde, Genre-abhängig. Ein guter Thriller oder Krimi braucht doch ein überraschendes Ende  - oder? Ausnahmen bestätigen die Regel.

 

Nicht unbedingt. Beim Thriller geht es doch meist darum, ob der Protagonist überlebt. Meistens tut er das ja auch, insofern keine Überraschung. Es kommt darauf an, wie auf das Ende zugearbeitet wird, wie die Spannung aufgebaut wird, welche absurden Schwierigkeiten zu überwinden sind, durch welche Gefühle der Leser gezerrt wird, bevor er endlich aufatmen kann. Das macht den Thriller aus, nicht das Ende. Was nützt einem ein langweiliger Thriller mit einem überraschenden Ende? Gar nichts!

Die Montalban-Reihe, Die Normannen-Saga, Die Wikinger-Trilogie, Bucht der Schmuggler, Land im Sturm, Der Attentäter, Die Kinder von Nebra, www.ulfschiewe.de

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Wenn das Ende nicht überrascht, muss ein Roman auf andere Weise bzw. anderen Ebenen überraschen können. Sicherlich ist das alles, wie schon vielfach angemerkt wurde, Genre-abhängig. Ein guter Thriller oder Krimi braucht doch ein überraschendes Ende  - oder? Ausnahmen bestätigen die Regel.

 

Nicht unbedingt. Beim Thriller geht es doch meist darum, ob der Protagonist überlebt. Meistens tut er das ja auch, insofern keine Überraschung. Es kommt darauf an, wie auf das Ende zugearbeitet wird, wie die Spannung aufgebaut wird, welche absurden Schwierigkeiten zu überwinden sind, durch welche Gefühle der Leser gezerrt wird, bevor er endlich aufatmen kann. Das macht den Thriller aus, nicht das Ende. Was nützt einem ein langweiliger Thriller mit einem überraschenden Ende? Gar nichts!

 

 Danke Ulf, sehe ich ganz genauso!

 

LG Cornelia

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Mein absolutes Lieblingsende findet sich leider nicht in einem Buch, sondern in einem Film: "Little Miss Sunshine".

Etwa ab der Mitte des Films habe ich mich gefragt: Wie wollen sie es jetzt hinbekommen, die Geschichte zu einem positiven Ende zu bringen, ohne dass sie ein verkitscht-US-amerikanisches Happy-End drüberstülpen, das sich vollkommen falsch angefühlt hätte.

Und es ist gelungen: das Ende passt zum Film, ist überraschend, obwohl alle Indizien zu sehen waren, und hat die Geschichte nicht zerstört oder süßlich enden lassen.

 

Für mich  muss ein gutes Ende nicht überraschend sein, sondern kann auch - gerade bei Thrillern - sich konsequent aus Figuren und Plot entwickeln, aber davon leben, dass ich als Leserin bis zum bitteren Schluss hoffe, dass die Autorin oder der Autor noch einen Ausweg oder eine Rettung für die Figuren erlaubt. Beispiele sind für mich das Ende von Frances Fyfields "Im Kinderzimmer" oder der Tod von Eddard Stark in "Das Lied von Eis und Feuer".

 

Liebe Grüße

Christiane

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Beim Thriller geht es doch meist darum, ob der Protagonist überlebt. Meistens tut er das ja auch, insofern keine Überraschung. Es kommt darauf an, wie auf das Ende zugearbeitet wird, wie die Spannung aufgebaut wird, welche absurden Schwierigkeiten zu überwinden sind, durch welche Gefühle der Leser gezerrt wird, bevor er endlich aufatmen kann. Das macht den Thriller aus, nicht das Ende. Was nützt einem ein langweiliger Thriller mit einem überraschenden Ende? Gar nichts!

 

 

Nach einer strikten Genre-Definition mag das so sein.

 

Da heißt es oft: "Beim Krimi geht es darum, ein Verbrechen aufzuklären; beim Thriller darum, eines zu verhindern."

 

Das ist aber doch in der Praxis längst überholt.

 

Der Unterschied zwischen Krimi und Thriller ist meistens der, dass im Thriller der Protagonist oder dessen Angehörigen in Gefahr geraten und die Bedrohungslage immer da ist. Das hat man im Krimi meistens nicht.

 

Aber dass es um die Auflösung geht (also wer der Täter ist, welches Motiv er hat usw.) haben beide Genres in der Praxis doch meistens gemeinsam.

 

Und dass der Protagonist überlebt, weiß man doch sowieso in den allermeisten Fällen. Nur aus der Frage könnte ich als Leser

niemals Spannung ziehen.

 

Beispiele sind z.B. die Thriller-Reihen, die immer beliebter werden. Die von Robotham fällt mir da gerade als aktuellstes Beispiel ein.

Da weiß man ganz genau, dass der Protagonist überlebt, weil er nämlich in weiteren Büchern noch weitere Verbrechen aufklären muss.

Und wenn ihm was passieren sollte, dann wohl eher durch Parkinson als durch ein Verbrechen.

Trotzdem werden diese Bücher gezielt als Thriller verkauft (weil die Bedrohung halt weiter präsent ist) - und m.E. steht in jedem von ihnen die Täterfrage im Vordergrund.

 

Und abseits der Reihen braucht man sich nur mal Deutschlands zurzeit erfolgreichste Thriller-Autoren anzugucken:

Charlotte Link und Sebastian Fitzek.

Auch bei deren Büchern geht es ganz wesentlich um die Täter- und Motivfrage und darum, wie alles zusammenhängt.

Ich behaupte mal, dass die allermeisten Leser der beiden erwarten, am Ende in der Täter-Frage überrascht zu werden.

Dass der Protagonist fast immer überlebt, weiß ich beim Lesen sowieso.

 

 

"Was nützt einem ein langweiliger Thriller mit einem überraschenden Ende? Gar nichts!"

 

 

Das eine hängt ja in den meisten Thrillern mit dem anderen zusammen. Denn sie ziehen ihre Spannung eben genau daraus,

dass man die Auflösung wissen will (die Bedrohungssituation kommt dann noch hinzu).

Bearbeitet von MichaelT
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Für mich ist ein gutes Ende überraschend. Es geht anders aus, als ich erwartet hatte. Deshalb hab ich dem Thread diesen Titel gegeben. Natürlich muss ich dazu sagen, dass ich eher im Spannungsgenre zu Hause bin. Sicher gibt es Leser, die nicht zwingend überrascht werden müssen, um ein Ende für gut zu befinden. Und sicher gibt es auch nicht das Geheimrezept schlechthin. Es gibt viele Wege, die zu einem tollen Ende führen. Und ich finds schön, dass hier schon viele gute Ansätze zusammengekommen sind. Mir hat der Thread bisher viel gebracht und ich bedanke mich bei euch, dass ihr so fleißig mitdiskutiert.

 

@ MichaelT: Ich hab das von dir empfohlene Buch zu Ende gelesen und was soll ich sagen: Du hattest recht. Erst dachte ich die ganze Zeit, meine Güte, ist das durchschaubar und naiv gestrickt. Und dann dieser eine Moment – mir ist fast das Herz stehen geblieben. Schade nur, dass der Roman bis dahin sehr langweilig ist – wobei es natürlich sein kann, dass ein Pupertierender sich in dem Egoshooting wiederfindet und es deshalb spannend findet.

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@ Sabine: Klar - dass das Buch im Verlauf nicht sehr spannend ist, seh ich auch so.

 

Aber man hat das ja schnell durch, und mir ging es gezielt um das Ende.

 

Und das ist grandios.

 

Ich glaube schon, dass die Autorin es locker hingekriegt hätte, über das ganze Buch richtig Spannung reinzubringen.

Aber dann wär das vielleicht auch irgendwann nichts mehr für 14-jährige gewesen. Ich finde, bei dem Ende ist 14 eigentlich so schon zu jung.

Bearbeitet von MichaelT
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